Nach einer dringenden Empfehlung hatte ich die Wand von Araya auf unsere "must do"-Liste dieses Trips gesetzt. Tolle Ausdauerkletterei in sintrigem Gelände an noch weitgehend unverbrauchtem Fels in einer ruhigen und sonnigen Umgebung gäbe es da zu geniessen. Als dann (bei einer dynamisch-labilen Wetterlage) auch noch sämtliche Karten und Modelle im Gebiet ca. 80km nördlich von Valencia am meisten Sonne bei gleichzeitig minimalem Niederschlagsrisiko versprachen war der Tag gekommen. Die Details folgen hier erst noch, aber ganz kurz: Kletterei prima, Wetter naja.
Tag 5: Araya (Teil 3 / Teil 5)
Das kleine Nest Araia (das Dorf wird gängig mit "i" geschrieben, das Gebiet aber mit "y") befindet sich im Hinterland der Küstenstadt Castellò de la Plana und ist von der Autobahn über ca. 8km an kurviger Bergstrasse anzufahren. Gerade am Eingang des Orts geht's rechts ab auf eine unbefestigte Piste. Gut befahrbar an sich, nur an einer Stelle wo einstürzende Altbauten die Strasse verschüttet haben, ist es kurz etwas eng. Google Maps kennt den Standort des zu wählenden Parkplatzes und leitete uns zuverlässig dahin. Für den Zustieg auf dem gut ausgetretenen Pfad (auf OSM/TheCrag verzeichnet) zu den noch nicht sichtbaren Felsen brauchten wir 25 Minuten. Grundsätzlich liegt das Gebiet sehr sonnig, wegen dem vorgelagerten Grat ist im Hochwinter aber bereits irgendwo zwischen 15-16 Uhr fertig mit der Wärmestrahlung. Das war insofern hypothetisch für uns, als dass es bewölkt war und bereits leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Möglichst schnell los mit der ersten Route, konnte das Motto nur lauten.
Pincha Perros (7a, os): Schöne, flowige Route mit durchgehend interessanter Kletterei. Sie weist eine relativ markante Crux auf, dort wo man von der Sintersektion wieder etwas flacheres Gelände gewinnt. Erstens einmal gilt es die Lösung zu erkennen, dann braucht's auch noch etwas Power um sie auszuführen.
Bis wir alle drei die Route getoppt hatten, war aus dem Nieseln ein ausgewachsener Schauer geworden. Übrigens die einzige Regenzone, welche an diesem Tag über das von Valencia aus in diesem Radius erreichbare Gebiet hinweg zog, ganz im Gegenteil zu dem, was die Wettermodelle angekündigt hatten. Künstlerpech also... an weitere Kletterei war vorerst nicht zu denken: die Routen sind zwar überhängend und blieben mehrheitlich trocken. Doch es beginnen alle mit einer 5-10m hohen, eher plattigen Zone bevor es steil losgeht. Die wurde eben befeuchtet, und ebenso wäre man beim Sichern komplett durchnässt worden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Sache auszusitzen. Das war auch gar nicht mal so einfach hier, eigentlich verrückt, an einem spanischen Felsen keinen so richtig trockenen und meterweit geschützten Spot am Wandfuss zu finden. Immerhin wurden wir nur leicht betröpfelt, nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, wir griffen wieder an und hatten für den Rest vom Tag Ruhe vor dem Regen.
Red Chili (7a+, os): Ein weiterer, 35m langer Knaller - so genial! Abwechslungsreiche und immer spannende Kletterei an Broccoli-Fels, Sintern und Leisten. Zwei Abschnitte stechen heraus. Wie in der Pincha Perros (7a) ist das Verlassen der sintrigen Steilzone die Crux. Auch hier gilt es die Beta zu erahnen und sie dann mit Strom auszuführen. Weiter oben wartet dann auch noch eine leistige Wandkletter-Crux, die man aber gut wegstehen kann.
Malos Pensiamentos (L1 7b/+ os, L2 7c): Was für eine Route, welche mir einen riesigen Fight abverlangt hat. Nach steilplattigem Auftakt geht's erst athletisch einer Rampe entlang zur Sache. Dann eine kräftige Lochsektion, gefolgt von einem sehr technischen, nervenaufreibenden Mantle. Und zum Schluss gibt's dann noch zwei knifflige Wandkletter-Boulder mit Ruhepunkt dazwischen. It ain't over till it's over... nach heftigem Kampf, langem Schütteln und kreativem Tüfteln unterwegs hatte ich endlich den finalen Henkel in der Hand. Und somit natürlich auch gleich die Verpflichtung, noch den 7c-Abschlussboulder zur zweiten Kette auf 40m anzugehen - einfach ins Seil sitzen konnte bzw. wollte ich ja nicht. So viel hatte da schlussendlich nicht gefehlt, aber die entscheidenden kleinen Leisten ohne schlaue Füsse nach diesem Fight noch zu dübeln ging leider nicht ganz. Ich war mir aber sicher "Larina kann das", zumindest wenn sie den kniffligen Schluss vom ersten Teil meistert. Genau so kam es dann auch: nach kurzem Innehalten vor diesen Bouldersequenzen wurden die Leisten mit Leichtigkeit gehalten, ein souveräner Durchstieg war das Resultat.
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| Andere Perspektive, aber immer noch Larina in Malos Pensiamentos (7c). |
Nachdem auch Kathrin ihr Projekt gemeistert hatte, brach schon wieder die Dunkelheit herein und wir machten uns auf den Rückweg. Naja, die besten Verhältnisse hatten wir nicht getroffen, die Kletterei und auch die Umgebung hatten uns aber sehr gefallen. Mit 3x35m an permanent spannender Herausforderung und den entsprechenden Punkten im Gepäck war auch das ein sehr erfolgreicher Klettertag gewesen.
Topo & Infos
Wir nutzten nur TheCrag, was einwandfrei funktioniert hat. Gedruckte Topos findet man im ganz neuen Costa Azahar CLIMB. (Domingo, 2025) oder im Levante Climbs North (2019). Der Parkplatz ist oben verlinkt, es haben ca. 5-6 Autos Platz. Achtung, auf keinen Fall die Durchfahrt behindern! Notfalls sollte man einige Minuten weiter weg an der Zufahrtsstrasse noch Abstellmöglichkeiten finden.



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