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Montag, 16. November 2020

Hinter Glatten - Let's Go (7b)

Ein wunderbarer Martinisommer lädt Mitte November noch zum Klettern. Der HiGla bietet sich idealerweise für eine solche Spätsaison-Begehung an, zumindest sofern die Passstrasse noch geöffnet ist. Mit einem kurzen Zustieg warten gut 250m an lotrechter bis überhängender Kletterei in meist bestem, rauem Klausenfels und die Wand steht von 8.30 Uhr bis kurz vor Sonnenuntergang im Licht. Als Projekt wählten wir für diesen Tag die Let's Go (7b, 6 SL), da wir hier mit einem Mix von einfacheren und schwierigeren Seillängen ideal im Überschlag klettern konnten und zudem auch noch eine lässige Freikletter-Herausforderung wartete.

Die Wand am Hinter Glatten mit dem Verlauf von Let's Go (6 SL, 7b)

Nachdem die ganze Familie Dettling verschlafen hatte und mein Kletterpartner leider auf mich warten musste, starteten wir schliesslich wenige Minuten nach 9.00 Uhr bei der letzten Kehre auf der Glarner Seite (P.1888), ca. 1km vor dem Klausenpass. Obwohl seit meinem letzten Besuch doch auch schon wieder 5 Jahre vergangen waren, kenne ich hier Weg und Steg. Wobei der Clou eben ist, dass kein Weg zum Einstieg führt und man sich ohne Spuren hinauf zum Einstieg zu begeben hat. Im Aufstieg geht dies über weite Strecken am bequemsten im Bachbett, erst oben geht's auf den grasigen Sporn rechts und zuletzt über Geröll zum Wandfuss. In 30 Minuten Gehzeit hatten wir die ~350hm erledigt und obwohl auf Einstiegshöhe nur etwa 2 Grad an Lufttemperatur vorhergesagt waren, herrschte dank windarmem Sonnenschein perfektes Ambiente. Den Einstieg im linken Wandteil hatten wir bald identifiziert. Ein nochmaliger Kontrollblick von Routenverlauf und Topo zeigte schliesslich, dass wir uns beinahe in die Ellman verkoffert hätten. Achtung, die beiden Einstiege liegen nur ca. 5m auseinander, beide sind mit gebohrten SU-Schlingen gekennzeichnet, wobei jener von Ellman deutlich offensichtlicher ist. Um nach den spärlichen Haken zu spähen, welche inzwischen felsfarbig angelaufen sind, braucht es hingegen gute Augen. Ein paar Minuten vor 10.00 Uhr fiel der Startschuss.

Super Ambiente mit dem Clariden im Hintergrund (die Skitour wäre mit 200-300hm Portage möglich!)

L1, 6c, 35m: Ein anspruchsvoller Auftakt! Die ersten, noch moderat schwierigen Meter in etwas lottrigem Fels bringen einen an die steile Wand. Nach dem zweiten BH muss man sich in Wandkletterei scharf nach rechts halten, die Rissschuppe direkt hinauf ist der falsche Weg. In ortstypischer Kletterei an Leisten und rauen Auflegern gewinnt man sehr schön an Höhe - recht anhaltende Sache mit ein paar spicy Sektionen und zwar guter, aber auch verpflichtender BH-Sicherung. Nach rund 25-30m heisst es dann, nach links auf den Pfeiler zu wechseln. Ziemlich tricky und die ersten Moves am Pfeiler waren für mich die Crux der Länge. Mein Nachsteiger wechselte erst ein paar Meter weiter oben so richtig auf den Pfeiler, das schien einfacher, wäre aber für den Vorsteiger in Bezug auf Seilverlauf bzw. Sturzraum unangenehm. Achtung, diese Länge ist etwas seilzugträchtig, unbedingt die erste Exe verlängern und nachher schadet es auch nicht (sofern man sich denn traut).

Da wird einem warm ums Herz als Kletterer! Let's Go (L1, 6c)

L2, 6b+, 40m: Die Route führt nun direkt über den Pfeiler in die Höhe, wobei sich dieser bald in der Wand verliert. Der erste Haken muss etwas weit aber vergleichsweise gemütlich angeklettert werden. Doch dass da zwei Bolts so kurz hintereinander stecken, lässt etwas vermuten. Nämlich eine knifflige Stelle, wo man ein paar abschüssige Leisten identifizieren und zwicken muss. Fortan geht's wieder besser dahin, eine weitere, etwas einfachere Stelle mit zwei nahen Bolts fordert mehr fusstechnisch. Zuletzt dann an einem Riss/Schuppe hinauf, mit nochmals einem unterhaltenden Rätsel kurz vor dem Stand.

Links vom Pfeiler wieder in die Wand hinein heisst es in L2 (6b+).

L3, 6c+, 35m: Man wechselt hier vom Stand weg über den breiten Riss/Verschneidung hinaus in die rechte Wand. Diese präsentiert vorerst noch nicht die grossen Schwierigkeiten. Der Fels hat hier einen Anflug von der berüchtigten Klötzliware - fand das aber nicht weiter schlimm, mit etwas alpiner Erfahrung problemlos. The 'meat of the pitch' folgt dann auf den letzten 15m mit überhängender, athletischer Ausdauerkletterei an der Kante des markanten Turms. Die Griffe sind zwar schon durchwegs (recht) gut, zeigen aber oft in die falsche Richtung und man muss sich mit dem Körper durchaus mehrere Male hin- und her positionieren. Ich fand das noch eine zähe 6c+, konnte mit einem doch durchaus fühlbaren Pump aber onsight passieren.

Hinauf auf den steilen Turm in L3 (6c+). In Originalauflösung erkennt man auch 2 Adler über uns!

L4, 4a, 35m: Kurzes Überführungsstück an den oberen Wandteil. Erst gibt es noch ein paar schöne Moves in kompaktem Fels, dann wird das Gelände grasig, lottrig und einfach - dafür ein guter Platz für eine Pause und um nochmals Kräfte zu tanken für das Finale. Den laut (Original)topo vorhandenen, zweiten Standhaken konnten wir nicht auffinden - entweder Tomaten auf den Augen oder er existierte noch nie...

Nein, solch kompakten Tropflochfels findet man in L4 nicht, das Foto ist von L1 (6c).

L5, 7b, 40m: Auf dem Netz haben wir schon gelesen, dass die Crux der Route sich am Wulst ein paar steile aber gutgriffige Meter über dem Band befindet. So auf den ersten Blick denkt man sich zwar eher "kann das wirklich so schwierig sein?", denn sonderlich steil wirkt die Stelle nicht und gar nicht mal so wenige, griffig scheinende Seitleisten erkennt man bereits aus der Ferne. Tja, wie schon befürchtet liegt das Problem darin, seine Füsse über den Wulst zu bringen und auf  der wenig strukturierten Wand Gegendruck zu erzeugen. Wer kühn und stark ist, packt das so gleich im ersten Go. Das blieb mir verwehrt, ich konnte aber nach einigem Pröbeln eine elegante und tragfähige Lösung entschlüssen, wo ich onsight sicher nicht darauf gekommen wäre - also zurück an den Start! Schliesslich konnte ich die Stelle klettern und stand dann vor dem "Problem", nun noch den Rest der Länge onsighten zu müssen. Vorerst klettert man einfach an einem Riss (mit Cams zu sichern), gefolgt von einem griffig-pumpigen, eng gebolteten Steilstück. Uh, oh, so viele Körner waren nicht mehr übrig... zum Glück legt sich das Terrain wieder etwas zurück und fordert eher mutiges Antreten. Dies vor allem, weil hier ein 10m-Runout folgt. Dank dem unpräzisen Topo und den kaum sichtbaren Haken war ich auch gleich noch ahnungslos, welche Richtung anzupeilen wäre (ca. 1 Uhr, direkt hinauf!). Nun folgen nochmals drei eng steckende BH und wie man es sich denken kann, eine richtig schwierige, kleingriffig-technische Wandstelle. Meines Erachtens neben dem Wulst die zweitschwierigste Kletterstelle der Route, am Ende noch gewürzt mit einem netten Quergang (v.a. für den Nachsteiger). Achtung, diese Länge ist stark seilzugträchtig!

Am Ende von L5 (7b) darf sich auch der Nachsteiger engagieren!

L6, 6b, 35m: Die im Nachmittagslicht stehende Abschlussplatte wirkt sehr attraktiv und bietet tatsächlich nochmals sehr schöne Kletterei. Sie ist offiziell mit 6a bewertet, was ich aber klar zu tief finde. Mit grosszügigem Riesenslalom zu den (auch nicht etwa üppig steckenden) Bolts geht's vielleicht noch etwas einfacher, aber direkt in Hakenlinie durchaus eine nicht zu unterschätzende 6b. Vorsicht dann am Ende: bei deutlich nachlassender Felsqualität klettert man die letzten 8m gerade über den BH empor zum Stand - im Sturzfall knallt man ungebremst aufs Band. Klaro, schwierig ist das nicht, aber ein Fehler (v.a. in der Griff-/Trittwahl) liegt da nicht drin.

Sehr schöne Kletterei über die Abschlussplatte in L6 (6b).

Um 14.50 Uhr waren wir schliesslich beide am Top der Route, somit hatten wir doch fast 5:00 Stunden gebraucht für nur gerade 6 Seillängen. Das Gelände ist aber anhaltend steil und fordernd, geschenkte Meter gibt es ganz wenige. Vor allem hatte ich mir die Zeit genommen, alles freizuklettern und die Cruxlänge in mehreren Versuchen zu punkten. Bedingungen und Ambiente waren aber perfekt und so konnten wir hochzufrieden zum Fist Bump ansetzen. Über die Route könnte man rein aufgrund vom Verlauf zwar durchaus abseilen, die Stände sind aber weder verbunden noch mit Abseilringen ausgestattet. So wechselten wir ca. 100m hinüber zum Top von Königswasser, wo die steile Abseilpiste verläuft. Der Beginn ist mit einem Steinmann markiert, der Stand liegt ca. 5m weiter unten in der Wand, man kann/muss den Zugang mit einer Block-Sanduhr sichern! Dann geht's zügig in die Tiefe, in der steilen Wand positioniert sich das Seil stets selbst und so sind die 5 Manöver (25m, 35m, 40m, 50m, 50m) im Nu erledigt. Allerdings: das Material auf dieser Abseilpiste ist nicht mehr taufrisch, insbesondere neue Schlingen an den Standplätzen wären kein Luxus. Am Wandfuss war bereits der Schatten eingekehrt und auch der Tag neigte sich schon bald dem Ende entgegen. So stiegen wir zügig über die weglosen Hänge ab und erreichten bald hochzufrieden unser Automobil. 

Facts

Hinter Glatten - Let's Go 7b (6b+ obl.) - 6 SL, 230m - Pfenninger/Müller 1994 - ***;xxx

Material: 2x50m-Seile, 14 Express, Camalots 0.3-2

Sehr schöne Klausenroute mit athletischer Kletterei in meist prima Fels mit seinen ortstypischen Leisten, rauen Auflegern und flachen Henkeln. Wie üblich gibt es auch hier ein paar Meter von minderer Gesteinsqualität und ein Intermezzo über ein schrofiges Band, was aber nicht weiter stört. Die Route bietet anhaltende 6bc-Kletterei, gewürzt mit 2 schwierigeren Einzelstellen in L5. Die Absicherung ist an allen Stellen >=6c sehr gut ausgefallen (xxxx). Darunter auch meistens gut (xxx), stellenweise gilt es mit Cams zu ergänzen, vereinzelt muss auch einmal ein paar Meter in nichttrivialem Gelände 'marschiert' werden. Überwiegend handelt es sich um verzinkte Bolts, nur an den Ständen und im oberen Teil steckt teils rostfreie Ware. Sie sind aber 26 Jahre nach der Erstbegehung von aussen betrachtet noch in gutem Zustand. Hinweis: ein Rückzug über die Route sollte zwar gut möglich sein, zum Abseilen ist aber nichts eingerichtet, somit käme man nur mit Materialverlust runter. Ein Topo findet man im Extrem Ost oder im SAC-Kletterführer Glarnerland.

Dienstag, 10. November 2015

Hinter Glatten - Wätterhäx (7a)

Die Wand am Hinter Glatten stellt ein optimales Ziel für den Herbst dar. Die Sonne scheint hier selbst bei Winterzeit ab 8.30 Uhr morgens an die Wand und bleibt bis kurz vor ihrem Untergang präsent. Der im Frühjahr oft vom Schmelzwasser überronnene Fels präsentiert sich zu dieser Jahreszeit vollständig trocken und mit 7-8 SL haben die Routen gerade die richtige Länge für die bereits kurzen Novembertage. Zudem kann man hier bei deutlich kürzerem Zustieg und Anfahrt in Bezug auf Steilheit und Absicherung ähnliche Herausforderungen wie an den berühmten Wendenstöcken finden. In Bezug auf die Qualität überzeugt das Gestein über weite Strecken mit griffigen Henkeln, rauen Auflegern und scharfen Tropflöchern. Im Gegensatz zum grossen Vorbild fehlen hier aber auch ein paar rustikale Passagen nicht.

Die steile Wand des Hinter Glatten mit dem Verlauf der Wetterhäx aus der Froschperspektive.
Es sollte nach Nirvana, Tüfelswerch und Einbahnstrasse mein vierter Besuch am Massiv werden - die Infos zu den anderen Routen finden sich in meinem Online-Kletterführer. Am Hinter Glatten gibt es für mich noch einige spannende Projekte, die Wahl fiel schliesslich auf die Wätterhäx. Vom Bohren und Sportklettern an den Tagen zuvor waren Kräfte und Haut bereits etwas geschwunden, somit sollte die Route nicht die ganz grossen Schwierigkeiten oder Hakenabstände, aber trotzdem spannende Kletterei bieten. Das war zumindest der Plan, die Route entpuppte sich schliesslich aber als anspruchsvoller wie gedacht. Am Hinter Glatten gibt es ganz generell nicht viel geschenkt, das Grading in der Wätterhäx ist stiff und die Hakenabstände sind alles andere als plaisirtauglich. Unser Tourentag begann wie üblich bei der letzten Kurve auf der Glarnerseite vom Klausenpass. Grösstenteils durch durch das ausgetrocknete Bachbett stiegen wir in einer guten halben Stunde zur Wand hinauf. Um 9.45 Uhr war alles bereit und ich konnte loslegen.

L1, 45m, 6c: Die Anspannung beginnt bereits auf den ersten Metern. Der erste BH steckt hoch, die Kletterei dahin ist nicht gänzlich trivial und der Fels etwas unsicher. Nach dem Klipp warten bald knifflige 6b/+ Moves, die richtige Griffkombi will erkannt werden und obligatorischer könnte die Sache nicht sein. Im Mittelteil fordern dann richtig weite Runouts in ziemlich anhaltendem Gelände, 7 Bolts auf 45m Kletterstrecke ist nun halt keine üppige Absicherung. Die Crux folgt dann am Ende. In senkrechter Wand an kleinen Seitleisten hinauf zum abschliessenden, athletischen Überhang. Hier an den Henkeln bietenden Blöcken am besten einfach ziehen und nicht trödeln, anklopfen und auf Festigkeit prüfen unterlässt man besser auch gleich... Alternative gibt's eh keine und sonst bekommt man nur den Bammel.

Athletische Kletterei über krass aussehende Dachzonen hinweg warten in L1 (6c). Die Henkel sind da, ziehen statt studieren heisst die Devise.
Von oben sieht's gutmütiger aus. Hans meistert das finale Dach der Auftaktlänge (L1, 6c).  
L2, 30m, 6b+: Noch moderat über den ersten Überhang drüber und gutmütige Troplochquerung nach links. Die athletische Passage danach erfordert herzhaftes Zupacken an ein paar guten Leisten und dann kühles Blut, um den weiten Runout in Richtung des nächsten Bolts durchzuziehen. Einfach dranbleiben, das Gelände wird eher einfacher und man findet sogar Gelegenheit, in einem Querschlitz einen soliden Cam zu versenken. Die klettertechnische Crux folgt dann allerdings erst nach dem dritten BH, anhaltende Tropflochkletterei die auch über dem Haken nicht sofort nachlässt. Erst die letzten Meter zum Stand hin sind dann etwas gemächlicher.

Steil, athletisch, fordernd in L2 (6b+). Hans späht nach dem dritten BH, der erst viel weiter oben steckt.
Die Felsqualität hier unübertrefflich, rau strukturierter Superfels mit Tropflöchern, Auflegern und Leisten garniert.
L3, 45m, 6c+: Nun folgt gleich eine noch krassere Seillänge. Der Blick auf die steile, mit Dächern gespickte Wand lässt schon eine harte Prüfung erahnen. So kommt es dann auch. Das rund 1m ausladende Dach nach ein paar Metern wird mit athletisch-kräftigen Bouldermoves bezwungen, super genial! Nach einer kurzen Verschnaufpause wartet dann ein massiv überhängender Wulst. Wie von Zauberhand hat die Natur hier positive Leisten geschaffen, trotz dem guten Griffangebot muss man aber echt Guzzi geben, um nicht abgeworfen zu werden. Meine Flucht nach vorne gelingt! Dort, wo sich das Gelände wieder zurücklegt, heisst es dann cool bleiben. Die Griffe bleiben gut, doch der mitgebrachte Pump und der weite Runout sind die hier zu beachtenden Faktoren. Auf den letzten 20m wird die Kletterei einfacher, es steckt aber nur noch 1 BH und die Felsqualität lässt nach. Pfff, da war ich echt froh, als die Standhaken geklippt waren!

Dachartiger Boulder zu Beginn von L3 (6c+), eine ziemlich abgefahrene Sache!
Das Finale von L3 (6c+) dann nicht mehr ganz so steil und leichter, aber mit extrem weiten Hakenabständen.
L4, 45m, 5c: Die ersten 3 Längen hatten uns bereits massiv gefordert und Zeit gekostet, der Ausstieg schien noch meilenweit entfernt. Da kam eine Verschnaufpause gerade recht. Wobei diese jedoch vor allem den Unterarmen zugute kam, die Psyche konnte nicht rasten. Zwei BH säumen hier den Weg, der Fels ist teils reichlich lottrig. Vorsichtig und überlegt muss man die Wand bis zum Querband hinauf klettern. Den kolossal rostigen Abseilstand ignorieren und übers Band weiter nach rechts zum richtigen Stand.

Hans auf dem Weg in L4 (5c), die Felsqualität in Realität eher bescheidener, wie es hier auf dem Foto aussieht.
Yours truly auf dem Querband, kurz bevor es mit der Cruxlänge wieder Ernst gilt. Hinten Chammliberg, Schärhorn, Ruchen und Gross Windgällen.
L5, 45m, 7a: Ziemlich herber Auftakt, am zweiten BH vorbei und die 3m danach ist es einfach bereits richtig schwer und obligatorisch (ca. 6c). Zudem grüsst der dritte BH in weiter Ferne. Die letzten Meter dahin sind dann zwar relativ gutgriffig - allzu weit über dem zweiten BH und erst recht beim Anklettern des dritten liegt aber definitiv kein Sturz drin, sonst kracht man aus 15m Höhe aufs Band hinunter. Endlich wieder geklippt, wird's gleich wieder knifflig, bevor dann nach dem nächsten BH die grosse Querung nach links in äusserst scharfem Tropflochgelände folgt. Anstatt dass es hier nach 30 Klettermetern einen bequemen Stand hat, muss man hier gleich noch die Crux anhängen. Das dünkt mich reichlich wenig sinnvoll: ich hatte auf dieser Länge an den jeweiligen Ecken 2x mit einer 120er-Schlinge und 2x mit einer 60er-Schlinge plus jeweils 2 Exen verlängert. Trotzdem kam ich vor lauter Seilzug im zweiten Teil der Seillänge kaum mehr vorwärts, ja es zog mir beinahe den Gurt aus. Schade, das entwertet diese an sich tolle Seillänge stark! Nach der Querung nun also die Crux: es ist unersichtlich, ob man am Bolt am Ende des Quergangs vorbei erst tief queren, oder eher über den Pfeiler hochsteigen soll... die Linie bzw. die folgenden Sicherungen sind aus der Kletterstellung nicht zu ersehen. Ich wähle die im Vorstieg angenehmere, korrekte Variante tief nach links, der durchaus logische Weg über den Pfeiler hinauf hätte hingegen in die Sackgasse geführt. Krallend an kleinen Tropflöchern und auf kleinen Rauigkeiten stehend muss man dann im Überhang die folgenden beiden Haken schön verlängern und Balance sowie Kraft haben, um gegen den extremen Zug das Seil auszuziehen und einzuhängen. Danach dranbleiben bei eigentlich genialer, überhängender Henkelkletterei an einer Sanduhr vorbei zum Stand hinauf. Wenn man nur nicht so gepumpt wäre und der Störefried nicht ständig so nach unten ziehen würde!

In der Cruxpassage der Route (L5, 7a). Eigentlich schon schwer genug, wenn nur nicht das Seil so nach rechts hinten zöge...
Hans auf den letzten Metern der Cruxlänge (L5, 7a). Die Grasbüschel sind unten auf dem Querband 40m tiefer.
L6, 30m, 6b: Beim Akku war der Power Level langsam auf ziemlich tief angelangt. Aber nix da, zwei Längen gilt es noch sauber durchzuziehen. Die hier folgende dann nun beinahe die entspannteste und bis auf die 5c auch einfachste der ganzen Route. Eine ansteigende Linkstraverse in rauem Superfels über zwei griffige Dächer hinweg. Grosser Genuss und schön luftig dazu!

Toller Fels und geniale Kletterei mit zwei Dachüberquerungen in L6 (6b).
Locals im benachbarten, lotrechten Tüfelswärch (7a), auch eine geniale Route welche ich im 2010 klettern konnte.
L7, 40m, 6c: Für die Abschlusslänge gilt es auch noch einmal, parat zu sein. Hier stecken insgesamt 6 BH, zwei davon auf den ersten 3m nach dem Stand... da muss der Rest dann entweder einfach sein, oder sonst sind die Runouts umso grösser. Nun, die klettertechnische Crux folgt tatsächlich gleich nach dem zweiten, ich empfand sie als für den Grad im Vergleich zum Rest der Route für einmal relativ gutmütig. Danach klettert man dann erst einmal für etwa 12m einer schwach angedeuteten Verschneidung entlang. Der Fels ist absolut formidabel, die Kletterei nicht megaschwer und henklig, aber doch steil und ohne beliebig viele Verschnaufpausen. Nochmals Anspannung pur, bis der folgende Bolt geklippt ist. Nach einer weitern, athletischen Stelle wird man dann auf die einfacheren Schlussplatten entlassen. Runoutig hinauf zum Stand, ein Sturz in diesem weit gesicherten, geneigten Gelände vermeidet man im Interesse des eigenen Wohlergehens definitiv besser.

Weite Hakenabstände und ungutes Sturzgelände am Ende von L7 (6c). Nicht so schwer, da kann man sogar Fotos schiessen...
Am Top angekommen: Hans meistert die letzten Meter von L7 (6c).
Die Uhr zeigt schliesslich 15.15 Uhr, bis Hans bei mir am Top angelangt ist. Somit hatte uns die Begehung rund 5:30 Stunden Kletterzeit gekostet. Das zeigt schon, dass man hier nicht einfach drübermarschiert. Die Kletterei ist über weite Strecken anspruchsvoll, die langen Hakenabstände bieten reichlich Interpretationsspielraum für die beste Linie und erfordern an manchen Stellen entsprechend Tüftelei. Und sind die Schwierigkeiten einmal etwas tiefer, so lassen meist auch Felsqualität und Absicherung nach, so dass man auch wieder vorsichtig und langsam zu klettern braucht. Wir fädeln gleich die Seile und treten den Weg in die Tiefe an. In zwei Manövern (35m/50m!!) erreicht man das Querband, der in den Topos verzeichnete Abseilstand dazwischen wurde abmontiert. Man stelle also sicher, dass man hier nicht mir gekürzten oder arg geschrumpften 50m-Seilen antritt, sonst könnte man in die Bredouillle geraten und im Freien baumelnd zurückbleiben. Vom Band sind es dann drei weitere Abseiler (35m/50m!!/40m) zurück an den Einstieg, wobei beim mittleren Abseiler das Seil auch bis zum letzten Zentimeter ausgenutzt wird. Zurück auf dem Boden vespern wir noch etwas und treten dann den kurzen Abstieg und die Heimfahrt an. Mit der Tourenwahl waren wir äusserst zufrieden, das war nun genau die richtige Herausforderung für diesen Tag gewesen und ausserdem ein Ziel, das sich wirklich ideal für einen solchen Novembertag anbietet. Die ganze Zeit über war ich in kurzen Hosen und im T-Shirt geklettert, schon ein Wahnsinn um diese Jahreszeit. 

Grösstenteils steckt verzinktes Material, der Zustand ist meist noch ok, einzelne Haken sind jedoch bereits ziemlich rostig.
Facts

Hinter Glatten - Wätterhäx 7a (6b+ obl.) - 7 SL, 280m - Fullin/Wicky 1999 - ***;xx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, Helm (!!!)

Trotz vereinzelt etwas brüchiger Passagen im leichteren Geländen und ein paar hohlen Blöcken oder Schuppen die man passiert, bietet die Wätterhäx über weite Strecken tolle, athletische und gutgriffige Kletterei an grossen Auflegern, positiven Leisten und scharfen Tropflöchern. Insgesamt kann man sagen, eine für die Zone absolut typische Route mit viel genialer Kletterei und ein paar rustikalen Passagen, über alles gibt es drei Sterne. Die Absicherung ist an den Stellen >=6b+ in Ordnung (xxx). Darunter und insbesondere im einfacheren, manchmal etwas brüchigen Gelände sind die Abstände weit und ein Sturz würde wohl oftmals böse enden. Deshalb lautet die Gesamtbewertung nur xx. Von den zahlreichen Runouts lassen sich nur wenige mit Klemmgeräten entschärfen. Trotzdem gibt's ein paar Placements (insgesamt ca. 4-5 Stück), welche die Mitnahme von Camalots 0.3-1 rechtfertigen. Die Route wurde in den 16 Jahren ihres Bestehens bisher 29x begangen, im Schnitt also 1-2x pro Jahr mit zuletzt abnehmender Tendenz. Im 2014 gab es nur eine Begehung und im 2015 war unsere kurz vor Saisonende die erste. Somit wird man hier kaum auf Grossandrang stossen. Allerdings sollte man hier auch nicht hinter einer anderen Seilschaft klettern und insbesondere beim Abseilen ist Vorsicht angebracht, es geht kaum ohne Steine zu lösen. Die Eigengefährung in der steilen Wand ist überschaubar, die Fremdgefährdung wäre jedoch gefährlich hoch!

Topo

Zur Route gibt es ein frei verfügbares Topo von Paolo & Sonja, an welchem ich noch einige Aktualisierungen vorgenommen und die Sicherungssymbole eingezeichnet habe. Ansonsten ist die Route im Kletterführer GLclimbs enthalten, im Extrem Ost fehlt sie unerklärlicherweise.

Vom Autor etwas aktualisiertes Topo von Paolo & Sonja zu den Routen im zentralen Wandteil des Hinter Glatten.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Hinter Glatten - Einbahnstrasse (7a)

Ein schöner Herbsttag war angesagt, möglicherweise bald eine der letzten Gelegenheiten für eine längere MSL-Tour in dieser Saison. Diese Gelegenheit wollten Kathrin und ich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Die Laune war uns nach einer nicht zu kurzen, nicht zu langen Tour, tollem Fels, guter Absicherung und fordernden Schwierigkeiten, die wir aber dennoch vernünftig beherrschen würden. Am Schluss hatten wir die Qual der Wahl zwischen dem Ofen im Melchtal und dem Hinter Glatten am Klausenpass, wegen dem beständigen Verkehrschaos um Luzern (abends bis 8km Stau) fiel die Wahl zu Recht auf das letztere Gebiet.

Wandansicht und Topo
Bis die Kinder aufgestanden, angezogen, gefüttert und den Grosseltern übergeben waren (vielen Dank an dieser Stelle fürs Hüten!), war 9.00 Uhr schon vorbei. Richtig früh loszukommen ist unter diesen Voraussetzungen einfach unmöglich, was im Herbst durchaus ein gewissen Handicap darstellt. Für die geplante Tour am Hinter Glatten waren wir aber noch ausreichend im Zeitplan. Nach 10.35 Uhr gingen wir in der letzten Kehre (P.1888), knapp 1km ostseitig der Passhöhe, los. Der weglose Aufstieg erfolgt am einfachsten durch das trockene Bachbett, wir brauchten knapp 35 Minuten für die rund 330 Höhenmeter. Der Einstieg am markanten Vorbau war einfach zu lokalisieren, er ist mit einem Ringhaken markiert. Allerdings starten von diesem Punkt aus zwei Touren, nachdem wir uns vergewissert hatten, dass wir für die Einbahnstrasse die rechte Linie mit den alten Haken zu wählen hatten, konnte es um 11.25 Uhr losgehen.

Die Schlüsselstelle im Bachbett-Zustieg, kurze Stelle I, Schwierigkeit insgesamt wohl T5.
SL1, 40m, 6a+: Der Vorbau schaut aus der Distanz nicht so solide und attraktiv aus, die Kletterei ist aber wirklich gut, sprich viel besser, als man meinen könnte. Und auch steiler, als man denkt: an den typischen, grossgriffigen Auflegern gewinnt man an Höhe. Die Hakenabstände sind wohl im grünen Bereich, das Material ist aber stark veraltet und vor allem sind die verrosteten Kronenbohrhaken hier sogar nur von 8mm Durchmesser. Stand kann man dann gut an den zuverlässigen Bolts der neueren Tour links einrichten.

Der Schluss von SL 1 nicht so attraktiv, der erste Teil ist deutlich besser.
SL 2, 40m, 6b: Eine sehr gute Seillänge, die nach einigen zugänglichen Startmetern bald steile und gar nicht so einfache Wandkletterei an Leisten und Seitgriffen bietet. Noch bevor man ganz unter den Dächern angelangt ist, quert man nach rechts hinaus. Der Zwischenstand an dessen Ende wäre zwar zwecks Vermeidung von Seilzug praktisch, weil aber nur 1 uralter BH mit Schlinge um einen mässigen soliden Block in unbequemer Position vorhanden ist, klettert man lieber gleich weiter. Über 3 weitere BH geht es in sehr schöner, steiler Wandkletterei an Schuppen und Schlitzen nochmals 15m weiter bis zu einem guten Stand. Achtung, den ersten BH nach dem Zwischenstand in der Wand rechts massiv (mind. eine 120er-Schlinge) verlängern, ansonsten massiver Seilzug.

Griffig-rauer Superfels am Ende von SL 2, 6b. Im Bild die einzige Stelle, wo ich einen Cam (Grösse 0.5) gelegt habe.
SL 3, 30m, 6b+: Sehr schöne Kletterei, die beständig etwas nach rechts quert. Dieses Teilstück ist weniger steil, dafür sind oft Aufleger und hier und da eine kleine Leiste zu halten, mit den Füssen tritt man auf Reibung an. Der Fels ist super, ähnlich wie im unteren Teil der Millenium am Reissend Nollen. Die Schwierigkeiten sind wohl recht anhaltend, aber harte Stellen warten keine. Ich fand diese SL klar einfacher wie SL 2 und würde hier 6b, in SL 2 aber 6b+ geben.

Bezüglich Farbe und Struktur ähnlich wie der untere Teil der Millenium am Reissend Nollen: SL 3, 6b+
SL 4, 25m, 7a: Vom unbequemen Stand folgt wie so oft in dieser Tour wieder mal ein recht weiter Abstand zur ersten Zwischensicherung, danach ist es hier klettergartenmässig abgesichert. So ist auch die Kletterei durch die überhängende Wand: steil, mit kleinen Leisten und Seitgriffen, fantastisch! Die schwerste Stelle braucht Power und Entschlossenheit, doch bald danach kriegt man gute Schlitze und Löcher zu fassen, wo dann aber etwas Ausdauer gefordert ist. Zuletzt dann etwas einfacher an Slopern zum bequemen Stand auf dem Querband. Nachdem ich diese SL zwar Onsight aber mit einem ziemlich Pump bewältigt hatte, war ich froh um eine gemütliche Pause.

Sloper-Ausstieg aus SL 4, 7a. Dieser ist nicht mehr das Hauptproblem, sondern das Leistenkrallen davor.
SL 5, 30m, 6b: Steile, sprich betont senkrechte bis leicht überhängende Kletterei an grossen, beständig etwas abschüssigen Griffen. Auch wenn man immer wieder darauf hofft, richtige Henkel gibt es hier keine, so dass durchaus etwas Ausdauer gefordert ist. Eine unangenehme Stelle wartet gleich zu Beginn, wo der hoch steckende erste BH angeklettert werden will, und auch zum Schluss ist es etwas trickreicher als sonst.

Griffig, wenn auch etwas abschüssig und leicht überhängend: SL 5, 6b.
SL 6, 20m, 5c+: Erst gemütliche Wandkletterei an Leisten, dann zwischen zwei Rippen hindurch, die etwas brüchig aussehen, aber gut solide sind. Zum Stand hin dann wieder der typische Klausen-Superfels, grau, griffig und mit hervorragender Reibung. Insgesamt ein gemütliches Intermezzo, deutlich die einfachste SL der Tour.

Auch diese SL ist gut und lohnend: SL 6, 5c+.
SL 7, 40m, 6b+: Querschlitz-Parade im Wenden-Style, eine geniale Seillänge, sicher die schönste der ganzen Tour. Am kniffligsten ist der erste Teil, wo die Absicherung wiederum klettergartenmässig ist. Gegen den Stand (mit Wandbuch) hin wird es dann bei weiteren Abständen etwas einfacher, die Kletterei am Schluss eher wieder auflegerig und auf Reibung.

Das Foto wird dieser Länge nicht ganz gerecht, aber die Querschlitze sind nicht einfach zu fotografieren: SL 7, 6b+
SL 8, 30m, 7a (?): Ein etwas unschöner Abschluss: die ersten Meter gehen noch gut, danach folgt steile Wandkletterei an unsicheren kleinen Schüpplein und Seitgriffen. Die Absicherung zwar eng was die Abstände betrifft, doch sehr schlechtes Material. Die Kronenbohrhaken sind hier sehr rostig und sie sind nicht genügend tief gebohrt, sprich stehen 10-15mm vor. Was die wohl halten? Weil ich wegen dem mässigen Fels und den Schwierigkeiten nicht den Eindruck habe, kontrolliert sturzfrei klettern zu können, beschliesse ich, die schlechten Haken nicht zu fest zu belasten und bewältige die schwerste Zone mit zweimaligem Griff zum BH. Es ist frei sicher möglich, aber nicht attraktiv. Ob es aber tatsächlich nur 7a wäre? Die Partie der ersten im Wandbuch als frei deklarierten Begehung schlug auf jeden Fall den Grad 7b+ vor. Nach der Crux geht es einfacher weiter, der Fels hält mehr, als es danach aussieht. Zuletzt dann, wie als Kompensation für die vielen Bolts davor, ein nicht zu entschärfender 10m-Runout an den Stand kurz vor der Kante.

Die letzten 10 Meter zum Top ziemlich alpin und ohne Sicherungsmöglichkeit. Ausstieg aus SL 8, 7a (?).
Um 16.40 Uhr sind wir beide am Top. Voll zufrieden, verlief doch die Begehung zügig, glatt und, bis auf den Wermutstropfen in der letzten SL, in einem sauberen Onsight. Wir steigen gar nicht mehr über die Kante hinaus, sondern queren direkt unterhalb die 10m zum Beginn der Abseilpiste. Diese ist einfach famos, steil, direkt und rassig. In 5 Manövern (25m, 40m, 40m, 50m!!!, 50m) erreicht man in nur gerade 20 Minuten wieder den Einstieg. Während die letzten beiden Abseiler vor 2.5 Jahren nach dem Tüfelswerch mit den neuen Doppelseilen noch problemlos zu machen waren, müssen wir dieses Mal zechälä - die Seile sind noch exakt dieselben, nur sind sie im Laufe der Zeit anscheinend um 3-4m geschrumpft!

Am Einstieg machen wir noch eine gemütliche Pause und essen unsere Sandwiches. Der Himmel hat sich in der letzten Stunde rasch mit dichtem hohen Gewölk überzogen und ein kühler Wind ist aufgekommen. Es herbstelet richtig, wir machen uns an den Abstieg. Dieser geht bequemer im Gras neben der Bachrinne, 25 Minuten brauchen wir dafür, so dass wir um 18.00 Uhr der Familie und dem Zuhause entgegen fahren.



Facts

Hinter Glatten - Einbahnstrasse 7a (6b obl.) - 8 SL, 255m - Jörg Zemp 1986 - ***, (xxxx)
Material: 14 Express, evtl. Camalots 0.3-0.5, 2x50m-Seile

Sehr schöne, steile und abwechslungsreiche Wandkletterei im typischen, meist sehr guten, griffigen Fels mit hervorragender Reibung. Für alle Felswände um den Klausenpass charakteristisch sind aber auch einige kurze, etwas brüchige/splittrige Stellen. Diese sind in der Einbahnstrasse beinahe vernachlässigbar und stören nicht, ausser in der letzten SL, wo sich die klettertechnische Crux leider gerade in einer solchen Zone abspielt und der Route den vierten Schönheitsstern kostet. Die Absicherung ist von den Abständen her an den schweren Stellen klettergartenmässig und auch an den einfacheren vernünftig, d.h. auf Niveau xxxx. Weil das Hakenmaterial aber definitiv in der Alteisensammlung oder im Museum passender versorgt wäre, steht das ganze in Klammern. Zu erwähnen ist auch, dass der weiteste Abstand gleich mehrmals zwischen Stand und erstem BH zu finden ist.


Wissenswertes

Wie dem Wandbuch zu entnehmen ist, wurde die Route am 14./20./22./27./30.9. von Jörg Zemp aus Zürich eingerichtet. Die Frage nach dem wie wird dort nicht beantwortet. Alles von unten oder zumindest teilweise von oben? Ich weiss es nicht, auf jeden Fall wäre es eine super Leistung, die annähernd 100 handgebohrten Haken in 5 Tagen solo von unten kommend anzubringen.


Information aus dem Wandbuch. Von meiner Seite herzlichen Dank den Erschliessern!
Ebenfalls im Wandbuch steht, dass der Routenname entstanden sei, weil ein Abseilen über die Tour nicht möglich sei. Dies ist aber zu relativieren, vom zweiten und dritten Stand ist ein Rückzug sicher mühsam, aber kaum unmöglich. Weiter oben ist es dann sowieso problemlos, ab Höhe des dritten Standes kommt man dann auch bequem über die benachbarte Nirvana runter.

Wir haben uns 26 Jahre nach der Erstbegehung auf der Seite eingetragen, die mit 95. Begehung angeschrieben ist. Weil aber meist nur jede zweite Seite beschrieben wurde, dürfte die Route bis dato rund 60 Begehungen erfahren haben. Während die Frequenz in den 90er-Jahren noch recht hoch war, machten wir im 2012 den ersten Eintrag. Zu erwähnen ist auch, dass das Wandbuch beinahe voll und nicht mehr in sehr gutem Zustand ist.

Die erste im Wandbuch als Rotpunkt deklarierte Begehung ist im Jahr 2005 durch Mike & Anna erfolgt. Ob die Route schon früher freigeklettert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Die beiden beschreiben die 4. SL als 7b und die 8. SL als 7b+. Woher die teilweise komplett falschen Angaben im Führer GLclimbs stammen, weiss ich auch nicht. Ich denke, dass SL 4 näher bei 7a als bei 7b ist. Die letzte SL ist meines Erachtens eher schwerer als die vierte, eine kompetente Einschätzung kann ich aber nicht machen.

Die gemäss Wandbuch erste Rotpunktbegehung.
Die Wand ist nach SSE ausgerichtet und steht schon bald nach Sonnenaufgang im wärmenden Licht. Im Oktober ist dies um ca. 8.00 Uhr der Fall. Unabhängig von der Jahreszeit verschwindet die Sonne um ca. 16.00 Uhr um die Ecke. Im Frühjahr, so lange auf dem Karrenfeld oberhalb der Wand noch Schnee liegt, bleibt die Wand länger nass.

Einen sehr guten Bericht zur Tour findet man bei Chris Moser. Auch Wolfi's Seite enthält einige Zeilen darüber, und stellt auch andere Touren in der Wand vor. Ein frei verfügbares Topo gibt's bei Paolo und Sonja aus Lecco. Käuflich zu erwerbende Topos finden sich im GLclimbs (bis auf die falschen Schwierigkeitsangaben passt dieses recht gut) und im vergriffenen Schweiz Extrem von 1994.