- -
Posts mit dem Label Spanien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Spanien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 16. Januar 2026

Weihnachtstrip nach Valencia: Teil 5

Hier geht's unsere Spanienreise nun ins Abschlussfeuerwerk, was sowohl die beschriebenen Tage wie auch diese Reihe von Blogs betrifft. Die hier im Zentrum stehende Pared de Enfrente ist das Schaustück der Kletterei in Chulilla. Gleich vis-à-vis vom Dorf gelegen, bestens sichtbar, nach Osten exponiert und im Winter bis ca. 15.30 Uhr angenehm besonnt ist sie für ambitionierte Sportkletterer eine der ersten Adressen im Gebiet. Auch an regnerischen Tagen stellt sie eine gute Option dar, wovon wir zwischenzeitlich Gebrauch machen mussten.

Da schlägt das Herz gleich höher: Pared de Enfrente, muy muy bien!

Wir sind an drei Klettertagen in drei verschiedenen Sektoren an dieser Wand geklettert. Die Logistik ist immer dieselbe: man nutzt den Parkplatz im Dorf. Der ist zwar nur relativ klein, wir fanden aber doch jedes Mal eine Möglichkeit. Das liegt wohl an den 4 Euro Parkgebühr und der Tatsache, dass "Dorfbewohner" oder Vanlife-Menschen nicht da stationieren. Anzufahren ist er von Valencia übrigens am schnellsten von Norden her (via Losa del Obispo über die CV-394), durch Chulilla hindurch dauert länger und kann mühsam sein. Dann geht's zu Fuss weiter, am besten den Felsen vom Competicion-Sektor in die Schlucht hinunter, ein kurzes Stück dem Fluss entlang, über die Brücke und dann hinauf zur Wand, Gesamtzeit ca. 20 Minuten. 

Über die Brücke des Rio Turia, beim Schild danach geht's links hoch zur Wand.

Tag 3: Chulilla / Sex Shop & Tierra de Nadie

Ui, das ist mal wieder ein sinnvoller Name für einen Sektor, da rückt mein Blog in der Watchlist wohl in ganz andere Sphären. Anyway, an unserem dritten Tag in Spanien hatte der eisige Wind, welcher uns an Tag 1 durch die Glieder pfiff und dem wir am Tag 2 erfolgreich nach Süden auswichen, nachgelassen und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Wir mussten also nicht lange überlegen, Chulilla war unsere Destination und die Pared de Enfrente das angepeilte Ziel. Unsere Felslust muss riesig gewesen sein, denn wir stürzten uns im Sex Shop gleich auf das erste Objekt in der Auslage...

Bolas Chinas (6b+ hard, os): kann man zum Aufwärmen nutzen, es geht allerdings nach dem kurzen Vorbau dann bald einmal heftig los mit so richtig taffen Leistenmoves auf ultrapolierten Tritten. Ich war kurz vor dem Abschmieren, meine Frauen zeigten mir dann allerdings, dass es zwar durchaus nicht einfach ist, ich mich aber zusätzlich auch suboptimal angestellt hatte.

Larina beim Aufwärmen in der Bolas Chinas (6b+), die Crux eben passiert.

Eco Dildo (7a+, os): die ersten paar Meter gemeinsam mit der vorangehenden Route, dort wo die Schwierigkeiten beginnen zweigt man dann aber gleich nach rechts ab. Ein paar "Schlittschuh-Moves" an Leisten nach rechts, dann geht's besser dahin zur Schüttelposition auf dem Band vor dem Schlusswulst. Hier kann man die alpine Auskneifer-Linie links durch die Verschneidung wählen, das was direkt über den Haken erst unmöglich erscheint, erfordert zwar schon einen beherzten Power-Move, löst sich dann aber gut auf und ist auch nicht wirklich schwieriger.

So lässt sich Weihnachten geniessen! Larina beim üblichen Chillen, denn unser Ablauf war nicht vollständig ausgeglichen. 1) Marcel klettert, Kathrin sichert; 2) Larina klettert, Marcel sichert; 3) Kathrin klettert, Marcel sichert. Somit war mein Tag jeweils pausenlos mit "Arbeit" ausgefüllt, während sich unsere Top-Athletin bestens auf ihre Go's vorbereiten konnte.

Sensaciòn Azul (7b+, os): unmittelbar rechts der vorangehenden Routen wartet diese sehr attraktive grau-orange Wand. Nach ein paar henkligen Einstiegsmoves folgt bald eine kleingriffig-technische Crux, die mit gutem Positioning an Seit-/Untergriffen gelöst wird. Dann kann man Durchschnaufen (oder im Onsight nervös werden?!). Zwei weitere knifflige Bouldersequenzen bringen einen zu einem weiteren Rastpunkt am Band, bevor in der Abschlusswand nochmals Entschlossenheit gefragt ist.

Larina in Sensaciòn Azul (7b+) - techno-athletische Wandkletterei, super Sache.

Cantalobos (7b, os): die Handvoll Routen links auf dem Balkon vom Sex Shop waren alle besetzt, so verschoben wir uns etwas nach links in den Sektor Tierra de Nadie und ich konnte diese Perle in Angriff nehmen. Unten schon anhaltende und stets spannende Kletterei, nie jedoch verzweifelt schwer. Gegen das Ende hin spitzt sich die Sache dann zu. Das Runout-Finish zur Kette bleibt in Erinnerung: zwingende technische Kletterei an einem kleinen Pfeiler, fusslastig an kleinen Griffen - fast wie MSL at its best!

Ein bisschen Lesen an Weihnachten ist doch toll. Am besten im Kletterführer am Fuss der Felsen ;-)

Dumbo Love (7a, os): zum Tagesabschluss konnten wir hier noch einen Speedy-Go in Kathrins Projekt geben. Erst cool an unglaublichen Sintertöpfen, weiter geht's dann teils knifflig an glatten Slopern. Sehr spannende Sache. Mittig ist die Passage nur dank einem grossen, gebohrten Loch möglich - ohne dieses vielleicht nicht unmöglich, aber sicherlich keine homogene 7a und keine lohnende Route. Ein ethisches Dilemma. Sagen wir es so: ich war sehr froh, war das gebohrte Loch da war und gleichermassen, dass ich nicht selbst vor der Frage stand, ob ich dieses anbringen soll.

Das war's für diesen Klettertag. Hier der Blick von der Wand zum Dorf Chulilla.

Tja, schon wieder war es dunkel geworden. Wir fuhren zurück in unser Domizil, deckten uns mit Lebensmitteln ein und machten uns einen gemütlichen Heiligabend inklusive einer Videokonferenz mit dem sich in Finnland befindlichen Teil der Familie.

Tag 7: Chulilla / El Ramallar

Auch bei optimistischer Interpretation des Wetterberichts war dieser Tag als regnerisch angesagt, wobei in Chulilla nur eine relativ geringe Menge prognostiziert wurde. Dies schien also die richtige Ecke zu sein und zudem lässt es sich an der steilen Pared de Enfrente wetterunabhängig agieren. Mit Larinas Wunsch, auch Möglichkeiten im achten Franzosengrad zur Verfügung zu haben, betätigten wir uns etwas weiter links als beim ersten Besuch und machten uns im Sektor El Ramallar bereit.

Panorama vom Parkplatz, links Chulilla City, dann der Sektor Los Techos und schliesslich die von uns angepeilte Wand mit dem Sektor Muro de los Lamentaciones gerade voraus und der Pared de Enfrente rechts anschliessend. Wie mir scheint wäre La Baleine auch noch eine passende Bezeichnung für diesen Felsriegel... gibt's aber halt schon anderswo.

Las Roturas L1 (6c, os), L2 (7a+): viel Gängigeres zum Aufwärmen findet man in diesem Sektor kaum. Die Route fängt zwar einfach an, zum Zwischenstand hin warten dann aber schon ein paar kräftige Moves an seifigen Rissen. Vielleicht hätte mir das eine Lehre in Bezug auf die Fortsetzung sein sollen (oder auch die bis dato nur 37 erfolgreichen Begehungen auf 8a.nu, wo die benachbarten Routen teils >500 haben). Während es ja erst noch geht, ist das Finish auf über 40m dann echt bockhart und warf mich ab - das ist mir in diesen Ferien sonst in keiner 7a+ passiert. Ich meine 7b oder 7b+ wäre realistischer, in einem zweiten Go wäre es ziemlich sicher gegangen, aber...

Rainy Day Crag Vibes. Larina vor dem Go in La Casica del Malaire (8a).

Revuelta en el Frenepático (7b+, os): ...neue Route neue Chance (auf einen Onsight), darum hier probiert und gleich auf Anhieb reüssiert, die schon >500 Begehungen kommen nicht von ungefähr. Es wartet begeisternde technische Kletterei an kleinen, positiven Leisten und Broccoli-Slopern. Gut bewegen, dranbleiben und die Intuition spielen lassen waren die Schlüsselelemente zum Erfolg. Die im Vergleich zur vorangehenden Route milde Bewertung womöglich auch... ;-)

Mal pago (7c, rp): der Regen hatte sich intensiviert, die weniger überhängenden Routen wurden teilweise benetzt. Deshalb hiess es, sich in den steilsten Teil der Wand zu verschieben und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Der untere Teil bietet eine Schleuderstelle, dann lässt es sich weitgehend mit der Ausdauer erledigen, bis die komplett doof platzierte Kette geklippt werden muss. Viel zu hoch oben, wo es keinen brauchbaren Griff mehr gibt, gut habe ich lange Arme. Bisschen inhomogen und eben die Sache mit dem Umlenker, das stellt diese Route im Vergleich zu anderen im Sektor hinten an.

Es schifft zwar in Strömen, aber Wand und Route sind trocken: La Boca de la Voz (8a).

Gerade als ich meinen zweiten Go gestartet hatte, ging bei all unseren Handys der Alarm los. Eine Unwetterwarnung war es, mit dem Hinweis auf die starken Regenfälle und dem Ratschlag, erhöhte Standorte aufzusuchen. Na dann, hoch zum Umlenker, so musste mein Motto sein ;-) Wir liessen uns nicht ins Bockshorn jagen, komplettierten unsere letzten Versuche und kehrten wohlbehalten zum Auto und auch ins Apartment zurück. Wobei wir auf dem Rückweg zum Parkplatz komplett durchnässt wurden, ebenso goss es auf der Fahrt wie aus Kübeln. Offenbar hatte es auch schon den ganzen Tag über so runtergelassen - da täuscht halt einfach die Perspektive an einem solch grossen Überhang, wo der Wind nur hin und wieder ein paar Tropfen hintreibt. Aus dieser Optik hatten wir bestimmt das richtige Tagesziel ausgewählt.

Tag 8: Chulilla / Tierra de Nadie

Am unserem letzten Tag hatten wir heimreisebedingt 16.00 als Deadline für das Klettern definieren müssen, zudem war der starke Regen vom Vortag zu berücksichtigen. Da war es nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente oder ausgedehnte Ausflüge. Wir fuhren also nach Chulilla, wo die bestens einseh- und erreichbare Pared de Enfrente trocken war und einige scheue Sonnenstrahlen erhielt, während anderswo noch viele Wasserstreifen glänzten. Nun denn, es gab noch genug zu tun da, also auf bekanntem Weg zum Fels geschritten, das Gear montiert und angegriffen.

Pared de Enfrente... könnte man gerne auch bei mir daheim platzieren :-)

Terreros Royos (6b+, os): eine vergnügliche, grossgriffige Aufwärmroute. Interessant das aufgeschichtete Gestein zu Beginn der Route. Für meine Augen sieht das so aus, als ob es unmittelbar am Auseinanderfallen wäre - was es wohl in einer alpinen Umgebung auch täte. Doch hier im Süden ist das gut zusammengebacken und hält bombenfest.

Agua por Favor (7c, os): rein ins Abschlussfeuerwerk, das war hier die Devise. Zum Charakter war mir so viel bekannt, als dass hier mehrere Boulderstellen mit Schüttelpunkten warten. Das lässt bei einer entsprechenden Grundlagenausdauer die Möglichkeit, die richtigen Lösungen auszutüfteln, somit schien hier die Chance auf einen 7c-Onsight vorhanden. Eine erste Stelle an Leisten, dann ein Untergriff-Boulder, eine Wandstelle die Entschlossenheit an sloprigen Leisten erfordert, seichte Löcher welche gute Übersicht zur Fussplatzierung erfordern, ein drückender Wulst mit Leisten und zum Schluss noch der knifflige Ausstieg mit mindestens 3 unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Mir ging alles auf und ich war trotz der Onsight-Chance (die ja eben auch schnell für immer und ewig vergeigt ist) mit gutem mentalem Korsett und Vorwärts-Optik unterwegs. Erst am sloprigen Schüttler vor der letzten Sektion zum Umlenker kam dann leichte Nervosität auf... schon so nahe, nur noch der Endgegner fehlte, doch nur im defensiven "ja nicht mehr herschenken"-Modus war der nicht zu bezwingen. Doch ich konnte mir die Zeit nehmen und sämtliche Lösungen erwägen, setzte am Ende auf das richtige Pferd und klippte unmittelbar danach den Umlenker - wow, was für eine grandiose Sache!

Kurz für Auflockerung sorgen, bevor der Ernst in Agua por Favor (7c) beginnt.

Dann war Larina an der Reihe. Wir handhabten es jeweils so, dass sie die gemeinsamen Routen auch Onsight kletterte. Die Gründe dazu: sie kann das bestens und v.a. muss sie es als Wettkampf-Athletin auch als starkes Asset in ihrem Portfolio führen. Zudem ist das lautstarke Rumplärren von Beta nervig und sowieso passen meine Lösungen für sie nicht zwingend. Bzw. umso interessanter ist es, nachher auszuwerten, wo wir gleich und wo wir unterschiedlich vorgingen, respektive was die Beweggründe dazu waren. Zwei kleine (aber legitime) Vorteile hatte sie hier auf ihrer Seite: die nun bereits installierten Exen und das Wissen, dass es der alte Mann geschafft hat. Mit ihrem inzwischen in allen Belangen klar höheren Level lag die Möglichkeit auf der Hand.

Andererseits wird aus "hier habe ich eine gute Chance" halt auch schnell "das darf ich nun auch keinen Fall vergeigen" - und das macht wie wir alle Wissen einen grossen Unterschied dafür, wie schwierig sich das alles anfühlt, mit entsprechend dämpfendem Effekt auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. In diesem Sinne darf man die mentale Bürde meines Durchstiegs gerne als willkommenes, mentales Zusatztraining für die Wettkampf-Athletin betrachten. Denn wenn es dann wirklich zählt, ist das Ganze logischerweise noch viel komplizierter. Langer Rede kurze Essenz: es klappte auch bei Larina, nach einigem Gebastel im Untergriff-Boulder mit mehreren Limit-Moves, die ich so ganz sicher nicht gebacken gekriegt hätte, da war meine Lösung definitiv deutlich effizienter.

 Larina in Agua por Favor (7c): 35m an anhaltender Kletterei in steilem Gelände

Las Carcàmas de la Majà (7b/+, rp): es blieb noch Zeit für eine weitere Route und mit einem Grosserfolg in der Tasche konnte ich es wagen, trotz "hard" und hartem Schlussboulder hier einzusteigen. Nun, das Finish ist zwar komplex , aber nicht so megamässig, als dass es nicht im First Go machbar wäre. Aber es ist einfach hart, ohne die präzise Körperposition und Wissen wie man die Griffe nehmen muss kriegte ich das nicht auf Anhieb hin. Naja, so musste halt die 16 Uhr Deadline noch etwas geritzt werden, damit ein 2nd Go drin lag. Der sass dann und ich konnte die gloriose Schlusssequenz welche sich mit einem Comp-Style Toehook am besten auflöst nochmals geniessen.

¡Hasta la próxima, volveremos!

Packen, laufen, fahren, Auto abgeben, umpacken, Gepäck aufgeben lautete das weitere Programm, danach folgten dann ein paar ruhigere Minuten, bis es Zeit zum Einsteigen war. Der Flug verging dann dank einer spannenden Schachpartie fast zu schnell, aber mit der nötigen Geduld war auch dieser Gegner schlussendlich knapp vor dem Zeitpunkt besiegt, bevor man sich von den Sitzen erheben konnte. Das Fazit zu diesem Trip braucht nicht viele Buchstaben: GRANDIOS war es, so viel gute Kletterei und so viele erfolgreiche, sehr befriedigende Begehungen. Diese vielen Onsight-Battles, 100% try hard, mit jeder Faser des Körpers kämpfend, der Intuition vertrauend, den Blick vorwärts gerichtet und der Schwerkraft entfliehend, das liebe ich einfach. Davon hatte es eine satte Portion gegeben (genug davon kriege ich sicher nie), die Kletterei hatte mir prima gefallen und auch sonst war alles tiptop aufgegangen. Nun gut, das Wetter war insgesamt eher durchzogen, aber genügend warm und ausreichend trocken um jeden Tag voll anzugreifen, in dieser Hinsicht war die Planung perfekt aufgegangen.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Alternativ Online-Routenlisten wie The Crag. 

Saison & Charakter

Die Pared de Enfrente ist nach E exponiert und hat um den Jahrswechsel von frühmorgens bis maximal ca. 15.30 Uhr Sonne. Ideal wenn es kalt ist, bei höheren Temperaturen ab 10 Grad aufwärts und voller Einstrahlung wird es möglicherweise bald einmal zu heiss für die ambitionierte Sportkletterei. Am lohnendsten im Schwierigkeitsgrad 7a-8a, leichtere Routen gibt es vereinzelt, schwierigere hingegen kaum. Vorherrschend ist ausdauernde Wandkletterei in nicht allzu steilem Gelände, welche teilweise auch versintert ist. Fast alle Routen lassen sich bei leichtem Regen klettern, etliche davon auch bei starkem Niederschlag.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag.

Samstag, 10. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 4

Nach einer dringenden Empfehlung hatte ich die Wand von Araya auf unsere "must do"-Liste dieses Trips gesetzt. Tolle Ausdauerkletterei in sintrigem Gelände an noch weitgehend unverbrauchtem Fels in einer ruhigen und sonnigen Umgebung gäbe es da zu geniessen. Als dann (bei einer dynamisch-labilen Wetterlage) auch noch sämtliche Karten und Modelle im Gebiet ca. 80km nördlich von Valencia am meisten Sonne bei gleichzeitig minimalem Niederschlagsrisiko versprachen war der Tag gekommen. Die Details folgen hier erst noch, aber ganz kurz: Kletterei prima, Wetter naja.

Hm, ganz so attraktiv sieht das auf diesem Foto vielleicht nicht einmal aus?!? Womöglich dem eher grauen Himmel geschuldet. Der Hauptsektor im Bildzentrum ist rund 40m hoch und bietet echt gute Klettereien. Diese ziehen sich auch bis an den rechten Bildrand hin. Die Wand links aussen ist hingegen meines Wissens nicht erschlossen.

Tag 5: Araya (Teil 3 / Teil 5)

Das kleine Nest Araia (das Dorf wird gängig mit "i" geschrieben, das Gebiet aber mit "y") befindet sich im Hinterland der Küstenstadt Castellò de la Plana und ist von der Autobahn über ca. 8km an kurviger Bergstrasse anzufahren. Gerade am Eingang des Orts geht's rechts ab auf eine unbefestigte Piste. Gut befahrbar an sich, nur an einer Stelle wo einstürzende Altbauten die Strasse verschüttet haben, ist es kurz etwas eng. Google Maps kennt den Standort des zu wählenden Parkplatzes und leitete uns zuverlässig dahin. Für den Zustieg auf dem gut ausgetretenen Pfad (auf OSM/TheCrag verzeichnet) zu den noch nicht sichtbaren Felsen brauchten wir 25 Minuten. Grundsätzlich liegt das Gebiet sehr sonnig, wegen dem vorgelagerten Grat ist im Hochwinter aber bereits irgendwo zwischen 15-16 Uhr fertig mit der Wärmestrahlung. Das war insofern hypothetisch für uns, als dass es bewölkt war und bereits leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Möglichst schnell los mit der ersten Route, konnte das Motto nur lauten.

Pincha Perros (7a, os): Schöne, flowige Route mit durchgehend interessanter Kletterei. Sie weist eine relativ markante Crux auf, dort wo man von der Sintersektion wieder etwas flacheres Gelände gewinnt. Erstens einmal gilt es die Lösung zu erkennen, dann braucht's auch noch etwas Power um sie auszuführen.

Wo ist Walter bzw. Larina?!? Wer genau hinschaut, findet sie. Im athletischen Teil der Malos Pensiamentos (7c). Aus dieser Perspektive gibt's glaube ich keine Zweifel, dass diese Wand eine gehörige Portion Ausdauer und Athletik verlangt.

Bis wir alle drei die Route getoppt hatten, war aus dem Nieseln ein ausgewachsener Schauer geworden. Übrigens die einzige Regenzone, welche an diesem Tag über das von Valencia aus in diesem Radius erreichbare Gebiet hinweg zog, ganz im Gegenteil zu dem, was die Wettermodelle angekündigt hatten. Künstlerpech also... an weitere Kletterei war vorerst nicht zu denken: die Routen sind zwar überhängend und blieben mehrheitlich trocken. Doch es beginnen alle mit einer 5-10m hohen, eher plattigen Zone bevor es steil losgeht. Die wurde eben befeuchtet, und ebenso wäre man beim Sichern komplett durchnässt worden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Sache auszusitzen. Das war auch gar nicht mal so einfach hier, eigentlich verrückt, an einem spanischen Felsen keinen so richtig trockenen und meterweit geschützten Spot am Wandfuss zu finden. Immerhin wurden wir nur leicht betröpfelt, nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, wir griffen wieder an und hatten für den Rest vom Tag Ruhe vor dem Regen.

Red Chili (7a+, os): Ein weiterer, 35m langer Knaller - so genial! Abwechslungsreiche und immer spannende Kletterei an Broccoli-Fels, Sintern und Leisten. Zwei Abschnitte stechen heraus. Wie in der Pincha Perros (7a) ist das Verlassen der sintrigen Steilzone die Crux. Auch hier gilt es die Beta zu erahnen und sie dann mit Strom auszuführen. Weiter oben wartet dann auch noch eine leistige Wandkletter-Crux, die man aber gut wegstehen kann.

Malos Pensiamentos (L1 7b/+ os, L2 7c): Was für eine Route, welche mir einen riesigen Fight abverlangt hat. Nach steilplattigem Auftakt geht's erst athletisch einer Rampe entlang zur Sache. Dann eine kräftige Lochsektion, gefolgt von einem sehr technischen, nervenaufreibenden Mantle. Und zum Schluss gibt's dann noch zwei knifflige Wandkletter-Boulder mit Ruhepunkt dazwischen. It ain't over till it's over... nach heftigem Kampf, langem Schütteln und kreativem Tüfteln unterwegs hatte ich endlich den finalen Henkel in der Hand. Und somit natürlich auch gleich die Verpflichtung, noch den 7c-Abschlussboulder zur zweiten Kette auf 40m anzugehen - einfach ins Seil sitzen konnte bzw. wollte ich ja nicht. So viel hatte da schlussendlich nicht gefehlt, aber die entscheidenden kleinen Leisten ohne schlaue Füsse nach diesem Fight noch zu dübeln ging leider nicht ganz. Ich war mir aber sicher "Larina kann das", zumindest wenn sie den kniffligen Schluss vom ersten Teil meistert. Genau so kam es dann auch: nach kurzem Innehalten vor diesen Bouldersequenzen wurden die Leisten mit Leichtigkeit gehalten, ein souveräner Durchstieg war das Resultat.

Andere Perspektive, aber immer noch Larina in Malos Pensiamentos (7c).

Nachdem auch Kathrin ihr Projekt gemeistert hatte, brach schon wieder die Dunkelheit herein und wir machten uns auf den Rückweg. Naja, die besten Verhältnisse hatten wir nicht getroffen, die Kletterei und auch die Umgebung hatten uns aber sehr gefallen. Mit 3x35m an permanent spannender Herausforderung und den entsprechenden Punkten im Gepäck war auch das ein sehr erfolgreicher Klettertag gewesen.

Topo & Infos

Wir nutzten nur TheCrag, was einwandfrei funktioniert hat. Gedruckte Topos findet man im ganz neuen Costa Azahar CLIMB. (Domingo, 2025) oder im Levante Climbs North (2019). Der Parkplatz ist oben verlinkt, es haben ca. 5-6 Autos Platz. Achtung, auf keinen Fall die Durchfahrt behindern! Notfalls sollte man einige Minuten weiter weg an der Zufahrtsstrasse noch Abstellmöglichkeiten finden.

Dienstag, 6. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 3

Wie im vorangehenden Beitrag erwähnt, war nun der Zeitpunkt gekommen, um die Felsen von Chulilla zu besuchen. Aus dramaturgischen Gründen geht's hier allerdings nicht mit dem Folgetag weiter, sondern wir springen gleich zu Tag 4. Da war das uneingeschränkt sonnige Wetter bereits wieder Geschichte, es hatte auf bewölkt aber mild gewechselt. Darüber wurde aber nicht lamentiert, sondern wir nahmen es als Anlass, die populärste Wand im Gebiet zu besuchen, welche um diese Jahreszeit sowieso keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommt. In den nach Norden ausgerichteten Paredes del Pantano warten mehrere Sektoren mit rund 230 Ausdauerklettereien in oft versintertem Gelände, eine fabelhafte Mauer!

Ein Paradies, das Felsband der Paredes del Pantano, mit vielen Hundert Metern bestem Gestein.

Tag 4: Chulilla, Oasis & Algarrobo

Noch ohne die perfekte Orientierung fuhren wir an diesem Tag (es war gerade Weihnachten) durch Chulilla hindurch, stationierten östlich der Pantano-Schlucht und wählten den sehenswerten, aber längeren Zustieg, welcher insgesamt drei Brücken beinhaltet. Während der erste Teil gut ausgebaut ist und zügig bewältigt werden kann, beinhaltet der Schluss unter der eigentlichen Pantano-Wand einen dschungligen Ho-Chi-Minh-Pfad mit einigem Auf und Ab. Nach rund 40 Minuten waren wir da und versuchten uns eine Übersicht zu verschaffen. Wie gehabt ist das auch hier nicht ganz einfach. Angeschrieben ist nichts und die aus der Distanz aufgenommenen Fototopos helfen für die sichere Identifikation der überhängenden, dicht beeinander liegenden Routen vom Wandfuss aus nur bedingt. Schlussendlich waren wir aber sicher, wo wir sind und legten los.

Hängebrücke im Zustieg durch die Schluchten.

Richi (6b+, os): immer zuerst alle verfügbaren Online-Quellen zu checken vor dem Einstieg ist mir normalerweise viel zu mühsam. Hier hätte es sich unter Umständen gelohnt. Der Boulderstart ist "huere müesam", super slippery und richtig taff für 6b+. Der Rest ist dann zwar schöner bietet aber zwei weitere, für den Grad recht schwierige Stellen. Für denselben Aufwand kriegt man nebenan auch eine 7a, meinen wir.

Top of the Rock (7a, os): wir wechselten ca. 30m hinüber nach links in den Sektor Algarrobo, wobei die Abgrenzungen mir da an dieser durchgehenden Wand ziemlich willkürlich erschienen. Wie schon gehabt gibt's auch hier einen etwas öttelig-kleingriffigen Startboulder, weiter oben fordert eine zwingende Passage an kleinen Sintern mit zähem Untergriffzug, bevor ein Wulst Power und Entschlossenheit verlangt, um den Plaisir-Abschluss geniessen zu können.

Las Caquitas de Nazarten (7b, os): den Einstiegsboulder gibt's auch hier, wobei man sich bei einer 7b nicht mehr darüber beschweren darf und er auch vergleichsweise zahm daherkommt. Die Route baut sich anschliessend im überhängenden Ausdauergelände richtig schön auf und kulminiert mit kräftigen Moves am Abschlussdächli - puh, eher nur knapp bin ich da ungerupft ins Tropflochgelände oberhalb entkommen, aber geschafft ist geschafft!

El Oasis (7a, os): es war ja Weihnachten und so schenkte ich einen meiner Go's, damit Larina ihr Projekt Rin Ran (7c+) noch punkten konnte. Somit war die Absicht, hier bei zunehmender Dämmerung noch einen raschen Punkt zu holen. Das gelang wie gewünscht: zuerst der übliche Einstiegsboulder, wobei ein Clipstick fast unverzichtbar scheint. Der erste BH steckt hoch und man startet hier von einem schmalen Band 4m über Grund, sprich da dürfte man ohne Pre-Klipp nicht failen. Im Anschluss dann homogene, flowige Wandkletterei. Mir kam's insgesamt eher einfacher wie unsere Auftaktroute Richi (6b+) gleich nebenan vor, aber vielleicht hatte ich mich einfach an den Style gewohnt.

Nun hiess es, endgültig die Segel zu streichen. Im Schein der Stirnlampen wackelten wir den Dschungelpfad zurück. Dass ein kurzer Regenschauer alle Steine nass und glitschig gemacht hatte, erhöhte die Geschwindigkeit auch nicht gerade. Spielt aber alles keine Rolle, mit Freude im Herzen über die gelungenen Routen fuhren wir retour in unser Domizil und genossen den Weihnachtsabend im kleinen Kreis. Dass wir nochmals an die Paredes del Pantano zurückkämen, wussten wir da noch nicht mit Sicherheit, aber...

Larina in der Rin Ran (7c+), 35m Ausdauer-Wandkletterei vom Feinsten.

Tag 6: Chulilla, Balconcito, Oasis & Chorreras

Eigentlich sollte es an diesem Tag mehrheitlich trocken bleiben, doch mit der Zuverlässigkeit der Prognosen hatten wir inzwischen unsere Erfahrungen gemacht und "mehrheitlich" heisst ja auch, dass man zwischendurch mit Regen zu rechnen hat. "Play it safe" war unser Motto, besuchen wir nochmals die überhängenden Paredes del Pantano, wo uns allfällige Schauer nichts anhaben können. Dieses Mal hatte ich das nötige Zugangs-Engineering betrieben und dabei auf den westlichen Parkplatz bei Pantano de Loriguilla gesetzt. Der verspricht nämlich nicht nur einen kürzeren Zustieg, sondern ist von Valencia her auch schneller zu erreichen (etwas kontraintuitiv, da in Luftlinie weiter weg gelegen).

Blick auf den Sektor Chorreras - oh so good!

Larina wollte eine schwierige Route projektieren (8a und aufwärts), was für mich persönlich in meinem von vielen Onsight-Battles schon etwas angebrutzelten Zustand nicht das favorisierte Programm war:  lieber möglichst viele Onsights realisieren. Doch es ergab sich eine sehr interessante Gelegenheit. Ich wurde von einem Einzelgänger auf der Suche nach Kletterpartner angesprochen. Es dauerte einige Sekunden, bis mein Hirn prozessieren konnte, wer da vor mir stand. Ein Vater/Coach einer finnischen Konkurrentin von Larina, den wir schon im Sommer an der WM in Helsinki getroffen hatten, im Oktober dann in den Ewigen Jagdgründen im Zillertal und nun also in Chulilla. Er hatte sein Material bereits in einem 40m langen 8a+ Ausdauerhammer montiert und so war es nur naheliegend, dass Larina mit ihm klettern würde (die ersten beiden Aufwärmrouten bestritten wir noch gemeinsam). Die Tochter sozusagen verkauft, somit nur zu zweit statt wie üblich zu dritt gab es an diesem Tag unüblich viele Punkte...

Gargola L1 (6b, os) & L2 (7a+, os): der untere Teil bietet interessante Kletterei einer Verschneidung entlang und eignet sich tatsächlich gut zum Aufwärmen (die schwierigste Stelle kommt allerdings gleich ziemlich am Anfang). Nach der Kette auf 20m gehen die nächsten 4 BH noch gut über die Bühne, dann allerdings folgt eine heftige Crux: hohen, mässig guten Untergriff nehmen und ohne gescheite Füsse daran anlaufen und sich später an ein paar Leisten nicht mehr abschütteln lassen. Es war wohl mehr mein Wille, hier auf keinen Fall scheitern zu wollen, der mich diese Stelle bewältigen hat lassen. Zero Margin und statt Aufwärmen eher Anzeichen von Überhitzung...

Daños Collaterales (7b+, os): bis Frau und Tochter die Gargola ebenfalls geklettert hatten, war ich wieder auf optimaler Betriebstemperatur. Das ist insofern auch nötig, dass hier gleich ein heimtückischer, etwas schlipfrig-polierter Start wartet. Die folgende Tufa-Sequenz ging gut, aber der sloprige Ausstieg mit ein paar feuchten Stellen war hingegen ein Eiertanz. Die letzten 15m bieten dann Ausdauerkletterei an kleinen Tufa-Features und Leisten - lange gut kontrollier- und schüttelbar, gegen das Ende hin heisst es dann aber auf's Gas drücken. Doch der "Flucht nach vorne"-Schalter funktionierte, als er gebraucht wurde.

Cap i Cua L1 (7a+, os): spezielle Sache an teilweise absolut struktur- und reibungslosem Flowstone, welcher dann punktuell doch mit ein paar stachligen Broccoli bestückt ist - das muss wohl das Vorbild für die modernen Dual-Tex-Hallengriffe gewesen sein. Cool, so etwas auch in der Natur zu finden, mir hat's gefallen. Ich fand die Route noch recht leichtverdaulich, beim nicht so eng gebolteten Finish hilft's aber ziemlich sicher, a) über dem Grad zu stehen und b) etwas Körpergrösse mitzubringen.

La Paz del Borrego (7b, os): im Sektor Chorreras mit den grossen Sintern musste unbedingt noch eine Route geklettert sein. Diese hier wurde mir empfohlen und ich kann das nur mit Nachdruck bestätigen. Gute 40m pfeift die Linie zwischen riesigen Sinterorgeln in die Höhe, einfach geil! Die Kletterei ist über weite Strecken recht gutgriffig und v.a. nicht anhaltend schwierig. Mehrere Boulder erfordern aber Einfallsreichtum und diverse kreative Techniken (Jamming, Kneebar, Reinstemmen, Spreizen, ...). Oben eher weite Abstände, spürbarer Seilzug und die Sicherungspartnerin befindet sich gefühlt auf einem anderen Planeten, daher durchaus alpines MSL-Feeling. Speziell war auch noch, dass diese Route bereits mit Exen ausgerüstet war. Nehm ich noch 2 Exen mit oder doch lieber 4? Schliesslich 4 Stück an den Gurt gehängt und weiter oben festgestellt, dass jede einzelne davon noch gebraucht würde (die letzten 3 BH und der Stand waren nicht ausgerüstet, dies war vom schmalen Band am Einstieg so nicht ersichtlich).

Miguel Gomez (7a+, os): zum Tagesabschluss wurden wir hier noch eingeladen, bzw. gebeten, die bereits ausgerüstete Route doch bitte abzubauen. Nichts lieber als das, war mein Motto :-) Geboten kriegt man doch ganz andere Kletterei wie sonst im Sektor: positive Leisten statt Sinter, aber echt cool.

Mit diesem Onsight-Flow hätte es gerne noch länger weitergehen dürfen. Doch leider war das Tageslicht schon wieder zu Ende und wir mussten zum Rückzug blasen. Beim Power-Duo von Larina und ihrem finnischen Kletterpartner hatte sich leider kein Rotpunkt-Erfolg eingestellt, in ihrer Route war es offenbar mit dem zeitweiligen Regen und der feuchten Luft ziemlich schmierig, was für mich kein Problem dargestellt hatte.

Dieses Mal kamen wir von der anderen Seite in den Canyon und kletterten somit an den Wänden rechts.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Die hier im Beitrag beschriebenen und von uns bekletterten Sektoren sind auch auf The Crag gut und vollständig beschrieben. 

Saison & Charakter

Die in diesem Beitrag beschriebenen Wände sind nach NNW orientiert und im Winter ganztags im Schatten, im Sommer bis am späteren Nachmittag. Am meisten geloggt werden die Routen trotzdem im Hochwinter. Sobald das Thermometer einen Wert von 5-10 Grad überschreitet, wird hier heftig geriegelt. Die Konzentration von Routen im Bereich von 7a-8b ist enorm hoch, darunter wird man nur vereinzelt glücklich. Es handelt sich vorwiegend um überhängende, ausdauernde Wandkletterei mit Tufa Features, die jedoch doch nicht allzu steil bzw. athletisch-powerig ist. Sofern es nicht zu stark regnet, bleiben die meisten Routen gut kletterbar.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag. Wenn ich in Chulilla residiert hätte, so wäre ich sicherlich vom Ort aus gelaufen und nicht zu einem der beiden Parkplätze gefahren, da die Fahrerei zeitlich kaum mehr einen Vorteil bringt.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 1

In Spanien war ich in früheren Jahren schon in Katalonien an den Crags von Siurana und Margalef sowie in der Region um Lleida unterwegs, ebenso in Andalusien in El Chorro und Konsorten. An die auch sehr bekannten Felsen von Chulilla in der Gegend von Valencia oder die zahlreichen Gebiete an der Costa Blanca hatten wir es bisher noch nie geschafft. Nun kam die Gelegenheit ziemlich unverhofft und spontan, versprach die Gegend doch am meisten Sonnenschein und Trockenheit in noch erreichbarer Nähe.

Im normalerweise trockenen Flussbett des Barranco de Carcalìn. Hinten die markante Eisenbahnbrücke Puente de Carcalìn, welche auch als Sehenswürdigkeit bekannt ist und besucht wird.

Grundsätzlich war die Aussicht auf 8 Tage Sportklettern über Weihnachten 2025 ja sehr positiv. Wie so oft wären wir am liebsten entweder nach Südfrankreich oder Italien gepilgert. Doch ein Mittelmeertief versprach dort während der ersten Tage viel Regen und die danach angekündigte Wetterbesserung erschien aus der Planungsperspektive auch noch sehr unsicher. So wurde in Windeseile ein Trip nach Spanien organisiert und keine 24h später dann auch angetreten. Just in time funktioniert schon "cheibe gäbig" heutzutage, zumindest tat es das in diesem Fall. Somit positionierten wir uns am Rande von Valencia verkehrsgünstig gelegen, um je nach Situation das passende Gebiet auszuwählen - solche gab es in einem Halbkreis mit Radius von 1.5h Fahrzeit nämlich sehr viele. Empfehlenswert schien das schon nur deswegen, weil die Prognosen plötzlich auch in dieser Gegend Jojo spielten. Ein Höhentief oder eben eine DANA («Depresión Aislada en Niveles Altos») wollte da auch noch ein wenig in die Suppe spucken. Schlussendlich löste sich aber doch alles super auf und wir kletterten 8 Tage am Stück bei zwar teilweise etwas durchzogenem Wetter, aber doch immer guten Conditions.

Blick auf den Bereich Carcalìn in Buñol. Links am Grund der Sektor Corral de Cabras, rechts daran anschliessend das Techo del Corral. An den oberen Wänden von El Templo del Metal gibt es noch weitere Routen, welche anscheinend noch seltener beklettert werden. Der Vorteil zum Jahresende liegt darin, dass oben die Sonne ca. 30-45 Minuten länger bleibt.

Tag 1: Buñol

Die Felsen in der Sierra de Malacara sind in Mitteleuropa sicherlich kaum bekannt. Es ist jedoch das vom Flughafen in Valencia in knapp 30 Minuten am schnellsten erreichbare grössere Gebiet mit Routen ab 7a und aufwärts. Somit eine durchaus logische Wahl nach der Anreise am Vormittag. Eine Empfehlung ist es sicherlich auch für wärmere Tage, da es auch schattige Sektoren gibt, welche auf dem Papier richtig gut aussehen. Wir hingegen wählten den sonnenexponierten Bereich von Carcalìn, wo der nach SW exponierte Corral de Cabras und das rechts anschliessende Techo del Corral den Hauptsektor für die winterliche Kletterei bieten. Der Zustieg ist unkompliziert und in 10 Minuten rasch erledigt, viel Sonne gibt's auch - wobei diese durch die Lage im (nicht allzu tiefen) Canyon Ende Dezember schon relativ früh zwischen 15 und 16 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Nicht so ganz auf der Rechnung hatten wir die heftige Brise, welche doch ziemlich durch Mark und Bein ging. Subito wurde die Thermounterwäsche montiert und dann gleich angegriffen. Denn einerseits sprühten wir nur so von Motivation, andererseits war es für eine gemütliche Pause am Fels doch eher zu kalt und die Zeit zu knapp.

Els Bunyolers (6b, os): diese Korallenwand ist der Blickfang im Gebiet und lockt nur so zum Klettern. So schien es logisch, hier zu starten. Die Route ist in der Tat echt cool, wenn man den dritten Haken einmal geklippt hat. Der Start an einem abgelutschten Riss ist hingegen taff und tricky - da musste man sich gleich mehr wie zum Auftakt gewünscht festhalten, um nicht schon zu Beginn der Ferien abzuschmieren.

Tolle Felsstruktur in Els Bunyolers (6b).

Arsenio Torero (7b, rp): weil die Sonne hier zuerst verschwinden würde, die 12m-Route in der begrenzten Zeit einen raschen Tick versprach und die kompakte Steilplatte auch eine interessante Challenge darstellte, verlegten wir uns hier drauf. Sowohl bei Larina und auch bei mir war je ein zweiter Go nötig. Der technische Boulder auf zweidrittel Höhe liess sich einfach nur mit einer ausgeklügelten Funky-Beta an der Haftgrenze bewältigen, welche nicht auf Anhieb zu ermitteln war.

Wer den Onsight verzockt, muss nachher im Schatten punkten: Arsenio Torero (7b).

Lakass (7a+, os): hier am mehr breiten als massiv ausladenden oder hohen Dach gibt's Routen bis 8c+. Zu viel für (nicht nur) heute, ein wenig Steilturnen links am Techo durfte es dann aber dennoch sein. Henkelzieherei mit (sehr) weiten Zügen lautet das Programm. Die Crux wurde entweder mit einem heftigen Blockierer (Larina) oder einem subtilen Kneebar (Marcel) gelöst, die bei der Besichtigung vom Boden aus angedachte Option mit einem Figure 4 blieb hingegen unerprobt.

Dachkletterei mit weiten Zügen in Lakass (7a+).

La Semilla del Riesgo (7b, os): die deutlich meistgetickte Route im Carcalìn ist diese hier. Die orange-kompakte, überhängende Wand erinnert an die Klettereien in Siurana und diese kriegt man dann auch geboten. Zuerst heisst es Durchbeissen beim kräftig-leistigen Start, dann folgt eine knifflige Wand mit einer seichten Rissspur, bevor henkliges Ausdauergelände zum Top führt - geilo! Ich war da ziemlich am Limit, bei Larina sah es dann eher nach randonné aus...

Man beachte die Wurzel des Baumes im Riss! Durch die Wand links im Bild verläuft die Semilla del Riesgo (7b).

Nun war das Tageslicht schon am schwinden, somit strichen wir die Segel und freuten uns darauf, die Heizung im Auto gleich mal aufs Maximum einzustellen. Das war nun ein richtig gutes Ergebnis für die erste Session mit doch 5 Go's und einigen Punkten gewesen. Rückblickend nach Abschluss des Trips gilt es allerdings auch zu sagen, dass es in diesem Gebiet/Sektor durchaus nette Routen mit Spassfaktor gibt, es jedoch in Sachen Auswahl und Qualität natürlich nicht mit einem Topspot wie Chulilla mithalten kann. Der Vorteil liegt dafür in der tiefen Frequentierung (durch nichtspanische Kletterer) und der Nähe zum Ballungsraum Valencia, bei entsprechenden Bedingungen wären u.U. auch die schattig gelegenen Sektoren vielversprechend. Anschliessend ein paar nützliche Tipps zum Gebiet Buñol.

Topo

Als gedruckter Kletterführer wäre der Levante Climbs North (2019) das Werk der Wahl. Für einen kurzen Besuch kommt man auch mit den frei verfügbaren Online-Topos auf valenciaclimbs.com oder The Crag gut aus. Eine prima Übersichtskarte mit Zustieg und Sektoren gibt es zudem hier.

Sperrung

Die Sektoren im Gebiet El Dique sind vom 1.1. bis am 30.6. jeden Jahres gesperrt. Dies betrifft jedoch die hier im Beitrag beschriebenen Felsen nicht, auch das Verbotsschild am Parkplatz darf in dieser Hinsicht ignoriert werden, wenn man nur im Bereich Carcalìn klettert.

Parkplatz

Befindet sich hier, es hat dort für ca. 5 Autos Platz. Falls es voll sein sollte, so dürfte man in einigen Minuten zusätzlicher Fussdistanz weitere Abstellmöglichkeiten finden. 

Sonntag, 7. Januar 2018

Sportklettern in Margalef

Nachdem die Prognosen für den Jahreswechsel 17/18 hierzulande vor allem Sturm und Sauwetter verhiessen und für einmal auch im geliebten Tessin nichts zu holen war, schien uns einzig ein Trip in südlichere Breitengrade viel versprechend. Ab Zürich ist kaum eine Flugdestination in Europa so breit und günstig erschlossen wie Barcelona, also war die grobe Richtung gesetzt. Wenn das Wetter es zulassen würde, so hielten wir uns an die Gebiete ums Montsant-Gebirge, andernfalls wären auch die deutlich wärmeren Gefilde an der Costa del Sol noch gut erreichbar gewesen.

Raco de las Espadelles, einer der besten und grössten Sektoren für die kältesten Tage des Jahres. Hier findet man ganztags viel Sonne und inklusive der angrenzenden Felsen (nicht alle sichtbar auf dem Foto) ca. 300 Routen.
Das Schicksal wollte es schliesslich so, dass wir bis auf 2 Tage in Siurana zu Beginn ausschliesslich in Margalef kletterten. Diese Destination hatte ich bisher noch nie bereist, gefallen hat es der ganzen Familie vorzüglich. Dies insbesondere, weil es hier auf engstem Raum ein unglaublich breites Angebot vom vierten Schwierigkeitsgrad bis zum Grad 9b gibt, wobei sowohl die ganz einfachen, die mittelschweren und auch die ganz harten Geräte sehr lohnend sind. Es ist doch ziemlich einzigartig, dass das gesamte Spektrum in diesem Ausmass und einer solchen Qualität vorhanden ist. Für schon ernsthaft kletternde Kinder sind die Felsen aufgrund ihrer Beschaffenheit absolut prädestiniert - so konnten denn auch unsere beiden Kids in Margalef ihre Outdoor-Rekorde verbessern.

Golden Hour in Catalunya. Hier die Sektoren an der Cova del Cavall, der östlichen Verlängerung vom Espadelles-Felsband.
Beim Gestein handelt es sich um eine Art Konglomerat, welches jedoch mehr den Charakter von einem löchrigen Kalk hat. Positive Features wie Kiesel gibt's hier und da, meist sind sie jedoch eher klein und man hat nicht den Eindruck, sich an einem überhängenden Kartoffelacker zu befinden. Geklettert wird vorwiegend an 1-, 2- oder 3-Finger-Löchern, natürlich gibt's dann ab und an auch noch eine Kelle, wo man gleich alle Griffel versenken kann. In Bezug auf die Wandneigung gibt's von geneigten Platten bis zu dachartigen Zonen alles. In den oberen Graden dominiert jedoch stark athletische, dynamisch-brachiale und trittarme Kletterei an oft etwas schmerzhaften Löchern. Dass dies ganz und gar nicht mein favorisiertes Gelände ist, wird der versierte Blogleser bereits wissen... "Wegstehen" und Kletterstellen wegen Kraftmangel kreativ zu überlisten funktioniert in Margalef deutlich seltener wie andernorts, Blockierkraft und eine gewisse Vorliebe für Bolzerei sind da unabdingbar. Erwähnt sei auch, dass mich diese Art der Kletterei doch reichlich verletzungsträchtig dünkte: die Finger werden möglichst tief und klemmend in scharfkantige Löcher gesteckt, dann heisst's von schlechten und glatten Tritten dynamisch ziehen... wenn da zur Unzeit ein Fuss wegschlipft, puh!

Ausblick in die Weiten von Katalonien vom Sektor Cabernet bei der Ermita San Salvador. Hier kletterte ich die beinahe 40m lange und rund 10m überhängende Ausdauerroute Califate Coach (7b). Anhaltend schwierig, jedoch nie verzweifelt schwer und bevor ich abgefallen wäre, kam immer genau richtig wieder ein etwas besserer Griff, welche für die nötige Erholung sorgte. Das war definitiv die beste Route dieses Trips!
Naja, die sicherste Methode keine schwierigen Routen zu punkten ist es, gar nicht erst einzusteigen. Und genau das habe ich schliesslich in diesen Ferien gemacht... Ob den Gegebenheiten (Familie, Kletterei, Angst sich die Finger zu verletzen, ...) und dem schier unglaublichen Angebot an guten Touren schien es mir wenig erstrebenswert, hier in einer Route am persönlichen Limit um den roten Punkt zu kämpfen. Deutlich attraktiver war es da schon, sich richtiggehend durch das Angebot zu schlemmen und möglichst viele Touren zu klettern. Klar, wenn's nur um die reine Anzahl gekletterter Route ginge, dann wäre ich im fünften und sechsten Grad noch zu deutlich mehr gekommen. Aber ein bisschen spannend sollte es ja doch auch sein, weshalb ich mich vorwiegend im 7ab-Bereich betätigte. Mit Einsatz, guter Leistung und dem nötigen Quentchen Glück liegt da ein Onsight drin - tatsächlich konnte ich zum Ferienende auf 30 Routen zwischen 7a und 7b+ zurückblicken. Rückblickend kann ich nun sagen wow, das war echt cool - und in Margalef waren wir sicher nicht das letzte Mal!

Blick zur eher schattigen Seite des Tales, welches sich zum Stausee zieht. Das Felsband zieht sich praktisch rund um das Tal herum und ist fast überall lohnend zu beklettern. Darum gibt's so viele Routen auf engem Raum und auch darum findet man für jede Jahreszeit und Temperatur den passenden Sektor.
Facts

Margalef ist ein kleines Dorf in der hügeligen Sierra de Montsant, ca. 2 Fahrstunden bzw. 150km westlich von Barcelona gelegen. Es gibt ~1400 Routen, welche sich auf 82 Sektoren verteilen. Die Sektoren verteilen sich auf 2 Zonen um den Stausee und die Ermita San Salvador und sind oft sehr nahe beieinander gelegen. Vielfach ist es kein Problem, am selben Tag Touren aus verschiedenen benachbarten Sektoren zu klettern, zumal die Zustiege oft minimal sind und kaum je den einstelligen Minutenbereich überschreiten. Das Routenangebot ist wie folgt:

ca. 150 Routen in den Graden 4 und 5
ca. 450 Routen im sechsten Franzosengrad
ca. 500 Routen im siebten Franzosengrad
ca. 300 Routen im achten Franzosengrad
ca. 20 Routen im neunten Franzosengrad

Wie man sehen kann, ist vor allem auch die Dichte an schwierigen Routen enorm. Über deren Qualität kann ich (ausser, dass sie beliebt sind) nicht wirklich etwas sagen. Die einfacheren Routen sind jedoch meist sehr lohnend und wie bereits erwähnt, findet man auf engem Raum oft gute Touren in allen Graden. Viele Routen sind eher kurz, kräftig und daher mit fränkischem Charakter (80% der Routen sind kürzer als 20m). Andererseits gibt's aber auch krasse Ausdauergeräte wie z.B. die 50m lange Era Vella (9a), wo angeblich kein Move schwieriger wie Fb 7B sein soll, dies jedoch dann unglaublich anhaltend.

Der Stausee mit weiteren Felsen, welche jedoch noch wenig erschlossen sind. Alles, was mehr als ein paar Minuten vom Strassenrand weg ist, gilt als eher exotisch... das Potenzial für zusätzliche Routen ist hier sicher noch enorm.
Margalef ist auf ca. 600-800m gelegen und ein Ganzjahres-Gebiet. Es gibt eine grosse Auswahl von sehr sonnigen, halbschattigen und ganztags schattigen Felsen. Nun gut, zur Badesaison wird man hier vermutlich doch eher alleine sein, aber von September bis Mai findet man sicher immer einen Fels mit guten Bedingungen. Erwähnt sei, dass es in den ersten Januartagen 2018 fürs ernsthafte Sportklettern an den sonnigen Felsen bereits zu heiss war und man auch in den Schattenlöchern ohne allzu grosse Entbehrungen moven konnte. Allerdings profitierten wir während unserem Aufenthalt auch von bestem Wetter mit milden Temperaturen bis +19 Grad.

Man muss nicht direkt an der Strasse klettern, aber man kann. Vor unserer Rückreise machten wir für ein paar letzte Routen gerne Gebrauch davon. Es handelt sich übrigens um eine Sackgasse, welche nur zum Stausee führt und ausser von Kletterern kaum befahren wird.
Vor Ort gibt's einen kleinen Lebensmittelladen (täglich geöffnet, 10-13 und 18-20), wo man frisches Brot und sonst gerade so das allernötigste kriegt, um seinen Konsumbedarf so richtig zu stillen muss man jedoch bereits eine längere Strecke fahren (ja, die Gegend ist sehr dünn besiedelt!). Zwei, drei Bars wo man auch kleinere Gerichte erhält, gibt's ebenfalls. Zur Unterkunft findet man im Ort einige Adressen, die einschlägigen Portale helfen weiter. Ansonsten gibt's vor Ort auch diverse offizielle, halboffizielle und auch eigentlich verbotene Stellplätze - es handelt sich um einen bei Campingbus besitzenden Kletternomaden sehr beliebten Spot. Zuletzt vielleicht noch: alle Strassen in der Gegend sind äusserst kurvig, für die ca. 40km bis nach Siurana ist tatsächlich 1 Stunde Fahrzeit notwendig. Und ein bisschen überall sonsthin eigentlich auch - man berücksichtige dies bei der Planung.

Das ist das empfehlenswerte Topo von einem der Haupterschliesser Vicent Palau, Ausgabe 2017. Es ist vor Ort für 28 Euro erhältlich, ebenso wie in ausgewählten Fachgeschäften in Mitteleuropa. Einen Auswahlführer für grösseres Gebiet (z.B. Tarragona Climbs) zu verwenden als Notlösung denkbar, insgesamt aber eher suboptimal, da fehlen doch eine ganze Menge an interessanten Felsen und wissenswerten Infos.

Montag, 28. April 2014

Lleida Climbs

Gesucht war ein Ziel für die Osterferien. Es wollten wieder einmal neue Felsen entdeckt werden, und so ging es in die Provinz Lleida, am Fusse der Pyrenäen im katalonischen Hinterland gelegen. Dank häufigen und preislich günstigen Flugangeboten nach Barcelona ist diese rasch erreichbar. Berühmt geworden sind die Felsen in dieser Zone wegen den weltweit allerschwersten Kletterrouten in den Gebieten Oliana und Santa Linya. Doch nebst diesen ganz harten Geräten gibt es auch für ganz gewöhnliche Sportkletterer eine riesige und sehr lohnende Auswahl. Da wir nicht Campieren wollten, wählten wir als Quartier die Stadt Balaguer. Dies ist ein optimaler Ausgangspunkt, erreicht man doch von da in maximal einer Stunde (und meist viel weniger) Fahrzeit rund 120 Klettersektoren mit gegen 2500 Kletterrouten. Anschliessend ein Bericht mit den von uns besuchten Gebieten und von mir gekletterten Routen.



Santa Linya, Futbolin

Der (im Gegensatz zur grossen Höhle) Anfängersektor von Santa Linya bietet 22 Routen zwischen 6b+ und 8a, deren Länge sich meist um 20-25m bewegt. Der Zustieg ist mit 3 Minuten kurz, die Wand ist nach SW ausgerichtet und ab etwa 13.00 Uhr in der Sonne. Die Kletterei ist generell steil und griffig, der Sektor hat mich etwas ans Colosseo im Val Pennavaire erinnert. Die Bewertungen würde ich jetzt als zonenüblichen Durchschnitt bezeichnen. Der Einstiegsbereich vor der Hauptwand ist topfeben, damit ein sehr kinderfreundliches Gebiet, das auch viele tolle (Versteck-)Spielmöglichkeiten bietet. Da rasch erreichbar, sofort trocken und an der Hauptwand auch bei leichtem Regen kletterbar, waren wir sogar 2x vor Ort. Folgende Routen hatte ich geklettert:

The Oxfury (7b, 25m, ***):  Prima Route mit einem coolen, technischen unteren Teil, der an ein paar Fingerlöchern super aufgeht. Nach dem No-Hand-Rest auf dem Band bietet dann der obere Abschnitt die Hauptschwierigkeiten mit anhaltender Kletterei an schönem Fels mit Leisten, Löchern und ein paar guten Griffen dazwischen.

Opium (7c, 25m, ***): Ebenfalls eine zweigeteilte Route, der untere Teil wiederum technisch und ein bisschen schwerer wie bei der linken Nachbarin. Obenraus dann ein Resi-Problem an meist kleinen Leisten. Ich konnte sie im dritten Go ziehen, und dies sogar nachdem mein Plan fehlschlug. Bei der angedachten Klipp-Position fehlte mir der Saft zum Einhängen, so dass ich mit dem Mute der Verzweiflung einfach weiter kletterte und am äussersten Limit durchkam. Tönt eigentlich logisch, dennoch ist mir so etwas bisher noch kaum je gelungen.

Fashion Total (7a+, 25m, **): Der untere Teil ebenfalls mit eher technischer und noch nicht so schwerer Kletterei. Im oberen Teil geht es erst noch ganz ordentlich einer griffigen Schuppe entlang, zur harten Schlusscrux über den Wulst hinweg. Noch ganz frisch im Saft konnte ich hier den Dynamo korrekt ansetzen und den finalen Henkel gerade knapp fassen.

Por la Boca Muere el Pez (7a, 25m, ***): Interessante Frauen-Route, welche sich für mich schwieriger als gedacht entpuppte. Unten will doch wohl überlegt gemovt werden, die Crux ist an einer Seitgriff-Rippe. Oben dann eher etwas einfacher, nur das Klinken der etwas hoch gebohrten Umlenkung aus anstrengender Untergriff-Position ist nochmals fordernd.

Spanglish (7a+, 25m, ***): Generell steile und henklige Kletterei an Schuppen und grossen Löchern, welche sich frühmorgens auch etwas seifig anfühlen können. Die Crux folgt abrupt erst ganz zum Schluss, dort müssen dann zwei, drei kleine Leisten gehalten werden und der Schlusshenkel dynamisch angegangen. Derjenige, der sich ab sowas stört muss wissen, dass es in dieser Schlusszone gebastelte Griffe hat.

Colera (7b, 27m, ***): Nach einem einfachen Auftakt und einem No-Hand-Rest folgt eine steile Zone, wo ein Wulst athletisch an kleinen Leisten (tw. aus Sika) und mit einem dynamischen Zug an einen Henkel überwunden werden will. Obenraus dann erst noch einige weite Züge an guten Griffen, gefolgt von einfacherer, henkliger Verschneidungskletterei.

Red Dusk (6b+, 25m, ***): Ideale Aufwärmroute mit interessanter, griffiger Kletterei an schönem, orangefarbenen Fels. Die Schwierigkeiten sind recht homogen verteilt, bzw. man könnte auch sagen, dass es keine wirklich schweren Stellen gibt.

Der Sektor Futbolin (die Türme in Bildmitte) vom Parkplatz aus gesehen.
Der Sektor in seiner ganzen Pracht aus der Nähe gesehen.
Hier die Sicht auf die sehr schöne Route 'The Oxfury (7b)'
So bequem ist es am Wandfuss...

Santa Linya, Cova Gran

Die grosse Höhle darf man natürlich nicht auslassen, selbst wenn es nur zum Sightseeing sein sollte. Auch wenn rein von den Dimensionen her in etwa ähnlich wie die Grande Grotta auf Kalymnos, so warten hier doch viel, viel härtere Routen. Dies liegt in der Absenz der grossen, griffigen Sinterbobbel und der Stalaktiten. Der Könner findet hier viele Testpieces in den Graden 8b-9b. Für den Normalo gibt es genau eine 6b+, eine 7a, eine 7b und ein etwas breiteres Angebot ab 7b+/7c. Diese einfacheren Routen sind alle eher kurz, steil, ziemlich brachial und von der Bewertung her ganz und gar nicht geschenkt. Der Zustieg auf einem topfebenen Fahrweg dauert rund 10 Minuten, die Grotte hat einen flachen Erdboden und ist ein perfekter Kinderspielplatz. Gewisse Sorge bereiten einem höchstens die Climber-Dogs, welche den Kids Angst einjagen und die Gegend vollkacken. Während die Routen tief in der Grotte ganztägig im Schatten und im Frühjahr teilweise länger nass bleiben, sind die Randbereiche eher trockener und bieten auch etwas Sonne. Dies im linken Teil vormittags, im rechten Teil nachmittags. Wir beschränkten uns hier auf einen nachmittäglichen Kurzbesuch, wobei nach ein paar Versuchen folgende Route punkten konnte:

Air Line L1 (7b+, 15m, ***): Steile und ästhetische Sinterlinie. Man merkt bald einmal, dass hier nicht die verschwenderische Griffigkeit von Kalymnos herrscht, sondern die Tufas glatt und schwierig zu greifen sind. Nebenbei gibt es nur wenige Tritte, die dann auch recht poliert sind und nur beschränkten Halt bieten. Während der untere Teil noch recht gut geht, wartet oben eine zähe Crux. Klaro, Chris Sharma spannt hier einmal seinen Bizeps, klemmt den Tufa und greift ins nächste Loch. Ohne die nötige Blockierkraft war ich an dieser Stelle länger ratlos, bis ich schliesslich eine Möglichkeit fand, den Fuss mit Ferse nach oben zwischen den Sintersäulen zu verklemmen und so für die nötige Stabilität zu sorgen. Ein Sturz hätte zwar direkt zum Orthopäden geführt, doch dafür ging es dann. Übrigens, die 8a-Fortsetzung war nicht kletterbar, da sich in einem Loch ein Bienennest befand. Und genau, das Hakenmaterial in dieser Route ist in einem desolaten Zustand.

Super Riitiseili mit 40m freiem Pendel, den Kindern hat es riesig Spass gemacht. Wenn das Seil nicht schon vor Ort ist, braucht's allerdings einen Chris Sharma oder Konsorten, um es am Top der Höhle zu fixieren. Unter 9a ist nämlich der Durchstieg im zentralen Teil nicht zu haben!
Oliana, Contrafort de Rumbau

Einen Trip in diesen Topsektor wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Es gibt hier 61 Routen von 6a+ bis zum weltweiten Maximum von 9b+. Das Angebot im sechsten und siebten Franzosengrad ist für einen eintägigen Besuch gut ausreichend, und auch wirklich lohnend. Diese einfacheren Routen am linken und rechten Rand bieten nämlich schöne Lochkletterei, welche mich etwas an die Gorge du Tarn erinnert hat. Im Zustieg geht's 10 Minuten auf gutem Pfad bergauf, der Platz unter der Hauptwand ist schön eben, sehr kinderfreundlich und bietet eine prima Sicht übers Land. Zu erwähnen ist jedoch, dass die einfacheren Touren rechts auf einem schmalen, unbequemen Band beginnen, mit Kindern und ohne Begleitperson ist das nix. Für uns war das kein Problem, die Auswahl war auch so gut genug. Allerdings wurden wir hier durchaus etwas von der Sonne gebrutzelt und waren schliesslich froh, als sich diese um 14.00-15.00 Uhr aus den steilsten Wandbereichen verabschiedete und wir am Schatten unsere Projekte knacken konnten. Diese waren wie folgt:

Brut (6c, 18m, ***): Sehr schöne Lochkletterei, wo man schon bald nach dem Start richtig aufgeweckt wird. Über den ersten Wulst hinweg muss man sich nämlich ganz schön festhalten, und je Wurstfinger desto schlimmer ist's.

No 10 (7a, 25m, ***): Ebenfalls sehr schöne, ziemlich athletische und recht anhaltende Lochkletterei. Die Absicherung ist hier eher etwas spärlich ausgefallen und erfordert gerade in der Crux eine gewisse Entschlossenheit.

Nunca Doy un Paso Atras (7a+, 20m, ****): Ok, die Tritte in dieser Route sind total poliert und gut Hinstehen ist ein Muss. Ansonsten ist diese athletische Sinterlinie aber einfach mega cool zu klettern, mit poweriger Crux zum Schluss. Die Absicherung auch etwas luftig, in Kalymnos hätte es wohl mindestens 50-100% mehr Haken.

La Dura Dura (9b+, 45m, ???): Hier kletterten wir souverän über den Vorbau mit seiner ziemlich brüchigen Verschneidung zum ersten Bolt. Ab dort wird es ziemlich steil, und da man schon als ersten Griff eine zurechtgebastelte Sikaleiste hätte benützen müssen (sic!), hatten wir keine Lust zum Weiterklettern.

La Realidad Duele (7b, 20m, **): Ziemlich spezielle Route, eigentlich ein grosser Quergang. Der Beginn ist zwar leicht, der Fels aber eher soso und total poliert. Und als man sich dann schon in der Nähe vom Stand wähnt, müssen dann trotzdem urplötzlich kleine, schmierige Leisten geriegelt werden. Achtung, die fixen Schlingen und Karabiner in dieser Tour sind in schlechtem Zustand.

Marroncita L1 (7a, 20m, **): Noch nicht so schwieriger Start in sehr mässigem Fels, über einen Wulst hinweg, dann eine überhängende Verschneidung raufkämpfen und zuletzt henklig-steil an den Stand. Hier sind beachtliche Kletterspuren vorhanden, die Tritte arg poliert und die Absicherung eher weiträumig mit lottrigen Fixschlingen. Irgendwie aber trotzdem cool.

Der Rumbau hinten, sportgeklettert wird am vergleichsweise kleinen Vorbau vornedran.
So sieht's am Parkplatz aus, die Mächtigkeit der Überhänge lässt sich schon erahnen...
Und am Einstieg wird man schier erschlagen! Der Einstiegsbereich ist aber sehr bequem und terassiert.
Die Aussicht vom Sektor über das Pyrenäen-Vorland ist wirklich toll. Schöne Gegend, dieses Oliana!
Unser Versuch in der La Dura Dura (9b+). Hat meine Tochter nun den Onsight schon vergeben?
Santa Ana, El Sendero

Ein sehr bequemer Sektor mit minimalem Zustieg (1-3 Minuten) und flachem, kinderfreundlichem Einstiegsgelände. Hier gibt es 32 Routen zwischen IV+ und 8b+, welche nach SE exponiert sind. Die ersten Routen sind ab ca. Mittag im Schatten, ab rund 14.00 Uhr gilt dies dann für den ganzen Fels. Die Felsstruktur hier ist teils ziemlich speziell und sieht manchmal aus wie ein überhängender Kartoffelacker, der aber tiptop fest ist. Andererseits gibt es hier dann aber auch wieder echt herausfordernde Risse zu klettern, insgesamt wir einem hier sehr viel Abwechslung geboten. Bei folgenden Routen hatte ich mich zum Umlenker durchgekämpft:

Lo Dimoni (7c, 27m, ****): Sehr schöne Kletterei mit einem einfachen Beginn. Am ersten Wulst dann bereits ziemlich zupfig an Untergriffen, gefolgt von sehr athletischer Kletterei an Löchern. Man erreicht schliesslich einen No-Hand-Rest, die abschliessende Wand braucht dann aber nochmals massiv Fingerkraft und Technik, bis zum allerletzten Move kann man noch abgeschüttelt werden.

Fina y Fisura (6c, 15m, ***): Interessante, athletische Kletterei an Henkeln. Die Crux in der Mitte fand ich jetzt alles andere als banal, daher also eher unterbewertet.

La Bateria (7a+, 17m, ***): Vom ersten bis zum letzten Meter überhängende Kletterei. Sind nach dem Boulderstart die Griffe erst noch ganz ordentlich gross, werden sie gegen Ende hin immer kleiner und die Moves immer weiter. Die Sache kulminiert im Einhängen der Umlenkung...

Ape Index (7a, 22m, ****): Irgendwie affengeile Kletterei, nach dem gemütlichen Auftakt folgt eine überhängende Rissverschneidung, durch welche man sich mit weiten Zügen an guten Griffen nach oben kämpft. Irgendwie ist genau das an Griffen vorhanden, was es braucht, wirklich ein Wunderwerk der Natur.

Hippy (6a+, 25m, ***): Sieht ganz nett aus, entpuppt sich aber schon bald nach dem Start als zähe Faustriss- und Offwidth-Kletterei. Sollte man vielleicht eher mit 5.10b bewerten, denn mit einer normalen 6a+ hat das herzlich wenig zu tun. Das Riss-Intermezzo ist nach 10m dann beendet, oben folgt sehr schöne Plaisir-Kletterei an Tafonis.

Sicht auf den Sektor El Sendero.
Kathrin in der Hippy (6a+), die Faustriss- und Offwidth-Passage endlich hinter sich gelassen...
Teilweise ist die Felsstruktur hier schon sehr speziell. Kaum zu glauben, dass man daran klettern kann!
Os de Balaguer

In diesem Sektor war uns leider nur ein kurzes Intermezzo zuteil. Er liegt etwas unwegsam in einer kleinen Schlucht, wo es an den Südwänden rund 60 Routen im mittleren Schwierigkeitsbereich, d.h. von 6a bis 8a gibt. Weitere rund 20 Routen findet man an den Nordwänden gegenüber. Der Zustieg führt auf einem engen, aber guten Pfad in 10 Minuten zu den Wänden. Die Kinderfreundlichkeit ist nicht als optimal zu werten, das Gelände an den Einstiegen ist zwar nicht wirklich gefährlich, aber doch eher abschüssig und bietet nicht allzu viele gute Spielmöglichkeiten. Die Klettereien hier sind eher technisch und kaum überhängend. Die Felsqualität ist teilweise super, andernorts auch nicht restlos überzeugend. Die Sonne würde hier wohl ziemlich den ganzen Tag scheinen, leider kam bei uns bald ein Nieselregen auf, welcher uns in die grosse Höhle von Santa Linya vertrieb. Trotzdem reichte es noch für folgende Routen:

Fanatic (7a, 27m, ****): Sehr schöne Kletterei an Schlitzen und Tropflöchern in beinahe wendenmässigem Fels. Die Schwierigkeiten befinden sich im ersten Abschnitt, danach geht es erst im Plaisir-Gelände dahin, bevor dann der Abschlusswulst noch einige athletische Züge bereithält.

El Sostre Vilars (7a, 20m, **): Ob dem aufkommenden Regen hatten wir uns in die einzige kleine Grotte verzogen. Die Kinder legten gerade ein Nickerchen ein, also konnte ich mich noch in einer steilen Linie aus der Grotte raus versuchen. Sie bietet erst Dachkletterei an Henkeln, dann noch ein paar technisch-kleingriffige Meter. Die Crux ist beim Wechsel vom Dach ins Senkrechte.

Der Blick aus der Grotte zu den Nordwänden. Auch in Spanien ist's einmal trüb (war aber der einzige Tag...).
Terradets, Paret de les Bruixes

Das Hexenwändli ist einer der bekanntesten Sektoren der Gegend und nachdem ich ihn besucht habe, ist mir auch restlos klar warum. Es ist wirklich ein Topgebiet, da gäbe ich doch einiges drum, um diese Wand mit ihren 57 Routen von 6a+ bis 9a+ bei mir in die Umgebung stellen zu können. Die meisten Routen sind in einem engen Schwierigkeitsbereich zwischen 7c und 8a angesiedelt und bieten griffige, ausdauernde Kletterei an Leisten und sintrigen Strukturen. Logo, hier sind inzwischen einige Kletterspuren vorhanden und die Tritte teilweise poliert, wobei das aber sicher schon von Natur aus durch den glatten Fels so gegeben war. Mich hat das jedenfalls nicht weiter gestört, schlimmer fand ich hier schon die teilweise ungünstig angebrachte Absicherung. Ähnlich wie z.T. in der Gorge du Tarn zieht man hier auch Schlüsselstellen manchmal weit über dem Bolt, denn vor der Crux einhängen kann man den nächsten meist eben gerade um wenige Zentimeter nicht. Im besten Fall geht's vom Henkel danach, oder im schlimmsten Fall gar nicht ohne erhöhte Anstrengungen. Es bräuchte jeweils nicht einmal mehr BH für eine Onsight-freundliche Absicherung, eine sinnvolle Platzierung würde locker ausreichen. Mein bester Tipp um dem zu begegnen ist es, die Routen nur mit eingehängten, langen Exen zu klettern. Das geht recht gut, entweder man hilft sich unter den Kletterern gegenseitig aus, oder man arbeitet sich um Route für Route nach rechts und hängt die Schlingen jeweils selber in die Nachbartour. Die Wand ist nach SW ausgerichtet und erhält ab etwa 13.00 Uhr Sonne. Die steilen Routen können auch bei Regen geklettert werden. Der Wandfuss ist prima kinderfreundlich und der Zustieg mit 10 Minuten auch nicht allzu lang. Allerdings gibt es gleich von der Strasse weg eine 10m hohe Felsstufe mit Eisenbügeln, wo die Kinder gesichert werden müssen (was ihnen natürlich grosse Freude bereitet hat!). So dauerte es dann total eher 30 Minuten, bis wir am Fels waren, doch der Aufwand hatte sich bei weitem gelohnt!

Madrono (6b+, 15m, ***): Sehr schöne Einkletterroute, unten technisch mit Bewegungsprobleme, oben dann athletischer an Leisten. Die Bewertung fand ich jetzt eher nicht so stimmig, 6c+ wäre da jetzt deutlich treffender. Vor allem auch, weil die schwereren Routen dann längst nicht so hart bewertet sind.

Pasta sin Agua (7a+, 27m, ****): Absolut geniale Bruixes-Kletterei, unten an Sintern, oben an Leisten. Insgesamt ausdauernd, mit einzelnen schweren Stellen und danach wieder guten Griffen zum Runterschütteln. Den Preis für den dööfsten je gesetzten Bolt bekommt hier wirklich jener in der Crux. Man könnte davor bequem klippen, danach folgt eine Gegendruck- und Untergriff-Passage an glatten Tritten, wo man dann zwar den Bolt vor der Nase hat, jedoch unmöglich Einhängen kann: voll fies! Unter riesigen Anstrengungen schaffte ich es dann dank Reichweite und 190cm Körpergrösse, die Exe ganz knapp doch noch vor dieser Passage einschnappen zu lassen. Das brauchte zwar fast meine ganze Kraft, doch es reichte zum Glück immer noch für den Onsight. Ohne davor einzuhängen, hätte ich mich sicher nicht getraut, diese unsichere 7a+ Crux 3m über dem letzten BH zu klettern.

Jam Sesion (7b, 28m, ****): Ebenso absolut geniale Bruixes-Kletterei, auch hier unten an Sintern und oben an Leisten. Schwerere Stellen und Positionen zum Runterschütteln wechseln sich auch hier schön ab. Insgesamt zwar anstrengender wie die Pasta sin Agua, dafür ohne ausgeprägte Crux. Die Bolts stecken zwar auch hier teilweise etwas suboptimal, aber auch viel weniger schlimm wie in der linken Nachbarin.

Penya Xunga (7b, 28m, ****): Auch eine Hammerroute, unten steil an Sintern und Henkeln, danach ist dann erst mehr die Fingerkraft an Leisten gefordert. Nachdem man sich durch eine überhängende Verschneidung gekämpft hat und dort vielleicht etwas Kraft zurückgewonnen hat, fordert dann der finale Wulst mit seinen Löchern nochmals vollen Power.

Puh, das war ein Tag! Mit zwar nur 4 Go's, aber 4 Begehungen am Limit. Nachher war ich jedenfalls total "uf de Schnurre", in den drei schweren hatte ich jeweils rund 45 Minuten gefightet und dabei alle meine Kräfte verschossen. Aber egal, diese Routen waren es mehr als wert, und das Ferienende war in Sicht. Was jetzt noch kommen würde, war bloss Zugabe. So schlimm war es dann doch nicht, dank feinem Essen und langem Schlaf konnte ich mich optimal erholen und dann fanden wir für den letzten Tag auch noch eine Wand, wo für einmal ein paar Geschenke verteilt wurden.

Paret de les Bruixes, I like!
Wenigstens ein Haus haben wir am Fuss dieser Felsen , und ein paar leere Zimmer hat es auch noch :-) 
Struktur an der Hexenwand, in real ist's noch viel genialer wie hier eingefangen!
Tartareu

Für unseren letzten Klettertag war nochmals voller Sonnenschein und Temperaturen gegen 25 Grad angesagt, so dass im Schatten klettern Pflicht war. An den Wänden von Tartareu findet man diesen ab Mittag. Der Zustieg dauert hier auch bloss rund 5 Minuten und auch der Wandfuss ist vor allem beim ganz linken Sektor Tempura schön kinderfreundlich. Optimale Voraussetzungen also! Wissen muss man allerdings, dass man an diesem Riegel mit seinen 83 Routen von 5c bis 8b+ zwar wirklich einige tolle und gut zu kletternde Routen findet, die Felsqualität jedoch teilweise nicht Premier Cru ist. Hinzu kommt auch noch, dass wo dies dem Erschliesser nötig erschien, rasch Griffe mit der Bohrmaschine aufgebessert wurden, und teilweise doch einiges an Sika zum Einsatz kam. Ich will dies nicht werten oder die Notwendigkeit dieser Eingriffe beurteilen, die Routen klettern sich so auf jeden Fall angenehm, meist schön homogen und vor Ausbrüchen sicher. Aber wem gebastelte Routen stark missfallen, der macht um Tartareu besser einen Bogen.

La Tatuadora de Ko Samui (7a, 20m, ***): Erst gemütliches 6b-Gelände bis unter den finalen Wulst, wo man erst noch 2 gute Kunstgriffe hat, dann aber doch noch kleine natürliche Leisten krallen muss. Achtung, der Umlenker steckt in einem nicht sehr solide verwachsenen Block, besser jenen der Route links benützen!

Temptacio Prohibida (7a+, 23m, ***): Wirklich eine coole Route, unten ein erstes Wändlein kleingriffig an Leisten überwinden und nach einer einfacheren Zone die Schlusswand anpacken. Die Crux hier dann an zwei gebohrten 2-Finger-Löchern, irgendwie aber trotzdem lässig zu klettern.

Violencia de Genere (7b+, 23m, ****): Mein bester Onsight dieser Ferien, und auch Kathrin konnte sich kurz vor dem Heimflug noch eine Rotpunkt-Begehung dieser Route krallen! Zuerst muss ein steiler Einstiegswulst mit ein paar Boulderzügen überwunden werden. Nach ein paar einfacheren Moves dann eine weitere Crux mit schönen Zügen an Leisten und Seitgriffen. Diese Route habe ich als komplett natürlich in Erinnerung.

Lonely Planet (7a+, 23m, **): Erst einfachere Kletterei an guten Griffen im Bereich 6b+, zum Umlenker hin wird's dann aber schon noch richtig zäh. Zwar wurde auch hier gemeisselt, aber die Kunstgriffe sind hier unangenehm und für meine Fingerdicke total unpassend. Es gibt aber auch kleine, natürliche Leisten, aber da ist's dann schon ziemlich schwer, uff!

Klettern in Tartareu, ebenfalls ein sehr interessanter Sektor.
So, das war es dann! Mit dem Zeitplan schon um eine halbe Stunde im Verzug wurde das Kletterzeugs rasch verpufft, ins Auto gestiegen und die 1:45 Stunden zum El Prat Airport in Barcelona gefahren. Dort ein kurzer Schockmoment, der Flug war total überbucht, mit den Kindern mochten sie uns dann aber zum Glück doch nicht stehenlassen. Also das Gepäck aufs Band gelegt, die Bordkarte erhalten, noch rasch ein Käfeli getrunken und ab ging's mit dem Flieger zurück in die regnerische Schweiz. In die Gegend um Lleida werden wir aber sicher wieder einmal kommen. Die Landschaft ist malerisch, die Routenauswahl vielfältig. An jeden bereits besuchten Fels würde ich wiederkommen, um noch die eine oder andere bereits gesichtete Herausforderung anzunehmen. Andererseits warten auch noch riesige Gebiete wie Camarasa, Alos de Balaguer, Ager, Collegats, Tres Ponts undsoweiter darauf, von uns überhaupt erst entdeckt zu werden.

Zum Ferienende wäre sowas ja verschmerzbar, leider ist's schon zu Beginn von Tag 3 von 7 passiert. Mit einer Kombination von Betadine, Climb On, Ringelblumesalbe und wo möglich klettern mit 9 Fingern konnte ich die Sache aber gerade so unter Kontrolle halten.
Wissenswertes

Die Anreise erfolgt am besten per Flug nach Barcelona, das Angebot aus der Schweiz bzw. generell aus Mitteleuropa ist umfassend und günstig. Ein Mietauto ist danach Pflicht, vom Flughafen ins Klettergebiet hat man knapp 2 Stunden. Die deutlich über 1000km Anfahrt aus Mitteleuropa per PW zu machen, lohnt sich wohl nur wenn man länger als 2 Wochen vor Ort bleiben kann. Unterkunft hatten wir im Hotel Balaguer in Balaguer gefunden. Dies ist die letzte grössere Ortschaft bevor es ins hügelige Hinterland geht. Sie liegt ziemlich malerisch am Rio Segre, ein durchaus schöner und gemütlicher Ort zum Verweilen. Natürlich, ganz so toll und auf (Kletter)touristen ausgelegt wie in Finale oder Arco ist es hier nicht. In Balaguer gibt es auch Supermärkte, und diverse Restaurants. Gegessen hatten wir meistens im La Nonna, wo es vorwiegend Pizza und Pasta gibt. Wissen muss man auch, dass die meist kleinen Käffchen im Klettergebiet meist kaum Läden, Restaurants und Unterkunft bieten. Eine weitere Möglichkeit wäre, auf dem Camping La Noguera zu übernachten, allerdings schienen uns die Bungalows eher überteuert zu sein, weshalb wir uns dagegen entschieden hatten.

Alle weiteren Infos findet man im topaktuellen Führer Lleida Climbs von Pete O'Donovan und Dani Andrada (Ausgabe Nov. 2013). Der ist sicher unverzichtbar und beinhaltet sehr genaue Skizzen und Zugangsbeschreibungen. Wer übrigens denkt, dass man rund um Lleida die ganz grossen Bewertungs-Geschenke abholen kann, dem möchte ich noch sagen, dass dies nicht unbedingt zutrifft. Klar, hart wie im Basler Jura sind die Routen hier nicht bewertet, allerdings fällt es gerade auf Sizilien und Kalymnos doch einiges leichter, sich die Schwierigkeitsskala hochzuarbeiten. Und wenn für 8a soft zuerst einmal 35 Klettermeter mit 15m Überhang und einer Crux am Ende erfolgreich bezwungen werden wollen, so geht auch dies nur dann so richtig gäbig, wenn man Niveau und Athletik für solcherlei Dinge bereits in Petto hat.

Typische Landschaft in diesem Teil von Katalonien. Viel Platz, viel Grün und tolles Wetter!
Die vielen Mohnblumen bieten den optimalen Kontrast zu den grünen Weizenfeldern.