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Montag, 1. August 2016

Rodelheilspitze - Triplano (7b)

Übers Grödnerjoch waren wir schon etliche Male gekurvt, und immer wieder hatten wir dabei unsere Blicke auf den steilen, herausfordernden Felsklotz der Rodelheilspitze geworfen. Die dortige Triplano hatten wir darum schon lange auf der Liste, vor allem auch weil sie im Topoguide hoch gelobt wird. Andererseits hatten wir an guten Tagen wegen der relativen Kürze von nur 5 SL und 160 Klettermetern doch immer wieder ambitioniertere, längere Ziele gewählt. Und für einen Rasttag waren die Schwierigkeiten mit 7b dann doch wieder zu hoch. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben, für die aktuelle, gewittrige Lage war die Triplano genau das richtige Ziel.

Der steile Felsklotz der Rodelheilspitze am Grödner Joch mit dem Zustieg und dem Verlauf der Route Triplano.
Eigentlich wäre es ja vernünftig, an solchen Tagen zeitig zu starten. Wobei die Felsen von den vorabendlichen und nächtlichen Niederschlägen auch erst wieder trocknen müssen. Und in den Familienferien ist ein früher Aufbruch von Mama und Papa sowieso ein komplett hoffnungsloses Unterfangen. So hofften wir also, Petrus möge uns an diesem Tag gnädig sein und machten uns erst um 10:25 Uhr am Grödnerjoch auf den Weg, immerhin herrschte zu diesem Zeitpunkt noch so gut wie uneingeschränktes Schönwetter. Der Parkplatz bei der Passhöhe ist kostenpflichtig, wenige Minuten unterhalb kann man sich diesen Obulus auch sparen. Einzuschlagen gilt es den Weg 666, den man für ein paar Minuten verfolgt, um dann an offensichtlicher Stelle gerade hinauf Richtung Rodelheilspitze (oder Sass de la Luesa, wie der Berg auf Italienisch heisst) zu steigen. Die Geröllhänge lassen sich einfacher erklimmen wie befürchtet und schon bald steht man unter dem Vorbau. Hier ist durchaus etwas alpinistischer Spürsinn und Selbstvertrauen nötig! Unter zwei markanten Blöcken kraxelt man links hinauf, sofort ist gehörig Exposition da, der Fels ist teils ordentlich lottrig, es warten doch Zweier- und Dreierstellen und Sicherungsmöglichkeiten gibt es keine. Die zu wählende Linie ist auf dem Wandbild von Planetmountain korrekt eingezeichnet und vor Ort auch logisch bzw. ergibt sich von selbst. Um etwa 11:00 Uhr waren wir nach 35 Minuten Zustieg beim Einstiegsbohrhaken angelangt, wenige Minuten später starteten wir mit der Kletterei.

Steiles Gemäuer! Im Vordergrund die zu erkletternden Vorbaufelsen, in Mitte des Pfeilers die Route.
L1, 25m, 6a+: Die ersten 8m bilden die direkte Fortsetzung der Kraxelei über den Vorbau, hier ist's einfach noch steiler und etwas schwieriger, das Ganze ähnelt etwas einem Free Solo zum ersten, hoch steckenden BH - nur keinen Fehler machen! Danach folgen dann unmittelbar (Abstand ca. 1.5m) zwei Bolts hintereinander, sowie auch die erste schwere Kletterstelle, die mir für den angegebenen Grad doch richtig zupfig vorkam. Danach wird's wieder etwas leichter, es bleibt aber steil, irgendwie ernsthaft und auch etwas grimmig. Vom letzten BH zum Stand wartet dann ein ordentlicher Runout, an einem feinen Riss könnte man wohl legen wenn man Gerätschaften dabei hätte. Der in allen Topos verzeichnete, dortige BH wurde wohl abgeflext, denn entgegen der Angaben in der Literatur stecken auf dieser Länge aktuell definitiv nur noch 4 BH.

Überraschend anspruchsvolle Kletterei wartet in L1 (6a+), die Absicherung ist dabei auch nicht so üppig gehalten.
L2, 45m, 6b+: Lange Seillänge, welche im oberen Teil zwei Varianten bereithält (links direkt am steilen Pfeiler, oder rechts über die Platte in der Seitenwand einer grossen Verschneidung). Der Auftakt ein cooler Riesenslalom um die Bolts herum, man hänge die Sicherungen entsprechend ein, um nicht später unter Seilzug zu leiden! Bald aber wird's fordernd, an einer steilen Kante warten knifflige, technische Moves, und da es von den grossen Überhängen im oberen Wandteil runtertropft, ist der teils etwas glatte Fels stellenweise glitschig. Die linke Pfeilervariante war dann ebenfalls von der Feuchtigkeit betroffen, so dass ich die eher logischere, rechte Variante über die steile Platte gewählt habe. Dort gibt's ziemlich speziellen, für die Region untypischen Fels (aber gute Qualität) und zum Schluss eine feine Mover-Crux mit Querung nach links an kleinen Griffen und Reibungstritten.

Spezieller Fels und eher plattige Kletterei im oberen Teil von L2 (rechte Variante, 6b+).
L3, 25m, 6b+: Hier geht's nun mehr oder weniger direkt am Pfeiler entlang griffig und steil aufwärts. Wenige Meter höher befindet sich nochmals ein Stand, und es zweigt auch eine Linie direkt hinauf am Risssystem ab, hier sollte man sich also nicht verkoffern. Die Kletterei hier gefiel mir gut, die losen Griffe/Tritte sind noch in der Minderzahl und mir ging's auch recht leicht von der Hand, die kurze Crux an einem Überhang bereitete mir keine Schwierigkeiten. Ich empfand dies sogar als die gemütlichste Seillänge der ganzen Tour. Der Stand befindet sich bei einer Nische bzw. kleinen Höhle - nachdem die Farbe des Himmels von blau bereits zu mehrheitlich grau gewechselt hatte, war ich froh hier um einen Unterschlupf zu wissen, falls das Wetter käme. So wurde denn nicht abgeseilt, sondern weitergeklettert.

Man sieht's, der Routenverlauf immer etwas diagonal querend in steilem Gelände, hier L3 (6b+).
L4, 25m, 6c: Durch die überhängende Verschneidung sollst du gehen, wobei die Felsqualität hier nach meinem Empfinden nicht mehr so richtig toll ist. Das Ganze ist doch ziemlich splittrig und an der Grenze zur Brüchigkeit. Klar, es gibt immer noch genügend Griffe, welche das Körpergewicht tragen, aber ohne alpine Erfahrung geht's hier kaum und es fühlt sich irgendwie einfach etwas ernsthaft an. Zudem, auch wenn hier keine wirklich weiten Hakenabstände vorhanden sind, 5 BH auf 20-25m anhaltend überhängende und anspruchsvolle Kletterstrecke sind halt dann doch wieder nicht so viele. Vor allem der Weg vom letzten Bolt zum Stand ist absolut zwingend und nach meinem Empfinden die Crux der Seillänge.

Anspruchsvolle Kletterei durch die überhängende Verschneidung in nicht überall ganz solidem Fels: L4 (6c).
L5, 40m, 7b: Am überhängenden Bug an schwarzem Fels geht's weiter, die Kletterei ist ausdauernd und bisweilen vertrackt. Mit den Bohrhaken wurde für einmal nicht gegeizt, die Absicherung ist in dieser Länge wie im Klettergarten. Dennoch muss man ein bisschen etwas auf dem Kasten haben, um hier hochzukommen und bedenkenlos an allem zerren, was den Fingern Widerstand bietet, kann man definitiv auch nicht, obwohl die Felsqualität (bis auf die letzten, einfacheren Meter) grundsätzlich als ok bezeichnet werden kann. Während die Erstbegeher hier sogar noch mit 7b plus zweimaligem Griff zum Haken bewertet hatten, kann man auf dem Internet schon lesen, dass die Bewertung von 7b (die Hilfspunkte sind sowieso nicht nötig) etwas hoch gegriffen sei. Global gesehen wird das schon so sein, im Vergleich zu anderen, mir bekannten Dolomiten-MSL ist's jedoch nicht komplett unrealistisch hoch, ich fand's jedenfalls schwerer wie die 7a's in manchen anderen Routen und musste auch richtig fighten, um onsight am Top anzukommen.

Das war grob um 14:15 Uhr der Fall, somit hatten uns diese paar Seillängen doch beinahe 4 Stunden beschäftigt. Die Kletterei ist aber eben anhaltend steil und schwierig und das Freiklettern hatte bei Vorsteiger und Nachsteigerin einige Zeit und hin und wieder Schüttelpausen erfordert. Wobei, einen Grund zur Eile gab's ja eigentlich keinen, die Zeit ist kein wesentlicher Faktor, eine saubere, freie Begehung zählt deutlich mehr. Allerdings, von der Kletterei voll absorbiert, hatte ich bis zum Klippen der Haken am Top gar nicht bemerkt, dass hinter meinem Rücken inzwischen eine schwarze Wand aufgezogen war, und die ersten Tropfen bereits fielen. Nichts wie runter, war also die Devise!

Beim Aussitzen des Regenschauers am Trockenen in der gemütlichen Grotte am Ende von L3. Die Aufhellung kommt!
Die Abseilerei gestaltet sich in der stark überhängenden Wand wegen dem entlang einer Rampe leicht querenden Routenverlauf als nicht ganz einfach. Die Erstbegeher hatten hier ein Fixseil installiert, welches ganz sicher gute Dienste leistete. Irgendwelchen Traditionalisten passte so viel Bequemlichkeit aber nicht in den Kram, weshalb es später entfernt wurde. Vom Top ging's deshalb in einem langen Abseiler (2x50m-Seil reicht) in die Nische am Ende von L3, wobei man in L4 zwingend 1-2 Zwischensicherungen einhängen muss (was ich stets vermeide, wenn's mit Pendeln irgendwie geht, was mir hier jedoch nicht der Fall schien). Nun schlug auch der Regen mit voller Intensität zu, was uns jedoch nicht allzu gross zu kümmern brauchte. Dieser Wandteil ist nämlich so überhängend, dass man trocken bleibt, in der leidlich bequemen Stand-Nische sowieso. Also zogen wir das Seil ab, machten es uns gemütlich und genossen bei einem Vesper das Schauspiel der Elemente, was wollten wir auch weiter unten nass werden.

Nach einer guten halben Stunde kam wie erhofft ein trockenes Fenster, und wir konnten weiter in die Tiefe gleiten. Die diagonal verlaufende L3 seilten wir an einem doppelt genommenen Halbseilstrang ab (1x50m reicht), damit auch die Zweitabseilende den Fixkarabiner im obersten BH mit beiden Strängen klippen konnte. Dann zwei weitere Abseiler mit beiden Seilen, wobei man mit dem zweiten auch den oberen, steilen Vorbauteil ideal überwinden kann. Dennoch will der untere Teil vorsichtig abgeklettert sein, ein Rutscher hier wäre definitiv das letzte Missgeschick im Leben! Alles ging gut, also konnten wir uns dem Geröllsurf hinunter zum Weg 666 widmen und in wenigen Minuten zurück zum Grödnerjoch gehen, wo wir um 15:45 Uhr schliesslich eintrafen.

Nochmals ein Blick zurück auf den Berg, hier vor allem gut ersichtlich die Steilheit und Exponiertheit des Vorbaus.
Facts

Rodelheilspitze - Triplano 7b (6c obl.) - 5 SL, 160m - Marin/Piardi/Tremolada 1998 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, evtl. Camalots 0.3-0.75 und/oder Keilset

Anspruchsvolle, steile und irgendwie auch ziemlich ernsthafte Kletterei durch die steile Nordwand am Grödnerjoch. Die Felsqualität kann man gerade noch als in Ordnung bezeichnen, sie ist aber z.B. deutlich schlechter wie an der nur wenig entfernten Mur del Pisciadu. Gefährlich brüchig ist's sicher nicht, jedoch manchmal durchaus splittrig, so dass die Wahl von Griffen und Tritten etwas Sorgfalt erfordert. Die Leere unter den Füssen ist zudem auch noch beeindruckend, so dass es durchaus nicht eine halbe Klettergartentour ist, sondern ein Unternehmen, dass trotz seiner Kürze Psyche und alpines Engagement erfordert. Das gilt durchaus auch für den exponierten Kraxel-Zustieg und die etwas umständliche Abseilerei im Steilgelände. Die Absicherung mit verzinkten BH (Stand Juli 2016: guter Zustand) ist vernünftig ausgefallen. Vorsicht verlangen vor allem Start und Ende von L1 (hier wurde wohl ein BH entfernt), da und dort ist auch mal eine Stelle zwingend über dem Bolt zu meistern, die Schlüsselstellen und vor allem die letzte Länge sind dann aber eng gebohrt. Ich hatte keine mobilen Sicherungsmittel dabei und es ging, ein Set kleine Cams oder Keile mitzuführen wäre aber gar keine so schlechte Idee. Zu erwähnen ist, dass die Route meines Erachtens im Topoguide in Bezug auf Felsqualität, Kletterei, Absicherung und auch Bewertung eher optimistisch eingestuft wird - vor allem (aber nicht nur) wenn man mit den im Band III beschriebenen Routen vergleicht.

Topo

Ein schematisches Topo von guter Qualität findet man wie erwähnt im Topoguide Band I, wobei dort jedoch die rechte Variante auf der Platte in L2 nicht genau beschrieben ist. Natürlich steht die Tour auch noch in zahlreichen weiteren Dolomiten-Führern, im Prinzip ist hier jedoch auch das Wandbild und das Topo von Planetmountain gut ausreichend.

Topo der Route von planetmountain.com.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Cinque Torri

Die Cinque Torri sind eine Gruppe von Felstürmen in der Nähe vom Falzaregopass bei Cortina d'Ampezzo und als Klettergebiet sehr bekannt. Weil's hier, an den maximal 120m hohen Türmen keine wirklich langen MSL-Routen gibt, hatten wir sie bis anhin nie von nahem angeschaut. Nun wollten wir vor allem zum Klettern mit den Kindern hier vorbeischauen. Mit kurzem, einfachem Zustieg gibt's hier lässige Normalrouten im dritten und vierten Grat, welche zudem auch noch auf einen richtigen Gipfel führen. Wie es sich dann zeigte, gefielen uns die Cinque Torri sogar noch viel besser wie erwartet. Alles unkompliziert, originelle Kletterei in gutem Fels, sogar einige herausfordernde MSL hat's und schwere Sportkletterrouten gibt es ebenso.

Die Türme 5, 3, 2 und 1 vom Rifugio Scoiattoli bzw. der Bergstation des Sessellifts aus gesehen. 
Um an die Türme zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine öffentlich zugängliche Fahrstrasse führt zum Rifugio Cinque Torri (2137m), nur im August ist diese zumindest zeitweise mit einem Fahrverbot belegt. Weil die Parkmöglichkeiten oben nicht sonderlich üppig sind, empfiehlt sich diese Art der Anreise vor allem für Frühaufsteher. Wer ohne Auto aber trotzdem bequem in die Höhe gelangen will, kann den Sessellift benutzen, welcher zum Rifugio Scoiattoli (2256m) führt. Er ist von 9.00-17.00 Uhr in Betrieb, die Retourfahrt kostet ca. 15 Euro für Erwachsene (Kinder gratis). Oder man kann natürlich auch zu Fuss aufsteigen, es sind knapp 400hm von der Passstrasse auf einem sehr direkten Weg direkt unter dem Sessellift. Um die Türme herum, von den beiden Rifugios ausgehend, führt der bequeme Wanderweg "Giro delle Torri" an fast allen Einstiegen mehr oder weniger vorbei. Insgesamt ist das Ambiente viel weniger alpin und unwegsam, wie ich das im Vorfeld erwartet hätte. Die Kehrseite ist natürlich, dass bisweilen ein ziemlicher Zirkus mit Touristen, Alpinisten und Klettergruppen vorhanden ist. Aber naja, wir als Viererseilschaft mit zwei Kindern gehören da bestimmt auch dazu. Folgende Routen hatten wir begangen.

Torre Quarta Bassa - Via Normale (3 SL, III+)

Diese interessante, komplett mit Klebehaken abgesicherte Route führt durch die S-Wand am vierten Turm, es handelt sich um eine der lohnendsten kurzen und einfachen MSL-Routen an den Türmen. Der stark strukturierte, griffige Fels ist auf der gesamten Strecke von sehr guter Qualität, es handelt sich durchwegs um Wandkletterei mit homogener Schwierigkeit über drei Seillängen von je 20-25m Länge. Einstiegsvarianten gibt's gleich mehrere verschiedene (links an der Kante, rechts an der Kante oder gar in der E-Wand), alle sind aber ähnlich schwer. Oben tendiert man dann etwas gegen links und die Scharte zum Torre Quarta Alta, und schliesslich zum Gipfel. Abseilen kann man entweder über die S-Wand, oder auch nordseitig (2x20m oder 1x40m).

Der Torre Quarta Bassa, die Kletterer markieren den Verlauf der Normalroute.
MSL-Rakete im Anflug - jeden Meter problemlos selber gemeistert, und dies in einem Affenzahn.
Auf dem Gipfel wird gefuttert... hinten die Nordwände der Turmgruppen 2 und 1.

Torre Terza/Latina - Via Normale (3 SL, III)

Vielleicht die einfachste MSL-Route an den Türmen führt durch die Ostwand an Nummer 3. Allerdings ist sie mit beinahe keinerlei fixem Material ausgerüstet, nur ein NH-Stand befindet sich in der Mitte der 70m langen Wand. Dies liegt wohl daran, dass der Fels im Vergleich zu den anderen Türmen hier etwas weniger schön ist. Obwohl, es ist immer noch lohnende, einfache Genusskletterei an meist solidem Gestein, doch auf ein paar Bändern liegt auch etwas Schutt. Somit ist es sicher ratsam, wenn hier nicht zu viele Seilschaften gleichzeitig aktiv sind, und die Absenz von Bohrhaken verhindert das effektiv. Wir sind die Route in 3 kurzen Längen geklettert, vor allem mein Sohn hatte eine helle Freude daran, dass ich hier zahlreich "Freunde" und "Töggel" in die Ritzen stopfen konnte, und er sie danach wieder entfernen durfte. Auch ein selbstgebauter Stand an Sanduhr und Felszacken und die Abseilstelle am Baum (1x40m oder 2x20m an der SW-Kante) imponierte ihm deutlich mehr, wie die Bohrhaken anderswo. Eigentlich wäre er sowieso am liebsten gleich mit mir im Vorstieg mitgekommen, um das Gear zu platzieren, das hätte er dann noch einen Tick spannender wie das Rausgrübeln gefunden. Ich denke mir jetzt, vielleicht komme ich so ja doch einmal noch zu einer Route am El Cap - da könnten sich Vater und Sohn dann gleich tagelang dem Spiel mit diesen Gerätschaften widmen...

Er denkt sich wohl, irgendwann kommt der Tag, wo ich von oben zu dir runtergrinse...
Die Normalwege sind im Aufstieg im dritten/vierten Grad, also muss runter zwingend abgeseilt werden.

Torre Quinta/Inglese - Via Normale (3 SL, IV-)

Der spitzige fünfte Turm ist elegant und beliebt, wir hatten jedoch das Glück, auf freie Bahn zu treffen. Die Normalroute in seiner SE-Wand ist etwas höher bewertet als jene am dritten und vierten Turm, und stellt wegen der Steilheit auch grössere Anforderungen, bzw. fühlt sich schon mehr wie eine "richtige" Kletterroute an. Die drei Seillängen (10m/15m/25m) bieten zuerst eine (etwas polierte) Verschneidung und einen Kamin, während im oberen Teil dann erst Wandkletterei an guten Griffen und zuletzt eine luftige Kante warten. Auch hier gibt's Klebehaken, für jemand der am Limit klettert, dürften sich die Abstände aber etwas gross anfühlen und ein kleines Trad-Rack könnte hilfreich sein. Der Ausstiegsstand befindet sich etwa 3m unter der obersten Spitze und es gibt dort auch keinen bequemen Picknickplatz wie auf den anderen Türmen, zudem führt auch die Abseilstrecke (2x25m oder 1x45m) mehr oder weniger über die Aufstiegsroute - dies alles wurde von den Kindern "bemängelt" und die Kletterei am fünften Turm deshalb hinter den beiden anderen eingeordnet.

Alpiner Zirkus am Torre Quinta/Inglese, der Routenverlauf durch die vielen Kletterer bestens markiert.

Torre Grande - Columbus (5 SL, 7a)

Als die Kinder müde waren, gab's dann für Mama und Papa noch einen Ausflug zum ersten und grössten Turm (der genau genommen wie alle anderen auch eigentlich ein komplexes System von mehreren Sub-Türmen ist). Seine Ostwand ist ca. 100m hoch, äusserst steil und bietet neben dem sehr bekannten Klassiker Via Finlandia (6a+) auch einige mit BH gesicherte, sportliche MSL-Routen. Die Columbus verläuft rechts neben der Finlandia und bietet auf den ersten zwei Seillängen (6b, 6c) leicht überhängende, leistenlastige Kletterei (mit ein paar Löchern als Auflockerung) in zinnenähnlichem Fels. In der zweiten Länge kann man es sich dabei auch deutlich schwerer machen wie nötig, daher kommt wohl auch die reichlich hochgestapelte 7b+ (schön wär's...) im Topoguide. Der Oberknaller folgt dann in der dritten Länge, wo ein steiler Wulst überwunden werden muss. Dieser Abschnitt hängt auf 25m Kletterlänge wohl beinahe 10m über! So etwas habe ich bisher ausser auf gehobenen 5*-Wendentouren oder der Titlis Nordwand so noch nie erlebt. Die Griffe sind eigentlich alles gute Löcher, supergute Löcher und Töffgriffe. Nichtsdestotrotz, man muss sich festhalten und an der leicht unübersichtlichen Crux schadet ein bisschen Extrastrom nicht. Es ist zwar reichlich offensichtlich, was man zu tun hat, nur sind die Löcher in der Zielregion nicht einsehbar und um genügend lange rumzutasten, braucht's den Bizeps. Anyway, mir gelang es :-) Es folgt danach noch etwas alpineres und einfacheres Gelände (6a+), um auf den Turmgipfel zu kommen. Es gibt nach 20m einen Stand, nach 35m einen weiteren und im Prinzip noch eine fünfte kurze Länge (der Finlandia?!?), um auf den Gipfel zu kommen. Von dort wählt man entweder den durch die Schluchten führenden Normalabstieg, oder seilt wie wir über die Route ab. Das ist in 3 Manövern machbar, das extrem steile Gelände erfordert allerdings eine solide Abseil- und Pendeltechnik und etwas Zuversicht, da die Seile natürlich einfach ins Leere baumeln. Abgesichert ist die Route übrigens +/- wie im Klettergarten mit BH, fürchten muss man sich hier nicht. Etwa 6b ist vermutlich doch obligatorisch (schwer zu sagen für mich). 

Die gespaltene Ostwand des Torre Grande, die von uns gekletterte Columbus führt zentral durch die Wand rechts vom Spalt. 
Supercoole, leicht überhängende Leistenkletterei in zinnenähnlichem Fels wartet in L2 (6c) der Columbus.
Dieser Shot mit dem senkrecht nach unten hängenden Seil gibt einen Eindruck, wie steil L3 (7a) der Columbus ist.
Das war's dann soweit mit dem Kletterspass in den Cinque Torri. Bevor's auf den Heimweg ging, gab's noch etwas Dolce Vita im Rifugio, die Piadine, die Dessert's und der Kaffee sind durchaus empfehlenswert und das WLAN-Signal so stark, dass man selbst auf den Türmen oben eine Whatsapp schicken kann. Wir kommen sicher wieder, denn hier gibt's auf engstem Raum fast alles was das Kletterherz begehrt - ausser vielleicht das richtig gruselige 20-Seillängen-Abenteuer, aber sowas ist ja dann eh nix für Familien und Geniesser! 

Sonntag, 24. Juli 2016

Torre Brunico / Brunecker Turm - Oltre la Porta (6c+)

Die Oltre la Porta ist eine spannende, mit Bohrhaken gesicherte, aber dennoch alpine MSL-Tour am Brunecker Turm beim Grödner Joch im Sella-Massiv. Sie steht etwas im Schatten der unmittelbar daneben parallel verlaufenden Ottovolante (7a+), die deutlich mehr Besuch erhält. Schon bald 10 Jahre ist der Tag her, an welchem wir diese tolle Route geklettert sind. Auch wenn sie vielleicht wirklich noch einen Tick besser ist wie die Oltre la Porta - allzu gross ist der Unterschied in Bezug auf die Routenqualität nicht!

Die Mur del Pisciadu am Grödnerjoch im Sellagebiet mit dem Verlauf der Oltre la Porta (die erste SL ist nicht sichtbar).
Nach dem regnerischen Vorsommer 2016 war mein Plan, die sehr auf Restfeuchte anfällige 4 Giorni un Estate (7a) am Sass Pordoi klettern zu wollen, vielleicht etwas gar verwegen. Doch immerhin war es nun eine Woche trocken gewesen, dies noch dazu bei sommerlich warmen Temperaturen. Doch ein Augeschein von der Passstrasse zeigte, dass man sich dort zumindest teilweise noch mit Duschgang hätte abfinden müssen, was jetzt in einer Länge im Grad 6c+ nicht unbedingt das ist, was man braucht. Also kurvten wir etwas ums Sellamassiv herum und wählten den Plan B, die Wände am Torre Brunico bzw. der Mur del Pisciadu. Die ebenfalls sehr auf Feuchtigkeit anfällige Anton aus Tirol (7b) schien auch nicht mit Genuss kletterbar zu sein, also war die Oltre la Porta schliesslich die beste Option. Der Zustieg beschränkt sich gerade einmal auf 20 Minuten Gehzeit, man folgt vom grossen Parkplatz erst dem Weg 666 bis oberhalb der Felsstufe des Klettergartens Tridentina, quert dann auf dem Weg 29 nach links und schliesslich weglos hinauf zum Einstieg. Da man hier am Einstieg kein Depot macht und wir bereits aufgeschirrt waren, konnte es schon wenig später um und da man hier am Einstieg kein Depot macht, konnte es schon wenig später um 9:15 Uhr losgehen mit der Kletterei.

Er hat schon Schwung, der Brunecker Turm!
L1, 35m, 6a: Bereits die ersten Meter vom Boden weg haben es gehörig in sich: das Gelände ist gleich überhängend und die Griffe für den angegebenen Grad von 6a jetzt nicht gerade sonderlich henklig. Vielleicht war's ja die Erosion, die hier den Grund so stark abgetragen hat, so dass gegenüber früher neue Klettermeter entstanden sind. Wenn der Kaltstart mit dem Einstiegsboulder (eher 6b) gemeistert ist, so wird es etwas einfacher (6a passt nun), allerdings kann man vor dem hoch steckenden zweiten BH auf 10m problemlos einen Bodenleger fabrizieren (weniger empfehlenswert). Nach einem dritten BH folgt dann in der zweiten Hälfte einfache Kletterei in schrofigem Gelände ohne fixe Sicherungen, ein gutes Keil-Placement verhindert den potenziellen Sturz zurück auf Terra Firma.

L2, 15m, 5c: Uh, oh, hinauf, eine Querung nach links, welche sich doch noch als etwas kniffliger entpuppt als gedacht und nach etwa 7-8 Klettermetern schnappt dann endlich die erste Sicherung (BH) ein. Klaro, eigentlich ist's relativ easy, ein Sturz würde allerdings zu üblem Einkratern führen (weniger empfehlenswert). Danach hält man sich leicht rechts, klippt bei steiler, griffiger, aber nicht schwieriger Kletterei einen weiteren BH und erreicht schon bald den nächsten Stand.

Schöne, griffige Kletterei in L2 (5c). 
L3, 30m, 6b: Hier wartet gleich ob dem Stand eine steile, ja überhängende Wandpassage. Erst geht's noch erstaunlich gut, die Henkel sind da und sogar das Dächli lässt sich meistern. Am schwersten fand ich's erst danach, wo ich eigentlich meinte, es sei schon vorbei. Eventuell habe ich mich einfach etwas blöd angestellt, es war auf jeden Fall noch recht knifflig! Nach dieser 10m langen Passage wird die Kletterei etwas einfacher und folgt einem selbst abzusichernden Riss, zuletzt geht's in schrofigem Gelände an den Stand.

L4, 50m, 6a: Nach dieser Länge denkt sich wohl mancher, das war die bisher schönste der Route! Hier wurde (zum Glück) nicht der traditionelle Weg durch die brüchige Verschneidung gewählt, sondern die schöne, löchrige Wand links davon. Die Hakenabstände sind eher weit, der Fels aber fast unverschämt griffig, die Kletterei wohl auch eher einfacher wie 6a. Oben geht's dann links an die Kante, zuletzt wie des öfteren in einfachem Schrofengelände zu Stand vor der nächsten Stufe.

Im unteren Wandteil gibt's auch die eine oder andere etwas schrofige Passage, vor allem jeweils im Ausstieg zum Stand. Mich hat das nicht weiter gestört, vor allem profitiert man auch davon, weil die Stände alle sehr bequem sind. Hier sehen wir das Ende der sehr schönen L4 (6a). 
L5, 45m, 6a: Fulminanter Auftakt an einem steilen Piazriss. Ein bisschen schauen, bis man einmal drin ist (BH), die Piazerei geht dann gut und ist nach wenigen Metern auch schon vorbei. Oberhalb wartet dann deutlich einfacheres Gelände ohne fixe Sicherungen. Die zwei NH aus dem Topo habe ich nicht gesehen (allerdings auch nicht gesucht). Jedenfalls muss man ziemlich nach links tendieren, 2-3 gute, natürliche Sicherungen bringt man unter, aber hier gilt es im Dreier- und Vierergelände einfach sicher zu klettern.

Es sieht zwar so aus, als ob ich hier am Anfang von L5 (6a) erst ca. 3cm vom Boden weg bin. Aber ganz ehrlich, die Crux dieser Länge ist an dieser Stelle schon gemeistert. Das schwerste ist wirklich, vom bequemen Boden weg die Hände an den Piazriss zu kriegen.
L6, 20m, 5c+: Schöne, steile und gut mit BH abgesicherte Kletterei an griffigem Fels. Nach meinem Empfinden klettertechnisch eher etwas schwieriger wie die beiden Längen davor, dafür kann man hier dank der guten Absicherung auch einfach gemütlich dahinmoven.

Hinauf ins Licht! Sehr schöne Kletterei in der steilen, eng mit Bohrhaken abgesicherten L6 (5c+).
L7, 45m, 6a+: Eine etwas komische Seillänge, mit irgendwie nicht ganz logischer Linienführung. Erst markant nach links zu BH, hinauf zur Schlinge am Pfeilerkopf und dann unlogisch deutlich nach rechts halten (mehr als das Topo suggeriert). Die Linie gerade mehr oder weniger gerade hinauf wäre sicher möglich, aber so ganz ohne Sicherungen... Rechts wartet ein kurzes Dächli (easy für 6a+), ein selber abzusichernder Riss und am Schluss noch eine etwas einschüchternde, klassische Dolomiten-Passage (SU-Schlinge und NH), welche sich aber doch erstaunlich easy klettert.

Das Finish von L7 war nicht so fotogen, daher hier ein weiterer Shot aus L6 (5c+, steil und anhaltend für den Grad!).
L8, 20m, 2a: Kurze und problemloses Überführungsstück: hinauf und dann nach rechts.

L9, 25m, 6c+: Unmittelbar links der Ottovolante-Crux geht's hier sehr schön an gelbem, steilem Fels in die Höhe. Es hat ein paar Löcher und scharfe, tropflochartige Strukturen. Der erste BH steckt für die Turnerei direkt über dem Band nicht gerade nahe, aber es ist einfache Kletterei. Die Crux dann am zweiten vorbei knifflig und kleingriffig. Nicht so einfach zu lesen, aber meine Lösung ging :-) Danach im 6b-Terrain anhaltend bei guter BH-Absicherung zum unbequemen Hängestand.

So präsentiert sich der Blick auf den eindrücklichen oberen Wandteil, im Vordergrund wartet die Cruxlänge (L8, 6c+). Der sichtbare Kletterer ist gerade an der Schlüsselstelle der rechts daneben verlaufenden Nachbarin Ottovolante (7a+) engagiert und macht das, was dort wohl viele machen: A0...
Coole Tropfloch-Crimperei in der Cruxlänge (L9, 6c+) im soliden, gelben Fels.
L10, 35m, 6c: Die (gemäss Topo) A0-Passage am steilen Wulst gleich nach dem Stand lässt sich problemlos bei etwa 6c freiklettern. Man zieht dabei an einer kleinen, blockigen Verschneidung. Leicht spooky, aber das Material schien mir doch solide (und sonst hätte es sicher eh schon längst jemand ausgerissen), zudem gefährdet man weder den Seilpartner noch die Seilführung. Danach dann total geniale, sehr anhaltende 6b-Wandkletterei, immer wieder taucht eine griffige Schuppe, ein Loch oder eine Leiste auf. Gut mit BH gesichert, aber hier muss man etwas marschieren, wohl das forderndste Stück für den Vorsteiger.

Das geniale, anhaltende Finish in steiler Wandkletterei von L10 (6c) - auf dem Foto kommt's nicht ganz zur Geltung.
L11, 30m, 6a: Sehr schöne Kletterei an einer schwach ausgeprägten Verschneidung in orangem Fels, der viele Löcher und Henkel aufweist. Das geht alles gut und die BH-Absicherung ist hier prima ausgefallen, trotzdem ist's vielleicht doch eher mit 6a+ zu bewerten - nach meinem Empfinden jedenfalls schwerer wie L4, L5 oder L7. Man erreicht dann eine Art Rampe, dieser entlang links aufwärts zu Stand an der Kante.

Auf der einfachen Rampe am Ende von L11 (6a), die super Kletterei im schönen Löcherfels davor sieht man leider nicht.
Unsere Nachbarn in der Ottovolante am Stand, zudem der Blick zum Grödnerjoch und den Cirspitzen.
L12, 35m, 6c: Coole Henkelwand mit vielen Löchern oberhalb vom Stand. Der erste BH steckt etwas hoch, danach folgen sie dann bei den schwersten Moves aber bald fast in Hallenmanier. Die 6c fand ich jetzt nicht sonderlich hart für den Grad, liegt aber vielleicht dran, dass die entscheidende Leiste getickt war und im entscheidenden Loch gar ein Schnürlein steckte. Obenraus wird die Kletterei dann etwas gemütlicher (ca. 5c+), zuletzt dann nicht mehr ganz perfekter Fels.

Der Brunecker Turm wirft einen Schatten wie ein Sombrero... und Kathrin klettert das Finish von L12 (6c).
L13, 50m, 4c: Rechts aufwärts (BH gut sichtbar) und dann nicht durch die grimmige Rinne, sondern in der Wand links davon schön in sehr strukturiertem Fels aufwärts. Es kommt hin und wieder ein BH, meist nicht so gut von weitem sichtbar. Etwas längere Exen helfen hier, um bis ans Ende genussvoll moven zu können. Der Stand kommt wirklich erst ganz oben kurz vor dem Plateau, der letzte Abstand ist eher weit und das Gelände wird etwas brüchig.

Das Top erreicht, inklusive dabei der Tiefblick noch Colfosco.
Um 15.40 Uhr hatten wir nach knapp 6:30 Stunden Kletterei das Top in einer einwandfrei sauberen Begehung erreicht. Schon beinahe 10 Jahre ist es her, seit wir nach der Ottovolante (7a+) das erste Mal hier oben standen. Damals war noch vieles anders - wir beide eine Dekade jünger, und vor allem noch ohne Familie. Gewisse Dinge waren damals natürlich einfacher, vor allem die Freiheit, tun und lassen zu können, was man will. Aber trotzdem hatten wir es noch einmal hierher geschafft und sowieso, trotz etlicher Jahre mehr auf dem Buckel ist unser Kletterniveau sogar höher als damals. Mal sehen, was die Zukunft bringt, auf jeden Fall gibt's an diesen Wänden noch mehr zu entdecken.

Blick zum Torre Brunico mit dem Team aus der Ottovolante am Top. Hinten in der linken Bildhälfte der Sas Ciampac.
Nun denn, wir wollten uns nicht mit Philosophieren lange aufhalten, denn die Kinder warteten natürlich schon auf unsere Rückkehr. Der Übergang vom Brunecker Turm zum Hochplateau dahinter verlangt noch etwas Kraxelei, die wegen der Exponiertheit keine Fehler verträgt. Nachdem mir die Gegebenheiten hier bereits etwas bekannt waren, verzichtete ich dieses Mal darauf, zu früh den intuitiv irgendwie logischen Weg nach rechts hinauf einzuschlagen. Wir hielten uns stattdessen die Höhe haltend eher nach links, hier trifft man bald auf einen guten Pfad, welcher zur Pisciadu-Hütte führt. Von dieser ist es nicht weit, bis man den Abstieg über den klettersteigähnlich ausgebauten Highway 666 durch das Val Setus antrifft. Hier war es, wie es schon immer war. Viele Touristen sind unterwegs, und bewegen sich nur im Schneckentempo fort. Uns nimmt der Abstieg gerade eine Stunde in Anspruch, und wenig später sind wir retour daheim.

Wenn man ein paar Euros dabei hat, kann man auf dem Rückweg in der Pisciadu-Hütte noch eins zischen. Wobei, der Abstieg durch das steile Val Setus auf dem Highway 666 verträgt also nicht zu viele Promille im Blut, sonst wird's gefährlich (bei Gewittern und Nässe bestimmt auch, da bleibt man besser noch ein wenig in der Hütte). 
Facts

Torre Brunico - Oltre la Porta 6c+ (6b+ obl.) - 13 SL, 435m - Boldrin/Maceri 2003 - ***;xxx
Material: 1x oder 2x50m-Seil, 12 Express, Camalots 0.3-1, 1 Set kleine und mittlere Keile

Schöne alpine Sportklettertour, welche eher zu Unrecht etwas im Schatten der benachbarten Ottovolante steht. Letztere ist vielleicht einen Tick homogener und schöner, doch schlussendlich sind sich die beiden Routen ähnlich. Der untere Teil bietet einige lohnende Einzelstellen mit schwererer Kletterei, welche jeweils durch leichtere, manchmal etwas schrofige Abschnitte verbunden sind. Oberhalb vom Band in Wandmitte geht's dann aber so richtig los mit ein paar steilen Seillängen am Stück. Hier gibt's von Tropflöchern, Leisten bis zur typischen Dolomiten-Lochzerrerei alles, was das Kletterherz begehrt. Die Absicherung kann man als gut bezeichnen, wobei bei diesem Begriff etwas Vorsicht angebracht ist. An allen schweren Kletterstellen stecken Bohrhaken, überall wo es schwerer als 6b ist, sogar in kurzen, klettergartenmässigen Abständen. Es handelt sich komplett um verzinktes Material, welches zur Zeit (Juli 2016) noch in gutem Zustand ist. Das leichte Gelände ist hingegen ganz klar ungenügend abgesichert, an diversen Stellen mit etwas schrofigem Dreier- und Vierergelände sollte man seiner Gesundheit zuliebe besser nicht stürzen. In diesem Terrain bringt man hier und da noch einen Friend oder vor allem, kleine bis mittlere Keile unter, weshalb diese am Gurt nicht fehlen sollten. Aber wie bereits erwähnt, es lässt sich nicht jeder Meter an einfacher Kletterei genügend absichern. Immerhin ist der Fels an diesen Stellen meist fest, daher passt's mit etwas alpiner Erfahrung durchaus. 

Topo

Die Route ist in zahlreichen Dolomiten-Auswahlführern mit grob generalisierten Topos oder einem Foto mit Routenverlauf enthalten. Mit etwas alpinem Spürsinn reicht das aus, entweder kann man den Bolts folgen, oder dann nimmt die Route (ausser in L7, siehe Text) den logischen Verlauf. Das eindeutig beste schematische Topo, das ich zu dieser Route kenne, ist jenes aus dem Topoguide Band I, welches auch als Einzelstück erwerbbar ist. Bis auf einen vergessen gegangenen BH in L2 und der zu wenig ausgeprägt gezeichneten Rechtsquerung in L7 passen hier die Details!