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Sonntag, 17. Mai 2015

Posten News

Wenn man Routen an seinem persönlichen Limit klettern will, so kommt man um wiederholte Besuche im selben Klettergarten nicht herum. Für uns sollten diese im Frühling 2015 im Posten Sarnen stattfinden. Er ist rasch zugänglich, kindertauglich, bleibt auch bei starken Regenfällen wie sie diese Tage immer wieder auftreten lange kletterbar und vor allem bietet er spannende Routen auf hohem technischen Niveau.

After CSI Helvetia (8a)
Zwei Dinge dürfen der besonderen Erwähnung: an meinem dritten Klettertag in diesem Projekt konnte ich schliesslich mit der CSI Helvetia (8a) dieses Jahr bereits meine zweite Route im achten Franzosengrad abschliessen. Die Kletterei in dieser Route ist sehr technisch, die Tritte sind allesamt sehr klein und generell Mangelware - sauberes Antreten in diffizilem Terrain ist unerlässlich. Einige brauchbare Leisten säumen zwar den leicht überhängenden Weg, besonders gross sind sie jedoch auch nicht ausgefallen, und entweder klein oder abschüssig dazu. Während ein erstes Schnuppern noch den Touch von "unmöglich" hatte, so ergab sich doch mit jedem weiteren Versuch eine Annäherung. Und schliesslich war es dann im Durchstieg sogar möglich, aus Positionen zu klippen, wo ich anfänglich nicht mal an der Wand bleiben konnte.

Artwork by Kathrin
Ebenso kann ich an dieser Stelle noch von einer neuen Route berichten. Diese befindet sich zwischen Trickdieb (7a) und Dominique (7b+). Wie bei diesen beiden Touren steigt man über die diagonal verlaufende Langfinger (6b) ein, um dann in direkter Linie durch die leicht überhängende Wand hochzusteigen. Einige gute Leisten sind vorhanden, nur gilt es sie in eine wirksame Kombination einzureihen. Die Kletterei ist ziemlich athletisch, mit wirklich ganz coolen Moves. Hatte ich beim ersten Ablassen noch ein herausforderndes Projekt bzw. potenziellen Franzosenachter vermutet, entpuppte sich die Sache schliesslich als doch nicht ganz so streng. Irgendwo zwischen 7a und 7c ist diese Neutour mit dem Namen Füürtüüfel sicherlich einzuordnen. Für mich am ehesten in der Mitte dieses Intervalls, aber man bilde sich doch gerne eine eigene Meinung. Nachtrag vom 14.6.2015: die Tour wurde inzwischen von mehreren Locals wiederholt und hat Gefallen gefunden. Der vorgeschlagene Grad von 7b wurde bestätigt.  

Topo


Sonntag, 10. Mai 2015

Skitour Pizzo Ferrè (3103m)

Nachdem das Ende der Saison näher rückt, sollte es heute nochmals eine mit alpinem Fussaufstieg gewürzte Skitour sein. Da eine zumindest halbwegs klare Nacht fürs Skivergnügen unabdingbar war und ich auch uneingeschränkten Sonnenschein geniessen wollte, schien mir ein Ziel südlich vom Alpenhauptkamm die richtige Wahl. So kam ich schliesslich auf den Pizzo Ferrè (3103m), eine formschöne Pyramide mit luftigem Grat etwas südlich vom Pizzo Tambo am Splügenpass.


Um 7.00 Uhr kurvte ich in Montespluga (1900m) auf den Parkplatz und war wenige Minuten später startbereit. Die ersten 5 Minuten über die Fläche sind bereits aper. So wollen die Ski getragen werden, bald kann es aber losgehen. Wettertechnisch war es auch so wie erhofft, der Himmel war hier blau, die Temperaturen knapp im positiven Bereich und die Schneedecke tatsächlich durchgefroren. Die Tour führt zuerst flach ins Val Loga hinein und dann über eine Art Rampe am NE-Hang zum schon von weitem sichtbaren Bivacco Cecchini (2773m) des CAI. Ideal auch, dass man auf dieser Tour vom ersten bis zum letzten Meter Sonnenschein geniesst.

Aktuelle Situation beim Ausgangspunkt in Montespluga. Der Gipfel lugt bereits etwas hervor.
Von der Biwakhütte gilt es dann, südlich ins Val Schisarola zu traversieren und den doch beinahe 1 Quadratkilometer grossen Gletscher am Pizzo Ferrè zu erreichen. Dabei wird auf jeden Fall etwas Höhe vernichtet und je tiefer man diese Zahl halten will, desto steilere Hänge muss man als Folge queren. Bald war der landschaftlich schöne Gletscher erreicht und ich konnte dem Skidepot entgegenstreben. Weitere Tourengänger passierend gelangte ich dorthin. Nun wartete noch der luftige und genussreiche Gipfelgrat. Mit montierten Steigeisen und Pickel auf Mann liess sich dieser jedoch gut meistern und tatsächlich, ich erreichte heute trotz dem relativ späten Start als erster den Gipfel.

Sehr schöner Aufstieg bei idealen Bedingungen durch das Val Loga. Montespluga schon weit unten...
Ging am Grat noch ein zügiger Nordwind, so liess es sich wenige Meter unterhalb in der Südflanke bequem rasten. So verbrachte ich auf dieser Tour doch noch einige Minuten in der Schweiz, ansonsten verläuft nämlich die gesamte Route auf italienischem Hoheitsgebiet. Schliesslich stieg ich über den Grat ab. Beim Skidepot herrscht inzwischen reger Betrieb. Frauen, Männer, Hunde, alles bereitete sich auf den Gipfelgang vor, bzw. wurde vorbereitet und angegurtet. Ich schnallte hingegen meine Bretter an und konnte über den breiten Gletscher runtercruisen. Die Schneedecke war fein wie ein Teppich und tragend, ideal. Doch nach knapp 400hm hiess es, die Skis zum Stehen zu bringen. Der Rückweg ins Val Loga erfordert zwingend nochmals das Anfellen.

Über seidenfeinen Schnee geht's auf dem kleinen Gletscherlein in Richtung Pizzo Ferrè. So muss Skitouren sein!
So bot es sich dann an, auch gleich noch die Cima de Val Loga (3005m) mitzunehmen. Das ist im Prinzip ein eher unbedeutender Gratbuckel zwischen Tambo und Ferrè, wird aber trotzdem von vielen (italiensichen) Tourengängern besucht. Die 300hm Aufstieg bis dahin waren auch zügig erledigt. Nach dem Fellwechsel und einigen Fotos machte ich mich umgehend an die Abfahrt. Besser würde der Schnee nicht mehr werden. Bis zum Biwak und die ersten Hänge darunter liess es sich in weichem Firn noch gut fahren. Danach war es dann eher tiefer Sulz, der nicht mehr ideales Fahrvergnügen bot. Wenige Minuten nach 12.00 Uhr und damit 5 Stunden nach dem Aufbruch schloss sich die Runde. Ausrüstung trocknen, Sonne geniessen, einen echt italienischen Cappuccino trinken und heimfahren, hiess die Devise.

Der luftige Gipfelgrat am Pizzo Ferrè.
Facts

Pizzo Ferrè (3103m) & Cima de Val Loga (3005m) ab Montespluga, auf der italienischen Seite vom Splügenpass
Ski-Schwierigkeit ZS-, Fussaufstieg WS. Aufstieg in dieser Variante: 1550hm. Zeit: 5-7 Stunden
Material: Für den Pizzo Ferrè Steigeisen und Leichtpickel unerlässlich!

Karte von map.geo.admin.ch mit meiner Route.
Bemerkungen

Mein Aufbruch um 7.00 Uhr war heute durchaus vernünftig gewählt. Ich konnte die Tour bei noch sicheren Bedingungen abschliessen. Der Schnee im letzten Teil der Abfahrt war zwar nicht mehr ideal, aber um im unteren Teil noch eine sauber tragende Decke anzutreffen, hätte man vermutlich mindestens 2 Stunden früher dran sein müssen. Das war mir eine praktisch schlaflose Nacht dann doch nicht wert. Trotzdem ist ein zeitiger Aufbruch sicher anzuraten. Obwohl es brutto nur 1200hm sind, braucht die Tour mit dem alpinen Gipfelaufstieg und dem Fellwechsel in der Abfahrt einfach etwas Zeit. Meine Zeit von total 5 Stunden ist sicherlich kein Rekord, darf aber auch nicht unbedingt als Richtwert genommen werden. Selbst ohne den Abstecher auf die Cima de Val Loga dürften wohl eher 6-7 Stunden die Norm für die komplette Runde sein. Wissenswert ist auch, dass die Tour zwar längst nicht so überlaufen wie der Pizzo Tambo ist, sie aber bei unseren italienischen Tourenfreunden trotzdem durchaus beliebt ist - selbst um 11.00 Uhr, als ich schon längst am abfahren war, stiegen immer noch zahlreiche Leute bergwärts.

Dienstag, 5. Mai 2015

Topoguide - Kletterführer Alpen - Band III

Es gibt bestimmt nicht viele Kletterer, welche alpenweit so viele MSL-Touren geklettert haben wie das Duo Volker Roth & Nicole Luzar aus der fränkischen Schweiz. Zum Glück haben sie es aber nicht nur beim Klettern dieser Touren belassen, sondern zu jeder Tour nützliche Informationen gesammelt und akribische Topos gezeichnet. Damit teile ich mit Nicole und Volker definitiv eine gemeinsame Passion. Ihr gesammeltes Werk ist jedoch nicht frei auf einem Blog verfügbar, sondern käuflich zu erwerben. Nämlich einerseits als elektronische Einzeltopos von topoguide.de, oder dann als dicke Bücher mit dem Namen Kletterführer Alpen, Band I, II und III. Diese kann man durchaus als Enzyklopädie des Alpinkletterns bezeichnen, es gibt definitiv keine andere Kletterführerreihe mit einer solch geballten Ladung an verlässlichen Informationen.


Vor wenigen Tagen steckte nun eine Kopie des taufrischen Band III in meinem Briefkasten. Ein herzlich zu verdankendes Geschenk der Autoren, welche mir seit einem Treffen in Chamonix persönlich bekannt sind. Schon seit längerer Zeit waren wir in Kontakt, sei es um die Qualität und Bewertung diverser Touren zu diskutieren und um Details abzugleichen. Weiter wird im Band III auch unsere Hanimoon im Furkagebiet beschrieben. Und nicht zuletzt war das Geschenk bestimmt auch ein wenig mit der Hoffnung verbunden, dass es hier auf meinem Blog zu einer Buchvorstellung kommt. Das geschieht nun an dieser Stelle, so viel Transparenz zum Hintergrund soll sein. Wäre ich allerdings nicht restlos von diesem Produkt überzeugt, so würde ich auch nichts darüber schreiben und sowieso, ich versuche hier eine neutrale Sicht auf Pro und Kontra dieser Alpenführer anzugeben.

Positiv:

+++ Sämtliche beschriebenen Touren wurden von den Autoren persönlich geklettert und beurteilt. In dieser Hinsicht ist es also nicht ein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium an heterogenen Informationen und Beurteilungen. Auf konsistente Art und Weise beschreiben die Autoren bei jeder Tour die klettertechnischen Anforderungen, Fels- bzw. Routenqualität, Absicherung bzw. Absicherbarkeit, Zeitaufwand sowie weitere Details. Für den Nutzer ergibt sich daraus ein aussagekräftiges Gesamtprofil, was sich auf den Tourenerfolg nur positiv auswirken kann. Somit ist der Topoguide eine Investition, welche sich bestimmt bezahlt macht. Was sind schon 50 Euro für einen Führer im Vergleich zu den Kosten und dem Ärger für einen missratenen Klettertag.

+++ Im Band III sind wiederum 280 komplett neue Touren beschrieben - meist solche von grosser Güteklasse, in prima Fels, mit vernünftiger Absicherung und ohne objektive Gefahren. Es gibt noch so viel zu tun in den Alpen - wenn man nur so viel Zeit wie die Autoren hätte! Im Gegensatz zu manch anderem Führerautor basieren die Bücher also nicht auf in früheren Ausgaben bereits bekanntem und beschriebenem, und es handelt sich auch nicht um die x-te, fehlerhafte Kopie eines einst veröffentlichten Originaltopos, sondern um komplett neu und einges recherchierte Informationen. Da dürfen einen die 48.95 Euro keinesfalls schmerzen, it's a good value!

+++ Für die traumhaften, hochalpinen Granitklettereien in Chamonix gibt es schlicht und einfach keine andere, ähnlich komplette und qualitativ hochstehende Führerliteratur!!! Wer dort unterwegs sein möchte, kommt um die drei Bände fast nicht herum. Ebenso sind die genussreichen, steil-löchrigen, gut mit BH abgesicherten Dolomitentouren beinahe vollständig beschrieben. Ebenfalls umfangreich beschrieben sind die Meeralpen, die Dauphiné und das Gebiet um den Gardasee. Auch vom Rest der Alpen ist viel da, ganz so vollständig ist die Auswahl dort jedoch nicht.

Die Autorin in "Bon Baisers de Siberie" am Rothorn im Berner Oberland. Bild: topoguide.de

Neutral:

=== Inhaltlich haben die drei Bände etwas unterschiedliche Ausrichtung. Waren es im ersten Band noch zum grossen Teil alpenweit Klassiker mit grossen Namen, so liegt der Fokus im Band II eher bei den alpinen Sportklettertouren, während der neue Band III vor allem auf MSL-Sportklettereien in den Südalpen (Verdon, Meeralpen, Dauphiné, gewürzt mit einem grossen Abschnitt Chamonix und Dolomiten) fokussiert. Das liegt sicher in erster Linie daran, dass sich die Vorlieben der Autoren über die Zeit entsprechend geändert haben, schliesslich liegt eine Zeitdauer von beinahe 20 Jahren zwischen der ersten und der letzten beschriebenen Tour. Was man dafür etwas monieren kann, ist das fehlende Gesamtkonzept über die drei Bände. Von allem ist ein bisschen etwas da: alpine Klassiker, Plaisirtouren und auch anspruchsvollere Sportklettereien, die ganz klare Ausrichtung fehlt. Dafür findet man dann auch eher für jede Lust und Laune, bzw. jede Wetterlage eine passende Tour.

=== Die grafische Gestaltung wurde ich als sehr "zweckmässig" und "sauber" bezeichnen. Die Topos sind klar und die nach Rubriken geordneten Infos übersichtlich und schnell lesbar. Was hingegen etwas fehlt ist das künstlerische Element und oft auch so richtig anmächelige, professionelle Fotos, Gebietsbeschreibungen und bis auf wenige Ausnahmen das "Drumherum". Insgesamt handelt es sich mehr um eine Ansammlung an Topos, als um einen Sammelband, welcher alpenweit tolle MSL-Gebiete vorstellt und die besten Touren vor Ort mit Topo und appetitanregenden Bildern ausleuchtet.

=== In Band I & II wurde noch mit dem obligatorischen Schwierigkeitsgrad als Kriterium für den Anspruch der Tour gearbeitet. Etwas unüblich konnte dieser auch höher ausfallen, wie die maximale technische Schwierigkeit der Tour. Neu wird nun das empfohlene Kletterniveau angeführt. An sich ein sinnvolles Konzept, mit welchem die Gesamtanforderungen einer Tour charakterisiert werden sollen. Allerdings bleiben die Autoren eine genaue Definition schuldig, wie man sein Kletterniveau bestimmt. Da hilft dann auch nur der Abgleich zu bereits gekletterten Touren.

Negativ:

--- Zum Mitnehmen auf Tour sind die dicken Bücher komplett ungeeignet, allerdings sind sie auch nicht dafür gedacht. Klar, man kann sich mit Kopien von einzelnen Seiten behelfen - wobei das grösser als A4 ausgefallene Doppelseiten-Format die Sache in der Praxis nicht ganz so einfach macht. Sicherlich schade, dass die elektronischen Topos nicht mit zum Lieferumfang des Buches dazugehören.

--- Die Übersichtlichkeit mit den 3 Bänden leidet ziemlich stark. In jedem der Bücher ist aus jedem Gebiet ein bisschen etwas drin und eine spezifische Übersicht fehlt. Hier haben mir die Autoren allerdings versprochen, auf ihrer Webseite eine alpenweite Übersichtskarte mit allen beschriebenen Touren zum Download bereitzustellen - gut so, wir warten darauf!

--- Leider wird an manchen Stellen die subjektive Wahrnehmung der Autoren zur absoluten Wahrheit erhoben. An manchen Stellen (und insbesondere der Webseite der Autoren) wird oft kein Blatt vor den Mund genommen, hemmungslos kritisiert und nicht selten ein bisschen in alle Richtungen ausgeteilt. Hier wäre meiner Meinung nach ein bisschen weniger Kontroverse manchmal mehr gewesen - es gibt halt verschiedene Geschmäcker, Stile und Einstellungen im Klettersport, und das ist zu respektieren.