- -
Posts mit dem Label Chiavenna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chiavenna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 9. August 2021

Precipizio di Strem - Niente Paura (6c)

Nachdem wir über den Splügenpass nach Italien gereist waren, wollten wir am zweiten Tag des Trips mit Kathrin eine weitere MSL anpacken. Weiter östlich in den Dolomiten waren noch immer Schauer im Programm, während es in der Region Chiavenna zwar wechselnd bewölkt aber trocken bleiben sollte. So schien es die richtige Strategie, noch vor Ort zu bleiben und endlich einmal der eindrücklichen Wand des Precipizio di Strem im Val Bodengo einen Besuch abzustatten. Unsere primäre Absicht war eine Begehung der gängigsten und auch im Plaisir Sud aufgeführten Route namens 'La Ragnatela'. Gekommen ist es schlussendlich ein wenig anders... Ich hüte mich ja auf diesem Blog generell davor, auf die Führerliteratur zu schimpfen. Meist liegen solche Probleme mehr bei der mangelnden Vorbereitung der Aspiranten wie an tatsächlichen Nachlässigkeiten der Autoren. Zudem weiss ich aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, träfe und stets aktuelle Infos aus überregionalen Gebieten zu verbreiten. Doch auf dieser Tour war es unter dem Strich schon so, dass die Gegebenheiten vor Ort nicht so wirklich mit unseren angelesenen Erwartungen übereinstimmten.

Der Precipizio di Strem im Val Bodengo mit dem (ungefähren) Verlauf der Route 'Niente Paura'.

Anyway, zuerst gilt es in Gordona in der Bar Doc die Tagesbewilligung für das Val Bodengo (10 Euro) zu lösen und dann über die schmale, kurvenreiche und zuletzt nicht mehr asphaltierte Bergstrasse den Ausgangspunkt bei Corte Terza zu erreichen (ca. 30-40' ab Chiavenna). Vom Parkplatz ist die Wand bestens sichtbar und es gibt im Groben keine grossen Fragezeichen, wo der Weg entlang geht. Links an den Häusern vorbei, über die Wiesen hinauf zum Waldrand. Von dort gäbe es tatsächlich schwache Wegspuren, welche zum Einstieg führen. Man muss dafür zu Beginn eher links in noch halboffenem Gelände halten, die Spur touchiert später sogar die Bachschlucht, die links drüben von der Wand hinunterzieht und quert von dort wieder in den Wald zurück. Nun denn, das stellten wir erst im Abstieg fest, im Aufstieg verkofferten wir uns auf die Diretissima. Was grundsätzlich problemlos ist, der Wald ist gut begehbar wenn auch weglos, nur fehlt einem leider im dichten Laubwerk bald einmal die Übersicht, wo man sich befindet. Weiter oben wird das Gelände nämlich mehr oder weniger überall felsig, aber wo genau sich der Tourenstart auf den kompakten Placche dell' Aquila befinden würde, erforderte durchaus Sucharbeit und Spürsinn. Irgendwann erblickten wir schliesslich das Fixseil, das über eine erste Stufe hinaufhalf, danach war sogar ein Holzschild angebracht, das zum an sich logischen Ausgangspunkt leitete. 

Endlich fündig geworden! Am Einstieg, ganz offensichtlich gilt hier: unten plattig, oben steil!

Das Problem an dieser Stelle war einzig, dass im Plaisir Sud nur eine einzige Linie (mit Verzweigung nach Hälfte der ersten Länge) verzeichnet war. Im lokalen Büchlein Chiavenna Rock waren es deren 3 Stück, doch vor Ort waren mehrere Linien sichtbar und die Gegebenheiten weder mit der einen oder der anderen Skizze in Einklang zu bringen. Das spielte insofern auch keine grosse Rolle, als dass sich die ersten 3 Seillängen im plattigen Fünfergelände abspielen sollten, womit wir ja keine Probleme haben. In der Gegend von 11.00 Uhr kletterten wir los. L1 (50m, ca. 5b) war dann auch tatsächlich gutmütig, ebenso gut mit Inox-BH saniert - aus den verschiedenen Optionen wählte ich jene ganz links, den Instruktionen im Plaisir Folge leistend. In L2 (50m, ca. 6a+) ging es noch nicht viel schwieriger los, bald aber wurde es steiler, kompakter und ernster - die Absicherung war mehr und mehr verpflichtend, das Hakenmaterial alt und verrostet und vor allem schien am Ende der Länge der Weg nach oben aufs Band gar nicht mehr eingerichtet. So schlug ich mich in L3 (50m, ca. 5c) in einer Quasi-Erstbegehung nach rechts durch (dabei noch 2 Möglichkeiten für Cams gefunden), bis ich schliesslich auf die wieder mit neuen Inox-BH ausgerüstete Linie der Niente Paura traf, welche ich bis zum Stand auf dem Band am oberen Ende der Aquila-Platten und vor dem steilen Wandteil erreichte. 

Genussvolle Plattenkletterei in schön strukturiertem Fels auf den Aquila-Platten. Allerdings sind auf diesen Platten nur die ersten Seillängen richtig gut mit Inox-BH saniert, nachher wird die Absicherung spärlich und der Verlauf der diversen alten Linien unübersichtlich und mit keinem unserer beiden Topos vereinbar.

Hier nun schlug der Plaisir die Querung zum Start der Ragnatela vor. Doch man hätte sich hier in nach T6 aussehendem Gelände durch den Dschungel schlagen müssen, ein Weg in diesem Sinne war nicht vorhanden... zusammen mit einem Blick in den lokalen Führer, der für diese Querung 3 Seillängen im Grad 4a vorschlägt und unserem Zeitbudget schien es schliesslich die bessere Option, die verbleibenden 6 Seillängen der Niente Paura bis zu deren Ende zu verfolgen. Deren Linie war/schien attraktiv, mit Inox-BH gut abgesichert und während ich die Ragnatela nicht kenne würde ich sagen, dass sie sicherlich ein genauso wertvolles Ziel hergibt.

Kann hier jemand einen Weg erkennen? Der Plaisir Sud schlägt als Zugang zur Ragnatela die Querung über das grasig-dschunglige Band (leicht rechts der Bildmitte, am Fuss der steilen Wand) ganz nach links hinüber und um die Ecke vor. Wegspuren gibt es keine und eine Begehung ist sicherlich sehr beschwerlich...

L4, 30m, 6a: Über eine Platte an die Wand heran, dort dann steiler in hervorragend strukturierter, gneisiger Wandkletterei hinauf. Die Haken stecken ein bisschen kreuz und quer, die Erstbegeher haben sich im Verlauf der Erschliessung wohl 2-3x umentschieden über den weiteren Verlauf. Mit langen Exen und Halbseiltechnik aber kein Problem.

Sehr schöner Gneis, optimal strukturiert, ein richtiger Genuss zum Klettern (L4, 6a).

L5, 30m, 6a+: Erneut sehr schöne Kletterei an prima strukturiertem Gneis mit sloprigen Leisten, was mich sehr an die Kletterei am Pizzo d'Eus erinnert hat. In der Mitte muss man sich für den vorgeschlagenen Grad zwischendurch schon ganz ordentlich festhalten! Am Ende dann über eine Grasrampe nach links zu bequemem Stand.

Das Ende über die Grasrampe in L5 (6a+) ist wenig fotogen, rechts am Bildrand der Parkplatz.

L6, 35m, 6a+: Ähnliches Programm wie zuvor, sehr schöne Kletterei in strukturiertem Gneis. Gegen oben hin legt sich die Wand ein wenig zurück, wir programmiert wird auch die Struktur weniger, so dass die Anforderung konstant bleibt. Gegen Ende hin heisst es dann schon, seinen Weg ziemlich sorgfältig zu planen!

Toll dieser Fels - strukturierter Gneis mit Quarzadern hilft einem in L6 (6a+).

L7, 35m, 6b: Die Wand wird hier kompakter und plattiger - was unscheinbar aussieht, erfordert einige knifflige Moves an kleinen Leisten. Einige kleine Rinnsale mussten ebenfalls über- oder umklettert werden, d.h. man kann hier nicht darauf zählen, jeden Griff/Tritt wirklich nutzen zu können. Scheinbar ist das oft so, da es unter dem Steilriegel oberhalb rausdrückt... das Finish bin ich dann in etwas botanischer werdenden Gelände gegen die offensichtliche Verschneidung geklettert, in welcher die Route weiterführt. Der Stand ist aber 3-4m links und musste in einer etwas unerfreulich-schlonzigen Querung deutlich über der letzten Sicherung angeklettert werden.

L8, 40m, 6c: Die Signature Pitch der Route! Zuerst geht's die Querung vom Ende der letzten Seillänge zurück - immer wieder erstaunlich, wie viel leichter es sich klettert, wenn man von links oben gut gesichert ist, statt 7m über dem letzten Haken zu klettern ;-) Dann in die steile Verschneidung hinein, welche athletische 3d-Kletterei bietet. Erst geht's mit Spreizen und Drücken in die Höhe, die Absicherung mit Inox-BH ist eng gesetzt. Später hält man sich dann mehr links in der Wand, es folgt die Crux. Gutgriffig und athletisch, auch ordentlich gesichert, aber doch recht zwingend! Total lässige Sache aber! Zum Ende hin dann an guten Schuppen wieder etwas nach rechts, wobei das letzte Stück mit Cams mobil gesichert werden muss.

Die tolle überhängende Verschneidung von L8 (6c) kommt im Rückblick nicht zur Geltung.

L9, 40m, 6b: Vorerst nach links hinauf über die Rampe (BH nicht gut sichtbar), an der Ecke (weiterer BH) dann direkt griffig hinauf. Die Wand legt sich wieder etwas zurück, die ganz grossen Schwierigkeiten warten nicht mehr - allerdings steckt auch nicht mehr viel und die Orientierung ist nicht ganz einfach. Einfach der Nase nach (den logischen Weg nehmen) und man ist richtig. Vom vermeintlich letzten Haken dann rechts an die Schuppe (Cams), ob dieser kommt nochmals ein (nun tatsächlich letzter) BH, bevor man sich über eine steile grasig-buschige Rampe (etwas heikel!) links hinauf kämpft und dort tatsächlich die Standhaken findet. Unter dem Strich wäre es vermutlich gescheiter gewesen, die Erschliesser hätten die Route beim vorletzten BH zu Beginn der Schuppe beendet - doch ich kann die Emotion, ganz zum Top zu wollen, sehr gut nachvollziehen!

Grasig-heikle Dschungel-Einlage zum Ende der Tour in L9 (6b).

Um 15.45 und somit nach rund 4:45 Stunden Kletterei waren wir am Top angelangt. Da wir noch weiter in die Dolomiten wollten, galt es keine Zeit mehr zu verplempern und wir fädelten subito die Seile. Wir hatten die 2x50er-Seile dabei, trotzdem kann man ein paar Stände überspringen. Unser Programm lautete 9->8->6->4->2->1->Boden, d.h. in 6 Manövern und zum Glück ohne Seilverhänger war die Sache erledigt, wobei die Stricke mehrmals bis zur letzten Faser ausgereizt wurden (ggf. 2x60m mitbringen!). Im Abstieg gelang es uns dann ohne Schwierigkeiten, dem Zustiegspfad zu folgen. Im Wald ist der recht gut sichtbar, während der Verhauer am Waldrand tatsächlich fast programmiert ist. Nun ja, im Rückblick spielte das alles keine grosse Rolle mehr - an diesem Tag war nicht alles ganz so verlaufen, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Niente Paura hatte aber sehr schöne und lohnende Gneiskletterei geboten, da waren wir gut auf unsere Kosten gekommen :-) Auf uns wartete noch etwas Einsatz hinter dem Steuer... wer hätte gedacht, dass die Dolomiten noch so weit entfernt wären, nachdem wir ja schon auf italienischem Boden waren?!? Aber naja, wir bekamen noch eine feine Pizza und ein gutes Nachtquartier und kletterten am nächsten Tag tatsächlich in Südtirol - alles bestens also!

Überhängender Abseiler über die Cruxlänge (L8, 6c), mit Ausnutzen der Seildehnung lässt sich L7 gleich mitnehmen.

Facts

Precipizio di Strem - Niente Paura 6c (6b/+ obl.) - 9 SL, 350m - P. & D.Guanella, M. Bertolini 2007 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile (2x60m angenehmer, wer hat), 14 Express, Cams 0.3-1

Sehr schöne Gneiskletterei ganz auf der rechten Seite am Precipizio di Strem. Die Route beginnt mir 3 geneigten Seillängen über die Placche dell'Aquila. Man kann diese (vermutlich) vom offensichtlichen und ausgeschilderten Einstieg rechtshaltend verfolgen, original beginnt die Route aber wohl ca. 15m weiter rechts im Gebüsch, wobei die Inox-BH am Anfang auf den easy Platten eher spärlich stecken. Die Seillängen an der Hauptwand bieten steilplattiges Gelände in prima strukturiertem Gneis, der wirklich sehr genussvoll zu beklettern ist. Die Krönung ist die Cruxlänge durch die steile Verschneidung, welche mit athletischer 3d-Kletterei aufwartet. Die Route ist mit Inox-BH gut ausgerüstet, die Cruxen sind eng geboltet und auch sonst ist die Absicherung immer vernünftig - sprich irgendwas zwischen xxx und xxxx. Ganz vereinzelt kann/muss mit Cams ergänzt werden, wobei ein kleines Set von 0.3-1 ausreichend ist. Eine vollständige Übersicht über die Routen am Precipizio di Strem gibt's im Kletterführer Chiavenna Rock, wobei die Angaben nicht überaus präzise sind. Auf dem Netz findet man ein PDF mit ähnlichen Infos wie in diesem Führer sowie einen weiteren Beschrieb der Niente Paura auf italienisch.

Sonntag, 25. Juli 2021

Chiavenna - Parete del Castagneto - Bamboccioni Volanti (7a)

Auftakt zu einem kleinen MSL-Trip mit Kathrin! Für den ersten Tag war einiges an Engineering zur Identifikation eines geeigneten Ziels notwendig. Vielerorts waren sintflutartige Regenfälle gefallen und hatten die Felsen unter Wasser gesetzt, das Wetter versprach längst nicht überall eitel Sonnenschein, die Strassen Richtung Süden waren mit Staus blockiert und dass wir erst Mitte Vormittag los konnten, nachdem die Kinder in ihr Trainingslager aufgebrochen waren, machte es auch nicht einfacher. Doch auf der Südseite des Splügenpasses sollte es mit Nordföhn trocken sein, es war in den Vortagen nur moderat Niederschlag gefallen und als Alternativroute in den Süden ist dieser Weg immer eine gute Wahl. Auch die Route mit ihren 7 SL und nur 10 Minuten Zustieg schien realistisch - es blieb einzig die Frage, was wir denn erwarten durften, gab doch das Netz überhaupt keine Informationen her.

Blick von der Strasse auf die Parete del Castagneto mit dem Verlauf der Bamboccioni Volanti (7a).

Der Ausgangspunkt befindet sich genau hier, wenig talabwärts vom Santuario von Gallivaggio. Man folgt erst ca. 100m der Schotterstrasse bis vor einem im Wald versteckten Wohnhaus ("Proprieta Privata") und folgt unmittelbar davor einem Pfad, der rechts in den Wald abzweigt. Diesem ein paar Minuten (ca. 300m?) entlang, bis er sich ein wenig verliert und es auch subjektiv günstiger scheint, nun direkt zur Wand hochzusteigen. Spuren fanden wir da so gut wie keine, aber das Gelände war gut begehbar - wir haben unsere Fährte mit Steinmännern markiert. Von dem Punkt, wo wir den Wandfuss erreicht hatten, mussten wir noch ca. 150m nach links (Norden) queren. Der Einstieg befindet sich relativ unscheinbar an einem ca. 10m hohen Vorbau mit erst einem dünnen Riss und dann 2 BH an der Wandstufe. Offenbar ist die Bamboccioni nach wie vor die einzige Route in dieser Wand, somit ist die Gefahr für einen Irrtum klein und auch am Einstieg haben wir einen Steinmann gebaut. Knapp vor 15.00 Uhr stiegen wir schliesslich ein.

Hier geht's los, der dünne Riss und die überhängende Wand danach!

L1, 40m, 6c: Irgendwie sieht dieser Vorbau klein-niedlich aus, aber ich hatte mit Kennerblick schon vermutet, dass man da nicht 'gratis' durchkäme. Schon die ersten Meter an der Rissspur sind nur mässig griffig, die Wandstufe dann sogar richtig giftig. Überhängend-athletisch, knappes Trittangebot, zum Glück erscheinen ein paar unverhofft positive Crimper, die man aber gleich ordentlich zuballern muss. Mit einem Mantle wird man schliesslich auf den Vorbau entlassen und steigt über Blöcke zur Hauptwand. In steiler Wandkletterei an gutgriffigen Schuppen erreicht man den Stand, zuletzt musste auch noch ein Cam platziert werden.

Kräftige Kletterei an griffigen Schuppen im oberen Teil von L1 (6c).

L2, 35m, 7a: Was für ein Feuerwerk an tollen Kletterstellen wartet in dieser Seillänge! Der Auftakt über einen Wulst noch gutmütig, auch die folgende Schuppe (1-2 Cams zwingend) macht keinen Kummer. Dann geht's aber los, einige Leisten wollen geschickt zu einer rechtsansteigenden Sequenz kombiniert werden, um eine erste Crux zu erreichen. Dank einer Seitgriffleiste und einem optimal platzierten Quarzknubbel ist die Wandstelle möglich - sonst ginge es nicht, ein Wunderwerk der Natur. Man kann dann kurz durchschnaufen, die folgende, balancemässige Wandkletterei an sloprigen Leisten ist aber echt genial - es hat genau die nötig Struktur, dass alles sauber aufgeht, absolut begeisternd! Erst die letzten Meter dann ein wenig einfacher zum Stand hinauf.

Die Qualität von L2 (7a) kommt auf diesem Foto nur sehr beschränkt zur Geltung. Einerseits sieht die Wand im Tiefblick nicht super attraktiv aus, andererseits sind die letzten Meter dieser Länge einfacher, strukturierter und auch nicht mehr ganz so gut wie das, was man davor in die Finger kriegt!

L3, 15m, 6c+: Zwar kurze, aber weder banale noch langweilige Seillänge. Athletisch-überhängend an gutgriffigen Schuppen durch die Steilzone unter ein veritables Dach hinauf. Dort heisst es, in der senkrechten Platte nach rechts zu queren. Eine sehr trickreiche Sequenz mit Einbezug von marginalen Unter- und Seitgriffen und entsprechendem "Wegstehen" machen es möglich. Dank der guten Absicherung im Vor- und Nachstieg ohne Panikattacken geniessbar.

Henklig hinauf, dann die knifflige Traverse unter dem grossen Dach in L3 (6c+).

L4, 30m, 6b+: Es wäre ja keine richtige Gneisroute, wenn nicht einmal eine kernige Plattenpassage folgen würde. Die kriegt man hier gleich zum Auftakt: erst gibt's noch ein paar akzeptable Trittmulden, um die ersten Meter zu machen, bei der folgenden Rechtsquerung ist dann aber 100% Vertrauen in dem Gummi gefragt. Über eine gebändert-buschige Zone erreicht man die nächste Platte - der Fels da unglaublich körnig mit super Reibung, ein paar Strukturen lassen sich in die Sequenz einbauen, richtig cool! Das Finish dann einfacher über ein paar Stufen hinweg zum Stand.

Sieht auch wieder etwas botanisch aus, die kompakte Platte davor lässt sich nur erahnen. Aber auch L4 (6b+) bietet wirklich unterhaltsame, plattige Kletterei von hoher Güteklasse, vor allem in einem körnigen Gneis mit hervorragender Reibung.

L5, 45m, 4c: Die easy Pitch mit nur 1 BH... allzu schwierig ist es zwar tatsächlich nicht, aber in einem Plaisirgebiet würde dieser Abschnitt wohl höher eingestuft. Der Beginn über ein paar Stufen hinweg zuerst aber tatsächlich mehr Kraxelgelände, bevor es in eine schöne Platte hineingeht. Ein paar Seitgriffkanten erlauben ziemlich kommodes Fortkommen, der Bolt steckt genau an der richtigen Stelle. Aber dennoch, oho! Erst im Ausstieg kann man legen, über ein vegetatives Band geht's im Gehgelände an die obere Wand heran und dort gutgriffig über blockiges Gelände noch ein paar Meter zum Stand hinauf.

L6, 40m, 6c: Den dornigen Kamin zu Beginn kann man zum Glück rechts liegenlassen und über die Begrenzungskante steigen, was sich gut auflöst und auch in Absenz von BH gut machen lässt. Danach kann man erst legen, diesen Rissen entlang ist es auch noch nicht schwierig. Das kommt dann erst, als die gut mit BH gesicherte Wandkletterei anfängt. Erst etwas gesucht über eine kompakte Wandstelle, dann ziemlich anhaltend, oft an diagonalen Seitgriffstrukturen aber doch mit viel Abwechslung von einem zum nächsten bouldrigen "Problemchen" weiter - supertoll!

Tolle Kletterei in L6 (6c) - die Temperaturen waren übrigens bei unserer Begehung perfekt. Der Himmel war oft bewölkt und nur zwischendurch sonnig, mit Nordföhn waren die Temperaturen angenehm warm aber nicht heiss. 

L7, 30m, 6b: Vom Stand geht's nach rechts um die Kante und dort dann hinauf - auf den ersten Blick nicht unbedingt logisch, jedoch aufgrund der schliesslich gebotenen Kletterei ist das ganz bestimmt der korrekte Weg. Man erreicht nämlich einen Wandbereich, der wieder mit der genau richtigen Menge an sloprigen Leisten aufwartet, um die richtige Mischung zwischen elegantem Fortkommen und unterhaltsamen Boulderproblemen zu bieten. Eine etwas markantere Crux wartet am rostigen Riss, wo kurz etwas Entschlossenheit gefragt ist.

Perfekter Auftakt in die Ferien - was kommt als nächstes?!?

Um ca. 19.00 Uhr und damit nach rund 4:00 Stunden Kletterei hatten wir das Top mit einer an beiden Seilenden einwandfreien Onsight-/Flash-Begehung erreicht. Das war nun ein echt genialer Auftakt gewesen. Vom Parkplatz hatte die Wand noch eher unscheinbar ausgesehen, teils auch mit Grünzeug gespickt. Dass wir hier über solch weite Strecken auf steile, griffige Kletterei in perfekt sauberem, rauen Gneis treffen würden, hätten wir nicht in diesem Ausmass erwartet. Mehr oder weniger unmittelbar fädelten wir die Seile, mit 6 effizienten Manövern (7->6->5->4->3->1->Boden) ging es in die Tiefe. Aufgrund der Büsche und der diversen Schuppen besteht sicher eine Gefahr für einen Verhänger, die sich aber für uns nicht manifestierte. Um 20.00 Uhr waren wir schliesslich retour an der Strasse und fanden schon wenig später einige Kilometer unterhalb im Italosvizzero ein Quartier, ein feines Nachtessen und sehr zuvorkommende Bewirtung.

Facts

Parete del Castagneto - Bamboccioni Volanti 7a (6b+ obl.) - 7 SL, 235m - Lisignoli/Crotti - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 13 Express, Cams 0.3-1

Unscheinbare, aber echt gute MSL-Route in Strassennähe! Mit nur 10-15 Minuten Zustieg erreicht man die nach Westen exponierte Wand mit Einstieg auf ~850m. Um auf angenehme Bedingungen zu treffen, klettert man in der warmen Jahreszeit entweder am Vormittag oder bei bewölktem Himmel, in der kalten Jahreszeit sollte man ab Mittag die für eine Begehung nötigen Sonnenstunden vorfinden. Die Kletterei begeistert durch viel Abwechslung - es gibt vorwiegend Wandkletterei an sloprigen Leisten und Rissspuren, athletisch-gutgriffige Sequenzen machen ihre Aufwertung und selbst etwas an Kletterei auf Reibung fehlt nicht. Fände man diese Route mit so bequemem Zustieg z.B. im Yosemite Valley, sie könnte sich vor Begehungen nicht retten. Die Absicherung mit Inox-BH ist sehr gut ausgefallen. An einigen einfacheren Stellen mit offensichtlichen mobilen Möglichkeiten müssen Cams gelegt werden, wofür mir 1 Set von 0.3-1 gut ausreichend war. Die Wandstellen weisen alle faire und sinnvolle BH-Absicherung auf, da waren Könner am Werk! Meines Wissens ist die Route nur im Büchlein Valchiavenna Rock von Erstbegeher Guido Lisignoli aufgeführt, das man z.B. auf seinem Camping Acquafraggia erwerben kann. Sein hervorragendes Originaltopo ist jedoch auch auf dem Netz greifbar, siehe unten.

Topo des Erstbegehers Guido Lisignoli, vielen herzlichen Dank!

Donnerstag, 21. September 2017

Placche di Sant' Andrea - Fontana di Giovinezza (5b)

Zu Routen, welche unmittelbar neben (oder in) einem Wasserfall verlaufen, scheine ich eine besondere Affinität zu haben siehe (1,2,3,4). Kommt vielleicht vom Eisklettern, wer weiss!?! Jedenfalls, die hier beschriebene, im März 2017 eröffnete Route hat mich im Kletterführer sofort angesprochen. Flache Reibungskletterei in sauberem Fels in einer speziellen Umgebung wurde versprochen. Das schien mir ideal für einen Familienausflug.

Schöne, flache Reibungskletterei in L1 (5c).

Das Ambiente auf den sauber gewaschenen Platten neben dem Wasserlauf ist top! Hier in L2 (5b).
Die Route befindet sich zwischen Chiavenna und dem Lago di Mezzola, an der östlich exponierten Flanke des Tals und bildet somit auch ein ideales Ziel, falls man auf dem Vorbeiweg Richtung Süden ist. Man begibt sich nach Era und muss dann in den verwinkelten Gassen die Bergstrasse aufspüren, welche zum aufgegebenen Kloster von Sant' Andrea führt. Tipp: bei der Kirche in Era wird man fündig. Unterhalb vom Kloster in der Strassenkehre wird parkiert, die Platten sind von dort schon zu sehen. Über die mit Barriere abgesperrte Fuhre geht's kurz abwärts, über den Bach und dann bald steil den Hang hinauf (im Juli 2017 mit einer Holztafel ausgeschildert). Pfadspuren und Steinmänner waren vorhanden, über ein paar Stufen erreicht man so in 10-15 Minuten den Einstieg (zuletzt an offensichtlicher Stelle ins Bachbett abklettern, insgesamt T4). Die Route hat man dann quasi "vor der Nase", so dass wir um 11:15 Uhr losklettern konnten.

Während den "Pausen" am Stand lässt sich für die Kinder sogar ideal am Bach spielen...

Das sind bereits die letzten Meter zum Top der Route (L5, 5c).
In der ersten Seillänge gibt's zwei Varianten (beide 5c), wobei die linke sich etwas gar nahe dem Wasserlauf befand und kaum vollständig trocken zu bewältigen gewesen wäre. Aber darum gibt's ja die Variante rechts. Die Kletterei auf Reibung, der Fels ist tatsächlich vom Wasser sauber ausgewaschen. Gemütlich und interessant, dazu gut abgesichert und aufgrund der Neigung für die Kinder mehr als ideal. In der zweiten und der dritten Seillänge (beide 5b) geht's in genau demselben Stil weiter. Mal ein Aufschwung, sofort sind die Griffe da, dann wieder schöne Platten. Die vierte Seillänge (4a) quert dann in den Kessel hinein zum Bach zurück. In der fünften Seillänge kommt eine unerwartete Crux (5c, sehr gut abgesichert), wo fein angetreten werden will. Schon bald darauf erreicht man eine bequeme Terrasse, wo die Route endet.

Die Aussicht vom Top der Route auf die Piano di Chiavenna.

Das ist dann wohl der Jungbrunnen ("Fontana di Giovinezza"). Willkommene Erfrischung nach dem Klettern!
Schon um 12:30 Uhr hatten wir am Top angelangt. Im Schatten eines Baum genossen wir die tolle Aussicht übers Tal und machten uns dann an den Abstieg. Die Route wäre tiptop zum Abseilen eingerichtet, was jedoch herzlich wenig Sinn macht. Problemlos kann man in den Wald hineinqueren und erreicht dort über Pfadspuren problemlos wieder den Ausgangspunkt. Das Teilstück, wo man neben der Route absteigt, bietet sogar geringere Schwierigkeiten wie der eigentliche Zustieg. Auf dem Rückweg war's dann fast Pflicht, noch den Jungbrunnen zu benützen. Der neben der Route verlaufende Bach bietet nämlich superschöne Badegumpen, welche eine Erfrischung! Danach ging's zum Après-Climb mit Caffè und Gelati am Lido di Mezzola (schöner Sandstrand). Am späteren Nachmittag blieb dann sogar noch Zeit, um am Sasso del Drago sportklettermässig einen Angriff zu starten. Dort konnte das Onsight-Täschchen noch mit einer 7a und einer 7b gefüllt werden, so dass wir beim Nachtessen auf einen weiteren, sehr gelungenen Ferientag zurückblicken konnten.

Après-Climbing am Lago di Mezzola - schööön!

Facts

Placche di Sant'Andrea - Fontana di Giovinezza 5c (5a obl.) - 5 SL, 180m - **;xxxx
Material: 1x50m-Seil, 9 Express, Keile/Friends nicht nötig/einsetzbar

Nette Reibungskletterei über flache, vom Wasser sauber gewaschene Platten neben einem Wasserfall. Pluspunkte gibt's für die ungewöhnliche, schöne Umgebung, den kurzen Zustieg und die gute Absicherung. Die Inoxbolts stecken sehr vernünftig und der Schwierigkeit angepasst, für einen Vorstieg von jüngeren Kindern ist's jedoch ziemlich ambitioniert. Alles in allem aber doch eine ideale Anfänger- und Familientour. Es sei erwähnt, dass ich die Plattenbewertungen im grossräumigen Vergleich als ziemlich gutmütig empfand. Unten gibt's das Originaltopo, weitere Infos finden sich im prima Kletterbüchlein Chiavenna Rock Climbs, welches derzeit wohl nur in lokalen Sportgeschäften, dem Campingplatz Acquafraggia und beim Autor Guido Lisignoli erhältlich ist.

Originaltopo der Erstbegeher. Quelle: Andrea Savonitto auf facebook.com


Freitag, 28. Juli 2017

Placche di Mese - Condotta Libera (5a)

Während man global ganz eindeutig sagen darf, dass wir uns für die Ferien eine gute Ecke der Alpen ausgesucht hatten, so scheint doch auch im Süden nicht ganz immer die Sonne. Nach einer Nacht, in der es pausenlos geschüttet hatte und die Blitze beinahe im Sekundentakt zuckten, war zuerst einmal ein Alternativprogramm zum Klettern gefragt. Weitere Schauer folgten nämlich am Vormittag und sowieso waren noch alle Felsen nass.

Die Wand über den Dächern von Mese bei Chiavenna mit dem Routenverlauf.
Doch es dauerte nicht lange, bis der Nordwind die Wolken vertrieben hatte und blauem Himmel Platz machte. Mit dem Föhn waren auch die Felsen rasch trocken und so war's für diejenigen, die das Reissen hatten problemlos möglich, noch rasch eine MSL-Tour zu begehen. Unsere Wahl fiel auch den Plattensektor von Mese, welcher sehr einfach zugänglich ist. In 2-3 Minuten ist man vom Parkplatz am Fels und vom Top dank bequemem Fussabstieg in 10 Minuten wieder retour beim Auto. Während sich die meisten Routen vor Ort im Bereich zwischen 5c-6b abspielen, wählten wir mit der Condotta Libera (5 SL, 5a) die einfachste Variante.

MSL-Kletterei in urbanem Ambiente, dafür mit sehr kurzem Zustieg.
Plattenbewertungen sind ja ein bisschen eine Sache. Nachdem ich nun einige Male im Plaisirbereich unterwegs war, fällt mir vor allem doch eine massive Inhomogenität auf. Was einerorts bei durchschnittlicher Bewertung mit 5a angeschrieben ist, kann anderswo auch nur 4b bewertet sein, während mit Soft Grades eine 5c fällig ist. Anyway, hier dünkten mich die Schwierigkeitsgrade so auf der durchschnittlich bis leicht harten Seite. Insbesondere in der ersten 3c kann man definitiv nicht einfach nur hochspazieren, in den beiden 5a musste ich definitiv sorgfältig und geplant antreten. Die gemäss Topo letzte Länge ist dann über 50m lang (Zwischenstand möglich) und enthält eine super lässige, ausgewaschene Rinne.

Facts

Placche di Mese - Condotta Libera 5a (4b obl.) - 5 SL, 150m - **; xxx
Material: 1x50m-Seil, 8 Express

Nette Plattenkletterei mit sehr kurzem Zugang und einem raschen Fussabstieg. Ideal für den kleinen "Gluscht" oder für etwas Bewegung auf der Vorbeireise. Bis auf die letzte Seillänge ist die Kletterei trotz der moderaten Bewertung nicht banal. Die Absicherung mit sinnvoll platzierten Inox-BH ist gut ausgefallen. Mit Ausnahme der enger eingebohrten L1 (die auch als Baseclimb machbar ist) scheinen mir die Abstände für einen Kindervorstieg aber doch zu fordernd. Nähere und topaktuelle Infos zu den Klettertouren vor Ort findet man am Infoboard unterhalb der Einstiege oder im sehr empfehlenswerten Führer Valchiavenna Rock Climbing von Guido Lisignoli.

Dienstag, 25. Juli 2017

Acquafraggia - Mamma Mia (6a)

Die Gegend um Chiavenna ist eine etwas alpiner ausgefallene Kopie des Tessin. Hier findet man unscheinbar und in den Wäldern versteckt zahlreiche Klettergärten in bestem Gneis, es gibt plattige Plaisir-Klettereien, steile Wände und selbst ins Bergell, das Schweizer Granit-Eldorado, ist es nicht weit. Kommt noch hinzu, dass auch das Val di Mello und die Engadiner Kalkgebiete gut erreichbar sind. Darüber hinaus überzeugen die Vorzüge des südlich geprägten Wetters und eine zwar äusserst kurvige, dafür auch staufreie Anfahrt über den Splügenpass. 

Die Wand mit dem Routenverlauf
In Acquafraggia auf dem Campingplatz von Guido Lisignoli, dem Haupterschliesser der vielen Klettereien in der Gegend, wollten wir einen ersten Teil unserer Sommerferien verbringen. Das Programm sollte aus einem guten Mix zwischen Sportklettern und MSL-Klettern mit den Kindern bestehen - natürlich nebst all den spassigen Nebenaktivitäten, welche in den Ferien sonst noch Platz haben, jedoch nicht unbedingt Teil eines Kletterblogs sind. An einem Tag, der bewölkt startete, wollten wir das Limit ausloten und stiegen in die Mamma Mia (5 SL, 6a) ein. Diese wurde erst im 2016 von Guido Lisignoli an den Wänden von Acquafraggia erschlossen, verläuft unmittelbar neben einem Wasserfall und ist vom Camping in ca. 10 Minuten zu Fuss zu erreichen.

Installation auf dem Spielplatz unterhalb der Wand. Fragen zu Ethik und Sicherheit lassen wir mal aussen vor...
L1, 35m, 5c: Noch nicht ganz so steile Kletterei ohne anhaltende Schwierigkeiten. Einige Stellen sind jedoch durchaus schon als knifflig zu bezeichnen, da der dunkle Fels  hier doch ziemlich glatt ausgefallen ist.

L2, 40m, 6a: Kurz geht's durch den Dschungel und in einem speziellen ausgewaschenen Fels mit vielen runden Mulden steil aufwärts. Das Gestein ist vom Wasser poliert, stellenweise jedoch etwas staubig, was die Kletterei glitschig und anspruchsvoll macht. Der Ausstieg über eine steile Dreckpassage (gut mit BH abgesichert) fordert dann den richtigen Alpinisten - da kam mir meine Erfahrung aus Jugendzeiten in den Wäldern des Tössberglandes sehr zu Gute.

Ein Eindruck der Gegend, aufgenommen vom Campingplatz. Die Wand mit der Route befindet sich noch etwas rechts der beiden markanten Acquafraggia-Wasserfälle und ist auf dem Bild (obwohl in nur 10 Minuten von diesem Punkt zu erreichen) nicht wirklich gut sichtbar.
L3, 30m, 6a: Eine wirklich sehr spezielle Länge! Sie beginnt leicht überhängend, der Fels ist aber total irre strukturiert. Irgendwie eine Mischung zwischen korsischer Tafoni-Kletterei und Kalymnos-Sintern, ein geniales Turnfest. 

L4, 20m, 6a: Der Auftakt beinhaltet nochmals eine ähnliche Passage wie in der Länge zuvor, wenn auch nicht ganz so steil. Dann kurz nach rechts und da ist schon der nächste Stand. Kam mir etwas weniger anspruchsvoll wie  L2 und L3 vor.

L5, 25m, 6a: Hier geht's nicht mehr ganz so steil zu und her, das Gestein ist wieder etwas weniger strukturiert und glatter, mit kniffligen Sloperproblemen. Gegen Ende hin auch wieder etwas alpin bzw. bewachsen, an einer Stelle kurz vor Schluss musste ich doch tatsächlich auf harter Erde auf Reibung antreten ;-). Nach 25m erreicht man einen Stand, von wo man über die Route abseilen könnte. Hinauf ins flachere Gelände ob der Wand sind es weitere 10m.

Der gut versicherte Abstieg ist für sich selbst sehr sehenswert.
Tatsächlich hatten wir schliesslich alle zusammen den Ausstieg erreicht - es war jedoch anspruchsvoller wie gedacht. Die Kinder mussten hier an ihre Grenzen gehen. Während dieser Schwierigkeitsgrad bei Plattenkletterei beinahe mühelos von der Hand geht, so war diese steile, athletische und auch ausgesetzte Wand doch eine neue Erfahrung, auch wenn Steilheit und Schwierigkeitsgrad aus Garten und Halle nicht komplett unbekannt waren. Wir machten uns schliesslich an den Fussabstieg. Dafür muss man noch etwa 100hm durch etwas dschungeliges Gelände ziemlich genau gerade hinaufsteigen (zu Beginn leicht rechtshaltend). Dort trifft man auf den Pfad, welcher ins alte Bergdorf Savogno hinaufführt, bzw. an den Wasserfällen vorbei zurück zum Ausgangspunkt. Die Sache ist sehenswert und würde sich auch ohne zu Klettern lohnen! Zurück in der Zivilisation kommt man als erstes gleich an der Bar vorbei, wo man kühle Getränke, etwas zum Zmittag, Gelati und Caffè erhält. Ein würdiger Abschluss von dieser Familienkletterei. Daneben kann man sich auch gleich noch in den schönen Becken des Bachs abkühlen, was will man noch mehr?!? 

Badespass gleich unterhalb der Wasserfälle, eine willkommene Erfrischung!

Facts

Acquafraggia - Mamma Mia 6a (5c obl.) - 5 SL, 160m - G. Lisignoli 2016 - **;xxxx
Material: 11 Express, fürs Abseilen oder Rückzug 1x70m oder 2x50m-Seile

Interessante Kletterei durch die steile Wand neben einer Kaskade. Sie besticht vor allem durch die teils wirklich phänomenale Felsstruktur, die einen Henkelgenuss sondergleichen ermöglicht. Die Steilheit der Linie ist für den Schwierigkeitsgrad ebenfalls aussergewöhlich. Leider ist die Wand auch etwas botanisch, hin und wieder muss man auf Dreckpodeste hinaufmanteln und teils ist der Fels auch staubig, dreckig oder brösmelig. Trotz der sehr guten Absicherung mit tadellos platzierten Inox-BH erhält die Sache doch einen etwas abenteuerlichen Anstrich, der den reinen Genusskletterer vielleicht nicht restlos zu überzeugen vermag. Ein super Topo gibt's gratis vom Erstbegeher: klick!