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Montag, 4. Mai 2026

Skitouren für Spätaufsteher

Es ist nicht so, dass ich der geborene Langschläfer bin. Doch regelmässige Nachtruhe ist wichtig, und genügend Erholung auch. Insbesondere die Sportklettersessions fordern nämlich ihren Tribut. Auch wenn man dabei keine übermässigen Distanzen oder Höhenmeter zurücklegt, so fordert man doch 100% von seinem Körper ab. Und so schadet eine sonntägliche Zusatzstunde in der Horizontalen ganz und gar nicht. Jedenfalls: ich erhob mich um 8 Uhr aus dem Bett und wollte trotzdem noch ein schönes Recovery-Tüürli in sulzigem Schnee machen. Meine Pläne spielten sich im Klöntal ab. Nach dem Zmorge mit der Familie wurde das Material verladen und Nägel mit Köpfen gemacht.

Auf dem Weg dem Schnee entgegen: hinein ins schon frühlingshafte Rossmatter Tal.

Meine Tour startete um 10.15 Uhr beim Fahrverbot in Klöntal Plätz. Mit dem Schneetaxi ging es zügig hinauf nach Wärben (1385m), wo ich den Blinker stellte und den steilen Karrweg Richtung Zeinenstafel einschlug. Dieser Abschnitt mit grobem, losem Schotter ist an der Grenze der Fahrbarkeit und bei der Kehre auf 1450m war sowieso Schluss, ein Schneefeld belagerte das Trassee. Um 10.50 Uhr mogelte ich mich erst zu Fuss weiter, da ich um die nächste Ecke wieder aperes Gelände befürchtete. Das manifestierte sich genau so. Erst beim Zeinenstafel (1568m) kamen die Bretter an die Füsse, von da weg ging es dann aber durchgehend. Wobei man sagen muss: 118hm Fussmarsch sind kein Drama.

Bikedepot: dagegen ist auch mit dem Boost-Modus am E-Bike kein Kraut gewachsen.

Die Route hinauf zur Zeinenmatt war mir von der Tour auf den Hinter Gassenstock noch bestens bekannt. Und genau bei diesem Anlass hatte ich die tollen NW-Hänge am Munggenchöpfli vorbei als lohnendes Skigelände in meinen Hirnwindungen abgespeichert. Gut, das Abspeichern ist das eine, aber die Erinnerung im richtigen Moment wieder in den Kortex zu laden das andere. Hier war es mir gelungen und ich fellte bei besten Bedingungen hinauf. Im oberen Teil steilt sich das Gelände auf bis zu 40 Grad auf und stellte mit der glatten, harten Schneedecke eine gewaltige Rutschbahn dar - Harscheisen waren unabdingbar. Um 12.15 Uhr erreichte ich das Top der Rinne auf ca. 2180m. Für Fernsicht ist man da zu tief, aber die Nahblicke zur Zeinenfurggel, den Gassenstöcken und dem Bös Fulen sind nicht zu verachten.

Tolle Tourenverhältnisse in der Nähe von daheim gesucht und sie gefunden!

Nach einer kurzen Pause schnallte ich die Bretter an die Füsse. Der Zeitpunkt war genau richtig, die steilen Hänge gerade mit "al dente"-Sulz präpariert. Wie im Rausch ging's retour in die Zeinenmatt, auch die folgenden Hänge retour zum Zeinenstafel boten mehr von dem, weswegen ich gekommen war. Dann wurden die Bretter für einen kurzen Marsch geschultert, später dann auf's Bike verladen und zu Tale gebracht. Um 13.15 Uhr war ich wieder auf dem Weg nach Hause, der Plan hatte sich so materialisiert, wie ich mir das vorgestellt hatte - perfekt!

Der Bös Fulen und die Gassenstöcke, gut sichtbar meine Route zum Hinter Gassenstock von 2025.

Disclaimer: dieser Beitrag soll nicht dazu verleiten, im Frühjahr spät auf Skitouren aufzubrechen. Ein rechtzeitiger Start und eine frühe Rückkehr sind essenziell. Hier, an diesem steilen NW-Hang relativ nahe bei mir daheim ging sich die Tour ausnahmsweise ohne frühes Aufstehen aus. Ich hatte jedoch einen genauen Zeitplan, welche ich strikte einhalten konnte. Zudem war die Situation aussergewöhnlich günstig: nach einer langen Schönwetterperiode herrschte Warnstufe 1 und die Gefahr von nassen Lawinen war ebenfalls nicht sehr akut.

Sonntag, 16. Februar 2025

Skitour Hinter Gassenstock (2541m)

Nochmals top Wetter und sichere Lawinenverhältnisse, damit nach der Tour ins Lachenstock-Couli am Vortag erneut die Gelegenheit für aussergewöhnliches Skifahren. Aus organisatorischen Gründen und weil die Schneedecke am Alpennordhang am solidesten aufgebaut ist, will ich nicht in die Ferne schweifen und entscheide mich für "z'Chlüntl". An sich rasch zugänglich, beim Touren kommt man aber doch zügig in einsam-abgelegenes Gebiet und Abenteuer ist garantiert. Sei es auf alpinen Klettertouren wie dem Ruchenpfeiler, Nordwand-Action am Bös Fulen, (sehr) alpinem Sportklettern wie im Köbis Wäg oder eben Skitouren wie der hier beschriebenen.

Unterwegs im Rossmattertal, kurz vor Chäseren. Mein Gipfelziel ist in der rechten Bildhälfte, sichtbar jedoch nur die Felsbastionen vom Vorder Gassenstock im Vordergrund und dem Bös Fulen im Hintergrund. Der wenig prominente Hinter Gassenstock befindet sich zwischen diesen beiden.

Die Schneekarte vom SLF war bezüglich einem Start von ganz unten eher pessimistisch und sowieso, wer nicht das Automobil-Fahrverbot missachten will, muss zuerst 20 Minuten der flachen Strasse entlang tschalpen. Somit war der Fall klar, das Schneetaxi kommt mit. Es zeigte sich als vortreffliche Entscheidung: zwar gab es ab dem offiziellen Ausgangspunkt gefrorenes H2O als Unterlage, aber das Bike machte die Sache doch einfacher. Zuerst flach über die zu einer Blankeisbahn gefrorene Strasse zu den letzten Häusern. Und dann liessen sich dank der dünnen und harten Schneedecke auch noch die ersten 200hm den Chlüstaldenstutz hinauf auf zwei Rädern meistern. Mir ging es dabei noch nicht einmal in erster Linie um den eingesparten Effort, aber die steile und enge Strasse ist für die Abfahrt unattraktiv, zudem hätte man wegen Schneemangel 2-3x abschnallen müssen und einige weitere Abschnitte wegen knapp eingeschneiten Steinen runtertreten müssen.

Effizienter Tourenstart bis zum Chlüstalden.

Um ca. 12.30 Uhr startete ich mit den Fellen und lief zügig über die bestens eingeschneite Strasse ins Tal hinein zur Chäseren. Der Vorteil von diesem späten Aufbruch war ganz klar, dass ich im nach Süden ausgerichteten Tal die Sonne geniessen konnte, während man morgens alles im Schatten geht. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, ab der Chäseren nicht über Wärben zu gehen, sondern die in der Linkskurve nach den Häusern startende Abkürzung durch den Wald zu wählen. Eine bereits vorhandene Spur liess mich dann nicht zögern, es zu tun. Man spart sich da wirklich etwas an Weg, sofern die raue Waldschneise genügend eingeschneit ist, dünkt mich diese Variante vorteilhaft. An der Jägerhütte vorbei ging's zu den Alpgebäuden von Zeinenstafel, wo sich manifestierte, dass in den Kessel der Zeinenmatt hinauf ebenfalls schon gespurt war. Vor- und Nachteil zugleich, da keine offizielle Route in diese wilde Gegend hinaufführt, hatte ich eher mit noch jungfräulichen Verhältnissen gerechnet (wie am Vortag).

Schon fast im schattig-abgelegenen Kessel der Zeinenmatt. Die Felsmauer in der rechten Bildhälfte gehört dem Bösbächistock. Meine Skitour führt etwas rechts ausserhalb des Bildausschnitts auf einem System von Rampen durch diese Wand hindurch.

Als Detailziele im Kessel der Zeinenmatt hatte ich verschiedene Optionen parat. Als ich mir dann aber gewahr wurde, dass der Hinter Gassenstock bereits gemacht wurde, da war der Fall für mich klar. Der an sich unbedeutende Gipfel im Nordgrat des Bös Fulen kann nur über ein System von Rampen erreicht werden, welche durch eine von Laien durchaus als "senkrechte Felswand" zu bezeichnende Struktur führen. Über 600hm beträgt die Steilheit zwischen 35-40 Grad mit zwei Schlüsselstellen, welche die 45 Grad erreichen oder sogar überschreiten. Diese Parameter machen es deutlich, das ist eine Tour für ausgewählte Momente und ein solcher war mir zum Glück gegeben. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, wer da drei Tage vor mir unterwegs war. Die Spur war mir schliesslich nur wenig hilfreich, da grösstenteils wieder zugeweht und meist nur noch knapp erkennbar. Immerhin, um die letzten Zweifel zu vertreiben, es an diesem Tag dort hinauf wagen zu wollen, war sie ein Schlüsselelement.

Das Bild wurde zwar nach der Abfahrt aufgenommen, passt aber chronologisch trotzdem hierher. Ab diesem Punkt in der Zeinenmatt nimmt die Steilheit massiv zu. Die hier knapp sichtbare Abfahrtsspur befindet sich im (unten beschriebenen) "150hm-Hang, mit welchem man sich an die Felswand heranpirscht, bevor es über eine enge Rampe nach rechts geht". Hinweis: auf dem Foto sieht alles ein rechtes Stück flacher aus, als es tatsächlich ist.

Jedenfalls, über 150 schon zunehmend steiler werdende Höhenmeter pirscht man sich an die Felswand heran, bevor es über eine enge Rampe nach rechts geht. Viele Spitzkehren waren in diesem Couloir nötig, im steilsten Abschnitt ob der harten Unterlage mit rutschigem Presspulver drauf sogar eine Portage. Es ist da eben nicht nur so steil, dass es eine lange Schlitterpartie würde, sondern es hat auch noch eingelagerte Felsen über die man purzeln würde und sogar ein Absturz über die begrenzende Felswand scheint nicht komplett ausgeschlossen. Kurzum, Fehler sind da keine erlaubt, weder in Aufstieg noch Abfahrt. Auf 2100m legt sich das Gelände wieder etwas zurück und wird breiter, man wird über 100hm an den steilsten Abschnitt herangeführt: 45-50 Grad, etwas felsdurchsetzt, auch da war nochmals ein Bootpack nötig. Nach gut 50hm kann man wieder durchschnaufen, man erreicht ein wieder flacheres, als Schneeruus bezeichnetes Feld. 

Auf dem sich etwas zurücklegenden, breiteren Gelände bevor es in den steilsten Abschnitt geht. Die gegen 50 Grad steile, felsdurchsetzte Partie in Bildmitte gilt es zu bezwingen. Im Aufstieg war das nur mit Portage möglich, die Abfahrt ging gut mit Ski. Man sei sich bewusst: das Foto bringt die Steilheit und Exponiertheit vom Gelände ganz und gar nicht rüber.

Sodann hat man die Wahl, ob man als Gipfelziel links den gut und etwas schneller erreichbaren P.2506 im Rüchigrat anpeilen möchte oder dem Hinter Gassenstock den Vorzug gibt. Echte Alpinisten mit grosszügigem Zeitbudget hatten vom ersten Skiziel übrigens die Möglichkeit mit einer 1km langen Gratkletterei den exklusiven Bösbächistock (2659m) zu erreichen. Ich hingegen blieb bei meinem Objective vom Hinter Gassenstock. Von der Schneeruus muss ein erneut gegen 40 Grad steiler Hang zur NE-Wand des Bös Fulen hin bewältigt werden, bevor es auf 2470m über eine Rampe nach rechts hinaus geht. 

Auch ein Foto von der Abfahrt mit meiner Spur drin. Sichtbar hier der vorletzte Steilaufschwung, die 'Schneeruus', welche steil zur NE-Wand des Bös Fulen hinaufführt. Zum Gipfel des Hinter Gassenstock heisst es dann vor der Felswand auf einem Schneeband nach rechts abzubiegen (auf dem Foto gut zu erahnen). Dort ist das Gelände nicht ganz so steil, dafür befindet man sich exponiert über der Felswand am rechten Bildrand.

Man erreicht so einen flachen Gratabschnitt (ca. 2545m), welcher höher als der kotierte Gipfel des Hinter Gassenstock liegt und einen durchaus logischen Endpunkt für den Skitourengänger darstellt. Kurz nach meiner Ankunft begrüsste mich ein Adler, der im leichten NW-Wind soarend unmittelbar vor meiner Nase vorbeizog. Bei seiner zweiten Passage, wo er dann schon etwas höher war, hatte ich das Handy dann griffbereit. Auf der ganzen Strecke hatte ich keine Menschenseele angetroffen. Obwohl es im Prinzip nur eine Halbtagestour ist, fühlt man sich in der Zeinenmatt doch ziemlich isoliert und weitab der Zivilisation (es gibt ausser am Gipfel auch keinen Handyempfang!). Und dann kommt der König der Lüfte vorbei um Hallo zu sagen - was für ein grandioses Erlebnis!

Das Video funzt leider nicht (mehr). Deshalb hier ein Foto vom König der Lüfte. Ja, man sieht mehr als nur blauen Himmel ;-)

Für den Alpinisten scheint es vom flachen Gratabschnitt nicht unmöglich, den Gipfel des Bös Fulen via die Kubli-Route erreichen zu können. Das wäre aber ein grössere Unternehmung. Der kotierte Gipfel P.2541 vom Hinter Gassenstock liegt deutlich näher, ist aber auch nicht trivial: es wartet nochmals ein kurzer Abstieg, und dann ein sehr steiler Schlusshang, natürlich auch noch kammnah. Käme dort etwas ins Rutschen, dann wäre dies wohl das Expressticket ins Tal (Absturz über die darunter liegende Felswand). Alternativ kann man mit einigen kurzen Abweichungen rechtsherum dem linken Grat entlang steigen, welcher aus brüchig-losen Felsen besteht und ebenfalls sehr exponiert ist. Choose wisely, kann man da nur sagen - es ist eine Unternehmung für Leute, welche sich in solchem Gelände sicher zu bewegen wissen. 

Panorama in Richtung Nordwesten vom flachen Gratabschnitt zwischen dem Bös Fulen und dem kotierten Gipfel P.2541 des Hinter Gassenstock. Bei diesem handelt es sich um die felsige Wand im rechten Bildviertel. Zuletzt wartet nochmals ein sehr steiler Hang, oder man folgt dem teilweise exponierten Grat linkerhand, mit einigen Umgehungen rechtsherum.

Jedenfalls, einige Minuten vor 16.00 Uhr hatte ich meinen Aufstieg vollendet. Auch wenn die Uhr schon vorgerückt war, so war mir ein rascher Rückweg gewiss und ich konnte die Atmosphäre an diesem Ort noch für eine gute Weile aufsaugen und geniessen. Dann aber hiess es zurück zum Skidepot, mit Wechsel von den Steigeisen zurück auf die Bretter. Bald war alles Material festgezurrt und die Ski konnten talwärts gerichtet werden.

Sicht vom Top auf den Glärnisch in der linken Bildhälfte mit dem Ruchen und dem Bächistock. In der Bildmitte befindet sich die Zeinenfurggel, rechts davon der kecke Bösbächistock am zur Position des Fotografen ziehenden Rüchigrat. Der aus der Schneeruus relativ einfach erreichbare P.2506 liegt noch knapp in der Sonne.

Die Abfahrt war dann gut, es ging alles mit den Ski an den Füssen (auch die Steilstufen) und der Schnee war prima fahrbar. "Bester Presspulver", so sagt man das im Jargon - sprich kompakte Unterlage mit weicher Auflage, etwas vom Wind bearbeitet und leicht wechselhaft. Aber natürlich, die 50cm Fluffy Powder hatte ich auch nicht erwartet, bzw. bei solchen Verhältnissen möchte man sich auch lieber nicht in diesem Steilgelände bewegen. Wohlverstanden, es ist keine Extremabfahrt, in den steilsten Stellen gilt es aber doch, konzentriert Schwung an Schwung zu setzen. Schliesslich war ich zurück in der Zeinenmatt, die Hänge zur Chäseren waren genussreich (kompakte Unterlage mit aufbauend umgewandelter Auflage) und unverfahrenes Gelände war vorhanden. Danach ging's im Schuss hinunter zum Bike, bequem mit einem coolen Downhill den steilen Stutz hinunter und vorsichtig über die Eisbahn retour zum Parkplatz (17.00 Uhr). Ein kurzer Ausflug in die Wildnis, ein grandioses Abenteuer - wie cool, dass so etwas möglich ist!

Dienstag, 23. Januar 2024

Best of Schwialp!

Erneut stand uns ein Traumsamstag bevor, der zum Skitouren lockte. In Bezug auf den Schnee tönten die Verhältnisse nicht mehr ganz so vielversprechend wie eine Woche davor. Erst hatte der Wind Schnee verfrachtet, dann wurde eine ungünstige Oberfläche eingeschneit, bevor es Regen bis weit hinauf gab. Aber immerhin, zuletzt gab's noch eine Ladung fluffigen Pulverschnee bis in tiefe Lagen. Lawinenstufe 3 war die Konsequenz von diesem Auf und Ab, somit stellte sich die Frage nach der Konstruktion einer lohnenden Tour. Ein familienbedingt später Aufbruch und der Wunsch nach Exklusivität mit First-Line-Garantie definierten dazu Rahmenbedingungen, welche die Planung nicht einfacher machten. 

Panoramablick vom Ochsenchopf über Glärnisch und Silberen bis zu den Hinteren Gräten.

Ich entschied mich schliesslich, in Hinter Richisau zu starten und im Gebiet der Schwialp zu touren. Dieses ist ziemlich weitläufig, da würden sich bestimmt ein paar noch unbefahrene Hänge finden lassen. Dank den tiefen Temperaturen konnte man auch in den südlich-sonnigen Expositionen auf guten Schnee zählen, das war ein weiteres Argument meiner Zielauswahl. Auf einen bestimmten Gipfel war ich hingegen weniger fokussiert, da ich mehr oder weniger sämtliche zur Verfügung stehenden Ziele bereits früher besucht hatte - das kann aber auch ein Vorteil sein, weil der Fokus mehr auf den optimalen Skihängen liegen kann.

Das streifende Auge erkennt hier gewisse Hänge, deren Befahrung zum Imperativ wird.

Davon machte ich im Gebiet der Ober Schwialp dann Gebrauch. Ich lief erst 2x ins "nichts", sprich einen super attraktiven Hang am Fuss der Hinteren Gräte hinauf. Einfach nur, um ihn Anspuren und als erster befahren zu können. Mehr gab's da an diesem Tag nicht zu holen... bei idealen Verhältnissen könnten aber einige der Couloirs auch bis zur Gratlinie hinauf machbar sein - nächstes Mal dann vielleicht. Jedenfalls gelang es mir, die Landschaft wunschgemäss zu verzieren. Die Verhältnisse waren perfekt, der locker-leichte Pulver lag auf einem (vom Regen) kompakten Untergrund. Die propagierte Lawinenstufe 3 (die formell erst ab einer Höhe von 2000m galt) war vor Ort nicht zutreffend, die Verhältnisse waren als sehr sicher einzustufen.

Toller Hang am Fuss des Wänifirst. Wer die Spur sehen will, muss wohl auf die volle Auflösung gehen.

Als nächstes peilte ich den Gipfel von P.1881 am Wannengrat, der mir schon vor 3 Jahren eine prima Abfahrt beschert hatte. Als ich den Kulminationspunkt erreicht hatte, entschied ich mich jedoch spontan, das Wannenstöckli (1989m) aufzusuchen. Dessen Südhänge böten an diesem Tag auch den erwünschten Skigenuss. Das hiess, erst nochmals 60hm dem Grat entlang zu vernichten, bevor der W-Gipfel zügig erreicht war. Hierher hatte ich nur im Rahmen der Wägital-Rundtour vor 13 Jahren meinen Fuss gesetzt, somit war das zumindest skifahrerisch Neuland. Auch auf meiner dritten Abfahrt hinunter nach Schartli konnte ich die gewünschte First Line ziehen.

Bei der Alphütte von Schartli, viertes Mal Felle aufziehen bei angenehmen Bedingungen.

Der Preis dafür hiess es, ein viertes Mal die Felle aufzuziehen. Es wartete der letzte Aufstieg zum Brüschbüchel (1817m). Hier waren im Verlauf des Tages schon einige Tourengänger aufgestiegen, so dass ich für die First Line ein wenig Kreativität anwenden musste. Nun, extreme Innovativität war nicht gefragt, an den etwas steileren Nordhang hatte sich noch niemand gewagt. Auf 1670m wechselte ich dann hingegen in den Südhang, um direkt über den Burstrain abzufahren. Auch da war noch niemand durch, bis auf 1330m fährt man da, bevor es 150hm zu Fuss dem Wanderweg entlang durch den Wald abzusteigen gilt - dieses Stück ist nicht mit den Ski fahrbar und der Fussabstieg macht nur Sinn, wenn es nicht zu viel Schnee hat. Zuletzt kamen die Bretter nochmals kurz an die Füsse, bald war Hinter Richisau erreicht. Ohne grosse Erwartungen war ich losgezogen, 1800hm mit viel Spurarbeit und stets der First Line in der Abfahrt bei genialen Bedingungen waren es geworden - fantastico!

Nochmals ein Panoramablick zum Mutteristock (wo an diesem Tag unzählige Tourengänger unterwegs waren), dem steilen und kaum mit Ski begehbaren Ochsenchopf, dem Klöntalersee mit der eindrücklichen Glärnisch-Nordwand und zum Bös Fulen, der mir auch schon ein tolles Nordwandabenteuer beschert hatte.

Dienstag, 12. September 2023

Glärnisch / Bächihorn - Köbis Wäg (6c+)

Als "lange Route in totaler Einsamkeit" in einer "geologisch interessanten Gegend", so beschreiben die Erschliesser ihre Route durch die 350m hohe Südwand des Bächihorns am Glärnisch. Vor 11 Jahren wurde sie fertiggestellt, an der mutmasslich sehr spärlichen Frequentierung hat auch die Publikation des Topos im SAC-Kletterführer Glarnerland kaum etwas geändert. Umso mehr waren wir gespannt, was uns da erwarten würde. Kurz resümiert ein modernes Abenteuer, ein Hybrid zwischen Sport- und Alpinklettern mit den Rahmenbedingungen einer Bergtour.

Die Route bietet ein fantastisches Bergerlebnis. Hier unterwegs im Quergang von L10 (6c).

Ja, und eine Bergtour beginnt früh und mit einem langen Anmarsch. Das ist auch hier so, per Pedes sind es nahezu 10km Distanz und 1500hm an den Einstieg. Das Attribut "nur für Lauftüchtige" trifft hier auf jeden Fall zu. Ein bisschen bequemer noch geht's, wenn man das Bike mit in die Tour einbeziehen kann, wovon wir natürlich Gebrauch machten. Dafür wirft dies die Frage auf, wie man dem Zustieg im Detail gestaltet. Uns dünkte es schliesslich am ökonomischsten, das Bikedepot am Glärnischhüttenweg bei auf ca. 1440m zu machen und den Rossmatt-Talkessel im Uhrzeigersinn nach Bächi zu beschreiten. Die Gegenuhrzeiger-Option via Zeinenstafel und Bächistafel verwarfen wir wegen dem längeren Rückweg und da wir es ab Zeinenstafel im Kartenstudium als nicht mehr fahrbar taxierten - das ist aber möglicherweise nicht mehr aktuell, da kürzlich eine auf dem Luftbild noch nicht sichtbare, fahrbare Piste bis nach Bächistafel gebaut wurde.

Durch die eindrückliche, 350m hohe Bächihorn-Südwand führt mit Köbis Wäg nur eine einzige Route.

Naja, irgendwann und irgendwie wird man es nach Bächi geschafft haben. Auch von da sind es nochmals 500hm hinauf zum Einstieg ins Radtäli. Durch dieses war ich bei früherer Gelegenheit schon 2x anlässlich von Skitouren gegangen (Link zum Bericht). Erstaunt nahm ich zur Kenntnis, wie dieses bei guter Schneelage ebenmässig ausgefüllte Gelände im Sommer ein Chaos von riesigen Blöcken ist. Trotzdem, es ist auch zu Fuss ganz ordentlich begehbar, selbst die letzte Geröllhalde hinauf zum Einstieg war keine üble Schinderei. Der Einstieg liess sich mit den angegebenen Koordinaten und dem Wandbild im Originaltopo problemlos auffinden, er ist mit einem einzelnen, rostfreien BH mit Irniger-Plättli markiert. Wir waren zwar deutlich schneller wie die 3h welche auf dem Topo stehen, ziemlich genau 2:00h brauchten wir aber doch. Wir bereiteten uns zügig vor und starteten um 8.30 Uhr mit der Kletterei. Noch im Schatten übrigens, die Sonne erreicht den Einstieg anfangs September erst um ca. 10 Uhr.

Wildes Ambiente im Radtäli mit viel Schotter und steilen Felswänden - im Sommer kaum besucht.

L1, 40m, 6a+: Gebannt von der riesigen, durchaus etwas einschüchternden Wand stiegen wir ein. Immerhin präsentieren sich die ersten Meter wie auch die Absicherung als gutmütig, der Fels deutlich solider wie der Pessimist vom Wandfuss vermutete. Die Querung am Ende hat es dann in sich, ein paar feine Moves sind nötig. Ebenso wie eine durchdachte Wahl von Griffen und Tritten - als Sicherungsmann suchte ich instinktiv und gerne die Deckung auf.

Die ersten Meter in L1 (6a+). Gut abgesichert und freundlich zu beklettern.

L2, 45m, 6c: Entlang einer überhängenden Verschneidung geht's gleich volle Kanne los. Es wartet für den ganzen Körper anstrengende und komplexe 3d-Kletterei, ich fand es sehr fordernd für den Grad! Leider ist die linke Verschneidungswand nur durchschnittlich solide, so ist man trotz der guten Absicherung auch mental gefordert... geht aber schon. Nach einem Verschnaufer folgt dann der zweite Teil mit gutgriffiger, überhängender Wandkletterei - cool zu klettern, recht schöner Fels, aber auch da ist nicht alles bombensolide.

Überhängende, grossgriffige Kletterei im oberen Teil von L2 (6c).

L3, 35m, 5c+: Eine der schlimmeren Seillängen... hin und her mäandrierend sucht sich die Route den besten Weg zwischen den hohl tönenden Felszonen hindurch. Alleine schon die Linie gäbe einiges an Seilzug, zudem stecken dann einige Bolts auch noch blöd ausserhalb, weshalb man am Ende selbst mit Verlängerungen kaum mehr vorwärts kommt. Vermutlich gab's aber wegen der schlechten Felsqualität oft keine bessere Placement-Alternative. Ich empfand diese Länge eher als 6a+ wie 5c+, aber vielleicht habe ich im Nachstieg nicht so gut geschaut. Fazit: da muss man durch.

Das Ambiente überzeugt hier in L3 (5c+) deutlich mehr als die Felsqualität.

L4, 35m, 6c: Dieser Abschnitt ist über weite Strecken nicht schwieriger oder sogar einfacher wie der vorherige, die 6c-Crux gibt's allerdings durchaus. Das Originaltopo liefert den Hinweis "die Lösung liegt im Gras". Somit darf man das hier durchaus verraten. Wobei es eben wirklich kaum eine Alternative gibt, als die grosse Grasmutte in die Sequenz einzubauen. Der Fels dünkte uns wieder etwas besser als in L3, gerade in der Crux soll es aber auch wohlüberlegt sein, an welchen Strukturen man seine Kraft an den Fels bringt... vor allem weil man da mehr oder weniger zwingend auch an ein paar kleineren Dingen zu ziehen braucht.

Am Ende von L4 (6c) hat man den überaus steilen Wandsockel überwunden.

L5, 40m, 5b: Man wechselt am Beginn dieser Länge vom grauen Kalk in schwarzbraunes, sandsteinartiges Gestein. Sie bietet relativ einfache und unkomplizierte Kletterei. Etwas verwirrlich sind die (zwar auf dem Topo markierten) Verhauer gerade hinauf, welche von unten gesehen der offensichtliche Verlauf sind. Nach der relativ dicht gebolteten Crux (mit dumpf tönenden Schuppen darum herum) quert man über eine Art Rampe mit einem Riss nach links hinauf - hier findet sich einer der wenigen, längeren Hakenabstände und der Stand links um die Ecke ist nicht gut sichtbar.

Am Ende von L5 (5b) der rissdurchzogenen Rampe nach links hinauf folgen!

L6, 40m, 6c+: Wir stimmen mit dem Topo überein, dass sich hier die schwierigste Einzelstelle der Route befindet. Schon mal nicht ganz trivial geht's aus dem Stand raus bis dahin. Der technische Boulder erfordert dann etwas Einfallsreichtum für die zu wählende Sequenz und präzise Fussarbeit. Zum Glück hat man vor dieser Passage etwas Zeit, um sich eine Lösung auszudenken, ebenso kann man im fast schwarzen, körnigen Gestein auf eine exzellente Reibung für die Fusssohlen zählen. Nach der Schlüsselstelle geht's einfacher nach rechts querend hinaus zu Stand.

Der Autor gerade in der Crux der Route (L6, 6c+), das Foto ein bisschen ein Onsight-Spoiler 😘

L7, 40m, 5a: Erst kurz links ausholend hinauf, dann in einem grossen Quergang nach rechts. Unschwierig, teils etwas grasig, der Fels ist aber gut und eigentlich überall solide.

In L7 (5a) folgt die Route der natürlichen Linie, welche dafür etwas grasig ist.

L8, 40m, 5c+: Ziemlich steil geht's hier gutgriffig hinauf, wobei die Linie einige Ecken drin hat. Auch hier ist der Fels erfreulich solide. Es könnte ziemlich beruhigend sein, dies zu wissen, turnt doch der Vorsteiger über längere Zeit direkt über dem Stand herum und man steht da ziemlich exponiert.

Jonas in der schönen und gutmütigen L8 (5c+), aber oben droht die irrwitzig steile Headwall.

L9, 35m, 6b+: Nun hat man die von unten wahnwitzig steil erscheinende Abschlusswand erreicht. Wie das wohl wird? Der Fels ist stark strukturiert und weist dementsprechend viele Griff- und Trittmöglichkeiten auf. Die Frage scheint allerdings oft, woran man denn ziehen kann, ohne dass es einem gleich entgegen springt - und das sind halt oft nicht die besten Griffe. Unerschrockene Gemüter würde wohl einfach an allem zerren, was den Fingern Widerstand bietet. Wie lange das wohl gutgehen würde? Meine Einschätzung ist nicht allzu lange, aber vielleicht bin ich da zu pessimistisch veranlagt. Auch hier stecken die Haken ziemlich kreuz und quer (Seilzug!), am Ende dann weiter rechts wie ich vermutete.

Ausstieg aus L9 (6b+), die vermeintliche Engagée-Sektion wird durch einen versteckten BH rechts entschärft.

L10, 25m, 6c: Erst ein markanter Quergang nach links, dann gerade hinauf. Da wieder dasselbe Spiel wie vorher. Ein erfolgreicher Durchstieg erfordert nicht nur einfach 6c-Klettern. Sondern ausgehend von einem Haltepunkt tastet und klopft man alles Griffmaterial in Reichweite ab und entscheidet sich das für das solideste, was man halten kann. Das erfordert nicht nur Ausdauer, sondern auch eine gewisse Geduld. Und logischerweise verwendet man so eben öfter nicht die grössten Griffe und Tritte. Das Finish der Länge bietet dann erfreulicherweise besseres Gestein, ja es ist richtig cool, wie im kompakt-grauen Kalk sich genau an der richtigen Stelle ein paar Löcher befinden.

Coole Moves in schönem Fels am Ende von L10 (6c).

L11, 30m, 6b+: Hier besteht die Hauptschwierigkeit im Boulder aus dem Stand raus, nachher heisst es an guten Griffen noch eine Weile dran zu bleiben. Der Fels an dieser Stelle wirkt mit seinen Leisten klausenmässig und ist von prima Qualität. Am Ende verflacht sich das Gelände, Richtung 1 Uhr findet man nach dem längsten Hakenabstand der Route den nicht gut sichtbaren Stand - einfach da hin klettern, wo einem das Gelände leitet.

L12, 30m, 5b: Ein relativ kurzes 2-Bolt-Rüteli ohne besondere Schwierigkeiten. Jedenfalls wenn man am Ende nicht direkt klettert, sondern die logische Linie links herum wählt. Aber Vorsicht, die grossen verkeilten Schuppen da sind durchaus bedenklich und vor allem direkt über dem Standplatz. Hier investiert man möglicherweise besser etwas mehr Effort und klettert direkt?

Ein mega Ambiente am Ende von L12 (5b).

L13, 40m, 5c+: Der Horizont legt sich zurück und man kann das Ende dieser grossen Wand vermuten. Allerdings stellt sich einem durchaus nochmals ein Hindernis in den Weg. Und zwar nicht in Form von schwierigen Kletterstellen, sondern im Mitteldrittel von doch arg mürbem Fels. Im Vorstieg dank der eng gehaltenen (kreuz und quer)-Absicherung fast eher weniger bedenklich wie für die Sicherungsperson, welche am Standplatz weder Schutz- noch Ausweichmöglichkeit hat...

Die letzte Länge (L13, 5c+) erfordert einen umsichtigen Vorsteiger, damit die Sicherungsperson nicht in Lebensgefahr gerät. Hier befindet sich doch allerhand an Material, welches man problemlos in die Tiefe schicken kann und der ungeschützte Standplatz befindet sich direkt unterhalb.

Um 14.50 Uhr und damit nach 6:20h Kletterei waren wir wohlbehalten auf das flache Plateau am Gipfel des Bächihorns ausgestiegen. Mir war die ganze Route onsight (alle schwierigen SL im Vorstieg) bzw. flash (einfachere SL im Nachstieg) gelungen. Das ist immer toll, wenn einem dies beim Durchstieg einer solch hohen und eindrücklichen Wand gelingt. Nun könnte man sagen, was soll das schon, bei nur ein paar Seillängen im 6c-Bereich... aber hier fühlte ich eine besondere Genugtuung. Denn den Grad 6c gut klettern zu können, reicht m.E. für einen erfolgreichen Durchstieg im Köbis Wäg bei weitem nicht. Da braucht es das jahrelang geschulte Auge und die gesamte alpine Erfahrung, um die Route ohne Sturz wegen Griff- und Trittausbruch zu klettern. Natürlich hilft einem dabei ein höheres Kletterniveau durchaus, weil man a) mehr Zeit hat für die Auswahl der Strukturen und b) natürlich auch wählerischer sein kann. Als weiterer, erschwerender Faktor kommt hier noch dazu, dass man mit Rucksack klettert und die Schuhe und das ganze sonstige Geraffel mitführt, was bei der steilen Kletterei durchaus ein Faktor ist.

Top of Bächihorn (2638m), im Hintergrund der Bächistock (2914m) mit seinen letzten Eisresten.

Das Ambiente am Top war absolut grandios - die Nahblicke ins Glärnischgebiet, die anderen Glarner bzw. Schwyzer Berge und das Panorama bis zu den Berner Alpen. Vermutlich verirrt sich ja kaum je eine Menschenseele auf diesen Nebengipfel am Glärnisch, aber richtig schön und vor allem einsam ist es da wirklich. Allem Genuss zum Trotz, der Abstieg rief. Denn einerseits ist der Abstieg lang und verspricht laut Topo/Literatur T6-Gelände, andererseits hatte ich um 19 Uhr noch einen fixen Termin. Der nordseitige Fussabstieg ist weder besonders schwierig noch lange anhaltend in schwierigem Gelände. Die Challenge besteht fast mehr in der Orientierung. Man verlässt den Gipfel ostwärts haltend und steigt dann etwas rechts ausholend ab. Ziel ist das diagonale Band der Kubli-Route, über welches man die folgende Steilstufe links absteigend überwindet. Der Einstieg in dieses Band befindet sich ca. bei den Koordinaten 2'717'290/1'206'285 (CH LV95) bzw. 46.99725/8.98081 (WGS84) auf 2550m. Vom Gipfel bis dahin fanden wir keine Markierungen vor, in der Rampe selber gab es dann wenige Steinmänner und BH. Ob es wirklich ein T6 ist, bleibe mal dahingestellt. Bei schneefreien Bedingungen geht's ganz ordentlich, exponiertes Absturzgelände ist es allerdings durchaus. Und eben, falls nötig hat es die Verankerungen zum Sichern.

Blick auf die Nordseite des Bächihorns, über welche sich der Abstieg vollzieht. Aus dieser Perspektive ist es kaum zu glauben, dass die Steilzone seilfrei im Kraxelgelände begangen werden kann. Es geht aber tatsächlich ganz ordentlich. Hinweis: mittig, dort wo 2 Varianten gezeichnet ist, haben wir die obere Querung gewählt. Die direktere Variante sollte aber vermutlich ebenso funktionieren.

Schon knappe 100hm weiter unten ist die Absturzgefahr gebannt. Es wartet einiges an weglosem Geröllgeholper über das Gletschervorfeld, wobei es stets nach rechts zu halten gilt, um schliesslich auf den markierten Trail vom/zum Vrenelisgärtli zu erreichen. Auf diesem hinunter zur Hütte bzw. im Sommer 2023 dem Basecamp-Provisorium. Nach einer 15-minütigen Einkehr gab's gleich nochmals "Kehr", nämlich viele derer hinunter zum Bikedepot, wo wir um 16.55 Uhr eintrafen. Die rauschende Talfahrt, vorbei an einigen Hochtourengängern mit bereits nicht mehr sehr rundem Schritt, nahm keine Viertelstunde in Anspruch. Wow, das war ein Abenteuer! Vielen Dank Jonas für deinen Abenteuergeist und den Vorschlag zu dieser Tour.

Zurück beim Bikedepot im Rossmatter Kessel. 

Facts

Bächihorn - Köbis Wäg 6c+ (6b obl.) - 13 SL, 475m - Balsiger/Bär 2012 - **;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, evtl. Cams 0.3-0.75

Eines ist sicher, wegen der grandiosen Felsqualität muss man diese Route nicht klettern. Es warten viele verschiedene Gesteinsarten, nicht alle davon sind bombensolide. Ich würde das Unternehmen nur Leuten empfehlen, welche solide Alpinerfahrung aufweisen und im Umgang mit unsicherem Gestein versiert sind. Daher gibt es auch nur eine 2*-Bewertung. Man verstehe mich aber nicht falsch: die ganze, abenteuerliche Unternehmung, die riesige Wand, das Ambiente, viel lässige Kletterei und teils auch sehr schöner Fels lieferten mir persönlich einen 5*-Tag. Nun, im Wissen darum wie es ist, würde ich die Tour erst recht angehen - ich finde man muss einfach wissen, was einen erwartet und sie ist nicht für jedermann geeignet. Die Absicherung mit rostfreien BH ist sehr gut ausgefallen - die schwierigsten Passagen sind auf xxxxx-Niveau gebohrt und nicht obligatorisch und auch im einfacheren Gelände gibt es keine weiten Abstände. Die Mitnahme von mobilen Sicherungsmitteln ist daher nicht wirklich nötig (wir hatten keine dabei). Hin und wieder wäre es aber schon möglich, noch einen kleinen bis mittleren Cam zu versenken. Ein Abseilen/Rückzug über die Route ist bis Stand 9 ohne Schwierigkeiten möglich. Die Standplätze sind auch danach zum Abseilen eingerichtet, wegen dem querenden Verlauf im Steilgelände wird ein Rückzug aber aufwändig und mühsam. Der Fussabstieg vom Top ist sicher die viel bessere Variante, jedoch nur im Spätsommer bei schneefreien Verhältnissen ohne alpine Ausrüstung möglich. Auch wenn man nicht abseilt, so sind 2x50m-Halbseile zu empfehlen (mehr Sicherheitsreserve bei Steinschlag, teils Halbseiltechnik zur Vermeidung von Seilzug nötig). Unten das Topo vom (mir persönlich bekannten) Erschliesser Fredi Balsiger. Vielen herzlichen Dank für all eure Arbeit und Chapeau für die Courage und das Durchhaltevermögen, in dieser Wand eine solche Route einzurichten. Wer so etwas noch nie selber gemacht hat, kann sich kaum vorstellen, wie viel Effort und Herzblut dafür nötig sind.


Das Topo der Erschliesser, vielen herzlichen Dank! Es ist auch als PDF verfügbar.


Samstag, 25. Februar 2023

Skitour Mättlistock (1911m)

Am Vortag hatten wir am Quadrel Rock Rodeo alles gegeben - bis wir daheim und im Bett waren, schlug es schon Mitternacht. Mit einer solchen Megasession im Gepäck ist ein frühes Aufstehen am nächsten Tag nicht unbedingt das Höchste der Gefühle. Zwar verhiess der Wetterbericht in den inneren Alpen durchaus Sonnenschein. Doch wegen dem Mangel an Schnee und dessen miserabler Qualität schien eine Top-Skitour kaum machbar. Auch um in den Genuss von Sonnenschein zu kommen tönte es danach, einen grossen Fahraufwand in Kauf nehmen zu müssen. Also hiess das Motto für den Tag Ausschlafen, gemütlich Frühstücken und Weiterschauen.

Der grandiose Blick vom Mättlistock auf Klöntalersee und die imposante Glärnisch-Nordwand.

Bei diesem letzten Programmpunkt zeigten die Webcams aber sogar im nahen Glarnerland prima blauen Himmel. Also lag mit einem Start am späteren Vormittag auch noch etwas drin. Meine Lust, auf einem zerfurchten Tourenacker aufzusteigen und abzufahren war aber gleich null, somit musste ein etwas exotisches Ziel her. Und dieses fixierte ich im Hinter Klöntal. Über die sehr sonnig exponierten Hänge der Mutteristock-Kette wollte ich starten. Mit einem Ausgangspunkt auf nur 1030m könnte man das im Februar 2023 als hoffnungsloses Unterfangen taxieren. Das war mir natürlich bewusst, deshalb hatte ich das Bike dabei mit welchem ich bis zum Schnee pedalen wollte - in der Hoffnung, dass die Übergangszone zwischen 'nicht mehr Bike-fahrbar' und 'noch nicht Ski-fahrbar' möglichst klein sein würde. 

Pedalend geht's auf gut fahrbarer Alpstrasse dem Schnee entgegen - so geht Skitouren im Winter 23.

Diese Strategie ging schliesslich ganz ordentlich auf. Mit einem Start um 12.15 Uhr gwann ich die ersten 250 Höhenmeter wie gewünscht auf 2 Rädern. Bis zu den Ställen von Ratlis galt es nur einige Mini-Schneeresten zu überqueren, auch danach kam ich noch gut weiter bis zum Bikedepot exakt bei P.1292. Und tatsächlich, ab da konnte ich fellend aufsteigen - mit 2x einige Schritte übers Kies treten konnten die Bretter permanent an den Füssen bleiben. Bis zum P.1554 gewinnt man auf dem Trassee der Alpstrasse durchgehend an Höhe. Ab da geht's dann für 1.5km mehr oder weniger flach hinein in die Kammer des Sulzbachs. Auf dieser Strecke war's mehr eine Skiwanderung - aber eben eine eindrückliche. Das Terrain war unberührt, man befindet sich hier in abgeschieden-einsamer Lage, ohne Talblick zu haben. Ganz alleine auf weiter Flur so zu schreiten ist immer ein eindrückliches Erlebnis und gibt das Mini-Feeling einer Arktis-Expedition. Natürlich, die Zivilisation ist nur ein Katzensprung entfernt, überstrapazieren soll man den Begriff nicht - wobei manchen Zeitgenossen wohl schon so viel an Einsamkeit und Abgeschiedenheit in der Natur viel zu viel wären.

Bei der Alphütte von Unter Längenegg, hinein in die abgeschiedene Kammer des Sulzbachs. Hinten der Sattel ca. 1760m.

Mit wieder etwas mehr Steigung geht's hinauf zur Einsattelung (ca. 1760m) nördlich des Mättlistocks. Und hier wurde ich Zeuge von einem eindrücklichen Naturerlebnis. Dass an den Südhängen vom Chrutlistogg ein Adler über mir kreiste, hatte ich bereits wahrgenommen. Plötzlich stach er im Sturzflug davon, zu den Schattenhängen vom P.1884. Dort attackierte er eine ausgewachsene Gämse, wohl mit der Absicht sie bei der folgenden Flucht zum Absturz im Steilgelände bringen zu können. Diese hatte jedoch ausreichend geländetechnische und körperliche Reserven, so konnte sie den Angriff parieren. Als drei weitere Attacken auch nicht den gewünschten Effekt zeigten, begab sich der Gefiederte wieder in die thermodynamischen Aufwinde - bestimmt um von hoch oben nach einem nächsten, potenziellen Opfer für eine gehörige Mahlzeit zu spähen. Tja, so ist die Natur - verhungern oder gefressen werden, einer muss unweigerlich darben. Da haben wir Menschen es gut, so wie wir uns mit Supermarkt, Krankenhaus und allen Versicherungen von dieser grausamen Umwelt abgekoppelt haben. Oder ist dies nur ein Kartenhaus und wann fällt es zusammen? Über solche Fragen lässt es sich auf einer einsamen Tour hervorragend sinnieren.

Auf dem Mättlistock - mit Blick vom Kreuz zum höchsten Punkt. Sehr schön da oben!

Mir stand noch der Schlussaufstieg über die steilen Nordhänge zum Gipfel bevor. Dieser umfasst eine kurze Passage von 40 Grad Steilheit, die sich nicht umgehen lässt. Dank günstigem Bulletin und in dieser Exposition vernünftiger Schneedecke machte es an diesem Tag keine Sorgen. So gelangte bald das Gipfelkreuz in Sichtweite (14.30 Uhr). Es steht nicht am höchsten Punkt des Berges und wird fast ausschliesslich von einheimischen Liebhabern aufgesucht. Trotz nur 1911m Gipfelhöhe ist es ein spekakulärer Ort. Man hat eine aussergewöhnliche Vogelperspektive zum Klöntalersee zu Füssen, gegenüber präsentiert sich stolz die Glärnisch-Nordwand - da konnte ich mit meinen Touren im Chalttäli und am Ruchenpfeiler in tollen Erinnerungen schwelgen. 

Heimwärts - mehr gemütliches Gleiten als genüssliches Schwingen, passt so bei den aktuellen Verhältnissen.

Nach gütlicher Rast besuchte ich noch den höchsten Punkt vom Mättlistock, schnallte meine Bretter an und machte mich auf den Rückweg. In der Nordflanke durfte man die Tätigkeit durchaus Skifahren nennen, auch wenn es wegen etwas wechselhaftem, meist zähem Schnee kein Highlight war. Hinunter in den Boden der Längenegg war dann Spurfahren angesagt - ob dem feuchten Pflutterschnee kein Verlust. Die Flachpassage erforderte einiges an Stockeinsatz, dann gab es auf dem Alpstrassen-Trassee wieder Geradeausfahrt, die effiziente Strecken- und Höhenmeter-Vernichtung erlaubte. Um die Bretter zu schonen, trug ich diese die letzten 80hm im nur noch knapp schneebedeckten Gelände zum Bikedepot, von wo es in rasanter Fahrt zum Ausgangspunkt ging. Fazit: das war bei kleinem Aufwand ein absolut tolles Naturlerlebnis bei idealem Wetter gewesen - skifahrerisch definitiv kein Highlight, aber ein solches hätte sich in der CH derzeit wohl sowieso kaum finden lassen.

Facts

Mättlistock (1911m) ab Schwändeli (1030m) im Hinter Klöntal

Bis auf den kurz 40 Grad steilen Gipfelhang einfache Skitour in wenig steilem Gelände. Am lohnendsten sicher bei schnellen Frühlingsverhältnissen, d.h. tragend-gefrorener Schneedecke. Bei tiefem Schnee gleicht das Unternehmen über weite Teile mehr einer Skiwanderung - auch das kann natürlich genussvoll sein. Die untersten, stark besonnten Hänge sind üblicherweise bald einmal aper.

Dienstag, 23. Februar 2021

Ski & Fly: Wannengrat (1881m) & Brüschbüchel (1817m)

Eigentlich müsste man in dieser Wärmeperiode früh auf und hoch hinaus, wenn man auf Skitour wollte. Doch was, wenn aufgrund von vielen Verpflichtungen nur gerade ein Nachmittag zur Verfügung steht?!? Ja, ohne mein Flug-Zeug im Gepäck wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, es entgegen aller Vernunft doch mit einer Tour im Klöntal zu probieren, zum "Lumpensammeln" an bisher verschmähten, kleinen Gipfelchen. Naja, das tönt jetzt fast nach einer Verzweiflungstat, herausgekommen ist aber ein tolles Erlebnis mit vielem, was einen schöne Bergtour ausmacht.

Welche eine fantastische Stimmung über dem Schwialppass!

Ein paar Minuten nach 15 Uhr startete ich in Hinter Richisau (1135m). Es liegen dort noch ca. 60cm Schnee, dem es aber bei diesen warmen Temperaturen zügig an den Kragen geht. Über die Gampeleggen lief ich auf kompaktem Schnee zur Unter Schwialp, einzig der folgende, steilere Hang war im Aufstieg aufgrund von faulem Schnee kurz etwas mühsam zu begehen. Auf der Mittler Schwialp öffnet sich das Gelände, die Spuren leiteten alle direkt zum Brüschbüchel. So zog ich meine eigene Linie über die flachen Böden der Brüschalp in wunderschöner Stimmung durch monochromes Licht der von Saharastaub getrübten Nachmittagssonne. Noch vor dem Schwialppass zweigt man rechts ab und steigt über attraktive Rücken hinauf zum Wannengrat, ich kam in einen richtigen Flow! Nach gut 90 Minuten war ich am Gipfel, den ich auf meiner Wägital-Rundtour untenrum umgangen hatte. Eine Pendenz erledigt, könnte man sagen. Allerdings lohnt sich dieses zentral gelegene Gipfelchen dank seiner Rundumsicht ins Wägital, das Pragelgebiet und den Glärnisch durchaus. 

Quel touriste! Aber der Portrait-Modus bei meinem neuen Smartphone wollte einmal getestet sein.

Im Aufstieg wurde mir Gewahr, dass der Schnee wohl feucht, aber eben auch kompakt und ohne Deckel war. Mein initialer (Sumpfschnee-)Plan bestand darin, vom Wannengrat gleich mit den Fellen hinüber zum Brüschbüchel zu wechseln, um dort dann einen Abflug zu machen. Aber die Gelegenheit, auf einem dieser Rücken noch eine schöne Spur mit Kurzschwüngen zu ziehen, konnte ich dann doch nicht auslassen. Klar, fluffiger Pulver war das nicht, aber doch echt lässiges, genussvolles Skifahren - hätte ich aus der Ferne nie so erwartet. Bei der Brüschalp kamen meine Bretter erst einmal zum Stehen. Klar, von hier hätte man nun auch ins Tal abfahren können, das wäre wohl nicht mehr ganz so genussvoll, aber  sicher nicht die grosse Qual gewesen. Aber ich "musste" ja noch auf den Brüschbüchel und mit dem Gleitschirm ins Tal fliegen, also montierte ich wieder die Felle.

Idealer Startplatz (alle Richtungen möglich) am Brüschbüchel.

Über weitere 250hm stieg ich diesem aufs Haupt und war gerade noch rechtzeitig da, bevor sich die Sonne hinter den Sihltaler Gräten verstecken wollte. Der Vorteil vom Brüschbüchel als Gleitschirmberg ist definitiv, dass man in quasi alle Richtungen starten kann. Von Starkwind und sonstigen Unbillen einmal abgesehen, sollte da also nichts anbrennen. Wobei kein einziger Luftzug ging und ich somit die Qual der Wahl in Sachen Absprungrichtung hatte. Bald war ich in der Luft und konnte gemütlich zurück zum Ausgangspunkt gondeln, ein paar Minuten vor 18 Uhr landete ich unmittelbar neben dem Auto. Ja, mit minimalen Erwartungen war ich heute gestartet, doch mit einem schönen Aufstieg mit selbst angelegter Spur in interessantem Gelände, Bergeinsamkeit abseits der Zivilisation am Schwialppass, wunderschönen Monochrom-Stimmungen in der Saharastaub-Luft, einer wirklich lohnenden Skiabfahrt, zwei erstmals besuchten Gipfeln und einem gelungenen Gleitschirmflug wurde ich sehr üppig entschädigt.

Ha, bei mir ist langsam auch Ende 40 ;-) Der Windsack aus alten Tagen leistet bei solchen Gelegenheiten immer noch und immer wieder gute Dienste. 

Facts

Hinter Richisau - Brüschalp - Wannengrat - Brüschalp - Brüschbüchel
Ca. 1000hm Aufstieg, Ski-Schwierigkeit WS, 2 kurze Passagen 30 Grad auf 20-40hm

Sonntag, 26. April 2020

Skitour Schijen (2259m)

In der aktuellen Zeit wäre es nahe liegend, noch etliche Berichte aus früheren Zeiten nachzutragen - wenn man denn neben allen "home"-Verpflichtungen die Zeit dazu finden würde. Der Auftakt hier mit einer einer vielleicht nicht ganz so zentralen, dafür aber rasch dokumentierten, sehr selten begangenen Frühlingsskitour. Ihr grosser Vorteil besteht darin, dass man trotz tief gelegenem Ausgangspunkt noch relativ spät in der Saison ausreichend Schnee unweit von mir daheim vorfindet. Der Nachteil ist ein nicht ganz kurzer Talhatscher zu Beginn und einige Querungen im oberen Teil, welche die Route nur bei schnellem Schnee lohnend machen. Bei tiefem Pulver wäre die gesamte Unternehmung ein grandioses Fiasko!

Blick vom Schijen-Gipfel Richtung Nordost mit den Bergen um den Speer und dem Säntis.
Los geht's bei der Stafelbrücke (P.989) am westlichen Ende des Obersees. Die ganzjährig betriebene Webcam der Kraftwerke erlaubt es einem einwandfrei zu beurteilen, ob noch ausreichend Schnee liegt. Zuerst folgt man über ca. 5km mit ein paar wenigen Abkürzungen der Fahrstrasse ins Oberseetal hinein bis zum P.1390, wo die Route zum Rautispitz abzweigt. Weiter geht's auf dem Trassee des Wanderwegs Richtung Längeneggpass, den man schon relativ bald verlässt, um ostwärts Richtung Schijen zu steigen, wobei man die LK-Punkte P.1583, P.1642 und P.1807 jeweils südlich passiert. Das Gelände ist ziemlich unübersichtlich und bietet wenig Anhaltspunkte, Spuren dürfte es hier nur selten geben, so dass durchaus ein gewisser Spürsinn für den effizienten Mix zwischen Queren und Hinaufsteigen nötig ist. Weiter ostwärts haltend geht's über einige kurze Steilhänge hinweg in den Kessel zwischen Chli Schijen, Schijen und Breitchamm. Die "Normalroute" führt ab hier über den SW-Grat zum Gipfel. Zum Zeitpunkt meiner Begehung war dieser aber bereits aper (was an dieser sonnigen und windexponierten Lage sicher absolut typisch ist), während in der steilen Westflanke eine Schneezunge noch bis fast zum Grat hinaufreichte. Dank extrem griffigem Schnee (und sauberer Steigtechnik ;-)) ging's trotz erheblicher Steilheit (bis 45 Grad) ohne Eisen. Vom Grat waren es dann noch ein paar Minuten und ca. 60hm zum Gipfel. Dieser ist für diesen wenig bekannten Gipfel erstaunlich aussichtsreich, v.a. sind die Blicke in die Glärnisch Nordwand gegenüber wirklich packend! 

Blick zur Schijen-Westflanke inkl. der Schneezunge, die noch fast bis zum Gipfel hinaufreicht. Das Gelände sieht aus dieser Perspektive deutlich flacher aus, wie es sich dann vor Ort präsentiert (kann man glauben oder nicht, ist aber so ;-)). Das Foto wurde in der Nähe von P.1807 aufgenommen, möglicherweise ist dies der felsige Kopf links am Bildrand (Irrtum für einmal vorbehalten).

Im Vordergrund der Dejenstock, auch aus der Kategorie "Special Interest". Hinten dann die gewaltige Glärnisch Nordwand, in welcher gewaltige Abenteuer wie das Chalttäli mit Gleitschirmflug und erst recht später der Ruchenpfeiler warteten.
Ich konnte dem Schnee noch ein wenig Zeit zum Auffirnen geben und die Stimmung und die Sonne ausgiebig geniessen. Dann machte ich mich auf den Rückweg, schnallte die Bretter an die Füsse und rauschte in einem Zug den Steilhang in den Kessel hinunter - einfach total genial! Auch das eher querende Gelände der Rosslöcher war richtig gut zu befahren. Mit Schuss konnte man jeweils mit wenig Höhenverlust nach links queren, um dann wieder den lohnendsten Hang in der Falllinie herunterzustechen. Zu bald war ich zurück beim P.1390, wo das Vergnügen leider schon wieder vorbei war. Es wartet noch die Talausfahrt - dank der schattigen Lage war auch hier der Schnee noch schnell, so dass diese ohne Stöckelei zügig vor sich ging. Ja, an diesem Tag hatte ich den Zeitpunkt perfekt getroffen - einerseits in der Saison, da der Schnee überall gerade noch durchgehend war und man nirgends abschnallen musste. Andererseits mit dem Tag, da die Schneedecke wunderbar glatt und morgens perfekt tragend gefroren war. Drittens stimmte dann auch noch mein Zeitmanagement perfekt, besser hätte ich den Zeitpunkt für die Abfahrt nicht erwischen können. Damit das ganze auch noch einen gewissen Allgemeinnutzen hat: saisonal war ich Mitte März unterwegs, tageszeitlich bin ich um 8.45 Uhr (Winterzeit) losgelaufen und um 11.30 Uhr abgefahren - selbstverständlich sind das nur grobe Richtwerte, welche je nach Jahr und Tag komplett untauglich sein können. Und nur damit niemand vergeblich hinfährt. Zur Zeit hat am Obersee längst der Frühling eingekehrt!

White Velvet, einfach perfekt der Schnee an diesem Tag!!!


Facts

Schijen (2259m) vom Obersee
Knapp 1300hm, je nach Kondition und Verhältnissen 2-4h Aufstieg
Nur bei sicheren Frühjahrsverhältnissen mit schnellem Schnee lohnend (max. 45 Grad).