Zum Abschluss unserer Ferien in den Hautes-Alpes ergab sich doch noch eine MSL, wenn ich diese auch alleine im Lead Rope Solo Modus bestreiten musste. Nachdem wir unser Camp geräumt hatten, wollte sich der Rest der Familie unverzüglich auf den Heimweg machen. Das schien mir a) verfrüht und b) verkehrtstechnisch nicht optimal. Da aber Kathrin und Jerome eine Woche später mit einem zweiten Auto nachgereist waren, stand (m)einem um einige Stunden erweiterten Verbleib in der Gegend nichts im Wege. Der Entdeckungsdrang lockte mich ins zwar zu Frankreich gehörige, aber stark italienisch geprägte Vallé Étroite, wo wir nur vor vielen Jahren einmal für eine Tour an der Paroi des Militaires waren.
Nicht auf meinem Radar war, dass die Strasse ins Tal während der Ferienzeit von 9.00-15.30 Uhr für den Autoverkehr gesperrt ist. Dies ist insofern nicht das ultimative Hindernis, als dass man entweder per Shuttlebus fahren oder notfalls die rund 4km Distanz auch zu Fuss überbrücken könnte. Noch bequemer ist natürlich die von mir gewählte Lösung mit dem Bike. Mit diesem kann man nicht nur bis zur Bergerie fahren, wo man die Strasse verlässt und über die Brücke den Fluss überquert, sondern auch noch dem Pfad etwas flussaufwärts folgen, bis bei einem grossen Steinhaufen der steile Teil des Zustiegs beginnt. Dieser umfasst jedoch nur gute 5 Minuten. Dort, wo man an die Wand stösst, befindet sich rund 10m weiter rechts auch schon der beschriftete Start in die Route. Etwas nach 14.00 Uhr startete ich mit der Kletterei.
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| Die nötigen Infos findet man wenn nicht hier auf dem Blog dann gleich am Einstieg ;-) |
L1, 15m, 6a: Steil geht's los, zuerst an einer Art Verschneidung, welche man entlang von einer Fuge nach links verlässt. Diese bietet gute Henkel, wegen der Trittarmut muss man sich aber doch mal kurz gut festhalten. Ist man um die Ecke gebogen, folgt nach wenig leichtem Gelände schon die Standkette.
L2, 15m, 6a: Der Auftakt bietet erst noch mässig schwierige Kletterei, aber es zieht schon bald an. An einer Kante mit kleinem Dächli wartet eine knifflige Stelle, bevor man sich athletisch die steile Verschneidung hinauf arbeitet. Wer die Übersicht behält, kann es aber recht gut wegstehen. Links kommt dann bald eine Standkette, besonders bequem ist dieser Platz aber nicht. Es gibt jedoch 5m weiter oberhalb der Blöcke einen bequemeren, zuerst nicht sichtbaren Stand mit 2 nicht verbundenen BH.
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| Blick vom Einstieg auf den Verlauf von L1 und L2. |
L3, 20m, 6b: Zuerst am besten nicht gerade wie der Elefant im Porzellanladen über das hohl tönende Blockchaos hinweg. Die Route zieht nach rechts raus und nicht die steile Verschneidung hinauf. Die Kletterei wechselt nun zu wandartigem Charakter bei bester Felsqualität. Ein steiler Wulst will in grauem Premier Cru à la Rätikon gemeistert werden - toll! Die Passage danach sieht eindrucksvoll schwierig aus, ist aber dank schön positiven Tropflochleisten gängig. Nochmals mehr Planung fordert das Finish mit seiner Rechtsquerung, wo man auf nicht so guten Tritten steht.
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| Hier sieht man die obere Hälfte von L3 (6b); wo das Seil um die Ecke verschwindet, startet L4 (6a+). |
L4, 20m, 6a+: Kurz nach rechts und dann hinauf, es wartet gleich eine Stelle, wo man 1x kurz kräftig ziehen muss. Dann geht's weiter mit der tollen Wandkletterei in wasserzerfressenem Fels, wie man sie von der vorangehenden Seillänge kennt. Man steigt schliesslich auf ein Bandsystem aus, der Stand befindet sich etwas rechts. Vorsicht an der etwas brüchigen Schlussstufe.
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| Schöner Tropflochfels in L4 (6a+), die Standkette von L3 (6b) ist auch im Bild. |
L5, 30m, 5c+: Man wähnt die Wandkante schon nah und die Kletterei deutlich einfacher wie zuletzt. Beides stimmt nicht ganz: man kriegt die längste Seillänge der Route geboten, das Gelände ist steil und griffig und die Kletterei bis zuletzt vergnüglich. Einen gebohrten Stand gibt's am Ende nicht (oder dann hätte ich ihn nicht gefunden), eine solide Fichte bietet sich aber ideal an.
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| Am Routenende mit Blick talauswärts, die Wand rechts im Talgrund ist die Paroi des Militaires. |
Etwas vor 16.00 Uhr und damit noch unter 2:00h der Kletterei hatte ich das Top das zweite Mal erreicht und konnte die Turnschuhe montieren. Nach einer kurzen Pause machte ich mich auf den Abstieg. Dazu steigt man vom Routenende noch ca. 20m auf, bevor man auf einem gut begehbaren, aber exponierten Band diagonal durch die Wand zu einer Abseilstelle quert (es stecken auf dem Band wenige BH, d.h. man könnte diese ca. 50m lange Passage sichern, falls gewünscht). Man erreicht schliesslich am Ende dieses Bandes eine Abseilstelle, wo man an 2 BH mit Kette in 1x25m den Wandfuss erreicht. Diesem entlang wird abgestiegen (und nicht etwa im grossen Geröllcouloir!). Man passiert nochmals den Einstieg und ist in Kürze retour auf dem Talboden. So nahmen auch meine Ferien ein Ende. Die Heimreise verlief smooth - bis auf die Tatsache, dass im Valle di Susa wegen einer Demo mit gewalttätigen Ausschreitungen die Autobahn auf einem Abschnitt gesperrt war und sich dort für eine Weile langsames Vorankommen ergab. Als Entschädigung kam ich dafür nachher zügig voran und auch am Gotthard herrschte freie Fahrt, so dass ich noch vor Mitternacht daheim in den Federn lag.
Facts
Croz del Rifugio - Via Classica 6b (5c+ obl.) - 5 SL, 100m - Guardia di Finanzia 2002 - ***;xxxxx
Material: 1x50m-Seil, 10 Express, Cams/Keile nicht nötig
Relativ kurze, vergnügliche Plaisirkletterei mit minimalem Zustieg. Die ersten beiden Seillängen bieten steil-griffige Kletterei entlang von Verschneidungen. Dort ist die Absicherung mit BH fast hallenmässig eng gehalten. Nachher folgen zwei Abschnitte über wasserzerfressene, senkrechte Wände. Dank der prima Struktur bleiben die Schwierigkeiten im überschaubaren Rahmen, eine tolle Sache! Dort ist die Absicherung immer noch sehr gut, wenn auch nicht mehr ganz so eng gehalten. Der Schlussabschnitt ist nicht mehr ganz so kompakt, aber doch sehr vergnüglich. Die Route erhält viel Sonnenschein und bietet sich auch für die kälteren Jahreszeiten an - im Sommer wählt man besser einen Tag mit bewölkten Himmel. Wer noch mehr braucht als diesen Blog oder weitere Routen an der Wand kennen lernen will, der konsultiere C2C, den Kletterführer Oisans Nouveau, Oisans Sauvage oder den Briançon Climbs.






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