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Sonntag, 27. Januar 2013

Frühsport im Tösstal

Da wartet man wochenlang darauf, bis man endlich unmittelbar vor der Haustür im Eis klettern kann. Und dann, kaum war es soweit, ist es mutmasslich auch schon wieder vorbei. Darum war es heute imperativ, zeitig aufzustehen und das Eis im Tösstal noch zu geniessen, bevor Regen und Wärme die schönen Säulen wieder zusammenstürzen lassen.

Eine Woche mit anhaltenden Minustemperaturen reicht, damit im Tössbergland die Eiskletterei starten kann. Dies war heute definitiv gegeben. Natürlich war noch nicht alles perfekt, und Vorstiege an den steilen Geräten waren heikel. Da man aber überall auch im Toprope klettern kann und weil dank dem dichten Wasserlauf unzählige Eisschilder und Säulen existieren, musste heute niemand ohne ausreichend zu klettern wieder nach Hause fahren.

Säulen, Zapfen und coole Mixed-Linien im Konglomerat. Ein kleines Gärtli, 15m hoch, aber super fun!
In meinem Fall waren das total acht +/- senkrechte Säulen à rund 15m, plus die oben abgebildete Mixedroute rechts der Bildmitte dem Riss entlang, welche eine echte Perle darstellt. Der Zustieg im Eis ist gut machbar, das Dach äusserst athletisch, mit coolem Untergriff-Hook und einer ganz feinen Glasur danach, wo fein-präzises Pickeln und rohe Oberarmkraft nötig sind. Zum Schluss folgen dann heikle Hooks an den rundgewaschenen Konglomerat-Kieseln, bis man am Ausstieg endlich die Pickel in den gefrorenen Dreck rammen kann.

Nach 3x einüben gelang mir schliesslich der Durchstieg (Toprope, wohlverstanden). Das war echt ein cooler Challenge für mich! Schwierigkeit M irgendwas, ich schätze jetzt mal mindestens M7, but who knows. Auf jeden Fall kann ich es jetzt noch sehr deutlich spüren... selten so etwas brutal pumpiges gemacht wie das hier! Anyway, nun warte ich geduldig auf die nächste Chance im Tösstaler Eis. Bei Ankunft zeigte das Thermometer noch -7 Grad, bei Abfahrt mittags bereits +4 Grad, und aktuell regnets - das war's dann wohl, schade!

Donnerstag, 24. Januar 2013

Kandersteg - Pingu (WI5+)

Das war ja eine gewaltige Bildungslücke: noch nie war ich im Mekka Kandersteg am Eisklettern, noch nie hatte ich den berühmten Oeschiwald in der kalten Jahreszeit aus der Nähe gesehen. In Begleitung von Silvio, einem kompetenten Eismeister, ergab sich spontan die Möglichkeit, diesem Zustand Abhilfe zu verschaffen. Über die anzutreffenden Verhältnisse waren wir a priori sehr im Unklaren. Die Wärmeperiode an Weihnachten 2012 hatte im Oeschiwald sämtliches Eis von den Wänden geputzt. Seither haben sich die Linien zwar wieder (teilweise) aufgebaut, doch geklettert wurde bis anhin noch wenig. Also beschlossen wir, vor Ort einen Augenschein zu nehmen und dort jene Linie in Angriff zu nehmen, welche am attraktivsten aussähe.

Sicht auf den berühmten Oeschiwald-Sektor. Unsere Linie Pingu gleich rechts der Tanne bei der Warntafel.
Nachdem wir das Fahrzeug auf dem Parkplatz der Oeschinenbahn zurückgelassen hatten (4 CHF/Tag) und auf geräumtem Winter-Wanderweg unter den Sektor gelangt waren, zeigte sich, dass einige der bekannten Linien kletterbar wären. Teilweise jedoch mit noch eher wenig Eis von bisweilen recht röhrig-blumenkohliger Art, und/oder mit reichlich fliessendem Wasser. Unsere Wahl fiel auf den Pingu (WI5+), bei welchem Fussspuren am Einstieg auch deutlich eine Begehung in den jüngster Zeit anzeigten. Um 9.30 Uhr konnte es losgehen.

Pingu (III, WI5+, 200m)

SL 1, 40m, WI5: Ziemlich flacher Start mit dünnem Eis, dann über einige erste Blumenkohle hinweg zur ersten 15m-Säule. Diese war in sehr unangenehmem Kronleuchter-Grümschelizeugs zu überwinden. Stand bezogen wir nach nicht mehr ganz so steilen Metern links in der Nische an einem uralten BH. Besser wäre hingegen die rechte Nische, wo ein Irniger-Inoxstand vorhanden ist.

Silvio führt SL 1 und wird gerade die Crux anpacken. Eingezeichnet der Weiterweg zum rechten (richtigen) Stand und SL 2.
SL 2, 50m, WI4: Sieht imposant und schwer aus, die steile Stufe zu Beginn lässt sich aber von rechts nach links elegant bewältigen. Hier lief nun etwas Wasser, dafür war das Eis perfekt zu schlagen. Nach den ersten 15-20m flacht das Gelände ab, die Eisdicke ebenfalls. Zuletzt über eine 45-Grad Schnee-Eis-Rinne zu BH-Stand leicht rechts.

Sicht an die Zimmerdecke
SL 3, 40m, WI4+: Super Seillänge! Ich habe sie zentral angepackt, wo nach ein paar easy Metern gleich eine knapp senkrechte 10m-Säule mit prima Sorbet wartete. Danach diagonal nach rechts hoch über einige Podeste hinweg. Dann wieder steil eine verschneidungsähnliche Rinne beackert, rechts auf dem Balkon etabliert und hoch in die Nische am rechten Rand zu Schraubenstand, genial!

Blick vom Band auf den imposanten oberen Wandteil mit dem steilen Start in SL 3.
SL 4, 35m, WI5+: Nach links aus der Nische raus und hoch. Ein Balkon will in überhängend-athletischer Kletterei überwunden werden, das röhrige Eis konnte nur gehookt, aber nicht geschlagen werden. Just als ich meinen Fuss hochsetzen will, rutscht mir der Pickel durch und ich befinde mich einige Meter tiefer im Seil. Im zweiten Versuch klappt es dann. Darauf folgen weitere, senkrechte Meter mit wieder etwas gäbigerem Eis. Zuletzt dann auf eine Verflachung, Schraubenstand zu Beginn des nächsten Aufschwungs.

Der obere Wandteil von Pingu mit der von uns gekletterten Linie.
SL 5, 35m, WI3+/Mixed: Die ersten 20m sind in 75 Grad steilem, gutem Eis zu bewältigen und waren problemlos. Der Ausstieg durch die steile Bachrinne mit ihren Felsstufen war dann aber nur stellenweise vereist und bot spannende, nicht ganz einfach abzusichernde Mixed-Kletterei - hat mir aber super Spass gemacht! Stand dann zuletzt rechts an Baum mit Abseilschlingen.

Steiler Mixerei in schottischem Stil um das Top zu erreichen. Bin fast etwas stolz, dass ich das geschafft habe!
Um 14.15 Uhr waren wir am Top angelangt und machten uns umgehend ans Abseilen. Mit 60m-Seilen erreicht man in 4 Manövern (Baum / Baum / BH / Abalakov) bequem und zügig wieder den Einstieg. Fazit: das war wirklich eine sehr tolle Eiskletterei. Cool, dass ich auch einige anspruchsvolle Längen im Vorstieg bewältigen konnte. Bei den aktuellen Verhältnissen bilden die gut senkrechten Passagen mit eher mässigem Eis in den SL 1 und 4 die Schlüsselstellen. Die Schwierigkeiten dort (v.a. in SL 4) würde ich jetzt als höher einstufen wie im Thron (WI5+) bei unserer Begehung im Dezember 2012.

Das Rattenpissoir ist auch eine sehr eindrückliche Linie. Nach 50m hat es links in den Felsen einen BH-Stand.
Weil die Uhr erst 14.45 Uhr zeigte, noch Kraft/Motivation vorhanden war und wir auch noch nicht komplett durchgefroren waren, beschlossen wir noch das Rattenpissoir anzupacken. Die erste SL bietet anhaltende 80-Grad Kletterei (ca. WI4) in weitestgehend prima Eis, allerdings war eine ganz ordentliche Dauerdusche einzukalkulieren. Erst die Querung nach links zum BH-Stand nach rund 50 Klettermetern bot dann einige zerbrechliche Eisblüten. Der Weiterweg sah dann, wenn auch nicht unmöglich, dann doch sehr anspruchsvoll aus: zerbrechliche Blumenkohle am Laufmeter, absolut kompromisslose Senkrechte, garniert mit einer heftigen Dauerdusche. Vermutlich gab es diese Saison noch keine Begehung?!? Etwas für ein anderes Mal, wir bliesen zum Rückzug. Vom mir kolportrierten Zustand, wo regelrechte Tritte und perfekte, vorgelochte Hooks eine Begehung erleichtern ist das Rattenpissoir im Moment ganz klar meilenweit entfernt.

Facts

Pingu (III, WI5+, 200m) - Jasper/Schwab 1987
Material: 10-12 Eisschrauben

Steile, anhaltende, objektiv sichere und sehr lohnende Eisklettertour, die häufig begangen wird. Jede Seillänge bietet spannende Knacknüsse und weist Stellen auf, die an die Senkrechte heranreichen oder sogar darüber hinausgehen. Wie bei jedem Eisfall können die Schwierigkeiten auch hier geringer ausfallen, wenn die Steilstufen schönes Kompakteis und perfekte Hooks aufweisen. Dass es auch anders geht, zeigt unsere Begehung zu Saisonbeginn, wo dort über einige Meter fragiles Grümschelieis wartete.

Zum Abseilen sind 2x60m-Seil sehr empfehlenswert. Mit 2x50m kommt man auch runter, allerdings muss man im oberen Teil einen Zwischenstand an relativ dünner Tanne einkalkulieren. Weitere Abseilmöglichkeiten (bei Verkehr) bestehen über Arbonium oder White Magic on the Rocks. Auch zu Fuss kann abgestiegen werden, indem man zum Hüttenweg der Doldenhornhütte quert - dies dauert aber bestimmt deutlich länger und wird kaum praktiziert.

Bye-bye Oeschiwald, ich werde sicher wieder kommen! Sicht auf die Blüemlisalp, rechts ist noch der Blue Magic erkennbar.
Verhältnisse in Kandersteg

Hier noch ein kurzer Überblick zu den restlichen Fällen in und um Kandersteg. Es handelt sich um eine persönliche Einschätzung, die natürlich ohne Gewähr ist. Was wir an besagtem Tag geklettert haben, steht oben im Bericht. Beim hier erwähnten Rest handelt es sich um eine Ferndiagnose.

- Crack Baby: sieht recht gut aus und wurde bereits beklettert
- Blue Magic: durchgehend Eis vorhanden, eher dünn, aber vermutlich machbar.
- Reise ins Reich der Eiszwerge: wurde am selben Tag beklettert, hat nicht üppig Eis
- Haizähne: obenraus recht gut, am Einstieg hat's vermutlich zu wenig Eis
- Grimm/Groll: machbar, Groll ist ziemlich verschneit und hat nicht üppig Eis.
- Rattenpissoir: SL 1 gut, SL 2 mit Säule blumenkohlig, steil, nass und anspruchsvoll.
- Arbonium: Einstiegssäule sehr nass und zu fragil, noch nicht begangen. Rest wäre gut.
- White Magic on Rocks: wurde am selben Tag geklettert, dürfte also ok sein.
- Allmenalpfall: hat augenscheinlich viel zu wenig Eis

Der untere Teil von Arbonium (WI5-) mit der noch zu nass-fragilen Einstiegssäule.
Nützliche Links

In Kandersteg gibt es eine private Wetterstation, wo man Temperaturen und allerhand weitere Infos zum Wettergeschehen aktuell und in der Vergangenheit abrufen kann. Herzlichen Dank für diesen Service, er ist für uns Eiskletterer Gold wert! Zudem, auf den Webcams von kandersteg.ch kann man gut erkennen, ob in den Routen Eis vorhanden ist. Natürlich sieht man dort nicht, ob die Verhältnisse taugen. Informationen dazu erhält man am ehesten mit dem Ampelsystem vom Alpine Center, auf gipfelbuch.ch oder dem Eiskletterportal von camptocamp.org.

Montag, 21. Januar 2013

Jahresrückblick 2012

Mein Rückblick auf das vergangene Bergjahr hat inzwischen Tradition, siehe hier (11, 10, 09) für die vergangenen Ausgaben. Auch dieses Mal fällt er nicht aus, aber er kommt mit reichlich Verspätung. Mit Familie, Beruf, Blog schreiben und unterwegs sein geht über das Jahr halt so viel Zeit drauf, dass ich mein Tourenbuch schlechter als auch schon organisiert hatte. So wollten die verzettelten Infos erst gesammelt und konsolidiert werden. Anyway, besser spät als nie. Und was kommt dabei raus? Ich bin definitiv ein "oller Sportkletterfuzzi" geworden... ;-)

Total 148 Tage mit Bergaktivitäten gab es bei mir im 2012. Das sind rund 10 mehr als im Schnitt der vergangenen Jahre. Sie rühren von den im Vergleich zu den Vorjahren zusätzlichen Ferientagen in Kalymnos und im Frankenjura her, motiviert mit dem Abbau angestauter Überzeit. Ansonsten scheine ich mich, was die Häufigkeit meiner Ausflüge anbetrifft, über die letzten Jahre hinweg ziemlich konstant verhalten zu haben. Ist aber irgendwie auch logisch: ist Weekend oder Feiertag, so geht es raus. In den Ferien ebenso. Hin und wieder liegt auch an einem Wochentag ein bisschen etwas drin. Und manchmal ist halt schlechtes Wetter, dann bleibt halt auch mal ein Bergtag auf der Strecke, weil man zuhause bleibt oder in die Halle geht.

Eben, manchmal ist schlecht Wetter, dann wird indoor trainiert :-)
Sportklettern

In meinen Aktivitäten am meisten Raum nimmt ganz eindeutig das Sportklettern ein. Ist auch logisch, denn da ist jeweils (mit ganz wenigen Ausnahmen) die komplette Familie mit dabei. Insgesamt 79x haben wir das im 2012 so gemacht. Für die Kinder springen da immer tolle Aktivitäten raus, sei es "sändelen", Steinmauern bauen, mit Holz oder Laub etwas zu konstruieren, schaukeln, lesen, Fussrad fahren, undsoweiter. Inzwischen auch bereits etwas Bouldern und Klettern. Das grosse Volumen an Routen bleibt für die Eltern so natürlich auf der Strecke, aber 4-6 Go's pro Tag liegen schon drin. Auch im 2012 konnte ich, im vierten Jahr in Folge, wieder eine 8a rotpunkt durchsteigen, nämlich die A50 auf der Galerie. Dazu kommt noch eine weitere 8a im Toprope, die mache ich dann nächstes Jahr rotpunkt, damit die Serie weitergeht :-)  Weiter steht 2x 7c+ zu buche, 12x 7c und gute 80 weitere Routen zwischen 7a und 7b+. Als grosse Erfolge werte ich hier vor allem die drei 7c-Routen, welche in onsight klettern konnte: Base Jump in Simplon Dorf, Hooligan in der Paschga, und Priapos in Kalymnos.

Ein "Riitiseili" gehört zum Klettern einfach dazu, auch wenn es bloss improvisiert ist!
Alpines MSL-Klettern

Die Königsdisziplin beim Felsklettern ist für mich seit jeher das alpine MSL-Sportklettern. Im 2012 gab es für mich 22 derartige Ausflüge. Alle bedeutenden wurden bereits auf diesem Blog hier dokumentiert und ergeben einen Strauss an fantastischen Erlebnissen. Noch nie habe ich in einem einzigen Sommer so viele Touren gemacht, welchen ich das Prädikat "Weltklasse" verteilen konnte. Und diesem bedarf es im 2012 für eine spezielle Erwähnung in diesem Jahresrückblick! Konkret nämlich die Voyage Selon Gulliver (7a+) am Grand Capucin, die Tout va mal (6c+) am Envers des Aiguilles, dann meine All-Time-Favourites Deep Blue Sea (7b+) an der Eiger Nordwand und Ben Hur (7c+/8a) an den Wendenstöcken. Viel besser geht es nun echt nicht mehr!

In der komplett selbst abzusichernden Voie Contamine (6b) an der Pointe Lachenal, hinten der Mont Blanc du Tacul
Erschliessungstätigkeit und Neutouren

Ein weiterer Teil meiner Tätigkeit im Fels ist das Erschliessen von Neutouren. Total 12 Tage widmete ich im 2012 dieser Tätigkeit, dabei entstanden 6 neue Klettergartenrouten und ich konnte 2 MSL-Touren fertiggestellen, nämlich den Uristier (6c+) am Chli Glatten, und das Echo der Zeit (6b) in der Westwand am Kleinen Bockmattliturm. Damit nicht genug, gleich mehrere MSL-Projekte harren ihrer Fertigstellung im 2013. Schon zeitig im Jahr darf mit der Präsentation eines 10-SL-Knallers gerechnet werden. Ich auf jeden Fall freue mich schon sehr darauf, die letzten Haken zu setzen und die Route komplett durchsteigen zu können. Meine Motivation fürs Erschliessen ist auf jeden Fall ungebrochen, schwieriger präsentiert sich da schon das Zeitmanagement und die Suche nach geeigneten Partnern.

Einbohren kann harte Arbeit sein, dennoch ist es manchmal fantastisch schön: Oktober 2012 in meinem MSL-Projekt.
Eisklettern

Gehen wir weiter zum Eisklettern: 10 solche Tage gab es im 2012. Einige davon alpin in Chamonix, das grosse Highlight war aber die rekordmässige Kältewoche im Februar. In dieser gelang Dani und mir die erste Begehung des Seerenbachfalls (WI5+) bei Amden, seines Zeichens einer der höchsten Wasserfälle in der Schweiz. Ganz bestimmt gehört er zu den besten Eistouren in der Schweiz, schade bloss, dass er höchstens alle paar Jahre "in Betrieb" ist. Umso besser, dass wir die Gunst der Stunde nutzen konnten. Dieselbe Kältephase konnte ich dann zusammen mit Kathrin auch noch für die mutmasslich erste Begehung des genüsslichen Tapis Volant (WI3+/4-) nutzen. Auch dieser steht südexponiert am Walensee und ist leider nur selten zu machen, er ist aber die beste Plaisir-Eistour, die ich je gemacht habe.

Im eisigen Element: Spinabach im Februar 2012.
Skitouren

Bleiben wir beim kalten Element: im Kalenderjahr 2012 machte ich 30 Skitouren. Etliche davon spielten sich unmittelbar vor meiner Haustür oder in der näheren Umgebung ab, so dass sie im Rahmen eines Kinder-Mittagsschlafs, als Fiirabig-Tüürli oder einer Frühsport-Aktivität mit leicht verspätetem Arbeitsbeginn Platz haben. Auf meiner Prioritätenliste ist das Touren ist im Vergleich zum Klettern in Fels und Eis ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Einerseits fahren unsere Kinder nun beide auch Ski, so dass die Tage mit Schnee im Unterland richtigerweise für Besuche am Ponylift benutzt werden. Andererseits ist meine Motivation, um bei mässigen Wetter- oder Schneebedingungen weit zu reisen, im Frühling mitten in der Nacht im Hochgebirge auf Schneesuche zu gehen, oder um gar bloss der Gelegenheit und Statistik wegen Höhenmeter zu bolzen nicht mehr riesig hoch. Günstige Gelegenheiten nütze ich aber weiter gern, um ein Schnippchen zu schlagen. Im Frühling 2012 waren dies die Besteigung bzw. Befahrung des Fleckistocks über die SW-Flanke, und die Tour auf die Aiguille d'Argentière durch das Y-Couloir.

Auch unmittelbar vor meiner Haustür warten prima Skitouren!
Fazit

Im Rückblick kann ich sagen, ein fantastisches und ein von Erfolg und tollen Erlebnissen gekröntes Bergjahr. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, davon zeugen einige tragische Unfälle, welche sich in meinem erweiterten Bekanntenkreis zugetragen haben. Auch ich erlebte im 2012 einige Schrecksekunden. Zum Beispiel, als ein unerwarteter Gleitschneerutsch beim Eisklettern unsere Ausrüstung vom Einstieg wegputzte. Oder als ich als Beifahrer auf dem Weg zu einer Tour in einen Autounfall verwickelt war. Oder als im Rätikon ein spontaner Steinschlag über unsere Route abging, während wir eben das Abseilen beendet hatten. Rückblickend waren das alles Bagatellen, bei denen uns kein Haar gekrümmt wurde. Aber kommt für einmal zum Unglück noch richtig Pech dazu... Bei aller Schönheit der Berge und den damit verknüpften Erlebnissen, sollten wir doch grosse Vorsicht, Wachsamkeit und Zurückhaltung walten lassen, so dass wir zu den nichtreduzierbaren objektiven Risiken der Berge nicht auch noch selber mit unüberlegtem Verhalten weitere Gefahrenquellen beitragen.

Schauen wir nun vorwärts, und nicht zurück. Auf ein tolles Bergjahr 2013!
An dieser Stelle danke ich auch ganz herzlich meiner Familie, welche es immer wieder möglich macht, dass ich auf diese Art und  Weise meiner Passion fürs Klettern und die Berge nachgehen kann. Weiter gebührt ein herzlicher Dank all jenen Personen, welche uns inklusive den Kindern zum Klettern begleitet haben, und uns mit Hilfe bezüglich Betreuung und Sicherungsarbeit, bei gleichzeitigem Verzicht auf eigene Kletterzeit einen sehr grossen Dienst erwiesen haben. Und natürlich auch all jenen Bekannten und Freunden, die mir auf den alpinen Abenteuern zuverlässige und begeisterte Begleiter waren!