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Samstag, 9. November 2024

Teufelstalwand - Im Zeichen der Freundschaft (6b+)

An der Teufelstalwand habe ich in früheren Jahren schon einiges erlebt: spannende Momente beim Abseilverhänger auf dem Weg ins Pissoir du Diable (6b), Top-Genusskletterei in Alpentraum (7a) und Wilde 13 (7b), sowie auch einen Tag mit minimalstem Kletterflow in der Laura (7a trad) - davon gibt es nicht einmal einen Blog. Bisher ausgelassen hatte ich den viel frequentierten, grossen Klassiker der Wand, die plaisirmässig eingerichtete Im Zeichen der Freundschaft (6b+). An diesem wunderbaren Herbsttag lag eine grössere und schwierigere Tour aber nicht drin. Sprich es war genau das richtige Ziel, um mit Guido die Sonne zu geniessen und sich in der Vertikale zu betätigen.

Der Blick von der Abseilstelle auf die Teufelstalwand, welche auf dem Foto jedoch nicht ganz Platz hat. Die abgebildete Routenlinie startet im letzten Drittel von L2. An diesem fabelhaften Gemäuer gibt es derzeit rund 10 verschiedene MSL-Routen.

Nachdem erst noch meine Expertise an einigen Online-Meetings gefragt war, startete unsere Tour um 9.25 Uhr (Winterzeit) beim Nätschen P.1843 vor dem Fahrverbot. Mit dem löhnen einer Taxe von 30 CHF (zahlbar per Twint) könnte man zwar noch bis zum Ober Teufelstalboden (ca. 2030m) fahren. Das spart aber nur unwesentlich Zeit und Effort, so dass wir gerne darauf verzichteten. Wir nahmen den direkten Weg durch den Wald und standen nach 30 Minuten Gehzeit bei der Abseilstelle ins Teufelstal. Für die erste Strecke mussten wir am eigenen Strick abseilen, für die folgenden beiden war ein Fixseil vorhanden. Dessen Zustand kann man als 'gut gebraucht und etwas angewittert' taxieren. Trotzdem aber noch safe und eine elegante Möglichkeit, um Zeit zu sparen und vor allem (!) das Risiko des drohenden Seilverhängers auf dem zweiten Abschnitt zu minimieren.

Spannende, wohl nicht für die Ewigkeit gemachte Formation rechts in der Teufelstalwand.

Den Bach im Teufelstal kann man einfacher gleich nach dem Abseilen überqueren. Jenseitig geht's dann kraxelnd in steilem Schrofengelände (T5) aufwärts zu einem Fixseil, welches gerade hoch in die Wilde 13 (7b) führt. An geeigneter Stelle quert man nach rechts und trifft wieder auf Fixseile, die zuletzt links hinauf zum nicht (mehr) näher bezeichneten Start von Zeichen der Freundschaft führen. Vorausgehend wählte ich die weniger empfehlenswerte Option, erst (im Aufstiegssinn) noch 100m rechts vom Bach zu gehen und ihn erst oben bei einer Verflachung mit roter Farbmarkierung am rechten Ufer zu überqueren. Übers Wasser zu kommen war weniger das Problem wie sich andersseitig im Fels zu etablieren. Die Fixseilinstallation ist da beschädigt und ausgerissen und die glitschig-glatte, wasserüberronnene Granitplatte konnte ich erst bewältigen, nachdem ich eine Bachstauung errichtet hatte, welche das Wasser ein wenig umleitete. Item, um ca. 10.40 Uhr starteten wir mit der Kletterei. Die ersten 1.5 Seillängen lagen noch im Schatten, was Ende Oktober auch so bleibt.

L1, 5c+, 30m: Mit sich gemütlich an den Fels gewöhnen ist nicht viel los. Eine Passage zwischen zwei Schuppen erfordert bald einmal zupacken und auf die Füsse stehen. Den Grad 5c+ erreicht man da gut und gerne. Möglicherweise gilt der so nur, falls man diese Passage links im Schrofengelände umgeht. Die obere Hälfte dann einfacher in einer Verschneidung.

L2, 6a, 30m: Kurz nach links rüber, dann in einer etwas glatten Verschneidung aufwärts. Pas si facile que ça, am ersten Bolt vorbei muss man doch sauber antreten und sich gewählt bewegen. Wenig später erreichten wir die Sonne und konnten das Finish geniessen, welches sich in einer leistengespickten Wand rechts einer Verschneidung abspielt.

Griffige Wandkletterei neben der Verschneidung am Ende von L2 (6a).

L3, 6a+, 35m: Aus schön wird noch schöner! Diese Seillänge trumpft mit einer absolut genialen Piazverschneidung auf. Weil der Riss im Grund stets schön scharf geschnitten ist und für die Füsse zwar nicht üppig, aber doch regelmässig etwas Struktur da ist, geht das ziemlich kommod. Auch zum Ende der Seillänge wartet noch Spezialprogramm: eine Passage, die zwischen breiter Riss und Kamin einzustufen ist, will in geschickter 3d-Kletterei bezwungen werden. Immerhin, die Rettungshenkel sind nicht weit weg.

Der Kamin am Ende von L3 (6a+) bietet eine lässige 3d-Kletterei.

L4, 6b+, 25m: Für Riss-Liebhaber ist dieser Abschnitt sicher das Prunkstück der Route. Der bouldrige Auftakt ist noch eher wandartig und erfordert zwei kräftig-weite Moves mit hohem Antreten an Schuppen. Dann folgt der fabelhafte Splitter Crack in orangem Fels. Gibt es wirklich Leute, welche dies auf der rechten Aussenseite piazen?!? Selbst ohne beides ausprobiert zu haben: straight-in mit Klemmtechnik ist ganz bestimmt viel einfacher - auch wenn der Riss breit, ja teilweise sogar offwidth, sprich zu breit für die breite Faust und die Füsse ist. Mit etwas Kreativität gibt's aber immer eine Lösung.

Prunkstück der Route: der fantastische Splitter Crack in L4 (6b+), mit Tiefblick ins Teufelstal.

L5, 6b, 25m: Eine eher kurze Seillänge, welche vom Stand nach rechts führt und dann ein paar kräftige Moves in Gegendruck-Kletterei an Schuppen verlangt. Im zweiten Teil geht's dann etwas gemächlicher zur Sache. Mit einem Blick auf den eher unbequemen Stand, die verbleibenden Expressen am Gurt und einer weiteren kurzen Länge am Horizont zog ich gleich weiter. Das (50m-)Seil reicht gut, dennoch wegen fehlendem Sichtkontakt und den nötigen Vorbeugemassnahmen gegen die Seilreibung nur etwas für Experten. Wenn man alles mit kurzen Exen klippt, so sind ca. 20 Stück notwendig und der Seilzugtod gewiss.

L6, 5c+, 20m: An einem Riss geht's um die Ecke, wo man einen breiten Graskanal erreicht. Traditionell und möglicherweise auch am einfachsten würde man sich in diesem in die Höhe arbeiten. Das ist jedoch weder elegant, angenehm noch schön. So überquert die Route den Graskanal und findet in der rechten Wand ein paar gute Leisten und Schuppen, wo es sich genussvoll Höhe gewinnen lässt. Der Stand dann wieder links vom Graskanal.

Die erste Episode vom breiten Riss bzw. Graskanal in L6 (5c+). Man kann aussen bleiben...

L7, 5c+, 25m: Dieser Abschnitt folgt nun dem Graskanal. Dank der sehr guten BH-Absicherung kann man guten Gewissens aussen bleiben und alles spreizend bewältigen. Auf diese Art und Weise geklettert, eine echt spannende, aussergewöhnliche und lässige Kletterei. Bestimmt kann man auch durch den Kanal rampfen... jedem das Seine! Zum Ende geht man noch kurz auf die linke Seite, bald kommt schon der zwischen den Zacken versteckte Stand.

...oder das Ganze eher im Inneren bewältigen. Das hier ist der zweite Teil in L7 (5c+).

L8, 6a, 25m: Dieses Teilstück empfand ich als die am wenigsten schöne Sequenz der Route, sie hat mehr den Charakter von einem Überführungsstück. Erst griffige Wand, dann kurz knifflig rechts raus, über eine Platte rechts einer Schuppe und durch die Büsche zurück nach links zu Stand auf bequemem Plateau. Die 6a-Bewertung meines Erachtens im Vergleich zu L1, L2, L6 und L7 zu hoch.

L9, 6a+, 30m: Laut diverser Internetberichte sollte diese Seillänge ähnlichen Charakter aufweisen wie die vorangehende. Und da uns diese ja nicht so gefallen wollte, war das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Die Realität zeigte dann zum Glück ein anderes Bild. Ähnlich ist es vielleicht in der Hinsicht, dass es auch keine markanten Risse, Kamine oder Verschneidungen gibt und plattig-wandiger Charakter vorherrscht. In L9 ist die Kletterei aber echt cool und elegant, die Felsstruktur super.

Tolles Ambiente und Kletterei in L9 (6a+).

L10, 6b+, 30m: Nun folgt noch die Krönung. Schon bei der Begehung der Wilden 13 (deren Stand sich 2m links befindet) hatte ich die Idealverschneidung mit ihrem steilen Untergriffausstieg sehr gelockt. Doch jetzt war es soweit. Los geht's noch gemütlich über ein Podest, dann ermöglicht ein Blade in der linken Seitenwand der Verschneidung erst kommodes Fortkommen. Doch der Dettling-Antistyle kommt: kompromissloser Piaz in der Verschneidung, wo man nun nicht mehr nach Belieben die Finger bis zum Anschlag im Riss versorgen kann. Teils muss man weniger tiefe Griffe nutzen, oder dann sind die guten einfach weit auseinander. Auch die Füsse sind nicht immer super. Doch summa summarum, in einer 6b+ mit optimaler BH-Absicherung fiel mir noch leicht, was bei Trad-Absicherung und einer propagierten 6c+ schon eine Challenge wäre (selbst wenn der Fels exakt derselbe wäre). Dass man hier angriffig, voller Vertrauen und ohne mit Gear zu fummeln steigen kann, macht halt einen riesigen Unterschied. Jedenfalls, im Winkel am Ende der Verschneidung kann man nochmals kurz Luft holen, bevor zuletzt geprüft wird, wie viel Strom noch im Akku ist. Mit kräftigen Gegendruckzügen heisst es an der Untergriffschuppe für Fortschritt zu sorgen, bevor man um die Ecke biegt und über eine kurze, griffige Zielgerade das Top erreicht.

Da wartet L10 (6b+) noch auf Action. Podest, Blade, Piaz und Untergriffschuppe, so das Programm.

Ein paar Minuten vor 15.00 Uhr und damit nach rund 4:15h Kletterei waren wir mit einer (meinerseits) perfekten Begehung da. Die Bedingungen waren wirklich top gewesen: angenehm warm aber nicht heiss, ideal um sich die Herbstsonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Ich blätterte ein wenig im Wandbuch, welches die Popularität der Route bezeugte. Im 2024 waren uns schon ca. 50 Seilschaften zuvorgekommen, an guten Weekend-Tagen treten meist mehrere Teams an. Gemütlich rollten wir unsere Seile auf und machten uns dann auf den Rückweg. Hinauf entlang der Fixseile, queren und kurz abkraxeln, dann der Strasse entlang zurück nach Nätschen, wo sich um 16.00 Uhr der Kreis schloss. Wir rollten talwärts ins neblige Unterland, wo uns auch schon bald die Dunkelheit einholte. Schon verrückt, dieser Herbstkontrast zwischen wohlig-sonnig-lichtdurchfluteter Atmosphäre oben und der feucht-dunklen Tristesse unten. Aber wir konnten sehr zufrieden sein, dass die Route zwischen meinen morgendlichen Meetings und Guidos abendlicher Probe Platz gefunden hatte und wir so den wundervollen Tag gebührend nutzen konnten.

Facts

Teufelstalwand - Zeichen der Freundschaft 6b+ (6a+ obl.) - 10 SL, 275m - *****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Exen, Cams/Keile nicht nötig

Kurzum, sicher eine der besten und beliebtesten Granitrouten dieses Schwierigkeitsbereichs in der Schweiz. Die vielen begeisterten Begeher bezeugen dies absolut und die Kletterei ist einer Via Hammerbruch am Salbit auch durchaus ebenbürtig. Zudem gibt es das Ganze mehr oder weniger talnah. Wobei man den Aufwand ins Teufelstal zu kommen nicht unterschätzen darf und das Gesamtunternehmen mit den ungünstigen Rückzugsmöglichkeiten doch nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Die Route ist trotz zahlreicher mobiler Möglichkeiten komplett und sehr üppig mit rostfreien Bohrhaken ausgestattet und hat dadurch klink & go Charakter. Ganz alle Stellen kann man aber (vermutlich) doch nicht mit Hakenhilfe entschärfen, eine 6a+ mit der Verpflichtung etwas abschüssig auf die Füsse zu stehen dürfte trotzdem obligatorisch sein. Die Route ist in diverser gedruckter Literatur beschrieben, sehr hilfreich auch die Übersichtsseite von MyBergtour.

Montag, 6. Juli 2020

Teufelstalwand - Alpentraum (7a)

Endlich wieder einmal reicht es Kathrin und mir für eine gemeinsame MSL-Tour. Unter leicht erschwerten Bedingungen allerdings, weil wir erst noch Arbeiten müssen, können wir erst am späten Vormittag los. Unser Plan A spielt sich am Klausenpass ab, doch der Blick von Altdorf hinauf heisst wie schon vermutet nichts Gutes: alles ist dick in Quellwolken eingehüllt und in der Nebelsuppe zu schlottern macht keinen Spass. Die Alternative ist sofort zur Hand, die Teufelstalwand ist ebenso zügig zu erreichen und ein optimales Ziel für eine Kletterei an einem Juni-Nachmittag mit stabilem Wetter. Nachdem ich schon Laura (7a), Wilde 13 (7b) und das Pissoir du Diable (6b) hatte klettern können, ist dieses Mal der Alpentraum (7a) die logische Wahl. Und die entpuppt sich als absolut genial - super Kletterei von Weltklasse-Zuschnitt, wirklich eine Traumkletterei für den ganzen Alpenbogen, dazu perfekt mit BH gesichert. Definitiv die Route, die mir an der Teufelstalwand bisher am besten gefallen hat.

Die Teufelstalwand rückt ins Blickfeld. Zuerst heisst es aber, ins Inner Teufelstal an den Einstieg zu kommen...
Da wir eher spät unterwegs sind, spielen wir mit dem Gedanken, für dieses Mal eine Bewilligung zu lösen, damit wir die Bergstrasse von Nätschen Richtung Gütsch befahren können. Allerdings hat über Mittag das Tourismusbüro gleich beim Bahnhof in Andermatt geschlossen und bei der Kooperation Urseren ist auch niemand erreichbar. Einmal beim Fahrverbotsschild oberhalb des Bahnhofs angelangt sehen wir dann, dass man auch per Smartphone (mit Twint-App) bezahlen kann. Die Taxe beträgt allerdings satte 30 CHF, was uns für die wenigen eingesparten Höhenmeter dann doch zu viel an Obulus ist. Wir stationieren unser Mobil an dieser Stelle, laufen ein paar Minuten nach 13.00 Uhr los und wählen den Zustieg durch den Kirchbergwald. Folgt man den Pfaden gemäss Karte, so ist ein Höhenverlust von 60hm nicht zu vermeiden. Da im Gelände (vorerst) direkte Pfadspuren locken, versuchen wir eine Abkürzung. Diese gelingt und vermeidet den Höhenverlust, erfordert aber teilweise etwas Bushwhack und ich bin mir nicht sicher, ob ein Zeitgewinn resultierte. Wobei, wenn mehr Leute so gingen und jemand vielleicht einmal noch eine Heckenschere mitnehmen würde, hätten wir den ideal-effizienten Zustieg. Einmal auf dem Tüfelstalboden heisst es dann, weitere 100hm zur Abseilstelle zu vernichten. Für den ersten 45m-Abseiler müssen wir selber das Seil einfädeln, nachher war ein Fixseil vor Ort, so dass wir zügig und ohne Seilverhänger-Sorgen in die Schlucht gelangten. Super wäre es, wenn jemand für den ersten Abseiler auch noch ein Fixseil platzieren könnte (wenn man das jeweils im Voraus wüsste...). Der Bach war problemlos zu überqueren, jenseits querten wir, stellenweise sumpfig und mit Fixseil gesichert, horizontal zum Einstieg. Um 14.00 Uhr konnte der Startschuss fallen.

Auch von näher hat die Wand nicht ganz auf dem Apparat Platz. Man sieht den Verlauf ab L2 bis zum Ausstieg.
L1, 35m, 6a: Schöne Wandkletterei mit ein paar kniffligen Stellen, z.B. fordert ein erster kurzer Piaz, dann eine leistige Rechtsquerung an einem Aufschwung, bevor es einfacher über eine Verschneidung bzw. Rampe zum Stand geht. Gar nicht mal so einfach für eine 6a!

Dem Teufelstal wieder entronnen - auf der Rampe am Ende von L1 (6a).
L2, 25m, 6c: Sehr schöne Sequenz! Der Blick auf die steile, sehr eng gebohrte Piazverschneidung lässt etwas befürchten, das ist ja bekanntermassen nicht mein favorisierter Kletterstil. Schlussendlich ist es gängiger als gedacht, der Riss ist meist recht tief und scharf geschnitten, zum Treten ist auch nicht alles glatt. So fordert vor allem eine kurze Stelle, wo der Riss etwas mehr geschlossen ist und später dann der Wechsel von Layback zu Stem. Nach diesem strengen Auftakt geht es dann etwas gemütlicher und griffiger, aber nie leicht oder langweilig etwas rechtshaltend voran.

Ausblick auf die geschlossen wirkende Verschneidung mit Voll-Piaz in L2 (6c) - geht aber gut!
L3, 25m, 6c: Hier folgt die Route einem hammermässigen Splitter-Crack, das weckt viel Vorfreude. De visu sieht er weder sehr lang noch sehr schwierig und erst noch komplett eingebohrt aus. Einmal darin engagiert, ändert sich die Wahrnehmung dann durchaus: es ist steil, der Riss hat (für mich) gerade die ungünstige Thin Hands Dimension (d.h. die Finger klemmen nicht richtig und die Hand passt kaum rein, so dass sie ebenfalls nicht klemmt), alles ist etwas flutschig und zum Treten gibt's auch nix, die Füsse im Riss zu verklemmen ist die Devise. So war das für mich definitiv eine der anspruchsvollsten Stellen der Route, in der 7a und der 6c+ weiter oben konnte ich deutlich relaxter passieren. Die Absicherung mit BH ist wie erwähnt prima, dennoch dünkte mich der Klipp des zweiten Bolts aufgrund der labilen Position etwas risky - wenn der in die Hose geht, so hätte es wohl schon Weh getan. Mit einem Cam (wohl 0.75) könnte man das entschärfen. Damit nicht fertig, der Riss entwickelt sich zu einem Flared Slot, wo dann zum Glück auch noch ein paar "normale" Griffe auftauchen und weiterhelfen. Juggy geht's weiter über den Steilaufschwung, bevor man an einer letzten Piazverschneidung anpackt.

Ausblick auf den Splitter Crack in L3 (6c) mit den nachfolgenden Slot - alles länger, steiler und schwieriger, wie es aussieht!
Die Gegenperspektive - auch am Ende von L3 (6c) darf nochmals herzhaft, wenn auch einfacher gepiazt werden.
L4, 40m, 6b: Tolle Turnerei durch die grosse Verschneidung. Unschwierig gelangt man zum Kerzendepot im Biwak, danach geht's anhaltend in die Höhe. Der Riss im Verschneidungsgrund ist sehr breit, knieklemmend könnte man oft No-Hand-Rasten. Obwohl das Gelände aus Distanz sehr gleichbleibend aussieht, so sind die Moves äusserst abwechslungsreich. Einmal bietet die Wand links Leisten, hin und wieder kann man gut spreizen, dann piazt man an der Kante oder benutzt die Henkel, welche gut verkeilte Blöcke im Grund der Verschneidung bieten - super Fun! Erwähnenswert: hier sind die Hakenabstände im Vergleich zu manch anderer Seillänge spürbar weiter ausgefallen. Zum Abschluss gibt's dann ein henkliges Dach und dann - links draussen, ein letzter Piaz-Move.

Falls es nötig wäre... wobei es bei einem der meist bequemen Stände sicher angenehmer wäre als in dieser Nische.
L5, 30m, 6a: Vorerst gemütlich klettert man genussreich und spektakulär an Rissen und später spreizend mit der Wand des markanten Turms, welchen man fast, aber dann doch nicht ganz ersteigt. Die Crux folgt mit dem Wechsel vom Turm an die Wand. Die Absicherung ist auch hier gut, aber trotzdem sollte der Vorsteiger es im Griff haben, das Sturzgelände wäre da ungut. Rechtshaltend geht's dann gutgriffig durch die Wand, resp. an kleinen Verschneidungen zum Stand. Insgesamt wieder einmal eine 6a, die gar nicht mal so einfach ist.

Der Turm in L5 (6a), sicher nicht für die geologische Ewigkeit gemacht... 
L6, 40m, 7a: Die Cruxlänge, was für ein Gerät, megagenial! Gleich etwas knifflig geht's aus dem Stand raus, wobei der Abstand zum zweiten BH leicht allegro ist. Dort kann man wieder etwas durchschnaufen und nun in der seichten Verschneidung meist auf Gegendruck vorwärtsmoven, wobei dank ein paar besseren Griffen oder Tritten immer wieder einmal geschüttelt werden kann. Als nächstes auf dem Programm steht eine kräftige Untergriffquerung, zu deren Abschluss man sich knifflig nach rechts auf eine geneigte Rampe (Rastpunkt) drücken muss. Mit einem Spannweitenzug gelangt man wieder nach links ins das Riss-/Schuppensystem, das man schon zuvor benutzt hat. Dieses wird steiler, die Griffe/Kante werden tendenziell nicht besser/runder, die Kletterei ist anhaltend. Doch an der entscheidenden Stelle bietet dann wie von Zauberhand die Wand plötzlich etwas Struktur, so kann gecrimpt und schlau angetreten werden und die Thank-God-Jug rückt hoffentlich in Reichweite, bevor dem Kletterer der Saft ausgegangen ist - supercool! Ganz final wartet dann noch eine feine Rechtsquerung, dem Bolt sei Dank macht der Vorsteiger diese im Toprope und profitiert vom Gewicht des Seils, was die Sache fast banal macht - würde man hier 3m über der letzten Sicherung klettern, so hätte der Balancy-Move bestimmt eine andere Dimension.

Auch wenn es in der Cruxlänge (L6, 7a) weiterhin Risse, Schuppen und Verschneidungen hat, so herrscht insgesamt doch mehr Wandklettercharakter vor. Wie man sieht, ist die Felsqualität hier super - der Granit orange beinahe wie in Chamonix und doch auch ordentlich strukturiert. Sonst ist das Gestein an der Teufelstalwand doch vielerorts eher grau-grün-schwarz, mit weniger Reibung und Struktur.
L7, 20m, 6c+: Von unten sieht diese Länge ein wenig nach dem Teflon Corner der Teufelstalwand aus, viele andere Berichte schreiben von technischer Kletterei. Aber schlussendlich ist die Sache für mich doch ganz anders wie erwartet. Es hat viel mehr Griffe wie gedacht, gestemmt wird nur wenig, man movt viel mehr athletisch im Piaz oder an Leisten, wobei ich mich bei einer ganz entscheidenden gefragt habe, wie diese genau an der richtigen Stelle in die Wand gezaubert wurde... Nach etwas Antreten im Verschneidungsgrund steht man schliesslich unter der finalen Untergriffschuppe, wo mit den Füssen auf Gegendruck nach links in die steile Wand gequert wird: tricky Auftaktmove, dann kurz dranbleiben, mal kurz den Bizeps spannen oder mit Dynamo auf den Sloper patschen und ein Mantle - das ging viel müheloser wie erst gedacht. Eine total geniale Sequenz, zudem sehr eng mit Bolts ausgestattet.

An Untergriffen Druck auf die Reibungstritte bringen und einen weiten Move patschen heisst es am Ende von L7 (6c+)
L8, 20m, 5c: Kurzes Überführungsstück, immer griffig und tendenziell auch etwas piazig der Verschneidung entlang - für einmal wirklich eine gemütliche Sache. Zum Schluss in speziellem, schiefrigem Fels nach rechts raus. Wer mag und genügend Exen mitführt, kann diese Sequenz problemlos an L7 anhängen.

Seitenblick zu unseren Nachbarn in der Laura (7a). Da geht's nicht ganz so schnell vorwärts...
L9, 25m, 6c: Erst links an der griffigen Schuppe, dann eine Hangelquerung entlang der Ameisenstrasse, bevor ein Mantle auf's Band vor der entscheidenden Verschneidung führt. Gemütlich lässt diese einen an sich ran - Griffe und Tritte, alles da. Doch zu früh gefreut, plötzlich wird es doch noch herb! Der Riss verengt sich, die Tritte schwinden. Schon powerig erreiche ich ziemlich ausgestreckt einen Untergriff. Nun heisst's aber noch, mit den Füssen einen verwirrenden Tanz auf dem glatten Parkett hinzulegen, bevor Finger und Arme ihren Dienst quittieren. Da war ich doch plötzlich und etwas unverhofft am Limit, dank einem kreativen Dropknee an der Verschneidung und dem Risiko-Flucht-nach-vorne-Schalter, der sich betätigen liess, ging es auf. Geil-o-mat - wäre auch schade gewesen, hier noch den Komplett-Onsight zu vergeigen! Zuletzt dann deutlich nach rechts und easy in einer gestuften Verschneidung zum Stand.

Sieht gutmütig aus, aber ab dieser Position gilt es nochmals ernst - der Onsight-Spoiler wartet in L9 (6c).
L10, 45m, 5a: Gemässigte, plattige Kletterei über teils etwas flechtige Platten und bucklige Aufschwünge, wobei immer mal wieder ein Henkel oder ein abgesägter Baumstumpf einen guten Griff hergibt. Am schwierigsten sind die letzten Moves zum Stand hinauf - gut verlängern hilft hier sicher, um potenziellen Seilzug einzudämmen.

Die letzte Länge (L10, 5a) hat plattigen Charakter und ist zwar lang, aber zügig erledigt. Passt dann zu diesem Zeitpunkt!
Um 18.45 Uhr und somit nach 3:45h begeisternder Kletterei sind wir am Ausstieg. An sich wäre der Platz superbequem um sich der Lektüre des Routenbuchs zu widmen, wo sich schon viele zufriedene Begeher eingetragen haben. Allerdings hat es viele Ameisen, welche ganz gierig darauf sind, endlich wieder einmal einen Menschen besteigen zu können. So gibt's nur kurz ein Guetsli für uns, sowieso sollten wir langsam abdampfen, damit wir daheim sind wenn die Kinder von ihren Trainings zurück kommen und um sie ins Bett zu stecken. So hampeln wir wie üblich die Fixseile hinauf, wie jedes Mal bisher fahren diese 'unnötigen' 150hm Aufstieg wenn man doch eigentlich heim und hinunter wollte nochmals in die Beine. Später dann querend, durchs Couloir absteigend und nochmals querend gelangen wir zur Strasse und über diese zurück zum Nätschen (Zeitbedarf ca. 45 Minuten). Höchst zufrieden über diese absolut geniale Tour zuckeln wir über die angenehm leeren Strassen heim.



Facts

Teufelstalwand - Alpentraum 7a (6b obl.) - 10 SL, 310m - Würsch/Linder 2011 - *****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express, evtl. Cam 0.5/0.75

Weltklasse, da gibt es keine Zweifel! Fels und Kletterei im Alpentraum überzeugen auf der ganzen Linie, die Schwierigkeiten sind anhaltend, homogen und die Moves abwechslungsreich, das Ganze auf einer logischen Linie, die geradlinig gen Himmel zieht. Hingehen und Klettern, kann man da nur sagen. Mitnehmen muss man nur 14 Exen, da die ganze Route mit zahlreichen Inoxbolts ausgestattet ist. In gewissen Passagen stecken diese sehr eng (xxxxx), bei anderen (auch schwierigen Stellen) ist der Anspruch dann aber doch wieder etwas höher und man muss auch zwischen den Haken etwas bieten (xxxx). Alles in allem aber eine richtige Clip & Go Kletterei, einfach zum Geniessen. Und ich muss sagen, mir hat das enorm Spass gemacht - viel mehr als in den cleanen Trad-Routen nebenan, wo man sich erst mordsschwer mit Gear behängt, nachher mehr am Rumfummeln als am Klettern ist und sich beständig die besten Griffmöglichkeiten mit Cams blockiert. So erstaunt es natürlich auch wenig, dass ich den Alpentraum trotz auf dem Topo ähnlichen Schwierigkeiten als viel einfacher wahrgenommen habe als die Trad-Routen links - man kann viel schneller und offensiver klettern, die mentale Komponente spielt möglicherweise zusätzlich eine Rolle. Insgesamt dünkte es mich, dass der Alpentraum mehr ein Fall von 6b anstatt 6c obligatorisch ist - trotzdem soll man die Route nicht unterschätzen, insbesondere da ein Rückzug in die Schlucht zwar problemlos wäre, der Ausweg aus dieser aber schwierig zu finden, mühsam und nicht ungefährlich ist.

Freitag, 5. Oktober 2018

Teufelstalwand - Wilde 13 (7b)

Die in der Gotthardregion gelegene Teufelstalwand tauchte im Jahr 2010/2011 (er)neu(t) auf dem Radar der Kletterer auf. Eine seit 1973 bestehende, ehemals technisch begangene Route wurde geputzt und saniert, d.h. mit dem Namen 'Zeichen der Freundschaft' fürs Freiklettern präpariert. In kurzer Abfolge wurden weitere Routen eingerichtet, auch heute ist die Erschliessung noch nicht komplett abgeschlossen. Bisher war ich nur ein einziges Mal an dieser Wand und zwar um sich eine der frühen Begehungen vom Pissoir du Diable zu schnappen. Obwohl es uns damals gefallen hatte, gab es bis dato keinen zweiten Besuch. Ein wenig hat die Teufelstalwand für mich den Geschmack von einem Ausweichziel, kann man hier doch mit relativ wenig Aufwand und auch bei nicht zu 100% optimalem Bergwetter noch aktiv sein. Für den Tourentag waren diese Sachverhalte entscheidend: ich konnte erst um 9.15 Uhr daheim starten, unterhalb von 1500m war es neblig und in der Höhe zu kalt.

Nein, die Teufelstalwand hat nicht ganz Platz auf meiner Kamera... Der Routenverlauf der 'Wilde 13'.
Wobei die Wetterlage an diesem Tag sehr speziell war: Hochnebel, Bise, aber im Raum Andermatt ging trotzdem ein starker Föhn. Das passt so eigentlich nicht zusammen, in einem Blog von Meteoschweiz wird das Phänomen aber ausführlich erklärt (siehe Kommentare). Wir konnten uns jedoch nicht bloss um das Wetter kümmern, sondern hatten auch noch die Routenauswahl zu treffen. Ursprünglich hatten wir eine der Trad-Routen im linken Wandteil ins Auge gefasst. Mit bloss 2 Racks waren wir dafür sowieso schon (zu) knapp bestückt. Als sich dann das eine davon, gerade noch im kritischen Bereich, als nicht vollständig präsentierte, war dieser Zug endgültig abgefahren. Somit entschieden wir uns für die 'Wilde 13', die nominell zweitschwierigste Route an der Wand. Sie präsentiert ein "equipment mixte". Sprich, die schwierigen Kletterstellen sind mit Bohrhaken eingerichtet, an einfacheren Stellen muss mobil gesichert werden, 1 Satz Cams reicht jedoch gut aus. Bis wir alles gepackt und bereit hatten war es 11.30 Uhr geworden und wir liefen vom Nätschen los. Ein reichlich später Aufbruch für eine MSL-Route, für die eher kurzen Routen an der zwar nach SSW ausgerichteten, aber in einem NW-Hang liegenden Teufelstalwand aber kein schlechter Zeitpunkt.

Nebelwetter. Nicht jedoch im Urserental, und auch nicht an der Teufelstalwand. Foto: cno
Nach einer knappen halben Stunde standen wir im Angesicht der Wand. Auf das Organisieren einer Fahrbewilligung hinauf zur Kurve P.2029 bei Ober Teufelstalboden hatten wir verzichtet, dauert der Marsch bis dahin doch nur 15 Minuten. Es folgen die 3 Abseiler hinunter ins Teufelstal, wo uns das letzte Mal ein folgenreicher Verhänger beim Abseilen passierte. Schon vielen ging es gleich, so auch der Seilschaft vor uns, welche gerade an dieser Stelle am herumkraxeln war und die Situation zu bereinigen versuchte. Ganz klar am Schlausten wäre es, für diese 3 Abseiler Fixseile zu platzieren. Klar, ewig halten die nicht, aber alte Kletterseile gibt's ja mehr als genug, die man dafür verwenden könnte... Wir jedenfalls zogen bibbernd unser Seil ab und hatten Glück - es fiel 50cm neben der Spalte vorbei, wo's dann auch garantiert drinbleibt und verklemmt. Somit standen wir bald darauf im Teufelstal, der Bach liess sich problemlos überqueren. Jenseitig geht's dann gleich wieder steil hinauf (T6, III, teilweise Fixseile vorhanden). Auf einer bequemen Plattform, die sich gerade an der Sonne befand, banden wir uns ins Seil ein. Um ca. 12.40 Uhr starteten wir mit der Kletterei.

L1, 6b+: Es geht gleich los mit gut gebohrter Piazkletterei, die gar nicht so einfach ist und bereits einen Vorgeschmack auf die gleich folgende Länge liefert! Der obere Teil dann einfacher und etwas grasig. Gear: evtl. Cam 0.3 gleich zu Beginn. 

In L1 (6b+) ist's entscheidend, den Piaz-Modus gleich mal so richtig anzuwerfen und zu kalibrieren...
L2, 7a+: Knallharter und über 15m anhaltender Piaz. Dünne, seichte Risse, glatte Platten, mein kompletter Antistyle - aber man muss sich auch darin üben, nur ein kompletter Kletterer kann ein guter Kletterer sein. Für mich persönlich fühlte es sich richtig hart an (sprich, die meisten anderen 7a+ fallen mir leichter, nehmen wir z.B. mal Ceüse als Referenz), zudem ist's auch richtig pumpig (und L1 wärmt einen nicht adäquat dafür auf), aber immerhin stecken die Bohrhaken in freundlichen Abständen. Das Finish der Länge mit einer Querung in Wandkletterei unter einem Dach für meinen Geschmack dann deutlich einfacher. Gear: keine Cams nötig.

...denn in L2 (7a+) folgt unweigerlich dieser knallharte und kompromisslose Piaz, brrr!
L3, 6b: Sehr schöne, gemütliche und flowige Seillänge mit grösstenteils mobil abzusichernder Kletterei an griffigen Rissen und Schuppen. Auf diese Art und Weise macht mir die Granitkletterei dann doch wesentlich mehr Spass ;-) Der Ausstieg auf's botanische Podest dann speziell, aber gut eingebohrt. Gear: volles Rack 0.3-2, evtl. 0.2 & 3.

Flowige Kletterei in L3 (6b). Unten das Teufelstal und die Strassen in der Schöllenenschlucht. Foto: cno
L4, 6b+: Ein schöner, sauberer, dünner und eingebohrter Riss durchzieht die Platte gleich nach dem Stand. Zwei, drei entschlossene Züge auf Gegendruck, dann ist das Gröbste durch. Der Rest der Seillänge bietet einfacheres Gelände im Fünferbereich, wo man auch noch 1-2 Cams legen muss. Gear: abgespecktes Rack, z.B. 0.3-1.

L5, 6c: Der erste Teil der Seillänge folgt einem schönen Riss im Bereich 6a+, der mobil abgesichert werden muss - es ist das längste, anhaltendste und schwierigste Stück, wo man selber legen muss. Obenraus zum Stand noch eine Passage mit technischer Wandkletterei. Hier befindet sich die Crux, für den Grad gutmütig. Gear: 0.2-2, evtl. 3.

Schöner Riss in L5 (6c), er bildet das längste und schwierigste mobil abzusichernde Kletterei.
You're not gonna die without the 'händschli'. Jammen mit Hand oder Faust braucht's in der 'Wilde 13' kaum. Foto: cno
L6, 7b: Hmm, vom Stand aus sieht's zwar nicht nach dem Vollpiaz wie in der 7a+ aus, aber doch auch nach Riss und Gegendruck. Mein Kletterpartner kennt die Wand und die Routen besser wie ich, bzw. hat Erkundigungen eingeholt. Mit dem Hinweis es sei "angenehmer" mache ich mich mit Selbstvertrauen und der Strategie "voller Angriff" auf den Weg. Hätte ich natürlich sowieso gemacht, zumal die hier eng gehaltene BH-Absicherung dies bedenkenlos zulässt. Tatsächlich komme ich durch den unteren, piazlastigeren Teil gut durch. Die Moves sind hier doch abwechslungsreicher, man hat nicht alles trittlos mit rundem Buckel zu klettern. Die Crux folgt dann nach 3/4 der Seillänge, an Unter- und Seitgriffen heisst's die Flossen auf minimale Strukturen zu drücken, dann den Fuss akrobatisch hoch auf einen passablen Tritt stellen und sich wieder stabil etablieren. Mir gelingt der Onsight und happy cruise ich zum Stand - das hat jetzt wirklich extrem Spass gemacht! Gear: keine Cams nötig.

Ähm, wir warten noch auf den Kletterer... gibt trotzdem einen Eindruck von L6 (7b).
L7, 6a: Kurze Seillänge mit schöner Kletterei. In der Mitte steckt 1 BH, viel dazu legen muss man nicht unbedingt. Nachdem es easy ist, kann ja aber auch der Vorsteiger das Rack mittragen. Gear: 0.3-1.

L8, 6c: Die Crux liegt in der Überquerung des Dachs gleich oberhalb vom Stand. Es gibt wohl zig Möglichkeiten dies zu tun. Z.B. Klemmer, kaminartige Moves oder Bizeps und hopp, wohl alles in etwas vergleichbar schwierig. Wirklich noch speziell, dass eine Kletterstelle so viel komplett unterschiedliche Beta zulässt. Der Rest bietet dann gemütliche, eher plattige Kletterei mit immer wieder guten Griffen und ist noch maximal 6a. Gear: Cams nicht zwingend nötig.

Ausblick auf die kurze L7 (6a), oben auch schon das Dach von L9 (6c) sichtbar, welches man im viereckigen Ausschnitt anpackt.
L9, 6a+: Wer möchte, kann sich die Route noch mit der schönen Abschlussverschneidung (6b+) von 'Zeichen der Freundschaft' aufpeppen, welche gleich 2-3m rechts beginnt. Wir verzichten darauf (weil ich wie immer die angefangene Route komplett von A-Z klettern will), aussehen tut der Ausstieg der 'Wilde 13' nämlich schon weniger attraktiv. Es geht in eine mit grossen Blöcken durchsetzte Verschneidung oder beinahe Schlucht hinauf. Die Kletterei ist schlussendlich aber besser, wie man erst meint - und zum Ende hin auf den Platten auch noch etwas knifflig. Gear: 0.3-1.

Bald oben! Zum Schluss von L9 (6a+) noch etwas plattig. Der Sawiris-Komplex am oberen Bildrand gerade noch in der Sonne. Foto: cno
Um 16.15 Uhr und damit nach nur gut 3:30h Kletterei hatten wir das Top erreicht, das war also sehr zügig gegangen. Nicht so erstaunlich, sind die Seillängen doch alle eher kurz, die Schwierigkeiten nicht sehr anhaltend und dort wo man hart moven muss, ist die Absicherung mit Bohrhaken sehr gut ausgefallen. Für den Rückweg bei Tageslicht bleibt noch mehr als genügend Zeit. So können wir am Ausstieg chillen und die perfekte Herbststimmung geniessen. Erst nach ca. 45 Minuten laufen wir los und hampeln den Fixseilen entlang hinauf. Immer wieder tun wir uns an den reifen Heidelbeeren gütlich und geniessen die Aussicht auf die Nebelschwaden, die eindrücklich mit dem Föhn um die Vorherrschaft kämpfen. Der Rückweg zum Auto dauert nur eine gute halbe Stunde. Wir fahren talwärts, bald holen uns Nebel, Dunkelheit und Kälte ein. Ja, wir sind wieder in der Jahreszeit, wo man nach dem Klettern lieber einen Kaffee als ein Bier trinkt. Aber es geht ja nicht ums Getränk danach, sondern um die Aktivität davor - und die hat heute bestens gepasst!

Herbst! Aussicht vom Top in die Urner Berge, links im Bild das Salbitmassiv.
Facts

Teufelstalwand - Wilde 13 7b (6c obl.) - 9 SL, 270m - Stefan Bühlmann 2011 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 15 Express, Camalots 0.3-2 plus evtl. 0.2 & 3.

Die 'Wilde 13' ist derzeit die nominell zweitschwierigste Route an der Wand, die Bewertung von 7b (6c obl.), die Ankündigung von vielfach selbst abzusichernder Kletterei mit einer xx-Einstufung im Extrem Ost und grosszügigen Materialangaben erheischen gehörigen Respekt. Auch wenn man die Route natürlich nicht unterschätzen soll, so zeigt sich die Route doch weitgehend gutmütig. Die Hauptschwierigkeiten sind eher kurz und zudem sehr gut mit Bohrhaken abgesichert (Niveau xxxx). Nur an den einfacheren Stellen muss auch mobil abgesichert werden, was dort dann auch sehr gut und beinahe beliebig möglich ist. Ich persönlich empfand dafür ein Set Cams von 0.3-2 als ausreichend. Das Topo des Erstbegehers findet man hier, weitere Angaben gibt's im Extrem Ost (z.B. bei Bächli Bergsport erhältlich).