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Sonntag, 5. Juni 2022

Moor - Strapaziergang (7c)

Nur 10 Tage nach dem letzten Besuch eine weitere Visite am Moor: während ich die Abwechslung der verschiedenen Gebiete durchaus liebe, so diktieren manchmal Wetter, Verhältnisse, Zeitbudget und vor allem die Präsenz von motivierten Partner:innen die Wahl des Kletterziels. So konvergierte die Entscheidung hier aufgrund von verschiedenen Faktoren erneut für den steilen Fels im Toggenburg. Aus den modernen, alpinen Sportkletterrouten standen nur noch vornehmlich anspruchsvolle bis sehr anspruchsvolle Ziele zur Verfügung. Wie üblich wählten wir mit dem Strapaziergang die auf dem Papier einfachste der noch verbleibenden Möglichkeiten. Auf der Anreise hatten wir die nötige Zeit, um darüber zu philosophieren. Für einen jungen, aufstrebenden Kletterer wäre die Strategie, die schwierigen Routen auf zukünftige, 'stärkere' Zeiten zu verschieben bestimmt richtig. Wenn man hingegen als älteres Semester seinen Zenit überschritten hat, so wäre es wohl schlauer, jeweils die schwierigste noch machbare Route zu klettern - die einfacheren liegen ja vermutlich auch später noch im Rahmen des Machbaren. Diese Überlegungen waren insofern theoretischer Natur, als dass uns der Strapaziergang (7 SL, 7c max., 7a+ obl.) schon genügend happig schien...

Die stolze Wand des Moor in ihrer ganzen Pracht mit dem Verlauf vom Strapaziergang (7 SL, 7c)

So machten wir uns Solar Powered elektromobil auf den Weg - nicht nur zum Ausgangspunkt in  Wildhaus, sondern auch von da mit Start um ca. 8.30 Uhr bequem mit Unterstützung auf der asphaltierten Strasse pedalierend bis zum P.1389 unterhalb der Schafbergwand. Dort deponierten wir die Zweiräder und stiegen auf der üblichen und mir inzwischen gut bekannten Fährte hinauf zum Schafboden und weiter der Pfadspur entlang Richtung Jöchli bis auf ca. 1880m. Ab dort in logischer Linie steil und weglos, aber recht gut gängig über einen Sporn, wobei das Gelände deutlich feuchter und grüner wie beim letzten Mal war und die Schwierigkeiten dadurch höher schienen. Der Einstieg zum Strapaziergang befindet sich auf einem Vorbau links der markanten Höhle neben der Bikini Zone (... ;-)). Er muss exponiert kraxelnd im Schrofengelände erreicht werden, ein Ausrutscher liegt da nicht mehr drin (ca. T5+, II). Erfreut nahmen wir zur Kenntnis, dass die schon von Weitem sichtbaren Wasserstreifen unsere Route wie erhofft nicht direkt tangierten. Der Zustieg hatte uns Bike-sei-Dank nur ca. 1:20h gekostet. Wir rüsteten uns zur Kletterei und stiegen um ca. 10.20 Uhr ein. Ein Hinweis für jene, die bei kälteren Temperaturen klettern wollen: allzu viel früher als um diese Zeit erreicht die Sonne die Einstiegslängen nicht.

Kurz vor dem Wandfuss, wo die Kraxelei auf den Vorbau zum Einstieg beginnt.

L1, 30m, 6b+: Der Auftakt vollzieht sich in schrofigem Gelände im T6-Stil, immerhin ist das Gestein schön fest. Der kompakte Fels lässt aber nicht lange auf sich warten. Bald stellt sich eine Platte in den Weg, die dank einigen Leisten einfacher zu haben ist, wie man erst meinen könnte. Man freue sich aber nicht zu früh. Im Finish der Länge gibt es einen sehr delikat anzukletternden Haken. Diese Stelle bringt vielleicht nicht die Finger, aber definitiv die Psyche auf Betriebstemperatur.

L2, 15m, 6c: Ein kurzer Abschnitt, welcher einen aber doch für eine Weile beschäftigt. Steil und athletisch geht's über eine Ecke hinweg, die vernünftig steckenden Bolts wollen noch mit Klemmgeräten ergänzt werden. An sich handelt es sich bei dieser Länge um eine lässige, abschnittweise durchaus knifflige Turnerei. Der Fels ist allerdings nicht von Topgüte, er wirkt etwas splittrig und tönt da und dort hohl. Da die Erschliesser aber gut ausgeräumt haben, passt es schon.

In L2 geht's trotz "nur" 6c-Bewertung überhängend zur Sache. 

L3, 30m, 7b: Kurz um die Ecke, dann gilt es, horizontal eine Steilplatte zu queren, wobei auch noch mobil gesichert werden muss. An psychischem Anspruch fehlt's weder für die Vorsteigerin noch für den Nachsteiger. Ohne gescheit auf die Füsse zu stehen und kleine Crimper zu krallen geht hier gar nichts. Immerhin, das sei erwähnt, das Placement in der Mitte dieses Quergangs ist wirklich sehr gut und die objektive Gefahr eines gigantischen Pendelsturzes darum entschärft. Eine diagonal zu kletternde Wandstufe, wo die Griffe in die falsche Richtung zeigen fordert dann mehr athletisch. Dafür ist das Finish entlang von einem Piazriss vergleichsweise günstig zu haben.

Die Plattenquerung zu Beginn von L3 (7b) hat es in sich - ein weiter Pendler droht...

L4, 35m, 7a+: Über herausragend schönen und sehr gut strukturierten Fels geht's in Wandkletterei hinauf, an dieser Stelle kreuzt man die 'Mittler Moor'-Route (BH und einige NH). Ziemlich gerade geht's weiter, eine überhängende Wandstufe lässt zunehmende Schwierigkeiten vermuten. Die Bestätigung dieser Annahme erfolgt unmittelbar, nach kurzem Piaz-Anschleichen wartet ein heftiger Boulderzug mit der Crux. Es sei erwähnt, dass diese Stelle nässeanfällig ist - auch bei unserer Begehung war es nicht ganz trocken, dank Struktur und rauem Fels aber machbar. Bald lässt es wieder nach, im 6bc-Gelände klettert man elegant, luftig, bei weiten Abständen und teils mit Cams sichernd, zum Stand.

Tolle Kletterei am Ende von L4 (7a+), alles in allem wohl die schönste Länge der Route.

L5, 35m, 7c: Nun gilt's ernst, das Originaltopo verspricht uns eine Bouldercrux gleich zu Beginn dieser Länge. Die findet man an wenig überraschender Stelle am Wulst gleich zu Beginn. Doch während der Text uns hoffen liess, die überwiegende Meterzahl der Seillänge in gut kletterbarem Terrain vorzufinden, so war das definitiv eine Zeitungsente. Klar, so verzweifelt schwierig wie am ersten Haken bleibt es nicht, dafür aber richtig anhaltend und beständig komplex. Der Fels ist recht gut, weist scharfe Strukturen und Troplöcher auf, wirkt aber hier und da auch etwas fragil - wobei trotz Holzhammer-Riegelei (ohne geht's nicht!) alles standhielt. Am Stand nach L5 trifft man auf das Wandbuch, welches uns nicht nur die sehr lesenswerten Räubergeschichten von der Erschliessung offenbarte ;-), sondern auch aufzeigte, dass wir 10 Jahre nach der Erstbegehung gerade einmal die fünfte Begehung machten. Bei einer Route mit solchem Anspruch (aber ohne klingenden Namen und Nimbus) ist das aber vermutlich auch nicht so erstaunlich. Ein wichtiger Tipp noch zum Schluss: obwohl im Originaltopo steht, diese Länge sei komplett gebohrt, ist es kein Fehler auch hier die Cams mitzunehmen.

Gääche Sache, dieser Moor!

L6, 45m, 6b+: Am Stand nach L5 trifft man nicht nur auf das Wandbuch, sondern auch auf eine Route, welche von rechts kommend am selben Ort Zwischenstation bezieht. Bei dieser handelt es sich um ein ungelüftetes Rätsel: sie ist älter als der Strapaziergang, aufgrund vom verwendeten Material wohl aus den späten 1980er- oder frühen 1990er-Jahren. Schon verrückt, dass offenbar jemand den riesigen Aufwand für eine solche Erschliessung geleistet hat, ohne je etwas darüber publik zu machen oder kundzutun. Auf jeden Fall folgt man dieser Linie in L6 über die ersten 2 (etwas antiken) BH und steigt dann mit einer 6b+ der Sorte 'allegro' kühn rechts weg. Immerhin, es löst sich alles auf. Auch Haken folgen danach nicht mehr viele, aber hier und da liegt ein Cam und es bleibt alles im grünen Bereich. Später trifft man dann wieder auf den Verlauf der unbekannten Linie und steigt schliesslich in brüchig-schrofigem Gelände auf ein Band aus.

Etwas brüchiger Ausstieg auf's Band am Ende von L6 (6b+). Hinten der Tristen mit seiner einladenden Gipfelmulde. Eigentlich jedes Mal wenn ich am Moor klettere, frage ich mich, wie es wohl so wäre, da den ganzen Tag an der Sonne zu liegen... ;-) Für diejenigen, die es ausprobieren wollen: man kommt tatsächlich von dieser Seite hoch!

L7, 50m, 6b: Auf dem Strapaziergang wird diese gesamte Schlusswand in einer Seillänge erledigt. Ein BH gleich zu Beginn lockt einen in den kompakt-schönen Fels. Darauf folgend müssen jedoch ca. 30m an Kletterstrecke mobil abgesichert werden. Es gibt nicht üppig Placements, aber zusammen mit moderaten Schwierigkeiten reicht's gerade so, dass die Nackenhaare schön anliegend bleiben. Wer auf der logischen Linie steigt, findet später zu den 3 BH, welche durch die leicht überhängende, henklige Schlusswand leiten. Dieser entstiegen, führen ein paar schöne Wasserrillen zum finalen Stand.

Schöne Wasserrillen kurz vor dem Top der Route am Ende von L7 (6b).

Ein paar Minuten nach 16.30 Uhr und somit nach rund 6:15h Kletterei waren wir am Top angelangt. Ja, das war ein zäher Fight gewesen! Hohe Schwierigkeiten und knappe Absicherung machen den Mix, dass unsereins da nicht einfach hochspaziert. Schlussendlich hatten wir aber doch mehr oder weniger die ganze Route freigeklettert, einzig in der Cruxlänge könnte es noch zwei, drei Missing Links gehabt haben - wobei wir natürlich nur vom Entschlüssen der Stellen sprechen und nicht etwa von einem Rotpunkt oder gar Onsight. Etwas Biss war auch wegen den Windverhältnissen nötig. Ein zügiger SW-Wind mischte sich mit heftigem thermischem Aufwind an diesem labilen Tag. An den fortwährend exponierten Hängeständen pfiff es einem gehörig durch Mark und Knochen - die solide Daunenjacke wäre am Körper definitiv besser platziert gewesen wie daheim im Schrank. Aber, und das zählt eben am Schluss: wir hatten es nach dem Motto 'when the going gets tough, the tough get going' geschafft. Es ist einfach cool, mit Leuten unterwegs zu sein, die auch bei solchen Bedingungen den nötigen Sportsgeist zeigen - danke Angie!

Der erste Abseiler bietet nochmals einen Blick auf L7 (6b).

So warfen wir am Top unverzüglich die Seile aus - bzw. das Einfachseil und die Rapline, welche im Angesicht der atmosphärischen Strömungen in alle Himmelsrichtungen verblasen wurde. Kommt noch hinzu, dass man im teils grob strukturierten Gestein der beiden obersten Seillängen Verhänger befürchten muss. Ein solcher blieb denn auch nicht aus, aber zum Glück war er ohne grössere Umstände zu beheben. Weiter geht's dann in steiler Abseilfahrt, mit dem Körpergewicht beladen zeigten die Stricke zum Glück nicht die gleich grossen Auslenkungen wie sie das ohne Beschwerung taten. Wohlbehalten gelangten wir an den Wandfuss, stiegen vorsichtig zurück über die steilen Grashänge, erreichten zügiger gehend das Bikedepot und in rasanter Abfahrt den Ausgangspunkt in Wildhaus. An diesem Tag war wieder einmal jeder Muskel durchbewegt worden, darüber bestand auf dem Heimweg kein Zweifel.

Facts

Moor - Strapaziergang 7c (7a+ obl.) - 7 SL, 240m - Riediker/Stalder 2012 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.2-2

Der Name dieser Route ist für die meisten Kletterer sicher das Programm: einfach durchspazieren werden hier sicher nur wenige, ohne gewisse Strapazen in Kauf zu nehmen geht es nicht. Geboten wird einem abwechslungsreiche Kletterei in meist gutem Fels. Die schwierigsten Stellen bieten technisch anspruchsvolle, knifflige und wenn dann fingerkräftige, aber nicht überaus athletische Kletterei. Mir hat die Route zwar gefallen, aber dies dann doch weniger gut wie Moorpheus. Ich würde die Qualität von Fels und Kletterei im Vergleich als schlechter bezeichnen, darüber hinaus sind auch noch die Anforderungen weniger homogen - was jetzt aber nicht heisst, dass ich ein Besuch nicht lohnen würde! Die fixe Absicherung ist knapp gehalten, was die Route anspruchsvoll macht. Die soliden Inoxbolts sind aber fair und vernünftig platziert, gefährliche Stellen gibt es kaum. An vielen (einfacheren) Kletterstellen muss mobil gesichert werden. Die Placements sind häufig weder sehr zahlreich noch von perfekter Güte - meist geht's dann aber doch grad, um im gewünschten Rahmen für Sicherheit zu sorgen. Wir hatten Cams von 0.2-2 dabei, was ausreichend war. Für die Grösse 3 konnte ich keine wesentlichen Einsatzmöglichkeiten erkennen und auch den 2er haben wir nur unnütz am Gurt mitgeführt. Hilfreicher wären entweder Keile oder allenfalls ein zweites Set der Grössen 0.3-0.75 gewesen. Ein Topo zur Route und weitere Infos zum Gebiet findet man im SAC-Kletterführer Alpstein.

Dienstag, 17. Mai 2022

Moor - Moorpheus (7a+)

Saisonstart im alpinen Sportklettern - stimmt zwar nicht ganz, da wir mitten im Winter im Tessin (1,2) und in Talnähe an der Föhnmauer aktiv waren. Doch für einen ambitionierten Besuch in den Top-Gebieten der Alpennordseite geht's erst jetzt mit fortgeschrittener Schneeschmelze so richtig los. Top motiviert wurde gleich der Moor mit seinem nicht eben kurzen Zustieg und den nicht minder anspruchsvollen Routen zum Ziel auserkoren. Da wir uns gut vorbereitet und ausgeruht fühlten, sollte das aber schon passen. Zum Sammeln von Kraft und Motivation sollte mir auch der Sparta Kids Fight dienen, an welchen ich am Tag zuvor zwecks Fahrdienst und Coaching anwesend war. Das traf zu, bis ich mich bei der After-Comp-Session dazu hinreissen liess, in die Kletterfinken zu schlüpfen und nicht mehr aufhören konnte, bis alle Boulder durchgeprügelt waren. So blieb nur die Hoffnung, dass jugendlich anmutender Leichtsinn auch jugendlich anmutende Über-Nacht-Rekuperationssfähigkeiten induzieren würde...

Da thront er imposant am Horizont über Wildhaus, der Moor - links die Schafbergwand.

Jedenfalls gelang es schon mal, einigermassen früh aus den Federn zu kommen und den Zustieg um 8.20 Uhr in Wildhaus zu starten. Schon ganze 7 Jahre ist es her, seit ich dereinst für das Moorphium den 1000hm umfassenden Zustieg unter die Füsse genommen hatte - Wahnsinn, wie die Jahre im Eiltempo verstreichen. Im Gegensatz zu damals schien es ratsam, den Zustieg etwas gechillter anzugehen. Der Weg blieb sich genau derselbe, durchs Flürentobel zum Wildhauser Schafboden und weiter auf dem Weg zum Jöchli bis ca. 1880m. Ab dort in logischer Linie steil aber recht gut gängig (ca. T4+ bis T5) über einen Sporn und zuletzt querend zum Einstieg. Dieser befindet sich ca. 20m links der markanten Schlucht in Mitte der Wand und ist ziemlich unscheinbar. Als Markierung dient eine Bandschlinge in einer gebohrten Sanduhr, ebenso lassen sich beim Sperbern die ersten 3 BH erkennen. Nach 1:45h Zustieg waren wir da und starteten ein paar Minuten vor 10.30 Uhr mit der Kletterei. Zu erwähnen ist, dass die erste Seillänge nicht so viel früher von der Sonne beschienen wird.

Wandansicht vom Schafboden mit dem Verlauf von Moorpheus.

L1, 35m, 6b: Nach ein paar einfachen Metern etabliert man sich rechts auf dem Plattenpanzer, klippt den ersten Bolt und gleich geht's los. Der Fels ist wunderbar rau bei erstklassiger Reibung, welcher aber auch unverzüglich zu vertrauen ist. Hat man den dritten BH geklippt, so befindet sich der nächste erst in weiter Ferne. Dies "zwingt" den Vorsteiger fast, links im etwas durchzogenen Gelände zu steigen. Angenehmer und kaum schwieriger ist aber die gut strukturierte Platte rechts, nur halt etwas kühn(er). Der erwähnte, distant steckende Bolt ist dann etwas heikel anzuklettern bzw. zu klippen (!), erlaubt aber stressfrei die letzte Stelle rechts hinauf über den Wulst zu erledigen.

Die "gut strukturierte Platte" in L1 (6b), mangels Absicherung geht der Vorsteiger aber wohl meistens links im etwas durchzogenen Gelände. Ich würde es nicht empfehlen, besser sichern kann man da auch nicht wirklich und auch wenn's vielleicht einen Tick einfacher ist, angenehmer zu klettern ist es da bestimmt nicht.

L2, 35m, 7a+: Spätestens ab hier heisst es, richtig parat zu sein. Über eine abdrängende Seitenwand heisst es, rechts hinaus auf eine nächste Steilplattenzone zu kommen. Da der Fels ordentlich mit Crimps und Schlitzen garniert ist, geht dies einfacher als befürchtet. Einmal drüben ist man froh, dass sich die Neigung etwas zurücklegt. Die richtige Linie will aber erkannt werden, ein Cam muss hinter einer Schuppe platziert werden und bald geht's richtig los. Der nächste Haken blitzt in als haarsträubend weit empfundener Ferne, "bin nicht sicher, ob ich mich das traue" rufe ich dem Kameraden zu. Da es aber niemand anders für mich klettert und ich nicht schon wieder nach Hause will, steige ich natürlich trotzdem mal los. Zwei Meter über dem Haken stehend folgt dann die Erkenntnis, dass Zurückklettern definitiv unmöglich ist und Abspringen auch die sekundäre Option gegenüber dem Versuch, die restlichen 3m zum nächsten Rettungsanker doch noch zu versuchen (inkl. dem Risiko eines immer mordsmässigeren Abgangs, selbstverständlich) - alpines Sportklettern at it's finest, so schnell ist man wieder mittendrin! Doch wie so oft, zum Glück kommen die benötigten Griffe und die Begehung bleibt sauber. In der Folge stecken die Bolts wieder etwas dichter, was wegen diversen bouldrigen Stellen aber auch nötig ist. Doch auch die Psyche wird nochmals gefordert, ein Runout zum Stand inkl. knifflig-grifflosen Abschlussmantle beschliesst dieses Wahnsinngerät von einer Seillänge.

Fetzenscharfe, steile Tropflochkletterei in L2 (7a+)

L3, 30m, 7a: Hier wartet erneut anhaltend anspruchsvolle Kletterei in absolut vorzüglichem, fetzenscharfem Tropflochfels. Quasi vom ersten Meter an heisst es beständig, die oft eher minimalen Strukuren so zu nutzen, dass man die Füsse effektiv auf die Rauigkeiten pressen kann. Die Kletterei ist sehr athletisch und sehr technisch zugleich. Die Hakenabstände sind mit dem Zollstock gemessen nicht allzu weit, aber bei dieser Art der Kletterei subjektiv trotzdem sehr fordernd. Achtung, nach dem fünften BH heisst es, horizontal ca. 15m nach links zum Stand zu queren - und für den Nachsteiger gibt's durchaus ein paar aufregende Momente nach dem Aushängen dieses Hakens. Die Bewertung von 7a (laut Extrem Ost) hier gegenüber der 6c+ (SAC-Führer) ganz sicher angebracht, ist diese Länge doch nach unserem Empfinden sicherlich nicht einfacher wie L4 (7a) oder L7 (7a+).

Super genial und anhaltend ist L3 (7a), bald steht dem Nachsteiger ein spannender Moment bevor.

L4, 35m, 7a: Nein, zurücklehnen kann man sich auch hier nicht. Es geht gleich volle Kanne los, knifflig unter ein Dach, kräftig darüber hinweg und mit der Ausdauer rettet man sich an Slopern in flacheres Gelände. Leider kam mir dabei (wie sich zeigen sollte) der ansonsten einwandfreie Onsight-Durchstieg der ganzen Route abhanden - schade! Nun kann man natürlich konstatieren, dass der ohne die Kraftverschwendung beim Bouldern am Vorabend möglicherweise gelungen wäre. Tja, mehr Kraft hilft natürlich immer, doch intelligenter Klettern meist noch deutlich mehr. Sprich, hätte ich von Beginn weg auf die richtige Lösung gesetzt, so wäre es locker aufgegangen. Nun denn, nach der Steilzone mit der Crux klettert man einfacher über schöne Platten (weite Absicherung), bevor ein paar athletische Züge über den letzten BH führen.

Kernig-kräftige Kletterei zum Beginn von L4 (7a).

L5, 35m, 6c+: Ohlala, zum ersten Haken scheint es weit - dank mobiler Sicherung und guten Griffen aber problemlos. Die kompakte Zone beim dritten BH bietet dann wie vermutet die Crux. Eher vom Typ bouldrige Einzelstelle, die auf den ersten Blick unmöglich scheinende Wand offeriert tatsächlich ein paar versteckte Griffe, während die vermeintlich mögliche Auskneifvariante über links echt keine Option ist. Genussreich und extrem strukturiert geht's über zwei weitere Bolts zum Stand.

Toller Fels und dem Himmel entgegen in L5 (6c+), bald folgt die bouldrige Einzelstelle.

L6, 30m, T5: Überführungsstück über grasige Schrofen an die nächste kompakte Wand. Es ist ziemlich problemlos begehbar, nicht allzu steil und gut gestuft. Sicherungsmöglichkeiten gibt's allerdings keine, daher liegen keine Fehler drin.

L7, 35m, 7a+: Abwechslungsreiche Länge mit einem heiklen Auftakt: der erste BH steckt tief und nahe, dies allerdings mit Fug und Recht. An scharfen und kleinen Griffen gilt es eine Schuppe zu erhaschen. Spätestens wenn man diese in den Fingern hat, darf man nicht mehr stürzen, sonst kratert man am Boden ein. Zum nächsten BH sind es jedoch nochmals 4-5m, jedoch mit einfacherer, relativ kontrollierbarer Kletterei. Man überlege sich also genau, ob man dieser Stelle gewachsen ist - die offensichtliche Alternative besteht in einer Umgehung linksherum über den Parcours von 'Mittler Moor'. Nach dem zweiten BH wird man auf eine geneigte Platte entlassen, die zum finalen, überhängenden Wulst führt. An Slopern hangeln, hooken, sich dann an besser werdenden Griffen nicht abschütteln lassen und rausmanteln ist das Programm - ein richtig cooler Boulder!

Sieht auf dem Bild nicht ganz so spektakulär aus, wie die Seillänge gut ist. Kurz vor dem Ausstiegsmantle aus dem überhängenden Wulst am Ende von L7 (7a+) - nur nicht mehr Abschütteln lassen jetzt.

L8, 15m, 6b: Kurzes, aber kurzweiliges Teilstück, das nur gerade kurz vor dem Ausstieg ins flache Gelände einen BH aufweist. Der Rest muss selber mit Cams und an einer Sanduhr abgesichert werden, was aber ganz gut möglich ist. Auch die Moves sind echt cool an originellen Strukturen.

Um ca. 16.40 Uhr und damit nach rund 6:00 Stunden Kletterei hatten wir das Top erreicht. Wir hatten uns wie eigentlich immer die Zeit genommen, an beiden Seilenden eine (einwand)freie Begehung herzustellen. Ein kleiner Wermutstropfen war der verzockte Onsight meinerseits in L4, der ganze Rest der Route gelang mir in diesem Stil. Am Top gab es nicht viel zu tun, die bequemen Schuhe, das Sandwich und die Getränke waren ebenso am Einstieg geblieben. So fädelten wir praktisch unverzüglich die Seile und glitten in die Tiefe. Und zwar über das Moorphium, wo dies direkter und weniger umständlich möglich ist. Mit 2x50m-Seilen sind 5 Manöver nötig (Top -> 30m zu Kettenstand von Mittler Moor -> S5 -> S3 -> S2 -> Boden), mit 2x60m kann man die obersten beiden Abschnitte verbinden. Keine halbe Stunde später waren wir zurück auf Terra Firma. Nach einem Imbiss, dem Verräumen des Materials und dem ehrfürchtigen Beäugen unserer nächsten Projekte (wovon der Strapaziergang (7c) wohl die nächstschwierigere Route ist) beschäftigten wir uns, bevor wir talwärts liefen. Das steile Gelände erfordert erst vorsichtiges Absteigen, einmal zurück auf der Pfadspur zum Jöchli kann dann mehr Gas gegeben werden. Ein paar Schneefelder erlaubten noch das Abrutschen, so dass wir nach einer guten Stunde zurück in Wildhaus waren, wo sich der Kreis um 18.40 Uhr schloss. Mit dem guten Gefühl, eine Toproute in sauberem Stil geklettert zu sein, machten wir uns zufrieden auf den Heimweg.

Was für eine tolle Gegend! Blick auf Tristen, Zehenspitz und den Gipfel der Schafbergwand, unten im Tal der Ausgangsort Wildhaus und am Horizont die Alviergruppe und die Churfirsten. Auch wettertechnisch waren wir genau am richtigen Ort gewesen. Hier hielt es und war lange sonnig, während im Berner Oberland schon früh Gewitter niedergingen.

Facts

Moor - Moorpheus 7a+ (6c+ obl.) - 8 SL, 250m - Oswald/Riediker/Stalder - *****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams 0.2-1

Grandiose Route in fast durchwegs perfektem, rauem bis scharfem Gebirgskalk. Von steilplattigen Abschnitten zu viel athletischer Tropflochkletterei bis zu bouldrig-überhängenden Wulsten findet man einiges an Abwechslung und vieles an spannenden Herausforderungen. Die Route ist ein wenig homogener in den Schwierigkeiten, oben raus etwas spannender und nach meinem Gusto einen Tick schöner wie das benachbarte, ebenfalls sehr gute Moorphium und muss den Vergleich zu einer Wendenroute absolut nicht scheuen. Die Absicherung mit Inox-BH ist gut, aber oft zwingend und vergleichbar mit der Situation im Moorphium. An diversen Stellen muss man schon parat sein um im nichttrivialen Gelände zünftig von der letzten Sicherung wegzusteigen. Hier und da müssen (vorwiegend einfachere) Abschnitte mit Cams zusätzlich abgesichert werden. Ein Set Cams von 0.2-1 ist daher unabdingbar, grössere Exemplare braucht es hingegen definitiv nicht. Topos zur Route bzw. zum Moor allgemein findet man im Extrem Ost und im SAC-Kletterführer Alpstein.

Dienstag, 16. Juni 2015

Moor - Moorphium (7b)

Während meiner ganzen Kletterkarriere hatte ich bisher stets einen Bogen um den Moor gemacht. Und ich muss sagen, das war definitiv ein Fehler! Auch dieses Mal hatten wir lange gerungen, wohin es denn nun gehen sollte. Hohe Temperaturen, Sonnenschein, aber auch starker Föhnwind und von Westen anrückende Gewitter erforderten eine sorgfältige Gebietswahl. Nach einer längeren Diskussion einigten wir uns schliesslich aufs Moorphium und hatten die perfekte Wahl getroffen: bessere Bedingungen wären kaum anzutreffen gewesen, und die Route ist überaus lässig.

Der Moor im Alpstein in seiner ganzen Pracht, mit der eingezeichneten Linie der alpinen Sportklettertour Moorphium.
Unsere Tour startete um 7.40 Uhr in Wildhaus. Durchs Flürentobel ging es aufwärts, danach weiter Richtung Wildhuser Schafboden. Jonas erzählte mir ausführlich von all seinen Touren im Hochgebirge, ich lief hinterher und dachte mir läck, seiner Kondition hat das nicht geschadet. In zügigem Schritt hatten wir die 1000hm Zustieg nach 1:25 Stunden erledigt. In der Literatur sind für den letzten Anstieg zum Wandfuss 3 Varianten beschrieben. Keine davon weist jedoch echte Wegspuren auf, und so bleibt es der Phantasie des Kletterers überlassen, wo er denn die steilen Grashänge hochsteigen will. Wir entschieden uns, so lange wie möglich auf dem Bergweg zum Jöchli zu bleiben und zweigten erst bei der Verflachung auf 1880m nach rechts ab. Das dünkte mich in Auf- und Abstieg ideal, sicherlich eine empfehlenswerte Variante mit Schwierigkeiten im Bereich T4+. Nach einem Vesper am Einstieg konnte es schliesslich gegen 9.30 Uhr losgehen mit der Kletterei.

Im Zustiegsgelände. Der letzte Abschnitt hinauf zum Wandfuss ist recht steil und weglos, jedoch gut zu passieren.
L1, 35m, 6c: Der erste Haken steckt nicht gerade bodennah, doch zu Beginn ist die Kletterei einfach. Das ändert sich, je näher man dem grossen Dach kommt. Eine Plattenstelle erfordert es, die Bewegungen sauber zu planen und durchzuführen. Das ca. 1m ausladende Dach ist dann sehr athletisch, dank ein paar Henkeln oberhalb und Trittmöglichkeiten an der Dachkante jedoch erstaunlich einfach zu haben. Danach geht's noch über einige Meter einer kleinen Verschneidung entlang weiter, hier will noch obligatorisch ein Cam versenkt werden.

Auftakt in L1 (6c) über eine schöne Platte und danach ein athletisches Dach,, das hier gar nicht sichtbar ist.
L2, 25m, 6c+: Kurz nach links hochsteigen, dann spielt am ersten Wulst auch schon die Musik. Es ist sehr athletisch dort und leider wartet oberhalb nicht sogleich ein idealer Henkel. Im Wandbuch wird von Griffausbrüchen berichtet und Schwierigkeiten von 7a oder 7a+ werden erwähnt. Sicherlich wartet hier die zweitschwerste Einzelstelle der Route, gewusst wie lässt sie sich allerdings durchaus gut freiklettern. Der Rest der Länge ist dann einfach ein Fest: prima Tropflochkletterei bei eher luftigen Abständen mit zwingenden Kletterstellen dazwischen. An zwei Stellen lässt sich noch ein Cam versorgen, trotzdem ist der eine oder andere Haken nichttrivial anzuklettern. Eine etwas schwerere Einzelstelle wartet dann noch am letzten Bolt vorbei.

Super Kletterei in angenehm rauhem Fels mit zwingenden Moves bei Bohrhaken mit gesunden Abständen: L2 (6c+)
L3, 40m, 6c+: Kaum zu glauben, aber es wird noch besser. Diese Länge alleine verdient auf jeden Fall volle fünf Sterne. Anhaltend steil und knifflig geht es in perfektem, rauhem Fels in die Höhe. Zwischen dem zweiten und dritten Bolt wartet die Vorstiegscrux der Route. Wenn man einmal mit den Füssen auf Hakenhöhe steht, muss in einem Runout unangenehm trittlos mit einem Untergriff angelaufen werden. Aber nur dranbleiben, die Griffe werden nachher schon wieder besser und der nächste Bolt, der erst noch in weiter Ferne erscheint, lässt sich schliesslich gut anklettern und klippen. Nach dieser Stelle hat man die Route dann im Sack, die Absicherung ist oben raus nicht mehr so verpflichtend.

Fantastische Kletterei in L3 (6c+), diese Länge wäre auch an den Wenden herausragend.
L4, 25m, 7b: Die klettertechnische Crux der Route muss man leider eher als kleinen Schönheitsfehler werten. Eine kurze, knifflige und leicht überhängende Wandstelle an etwas splittrig anmutendem Fels will gemeistert werden. Dank einem ideal steckenden BH kommt man hier jedoch auch mit 6b 1pa durch. Ich gab mir 2-3 Versuche an dieser Stelle, schliesslich fehlten mir nur 10-15cm um mich an die rettende Leiste hochdrücken zu können. Mit noch etwas mehr tüfteln schien mir das machbar, den Beweis blieb ich allerdings schuldig. Woher die Bewertung von 7b kommt, ist mir nicht ganz klar. Im Wandbuch schreiben die Erstbegeher eindeutig 9- (d.h. 7b+), und auch die RP- oder Onsight-Wiederholer haben sich alle in dieser Richtung geäussert.

Ist zwar nicht die Crux, aber die Querung zum Stand hin am Ende von L4 (7b) ist zum Schluss auch nochmals knifflig. 
L5, 35m, 6c: Nochmals eine wirklich sehr schöne Länge in prima Fels. Gleich schon der Start aus dem Stand raus fordert, dann heisst es über die erste Wandstelle dranbleiben. Der Rest der Länge ist dann etwas einfacher und entlang von meist griffigen Rissen und Schuppen definitiv der Rubrik Genuss zuzuschreiben. Im Vergleich zu den beiden fordernden 6c+ von L2 & L3 ist hier sowohl die Bewertung irgendwie gutmütiger ausgefallen, wie auch die Absicherung deutlich enger gehalten.

Man sieht's sehr gut, die Kletterei in L5 (6c) ist nun deutlich entspannter wie unten.
L6, 45m, 6b: Ab hier ist nun der Schwung der Route definitiv gebrochen, auch wenn noch ein paar schöne Kletterstellen folgen. Doch zuerst gilt es einmal eine einfache Zone über ein Band hinweg zu klettern, dann warten ein paar unschwierige Aufschwünge, bevor dann zuletzt noch eine Wandstelle mit der Crux zum Stand hin folgt. Zwei Bohrhaken sichern die Stelle gut ab, die 6b-Bewertung empfanden wir als von der eher gutmütigen Sorte.

Blick auf die oberste Partie der Moor-Südwand mit den letzten beiden Seillängen vom Moorphium.
L7, 20m, 6c+: Bereits vom Stand nach L5 kann man vermuten, dass auch diese letzte Länge nicht mehr die anhaltenden Schwierigkeiten vom ersten Routenteil bieten wird. So kommt es dann auch. Die Schwierigkeit beschränkt sich hier auf den gut abgesicherten Boulder über den Bauch gleich nach dem Stand. Womöglich ist diese Stelle etwas grossenabhängig, aber das kam mir im Vergleich zu L2 und L3 jetzt doch gar banal vor. Zuletzt erreicht man dann in schöner Kletterei im Niveau um 6a+ das Top.

Inzwischen war die Uhr auf 14.00 Uhr vorgerückt, rund 4:30 Stunden hatte uns die Kletterei also beschäftigt, wobei es heute keinen Grund gab, besonders eilig zu sein. Am Top mochten wir aber dennoch nicht lange verweilen. Der prognostizierte Föhnwind war bisher höchstens in der Form von einem lauen Lüftchen zu spüren gewesen, doch hier an der Krete pfiff er nun doch etwas um die Ohren, so dass es trotz Tal-Temperaturen nahe der 30-Grad-Marke gar nicht mehr sonderlich warm schien. Überhaupt hatten wir die Kletterei bei sehr angenehmen Bedingungen geniessen können und wir waren froh, nicht ein schattigeres oder dem Wind mehr exponiertes Ziel gewählt zu haben. 

Im Auf-/Abstieg durchs Flürentobel lässt sich noch sehr gut ein Blick auf meine letztjährige Kreation XL an der Schafbergwand werfen.
Die Abseilerei ging dann problemlos vonstatten. Die Querung vom Top nach rechts zum Abseilen kann man sich wirklich sparen, der nächste Abseilstand ist auch vom eigentlichen Routenende gut zu erreichen. Achtung, auf den Bändersystemen am Anfang von L6 liegt einiges an losem Material herum. Dank geschickter Lage der Standplätze hält sich die Eigengefährdung im kleinen Rahmen, doch sollten sich andere Seilschaften in der Wand befinden, so ist hingegen grosse Vorsicht nötig, damit man keine Brocken in die Tiefe schickt. Wobei, mit durchschnittlich ca. 3 Begehungen pro Jahr ist die Route nicht als überfrequentiert zu bezeichnen. Im steilen Gelände unterhalb geht's dann abseilend zügig dem Einstieg entgegen. Dort verspern wir nochmals und treten dann den Weg nach Wildhaus an, wo wir noch vor 16.00 Uhr eintreffen und mit einem kühlen Getränk anstossen können.

Back in Town, der Moor grüsst bereits wieder in der Ferne am Horizont.
Facts

Moor - Moorphium 7b (6c obl.) - 7 SL, 225m - D. & L. Dürr, Chr. Looser 1998/99 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, Keile nicht nötig

Sehr schöne, steile Wandkletterei in zumeist sehr gutem, rauhem Fels mit vielen Tropflöchern und griffigen Schuppen. Die Route startet fulminant und vor allem L2 & L3 sind allererste Sahne. Die kurze, griffarme und leicht splittrige 7b-Stelle in L4 ist dann eher etwas ein Schönheitsfehler. Und auch wenn oberhalb immer noch schöne Klettermeter folgen, so ist die Route dort oben einfach nicht mehr ganz so eindrücklich wie zu Beginn. Die Absicherung mit durchdacht platzierten Inox-Bolts kann man als gut bezeichnen. In L1-L3 sind die Abstände jedoch eher gross und die Kletterei zwingend (d.h. unteres Ende von xxx). Es fühlt sich so an, als ob die Erstbegeher nicht dort geboltet haben, wo man jetzt gerne die nächste Sicherung hätte, sondern jeweils weitergestiegen sind, bis ein Bolt wirklich unverzichtbar war. Trotzdem, die Absicherung ist fair und gefährliche Stürze sind kaum zu befürchten. Etwas paradoxerweise sind die oberen, eher einfacheren und weniger anhaltenden Seillängen dann üppiger eingebohrt. Allzu viel kann und muss man nicht dazulegen, ein Set von kleinen und mittleren Friends ist völlig ausreichend. Ein gutes Topo der Route kann man hier downloaden, das Moorphium ist Route Nr. 8. Weitere Details findet man im SAC-Kletterführer Alpstein.