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Samstag, 31. Dezember 2011

Jahresrückblick 2011

Schon beinahe ist es für mich Tradition geworden, zum Jahreswechsel Rückschau auf das vergangene Bergjahr zu halten. Während die Ausgaben 2009 und 2010 noch auf dem Portal hikr.org erschienen sind, geht es in dieser Serie nun hier auf meinem Blog weiter. Übrigens, ich habe wirklich ein Flair für Zahlen, es ist eine „déformation professionelle“ – wer sich am Zahlensalat und an Statistiken stört, der möge dieses Posting auslassen. 

Wie bereits in den Vorjahren kann ich wieder auf ein sehr befriedigendes Bergjahr mit vielen Höhepunkten und Glanzlichtern zurückblicken. Ich war total 138x alpinsportlich in den Bergen unterwegs. Unzählige Seillängen, Gipfel und Höhenmeter waren dabei, und noch wichtiger, viele unvergesslich schöne Momente. Sieht man von einigen unbedeutenden Schürfwunden und hin und wieder arg schmerzenden Händen wegen „Kuhnagel“ ab, so blieben negative Ereignisse zum Glück gänzlich aus. 

Am meisten Raum in meinem Bergjahr nimmt das Sportklettern mit 60 Tagen ein. Mit wenigen Ausnahmen konnte da stets die ganze Familie mit dabei sein. Zwischen dem Spielen mit den Kindern, dem Füttern, Schöppelen und Windeln wechseln konnte ich dennoch über 300 SL klettern, mit dabei auch einige einigermassen harte Moves. Im Freien gelang mir 2x eine Route im Grad 8a Rotpunkt, dazu gab es nach etwa 35 Versuchen mit dem Motto „Hartnäckigkeit zahlt sich aus“ eine weitere 8a Indoor. Bei einer vierten Route im für mich magisch-grenzwertigen Grad 8a gelang mir bereits 2x der saubere Durchstieg beim Ausräumen im Toprope, an der Vorstiegsbegehung wird aber noch gearbeitet. Als Highlights in dieser Sparte sind sicher auch unsere Klettertrips nach Finale, ins Frankenjura, das Tessin und nach Kalymnos zu werten – dies mit unseren beiden Kleinkindern auch jedes Mal eine kleine, logistische Herausforderung. 

Skibergsteigen am Pizzo Gallina, Januar 2011
Eine meiner liebsten, wenn nicht die liebste alpine Disziplin ist das alpine MSL-Sportklettern. 29x war ich im 2011 derartig unterwegs. Fast jede dieser Touren hätte hier eine Erwähnung als Highlight verdient, doch ich beschränke mich hier auf die beiden Scheel-Kultrouten Supertramp/Bockmattli und Amarcord/Rätikon, sowie die eindrückliche Freakonomics in der Eiger-Nordwand. In meinem Lieblingsgebiet, an den Wendenstöcken war ich auch wieder 5x unterwegs, da bleiben, wohl an Wintertagen mit Hudelwetter, sogar noch einige Tourenberichte nachzutragen. 

Meist im Fels spielen sich auch meine Erschliessungs- und Erstbegehungsarbeiten ab: 17 Tage wendete ich im 2011 dafür auf, kein einziger davon reut mich aber rückblickend. In Lungern, am Äscher, auf der Galerie und in Kalymnos bohrte ich total 10 Klettergartenrouten, die „Presswehen“ sind mit dem inzwischen bestätigten Grad 7c meine härteste Neutour je. Meine beste MSL-Erstbegehung vom 2011 ist ganz sicher das „Prachtsexemplar“ am Bockmattli, doch auch die „Jenelana“ ebenda ist sehr gut, und die noch nicht komplett publizierte „Sturmfrei“ in der Chöpfenberg NW-Wand ist im 2012 bestimmt auch deinen Besuch wert. In Sachen MSL-Erstbegehungen leistete ich in der zweiten Jahreshälfte schon Vorarbeit für den nächsten Sommer: 3 Trümpfe sind da in meiner Hand, hoffen wir auf gut gesinnte Klettergötter! 

Wenden wir uns der kalten Materie zu: Skitouren gab es im Jahr 2011 nur eine rekordverdächtig tiefe Zahl von 20 Stück. Wegen dem generell schneearmen Winter, dem sehr warmen April und unserem Familienzuwachs im März gab es für mich am 26.3. den frühesten Saisonschluss in den 20 Jahren, in welchen ich auf Touren gehe. Noch dazu war auch der Herbst extrem trocken und lange Zeit lag gar kein Schnee, so dass ich erst am 11.12., also fast 9 Monate später, wieder auf den Ski war. Diese Frist lag auch schon unter 4 Monaten in früheren Jahren! Wie auch immer, da es nur selten Schnee gab, waren die Lawinenverhältnisse oft günstig, so dass eindrückliche und exotische Extremtouren wie die Hinter Schloss Nordflanke, der Gross Düssi, der Tristelhorn-Nordtrichter, der Chli Spannort Hauptgipfel und der Vorder Glärnisch gelangen. 

Himmelsleiter, oder Treppe zum Glück - am Pizzo Gallina im Januar 2011
Ebenfalls auf H2O in gefrorenem Aggregatszustand spielt sich das Eisklettern und das Bergsteigen ab: hier kann ich nicht mit grossen Anzahlen trumpfen, dafür mit umso höherer Qualität. Zum Eisklettern war das warme 2011 auch eher schlecht – im Brunnital reichte es für den Rechten Lisslerenfall (WI5), und im Ducantal für die Stapfetenstrasse (WI3). Während ich im Sommer nie zum Bergsteigen kam, gab es im Spätherbst dann einen richtigen Knaller, ja das ultimative Tourenhighlight im 2011: die Durchsteigung der äusserst eindrücklichen Grandes Jorasses Nordwand über den Crozpfeiler. 

Die restlichen Tourentage fallen verschiedenen Bergaktivitäten zu: dem Bouldern (2x), Bergtouren mit dem Gleitschirm (6x, mit dem Highlight des Pizzo Morisciöi im Tessin) und einem einzigen Wandertag. Allerdings war dieser äusserst ausgiebig, es handelt sich nämlich um die lange Wägital Rundtour (>20 Gipfel, >100 Leistungskilometer, >4700hm). Schon seit Jahren trug ich diese Idee nach der Lektüre der alten Bockmattliführer mit mir herum, bis ich dann spontan und ohne Vorbereitung loszog. Es war ein langer und sehr anstrengender Tag, dafür aber unglaublich reich an Eindrücken, und definitiv eines meiner Berg-Highlights im 2011. 

Ab geht's! Das neue Jahr 2012 startet hoffentlich auch so schwungvoll!
Nun möchte ich es an dieser Stelle nicht vergessen, all meinen BegleiterInnen im 2011 herzlich zu danken – ohne euch wäre es nicht halb so lässig. In erster Linie Kathrin, Larina und Jerome, aber natürlich auch (in alphabetischer Reihenfolge): Anika, Barbara, Basti, Christof, Christoph A., Christoph M., Christoph O., Daniel, Erich, Evelyne, Hans, Jonas, Kathi, Manuela, Markus, Reto, Richard, Sepp, Walter und Xaver :-)

Zuallerletzt wünsche ich nun dir ein tolles und erfolgreiches neues Jahr. Ich hoffe, ich kann dich auch im 2012 zu meinen Lesern zählen - ich auf jeden Fall werde an dieser Stelle weiter hin und wieder meine Tourenaktivitäten und meine Gedanken publizieren. 

1 Kommentar:

  1. Hoi Marcel,

    das ist wahrlich ein tolles 2011-Tourenportfolio! Beim Lesen deines JRB schimmert der Statistiker ("mit Leib und Seele") durch. Wie schaffst du es eigentlich, Beruf, Familie und Bergaktivitäten (138x im 2011) unter einen Hut zu bringen? Eure Begehung an den Grandes Jorasses und die eindrücklichen Berichte dazu (von dir und Walter Hölzler) verdienen den grössten Respekt! Ich backe da wesentlich kleinere Brötchen: Meine Highlights im 2011 waren die Solobesteigung des vordersten Mürtschenstocks (2390 m) und der Nachstieg durch die Kl. Verschneidung am Brüggler, welche ich in den 70er Jahren 6x begangen habe - damals noch mit wenig Zwischensicherungen und ohne Routenmarkierung!

    Fürs 2012 wünsche ich dir viele tolle und unfallfreie (Erst)Besteigungen!

    Herzlich grüsst dich

    Cornelius

    P.S.:
    Ich hab 1997-99 einen NDK in Statistik an der ETHZ besucht und mit dir vor einigen Monaten im Milandia über den Ruchennordpfeiler am Glärnisch gesprochen...

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