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Dienstag, 6. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 3

Wie im vorangehenden Beitrag erwähnt, war nun der Zeitpunkt gekommen, um die Felsen von Chulilla zu besuchen. Aus dramaturgischen Gründen geht's hier allerdings nicht mit dem Folgetag weiter, sondern wir springen gleich zu Tag 4. Da war das uneingeschränkt sonnige Wetter bereits wieder Geschichte, es hatte auf bewölkt aber mild gewechselt. Darüber wurde aber nicht lamentiert, sondern wir nahmen es als Anlass, die populärste Wand im Gebiet zu besuchen, welche um diese Jahreszeit sowieso keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommt. In den nach Norden ausgerichteten Paredes del Pantano warten mehrere Sektoren mit rund 230 Ausdauerklettereien in oft versintertem Gelände, eine fabelhafte Mauer!

Ein Paradies, das Felsband der Paredes del Pantano, mit vielen Hundert Metern bestem Gestein.

Tag 4: Chulilla, Oasis & Algarrobo

Noch ohne die perfekte Orientierung fuhren wir an diesem Tag (es war gerade Weihnachten) durch Chulilla hindurch, stationierten östlich der Pantano-Schlucht und wählten den sehenswerten, aber längeren Zustieg, welcher insgesamt drei Brücken beinhaltet. Während der erste Teil gut ausgebaut ist und zügig bewältigt werden kann, beinhaltet der Schluss unter der eigentlichen Pantano-Wand einen dschungligen Ho-Chi-Minh-Pfad mit einigem Auf und Ab. Nach rund 40 Minuten waren wir da und versuchten uns eine Übersicht zu verschaffen. Wie gehabt ist das auch hier nicht ganz einfach. Angeschrieben ist nichts und die aus der Distanz aufgenommenen Fototopos helfen für die sichere Identifikation der überhängenden, dicht beeinander liegenden Routen vom Wandfuss aus nur bedingt. Schlussendlich waren wir aber sicher, wo wir sind und legten los.

Hängebrücke im Zustieg durch die Schluchten.

Richi (6b+, os): immer zuerst alle verfügbaren Online-Quellen zu checken vor dem Einstieg ist mir normalerweise viel zu mühsam. Hier hätte es sich unter Umständen gelohnt. Der Boulderstart ist "huere müesam", super slippery und richtig taff für 6b+. Der Rest ist dann zwar schöner bietet aber zwei weitere, für den Grad recht schwierige Stellen. Für denselben Aufwand kriegt man nebenan auch eine 7a, meinen wir.

Top of the Rock (7a, os): wir wechselten ca. 30m hinüber nach links in den Sektor Algarrobo, wobei die Abgrenzungen mir da an dieser durchgehenden Wand ziemlich willkürlich erschienen. Wie schon gehabt gibt's auch hier einen etwas öttelig-kleingriffigen Startboulder, weiter oben fordert eine zwingende Passage an kleinen Sintern mit zähem Untergriffzug, bevor ein Wulst Power und Entschlossenheit verlangt, um den Plaisir-Abschluss geniessen zu können.

Las Caquitas de Nazarten (7b, os): den Einstiegsboulder gibt's auch hier, wobei man sich bei einer 7b nicht mehr darüber beschweren darf und er auch vergleichsweise zahm daherkommt. Die Route baut sich anschliessend im überhängenden Ausdauergelände richtig schön auf und kulminiert mit kräftigen Moves am Abschlussdächli - puh, eher nur knapp bin ich da ungerupft ins Tropflochgelände oberhalb entkommen, aber geschafft ist geschafft!

El Oasis (7a, os): es war ja Weihnachten und so schenkte ich einen meiner Go's, damit Larina ihr Projekt Rin Ran (7c+) noch punkten konnte. Somit war die Absicht, hier bei zunehmender Dämmerung noch einen raschen Punkt zu holen. Das gelang wie gewünscht: zuerst der übliche Einstiegsboulder, wobei ein Clipstick fast unverzichtbar scheint. Der erste BH steckt hoch und man startet hier von einem schmalen Band 4m über Grund, sprich da dürfte man ohne Pre-Klipp nicht failen. Im Anschluss dann homogene, flowige Wandkletterei. Mir kam's insgesamt eher einfacher wie unsere Auftaktroute Richi (6b+) gleich nebenan vor, aber vielleicht hatte ich mich einfach an den Style gewohnt.

Nun hiess es, endgültig die Segel zu streichen. Im Schein der Stirnlampen wackelten wir den Dschungelpfad zurück. Dass ein kurzer Regenschauer alle Steine nass und glitschig gemacht hatte, erhöhte die Geschwindigkeit auch nicht gerade. Spielt aber alles keine Rolle, mit Freude im Herzen über die gelungenen Routen fuhren wir retour in unser Domizil und genossen den Weihnachtsabend im kleinen Kreis. Dass wir nochmals an die Paredes del Pantano zurückkämen, wussten wir da noch nicht mit Sicherheit, aber...

Larina in der Rin Ran (7c+), 35m Ausdauer-Wandkletterei vom Feinsten.

Tag 6: Chulilla, Balconcito, Oasis & Chorreras

Eigentlich sollte es an diesem Tag mehrheitlich trocken bleiben, doch mit der Zuverlässigkeit der Prognosen hatten wir inzwischen unsere Erfahrungen gemacht und "mehrheitlich" heisst ja auch, dass man zwischendurch mit Regen zu rechnen hat. "Play it safe" war unser Motto, besuchen wir nochmals die überhängenden Paredes del Pantano, wo uns allfällige Schauer nichts anhaben können. Dieses Mal hatte ich das nötige Zugangs-Engineering betrieben und dabei auf den westlichen Parkplatz bei Pantano de Loriguilla gesetzt. Der verspricht nämlich nicht nur einen kürzeren Zustieg, sondern ist von Valencia her auch schneller zu erreichen (etwas kontraintuitiv, da in Luftlinie weiter weg gelegen).

Blick auf den Sektor Chorreras - oh so good!

Larina wollte eine schwierige Route projektieren (8a und aufwärts), was für mich persönlich in meinem von vielen Onsight-Battles schon etwas angebrutzelten Zustand nicht das favorisierte Programm war:  lieber möglichst viele Onsights realisieren. Doch es ergab sich eine sehr interessante Gelegenheit. Ich wurde von einem Einzelgänger auf der Suche nach Kletterpartner angesprochen. Es dauerte einige Sekunden, bis mein Hirn prozessieren konnte, wer da vor mir stand. Ein Vater/Coach einer finnischen Konkurrentin von Larina, den wir schon im Sommer an der WM in Helsinki getroffen hatten, im Oktober dann in den Ewigen Jagdgründen im Zillertal und nun also in Chulilla. Er hatte sein Material bereits in einem 40m langen 8a+ Ausdauerhammer montiert und so war es nur naheliegend, dass Larina mit ihm klettern würde (die ersten beiden Aufwärmrouten bestritten wir noch gemeinsam). Die Tochter sozusagen verkauft, somit nur zu zweit statt wie üblich zu dritt gab es an diesem Tag unüblich viele Punkte...

Gargola L1 (6b, os) & L2 (7a+, os): der untere Teil bietet interessante Kletterei einer Verschneidung entlang und eignet sich tatsächlich gut zum Aufwärmen (die schwierigste Stelle kommt allerdings gleich ziemlich am Anfang). Nach der Kette auf 20m gehen die nächsten 4 BH noch gut über die Bühne, dann allerdings folgt eine heftige Crux: hohen, mässig guten Untergriff nehmen und ohne gescheite Füsse daran anlaufen und sich später an ein paar Leisten nicht mehr abschütteln lassen. Es war wohl mehr mein Wille, hier auf keinen Fall scheitern zu wollen, der mich diese Stelle bewältigen hat lassen. Zero Margin und statt Aufwärmen eher Anzeichen von Überhitzung...

Daños Collaterales (7b+, os): bis Frau und Tochter die Gargola ebenfalls geklettert hatten, war ich wieder auf optimaler Betriebstemperatur. Das ist insofern auch nötig, dass hier gleich ein heimtückischer, etwas schlipfrig-polierter Start wartet. Die folgende Tufa-Sequenz ging gut, aber der sloprige Ausstieg mit ein paar feuchten Stellen war hingegen ein Eiertanz. Die letzten 15m bieten dann Ausdauerkletterei an kleinen Tufa-Features und Leisten - lange gut kontrollier- und schüttelbar, gegen das Ende hin heisst es dann aber auf's Gas drücken. Doch der "Flucht nach vorne"-Schalter funktionierte, als er gebraucht wurde.

Cap i Cua L1 (7a+, os): spezielle Sache an teilweise absolut struktur- und reibungslosem Flowstone, welcher dann punktuell doch mit ein paar stachligen Broccoli bestückt ist - das muss wohl das Vorbild für die modernen Dual-Tex-Hallengriffe gewesen sein. Cool, so etwas auch in der Natur zu finden, mir hat's gefallen. Ich fand die Route noch recht leichtverdaulich, beim nicht so eng gebolteten Finish hilft's aber ziemlich sicher, a) über dem Grad zu stehen und b) etwas Körpergrösse mitzubringen.

La Paz del Borrego (7b, os): im Sektor Chorreras mit den grossen Sintern musste unbedingt noch eine Route geklettert sein. Diese hier wurde mir empfohlen und ich kann das nur mit Nachdruck bestätigen. Gute 40m pfeift die Linie zwischen riesigen Sinterorgeln in die Höhe, einfach geil! Die Kletterei ist über weite Strecken recht gutgriffig und v.a. nicht anhaltend schwierig. Mehrere Boulder erfordern aber Einfallsreichtum und diverse kreative Techniken (Jamming, Kneebar, Reinstemmen, Spreizen, ...). Oben eher weite Abstände, spürbarer Seilzug und die Sicherungspartnerin befindet sich gefühlt auf einem anderen Planeten, daher durchaus alpines MSL-Feeling. Speziell war auch noch, dass diese Route bereits mit Exen ausgerüstet war. Nehm ich noch 2 Exen mit oder doch lieber 4? Schliesslich 4 Stück an den Gurt gehängt und weiter oben festgestellt, dass jede einzelne davon noch gebraucht würde (die letzten 3 BH und der Stand waren nicht ausgerüstet, dies war vom schmalen Band am Einstieg so nicht ersichtlich).

Miguel Gomez (7a+, os): zum Tagesabschluss wurden wir hier noch eingeladen, bzw. gebeten, die bereits ausgerüstete Route doch bitte abzubauen. Nichts lieber als das, war mein Motto :-) Geboten kriegt man doch ganz andere Kletterei wie sonst im Sektor: positive Leisten statt Sinter, aber echt cool.

Mit diesem Onsight-Flow hätte es gerne noch länger weitergehen dürfen. Doch leider war das Tageslicht schon wieder zu Ende und wir mussten zum Rückzug blasen. Beim Power-Duo von Larina und ihrem finnischen Kletterpartner hatte sich leider kein Rotpunkt-Erfolg eingestellt, in ihrer Route war es offenbar mit dem zeitweiligen Regen und der feuchten Luft ziemlich schmierig, was für mich kein Problem dargestellt hatte.

Dieses Mal kamen wir von der anderen Seite in den Canyon und kletterten somit an den Wänden rechts.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Die hier im Beitrag beschriebenen und von uns bekletterten Sektoren sind auch auf The Crag gut und vollständig beschrieben. 

Saison & Charakter

Die in diesem Beitrag beschriebenen Wände sind nach NNW orientiert und im Winter ganztags im Schatten, im Sommer bis am späteren Nachmittag. Am meisten geloggt werden die Routen trotzdem im Hochwinter. Sobald das Thermometer einen Wert von 5-10 Grad überschreitet, wird hier heftig geriegelt. Die Konzentration von Routen im Bereich von 7a-8b ist enorm hoch, darunter wird man nur vereinzelt glücklich. Es handelt sich vorwiegend um überhängende, ausdauernde Wandkletterei mit Tufa Features, die jedoch doch nicht allzu steil bzw. athletisch-powerig ist. Sofern es nicht zu stark regnet, bleiben die meisten Routen gut kletterbar.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag. Wenn ich in Chulilla residiert hätte, so wäre ich sicherlich vom Ort aus gelaufen und nicht zu einem der beiden Parkplätze gefahren, da die Fahrerei zeitlich kaum mehr einen Vorteil bringt.

Samstag, 3. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 2

Der Auftakt am Vortag in Buñol hatte uns gelehrt, dass nicht nur Sonnenschein und Temperatur über angenehme Bedingungen entscheiden, sondern auch die Windprognose zu beachten ist. Mit immer noch frischen Temperaturen und einem böigen Nordwind in der Prognose fiel der Entscheid gegen Chulilla und wir wollten die 45 Minuten südlich gelegenen Felsen im Umland der Küstenstadt Gandia besuchen. Hier gibt es mit Peña Roja de Marquxera und Bovedòn zwei Gebiete mit je rund 200 Routen, welche ihrem Mikroklima sei Dank selbst an den kältesten Tagen angenehme Bedingungen versprechen.

Schon kurz vor dem Einstieg im Sektor Bovedòn. Hier zentral im Bild ist der linke Teil, welcher mit Routen von 6a-7b aufwartet. Die Grotten mit den steilen Routen befinden sich gleich rechts anschliessend, sind aber etwas hinter den Bäumen versteckt.

Tag 2: Bovedòn (Teil 1 / Teil 3)

Weil es in Marquxera oberhalb von 7b nur noch ein limitiertes Angebot von Routen gibt, setzten wir auf die gewaltige Grotte im Hauptsektor von Bovedòn. Hier gibt's die entsprechenden Sportgeräte für kräftige und ausdauertrainierte Athletinnen, bis zum Schwierigkeitsgrad 9a reicht die Skala. Der Parkplatz ist an dieser Stelle zu finden. Achtung, er weist nur Raum für gut 10 Autos auf, was bei unserem Besuch zum Glück kein Problem darstellte. Für den Zustieg läuft man zuerst einige Hundert Meter der Strasse entlang zurück bis zum lokal höchsten Punkt, steigt von dort der betonierten Strasse entlang auf und folgt schliesslich dem gut ausgetretenen Climbers Trail in total ca. 20 Minuten zum Gebiet. Vor Ort empfingen uns sehr angenehme Conditions und es war erst eine einzige Seilschaft am Werk. Wir verschafften uns erst eine Übersicht: nicht ganz so einfach mit diesen Fototopos, denn das Routennetz ist sehr dicht, die Perspektive am Fuss der grossen Überhänge limitiert und angeschrieben sind die Einstiege leider nicht. Nach einigem Knobeln hatten wir aber die gewünschten Linien identifiziert und konnten starten.

Gegenperspektive von den Felsen in das Umland hinaus, wo es viele Orangenplantagen gibt.

Ensalada de Lechunga (6a+, os): eine sehr schöne Aufwärmroute mit senkrechter oder leicht geneigter Wandkletterei in wasserzerfressenem Fels à la Südfrankreich. Natürlich keine Challenge für uns, aber gar nicht so einfach für den Grad, meinten wir.

Tambors Llunyans (7a, os): gleich nebenan konnten wir eine Schippe drauflegen. Sehr ähnlicher Charakter wie die vorangehende Tour rechts, wobei man sich in der ersten Hälfte an einem Wulst mal kurz leistig gut festhalten muss. Hier holten wir uns den besten Triple Send der Ferien... sonst kneifte Mama, verlegte sich auf Toprope oder verfehlte den stilreinen Durchstieg.

Ferrer y sus Cobardes (7b, rp): nun aber los, quer durch die grosse Grotte. Mit einem querenden Anstieg entlang einer natürlichen Linie geht die erste Hälfte (ca. 7a) bis zu einem No-Hander noch gut über die Bühne. Dann heisst es aber, sich durch das stark überhängende Schlussstück zu prügeln. Da sind die Griffe und Tritte gar nicht mal so gut, zudem ist das Klippen der nur noch 2 Haken zusätzlich fordernd. Die Route wurde mit fetten Glue-Ins saniert, wobei in diesem oberen Teil ursprünglich wohl 4 (besser platzierte) Haken steckten. Es kam wie es kommen musste, mit einem fetten Segler endete meine Begehung - schade! Der zweite Go sass dann, die Sache möglichst schnell von etwas weniger anstrengender Position zum nächsten Sammelpunkt machen zu können, war absolut hilfreich. Alles in allem: eine extrem geile Sache!
Aber Achtung: auf dieser Route waren fixe Exen mit Alu-Karabiner vorhanden. Wir es bei diesem kurvigen Routenverlauf und der staubigen Umgebung zu erwarten war, waren diese scharf eingeschliffen. Noch nicht unbedingt gerade so, dass ein sofortiger Seilriss drohte, sicherlich aber ist dem Strick bei wiederholten Stürzen nur eine begrenzte Lebensdauer gegeben. Besser eigenes Material verwenden, auch wenn das Ausräumen mühsam ist.

Stark überhängendes Gelände in Ferrer y sus Cobardes (7b).

Broccoli (7a+, os): um sich noch weitere Punkte zu holen, schien das Gelände links der massiven Grotte eher vorteilhafter. Doch auch hier, nach einem eher plattigen 6b-Auftakt bieten die letzten 10m taffes Pullen im Überhang mit weiten Zügen. Es hat zwar schon diverse gute Griffe, aber diese in eine effektive Sequenz einzureihen und die weiten Moves zu meistern ist nicht geschenkt - mir gelang es!

Patricio (7a, os): nun brach schon die Dunkelheit hinein, somit gab ich hier noch einen Go. Nach einem etwas komischen Auftakt an einem fetten Tufa folgt wiederum plattige Wandkletterei (6b), ab dem Zwischenstand dann die letzten 5m im Überhang zur 7a-Kette. Im Vergleich zu den beiden Routen vorher eher soft, aber auch nicht so lohnend.

Larina im powerigen Sinterknaller Lobos (8a) mit deftigem Abschlussfeuerwerk.

Nun war der Tag schon wieder zu Ende - mit einer sauberen Ausbeute für mich, leider waren die Efforts von Larina in ihrem Projekt Lobos (8a) nicht ganz von Erfolg gekrönt: 2x bis zum harten Schlussdyno durchgefightet, diesen aber leider nicht erfolgreich komplettieren können. Wir machten uns auf den Weg zurück nordwärts zu unserem Apartment und kochten ein stärkendes Znacht. Für den nächsten Tag sah das Wetter positiv aus, um die Crags von Chulilla besuchen zu können, darauf freuten wir uns sehr.

Belayers Perspective auf die Lobos (8a) - es ist definitiv steiler, wie einem das Foto glauben macht.

Topo

In gedruckter Literatur findet man Topos im Levante Climbs North (2019) oder auch im Costa Blanca Climbs (2020) und möglicherweise weiteren Büchern. Die Online-Infos auf The Crag sind ebenso sehr gut und die Schnitzeljagd nach dem richtigen Einstieg und der korrekten BH-Linie wird einem bei keiner dieser Quellen so wirklich erspart. Auch auf valenciaclimbs.com gibt's einige nützliche Infos zum Gebiet (aber keine Topos). 

Parkplatz und Zustieg

Sind oben erwähnt und verlinkt. Man halte sich bitte an diese angegebenen Parkplätze und Zustiege, um keinen Argwohn bei den Anwohnern zu erregen. Etwas Diskretion und der Verzicht auf lautes Herumlärmen schaden sicher auch nicht, auch wenn die letzten Häuser ein ganzes Stück vom Fels entfernt stehen.

Hier geht's weiter zu Tag 3...

Donnerstag, 1. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 1

In Spanien war ich in früheren Jahren schon in Katalonien an den Crags von Siurana und Margalef sowie in der Region um Lleida unterwegs, ebenso in Andalusien in El Chorro und Konsorten. An die auch sehr bekannten Felsen von Chulilla in der Gegend von Valencia oder die zahlreichen Gebiete an der Costa Blanca hatten wir es bisher noch nie geschafft. Nun kam die Gelegenheit ziemlich unverhofft und spontan, versprach die Gegend doch am meisten Sonnenschein und Trockenheit in noch erreichbarer Nähe.

Im normalerweise trockenen Flussbett des Barranco de Carcalìn. Hinten die markante Eisenbahnbrücke Puente de Carcalìn, welche auch als Sehenswürdigkeit bekannt ist und besucht wird.

Grundsätzlich war die Aussicht auf 8 Tage Sportklettern über Weihnachten 2025 ja sehr positiv. Wie so oft wären wir am liebsten entweder nach Südfrankreich oder Italien gepilgert. Doch ein Mittelmeertief versprach dort während der ersten Tage viel Regen und die danach angekündigte Wetterbesserung erschien aus der Planungsperspektive auch noch sehr unsicher. So wurde in Windeseile ein Trip nach Spanien organisiert und keine 24h später dann auch angetreten. Just in time funktioniert schon "cheibe gäbig" heutzutage, zumindest tat es das in diesem Fall. Somit positionierten wir uns am Rande von Valencia verkehrsgünstig gelegen, um je nach Situation das passende Gebiet auszuwählen - solche gab es in einem Halbkreis mit Radius von 1.5h Fahrzeit nämlich sehr viele. Empfehlenswert schien das schon nur deswegen, weil die Prognosen plötzlich auch in dieser Gegend Jojo spielten. Ein Höhentief oder eben eine DANA («Depresión Aislada en Niveles Altos») wollte da auch noch ein wenig in die Suppe spucken. Schlussendlich löste sich aber doch alles super auf und wir kletterten 8 Tage am Stück bei zwar teilweise etwas durchzogenem Wetter, aber doch immer guten Conditions.

Blick auf den Bereich Carcalìn in Buñol. Links am Grund der Sektor Corral de Cabras, rechts daran anschliessend das Techo del Corral. An den oberen Wänden von El Templo del Metal gibt es noch weitere Routen, welche anscheinend noch seltener beklettert werden. Der Vorteil zum Jahresende liegt darin, dass oben die Sonne ca. 30-45 Minuten länger bleibt.

Tag 1: Buñol

Die Felsen in der Sierra de Malacara sind in Mitteleuropa sicherlich kaum bekannt. Es ist jedoch das vom Flughafen in Valencia in knapp 30 Minuten am schnellsten erreichbare grössere Gebiet mit Routen ab 7a und aufwärts. Somit eine durchaus logische Wahl nach der Anreise am Vormittag. Eine Empfehlung ist es sicherlich auch für wärmere Tage, da es auch schattige Sektoren gibt, welche auf dem Papier richtig gut aussehen. Wir hingegen wählten den sonnenexponierten Bereich von Carcalìn, wo der nach SW exponierte Corral de Cabras und das rechts anschliessende Techo del Corral den Hauptsektor für die winterliche Kletterei bieten. Der Zustieg ist unkompliziert und in 10 Minuten rasch erledigt, viel Sonne gibt's auch - wobei diese durch die Lage im (nicht allzu tiefen) Canyon Ende Dezember schon relativ früh zwischen 15 und 16 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Nicht so ganz auf der Rechnung hatten wir die heftige Brise, welche doch ziemlich durch Mark und Bein ging. Subito wurde die Thermounterwäsche montiert und dann gleich angegriffen. Denn einerseits sprühten wir nur so von Motivation, andererseits war es für eine gemütliche Pause am Fels doch eher zu kalt und die Zeit zu knapp.

Els Bunyolers (6b, os): diese Korallenwand ist der Blickfang im Gebiet und lockt nur so zum Klettern. So schien es logisch, hier zu starten. Die Route ist in der Tat echt cool, wenn man den dritten Haken einmal geklippt hat. Der Start an einem abgelutschten Riss ist hingegen taff und tricky - da musste man sich gleich mehr wie zum Auftakt gewünscht festhalten, um nicht schon zu Beginn der Ferien abzuschmieren.

Tolle Felsstruktur in Els Bunyolers (6b).

Arsenio Torero (7b, rp): weil die Sonne hier zuerst verschwinden würde, die 12m-Route in der begrenzten Zeit einen raschen Tick versprach und die kompakte Steilplatte auch eine interessante Challenge darstellte, verlegten wir uns hier drauf. Sowohl bei Larina und auch bei mir war je ein zweiter Go nötig. Der technische Boulder auf zweidrittel Höhe liess sich einfach nur mit einer ausgeklügelten Funky-Beta an der Haftgrenze bewältigen, welche nicht auf Anhieb zu ermitteln war.

Wer den Onsight verzockt, muss nachher im Schatten punkten: Arsenio Torero (7b).

Lakass (7a+, os): hier am mehr breiten als massiv ausladenden oder hohen Dach gibt's Routen bis 8c+. Zu viel für (nicht nur) heute, ein wenig Steilturnen links am Techo durfte es dann aber dennoch sein. Henkelzieherei mit (sehr) weiten Zügen lautet das Programm. Die Crux wurde entweder mit einem heftigen Blockierer (Larina) oder einem subtilen Kneebar (Marcel) gelöst, die bei der Besichtigung vom Boden aus angedachte Option mit einem Figure 4 blieb hingegen unerprobt.

Dachkletterei mit weiten Zügen in Lakass (7a+).

La Semilla del Riesgo (7b, os): die deutlich meistgetickte Route im Carcalìn ist diese hier. Die orange-kompakte, überhängende Wand erinnert an die Klettereien in Siurana und diese kriegt man dann auch geboten. Zuerst heisst es Durchbeissen beim kräftig-leistigen Start, dann folgt eine knifflige Wand mit einer seichten Rissspur, bevor henkliges Ausdauergelände zum Top führt - geilo! Ich war da ziemlich am Limit, bei Larina sah es dann eher nach randonné aus...

Man beachte die Wurzel des Baumes im Riss! Durch die Wand links im Bild verläuft die Semilla del Riesgo (7b).

Nun war das Tageslicht schon am schwinden, somit strichen wir die Segel und freuten uns darauf, die Heizung im Auto gleich mal aufs Maximum einzustellen. Das war nun ein richtig gutes Ergebnis für die erste Session mit doch 5 Go's und einigen Punkten gewesen. Rückblickend nach Abschluss des Trips gilt es allerdings auch zu sagen, dass es in diesem Gebiet/Sektor durchaus nette Routen mit Spassfaktor gibt, es jedoch in Sachen Auswahl und Qualität natürlich nicht mit einem Topspot wie Chulilla mithalten kann. Der Vorteil liegt dafür in der tiefen Frequentierung (durch nichtspanische Kletterer) und der Nähe zum Ballungsraum Valencia, bei entsprechenden Bedingungen wären u.U. auch die schattig gelegenen Sektoren vielversprechend. Anschliessend ein paar nützliche Tipps zum Gebiet Buñol.

Topo

Als gedruckter Kletterführer wäre der Levante Climbs North (2019) das Werk der Wahl. Für einen kurzen Besuch kommt man auch mit den frei verfügbaren Online-Topos auf valenciaclimbs.com oder The Crag gut aus. Eine prima Übersichtskarte mit Zustieg und Sektoren gibt es zudem hier.

Sperrung

Die Sektoren im Gebiet El Dique sind vom 1.1. bis am 30.6. jeden Jahres gesperrt. Dies betrifft jedoch die hier im Beitrag beschriebenen Felsen nicht, auch das Verbotsschild am Parkplatz darf in dieser Hinsicht ignoriert werden, wenn man nur im Bereich Carcalìn klettert.

Parkplatz

Befindet sich hier, es hat dort für ca. 5 Autos Platz. Falls es voll sein sollte, so dürfte man in einigen Minuten zusätzlicher Fussdistanz weitere Abstellmöglichkeiten finden.