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Mittwoch, 23. September 2026

Wendenstöcke - La lunga attesa (8a)

Nein, ganz so lange wie der Routenname suggeriert hatte sich die Wartezeit auf die Begehung dieser Route für mich nicht angefühlt. Erschlossen worden war sie nämlich von italienischen Wendenkletterern, welche ihre Touren üblicherweise als gleichermassen schwierig wie wild anpreisen. Zusammen mit der Bewertung von 8a hatte ich dieses Unternehmen als weit jenseits von meiner Kragenweite eingestuft. Nun aber hatten wir bei der Begehung der Niagara eine Woche dafür den perfekten Einblick in diesen attraktiven Wandbereich erhalten. Dies hatte so stark gelockt, dass wir wenig später wieder vor Ort kamen um zu prüfen, für wie bare Münze die Anpreisungen unserer Sportkameraden aus dem südlichen Nachbarland zu nehmen wären. 

Blick auf die Sektoren Excalibur, Dom und Aureus mit dem Verlauf von La Lunga Attesa, Legacy und Andorra, sowie der besten Abseilroute über Legacy mit 2x50m-Seilen. Und ja, die La Lunga Attesa hat durchaus einige Querungen, weil das Foto aber etwas ein Bottom-Up-Shot ist, sieht es eher schlimmer aus, wie es sich in Realität anfühlt.

Tja, zur Vorbereitung und dem Zustieg bleiben mir kaum noch neue Worte zu schreiben. Es war der dritte Sonntag in Folge mit einer Wendentour, welche alle mit derselben Routine in Bezug auf Aufstehzeit, Treffpunkt und Ausgangspunkt durchgeführt wurden. Um 8.20 Uhr liefen wir auf der Wendenalp voller Vorfreude im goldenen Morgenlicht und bei herbstlicher Frische los - nach schon sehr vielen Besuchen ist dieser Moment zwar durchaus schon etwas Routine, aber der Aufbruch zu diesen steilen Wandfluchten hat noch nichts von seiner Magie verloren - es ist ja auch jedes Mal auf's neue wieder eine Reise ins Ungewisse. Der Zustieg war weitestgehend exakt derselbe wie eine Woche zuvor, er stoppte nur ein wenig früher beim angenehm terrassierten Gelände am Fusse des Sektors Dom, beim klar zu identifizierenden Einstiegs-BH der Route Legacy (siehe Foto weiter unten im Beitrag, sonst ist in diesem Sektor nichts markiert). Nach etwas Vorbereitungszeit starteten wir um 9.40 Uhr bei sehr milden Temperaturen in die Route.

L1, 40m, 4b: Los geht's ca. 5m links vom BH der Legacy, die Route folgt einer vagen Rampe mit Rissspuren und auch einem kurzen Kamin. Die Kletterei ist weitestgehend einfach, befindet sich aber doch oberhalb der Schwelle vom Gehgelände. Fixes Material sucht man vergeblich, es lässt sich jedoch mit Cams (kleine Grössen bis 1) und/oder Keilen gut absichern.

L1 (4b) könnte man fast noch als verschärften Teil vom Zustieg bezeichnen. Und auch die Tatsache, dass man sie mit dem Haulbag klettern kann (bzw. muss), klassifiziert sie in Richtung Gehgelände. Aber das Seil (und ein Set Cams) ist absolut sinnvoll und die Hände braucht es bisweilen auch. 

L2, 40m, 6a: Der ambitionierte Sportkletterer verbucht wohl auch diesen Abschnitt noch als Zustiegslänge. Nun, die liebe L2 setzt sich dieser Klassifizierung aber gleich von vorneweg entschieden entgegen. Beim überhängenden Einstiegsboulder will gleich mal zugepackt werden. Der ist definitiv vom Typ 6a hard und sollte ohne Absicherungsmöglichkeit und über ziemlich flachem Grund gelegen besser sturzfrei gemeistert werden (immerhin gilt diesbezüglich die gleiche Charakteristik wie im Zustiegsgelände). Der erste BH steckt auch danach noch in der Ferne, ist aber sichtbar und Cam-Optionen und eine (nicht fix gefädelte) SU sichern diese Passage vernünftig ab. Eine weitere Crux folgt dann in Form einer schlabbrigen Slab unmittelbar nach dem zweiten BH. Der obere Teil führt noch über zwei Aufschwünge hinweg, die je mit einem BH gesichert sind - das geht gut.

Der Auftakt in L2 (6a) hat es gleich in sich, wobei in dieser Position der überhängende Auftaktboulder aus der Standnische raus schon gemeistert ist und die Sache deutlich entspannter vorangeht. Bis zum ersten BH ist jedoch noch eine ziemlich weite Strecke zu klettern ab da.

L3, 25m, 7c: Hier müssen nun alle Systeme auf Betriebstemperatur sein, was hoffentlich der Fall ist! Nun gut, der hoch steckende erste BH lässt sich mit einer Linksschleife noch erstaunlich easy anklettern. Ein erster Aufsteher ermöglicht gleich das Klippen des nächsten, derjenige darunter befindet sich da erst auf Kniehöhe. Wobei niemand die Sinnhaftigkeit dieses zweiten BH anzweifeln wird, denn nun folgt die Crux in Form einer heiklen Traverse zu den markantesten Wasserrillen rechts und dem ersten Höhengewinn an diesen. Das ist zu 100% zwingend, erst wenn man sich nach mehreren Metern in den sich zurücklegenden Rillen etabliert hat, kann man wieder klippen. Für 7c fühlte sich diese Passage fair bis gutmütig an (die im Charakter ähnliche Crux der Gemini ist härter und unangenehmer), geschenkt ist es natürlich trotzdem nicht. Der Schlussabschnitt über die ab da vernünftig griffigen Rillen ist dann fast schon Plaisirgelände - ausser dass es bis auf einen windigen 3er-Cam gute 10m ohne Sicherungsmöglichkeit sind.

Hier sind die beiden BH in L3 (7c) geklippt, nun heisst es delikat nach rechts zu den beiden tiefsten Rillen zu queren und an diesen erst auf Gegendruck an Höhe zu gewinnen. Diese Sektion bildet die Crux der Route, steht man mal mit beiden Füssen in den Rillen drin, ist's mehr oder weniger gegessen.

Die letzten Moves der Crux-Sequenz in L3 (7c), wenn geklippt ist, entspannt sich die Lage definitiv.

L4, 25m, 8a: Vor einem baut sich eine überhängende Wand auf, welche ganz offensichtlich die Crux bereithält. Wo sie sich wohl befindet? Der Leser wird es gleich erfahren, doch auch wir hätten es mit genauem Studium der Berichte der Erschliesser schon gewusst. Gleich zu Beginn heisst es, sich in scharfem Crimpy-Terrain mal richtig gut festzuhalten, doch schon relativ bald einmal tauchen überraschend griffige Schuppen auf. Bis vor die Stelle, wo der Ausstieg ins flachere Gelände folgt, ist die Geschichte nicht mal allzu schwierig (ca. 7b/+). Doch dann kommt es knüppeldick. Eine technische Mover-Passage mit minimalen Tritten und etwas staubigen Griffen führt vom zweitletzten zum letzten BH. An ein paar recht tauglichen Löchern kann man da nochmals die Übersicht gewinnen, bevor es definitiv ans Eingemachte geht. Zaubernd gilt es Gelände mit kleinsten Kratzern zu überlisten. Die Tritte sind schlecht und erfordern viel Anpressdruck - nur macht deren Positionierung und das schlechte Griffangebot es äusserst taff, diesen zu generieren. Zudem spielt sich diese Sequenz jenseits vom BH ab und muss absolut zwingend gemeistert werden - psychisch anspruchsvoll und engagiert, aber das Sturzgelände ist gut, man hat Sichtverbindung, kann einen Soft Catch geben und der letzte Haken steckt schon nicht meilenweit weg.

Die stark überhängende Cruxlänge (L4, 8a) präsentiert sich vorerst noch erstaunlich gutgriffig.

Der Exit von L4 (8a) ist dann hingegen sehr kleingriffig, knapp strukturiert und darum technisch äusserst fordernd. Bereits in der Passage, wo ich auf dem Foto engagiert bin, will heftig geriegelt werden. Getoppt wird die Sache dann noch von der nahezu grifflosen Wand vom letzten BH zum Stand hinauf - das Bild mag die Herausforderung wohl recht klar zu übermitteln.

L5, 40m, 6b+: Mit dem Exit aus der Crux betritt man quasi eine neue Welt - geneigte Reibungsplatten. Material ist dafür höchstens in weiter Ferne zu erspähen und so stellt sich die Frage, wie der genaue Verlauf hier ist. Könnte man möglicherweise direkt hoch klettern? Wir wissen es nicht genau. Das Originaltopo zeigt eher eine Linksschleife, dort gibt's auch eine Struktur (Schuppe), welche mobile Sicherungen aufnimmt. Allzu üppig oder mit super Placements eher nicht, und die vom Steinschlag glattpolierten Wasserrillen entpuppen sich plötzlich auch als sketchy. Man befindet sich da übrigens ziemlich genau in Falllinie des Wasserfalls. Wenn dieser in Betrieb ist, kann man da kaum klettern und bei Steinschlagwetter sollte man es besser auch nicht probieren. Weit gesichert ist es übrigens bis zum Ende (3 BH auf 40m), aber dank rauerem und strukturierterem Fels klettert sich der obere Teil eher komfortabler.

L6, 35m, 6b: Eine abenteuerliche Länge, wo man rund 35 Klettermeter für ca. 10m Höhengewinn zurücklegt, welche aber in direkter Linie wohl affenschwer wären. Somit Querung nach rechts hinaus, gerade die erste Stelle nach dem Stand ist durchaus knifflig. Ein BH folgt erst viel weiter drüben (vom Stand bereits sichtbar!), man bringt jedoch 2-3 Cams unter, auch wenn die Placements nicht 1a sind. Nach dem silbernen Vertrauensspender hält man sich weiter nach rechts, de fakto bis kurz vor einen antiken Stand von Andorra. Hier geht's in göttlichem Fels mit Tropflochleisten und Wenden-Suppenschüsseln über 2 SU-Schlingen hinauf, bevor man der natürlichen Linie zurück nach links zum Stand von Andorra folgt. Auch der ist Antik: Kronen-BH, lottriger NH und ein Mini-Sandührli. Wird wohl schon halten... unverständlich aber, warum bei der Erschliessung von Lunga Attesa hier nicht aufgebessert wurde.

Traverse über dem Abgrund in L6 (6b), abgesichert werden muss hier mit Cams.

L7, 35m, 7a+: Wer vom Stand aus heftig zurücklehnt, sieht die SU-Schlinge oberhalb der Nische rechts. Diese peilt man über die Wandstufe an und folgt dann der naturgegebenen Diagonale über eine Art Rampe nach rechts - relativ einfach und nicht besonders hübsch. Schliesslich geht's dann um die Ecke, man gelangt zu einer staubig-glatten Zone im Runoff vom markanten Siffloch, und entert später etwas heikel zwei grasige Nischen. Zuletzt pirscht man mit einer Rechtsschleife in athletisch-griffigem Gelände das Siffloch an, bei welchem sich der unbequeme Stand befindet. Sofern trocken, ist das Finish nur staubig. Wenn's da aber saftet, so ist es bestimmt ultra-schleimig und heikel. Die ganze Geschichte ist eher alpin, der Fels nicht von Wenden-Premium-Quality und insbesondere ist die Absicherung mit nur 4 BH auf der knappen Seite. Diese Faktoren einschliessend mag der Grad für den Vorstieg passend sein... rein zum Klettern am bequemen Seilende kam mir dieser Abschnitt aber deutlich einfacher vor wie z.B. die 7a der Niagara, vermutlich ist sogar deren athletische 6c+ schwieriger.

Fotogen und mit Tiefblick präsentiert sich L7 (7a+).

L8, 40m, 7b+: Generell: was man vorher nach rechts gequert ist, verschiebt man sich hier wieder nach links zurück. Die Orientierung im Detail ist jedoch nicht so einfach. Das beginnt schon mit der Passage aus dem Stand raus. Ca. 6m oberhalb ist eine SU-Schlinge sichtbar. Gerade hinauf ist es sicher (zu) schwierig, aber links oder rechts? Ich vermag es nicht zu sagen, wir sind schliesslich wegen der Darstellung im Originaltopo rechtsrum. Das ist ca. 7a und an beiden Seilenden nicht so prickelnd (Sturz in den Stand für den Vorsteiger, grosser Pendler ins Leere im Nachstieg). V.a. kommt man so fast 2m oberhalb der Schlinge an, muss dann abklettern und mehrere Meter nach links traversieren. Dann linkshaltend hinauf, die einfachste Linie führt einer überhängenden Verschneidung entlang, die (distant steckenden 2) BH sind aber ungünstig 1-2m rechts davon platziert. Weil oben später blankes Gelände folgt, ist ein Horizontalquergang nach links irgendwann unvermeidlich. Der ist relativ eng geboltet und bietet nochmals eine Crux, die wir beide unabhängig voneinander (man kann sich weder sehen noch hören) mit einem Cut-Loose gemeistert haben. Zuletzt dann wieder eher hinauf, ziemlich spooky als ich im Nachstieg plötzlich realisiere, wie ich den letzten BH ausgehängt habe, sich der Stand nochmals 7-8m links von mir befindet, ich aber erst noch eine athletische Wandstufe hinauf klettern muss - nur ca. 6c, aber das Motto "ja nicht loslassen" gilt da noch fast mehr wie auf dem Rest der Seillänge. Tja, was kann man sagen: irgendwie schon ein luftiger Fun-Climb, diese Länge. Der Fels ist aber auch hier nicht erste Sahne, der Verlauf ist umständlich und die spärlich vorhandenen Bolts nicht gerade optimal platziert (im Vorstieg Seilzug und unklare Linie, im Nachstieg heikel). Und eben, man sieht sich nicht, man hört sich nicht. Zur Beruhigung darf man dafür sagen, dass der Grad von 7b+ sicher zu hoch gegriffen ist, eine 7a+ reicht bestimmt auch.

Der letzte Abschnitt (L8, 7b+) ist kaum gut abzulichten. Daher muss halt dieses Selfie am Top herhalten. Wer möchte, könnte von da übrigens vermutlich hinauf zum Top vom Excaliburpfeiler wandern. Für uns nicht nötig, wir waren erst eine Woche zuvor dort.

Um 17.20 Uhr hatten wir das Top erreicht, was eine Kletterzeit von 7:40h ergibt. Nicht gerade wenig für 8 Seillängen, doch auch wenn die Kletterschwierigkeit über erstaunlich weite Strecken moderat ist, so muss man dort dafür defensiv klettern und nach Absicherungsmöglichkeiten suchen. Einen Teil der Zeit hatte auch die Cruxlänge gefressen. Bernat scheiterte hier ultraknapp im Onsight, sprich im Setup für den Move an den Rettungshenkel - so schade! Daraufhin war erst einmal eine Pause fällig, damit diese sehr zwingende Passage mit wieder aufgeladenen Batterien passiert werden konnte. Der ganze Rest der Route wurde von ihm in einwandfreiem Stil geklettert (onsight/flash). Ich konnte diesem Vorbild wohl für 99% der Strecke folgen. Zwei Ausnahmen gab's: ich brauchte in der Crux der 7c drei Anläufe, konnte dann aber die ganze schwierige Sequenz durchziehen. In der 8a war der härteste Abschnitt hingegen eher Stückwerk. Alle Moves gerade so gemacht, das darf ich mir wohl auf die Fahne schreiben. Mehr aber nicht, und ein Durchstieg fühlte sich da ehrlich gesagt weit weg an.

Der Startbolt von Legacy, hier geht die Tour los und da endet sie auch wieder. Und, es sei hier nochmals gesagt. In vielen Wendenrouten ist das Material solchermassen in die Jahre gekommen. So auch in dieser Erschliessung der Remy-Brothers aus dem 1992. Verzinkte Anker und rostfreie Plättli sind aber halt auch eine ungünstige Mischung. Jedenfalls: die Sanierung dieser Routen ist eine richtige Herkulesaufgabe. Darum: werdet Mitglied oder spendet an Organisationen wie Eastbolt und Rebolting, damit wenigstens die Kosten für das Hakenmaterial gedeckt werden können - aufwändig ist die Arbeit aber auch dann immer noch!

Nun denn, wir mussten wieder vom Berg kommen. Am Top befanden wir uns am Schlussstand von Legacy. Ob es einen separaten Schlussstand von Lunga Attesa gibt, bezweifeln wir (auch wenn dies im Extrem West so dargestellt wird). V.a. würde dies kaum Sinn machen, weil die beste Abseilmöglichkeit sowieso über Legacy verläuft und sich ein Abseilen über Lunga Attesa im oberen Teil äusserst umständlich präsentieren würde. Mit 2x60m waren wir in 2 Manövern schon zurück am Stand ob der 8a (deren Finish-Moves nochmals eingeprägt sein wollten) und in zwei weiteren retour am Einstieg. Mit 2x50m sind hingegen 6 Manöver fällig, siehe Fototopo. Wir räumten unsere Ware zusammen und wurden dabei von 2-3 Steinsalven erschreckt, welche aus dem Gully oberhalb vom Elefantenohr-Ausstieg kamen (dort habe ich nicht das erste Mal Steine fallen gesehen/gehört, siehe auch hier)! Während unser aktueller Standort safe war, so führte der Abstieg jedoch genau durch diese Zone. Nachdem eine Weile Ruhe war, machten wir uns mit gespitzten Ohren so schnell wie möglich auf den Weg Richtung Tal. Zum Glück blieb alles ruhig. Das hohe Tempo hielten wir aber gerne bis zur Wendenalp aufrecht, denn Hunger und Durst trieben uns Richtung Meiringen. Alles in allem konstatiere ich: auch #48 war ein absolut grandioses Erlebnis. Während die Lunga Attesa zwar wohl nicht zu den Top 10 der Wendenrouten gehört, so bietet sie doch von all dem, weswegen wir so gerne in diesem Gebiet klettern.

Facts

Wendenstöcke / Dom - La Lunga Attesa 8a (7c obl.) - 8 SL, 280m - Palma/Spreafico 2014 - ****;xx
Material: 2x50m-Seile, 8 Express, Cams 0.2-1 & 3

Interessanter Mix zwischen einfacherem Abenteuerterrain, Wasserrillen, technischer Wandkletterei und etwas Ausdauerhenkelei. Über erstaunlich weite Strecken ist die Kletterei verblüffend einfach. Voll die Härte sind nur ca. 3m in der 7c und ca. 2x2m in der 8a, der Rest geht nicht über 7b hinaus, das Gros der Klettermeter ist sogar maximal 6b. Der Punkt ist jedoch der, dass die Crux-Sequenzen absolut zwingend zwischen den BH geklettert sein wollen, mit A0 geht da gar nix. Für mich ist es schwierig, obligatorische Grade dieser Kragenweite einzuschätzen, aber 7b+ scheint mir eher knapp. So salopp würde ich sagen, es seien 7B-Boulder mit Zaubermoves in sehr technischem Gelände (minimale Fusstritte in unmöglichen Positionen, die viel Anpressdruck erfordern, welcher an sehr kleinen und auch nicht optimal platzierten Griffen zu generieren ist). Die Absicherung mit rostfreien BH ist an den Cruxen wie erwähnt fordernd/zwingend, aber nicht gefährlich. Im einfacheren Gelände wurde jedoch soweit wie möglich an Fixmaterial gespart. Man bringt da immer wieder Cams unter - so scheint es ok, auch wenn die Placements nicht alle superduper sind. Und dort wo es zwingend BH braucht, hat es dann schon welche. Sprich, Harakiri ist die Absicherung nicht. Was man wissen muss: die Route verläuft nahe in Falllinie des Wasserfalls zwischen Excalibur und Dom. So lange dieser in Betrieb ist (früh oder spät in der Saison, bei Schneeresten im Gipfelbereich) ist die Route wohl schon wegen Nässe unkletterbar und zudem wegen potenziellem Steinschlag gefährlich. Auch in ein Gewitter darf man da absolut keinesfalls geraten. Bei guten Bedingungen scheint das Steinschlag-Risiko aber akzeptabel - während unserer Begehungen von Niagara und Lunga Attesa fiel aus diesem Trichter kein einziger Kiesel runter. Darüber hinaus ist die drückende Nässe aus dem (schon vom Parkplatz aus erkennbaren) Siffloch in L7 ein zu berücksichtigender Faktor - den trocken-heissen Sommer 2026 darf man da sicher nicht für alle Zeiten als Massstab nehmen. Infos zur Route und zum Gebiet findet man im Extrem West, Band II, wobei das Topo dort sehr grob ist und nicht in allen Details korrekt. Dasjenige der Erstbegeher findet man auf dem Netz, es gibt den Routenverlauf auch nicht sehr präzise wieder. Darum: hier meine eigene Version (Download in voller Auflösung).

Mein schematisches Topo zur La Lunga Attesa an den Wendenstöcken.

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