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Montag, 2. Oktober 2023

Chalchschijen - Dornröschen (6c+)

Der Chalchschijen ist ein gewaltiges Kalkriff im hinteren Maderanertal. Aufgrund seiner abgelegenen Lage gibt es an seinen vielen Quadratkilometern an Wandflucht nur wenige Kletterrouten, welche denn auch nur sehr selten Besuch erhalten. Über unser Ziel, das 1994 eröffnete Dornröschen, lässt sich auch nur relativ wenig in Erfahrung bringen. Warum genau ist uns a priori nicht klar: ist es einfach der weite Zustieg oder der tiefe Bekanntheitsgrad, weil es die Route nur in lokale Topos geschafft hat?!? Oder stimmt am Ende etwas anderes nicht? Solche Sachen zu ergründen macht ja aber auch Spass. So machen wir uns nach langen Jahren des Wartens und Aufschiebens auf ins Urnerland.

Gewaltig, der Chalchschijen! Dornröschen verläuft über die schon sonnigen Platten rechts im Profil bis auf den ersten Absatz im Grat.

Vom Ausgangspunkt bei der Talstation der Golzernbahn (P.834) wo schon manch ein Abenteuer gestartet hat, sind es doch geschlagene 9km Luftlinie und netto rund 1500 Höhenmeter bis zum Einstieg. "Nur für Marschtüchtige" trifft es da wohl ziemlich gut. Ob wir das wären oder nicht ist eine gute Frage. Tatsache ist aber, dass wir statt per Pedes zu gehen einen wesentlichen Teil mit dem E-Bike abgekürzt haben. Nach einer ärgerlichen Weckerpanne starteten wir mit 1h Verspätung erst um 7.30 Uhr. Zügig ging's via Lägni - Rüteli - Stössi - Balmenschachen - Hotel Maderanertal in 25 Minuten Fahrt nach Butzli (1400m). Die ersten 5.5km und 600hm waren somit flugs im Kasten, weit ist der Zustieg von da aber immer noch. Wer die Landeskarte konsultiert, erkennt problemlos die Fortsetzung ab dem Bikedepot via Sass und Tritt nach Schwerzi.

Jonas im Schwerzifad, gut sichtbar die zahlreichen, pinken Farbmarkierungen.

Dort verlieren sich die Spuren und es heisst, ca. 70hm zu den dunklen Felsen hinaufzusteigen. An dieser Stelle befindet sich die erste von zahlreichen Farbmarkierungen, welche die beste Passage über den berüchtigten Schwerzifad zeigen. Wegspuren gibt's nur teilweise und undeutlich, aber mit den pinken Klecksen findet man die beste Passage mühelos. An sich ist das Gelände nicht sonderlich schwierig, meist kann man gut ohne Einsatz der Hände gehen, hin und wieder braucht es sie jedoch und vor allem ist das Gelände doch sehr exponiert, Fehler liegen da nicht drin (ca. als T5 zu werten, meinen wir). Nach einem guten Kilometer ohne Höhengewinn im Schwerzifad erreicht man die Älpeliplanggen. Man geht über das Geröllfeld hinweg, ersteigt eine Rippe aus braunen Felsen (an 2 BH fixiertes Drahtseil vorhanden) und steigt dann in nördlicher Richtung über ausgewaschene Felsen oder Grasgelände rechts davon hinauf. Auf ca. 2200m geht's dann mit etwas Auf und Ab die Höhe haltend in weglosem Gelände hinüber zum Chalchschijen, wo wir nach 2:20h um 9.50 Uhr eintrafen und Depot errichteten. Man befindet sich da in etwa auf Höhe der dritten Seillänge, zum Start der Route heisst es weiter absteigen (Tipp: Schuhe mitnehmen und diese dann an Stand 4 zurücklassen). Um 10.15 Uhr starteten wir mit der Kletterei.

So that you know what you have to look for...

L1, 50m, 6b: Der Start der Route ist (immer noch lesbar, wenn auch unscheinbar) angeschrieben und mit einem rostfreien BH markiert. Er befindet sich kurz vor dem Punkt, wo man nicht mehr in einfachem Gelände weitergehen könnte. Das Wandbild auf dem SAC-Tourenportal zeigt die Situation falsch, fündig werden wird man vermutlich trotzdem. Hinweis: unmittelbar rechts startet ein (immer noch?!?) Projekt, dort ist ein NH am Einstieg. Es sei noch erwähnt, dass im Dornröschen eckige BH-Laschen stecken, im Projekt sind diese rund. Über tiefe Wasserrillen geht's über 2 BH hinauf, bevor sich einem das erste Hindernis in den Weg stellt. Eine ca. 20m lange, zwar flache aber dafür arschglatte, ungesicherte Platte. Ein Sturz in die tiefen, scharfen Wasserrillen darunter wäre bald prekär, später würde man dann wohl am Einstieg landen... Noch dazu steckt der BH am danach folgenden Cruxwulst unangenehm hoch (alte Fixexe mit sehr dünnem Maillon vorhanden, Vorsicht!). Der Wulst dann mit einem kniffligen technischen Boulder an staubigem Fels (A0 möglich). Zuletzt dann nochmals über schöne und leichte Wasserrillen nach links zu Stand - ein herber Auftakt.

Schöne Rillenpassage am Ende von L1 (6b), die sich nicht überall angenehm klettert...

L2, 45m, 6a: Gerade mal 4 BH säumen dieses lange Teilstück, Möglichkeiten zum Legen sind prekär bis inexistent. Natürlich ist die Kletterei nicht extrem schwierig, aber doch auch nicht entspannt. Der Fels ist eher glatt, es gibt kaum positive Strukturen, üppige Griffe sind auch nicht vorhanden und man steht irgendwie beständig "auf Abpfiff" weit über der letzten Sicherung. Immerhin ist der Verlauf da durch die gut sichtbaren Bolts gegeben.

L2 (6a) sieht schon cool aus - ist auch gut zu klettern, wenn auch etwas schlabbrig glatt und runoutig.

L3, 25m, 5c+: Ein kurzer Abschnitt, welcher eine sehr schöne und hier auch relativ tief eingeschnittene Wasserrillen bietet und bei einem bequemen Standplatz auf einem Band endet. Mit 2 BH auch nicht üppig gebohrt, hier passt es aber schon gerade so.

L4, 30m, 6a+: Hier ist der Quotient von 5 BH zu 30 Seilmetern für die gesamte Route rekordverdächtig hoch! Heisst aber nicht, dass die Sache anspruchslos wäre. Vorerst geht's bis zur Kreuzung mit der historischen Bender/Schelbert (1958, 6 A3, welch verrückte Unternehmung!) noch relativ gemässigt dahin. Das Finish mit glattem Parkett und ein paar feinen Wasserrillen wartet dann aber mit einer zu 100% zwingenden Crux auf - nein, gefährlich ist es da zwar nicht wirklich, das Potenzial für einen unangenehmen Sturz hat es trotzdem.

Sehr zwingende Passage mit der Crux in "Cheesegrater"-Fels in L4 (6a+).

L5, 35m, 6a+: Eine sehr schöne Seillänge, vielleicht die beste in diesem unteren Teil?!? Eine technische Rechtsquerung, wo man immer schauen muss, wo es langgeht, führt zu einer Passage mit sehr markanten Wasserrillen, welche nur mit 2 gebohrten Sanduhren mit dünnen Uralt-Schlingen gesichert ist. Ja keinen Fehler machen heisst die Devise - aber ok, besonders schwierig ist dieser Schlussabschnitt schon nicht mehr.

Die Umgebung ist schon traumhaft! Hier in L5 (6a+) mit Blick zum Hüfigletscher.

L6, 45m, 5c+: Etwas einfachere Kletterei, dafür weniger schöner, manchmal etwas splittriger Fels. Knappe Absicherung gibt es natürlich auch hier, neben 5 BH bringt man vielleicht auch noch 1-2 mobile Gerätschaften unter. Sicher zu klettern hat man aber dennoch.

Che bello! Hinten die Pyramide des Gross Düssi (3256m), der Akteur in L6 (5c+, chossy)

L7, 45m, 6a+: Mutmassungen aufgrund von Ausblick und Topo könnten hier einen richtigen Schocker vermuten lassen: 45m, 3 BH, 6a+. Und dabei bietet nicht etwa die Hälfte der Länge Gehgelände, sondern es ist anhaltendes Terrain. Viel Legen kann man ebenfalls nicht, vielleicht sogar gar nix zuverlässiges. Dafür ist der Fels hier tatsächlich für einmal etwas üppiger strukturiert und bei den weiten Abständen entfernt man sich eher seitlich als vertikal von den BH. Führt zwar auch zu einem üblen Pendler, aber es ist halt doch weniger Energie im Sturz - vielleicht darum hat es mich hier nicht besonders gefürchtet.

Taffe Plattenquerungen am Ende von L7 (6a+).

Nach der zweiten Sicherung in L8 endet unsere Begehung... nein, zum Glück nicht mit einem Unfall. Wer mich kennt, der weiss wie ungerne ich MSL-Routen vorzeitig abbreche und nicht bis zu deren Ende klettere. Aber hier war mir das Risiko schlicht zu gross und ich wollte nicht meine Gesundheit und mein Wohlergehen auf's Spiel setzen.

  • Der nächste sichtbare Bohrhaken war mindestens 15m, eher 20m entfernt.
  • Das Gelände dahin sah nach anhaltenden Schwierigkeiten im Bereich von 6a+ aus.
  • Es sah nicht danach aus, als ob zuverlässige mobile Sicherungsmöglichkeiten kämen.
  • Nachtrag vom 28.1.2025: offenbar ist an dieser Stelle ein BH abgeschlagen (siehe Kommentar).
  • 3m über dem Haken war der Point of no return. Von dort konnte ich knapp noch Abklettern, nachher wäre dies nicht mehr kontrolliert möglich gewesen. Hier zu committen hätte somit bedeutet, weitere 10-15m zum BH steigen zu müssen, egal was kommt.
  • Die Lage vor Ort liess sich nicht wirklich mit dem (Original)topo in Einklang bringen. Die erste als BH verzeichnete Sicherung war nur ein Fixkeil. Die gezeichnete Linie mit queren und hinauf vom zurückliegenden BH liess Interpretationsspielraum für 3 verschiedene Optionen. Sicher alles kletterbar, aber womöglich nur eine davon als 6a+ und die anderen als Freesolo-6c?!? Nein danke...

Ja, normalerweise nervt das Scheitern. Vor allem wenn es wegen einer Fehlplanung oder noch mehr wegen persönlichem Unvermögen passiert. Sprich wenn man der Route einfach nicht gewachsen ist, d.h. eine Kletterbewegung nicht ausführen kann oder sich nicht traut, weil es zwar vielleicht unangenehm, aber  eigentlich nicht wirklich gefährlich wäre. Meistens geht man dann ja auch mit dem Gefühl weg, dass man wiederkommt und es der Route (oder viel mehr sich selber) zeigt, was man draufhat. An dieser Stelle im Dornröschen waren meine Emotionen aber ganz anders. Natürlich hätte ich das Klettern können, aber es war ein bewusster Verzicht. Das war einfach zu viel an Risiko, klar jenseits meiner Toleranzschwelle. Von einem "I will be back" keine Spur. Macht ja auch keinen Sinn, es wäre absolut töricht mich bei einem nächsten Mal dieser Gefahr hinzugeben. Und nein, es war nicht weil ich einen schlechten Tag hatte, sich meine Wahrnehmung aus irgendwelchen Gründen verschoben oder der Biss fürs MSL-Klettern nachgelassen hat.

Stimmungsbild auf dem Rückweg, hier im einfacheren Gelände nach dem Schwerzifad.

Rückzug also, das war insofern kein Problem, als dass der Umkehrkarabiner im entsprechenden BH schon vorhanden und ich subito retour beim Standplatz war. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, waren wir nicht die erste Seilschaft, welche die Begehung an dieser Stelle abgebrochen hat. Während die Absicherung von Beginn weg knapp ist (Stufe xx von xxxxx), sicheres Steigen verlangt und bei einem Sturz öfters unangenehme Konsequenzen haben könnte, so war es bis zu dieser Stelle doch einigermassen fair und verantwortbar. Dies im Sinne, dass der Verlauf meist klar genug gegeben war, man vor schwierigen Stellen eine Sicherung hatte und nirgends auf Teufel komm raus mit unkalkulierbarem Risiko ins Unbekannte steigen musste. 

Item, 4 weitere Manöver später (mit teils deutlichem, seitlichem Versatz) waren wir retour bei unserem Depot. Achtung, beim letzten Abseiler auf das Ausquerband reichten (meine) 2x50m-Seile nur ganz knapp. Tja, das war's mit dem sagenumwobenen Dornröschen. Vom Tag blieb aber noch viel übrig, so konnten wir gemütlich noch etwas beim Depot rumfläzen, bevor wir ohne Eile den Weg zurück antraten. Für diesen brauchten wir knappe 2 Stunden, wenn's pressiert ginge es bestimmt noch etwas schneller. Nicht restlos zufrieden, aber mit einer längeren Kondi-Einheit in einer sehr schönen Umgebung und doch gegen 300 Klettermetern in den Beinen machten wir uns auf den Heimweg.

Blick das Tal hinaus zum Bristen - auch einer der gewaltigen Maderaner Skitourenberge!

Facts

Chalchschijen - Dornrösli 6c+ (6b obl.) - 15 SL, 580m - Fullin/Müller 1994 - ***;xx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.2-1, Keile

Da wir nur die Hälfte der Route geklettert haben, sind die hier porträtierten Facts natürlich nicht vollständig. Ich vermute die Materialempfehlung sollte so in etwa passen. Die Absicherung in L1-L7 ist knapp (Expo-Stelle in L1, dann xx), natürliche Möglichkeiten sind rar. Die ganze Umgebung da hinten am Chalchschijen ist echt traumhaft. Die Kletterei ist schon gut, aber definitiv nicht super. Nebst einigen lässigen Passagen an Wasserrillen ist das Gelände ziemlich flach, der Fels dafür meist ziemlich glatt und wenig strukturiert. Vielfach hat's nur Untergriffe, welche meist einen etwas splittrigen Eindruck machen. Zu erwähnen: es hat keinen Handyempfang und man befindet sich ziemlich weit abseits von der Zivilisation (unser zügiger Zu-/Abstieg soll hier keinen falschen Eindruck vermitteln). Ein Sturz mit Verletzungsfolgen kann einen sicherlich in gröbere Schwierigkeiten führen, zumal (weiter oben) auch ein Rückzug aus der Route schwierig scheint. An dieser Stelle das Originaltopo zum Download.

Sonntag, 5. März 2023

Skitour Piz Nair (3059m)

Kurzfristig erhielt ich grünes Licht für eine Tour an einem perfekt sonnigen Samstag, an welchem das Bulletin mit Stufe 1 absolut sichere Bedingungen anzeigte. Warum nicht wieder einmal ins Urnerland? An die Skitouren mit Ausgangspunkt bei der Golzerenbahn im Maderanertal habe ich nämlich exzellente Erinnerungen. Die Touren zum Bristenstock (2008, 2009), zur Gross Windgällen (2009) und zum Gross Düssi (2011) gehören alle zur Crème de la Crème in meinem Palmares. Alle sind sie aber auch sehr lang, mit über 2000hm Aufstieg und alpinen Fussaufstiegen im Gipfelbereich. Ob ich das jetzt immer noch könnte, 10-15 Jahre nach dieser Blütezeit?!? Dem wollte ich auf die Spur gehen und erkor den Piz Nair (3059m) zum Tourenziel. Er war neben dem (noch schwierigeren) Witenalpstock (3015m) der letzte 3000er im Tal, den ich nicht nicht besucht hatte. Viele Infos über die zu erwartenden Schwierigkeiten konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Das SAC-Tourenportal bewertet den Aufstieg über den NW-Grat von der Fuorcla Piz Nair (2830m) als Hochtour mit WS, II+. Auch die Hikr Delta und Schlomsch berichten von ihren Sommertouren keine aussergewöhnlichen Schwierigkeiten am Grat. Mein Fazit war also, dass das auch im Winter gehen sollte - auch wenn das Netz keinerlei Infos über Besteigungen in der kalten Jahreszeit ausspuckte.

Der Piz Nair (3059m) in seiner ganzen Pracht, hier mit Blick auf seine Nordwand. Rechts vom Gipfel die Fuorcla Piz Nair (2830m), der NW-Grat mit dem alpinen Fussaufstieg ist im Profil gut sichtbar. Wer das Foto in voller Auflösung betrachtet, vermag auch meine Abfahrtsspur zu erkennen.

Somit rauschte ich in gespannter Erwartung zum Ausgangspunkt bei der Golzerenbahn (834m). Wobei, was ich schon wusste, war dass mich dort absolut keine Flocke Schnee erwartet. Mit den entsprechenden Karten, Bildern und Webcams ist das ja heute keine Hexerei mehr. Deshalb hatte ich das Schneetaxi (=E-Bike) dabei und hoffte wie immer, dass die Übergangszone zwischen nicht mehr Bike-fahrbar und noch nicht Ski-fellbar möglichst klein wäre. Nach einem Start um ca. 8.20 Uhr ging das auf wie gewünscht. Bis zur Chrüzsteinrüti (ca. 1170m) war die Strasse weitgehend aper, bzw. am Ende auf dünn-kompakter Schneedecke gut fahrbar. Damit war das erste Teilstück zügig und ohne Mühen erledigt. Das Gefährt wurde deponiert, ich ging wenige Schritte durch den folgenden Tunnel, danach konnte ich die Bretter anschnallen. Es lag zwar generell schon sehr wenig Schnee, auf dem Trassee war er aber kompakt und durchgehend. Ziemlich subito wurde ich mir gewahr, dass bis zu den Gipfelzielen noch ein sehr weiter Weg wartete - das störte mich aber nicht, denn es war das erste Mal, dass ich ins Etzlital schritt. So bedeutete jeder Meter Neuland und neue Ausblicke, zudem gewann ich zügig an Distanz und Höhe.

Wenig Schnee hier im Etzliboden - aber alles fahrbar! Hinten Chli und Gross Windgällen.

Bis zur Müllersmatt, dem Boden unterhalb der Etzlihütte, konnte ich der Spur der Hüttencrew folgen. Es war nicht so, dass dies bei der kompakten Schneedecke mit einem Pulverflaum eine wesentliche konditionelle Erleichterung gebracht hätte. Aber so gab es bezüglich der Orientierung null Fragezeichen. Wie sich zeigte, verlief der Parcours durchgehend exakt entlang des Sommerwegs, nur bei üppigerer Einschneiung stehen andere Optionen offen. Die Müllersmatt stellt quasi den Knotenpunkt für alle Touren im Etzlital dar. Während der Piz Nair noch nicht sichtbar ist, präsentieren sich dafür viele andere Gipfel, Couloirs und Abfahrtslinien im besten Licht. Ich schwankte kurz, ob ich meinen Plan anpassen sollte. Vieles lockte, ja einiges aus dieser Perspektive gleich richtig extrem. Aber wie es so ist im Leben, man kann nicht alles gleichzeitig haben. Somit hielt ich an meinem ursprünglichen Plan mit dem Piz Nair fest. Wer weiss, vielleicht ergäbe sich ja auf dem Rückweg noch eine Gelegenheit...

Da gibt es noch zu tun! Ausblick auf den Witenalpstock (3015m) und seine Trabanten.

In flachem Marsch ging es dem Etzlibach entlang nach Hinter Felleli, wo (nun im Angesicht des Piz Nair) der steile Aufstieg in die Fuorcla begann. Erst konnte ich noch von einer älteren Spur profitieren, etablierte mich dann auf der markanten Mittelmoräne bis zum Fuss der Felsen vom Hälsistock. Schon gleich die erste Steilstufe danach war dann ziemlich ätzend: es hatte eine superkompakte Unterlage, darauf lagen 10-20cm kohäsionsloser Schnee, der beständig wegrutschte. Es blieb mir nichts anderes als ein kurzer Bootpack übrig. Bei der nächsten Steilstufe dann dieselbe Situation - ansonsten gelangte ich aber ohne weitere Schwierigkeiten und ohne übermässige Anstrengung beim Spuren unter die Fuorcla Piz Nair (2830m, ca. 12.50 Uhr, 4:30h ab Bristen). Dort wurden die Bretter deponiert, die letzten 10hm in die Lücke sind recht steil, bei ungünstigen Bedingungen würde ein fix installiertes Seil die Sache erleichtern.

Die letzten (ca. 150!) Höhenmeter hinauf zur Fuorcla Piz Nair. Das Gelände ist durchaus steiler, wie es hier auf diesem Foto den Anschein macht. Die Sonne lugt übrigens gerade dort hinter dem Grat bevor, wo sich der steilste Abschnitt mit der Schlüsselstelle befindet.

Von der Lücke war bzw. ist der NW-Grat schwierig einzuschätzen. Er ist wenig scharf geschnitten, alles sieht ein wenig gleichförmig aus. Also hinauf und probieren! Global bleibt man immer in der Nähe der Kante, die sich aber meist mehr in der Form von einem Rücken präsentiert. Ansonsten ist die Routenwahl wohl ziemlich beliebig - der Nase entlang heisst es. Los geht's noch in mässig schwierigem Terrain, bald wird es steiler und noch in der ersten Hälfte folgt die Schlüsselstelle. Eine ca. 25m hohe Felsbastion stellt sich in den Weg - ganz ordentlich steil, luftig-exponiert, aber zum Glück mit so richtig griffigem und solidem Fels. Trotzdem, für eine II+ muss man doch recht zupacken! Danach legt sich das Terrain wieder etwas zurück. Die Neigung ist aber beständig >45 Grad, es geht auf alle Seiten runter, Fehler sind da absolut keine erlaubt - ein Sturz wäre nicht aufzuhalten. Irgendwie hat's mich in der Art fast ein wenig an den Hörnligrat am Matterhorn erinnert. 

Es ist eher schwierig, den Grat gut fotografisch einzufangen. In Bildmitte die Schlüsselstelle.

Um 13.50 Uhr (5:30h ab Bristen) war ich schliesslich am schlichten, eisernen Kreuz angelangt. Südseitig war es angenehm windstill und warm. So konnte ich die Rast geniessen, das fantastische Panorama bestaunen und im Gipfelbuch blättern. Die letzte Begehung war am 1.8.2022 eingetragen, im Schnitt verirren sich ca. 5-10 Tourengänger pro Jahr auf diesen eindrücklichen Kulminationspunkt. Ich war etwas erstaunt, dass anteilsmässig doch ein substanzieller Teil der Begehungen im Winter stattfand. Andererseits hat dies durchaus seine Logik - bei guten Verhältnissen ist der NW-Grat eben nicht bedeutend schwieriger wie im Sommer, zudem ist der Zustieg zur Fuorcla mit den Ski bestimmt viel angenehmer wie im Sommer, wenn man über endloses Geröll gehen muss. 

Cumbre - einfach fantastisch da oben!

So schön es am Top war, irgendwann musste ich wieder aufbrechen. Auch diesbezüglich war das Gefühl ein wenig ähnlich wie auf dem Matterhorn, wo man ja um den anspruchsvollen Abstieg weiss. Schlussendlich ging aber alles gut über die Bühne - auch die Steilstufe konnte ich souverän abklettern. Oberhalb von dieser gibt es einen Stand mit BH und Ring, so dass man ca. 25m Abseilen könnte, sofern man einen Strick mitführt. Um 15.00 Uhr war ich retour in der Fuorcla und machte mich für die Abfahrt parat. Diese war dann von der Marke ganz ordentlich. Sprich meist pulvrig, dazwischen gab es ein paar Zonen mit leichtem bis mässigem Winddeckel, welche vorausschauend erkannt und umfahren werden wollten. Da ich noch über genügend Power in den Beinen verfügte, zog ich auf 2450m östlich zu den Ausläufern des Fellifirns hinaus. Mein Rückweg ins Tal sollte nicht komplett über die Aufstiegsroute verlaufen, ein kleiner Abstecher über den Chli Mutsch passte noch ins Programm.

Panorama von der Fuorcla Piz Nair, links Hälsistock (2965m), rechts Piz Nair (3059m).

Alpinistisch ist dieser kleine Gipfel absolut unbedeutend. Für den begeisterten Skifahrer ist er aber der Wächter über das fantastische NE-Couloir hinunter zur Müllersmatt. Dieses hatte mich schon beim ersten Anblick begeistert - ja ich hätte deswegen sogar meine Pläne mit dem Piz Nair in Frage gestellt. Doch eben, ich konnte ja sogar beides haben. Nur wohl leider nicht mehr mit der First Line, denn zwei von der Etzlihütte kommende Tourengänger hatten ca. 100hm "Vorsprung" auf mich. Naja, es würde sich bestimmt trotzdem noch lohnen, sagte ich mir. Umso überraschter war ich dann, als ich ca. 40hm unter der Lücke auf die beiden Splitboarder traf, die dort wie 2 begossene Pudel Rast hielten. Der Weiterweg sei nicht mehr möglich, sie würden umdrehen, sagten sie mir. Tatsächlich, es gab ab diesem Punkt das mir bereits schon bekannte Problem mit der harten Unterlage mit dem rutschigen Pulver drauf - für sie zusätzlich mit der Schwierigkeit, dass ein Fussaufstieg mit den "Gummischuhen" nicht drin lag. So passierte ich die beiden und erreichte die Lücke im Nu.

Mutsch (2790m) und Chli Mutsch (2592m) in der rechten Bildhälfte, fotografiert von der Müllersmatt (noch am Vormittag im Aufstieg). Im Blick die fantastische NE-Abfahrt von der Lücke zwischen den beiden Gipfeln.

Mit kurzer Kraxelei über ein paar Felstürme am Südgrat konnte ich tatsächlich auch noch den Gipfel des Chli Mutsch (2594m, ca. 16.00 Uhr) mitnehmen. Bald war ich zurück bei den Brettern, schnallte diese unter die Füsse und freute mich auf die bevorstehende Abfahrt. In meinem Rücken nahm ich war, wie die anderen beiden Tourengänger nun meinen Spuren folgend doch noch den Aufstieg wagten - mit einigem Lamento und gegenseitigen Vorwürfen, denn offenbar reute es sie extrem, die First Line verloren zu haben. Naja, ich hatte sie ja nicht gestohlen. Ohne mein Auftauchen hätten sie die Lücke gar nie erreicht. Und sowieso sind das doch alles Luxusprobleme - auch wenn der Zauber natürlich schon nicht derselbe ist, wie wenn alles noch unberührt vor einem liegt! Es ist aber auch so, dass schon vieles zusammenpassen muss, dass man da als Erster bei guten Bedingungen fahren kann. Der riesige, leeseitige NE-Hang mit oben 40-45 Grad Steilheit liegt lawinentechnisch nur bei ausgewählten Bedingungen drin, er darf nicht durch spontane Lawinen in Mitleidenschaft gezogen sein und dann hätte man gerne noch lockeren Powder. Das Ganze einerseits für Tagestouristen extrem abgelegen, andererseits von der Etzlihütte gut einsehbar und relativ rasch erreichbar. Kurzum, wenn man hier eine First Line bei Top-Bedingungen unbedingt wollte, es wäre ein möglicherweise sehr schwierig zu erreichendes Ziel. Mir aber fiel es einfach so in die Hände, welch glückliche Fügung und welch Privileg!

Vor lauter Action habe ich am Chli Mutsch keine Fotos mehr gemacht. Hier nochmals ein Blick auf diese Gipfel während dem Aufstieg, fotografiert bei der Ebene von Gulmen (ca. 1900m).

Dem bewusst stürzte ich mich in die Tiefe. Der Schnee war prima, die Decke absolut solide und so waren die 600hm in die Ebene hinunter ein einmaliger Genuss! Der Rest der Abfahrt ab der Müllersmatt kann da schon rein geländetechnisch nicht mithalten. Schlussendlich war es aber doch besser wie gedacht. Einige Abschnitte musste man zwar im Bereich der Aufstiegsspur fahren, aber doch erstaunlich oft konnte man eine direkte Linie wählen. Dank der auch hier kompakten Unterlage mit Pulverflaum gingen sich trotz generell geringer Schneemenge ganz lässige Schwünge aus. Ab Hinter Etzliboden war dann fertig mit "zöpflen". Dafür ging es in rasanter Schussfahrt zurück zum Bikedepot, wo dem Temporausch weiter gefrönt werden konnte. Wenige Minuten nach 17.00 Uhr war ich retour am Ausgangspunkt. Nein, da musste ich nicht lange überlegen: das war die beste Skitour seit langer Zeit gewesen - ein Erlebnis, welches sich nahtlos in die Reihe der genialen Maderanertouren einreiht. Ebenso freudig war ich über die Tatsache, dass auch 10-15 Jahre nach meiner Blütezeit in dieser Region bei fortgeschrittenem Alter immer noch solche langen Touren möglich sind. Vielleicht bin ich nicht mehr ganz genau gleich schnell unterwegs wie damals, aber was spielt das für eine Rolle.

Facts

Piz Nair (3059m) von Bristen (834m)
2250hm (+200hm für den Chli Mutsch), Ski-Schwierigkeit ZS, Hochtouren WS, II+
Material: Skitourenausrüstung, Steigeisen, Leichtpickel, evtl. 50m-Seil

Montag, 12. März 2012

Oberalpstock - Staldenfirn

Unverhofft kommt oft! Während ich mit einer Pulver-Skitour in den heimischen Voralpen, oder gar nur mit einer Klettergartensession rechnete, entschied ich mich kurz vor Mitternacht, dass nun die Gelegenheit für den Staldenfirn gekommen sei. Das Angebot, mich an die von Basti zusammengestellte Tourengruppe anzuschliessen, war einfach zu verlockend. Zu bereuen gibt es aber gar nichts, knietiefer, fluffiger Powder lag vom Gipfel bis runter ins Maderanertal.

Für die wenigen, die es nicht wissen: der Staldenfirn bietet eine der am höchsten gelobten Abfahrten der Zentralschweiz, über rund 2500hm führt sie vom Oberalpstock hinunter nach Bristen im Maderanertal. Dennoch hatte ich diese Tour bis dato noch nie gemacht, zu hoch schien mir der Aufwand, nach Disentis anzureisen, mit den teuren Bahnen hochzugondeln, den eher kurzen Aufstieg zu machen und danach endlich diese Abfahrt zu geniessen. Vor allem, weil diese ja doch nur bei wirklich guten Bedingungen die versprochenen Superlative halten kann.

Diese guten Bedingungen dann auch tatsächlich anzutreffen, ist aber nicht einfach. Wegen der Beliebtheit und der leichten Zugänglichkeit ab den Disentiser Bahnen kann man davon ausgehen, dass die Tour nach einem Schönwettertag bereits komplett verspurt ist. Nun gut, dann geht man halt einfach, wenn es gerade eben geschneit hat! Nur leider geht der mit ausreichend frischem Pulver bedeckte Staldenfirn fast immer mit der Gefahrenstufe "erheblich" einher, und gemäss den Angaben in der Literatur und meiner subjektiven, bisherigen Einschätzung erachtete ich die Tour der Steilheit des Geländes wegen eigentlich als ein absolutes No-Go in diesem Fall.

Schon etwas degeneriert. Für die paar wenigen Meter zwischen den Liften wurde ein Förderband eingerichtet, so dass man zur Bergstation keinen einzigen Höhenmeter aus eigener Kraft zurücklegen muss. Gut, für etwas bezahlt man ja auch die 52 CHF. Dabei ist das Band so langsam, dass zu Fuss hochgehen, Kamera aus dem Rucksack klauben und fotografieren sogar noch schneller ist.
An unserem Tourentag war das nicht anders: das Bulletin zeigte orange, dennoch bezeugte der von Basti für seine Tourengruppe angeheuerte einheimische Bergführer die Machbarkeit, noch dazu aktuelle Unverspurtheit und beste Bedingungen. Das war natürlich Musik in meinen Ohren. Zum Glück ist Basti ein generöser Mensch und offerierte mir sofort, mich seiner Gruppe anschliessen zu können, das Administrative würde er dann schon regeln. Angemerkt sei an dieser Stelle aber, dass erheblich nicht gleich erheblich ist. Umsicht, Erfahrung und Fachwissen sind für den Entscheid zum Go auf jeden Fall erforderlich.

Somit ging es nach kurzer Nacht um 7.27 Uhr in Andermatt los, eine Stunde bis nach Disentis, in einem von Staldenfirn-Aspiranten gefüllten Zug. Bei uns wurde die Taktik für das sich abzeichnende "Rennen" zum P.3163, dem Einstieg zur Abfahrt besprochen. Mir als quasi "blindem Passagier" in der Gruppe wurde eine Assistenten- und Wasserträger-Rolle zugeteilt... Doch erst einmal galt es, sündhafte 52 CHF zu löhnen und in 4 Sektionen zum P.2770 unter dem Piz Ault zu gondeln. Immerhin, wenn man oben am letzten Lift die Karte zurückgibt, so erhält man noch 10 CHF zurück.

Dort trudelten mehr und mehr Touristen ein, welche ihre Felle aufzogen, also galt es, rasch loszukommen und Boden gutzumachen. Die erste Crux der kurze Klettersteig, welcher auf den SE-Grat des Piz Ault hochführt. Für mich hiess das 3x rauf und runter, um den Teilnehmern die Skis hochzutragen, in der Lücke Fell-Demontage-Service und schliesslich ca. 150hm Abfahrt auf den Brunnifirn. Da wird erneut angefellt, und dem Ziel zugestrebt. Für die meisten ist das am heutigen Tag ganz einfach der ominöse P.3163, Einstiegspunkt zum Staldenfirn. Für mich gibt's jedoch den Gipfelgang, es sind nur 165hm extra. Kurz etwas Tempo aufgesetzt, mehr als rechtzeitig bin ich schliesslich retour bei P.3163. Es zeigt sich, dass nebst den 3 Spuren vom Vortag bereits etwa 15 Personen vor uns die Abfahrt angetreten haben. Das ist nicht weiter schlimm, so für gute 50 Spuren bietet der Staldenfirn durchaus Raum.

Gross Düssi (3256m) - gerade ein gutes Jahr ist es her, seit ich ihn an einem absoluten Traumtag mit den Ski begehen konnte (Bericht, Bericht). Die Abfahrt steht qualitativ derjenigen über den Staldenfirn in keiner Hinsicht nach - im Gegenteil, sie ist anspruchsvoller und rassiger.
Der Einstieg auf den Firn dann problemlos, es war kein Eis und kein Bergschrund sichtbar, die Verhältnisse einfach ein Traum. Achtung, bei ungünstigen Verhältnissen kann man durchaus auf Steigeisen angewiesen sein. Vom ersten Meter weg liegt knietiefer Pulver, das Gelände hat die ideale Neigung - einfach alles wie gewünscht! Traumhang folgt auf Traumhang, am besten vielleicht der lange, konkave Hang der Gemsplanggen. Diesen würde ich lawinentechnisch als die heikelste Stelle einstufen - bis dahin übertrifft man bei geschickter Routenwahl die 30-Grad-Grenze höchsten auf kurzen Abschnitten von 20-40hm. Auch der Gemsplanggen-Hang ist viel weniger steil als die völlig überzogenen Angaben (40 Grad) aus der Literatur - die steilsten 100hm erreichen gerade eben so ideale 32 Grad. Allerdings droht, vor allem wenn man im Hang nach Westen rüber quert, von oben "Saures": das Gelände oberhalb ist sehr steil und felsdurchsetzt, eine hier abgehendes Schneebrett würde einen ins Verderben reissen. Als Pluspunkt in der Beurteilung kann man jedoch werten, dass man hier bereits weit von einer Kammlage entfernt ist.

Bis auf etwa 1700m hinab befährt man danach bei guter Schneelage weitere, sehr schöne Hänge. Danach folgt die Querung in die enge Rinne, welche zur Alp Stössi hinabführt. Das Erreichen dieses Couloirs bietet die Crux, eine exponierte, zwischen 40-45 Grad steile Querung, die häufig hart, oder gar vereist ist. Bei ungünstigen Bedingungen durchaus ein Challenge, wer hier abrutscht, kann sich durchaus lebensgefährliche Verletzungen zuziehen. Dort war auch ein (aufgerolltes) Fixseil vor Ort: bei Vereisung (und wenn es nicht kaputt oder eingeschneit ist) kann es sicher gute Dienste leisten. Bei unserer Tour war das alles null Problemo, auch dort lag nämlich Pulver, und ich befuhr die Steilstufe nicht querend, sondern gleich direkt in Kurzschwung-Technik.

Die Rinne selber bot dann etwas wilden, pulvrigen Fahrspass, bei entsprechendem Können war es aber durchaus ein Genuss - auf solchen Pisten sollten doch eigentlich Skirennen ausgetragen werden, dieses plattgewalzte Zeug ist doch todlangweilig ;-). Nur zu bald waren wir unten im Tal angelangt. Lagen bei Stössi auf 1150m noch gute 1.5m Schnee, so waren dies bei Rüteli (P.1092) nur noch ein knapper Meter, und nach Lägni, wo man auf die Sonnenseite wechselt, wurde das Weiss rapide weniger. Zuletzt, zur Brücke bei P.873 hin war bereits etwas Portage nötig. So endete unsere Tour kurz nach 13 Uhr bei der Golzerenbahn, Zeit für das Fazit.

Fazit

Wie erhofft konnte ich nach langer Zeit des Geduldens die Abfahrt über den Staldenfirn bei durchgehend allerbesten Bedingungen machen. Sie ist wirklich sehr lohnend und darf ganz bestimmt zu den Highlights der Zentralschweiz gezählt werden. Für mich persönlich, als Skitour und auch bezüglich Erlebniswert, ist aber z.B. unsere Tour zum Gross Düssi (Bericht, Bericht), oder auch zur Gross Windgällen (Bericht), in einer ganz anderen Liga. Der harte, entbehrungsreiche 2500hm-Aufstieg, die erste Spur zu legen und zu zweit alleine am Berg unterwegs zu sein ist eben schon unschlagbar toll - es gibt mir so viel mehr als dieses etwas konsumorientierte Hochgondeln, der wohl landschaftlich sehr schöne, aber gleichzeitig etwas übervölkerte Brunnifirn, etc.. Dennoch, das Erlebnis Staldenfirn war super, ich möchte es keinesfalls missen, das war jetzt ein bisschen Jammern auf sehr hohem Niveau. An dieser Stelle auch herzlichen Dank all jenen, welche die Tour für mich möglich gemacht haben.

Mittwoch, 23. November 2011

Chalchschijen - Out of Space (8a+)

Nein, das ist (leider) kein Tourenbericht von mir. Aber ein Hinweis auf eine spannende Erstbegehung am Chalchschijen. Der Berg, ein wahrer Felskoloss, liegt im hinteren Maderanertal: abgelegen, kaum begangen, nur von wenigen, anspruchsvollen Routen durchzogen. Nun ist durch das Trio Bissig, Sigrist und Tresch im Sommer 2011 eine Route im High-End-Bereich hinzugekommen.

Ja, da muss man scheint's gut hinstehen! Und der Fels ist der Hammer. Bild PD/Webseite der Urner Zeitung
Die Geschichte zur Erstbegehung ist in ziemlich allen Zentralschweizern Lokalblättern erschienen, z.B. hier in der Urner Zeitung. Sehenswert ist auch das von den Kletterern gedrehte Video, ebenso wie das frühere Documentary über die Mühen des Erschliessens. Nicht verpassen sollte man auch die Reportage in der Zeitschrift Geo von Karin Steinbach Tarnutzer, die tolle Fotos von Röbi Bösch beinhaltet.