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Donnerstag, 27. August 2026

Kreuzberg III - Zwischenwelten (7b+)

Schon die vierte Hitzewelle ist im Sommer 2026 angerollt, somit bleiben weiterhin nur die schattigen Wände eine Option zum MSL-Klettern. Mein Kletterpartner ist in Herisau stationiert und somit drängt sich eine Unternehmung im Alpstein auf. Eine Tour in den Nordwänden der Kreuzberge soll es werden, und für mich gibt es eine logische Wahl. Nämlich die erst im 2022 von meinen Bekannten Christof und Lukas erschlossene Zwischenwelten. Christof hatte ich an den Schweizer Kletterwettkämpfen kennen gelernt, wo er wie ich für seine Tochter als Betreuer anwesend war. Erstaunlich wenige Elternteile der Comp Kids sind Outdoor-Kletterer oder gar MSL-Aficionados nach unserem Schrot und Korn - so ist es wenig erstaunlich, dass wir einen verbindenden Draht fanden. Die Gemeinsamkeit geht auch bezüglich der hier beschriebenen Route weiter: auch für mein Gusto ist es eine Linie mit genialer Kletterei, einwandfreier Absicherung und freundlicher Bewertung.

Sicht auf die NW-Wand von Kreuzberg III (2019m) mit dem Verlauf von Zwischenwelten (rot) und Gummi (orange).

Die erste Schlüsselstelle zu dieser Tour besteht definitiv im Zustieg. Die Kreuzberge hatte ich bei den vergangenen Touren von verschiedenen Ausgangspunkten besucht: Nasseel oberhalb von Sax im Rheintal, von der Bahn auf die Stauberenchanzel und von Wildhaus über den Mutschensattel. Aufwändig sind alle diese Zugänge und welcher nun der schnellste bzw. idealste ist, hängt einerseits vom persönlichen Ausgangspunkt und der Fitness ab. In die obigen drei Möglichkeiten reiht sich der Zugang vom Parkplatz Pfannenstiel bei Brülisau ähnlich ein. Es sind ca. 6.25km in Luftlinie (Gehdistanz natürlich einiges mehr) und rund 1100 Höhenmeter. Und dies für eine Route von nur gerade fünf Seillängen - wenig erstaunlich, dass es sich um ein Unternehmen für Leute haltet, welche neben dem Klettern auch Freude am Wandern haben.

Bei der Furgglenhütte kurz vor der Bollenwees rückt die Nordwand vom Kreuzberg III ins Blickfeld.

Wir machten uns um ca. 7.50 Uhr mit minimierten Gepäck auf den Weg, waren zügigen Schrittes nach rund 1:15h bei der Bollenwees, etwa eine halbe Stunde später bei der Roslenalp, und nach gut 2:00h am Einstieg der Route. Dieser befindet sich bei zwei nicht verbundenen BH und ist mit dem Fototopo gut auszumachen. Bei angenehmer Frische erholten wir uns vom Aufstieg und starteten in der Gegend von 10.30 Uhr mit der Kletterei.

L1, 45m, 8 BH, 6b+: Ein ideales Aufwärmprogramm mit stets interessanter Kletterei, welche sich steil, anhaltend und gutgriffig präsentiert - nie sehr schwierig, nie sehr einfach. Die Tritte hingegen sind nicht ganz so üppig vorhanden und oft auch etwas glatt, so muss man immer etwas planen und schauen. Man erreicht schliesslich ein Band und teilt dort den Raumer-Bügelstand mit der Route Gummi.

L2, 45m, 10 BH, 7a: Links aus dem Stand heraus führt die Route Gummi weiter, für Zwischenwelten traversiert man ein paar Meter auf dem Band nach rechts. Es folgt eine erste Stufe mit Seitgriffrippen, wo man sich schon einmal etwas festhalten muss. Dann geht's vorerst etwas einfacher und gutgriffig dahin, bis es dann in der zweiten Hälfte mehr und mehr anzieht. Supertolle Kletterei an kleinen, meist positiven Schüppli wartet, wobei es Leisten und Seitgriffe gibt. An einer Stelle relativ kurz vor Schluss gibt's Kontakt mit dem Härzlipfad rechts und seinem antiken Kronenbohrhaken.

Hübsche und anregende Kletterei an Schüppli, Leisten und Seitgriffen trifft man in L2 (7a) an.

L3, 10m, 1 BH, 6a+: Naja, nicht das Filetstück der Route. Aber dann so speziell, dass es doch auch schon wieder Spass macht. Ich kletterte vor dem Eindruck, dass beim Stand gerade hoch die beste Option wäre. Das ist aber gar nicht mal so einfach, einfach tief nach links zum einzigen BH zu traversieren wäre laut meinem Nachsteiger die wesentlich einfachere Option. Nach dem BH quert man dann am Grasbalkon. Um auf diesen zu steigen war er mir zu abschüssig, somit also mit Coiffeurgriff tief bleibend zum Stand, welcher erneut gemeinsam mit Gummi ist.

Eher aussergewöhnliche Kletterei mit Coiffeurgriff in L3 (6a+).

L4, 35m, 10 BH, 7b+: Wow, eine Superlänge! Anhaltende, senkrechte und bisweilen sogar etwas drückende Wand, gespickt mit kleinen (Seitgriff-)Schüppli und positiven Leisten. Die Sache ist ziemlich homogen, wobei der Auftakt-Boulder, ein steile Zone in der Mitte und ein anhaltender Part im letzten Drittel herausstechen. Geduld und Fingerkraft-Ausdauer sind auf jeden Fall hilfreich, ebenso gute Fusstechnik auf kleinen Tritten und geeignetes Schuhwerk dafür. Souverän stieg Bernat das durch, was mir im Nachstieg dann ebenfalls gelang. Ob ich es auch im Vorstieg geschafft hätte? Schwierig zu sagen, dass etwas Chalk auf den Griffen war und er mir die Sequenz im schwierigeren, oberen Teil sehr gut ansagen konnte, machte womöglich den entscheidenden Unterschied.

Monumentale Wandkletterei in kompakten Fels in der Cruxlänge (L4, 7b+). Etwas Argwohn erweckt der Böögg (=Klemmblock) im Nasenloch am rechten Bildrand. Wie gut er wohl verkeilt ist?!? Die Route führt zu wenig nahe daran vorbei, als ob man es ergründen könnte.

L5, 15m, 3 BH, 6c: Ein nur noch relativ kurzes, aber schönes Hindernis auf dem Weg zum Top. Zum Klettern weder ganz einfach noch wirklich schwierig, wobei mir eine ganz objektive Einschätzung nicht so einfach fällt - denn ich wollte hier auf keinen Fall mehr die perfekte Begehung vergeigen, was ja oft ziemlich schwer am Gurt lastet. Wer sich nochmals fordern möchte, kann sich hier an die strikte Hakenlinie halten, mit etwas freierer Interpretation des Verlaufs geht's kommoder. Der Abschlusstand links um die Ecke erneut gemeinsam mit Gummi.

Eher kurz, aber ein lässiger Abschluss zur Route: L5, 6c.

Um 13.20 Uhr hatten wir nach knapp 3:00h Kletterei das Routenende erreicht und konnten tatsächlich die perfekte Team-Onsight/Flash-Begehung verbuchen. Wie immer eine geniale Sache, wenn man alle der gestellten Aufgaben sauber lösen kann. Wir machten uns noch auf den Weg zum Top: kurz über Schrofen zum Vorgipfel, rückseitig abkraxeln und dann zum Steinmann hoch. Die Aussicht ins Rheintal und rundherum war wie immer grandios und wir genossen sie eine Weile, bis es uns zu warm wurde. Somit zurück zum Routenende, von wo man sehr bequem in drei senkrechten, geradlinigen und je gegen 50m langen Strecken an den Einstieg gelangt. Da räumten wir unsere Ware dann zusammen und spazierten nochmals ausgiebig nach Brülisau zurück. Der Spirit war nach dieser Tour und dem sauberen Durchstieg natürlich sehr hoch. Auch wenn wir an dem Tag länger gewandert als geklettert sind, gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

Das nächste Mal, wenn wir Lust auf eine ausgiebige Wandertour im Alpstein haben, nehmen wir dann die Route Parzival an der Dreifaltigkeit ins Visier ;-)

Facts

Kreuzberg III - Zwischenwelten 7b+ (6c+ obl.) - 5 SL, 150m - Dürr/Looser 2022 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express

Tolle, bis Mitte Nachmittag schattige MSL-Sportkletterei. Nach einer guten Aufwärmlänge warten zwei richtig lässige, kleingriffig-senkrechte, crimpy Wandkletterlängen, sowie zwei kürzere, einfachere Teilabschnitte. Abgesichert ist die Route vollständig und tiptop mit rostfreien BH. Cams und Keile kann man getrost daheim lassen, im Angesicht des weiten Zustiegs schadet die Minimierung des Gepäcks sicher nicht. In der Zwischenwelten ist nicht nur die Absicherung fair, sondern auch die Bewertungen. Die Cruxlänge ist aber doch recht anhaltend, warum wohl doch so etwas im Bereich 6c+ obligatorisch ist. Dies ist nicht so einfach einzuschätzen, wenn man es durchgestiegen hat. Aber eben, anhaltend, tiptop gebohrt, keine Runouts und bedenkenloses Sturzgelände, das sind die Attribute. Wer sein Gepäck weiter reduzieren möchte (und die Route sicher hochkommt), könnte auch mit 1x50m antraben, da man auch gut zu Fuss absteigen kann. Allerdings müssen dann die Schuhe an den Gurt und ob der sehr einfachen Abseilmöglichkeit ist das Abkraxeln auch kaum schneller. Infos und Topos zur Wand befinden sich im SAC-Kletterführer Alpstein (in der mir vorliegenden 4. Auflage von 2022 ist die Route jedoch noch nicht enthalten!), im Plaisir Ost 2026 ist sie gestrichelt eingezeichnet.

Weitere Berichte zu Routen an den Kreuzbergen:

Kreuzberg II - Elysium (7b+)
Kreuzberg III - Velo (6c+)
Kreuzberg III - Blatta (7a)
Kreuzberg III - Extrameile (6c)
Kreuzberg IV - Graue Eminenz (8a)

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