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Montag, 27. April 2026

Skitour Chilchalphorn (3039m) & Lorenzhorn (3048m)

Das Saisonende für Skitouren naht, doch die guten Verhältnisse wollen zur Erholung vom Sportklettern nochmals ausgenutzt werden. Mit den noch nicht geöffneten Passstrassen stehen nur relativ wenige Touren mit entsprechend viel Andrang zur Verfügung. So will ich kreativ werden und eine Tour angehen, welche sich nur in Kombination mit dem E-Bike lohnt. Mit dem sehr populären Chilchalphorn ist diese identifiziert. Bei winterlichen Powder-Verhältnissen wird diese Tour von Alpinisten aus Nord und Süd überrannt. Aber jetzt, wo unterhalb von 2000m schon gar kein Schnee mehr liegt, ist man da alleine unterwegs. Die eingesparten Höhenmeter zu Beginn der Tour habe ich den Abstecher zum Lorenzhorn investiert. Einsam und abgelegen erreicht man dieses Ziel über den Fanellgletscher in sehr schöner Landschaft und exzellentem Skitouring.

Hier ist noch (fast) alles grün, und wir sind doch schon auf 2000m! Aber der Schnee kommt, und es geht wirklich vom (sich im Bildzentrum befindenden) Bikedepot weg. Links dann der Gipfel des Chilchalphorns (3039m), rechts der Wenglispitz (2841m).

Um 7.45 Uhr sattle ich das Schneetaxi unmittelbar bei der Autobahnausfahrt von Hinterrhein. Preu heisst diese Lokalität, und somit gleich wie der Informatiklehrer meiner Tochter. Nein, ich glaube dieser Computer-Nerd hätte keine Freude an einer solchen Tour. Zügig geht's über den betonierten Chilchalpweg mit dem Boost-Modus in die Höhe. Bei P.2084 überdeckt der erste Schneefleck die Strasse, mit dem Bike kann er über die Wiese umfahren werden. Nach 20 Minuten (4.4km, +500hm) bin ich bei der Brücke über den Rappierbach auf ca. 2110m. Hier ist Bikedepot und Wechselzone, ein schmaler Schneestreifen neben dem Bach erlaubt es, direkt mit den Fellen loszugehen.

Hier nebem dem Rappierbach geht's mit den Fellen los, im Visier das Chilchalphorn.

Das Gelände im unteren Teil der Tour ist schon recht stark ausgeapert. Ich habe aber Glück, finde die richtige Linie und komme komplett mit den Ski durch. Nach Belieben konnte ich mir einen Plan zurechtlegen. Erst zum Lorenzhorn? Oder erst zum Chilchalphorn? Mein Entscheid fiel auf letzteres. Mit dieser Reihenfolge vermutete ich, noch besser von den Schneeverhältnissen profitieren zu können. Und es erlaubte mir, auf dem Rückweg von der Chilchalplücke direkt gen Tal gehen zu können - was ja durchaus auch ein Faktor sein kann, bei vorherrschender Müdigkeit und Wärme. Eventfrei habe ich schliesslich den Gipfel um ca. 10.30 Uhr erreicht. Direkt am Top ging ein giftiger Nordwind, südseitig unterhalb fand ich einen bequemen, windstillen Sitzplatz - perfekt!

Top of Chilchalphorn mit Blick in die Talschaft Rheinwald.

Dann wurden die Ski angeschnallt und in die Tiefe gestochen. Ganz oben an den NE-seitig ausgerichteten Hängen fand ich sogar noch etwas lockeren Schnee auf solider Unterlage, der genussvolle Schwünge erlaubte. Die Chilchalplücke liess sich direkt ohne Aufstieg anfahren, ich wechselte auf die Westseite. Naturgemäss war der Schnee da eher auf der harten Seite. Geräuschvoll schwang ich in die Tiefe, erst im flachen Gelände auf 2550m kamen die Ski zum Stehen und es wurde angefellt. Mein Interesse war von einem Loch im Gletscher geweckt worden, welches ich unbedingt besichtigen wollte.

Der Gletschertunnel, ein sehr eindrückliches Erlebnis!

Tatsächlich war es dann ein ca. 80-100m langer Gang in der Grösse eines Strassentunnels. Ganz ungefährlich war dessen Begehung aufgrund von Einsturzgefahr sicherlich nicht. Trotzdem, diese einmalige Gelegenheit wollte ich mir dann doch nicht nehmen lassen. Sehr eindrücklich war es, schön auch, gleichzeitig aber auch traurig - das Loch ist ja nur deswegen entstanden, weil der Gletscher am Sterben ist. Schon im nächsten Sommer wird es vermutlich Geschichte sein und das verbleibende Eis des Fanellgletschers hat auch höchstens noch ein paar Jahrzehnte vor sich. Umso besser, dass ich es noch in seiner ganzen Länge bis zur Rotgrätlilücke beschreiten konnte. Es zieht sich, ist aber eine wunderbare Passage in einer abgeschiedenen Landschaft. Man fühlt sich da weit abseits der Zivilisation, fast ein wenig wie in Grönland - zumindest in Bezug auf Handy-Empfang sind die Verhältnisse gleich.

Blick zum Fanellgletscher, der Tunnel ist zu erahnen. Links der Bildmitte das Lorenzhorn (3048m).

Schliesslich erreichte ich die Lücke und beschritt die Nordhänge gegen den Gipfelkamm hinauf. Hier lag wieder ein wenig pulvriger Schnee auf kompakter Unterlage, der es einem nicht so leicht machte. Bald war ich aber da und deponierte meine Ski am Fuss des kecken Gipfelturms. Dieser erfordert zuerst plattige Kletterei, zuletzt geht's über den schmalen, exponierten Grat in leichter Kletterei zum Top. Ja, es ist richtig luftig über der überhängenden Südwand. Um ca. 12.10 Uhr hatte ich den kleinen Platz am höchsten Punkt mit seinem kümmerlichen Steinmann erreicht. Und verliess ihn nach einem Rundumblick gleich wieder - das Skidepot versprach die gemütlichere Rast.

Der kecke Gipfelaufbau vom Lorenzhorn (3048m) von unten gesehen...
Im Vordergrund der Gipfelgrat, der sich ganz schön luftig präsentiert. Am Horizont Rheinwaldhorn und Güferhorn.

Die Abfahrt zur Rotgrätlilücke war dann prima, jene in Traumsulz über den Fanellgletscher sogar exzellent. So hätte das noch ewig weitergehen dürfen, aber im flachen Gelände auf 2550m kamen die Bretter zum Stoppen und wurden wieder mit den Fellen beklebt. Es wartete die Pflichtaufgabe mit dem 260hm umfassenden Wiederaufstieg zur Chilchalplücke. Bald war diese erreicht, die Abfahrt von da bot dann auch nochmals tollen Sulzgenuss in abwechslungsreichem Gelände. Nur die letzten 100hm zum Bikedepot waren dann auf dem letzten Streifen an schon etwas faulem Schnee nicht mehr der Brüller, aber doch bis zum Zweirad fahrbar. Um 13.30 Uhr setzte ich mich auf den Sattel, zuerst müssen noch einige Höhenmeter gewonnen werden, bald heisst es dann aber die Handkraft einzusetzen, um auf der steilen Betonstrasse die potenzielle Energie in Reibungswärme zu verwandeln. Etwa so heiss wie die Bremse war diese Tour, eine geniale Sache!

Traumhafte Bedingungen mit zischendem Sulz auf dem Fanellgletscher.
Der Schnee ist auch auf dem Rückweg noch da :-) Abschwingen also direkt neben dem Bike.

Dienstag, 12. Januar 2021

Auf Umwegen zum Tällihorn (2818m)

Ja, das war wieder einmal ein Tag, den man fast für eine Skitour nutzen "musste". Postkartenwetter und perfekter Schnee, einfach traumhaft. Nach vielen Touren in den Voralpen sollte es wetter-, schnee- und stimmungsbedingt für einmal wieder in eine etwas andere Gegend gehen - und nach fast 2 Jahren endlich wieder einmal mit Kathrin auf eine längere und anspruchsvollere Tour. Unser Tourenziel fanden wir im Rheinwald, also los!

In der Querung von Steinigboda auf den Höhegga-Rücken mit Guggernüll,  Val Curciusa und Einshorn.

Beim Ausgangspunkt in Nufenen (1569m, Parkplätze signalisiert am westlichen Dorfende) zeigte das Thermometer frische -17 Grad. Doch unser Timing passte perfekt - just als wir aus dem Automobil stiegen, überstieg die Sonne das Guggernüll mit seinen im Moment zugeschneiten Eisklettertouren (siehe 1,2) und erwärmte und mit ihren Strahlen. Ursprünglich hatten wir uns den höchsten und zentralsten der Nufener Gipfel zum Ziel gesetzt, das Bärenhorn (2929m). Dafür wäre es am sinnvollsten, zurück durchs Dorf zu laufen und an dessen östlichem Ende eine Spur Richtung Höhegga aufzugreifen. Doch da war noch Schatten, wer wollte schon zuerst fast 1km horizontal die Ski auf der gekiesten Strasse durchs Dorf tragen und dabei kalte Griffel kriegen?!? Zudem schien es viele Spuren zu geben, eine würde uns bestimmt in die richtige Richtung führen.

Nochmals sehr prominent das Einshorn, unten der Ausgangspunkt Nufenen.

Nun ja, wir gingen los, bald war es an der Sonne angenehm warm, so dass wir im leichten Fleece und sogar ohne Handschuhe steigen konnten. Wir schafften es auch, die doch recht tief eingeschnittenen Schluchten von Dorfbach und Prascher Bach recht effizient zu queren und gelangten über den Alpweg vom Steinigboda zu P.2051 tatsächlich auch auf den Höhegga, aber östlich aus dem Dorf raus wäre unter dem Strich vermutlich die bessere Variante gewesen. Über den Rücken ging's hinauf auf 2500m, wo an einem geeigneten Punkt die Querung der NE-Hänge von P.2810 zu den Sandböda am Fuss der Bärenhorn-Gipfelflanke angesetzt werden muss. Bei der Tourenplanung am Computer lässt sich zwar durchaus eine Möglichkeit finden, die gelben (>30 Grad) und orangen (>35 Grad) Flecken auf der Karte grossmehrheitlich zu umschiffen, sowieso ist der Hang im Schnitt nicht extrem steil und sollte nach meiner Interpretation des Bulletins (LWS 2) eigentlich machbar sein.

Bei den letzten Hütten am Hoheggä-Rücken auf 2240m, in der linken Bildhälfte das Tällihorn.

Doch vor Ort lag a) keine Spur und b) stand man nun, sobald einmal vom Rücken weg, tief im Triebschnee, eine wirklich sichere Passage durch diesen Riesenhang erkannten wir nicht und vor allem auch sind die Aussichten nach unten mit einem tief eingeschnittenen Bachlauf auch sehr, sehr besorgniserregend, ein Schneebrett würde da sehr abrupt und ungünstig gestaut. Der langen Zeilen kurzer Sinn, das schien uns zu gewagt. Um sicher zum Bärenhorn zu gelangen, hätte man den P.2810 auf dem Hin- und Rückweg überschreiten müssen, was +250hm, zwei Extra-Fellwechsel und somit erheblich zusätzlichen Zeitbedarf erfordert hätte (Hinweis: die Gipfelflanke am Bärenhorn ist auch nochmals ~35 Grad steil, doch die sah abgeblasen aus und wäre bestimmt möglich gewesen). Die grössten Bedenken hatte ich definitiv in Bezug auf die Felle... die wollten nämlich schon an diesem Punkt nur mehr beschränkt am Ski haften...

Spurarbeit in der Südflanke vom Tällihorn, welch eine grandiose Landschaft!

Aber wir mussten nicht hadern, ohne Diskussion verlegten wir uns auf das Tällihorn als Tourenziel. Eigentlich schien das aus abfahrtstechnischer Hinsicht sowieso die zu bevorzugende Variante. Somit wechselten wir auf 2620m also wieder vom Rücken hinunter und stiegen die letzten 200 Höhenmeter über die immer steiler werdende Südflanke empor - zuletzt werden auch hier nicht umgehbare 35-40 Grad erreicht. Dies jedoch bei deutlich freundlicherer Topografie und vor allem nicht mit Triebschnee geladen, somit im grünen Bereich. So gelangten wir auf den aussichtsreichen Gipfel - nach einer ziemlichen Safari über die Nufener Hänge zwar (das hätte man auch einfacher haben können ;-)). Aber das war vollkommen egal, was zählte war das unglaubliche Freiheitsgefühl hier oben. Dank Windstille konnten wir eine längere Gipfelrast geniessen, auch wenn die Temperatur wohl kaum wesentlich über -15 Grad lag.

Cumbre! Im Hintergrund die Splügener Kalkberge, eigentlich keine Skigipfel, aber...

Die Abfahrt war dann ein richtiger Knüller! First Line durch die rassige Gipfelflanke bei perfekten, luftigen 15-20cm Pulver auf kompakter Unterlage, echt super. Auch die unteren Hänge bis zum Steinigboden (2046m) waren weiterhin sehr genussreich. Ab dort bis ins Dorf gab es dann schon etwas mehr (ältere) Spuren und man spürte dann und wann auch die harschige Schicht unter der Neuschneeauflage. Aber mit einer guten Linienwahl fuhr man auch da sehr schön durch jungfräulichen Schnee. Fünfzig Höhenmeter ob den Häusern tauchten wir schliesslich wieder in den Schatten und die Kälte ein - es fühlte sich definitiv so an, als ob jemand den Schalter umgedreht hätte. In Vollmontur setzten wir uns ins Fahrzeug. Das war nötig, denn weiterhin war es hier unten -12 Grad und über Features wie Stand-, Sitz- oder Lenkradheizung verfügt der gute Panther leider nicht - naja, wäre dem Alpinismus auch nicht richtig würdig, oder?

Perfekte Bedingungen und First Lines bei der Abfahrt, so darf es gerne immer sein!

Facts

Tällihorn (2818m) ab Nufenen (1569m), d.h. 1250hm Aufstieg über sehr sonnige Südhänge, somit eine Tour für kalt-winterliche Neuschneetage oder firnige Verhältnisse. Ski-Schwierigkeit ZS- mit Schlüsselstelle am Gipfelhang (30-35 Grad über 150hm, zuoberst 20hm 35-40 Grad). 

Sonntag, 17. Januar 2016

Guggernüll - Cascata del Novizio (WI3+)

Drei Wochen waren seit meinem letzten Besuch am Guggernüll vergangen. Die Lage präsentierte sich weiterhin ähnlich: noch beinahe nirgendwo auf der Alpennordseite liess es sich so richtig gut Eisklettern, im Rheinwald aber waren die Bedingungen gut geblieben. Das Eis war weiterhin fett und solide gewachsen, ebenso hatte es in der Zwischenzeit nur wenige Zentimeter Schnee gegeben. Dieses Mal wollte Kerstin mit von der Partie sein. Ohne genauen Plan wollten wir einmal schauen...

... und entschieden uns schliesslich für die Linie, welche im Sertori-Führer als Cascata del Novizio beschrieben ist. Diese ist vom Parkplatz aus deutlich auffälliger wie die Via Abalakov, welche ich drei Wochen zuvor geklettert war. Die Kletterlänge wird im Führer bloss mit 170m angegeben. Diese Angabe kann ich jedoch nicht unterstützen, wir fanden jedenfalls auf über 400m Strecke lohnendes Eis. Aber naja, auf Papier kann man eben alles drucken. Auf den ersten Blick würde man auch meinen, dass diese Route einen deutlich kürzeren Zustieg aufweist. Aber das täuscht: klar, man spart sich etwa 10 Minuten Horizontalmarsch nach links, der Einstieg in die Cascata del Novizio befindet sich aber sogar 40 Höhenmeter weiter oben wie für die Via Abalakov. Wir sind entlang einiger Spuren durch den Buschwald rechts auf- und abgestiegen, womöglich wäre es im Bachbett selber gar nicht so viel schlechter.

Blick auf die Nordwand vom Guggernüll. Die Cascata del Novizio ist der markante Eisfall in der rechten Bildhälfte. Gut zu sehen die relativ schmale Säule der ersten Seillänge und die breit gewachsene zweite Länge. Leider sind dies alle Fotos, die ich zur Tour präsentieren kann - ich hatte keinen Fotoapparat mit dabei...
Nachdem wir aufgeschirrt waren, beginnt die Sache gleich mit der anspruchsvollsten Seillänge. Bei L1 handelt es sich um einen recht steilen Vorhang in einem Fels-Amphitheater. Da und dort tropfte es etwas, einige Eisblüten waren sogar auch vorhanden. Insgesamt fand ich das etwa ähnlich oder vielleicht ein bisschen einfacher wie die mit WI4 bewertete Cruxlänge des Tutto Relativo in Cogne. Somit also etwas zwischen WI3+ und WI4, vermute ich. Nach 60m erreicht man einen bequemen Stand in einem flachen Becken. In L2 ist der Fall sehr breit und übersichtlich. Es will erst eine kurze Steilstufe von maximal 10m Höhe mit dafür gut 80 Grad geklettert sein. Danach geht's eine ganze Weile im 60-70 Grad geneigten Gelände dahin, bevor man zum Schluss nochmals 15m steileres Eis (75-80 Grad) klettert. Alles in allem wohl etwa WI3 und auch 60m lang. In L3 nimmt die Steilheit dann ab, die Bachrinne ist etwas tiefer eingeschnitten. Genüssliches Steigen in bis zu 60 Grad steilem Eis, Schwierigkeit im Bereich WI1-2, auch wieder 60m lang. Danach folgt in L4 erst beinahe Gehgelände, wo man auch gut gemeinsam steigen kann. Zuletzt folgt dann eine ca. 15m hohe Stufe mit Kletterei in etwa 70-75 Grad steilem Kompakteis, Schwierigkeit ca. WI3-. Weitere ca. 40m an Gehgelände führen an den Fuss der nächsten Steilstufe (L5). Diese ist ca. 15m hoch und säulenartig steil, ca. 85 Grad. Ideale Eisverhältnisse auch hier, somit nicht schwerer wie WI3+. Erneut muss man nach der Steilstufe etwa 30-40m im Gehgelände verschieben, um zur letzten, rund 40m hohen Stufe zu kommen. Hier in L6 ist der Fall nochmals richtig breit und mehrere Linien sind möglich. Steilheit so im Bereich von 70 Grad, Schwierigkeit auch so WI3.

Auf ca. 2060m erreicht man das "Ende" der Route. Der Bach führt noch gute 100hm weiter vereist nach oben, das Gelände ist jedoch flach und Seilsicherung ist nicht nötig. Danach wird die Rinne dann erst trocken, bevor weit oben nochmals eine steile, ca. 50m hohe Säule grüsst. Diese wurde nach den Angaben im Sertori-Führer auch schon begangen und wird mit WI6 bewertet. Auf dieses Abenteuer wollen wir uns nicht einlassen und treten den Weg ins Tal an. Dieser vollzieht sich durch Abseilen an Abalakovs. Da ein paar Tage zuvor eine Seilschaft unterwegs war, haben wir Glück und können von deren Arbeit profitieren. Im oberen Teil ist es am bequemsten, die wenig steilen Abschnitte kurz gehend zurückzulegen und nur über die Steilstufen abzuseilen. So kommt man in total 6 Manövern wieder zum Einstieg. Wollte man alles komplett Abseilen, so sind 1-2 zusätzliche Abseiler notwendig.

Selbstgezeichnetes Topo der Route, sowie auch der Via Abalakov.
Für uns geht soweit alles gut, bis beim zweiletzten Abseiler das freie Seilende ganz offensichtlich an der Verankerung blockiert. Verflixt und zugenäht, was ist denn da passiert? Wir probieren es erst mit roher Gewalt, müssen aber bald die Sinnlosigkeit von diesem Unterfangen konstatieren. Wenn wir das Seil nicht aufgeben wollen, so bleibt nur der Aufstieg. Dumm nur, dass es bei diesem ausgereizten 60m-Abseiler nicht mal in 1x raufklettern reicht. So beschliesse ich, es vorerst einmal seilfrei rechtsherum im Erlengebüsch zu versuchen. Mit ein paar grösseren Umwegen und Schlichen über Bänder kann ich an Höhe gewinnen und in einer Flachpassage oberhalb ins Bachbett gelangen. Nun nur noch zur Abalakov-Schlinge runter und was sehe ich da: das freie Seilende hat es wohl durch das schnelle Durchlaufen herumgewirbelt und perfekt verknotet. Das wäre nie freigekommen, ja da hätte man (wenn man es gewusst hätte) auch getrost mit dem Tibloc am Seil aufsteigen können (darf man natürlich nie machen!). Schade, kann ich kein Foto liefern!

Nach bisher viele 1000x Seil abziehen in meiner Kletterkarriere ist es nun das zweite Mal, dass so etwas passiert ist. Das erste Mal war an den Wendenstöcken nach der Begehung von Passion bei der linken Abseilpiste am Pfaffenhuet. Da dort keine Route hochführt, wären wir definitiv in der Falle gesessen und auf Rettung angewiesen gewesen. Zum Glück kam da noch eine Seilschaft hinterher. Dieses Mal liess sich das Malheur zum Glück selber beheben, auch wenn die Plaisir-Eistour so doch noch eine ziemlich alpine Note erhalten hatte. Nun denn, im zweiten Versuch klappte das Abziehen wie gewünscht und bald waren wir retour am Einstieg. Während unseren Manövern hatte heftiger Schneefall eingesetzt, Zeit um retour zum Ausgangspunkt zu kommen. Wir legten unsere ziemlich durchnässte Ausrüstung ab und fuhren durch ein wahres Sauwetter mit dichtem Schneetreiben (zuerst) und heftigem Regen (danach) zufrieden retour Richtung Unterland.

Facts

Guggernüll - Cascata del Novizio WI3+ - D- III P4 3+ - 400m - Erstbegeher unbekannt - ***
Material: 2x60m-Seile, 10-12 Schrauben, Material für Abalakovs

Schöne und lange Plaisir-Eiskletterei mit einigen steileren Stellen und flacheren Abschnitten dazwischen. Im Vergleich zur Via Abalakov vielleicht einen Tick anhaltender, dafür landschaftlich nicht ganz so eindrücklich und deutlich kürzer. Auch hier gilt, dass man nur bei 100% lawinensicheren Verhältnissen einsteigen soll. Am lohnendsten ist die Route sowieso im Frühwinter, wenn noch praktisch kein Schnee liegt. Wichtig zu wissen: es gibt keinen bequemen Fussabstieg und eingerichtete Abseilstellen sind nicht vorhanden. Man muss für den Abstieg. also selber Abalakovs anbringen.

Montag, 11. Januar 2016

Guggernüll - Via Abalakov (WI3+)

Mitte Dezember 2015, es herrscht kein richtiger Winter, es mangelt an Schnee und Eis. Doch in einem kleinen Dorf im Rheinwald, oder noch genauer in der um diese Jahreszeit komplett schattigen Nordwand des Guggernüll, haben sich dennoch ein paar Linien aufgebaut. Weil diese zudem nur bei absolut sicheren Lawinenverhältnissen oder noch besser, wenn kein Schnee liegt zu begehen sind, wäre jetzt der genau richtige Zeitpunkt dafür. Schwieriger gestaltet sich da schon die Partnersuche. Niemand will so recht meinen Versprechungen glauben, dass ich eine lohnende Eistour identifiziert habe. Oder liegt der Fokus sogar etwa schon auf Weihnachten und dem zugehörigen Kaufrausch?!? Vielleicht aber will auch der Bauer einfach nicht fressen, was er nicht kennt. Denn im Schweizer Standardwerk, dem Eiskletterführer Hot Ice, sind die Touren am Guggernüll nicht beschrieben. So bleibt schliesslich nichts anderes übrig, als unseren Klettertrip ins Tessin noch um einen Tag rauszuschieben, so dass Kathrin und ich uns erst dem glatten Parkett widmen können. Ein absolut goldrichtiger Entscheid, wie es sich weisen sollte.

Blick auf die Guggernüll Nordwand. Die Via Abalakov ist die linke Eislinie leicht links der Bildmitte.
Wir starten früh, denn in einem solchen Couloir wollen wir keine andere Seilschaft vor uns haben. Zu gross wäre die Gefahr von Eis- oder Steinschlag. So brechen wir um 7.00 Uhr mit dem ersten Tageslicht vom Parkplatz etwa 1km östlich von Nufenen (GR) auf. Es geht erst etwa 10-15 Minuten flach einem Fahrweg entlang nach Osten, bevor man zur Rinne des Chratzlibachs kommt, in welcher sich die Tour abspielt. Aufgestiegen wird erst links vom Bach über die offene Wiese, an deren Ende quert man ins Bachbett hinein. Nach total rund 30 Minuten Anstieg sind wir auf 1680m. Hier hält der komplett vereiste Bach eine erste, steilere Stufe bereit. Das Montieren der Steigeisen ist nun unverzichtbar, wir nehmen auch gleich die Eisgeräte und das Seil zur Hand. Das erste Teilstück bis zum Vereinigungspunkt der vier Bachrinnen auf 1770m bietet noch keine grossen Schwierigkeiten. Erst ein paar Stufen, danach nochmals etwas Gehgelände. Könner steigen hier seilfrei, bei einer Führungstour ist Sichern jedoch unerlässlich.

Zustieg durchs Bachbett
Der Platz auf 1680m, wo wir Steigeisen, Seil und Pickel aus dem Rucksack genommen haben.
Kathrin folgt in diesem ersten Routenteil, die Schwierigkeiten liegen im Bereich WI1-2.
Immer noch im ersten Routenteil, genussvolle Kletterei über einige Stufen hinweg.
Beim Vereinigungspunkt auf 1770m gilt es dann zu entscheiden, welche Rinne man angehen will. Wir entscheiden uns für jene ganz links. Die zweite und die dritte Rinne von links wären augenscheinlich auch in guten Verhältnissen gewesen. Es wartet nun eine erste Steilstufe, dann wieder ein paar gemütliche Meter und genau so geht es weiter. Stufen wechseln sich ab mit etwas flacherem Eis. Die Kletterei ist aber immer anregend, das Ambiente grandios. Man klettert in einer eingeschnittenen Goulotte, fast ein bisschen wie in Chamonix, nur in etwas weniger alpiner Umgebung. Weiter oben mixen sich dann zwei kurze, senkrechte Abschnitte ins Programm. Doch die Eisqualität ist durchgehend hervorragend: die Geräte beissen schön und die Schrauben ziehen hervorragend. Nach dem markanten Steilaufschwung geht es nochmals 2 lange Seillängen flacher dahin, bevor die letzte, anhaltende Seillänge folgt. Hier gilt es, über 35 Meter anhaltend in 80 Grad steilem Eis zu klettern. Das Schlussbouquet bietet Hochgenuss!

Die erste Seillänge nachdem sich die Bäche verzweigen, ca. 25m, 75 Grad, WI3.
Kathrin im Nachstieg in ebendieser ersten Stufe, die Eisqualität ist absolut hervorragend!
Nächste Stufen, ca. 70 Grad, WI2. Sichtbar der Verzweigungspunkt von Via Abalakov (links) und Indem Bender (rechts).
Kathrin folgt und erreicht gerade die Stelle, wo sich Via Abalakov und Indem Bender verzweigen.
Weiterer Verlauf nach dem Verzweigungspunkt Abalakov/Bender. Stufen und Aufschwünge, ca. WI2.
Wunderbarer Eisschlauch, toll zu kletterndes Eis. Nun bereits etwas weiter oben.
Wieder einmal eine etwas steilere Eisstufe.
Kein Gelände, um bei Lawinengefahr, Tauwetter oder hinter einer anderen Seilschaft einzusteigen. 
Weitere Stufe im unteren Dreierbereich, die Steilheit auf dem Foto schwer einzuschätzen.
Nächste Stufe, reicht kurz sogar an die Senkrechte heran.
Flachere Passage zu einer 10-15m hohen Stufe, wo die Steilheit mindestens 85 Grad beträgt, ca. WI3+.
Ausblick auf das letzte Teilstück, ca. 120m in etwa 50 Grad steilem Gelände zur Abschluss- und Cruxlänge.
Kathrin folgt in der 15m-Stufe.
Sehr schöne Abschluss- und Cruxlänge, ca. 40m, 75-80 Grad, WI3+.
Nachstieg im durchschnittlich rund 50 Grad steilen WI1-Gelände, bevor die Cruxlänge erreicht wird.
Die letzten Meter zum Top - wow, das war eine echt geniale Genusskletterei!
Und dann ist Finito. Auf 2200m endet das Eis, bzw. entspringen die Bäche einer Quelle inmitten der Nordwand. Diese türmt sich noch weitere 500 steilere Meter über einem auf, ist aber trocken. Klar, hier könnte man womöglich schon noch weiter, das wäre dann aber eine sehr ernsthafte Unternehmung in brüchigem Fels, und kein genüssliches Eisklettern mehr. Für den Abstieg bleibt nichts anderes übrig, als abzuseilen. Fix installierte Stände gibt es keine, so muss man auf Abalakovs vertrauen oder selber welche schrauben. Entsprechendes Schlingenmaterial haben wir dabei, dumm nur, dass das Sackmesser nicht mitgekommen ist. Nach unnötig langer Diskussion erinnere ich mich an die dünne Reepschnur, mit welcher ich den Fotoapparat befestigt habe. Damit geht's im Nu, schon erstaunlich, wie wenig widerstandsfähig ein Kletterseil ist, wenn es ungünstig belastet wird. So geht's dann flotter dem Tal entgegen. Weit ist es aber dennoch, bis zum Vereinigungspunkt der Bäche sind es 10 gestreckte 60m-Abseiler und damit über 600 Klettermeter im Aufstieg. Ab da kann man erst etwas zu Fuss in der Bachrinne absteigen, die untersten Steilstufen lassen sich im Abstiegssinn links leicht mühsam durchs Erlengebüsch umgehen. Die Alternative wäre es, hier nochmals 2-3 Abseiler zu ziehen, was jedoch bestimmt deutlich länger dauert. Bleibt zuletzt noch der kurze Abstieg retour zum Automobil. Bis wir da sind, ist 16.30 Uhr schon vorbei und die Dämmerung bricht herein. Somit haben wir 9.5 Stunden car-to-car gebraucht. Aber super lohnend war's, eine geniale Unternehmung. Genüssliches Eisklettern bei besten Bedingungen - wer hätte es Mitte Dezember 2015 gedacht. Gut, dass ich den Glauben daran nicht aufgegeben hatte.

Facts

Guggernüll - Via Abalakov WI3+ - D IV P4 3+ - 800m - Erstbegeher unbekannt - ****
Material: 2x60m-Seile, 10-12 Schrauben, Material für Abalakovs

Tolle Eiskletterei, meiner Meinung nach etwas vom besten und längsten, was man im Bereich WI3+ in der Schweiz klettern kann. Das Ambiente in der eingeschnittenen Goulotte ist grandios. Die Kletterei ist nie anhaltend, steilere Abschnitte wechseln sich mit flacheren Kletterpassagen ab, dennoch bleibt es immer interessant bis zum Schlussbouquet mit der steilen Abschlusswand. Achtung, die Route kann nur bei absolut 100% sicheren Lawinenverhältnissen begangen werden, das steile Einzugsgebiet oberhalb ist riesig und alles was oberhalb abgeht, endet später in der Rinne, in welcher man klettert. Am lohnendsten dürfte die Route sowieso im Frühwinter sein, wenn erst wenig oder noch gar kein Schnee liegt. Ansonsten ist es jedoch ziemlich unkompliziert, die Route ist bereits von der Autobahn aus sichtbar, der Zustieg ist kurz und offensichtlich, beim Klettern kann man sich unmöglich verlaufen und permanent bester Handyempfang ist auch vorhanden. Einzig beim langen Abseilen an Abalakovs muss man dann nochmals etwas alpine Eigeninitiative an den Tag legen. Insgesamt kann man sicher sagen, alpines Plaisir. 

Topo

Die Route ist als Via Abalakov mit Bewertung WI4+ im Führer Ghiaccio Svizzero von Mario Sertori beschrieben. Die im Führer publizierten Infos sind jedoch vage und taugen (abgesehen von einigen Links/Rechts-Verwirrungen) maximal dazu, um sicher sagen zu können, dass es die von uns gekletterte Route die Via Abalakov ist. Die Bewertung mit WI4+ ist nach meiner Meinung deutlich zu hoch gegriffen, weshalb ich auch WI3+ korrigiert habe. Anbei eine rudimentäre Skizze, welche ich nach der Begehung der Via Abalakov und der Cascata del Novizio (Beitrag erscheint demnächst) angefertigt habe.

Topo

Donnerstag, 21. Mai 2015

Skitour Pizzo Stella (3163m)

Die Voraussetzungen waren beinahe identisch wie eine Woche zuvor: in den Tagen zuvor hatte es etwas Neuschnee hingelegt, klarer Himmel und einwandfrei schönes Wetter war nur südlich vom Alpenhauptkamm vorhanden und meine Motivation für eine weitere Frühlingsskitour war gegeben. Kraft und Haut gaben nämlich keinen weiteren Sportklettertag mehr her und zum MSL-Klettern waren die Möglichkeiten für meinen Geschmack einfach noch zu stark eingeschränkt.

Dank diesem Bild braucht es bestimmt keine weiteren Erklärungen, warum ich gerne auf Frühlingsskitouren gehe.
Als Ziel auserkoren wurde schliesslich der Pizzo Stella (3163m), welcher grob zwischen dem Avers und dem Splügenpass liegt. Ganz im Talschluss des Valle di Lei ist er zu finden - einer Landschaft, welche eine wechselvolle Geschichte in Bezug auf die Staatsangehörigkeit zwischen der Schweiz und Italien zu bieten hat. Schliesslich wurde das ganze Tal in den 1960er-Jahren mit einem Stausee geflutet. Der Skitour hat das jedoch nicht geschadet, sie startet über Seeniveau und dank der Schotterstrasse über dem westlichen Seeufer ist auch der Ausgangspunkt gut erreichbar. Zu beachten sind jedoch Logistik und Strategie. Die Staumauer selber ist stets mit einem Fahrverbot belegt. Drüben, am Beginn der Uferstrasse befindet sich dann ein weiteres Fahrverbot, allerdings steht dort auch ein Taxautomat, wo man einen Obulus entrichten kann und damit freie Passage erhält. Zur Zeit war er jedoch ausser Betrieb, und auch eine Schranke oder ähnliches ist nicht vorhanden. Auf eigenes Risiko kann man den Ausgangspunkt also per PW erreichen, wobei die eher holprige Fahrt dem Seeufer entlang doch auch gegen 30 Minuten in Anspruch nimmt. Die gute und naturnahere Alternative dazu ist das Bike, natürlich vor allem dann, wenn Teile der Schotterpiste noch mit Lawinenresten verschüttet sind. Aktuell ist das nicht der Fall. Der Zeitaufwand mit dem Bike beträgt je nach Fitness und Einsatz ca. 45-60 Minuten.

Die tolle Landschaft und sonnige Lage ergeben einen sehr genussvollen Skiaufstieg.
Nach Aufstehen um 4.30 Uhr starteten wir schliesslich um 7.15 Uhr in der Wechselzone im Talschluss auf 1950m mit der Skitour. Da die untersten Hänge bereits grün waren, kamen die Skis für die ersten 100hm noch auf die Schultern. Danach lag aber durchgehend Schnee. Dank dem sonnigen Samstag und der klaren Nacht hatte sich ein tragender Deckel mit griffiger Oberfläche ausgebildet. In ziemlich direkter Linie ging es sehr effizient gegen den grossen Gipfelhang hin. Hatte ich mir im Vorfeld noch einige Gedanken gemacht, ob dieser lawinentechnisch zu verantworten wäre, so zeigte sich dieser gegen 40 Grad steile Nordhang auf gut 3000m auch schon perfekt durchgebacken und mit solide tragender Kruste versehen. No Worries also, und die Aussichten auf eine sehr gute Abfahrt waren auch gegeben. Um 9.05 Uhr erreichten wir, nach nur 1:50 Stunden Aufstieg inklusive einer Frühstückspause, bereits das Gipfelkreuz. Die Verhältnisse dort oben waren einfach fantastisch - es war wirklich absolut windstill und sehr angenehm warm, zudem war die Sicht in die Büdner Berge, Engadin, Bergell und Richtung Südalpen perfekt. Da hätte man echt lange verweilen können!

Ankunft auf dem Gipfel. Hier ein weiterer Tourengänger, welcher uns beiden gefolgt ist. Das Val di Lei unter dem Nebelmeer.
Trotzdem wollten wir uns die Chance auf eine Abfahrt bei perfekten Schneebedingungen nicht entgehen lassen und beschränkten daher die Gipfelpause auf ein vernünftiges Mass. Und tatsächlich, diese Strategie machte sich sehr bezahlt. Der Gipfelhang fuhr sich einfach perfekt: tragende Unterlage mit einer griffigen, leicht aufgeweichten, aber schön glatten Oberfläche. So könnte es immer sein. In der Folge hielten wir uns etwas links gegen den Gletschersee hinunter und konnten bei nach wie vor perfekten Bedingungen durch ideales Skigelände cruisen. Danach suchten wir für eine Weile erst die abscheinigen Hänge mit noch tragender Kruste, bevor wir dann ganz unten in die sonnigeren Expositionen wechselten, wo wir auf gut drehbaren, etwas tieferen aber nicht faulen Sulz trafen. Zuletzt führte uns dann noch eine enge, schneegefüllte Rinne bis beinahe ganz hinunter zur Wechselzone. Nun galt es nur noch, den Weg dem Seeufer entlang in umgekehrter Richtung zu befahren, das komplette Gear zu verstauen und dem Heimweg anzutreten. Zu einem leicht verspäteten Mittagessen waren wir dann bereits wieder daheim und konnten den grossen Rest vom Sonntag gemütlich mit unseren Familien verbringen. Klar, man hätte diesen Sonntag-Vormittag auch mit Ausschlafen und einem gemütlichen Frühstück durchgebracht, aber da hätten wir jetzt echt etwas lässiges verpasst!

Auf dem Heimweg, kurz vor der Wechselzone. Die letzten 100hm dahin waren die Skis bereits zu tragen.
Facts

Pizzo Stella (3163m) aus dem Valle di Lei, zwischen Avers und Splügenpass gelegen
Ski-Schwierigkeit ZS-, Gipfelhang auf 100hm 35-40 Grad. 1200hm Aufstieg aus dem Talschluss.
Der Gipfel lässt sich ohne Fussaufstieg erreichen, daher nur normale Skitourenausrüstung nötig.
Fazit: Toller Gipfel, lohnende Skitour, eher lange Anreise, die zum Erlebnis aber mit dazu gehört.

Karte mit unserer östlichen Aufstiegs- und westlichen Abfahrtsroute. Quelle: map.geo.admin.ch 
Fotogalerie

Die meisten in diesem Beitrag publizierten Fotos stammen von meinem Tourenpartner Chris O. - danke!

Unterwegs zum Schnee, die ersten 100hm hiess es Skis tragen. Über uns die letzten Nebelschwaden.

Toller Skiaufstieg auf tragender Schneedecke. Hier sind wir gerade etwa Level mit der Wolkendecke auf 2500m.
Casual Summit Walk. Sicht Richtung Süden in die Piano di Chiavenna.
Die Gipfelstimmung und tolle Aussicht einzufangen ist meist schwierig, das Panorama nur ein Versuch dazu.
Letzte Schwünge in einer Altschneerinne gegen das Grün und die Wechselzone hinunter.
Rückblick von der Staumauer. Der See wurde 2013 komplett geleert und wird nun wieder aufgefüllt.
Diese Fotos gehören zu dieser Skitour auch dazu. Nachmittagsprogramm mit Velotour...
...füürlä und Schlangebrot backen...
...sowie Tiere beobachten und (im noch kalten Fluss) baden.