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Mittwoch, 8. April 2026

Frischer Pulver, alter Gneis

Zugegeben, der Titel zu diesem Beitrag macht nur in Retrospekt Sinn. Er wurde aber erst nach Ostern 2026 getippt und nimmt Bezug auf die Geschehnisse vor und an den Feiertagen. Eine winterliche Episode auf der Nordseite bescherte den Voralpen Ende März und Anfang April eine fette Ladung an Schnee und kreierte ideale Verhältnisse, wie es sie den ganzen Winter über nicht gab. Und so genoss ich noch am Gründonnerstag ein Morgentüürli mit Start auf 880müM bei winterlichem Pulver, während ich tags darauf dann an sonnengewärmten, Millionen Jahre altem Gneis im Ticino klettern konnte - ein starker Kontrast!

Die Schwyzer Voralpen in tief winterlichen Bedingungen im April 2026.

Skitour Vilan

Mit Kathrin machte ich mich auf in Richtung Bündner Herrschaft bzw. ins Prättigau. Für einmal waren die Schneekarten nicht sehr akkurat und meine ursprünglichen Pläne materialisierten sich nicht ganz wie gewünscht. Immerhin, es lag deutlich mehr Schnee wie angegeben, so "mussten" wir das Schneetaxi bald am Strassenrand deponieren und uns mit der Standardroute auf den Vilan zufrieden geben. Immer wieder schön, kann man da nur sagen - insbesondere dann, wenn wegen den Gegebenheiten nur ganz wenige Tourengänger unterwegs sind. So konnten wir im Aufstieg von einer bereits gelegten Spur profitieren (danke!), für die Abfahrt fanden wir dann auf unserer Variante komplett unverspurtes Gelände bei idealem Powder vor. Nur ganz unten war der Wassergehalt in der Schneedecke durch die intensive Einstrahlung schon hoch geworden und erforderte entsprechend Rücklage bei der Abfahrt.

Wunderbare Bedingungen am Vilan 🤗

Skitüürli im Atzmännig

Der Atzmännig ist fast bei mir vor der Haustür und grundsätzlich mit Skiliften erschlossen. Diese waren trotz einer soliden Schneedecke von 40-60cm dicke anfangs April aber natürlich nicht mehr in Betrieb, bzw. das Personal war mit Vorbereitungen für einen (erhofften) Sommerbetrieb über Ostern beschäftigt. Trotz der tiefen Höhenlage mit Startpunkt auf nur 800m hält sich der Schnee hier stets erstaunlich lange und auch wenn es nur 380hm bis zur Bergstation sind, so ist es einfach ein formidabler Hang, mit einer konstant idealen Neigung für schöne Schwünge. In einem Wetterfenster über Mittag konnte ich ein paar wunderschöne Linien ziehen - der Zauber, einen frisch verschneiten Hang zuerst durchschreiten zu können und die Spur anzulegen verliert nichts von seiner Magie!

First Line im Atzmännig, hinten Farner und Schwarzenberg.

Skitour Flüechrüz / Stockrai

Obwohl für den Abend bereits die Anreise ins Tessin geplant war, konnte ich dem fantastischen Vormittag am Gründonnerstag nicht widerstehen. Zumal es auch noch in der Nähe tollen Powder zu geniessen und eine neue Tour zu entdecken gab. Vom Parkplatz beim ehemaligen Skilift am Sihlsee bei Euthal folgte ich nicht der auf der Landeskarte eingezeichneten, etwas umwegigen Skitourenroute, sondern dem vor Ort ausgeschilderten Schneeschuhtrail. Rund 550hm sind es nur bis zum Gipfel, aber mit Spurarbeit in tiefem Schnee reichte mir das als Auftakt ins Osterweekend vollauf. Ein tolles Ambiente am Gipfel und eine richtig lässige Abfahrt belohnte den Effort. Hier im Gelände lagen 80-100cm Schnee, verrückt um diese Jahreszeit. So konnte ich der offiziellen Abfahrtsroute folgen und am Ende durch die steile Chalberstock-Schneise schwingen. Es gibt wohl nicht einmal in jedem Winter ein paar wenige Tage, wo diese richtig gut ist - an dem Tag war sie es, da hatte ich den richtigen Riecher.

Die Gunst der Stunde genutzt - im April auf nur 880m zu starten, geht definitiv nicht immer.

Somit war mein Tüürli #20 im Winter 25/26 im Kasten. Die grossen Gipfelziele oder die Touren mit vielen Höhenmetern fehlen dabei weitestgehend. Wichtiger ist es mir, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Wintermagie beim Spuren durch die frische, weisse Decke zu spüren. Das war mir an diesen Tagen hervorragend gelungen. 

Donnerstag, 28. November 2024

2*(Ski+Bloc) + Epilog

Nach einem kurzen (W)intermezzo im September ist der Schnee nun im November erneut gekommen, dieses Mal mit einer Dicke von 30cm bis in die tiefsten Flachland-Lagen. Das ergab drei schöne Tüürli in der nahen Umgebung. Dass diese nicht zu viele Höhenmeter aufweisen, gereichte nur zu meinem Vorteil. Denn mit zwei back-to-back Boulderevents am Freitag- und Samstagabend war das Programm ja eh schon reichhaltig gefüllt. Aber deswegen den Schnee einfach Schnee sein zu lassen wäre dann doch jammerschade gewesen.

Tag 1

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag schneite es ausgiebig, am Freitagvormittag gab es dann ein paar schöne Aufhellungen. Also durfte es wieder einmal der Standard-Aufstieg zum Bachtel sein, wo ich seit über 30 Jahren bei (fast) jeder passenden Gelegenheit meine Spur ziehe. Es ist übrigens schon deutlich merkbar, wie viel Popularität das Skitourengehen erlangt hat. Gab es vor Jahrzehnten noch wenig bis keine Konkurrenz um die schönsten Lines, so war ich jetzt selbst direkt nach dem Schneefall um 8 Uhr morgens nicht einmal mehr für die Spurarbeit zuständig. Wie sich am Gipfel zeigte, waren es zwei alte Bekannte von mir, welche den Job übernommen hatten. Ich wünschte ihnen eine gute Abfahrt, besuchte noch den Turm und fuhr dann auf meiner "Geheimlinie" ab, welche nochmals etwas Wiederaufstieg erfordert. Erstaunt war ich dann, als ich am Parkplatz nochmals meine beiden Jahrgänger antraf. Wegen der Kälte hatte der Funkschlüssel seinen Dienst quittiert - ich kann allen nur empfehlen, sich einmal damit zu beschäftigen, wie man in diesem Fall die Karre öffnet und sie trotzdem zum Fahren bringt. Bis die beiden das vor Ort ausgetüftelt hatten, war eine satte Dreiviertelstunde verstrichen.

Fantastische Stimmung auf dem Weg zum Bachtel am Freitagmorgen.

Mein nächster Programmpunkt bestand aus dem Arbeitstag, welcher hier nicht näher beschrieben werden muss. In freudiger Erwartung machte ich mich dann auf zum Boulderbingo im Griffig. Ein sattes Programm von 50 frischen Bouldern hatten sie uns da an die Wand geschraubt. Das Ganze läuft unter Boulderplausch und nicht unter Wettkampf. Einen gewissen Anreiz, möglichst viele Boulder zu toppen gibt es aber dennoch. Die Bingokarte weist nämlich fünf 9er-Felder auf. Um die Gewinnchancen zu maximieren, mussten also mindestens 45 Probleme erfolgreich gelöst werden. Mir lief es wie geschmiert, sogar in der "Spezialdisziplin" des Alpinkletter-Grufties, den Koordinationsbouldern war ich erfolgreich. Vielleicht war es ja das ausgiebige Aufwärmen am Vormittag gewesen oder der Skischwung half für den richtigen Dreh beim Jump & Swing?!? Jedenfalls konnte ich die mir gesetzte Vorgabe erfüllen und selbst bei den wenigen verbleibenden Bouldern erkannte ich noch die Aussichten auf Erfolg, wenn noch mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Vernünftigerweise gab ich dann dem Spiel statt weiterer vertikaler Aktivität den Vorzug. Wobei mir das Spielglück leider überhaupt nicht hold war und der angepeilte Hauptpreis mit der Bouldermatte in andere Hände wanderte. Mit einer Packung Chalk und trotzdem viel Freude im Herzen machte ich mich auf den Heimweg.

Tag 2

Am Bingo wurde es zwar spät, aber für den Samstagvormittag war Wintermärchen angekündigt. Toller Sonnenschein und Pulverschnee bis ans Ufer vom Zürisee. Solche Gelegenheiten kommen nur alle 5-10 Jahre und in Zukunft womöglich noch seltener. Also konnte ich diese Möglichkeit natürlich nicht im Bett verschlafen, sondern machte mich auf die Socken. Das Pflichtenheft für die Tour bestand aus einem Start "ganz unten" und einem schönen Hang mit geeignetem Skigelände. Dieser ward mit Startort Maseltrangen und dem Gipfel der Steinegg identifiziert. Im 2002 war ich das letzte Mal mit den Ski (auf leicht anderer Route) zu diesem Kulminationspunkt unterwegs. Wunderschöne Stimmungen und toller Schnee versüssten den Ausflug. Dass es nur 800hm waren, störte mich keineswegs - denn noch etwas Pfupf für den Abend aufzusparen gehörte sich eh. Und sowieso bin ich - auch wenn hin und wieder eine anstrengend-lange Tour lässig ist - zum Glück nie in den Groove gekommen, den Wert einer Skitour in der Anzahl der Aufstiegshöhenmeter zu messen. Daheim reichte es dann noch, um relaxt die Speicher wieder aufzufüllen und die Beine etwas hochzulagern.

Dass es von ganz unten richtig gut geht in der Linthebene ist mittlerweile ein sehr seltenes Ereignis.
Aber wie man sieht: absolut genialer Schnee, tolle Hänge und keine Spuren. Take your chances!

Das Samstagabendprogramm wurde durch den 3er-Teamwettkampf im Quergang markiert. Hier war ich bereits 2021, 2022 und 2023 am Start. Bei den ersten beiden Austragungen jeweils mit Kathrin und Larina, bis sich letztere im 2023 entschloss, lieber mit ihren fitten Freundinnen aus dem Team als mit den Eltern teilzunehmen. Für die diesjährige Austragung konnten wir aber eine richtige Trumpfkarte in unser Blatt integrieren. Sie bestand aus dem eben 9 Jahre alt gewordenen Bartek, ein absolutes Versprechen für die Zukunft und die derzeit wohl stärkste Nachwuchskraft der Altersstufe U10 in der Schweiz (natürlich haben wir mit seinem Management gleich einen 10-Jahresvertrag abgeschlossen 😁 ).  Trotzdem, gegen die drei U16-Girls (Hannah, Julia, Larina) würden wir wohl einen schweren Stand haben. Aber sowieso galt es, sich erst einmal für den Final in Stellung zu bringen. 29 Probleme standen auf dem Qualiprogramm. Trotz schon etwas Ermüdung in den Knochen lief es mir erneut prima. Selbst die beiden Koordo-Boulder waren ausreichend gutmütig und bei einem Tricky-Move half noch das Reibungsvermögen und die Spannweite mit. So waren bald einmal 26 Tops notiert und mit einem beruhigten Lächeln auf den Stockzähnen konnte den Girls die aufdringlich-nervige Frage gestellt werden "wie viel Tops händ ihr scho?". Die Antwort lassen wir an dieser Stelle offen, jedenfalls qualifizierte sich ihr Team Hokus Pokus Herkulis auf Rang 1 vor unserem Trio Erfahrung und Talent für die Finalrunde. 

Hokus Pokus Herkulis in Aktion (man musste die Boulder nicht simultan klettern 😄).
Links ein funny Shot vom Autor, welcher gerade den Swingjump landet. Der zweite Teil der dynamischen Koordination (rechtes Bild) liess sich für einen alten Felshasen mit gefühlvollem Antreten auf Reibung, schön auf die Hüfte schieben und einer Prise Reichweite auch statisch nach dem Motto "1000x im Rätikon geübt" lösen (und ähm, im Rätikon-Runout gilt das Motto dann umgekehrt). Die finale und entscheidende Crux bei diesem Boulder war jedoch das Top zu matchen, trickreich und mit erspüren der korrekten Body Position.

Auch im Final mussten wir den Girls dann den Vortritt lassen. Natürlich wollten sich die Schrauber nicht mit einem Beta Break düpieren lassen und schraubten die Griffe im Koordinationsboulder ganz sicher ausserhalb jeder vernünftigen Reichweite an. Die absolut verrückte Geschichte ist nun aber die, dass Larina genau diesen zwar offensichtlichen, aber "unmöglichen" Beta Break doch hinkriegte. Mir gelang es aber trotz gut 20cm mehr Spannweite nicht, denn ich konnte nicht genügend gleichzeitige Freiheitsgrade in Hüfte, Wirbelsäule und Schultern an den Tag legen, so dass der Spreiz-Twist-and-Reach-Move im Bereich des Machbaren gelangt wäre (siehe Foto unten). Tja, so kommt die Revanche für die aufdringlichen Fragen dann manchmal schneller, als es einem lieb ist. Jedenfalls, wieder etwas erkannt, woran gearbeitet werden kann. Doch ob die alten Knochen noch einmal schön gummig und geschmeidig werden?!? Man darf es bezweifeln... Nicht bezweifelt werden darf jedoch, dass dies ein absolut toller, spassiger und gelungener Abend war. Viva la vida!

Das ist der im Text oberhalb angesprochene Finalboulder. Eigentlich ein dynamischer Koordo-Boulder, aber man kann's ja mal mit einer statischen Beta versuchen. Doch selbst mit meiner Spannweite war es nicht möglich, beim Abstützen mit rechts an der Wand den Griff links zu erhaschen. Larina hat es mit Lösen der rechten Hand geschafft, was für mich (und weitere Aspirant:innen) absolut unmöglich war. Die rechte Wand ist unbeschichtetes, flitzeglattes Holz, so mit Druck auf dem Fuss Hüfte, Wirbelsäule und Schultern zu drehen: unmöglich. Danach folgte noch böses Leistengeballere, von Mrs. Trickkiste gekonnt mit einem akrobatischen Toehook entschärft. Ich kann euch sagen, da fühlt sich jeder Rätikon-Runout gegen diese Position geradezu harmlos an 🙄😁
Team Erfahrung und Talent. Die Leser wissen bestimmt, wo erstere und zweiteres zu finden ist 😎.

Epilog

Nach dem Teamwettkampf wurde es noch später, immerhin war am Folgetag kein frühes Aufstehen angezeigt. Denn 48h nach dem frischen Schneefall und 24h nach dem Wintermärchen war am Sonntag nur noch Resteverwertung angezeigt. Mit einem gemütlichen Frühstück intus war Larina mit von der Partie, um sich die Beine ein wenig zu vertreten und das doch leidlich sonnige Wetter zu geniessen. Nochmals auf den Bachtel mit den Tourenski sollte es gehen, dieses Mal jedoch auf einer anderen Route auf dessen Rückseite. Lässig war es und nachdem der Schnee bereits im Aufstieg die Konsistenz von Kartoffelstock hatte, konnten wir einen gemütlichen Vesper in der Beiz nehmen und auf die Geschehnisse der vergangenen beiden Tage Rückschau halten. Die einzige Gefahr bestand nur fast darin, dass der Schnee während unserer Mittagsrast bereits schon weggeschmolzen wäre. Ganz so schlimm war es zum Glück doch nicht, einige schöne Kurven später war dieses zweite (W)intermezzo der Saison 24/25 dann aber doch Geschichte.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Eisklettern im Tösstal (Vol. 2021)

Dieser Beitrag kommt mit Verspätung... zeitlich sind 3 Tage zwischen Aktivität und Publikation zwar nicht sehr viel, aber gefühlt hat sich da schon wieder eine Menge getan. Diese kurze Zeitperiode hat gereicht, um die Wiese vor der Haustür von skifahrbar zu grün zu machen und das gesamte Eis im Tösstal den Bach hinunter zu senden. Interessant ist, dass es vor genau einer Woche ebenfalls noch grün und warm war. Dazwischen liegt eine Mini-Eiszeit von gerade einmal ein vier Tagen, während welcher sich im Tösstal kletterbare Bedingungen einstellten.

Larina in Swandive (WI5), die doch schon ein paar Meter senkrechte Kletterei erfordert.

Ob ich an diesem grandiosen Winter-Weekend, während welchem auch Top-Skitourenbedingungen herrschten, wirklich wieder einmal im Eis im Tösstal geklettert wäre (das letzte Mal liegt doch schon 3 Jahre zurück), wenn nicht die Anfrage vom Tages-Anzeiger gekommen wäre, das steht in den Sternen. Doch Helene, Reporterin bei einer der grössten Tageszeitungen der Schweiz, hatte mich mit ein paar Tagen Vorlauf gefragt, ob man am Weekend in der Tössscheidi Eisklettern könnte. Ich war etwas unsicher, vermutete aber doch, dass sich machbare Bedingungen ergeben würden. Schliesslich trat dann die Frage auf den Plan, was für eine Story man daraus konstruieren könnte... tja, das wusste ich auch nicht so genau, das Resultat bestand einfach darin, dass der nicht im Skisprung-Trainingsweekend weilende Teil der Familie Reporterin und Fotografin am Sonntag in die Tössscheidi begleiten würde.

Gut vorbereitet ist halb geklettert... Tooly-Session daheim an der Wand.

Zuerst allerdings ging ich vorsichtshalber am Samstag Abend nach der Skitour noch nachschauen - für mich zum Glück per Bike machbar. Es war zwar alles noch dünn und fragil, doch zum Klettern würde man sicherlich etwas finden - insbesondere da nochmals eine extrakalte Nacht mit zweistelligen Minusgraden folgen sollte. So war es dann auch. Den Zustieg ins Gebiet muss man sich im Moment allerdings etwas verdienen, Parkmöglichkeiten gibt's derzeit nur beim Skilift Steg, alles weiter hinten befindet sich entweder im Park- oder im neuerdings auch wochentags gültigen Fahrverbot. So heisst es entweder, nochmals 20 Minuten zusätzlichen Fussmarsch einzukalkulieren (Zustieg total dann ca. 1h) oder ein Bike mitzubringen.

Dieses Bild ist ein wenig Off-Topic, stammt aber auch von diesem Weekend. Denn neben Eisklettern und Training blieb schon auch noch Zeit, um die grandiosen Tourenbedingungen zu nutzen. Dies nicht für Berge mit klingendem Namen, aber klein ist eben auch fein, insbesondere mit dem Privileg von First Line anstatt von Massenandrang.

Wie schon erwähnt, das Eis hatte über Nacht nochmals deutlich aufgebaut, so dass doch die meisten der klassischen Möglichkeiten begehbar waren. Einige wenige Linien waren sogar schon im Vorstieg safe (d.h. mit genügend und soliden Schrauben) machbar. Oder, und das ist ja der grosse Vorteil an diesem Gebiet, natürlich auch im Toprope. Wobei in der vergangenen Jahren im Zuge von Holerzarbeiten manch ein Baum gestutzt wurde, so dass ein zusätzliches Verlängerungsseil für etliche Touren durchaus vorteilhaft ist. Neben uns waren übrigens auch noch 2-3 weitere Seilschaften im Gebiet, welche sich eine dieser rarer und rarer werdenden Gelegenheiten nicht entgehen lassen wollten.

Sieht doch schon ganz ordentlich aus - schöne Kompakteisstufen zum Einstieg.

Den Auftakt machten wir in moderat schwierigem Gelände, Kathrin und Larina waren ja schliesslich schon eine Weile nicht mehr in diesem Metier aktiv gewesen. Bzw. im Falle von Larina handelte es sich mehr um ein Schnuppern bei früheren Tössscheidi-Besuchen vor doch auch schon wieder 4-5 Jahren (siehe hier und da). Immerhin, pflichtbewusst und smart hatte sie sich entschieden, daheim zuerst noch eine Drytool-Session einzulegen. Dazu musste ich aber auch zuerst die entsprechenden "Griffe" an unserer Wand wieder montieren. Tja, die Kletterei mit den Geräten in Eis und Fels ist auch bei mir etwas in den Hintergrund gerückt, was vermutlich nicht nur am globalen Klimawandel liegt, sondern auch noch andere Gründe hat.

Quelle: Frontseite Tages-Anzeiger am 15.2.2021

Auf jeden Fall, nach drei Routen waren die Fotos im Kasten und alle Notizen gemacht, d.h. wir verabschiedeten die beiden Reporterinnen vor Ort. Unsereins kletterten wir noch ein wenig weiter. Wobei die Sonne das enge Tal in den frühen Nachmittagsstunden definitiv verlässt, was eindeutig zu Lasten von Ambiance und Temperatur ging. So hatten wir nach einer Weile auch genug, schwangen und auf die Räder und düsten im Nu zurück nach Steg. Es verblieb noch Zeit, um die Beine auf einer schönen Züri Oberland Skitour zu vertreten (möglicherweise ja auch eine Saison-Letztbegehung) und dann gespannt auf den Artikel zu harren. Um 18.30 Uhr traf der Entwurf bei mir ein - faszinierend, dass die Endversion schon am folgenden Morgen um 6 Uhr gedruckt im Briefkasten lag! Sogar auf die Frontseite hatten wir es geschafft - natürlich der Verdienst der beiden Reporterinnen, die hier den richtigen Riecher hatten und den Zeitpunkt genau getroffen haben. Herzlichen Dank den beiden für den lässigen Tag und die tolle Zusammenarbeit. 

Quelle: Tages-Anzeiger vom 15.2.2021

Montag, 25. Januar 2021

Skisafari ums Schnebelhorn (1291m)

"Muss man" grosse Touren reissen, viele Höhenmeter bewältigen, bekannte Routen begehen oder darf man sich auch an den kleinen Gelegenheiten und Möglichkeiten freuen?!? Das ist natürlich eine rhetorische Frage, nein man muss nicht und ja man darf, bzw. eigentlich soll man sogar. Auf jeden Fall, und diese Einstellung begleitet mich schon lange, versuche ich am Tag X immer die Tour auszuwählen, die sich zur Zeit lohnt, generell aber am seltensten in guten Bedingungen ist. Konkret auf Skitouren umgemünzt bedeutet das: wenn in tiefen Lagen bzw. bei uns in der Umgebung Schnee liegt, dann haben diese Touren Vortritt. Am Julier oder in Realp kann man ja schliesslich während 6 Monaten im Jahr touren, im Tössgebirge hingegen kaum 6 Wochen, ja in gewissen Jahren nicht einmal an 6 Tagen.

Unverspurt, so haben wir's gern! Im tollen Sonnenberg-Hang, hinten Chrüzegg und Schindelberg.

Nun denn, die grossen Höhendifferenzen findet man im Tössbergland nicht, trotzdem gibt's aber so manch tollen Skihang zu entdecken. Die Frage ist jeweils nur, wie man ihn geschickt in eine lohnende und nicht zu umständliche Skitour verpackt. Aber genau dieses Routen- und Karten-Engineering ist ja auch Teil des Reizes. Auf jeden Fall hatte ich mir einen Plan gemacht und der startete um 12.15 Uhr in Libingen (768m), einem kleinen Nest abseits vom Schuss im Kanton St. Gallen. Ziel war es, den mehrere Kilometer langen ENE-Grat vom Schnebelhorn zu gewinnen und über diesen den Gipfel zu erreichen. Das Gelände vor Ort führte uns erst der Strasse Richtung Unterstein entlang und dann direkt über den sehr schönen Sonnenberg-Hang hinauf. Wir trafen schliesslich auf den Weg, der auf rund 1100m südseitig unter dem Grat entlang führt - scheinbar eine beliebte Schneeschuhroute. Man kann dem Weg folgen, bis dieser die Krete beim Laubberg-Stall (P.1147) erreicht. Oder, mit Plus in Sachen Aussicht, dafür etwas zusätzlichem Auf und ab, schon vorher (Under Stein, Steinweid, Laubberg) auf die Krete steigen. Wir wählten letzteres, um alle Optionen im Gebiet gut zu sichten.

Hütten unterhalb vom Steinweid-Gipfel - unterwegs auf der beliebten Schneeschuhroute.

In sehr schöner, sonniger Höhenwanderung geht's weiter, alles dem Rücken entlang Richtung Meiersalp und schliesslich durch ein steileres Waldstück zum Gipfel (13.45 Uhr). Der letzte, leeseitige Hang ist doch ordentlich stotzig und zuletzt musste noch die eindrückliche Wächte überstiegen werden - richtig alpines Ambiete und so empfing uns am Top standesgemäss auch eine zügige Brise aus Richtung SW. Somit hielten wir uns trotz der formidablen Aussicht nicht allzu lange auf und rüsteten für die Abfahrt um. Sie sollte uns über den rund 30 Grad steilen NE-Hang führen. Erst ging's noch kurz dem abgeblasenen NW-Grat entlang und dann rein ins Vergnügen - tolle Pulverschwünge warteten! Leider verliert sich der Einfahrtshang unten in steilwaldigen Tobeln, so dass man 2x etwas nach links hinüber queren muss, um in offenen Gelände zu bleiben. Am verlassenen, aber ganzjährig bewohnten Hof vorbei erreicht man die Talsohle mit dem Gonzenbächli in der Nähe von P.825.

Im letzten  Abschnitt vor dem Schnebelhorn, tolle Passage unter mächtigen Buchen.

Rund 300m schoben wir horizontal entlang der Fahrstrasse talauswärts, zeichneten nochmals ein paar Schwünge in den Hang und überquerten schliesslich den Bach auf der Strasse Richtung Hüsliweid und montierten nochmals die Felle. Über die famosen NW-Hänge vom Laubberg gilt es, nochmals gute 350hm aufzusteigen. Ja, dieses tolle Gelände ist imperativ auch einmal in eine Tour einzubauen - aktuell da stark abgeblasen für die Abfahrt jedoch kaum lohnend. Abwechselnd über eisig abgeblasene Partien, Triebschnee und da und dort sogar Grasbüschel gelangten wir zum zweiten Mal auf den Laubberg und wechselten hinüber zur Steinweid (15.30 Uhr). Felle weg und ab in die Tiefe hiess es. Gut dass wir wussten, dass uns auf jener Seite des Berges im Windschatten nochmals eine gute Abfahrt bevorstünde. Mehr oder weniger auf der Aufstiegsroute ging es retour. Um nicht queren zu müssen, fuhren wir über die Hänge von Schupfen zur Talstrasse ab und liefen auf dieser nach Libingen zurück, eine geniale Tour lag hinter uns!

Zurück auf dem Steinweid-Gipfel, bevor es an die letzte Abfahrt geht.

Facts

Schnebelhorn ab Libingen via ENE-Rücken, Nordabfahrt und retour via Laubberg. Netto ca. 1000hm Aufstieg/Abfahrt in meist unschwierigem Gelände (diverse Stellen ca. 30 Grad). Nur bei guter Schneedecke in tiefen Lagen sinnvoll, dies für die letzte Abfahrt insbesondere auch in Südhängen.

Montag, 10. Februar 2020

Skitour Chörbsch Horn (2650m) mit Epilog

Wenn die Gefahrenstufe im Bulletin auf einem verschärften 'erheblich' steht, so fällt es nicht mehr so leicht, eine sichere, lohnende und mir unbekannte Tour zu identifizieren. Oder wenn, dann muss ein etwas höherer Aufwand für die Anreise mit einkalkuliert werden. Nachdem aber ein wettermässig wunderschöner Tag prognostiziert war und es nach Regen bis weit hinauf wieder eine Ladung pulvrigen Neuschnee gegeben hatte, wollte ich mich nicht lumpen lassen und nahm den Weg nach Davos Frauenkirch auf mich, um von dort auf's Chörbsch Horn zu steigen - es hat sich sehr gelohnt, ich konnte diese beliebte Tour bei besten Bedingungen geniessen und in der Abfahrt über den Erber Berg die erste Spur legen.

Wunderschönes Bergambiente bereits auf den ersten paar Hundert Höhenmetern von der Zivilisation weg.
Tourbeginn war um 10.30 Uhr beim Bahnhof in Frauenkirch. Ich musste nur über die Hauptstrasse gehen, konnte gleich die Ski anziehen und durch glitzernden Neuschnee schreiten. Wenig überraschend war bereits eine Aufstiegsspur vorhanden, wobei der Effort heute dank dem tragenden Deckel darunter und etwa 25cm federleichter Auflage gut zu verschmerzen gewesen wäre. Über einige Kehren auf dem gespurten Wanderweg im Wald war bald die schön gelegene Stafelalp erreicht. Nun ging's ins freie Gelände. Die steilere Stufe (kurz 35 Grad) lässt sich mit einem Wechsel auf den rechten Rücken elegant umgehen, so ist tatsächlich bis zum Gipfel hinauf kein einziger, kritischer Hang zu begehen. Über P.2456 und die Chörbschhornhütte ging's dem Gipfel entgegen, wo ich um 12.15 Uhr eintraf. Auf der Bank konnte bequem Rast gehalten werden, mit einer grandiosen Aussicht in alle Himmelsrichtungen.

Das Ziel voraus - der Gipfel vom Chörbsch Horn leicht rechts der Bildmitte.
Die Aufstiegsroute hätte eine gute Abfahrt versprochen. Ich wollte mir aber die Gelegenheit nicht entgehen lassen, noch eine etwas neue Perspektive kennen zu lernen und wählte darum die Abfahrt über den Erber Berg. Ausser wenn's man es sehr umwegig umgeht, muss man dazu den auf ca. 40hm gegen 35 Grad steilen SE-Hang vom Chörbsch Horn befahren. Das war aber gut zu verantworten, v.a. auch weil der frisch gefallene Schnee zonal sehr gut mit dem Untergrund gebunden hatte und das Bulletin etwas gar pessimistisch ausgefallen war. Um danach nicht auf Irrwege ins Frauentobel zu gelangen, ist entweder eine längere Schiebestrecke unter dem Hanengretji (2541m) durch nötig. Oder die vermutlich bessere Variante, Felle aufziehen und die Kuppe gleich überschreiten - für Gipfelsammler ist das sowieso die richtige Strategie. Die Abfahrt vom S-Gipfel ist dann nochmals kurz 35 Grad steil. Weiter ging's dann über die ideal geneigten Hänge vom Erber Berg mit dem Privileg der First Line für mich - mega! Sämtliche Rücken waren hier abgeblasen, aber in den Rinnen gab's besten Powder. Auf 1800m kommt man dann in den Wald hinein, was diese Variante nur bei genügender Schneelage attraktiv macht. An diesem Tag waren die Bedingungen bestens, in tiefem, weichem Schnee konnte durch die Bäume gekurvt werden - nur zu bald war der Ausgangspunkt in Frauenkirch wieder erreicht. Fazit: "das hät gfägt!" und wie mir das Studium der Tourenberichte im Nachhinein zeigte, hatte ich mit meiner Tourenauswahl wohl eine gute Nase, denn die Bedingungen wären längst nicht überall so gut.

Die Chörbschhornhütte, eher 5 als 15 Minuten vom Gipfel entfernt.
Zwei Tage später gab's dann noch eine Tour der Sorte "unverhofft kommt oft". Auf der Suche nach einer kurzen Vormittagsbeschäftigung wurde mir gewahr, dass auch in der Nähe im Tössbergland noch etwas vom weissen Gold zu finden wäre. So stieg ich vom Atzmännig hinauf zur Schwammegg. Alles vom Parkplatz bis zum Gipfel mit den Ski auf durchgehender Schneedecke machbar. Diese war zwar nur dünn, aber von idealer Beschaffenheit, um danach schöne und genussvolle Schwünge hinzuzuzaubern. Schlussendlich war das wieder mal ein Ausflug von der Sorte "total genial". Da habe ich doch schon des Öfteren massiv mehr Aufwand getrieben und weniger Skigenuss erhalten. Zudem: egal was noch kommen wird diesen "Winter", die Skisaison 19/20 im Züri Oberland hat stattgefunden!

Viel Grün rundherum, aber auch ein perfekter weisser Teppich. Hinten die Ostwände von Schwarzenberg und Höch Hand.

Die Schneedecke war dünn, aber die Abfahrtsbedingungen echt perfekt :-)

Facts

Chörbsch Horn (2650m) ab Davos Frauenkirch
1150hm Aufstieg, Ski-Schwierigkeit WS
Material: normale Skitourenausrüstung

Donnerstag, 4. April 2019

Lawinengefahr - selbst im Züri Oberland!

Der Winter 2018/2019 bot eine fantastische Skitourensaison im Züri Oberland. Lange anhaltend, viel Schnee, erst Pulver, dann Sulz. Und damit eben auch Lawinengefahr, und das nicht einmal zu knapp. So gab es in Höhenlagen <1000m spontane Schneebrettlawinen und auf der Chrüzegg, auf nicht einmal 1300m ging ein wahres Monsterbrett ab, welches eine Person total verschüttete. Nun, diese Periode liegt zwar schon eine Weile zurück, aktuell ist's aber vor der Haustüre nochmals ausgiebig weiss, so dass man tatsächlich noch einmal mit den Skis losfellen kann. Grund genug, einen Rückblick zu halten.

Im Aufstieg zur Chrüzegg - die auffällige Dünung in der Schneedecke ein klares, visuelles Gefahrenzeichen.
Am ersten Februarwochenende 2019 gab es im Tössbergland eine satte Portion Neuschnee, welche auf eine sehr ungünstige Altschneedecke abgelagert wurde. Das Bulletin vom SLF verhängte in dieser Region Stufe 4 "gross" ab einer Höhe von 1600m. Allerdings wird diese Höhenlage nur südöstlich einer Linie von der Schwägalp zum Ricken erreicht. Ein expliziter Hinweis auf die auch in niedrigeren Lagen heiklen Verhältnissen fehlte. Schon bei meiner Feierabendtour am Montag auf einen Hügel mit gerade einmal 1010m Gipfelhöhe überraschten, ja erschreckten mich die massiven Wummgeräusche!

Panorama und Sonne satt auf dem Weg zur Chrüzegg - einfach genial. Die Abfahrt erfolgt dann über schattigere Hänge.
Am Dienstag war ich dann Pre-Work mit Kathrin unterwegs. Weil die südlich exponierten Hänge bereits eine heftig Portion Sonne mit entsprechender Deckelbildung abgekriegt hatten, wählten wir die Route über die (Nord)westhänge vom Chamm zur Chrüzegg, mit dem Plan vom Gipfel noch eine Zusatzschleife über den attraktiven Nordhang zur unteren Chrüzeggalp einzulegen. Doch hoppala, in diesem 35-40 Grad steilen Hang war am Sonntag davor ein ca. 100m breites und 250m langes Schneebrett mit einer Anrissmächtigkeit von ~50cm abgegangen. Wie der Wochenbericht des SLF schreibt, führte es zu einer Komplettverschüttung, die Person konnte jedoch unverletzt gerettet werden.

Ein für Region und Höhenlage gewaltiges Schneebrett am Chrüzegg-Nordhang. Nicht das ganze Ausmass ist sichtbar!
Nun denn, diesen Hang brauchten wir an jenem Tag nicht mehr zu befahren. Aber es war uns eine Mahnung, dass auch vor unserer Haustüre Lawinengefahr herrschen und Vorsicht erheischen kann, auch wenn dies nur selten der Fall ist. Und das lässt sich bestimmt auch gut verallgemeinern: oft mag die Gefahr offensichtlich und leicht erkennbar sein, umso heimtückischer kann sie dort sein, wo sie üblicherweise nicht besteht oder man sie nicht erwartet. Wir jedenfalls genossen eine tolle Abfahrt retour zum Ausgangspunkt. Sie war so gut, dass wir gleich nochmals die Felle montierten und nach Oberchamm P.1067 aufstiegen, um eine weitere, fantastische Pulverabfahrt zu geniessen.

Wegen diesem Schnee... lohnt sich das Vergnügen!

Freitag, 25. Januar 2019

Touring Nice & Sweet

Pünktlich auf unsere Rückkehr vom Tessin-Trip begann am ersten Januar-Weekend vor der Haustür der Schnee wieder einmal ausgiebig zu fallen. Eine Woche später brachte ein vorübergehender Wärmeeinbruch dann leider etwas Regen - zum Glück nur so wenig, dass die Schneedecke weitestgehend erhalten blieb. Danach kam die Kälte und noch ein Pulverzückerlein, somit wurde der Schnee kompakt und schnell, ideal für Touren in meinem Heimgebiet. So kommt es, dass ich in den vergangenen Januartagen nebst viel Arbeit, den üblichen Klettertrainings und sonstigen Verpflichtungen doch 10 Skitouren unternehmen konnte.

Die bisher letzte, für einmal etwas längere Tour mit einem schlicht fantastischen Gipfelpanorama!
Nein, 2000hm am Stück kann man bei uns nicht aufsteigen und aufs alpine Prestige muss man ebenso verzichten. Die Vorteile liegen aber ebenso auf der Hand: kurzer Anfahrtsweg und die Möglichkeit, vor oder nach einem Arbeitstag noch rasch die Felle aufzuziehen. Dazu wenig Leute unterwegs, sprich viel Platz für eigene Spuren. Setzt man die lohnenden Hänge zu einem Enchainement zusammen, so kann man aber doch à discretion Höhe und vor allem Distanz machen. Wer auf der Suche nach einem konkreten Tipp ist, der sehe dazu meinen schon etwas älteren Bericht auf hikr.org. Darüber hinaus lasse ich hier nur einige fotografische Impressionen sprechen...

Auch an vermeintlich leiden Tagen kam's oft gut heraus. Definitiv der Vorteil, wenn die Tour vor der Haustüre ist!


Morgensprint, um vor dem Büro noch rasch der Nebeldecke zu entfliehen und der Sonne Hallo zu sagen.


Fantastische Winterstimmung, das war kurz nach dem grossen Schneefall, unterwegs im tiefen Powder.

Montag, 23. April 2018

Bike, Hike & Fly

Tja, letzte Woche, das wäre der Zeitpunkt gewesen, um die grossen Dinger zu reissen. Nicht immer gibt's die Möglichkeit dazu, so jedenfalls für mich. Fixe Verpflichtungen verunmöglichen längere Abwesenheiten - kein Grund jedoch, den Kopf in den Sand zu stecken. Schliesslich lässt das schöne Wetter auch Ausflüge auf kleinerer Skala zu, welche durchaus ihre Attraktivität haben.

Parat zum Start: Abendflug nach einem Westwanddurchstieg am Hörnli.
Einer davon führt mich über die klassische Westwandroute (T5) auf Hörnli. Dafür kann ich mich daheim aufs Bike schwingen und in weniger als einer halben Stunde zum Ausgangspunkt radeln. Gute und absolut lesenswerte Tipps für die Kombination von Bike & Hike findet man übrigens in diesem Artikel im Bergzeit-Magazin. Nach dem sonnig-trockenen April herrschen in der Wand beste Verhältnisse, so dass ich in einer guten Stunde nach dem Aufbruch daheim bei wunderschöner Abendstimmung bereits auf dem Gipfel bin. Die befürchtete Bisentendenz bleibt eine (wenn auch präsente) Tendenz. Sprich, ein leichter Rückenwind ist fühlbar, aber ein Flug sollte möglich sein.

Anfahrt per Bike an einem wunderschönen Frühlingsabend.

Rein ins Abenteuer Bärtobel (ein bisschen steiler wird es schon noch ;-))
Nun kommt sie aus dem Sack, meine neue Flugausrüstung. Um Kraxeleien, alpine Touren und sogar echtes MSL-Klettern mit dem Fliegen zu verbinden, habe ich mir einen Sir Edmund von Skyman angeschafft. Dieser Single Skin Gleitschirm wiegt nur minimale 1.45kg. Man nehme ein String-Gurtzeug hinzu und somit hat man für unschlagbare 1.7kg ein komplettes Flugzeug auf dem Rücken. Das eröffnet definitiv Möglichkeiten, welche bisher nicht da waren. Passenden Wind und taugliches Wetter vorausgesetzt, sollten damit lange Abstiege der Vergangenheit angehören :-) Doch zurück zum konkreten Fall: mit ein paar entschlossenen Schritten war ich in der Luft und einige Minuten später beim Bikedepot gelandet. In ein paar Handgriffen alles zusammengerafft und auf den Drahtesel gestiegen. Weniger als 2h nach meinem Aufbruch hatte das Mini-Adventure zu Hause sein Ende gefunden.

Landed! Zusammenpacken und ab auf den Drahtesel.


Mein Vorsprung schwindet...

Während sich am Weekend gefühlt die halbe Schweiz aufmacht, um hohe Gipfel und steile Nordwände zu erklimmen, gibt's für mich nur die bescheidene, 30m hohe Nordwand am Schlänggen in Engelberg. Natürlich herrschen auch da beste Bedingungen und man hat die Wahl, an der schattigen Wand aktiv zu sein oder nebenan auf der Wiese in der Sonne zu fläzen. Darüber hinaus kommt der Nervenkitzel und das Adrenalin auch nicht zu kurz, auch wenn's nur wegen ein paar wenigen harten Zügen an oder über dem Limit, kaum einen Doppelmeter über dem letzten Bohrhaken ist. Die Sportkletterei ist eine Welt für sich, für mich auf jeden Fall eine spannende, an- und aufregende, erfüllende und zufriedenstellende.

Der Weg zum Ziel (again, Anfahrt per Bike, dieses Mal nicht ganz von daheim :-))
Im Schlänggen fehlen mir inzwischen nur noch wenige Routen: No Time (8a), Onan (8a+), Laserblade (natürlich natural, 8b), die OnaLater-Kombi (8b) und die beiden Toprouten Termilater und Schwarzes Glas (beide 8b+). Die spannende Frage bleibt, wie viele davon ich mir dereinst noch auf die Ticklist werde schreiben können?!? Das Potenzial ist da, aber trotz allem Bemühen ist auch das Szenario denkbar, dass es für keine einzige mehr reichen wird. Dafür hat am Weekend meine Tochter von 0 auf 1 gestellt und damit den Abstand im familieninternen Schlänggen-Ranking um eine Einheit verringert. Erster RP-Vorstieg einer Schlänggen-Route, bravo! Durchaus bemerkenswert, denn auch die auf dem Papier 'einfachen' Routen (ab 6a ist man dabei) sind komplexe Angelegenheiten und keine Geschenke. 

Schlänggen Vibes... hinten der Grassengrat und die Spannortgruppe.

Sonntag, 4. März 2018

Eisklettern im Tösstal (Vol. 2018)

Bis heute Vormittag ging's im Tösstal noch, aber nun ist die Kälte- und Eisperiode des Winters 17/18 definitiv Geschichte. Die Wetterextreme sind ja schon ein Phänomen: erst wenige Tage ist's her, seit rekordverdächtige Minuswerte registriert wurden. Heute war es an der Sonne hingegen bereits wieder fast zu warm, um effizient Sportklettern zu können. Und noch dazu wurde gewisse Kinder beobachtet, welche am Fusse sonniger Felsen den ganzen Tag in Shirt und Shorts unterwegs waren. Vom tiefsten Wetter innert weniger Tage beinahe in den Sommer, unglaublich!

GKB (201.14) und Swandive (201.15) bei noch sehr dünnen Bedingungen am Dienstag.

Die linken Galeriefälle (201.22-25). Drei Tage später konnte man hier unbeschwert Vorsteigen, zum Zeitpunkt des Fotos eher nicht.

The Big Boy with the Big Toy (die Route heisst wirklich so!) - coole Mixedlinie (201.29, M7).
Nun ja, gemessen an dem, was z.B. in den letzten Tagen im Lauterbrunnental (u.a. BASE und Mürrenbachfall) realisiert wurde, ist meine persönliche Ausbeute dieser Kälteperiode bescheiden. Aber das kommt halt davon, wenn diese sich erst so spät einstellt, dass meine berufliche Flexibilität nicht mehr ausgeprägt vorhanden ist. Das ist jedoch nur ein Mosaikstein, der zweite lässt sich auf eine Fehleinschätzung meinerseits zurückführen. Ich hatte nach der Föhnphase in der Nacht auf Donnerstag nicht damit gerechnet, dass (insbesondere in den Alpen) noch bis am Sonntag gute Bedingungen herrschen würden. Wobei man im Eis ja lieber zu defensiv als zu offensiv plant.

Überdachte Feuerstelle mit getrocknetem Holz im Gebiet vorhanden - am Dienstag bei -14 Grad sehr angenehm!

Der letzte löscht das Licht! After Work Iceclimbing heisst Retourweg per Stirnlampe.

Part of the Game.
Somit gab's für mich dann ein paar Kurzausflüge im Tösstal, welches sich ja schliesslich unmittelbar vor meiner Haustüre befindet. Vor Augen geführt wurde mir wieder einmal, wie variabel Bewertungen im Eis sind. So kletterte ich am Dienstag Abend eine ~12m hohe Säule im Toprope. Das Eis war noch sehr grümschelig, die Geräte an der Grenze zum Durchrutschen und die Füsse konnten nicht effizient platziert werden. Hier im Vorstieg abzusichern wäre kaum möglich gewesen, so fühlte sich das wie WI6 an - falls man das bei einer Passage mit einer solchen Kürze überhaupt attestieren darf. 72 Stunden später sah die Säule optisch gar nicht so viel fetter aus. Das Eis war jedoch wesentlich kompakter, es biss hervorragend, oft konnte man den ganzen Fuss platzieren und Schrauben setzen ging auch quasi à discretion - so fühlte sich das plötzlich nur noch wie maximal WI4+ an. Schon ein gewaltiger Unterschied! Zum Ende der Kälteperiode stellten sich tatsächlich ähnlich gute Bedingungen wie im Vorjahr ein, während man zuvor eine 5-jährige Durststrecke erdauern musste.

Schöne Kompakteisstufe (ca. WI3+) zwischen 201.8 und 201.9 (nicht im Hot Ice).

Die Kompakteisstufen 201.9-10 sowie die freihängenden Zapfen 201.11-12, dieses Jahr ziemlich schwierig mit Mixedeinstieg.

Schöne Säule links von 201.29 (nicht im Hot Ice), immer die erste der steilen Linien, welche gut kletterbar ist.