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Samstag, 3. Oktober 2015

Wenn die Sterne richtig stehen...

...dann reicht es wieder einmal für eine schwierige Route. Gerade eben hat es mit der Pino Pepino (8a) in der Deponie bei Näfels geklappt und wie immer, wenn wieder ein Meilenstein beim Sportklettern gefallen ist, dann gibt es hier einen Beitrag dazu. 

Die Route hatte ich den ganzen Sommer über hin und wieder probiert. Die Wände der Deponie sind nämlich gegen Osten exponiert und nach dem Mittag am Schatten, so dass es sich im Prinzip gut am Feierabend klettern lässt. Wobei im Prinzip heisst, dass man bei schwülwarmem Wetter hier in den schweren Routen sicherlich nicht auf optimale Bedingungen treffen wird. Diese Erfahrung machte ich jedenfalls. Bei ungünstigem Klima fühlen sich die zahlreichen Sloper an diesem Cliff rutschig an, sind effektiv kaum zu halten und da sie ausserdem voll rauer Textur sind, geht's auch nicht lange bis die Haut schmerzt.

Eine Weile lang war ich sehr unsicher, ob es mir diesen Herbst nochmals für eine schwierige Route reichen wird. Mit Familie, Arbeit, MSL-Klettern, Einbohren und weiteren Aktivitäten muss das Sportklettern manchmal halt etwas hinten anstehen. Dazu hatte ich mir vor ein paar Wochen in einem anderen 8a-Projekt den Finger gezerrt, weil ich einen schweren Zug bei Ermüdung und mangelnder Koordination noch erzwingen wollte. Wie dumm... an ein Crimpen mit 100% Intensität an Boulderwand oder Fingerboard war nicht mehr zu denken. Was tun? Mit deutlich submaximalen Belastungen am Turn-Till-Burn und mit Open-Hand-Fingerboarding versuchte ich den Kraftausdauer-Bereich zu forcieren. So viel Belastung, damit die Finger nach 2 Minuten aufgingen mochte es gut leiden.

Die Wände im Klettergarten Deponie bei Näfels. Pino Pepino befindet sich am steilen Bauch ganz im rechten Teil.

Kletter-Performance ist ja sowas wie ein Buch mit sieben Siegeln und seine eigene Form zu verstehen öfters ziemlich schwierig. So war ich denn auch sehr im Ungewissen, ob meine Trainings-Efforts überhaupt von irgendwelchem Nutzen waren. Eine Antwort darauf gibt es nun: als ich endlich wieder in der Deponie vorbeikam, ging mir schon der steile Zustieg zur Crux richtig leicht wie nie zuvor von der Hand. Bis zu dieser Stelle war ich schon diverse Male gelangt, nur noch nie mit ausreichend Saft, um dann auch noch die beiden folgenden kleinen Griffe so richtig zu riegeln, damit der dynamische Move an den Sloper darob auch klappt. Doch dieses Mal fühlte ich mich das erste Mal so richtig leicht in dieser Stelle, die Hand blieb auf dem Zielgriff kleben und ich konnte die Sache auch im noch anstrengenden Ausstieg über diverse Sloper-Rails trotz zunehmender Ermüdung zusammenhalten.

Vielleicht war es ja tatsächlich das Training an Rolle und Board, jeweils zwei Minuten voll und bis ans Limit dranbleiben und möglichst lange dem Pump widerstehen, welches hier den Erfolg gebracht hat. Andererseits war es auch der erste Besuch bei Temperaturen in der Gegend der für mich optimalen 12-14 Grad, halt einfach bei richtig guten Crispy Conditions, aber ohne Gefahr kalte Griffel zu kriegen. Welcher Faktor schlussendlich wie grossen Anteil hatte, tja gute Frage... im besten Fall zeigt's die Zukunft, doch auf eines kann man sich im Klettersport verlassen: vor Überraschungen bei der Kletterform, und sei's nach oben oder unten, ist man nicht gefeit. Noch zuletzt: dem Finger geht's übrigens inzwischen auch wieder besser, in dieser Hinsicht war mein Vorgehen jedenfalls gut gewählt.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Kleines Jubiläum

An dieser Stelle ein Posting um mein kleines Jubiläum, nämlich meine fünfzigste gepunktete Route im Grad 7c zu feiern. Wenn wir schon bei den sinnvollen Statistiken sind, dann habe ich damit im Durchschnitt mehr als eine Route dieser Schwierigkeit pro Lebensjahr geschafft. Wobei natürlich die Mehrzahl dieser Begehungen auf die jüngste Vergangenheit fällt. Die Serie begann im Juni 2008 mit der Route Strammer Bolzen im Schlänggen bei Engelberg. Für mich besondere Highlights in diesem Grad sind Priapos auf Kalymnos, Pipeline in San Vito und Base Jump in Simplon Dorf, welche ich alle sogar Onsight klettern konnte. Am härtesten, zumindest gemessen an der Anzahl Versuche, fielen mir hingegen die Galerie-Routen Pro Niederi, Yellow Submarine und Presswehen, letztere sogar ein Werk meiner selbst. Die jüngste Ergänzung auf der 7c-Liste ist nun der Lokaltermin im Klettergarten Deponie bei Näfels. Wenn wir schon dabei sind, benütze ich den Anlass um etwas Werbung für dieses Gebiet zu machen, und eine neue Route vorzustellen.

Deponie in der Dämmerung. Links einige Platten um 6c, rechts die Überhänge mit Routen von 7c-8b+.
Nun, Gebiete zu bewerben ist ja etwas für sich und oft ist man froh, wenn nicht zu viel Verkehr herrscht. Bei der Deponie ist die Frequentierung allerdings so gering, dass es durchaus einige weitere Besucher leiden möchte. So wären Unkraut und Brennnesseln an den Einstiegen besser niedergetrampelt, die Griffe weniger staubig und das lockere Material besser ausgeräumt. Wer sich von diesen (aktuellen) Unannehmlichkeiten nicht länger aufhalten lässt, der trifft nämlich auf tolle Moves. Gerade der von mir gekletterte Lokaltermin ist eine echt coole, +/- senkrechte, technische Wandkletterei an Leisten, Seit- und Untergriffen. Mit den Füssen muss man oft plattig antreten, somit eine ideale Übung für alpine Unternehmungen, z.B. im Rätikon. Die unmittelbar daneben liegende Leistenbruch (7c) ist sogar fast noch schöner, rechts finden hingegen auch weniger ambitionierte mit Routen wie Terrain d'Aventure (hart 6b), Raksa (7a) oder Sanftes Unheil (hart 7a) interessante Herausforderungen. Und eben, eine Neutour hat es auch noch gegeben, nämlich ganz links aussen am Rand. Thomas und Mirs haben hier die alte Baustelle geputzt, eingerichtet und gepunktet. Herzlichen Dank dafür! Die 35m lange Route lautet auf den Namen Venus, ist mit 6c+ bewertet und weist 16 BH auf.