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Montag, 13. Januar 2014

Thron eingestürzt!

Es ist zwar Mitte Januar, aber irgendwie fühlt es sich wie März an. Dass dieser Eindruck nicht täuscht, zeigen uns auch die Eiskaskaden. Eine um die andere geht "viel zu früh" von dannen. So zum Beispiel diesen letzten Sonntag der Thron im Avers. Vormittags wurde er, wie auch am Tag zuvor, noch "bei guten Bedingungen" begangen, am Nachmittag war er weg. 

Diesen Vorfall möchte ich zum Anlass nehmen, um ein bisschen über das Verhalten des Homo Alpinensis nachzudenken. Dies soll keine Anklage von einzelnen Personen oder Personengruppen sein, und ich nehme mich selber von dieser Kritik auch gar nicht aus. Ich stelle einfach fest, dass die Tourenwahl in diesem verkorksten Winter oft mehr vom Wunschdenken als von der Vernunft geleitet wird. Da werden bei gefährlichen Verhältnissen auf Teufel komm raus steile Skitouren unternommen, mürbe gewordene Eisfälle angepackt und es wird selbst bei üblem Tauwetter in Nordwände eingestiegen.

Bild von Bodhi Climbing auf Facebook, aufgenommen am 12.1.2014.
Dabei sollte die Maxime für die Wahl solch alpiner Unternehmungen nicht lauten "ich will jetzt hin, es wird schon gehen", sondern man sollte sich viel mehr fragen, ob nicht ein besserer Tag kommen wird, wo man die entsprechende Tour bei besseren und vor allem viel sichereren Verhältnissen geniessen kann. Die Tourenwahl sollte doch von den aktuellen Möglichkeiten und Bedingungen geleitet sein, unter dem Bestreben die Risiken bestmöglichst zu minimieren - und nicht in erster Linie von den eigenen Ambitionen. Klar, dies ist derzeit eine bittere Pille, die es zu schlucken gilt, denn die eigentlich idealen Tage für winterliche Klettereien gehen vorbei und kommen diese Saison kaum mehr zurück. Dennoch ist es sicher besser, diese Pille zu schlucken als einen Unfall zu erleiden. Stay safe!

Tägliche Durchschnittstemperatur mit Max/Min seit Anfang Jahr in Hinterrhein (1620m, ca. 20km vom Thron entfernt).
Temperaturverlauf in Hinterrhein am Einsturztag, 12.1.2014. Beide Bilder sind von der Seite wettermelder.sf.tv.

Dienstag, 7. Januar 2014

Galerie - Immigrant (6b+)

Unglaublich, aber wahr: über die Weihnachtsferien konnte man de fakto zwei Wochen am Stück auf und über der Galerie klettern. Dies im Fels und zwar durchgehend bei angenehmen und guten Bedingungen. Während einzelne Exponenten fast täglich ihr Stelldichein gaben, war ich nur hin und wieder zwischen dem Skifahren mit den Kindern und der einen oder anderen Skitour vor Ort. Mit einer Rotpunktbegehung der Pro niederi Trieb (7c) konnte ich die nach meiner 4-wöchigen Pause wieder aufsteigende Form beweisen und auch für eine kleine Neutour war Gelegenheit. Das ist aber bei weitem nicht das einzige, was sich in diesem Klettergarten getan hat.

Die Linie im Waldsektor hatte ich schon vor einiger Zeit erspäht, und auch weiteres Optimierungspotential mit einem Direkteinstieg für die Grünabfuhr (7c+), einem verbesserten Ausstieg für die Ouagadougou (6c+) und der Sanierung von einigem unzuverlässig gewordenen Mammut-Longlife-BH hatte ich gesichtet. Aber offenbar gibt es Leute, die Gedanken lesen können, denn bei meinem nächsten Besuch waren die Arbeiten an der Grünabfuhr und der Ouagadougou bereits erledigt. Auch gut so, danke für Arbeit und Haken! Somit hat nun also die Grünabfuhr neu einen direkten Einstieg der sie optimal von der Sepultura entflechtet und sie kann nun auch ohne meterlange Verlängerungen seilzugfrei geklettert werden. Dieser erste Teil ist aber einfach im Vergleich zum Rest, die Schwierigkeit verbleibt wie vorher bei 7c+. Weiter links schliesst die Ouagadougou nun nicht mehr mit einem langen Quergang nach links ab, sondern verlangt zum Schluss zwei, drei weite Leistenzüge gerade hinauf, um dann in einfacherem Gelände wieder etwas nach rechts auszusteigen. Ganz sicher eine sinnvolle, logische Korrektur, welche auch das Abbauen der Tour massiv vereinfacht. Hier ist es vielleicht debattierbar, ob die 2-3 weiten Züge am Schluss die Schwierigkeit etwas erhöhen. Eventuell leicht, aber sicher nicht massiv. 

Kathrin punktet den 'Immigrant' (6b+). Die Exen rechts hängen im 'Emigrant', bei 'Tac Isaac' wird links an der Schuppe gepiazt.
Und dann eben kommt meine Neutour zwischen Tac Isaac und Emigrant hinzu, die wir sinnigerweise mit Immigrant benannt haben. Sie bietet nach einem kurz etwas kniffligen, bouldrigen Start interessante, ausdauernde Kletterei an guten Griffen. Eingerichtet und gepunktet wurde sie am 4.1.2014 von Kathrin und mir. Die Schwierigkeit schätzen wir als ähnlich ein wie im Emigrant rechts davon, das wäre dann eine 6b+. Wobei ich an dieser Stelle schreiben muss, dass Kathrin die beiden Routen mit 6c bewertet, man urteile also selber :-) Im Zuge dieser Erschliessung habe ich dann auch links eine logische und bequeme Umlenkung installiert, die nun gemeinsam für Tac Isaac und Immigrant benützt wird. Ebenso habe ich die marode Longlife-Umlenkung vom Emigrant mit 2 neuen BH saniert und an deren Schluss noch 2 BH gesetzt, so dass man dort jetzt (in gleicher Schwierigkeit) direkt klettern kann, und nicht mehr zum Klippen nach links in die Nachbartouren ausweichen muss. Mit all diesen Optimierungen und nachdem der Wandfuss vom Gestrüpp befreit wurde, lässt es sich an dieser tollen Wand nun noch genusssreicher klettern.


Routenverzeichnis (von links nach rechts):

Die folgenden Touren sind alle schön, lohnend und verlaufen in gutem, griffigem und leicht überhängendem Fels. Die Absicherung ist bestens ausgefallen, je nach Route sind 6-12 Express nötig. Für Recherche Inutile und Ouagadougou ist zwingend ein 50m-Seil zum Umlenken nötig, bei den anderen reicht (knapp!) durchwegs ein 40m-Seil.

Tac Isaac (6b)
Piazkletterei, gar nicht so einfach wie man denken können.

Immigrant (6b+)
Bouldriger Start, danach Ausdauerkletterei an meist grossen Griffen.

Emigrant (6b+)
Griffige Kletterei mit einer markanten Schlüsselstelle am Dächlein.

Recherche Inutile (7a)
Vier knifflige Stellen mit Ruhepunkten dazwischen, spannende Sache.

Ouagadougou (6c+)
Interessante Kletterei, knifflige Einzelstellen ohne gute Ruhepunkte brauchen Ausdauer.

Devi (8a)
Unten easy, dann an Leisten, Seit- und Untergriffen durch die steile Wand, Maximalkraftausdauer!

Grünabfuhr (7c+)
Nach gemütlichen Auftakt erst Untergriffe, dann Resistance an besseren und schlechteren Leisten.

Sepultura (7b)
Prima Route! Weite Züge, dazwischen immer wieder gute Griffe. 

Thai City (8a)
Lange Zeit eher gemütlich, das Finale an Löchern und Slopern hat es dann in sich!

Freitag, 3. Januar 2014

Jahresrückblick 2013

An dieser Stelle folgt der bereits traditionelle Rückblick (siehe 2012) auf mein vergangenes Bergjahr. Darüber gibt es einiges zu berichten, denn an total 139 Tagen hatte ich bergsportliche Aktivitäten unternommen. Das ist ungefähr gleich viel wie im langjährigen Schnitt, somit scheine ich mit meinen Habits und meiner Zeiteinteilung also ziemlich konstant zu funktionieren - wenn die Passion für die Berge eben da ist, dann ist sie da!

Anteilsmässig noch häufiger als in den letzten Jahren war ich im Klettergarten unterwegs, nämlich total 77x. Dafür gibt es zwei ganz klare Gründe: erstens ist das eine familienkompatible Aktivität und zweitens war das Wetter in der ersten Hälfte des 2013 so bescheiden, dass oft gar keine andere Alternative blieb. Unsere Entdeckungsreisen führten uns nach Sizilien und nach Lecco, und ganz traditionell besuchten wir auch das Frankenjura und erneut Kalymnos. Ansonsten war ich sehr häufig zeitsparend an den von mir aus nächstgelegenen Cliffs am Walensee unterwegs. Sportlich gesehen gab es im Frühjahr eine längere Durststrecke, wo ich viel Energie in Routen investierte, deren Durchstieg mir aber vorerst verwehrt blieb. Zum Ende der Saison wurde ich dann doch noch belohnt, so dass ich mir auch dieses Jahr 2x eine 8a und 4x eine 7c+ rotpunkt notieren darf, sowie 3x eine 7c onsight. Fürs nächste Jahr hoffe ich nun, einen neuen Schwierigkeitsgrad knacken zu können. Wird auch langsam Zeit, denn jünger wird man ja nicht.


Was das MSL-Klettern anbetrifft, galt es diese Saison viel Geduld zu zeigen. Wegen lange anhaltendem Schlechtwetter mit Kälte und verbleibenden Schneemassen konnte man erst im Juli an längere und höher gelegene Routen denken. Schliesslich konnte ich bis Ende November dann doch noch 21x ins Doppelseil einbinden. Ein Highlight diesen Sommer waren die genialen Ferien im Grödner Tal, wo ich zusammen mit Kathrin die fantastische 'Ötzi trifft Yeti' an der Kleinen Zinne begehen konnte, ebenso die 'Oro e Carbone' an der Mur del Pisciadu und als Dessert auch noch die 'Via Priz' am Piz Ciavazes. Zweimal buchte mich mein Spezl Tobias um Pause-Punkte zu sammeln, der Salbit Westgrat und die Hasse-Brandler durch die Nordwand der Grossen Zinne sind aber auch für sportliche orientierte Kletterer ganz oben auf der Wunschliste einzuordnen. Wegen der kurzen Saison (anfangs Oktober war bereits wieder finito) schaffte ich es dieses Jahr leider nie an die Wendenstöcke, dies steht nun fürs nächste Jahr wieder oben auf der Liste. Allerdings, die drei Zuestoll-Routen Solitaire, Quiero Thierry und Millenium waren ein guter und würdiger Ersatz.

Im Anarchist (12 SL, 8a+) am Schweizereck im Rätikon.
Wie geplant habe ich mich mit 14 Ausflügen öfters als früher dem Eisklettern gewidmet. Erleichtert wurde dies auch durch die sehr lange Saison, noch im April konnte ich in Campsut das letzte Mal meine Nomics schwingen. Dementsprechend gab es auch Fortschritte zu verzeichnen: ich konnte Routen bis WI5 und M7 im Vorstieg begehen, etwas was ich mir früher noch nicht zugetraut hatte. Das Highlight war sicher, endlich einmal im gelobten Kandersteg zu klettern, Pingu und Rübezahl standen dabei auf dem Menü. Der ultimative Schocker dieses Jahres ist auch in dieser Kategorie anzusiedeln und bezieht sich auf meinen Sturz in der Rubihorn-Nordwand, nachdem mir ein Bohrhaken ausgebrochen war. Dieser Zwischenfall verlief aber dank der guten Absicherung glimpflich. Und was das neue Jahr bringt, werden wir ja sehen. Ich würde mich freuen, wieder einmal im Brunnital ans Werk gehen zu können, wo die Bedingungen in den letzten Wintern nie mehr gut waren. Und nachdem ich im 2013 nie in Chamonix unterwegs war, hoffe ich doch, dass sich dies im kommenden Jahr wieder ergibt.

Bisher undokumentierte Route in den Urner Alpen (WI4, Dezember 2013).
Was die Skitouren anbetrifft, war ich mit 21 Touren gemessen an der eigentlich überaus langen Saison nicht sonderlich aktiv. Während die Felle vielerorts noch bis weit in den Juli hinein aufgezogen wurden, war mein Saisonende schon anfangs März. Zudem unternahm ich die Mehrheit der Touren (nämlich 13 Stück) in der unmittelbaren Umgebung meines Daheims. Nur selten gab es also eine längeren Ausflug, die beiden besten waren sicherlich die jeweiligen Kombis Brunnenstock/Voralphorn sowie Chli/Gross Ruchen. Nun ja, man kann halt nicht alles haben, und das Klettern hat bei mir aktuell gegenüber dem Touren Vorrang. Und zudem herrscht auch noch Konkurrenz durch das Skifahren mit den Kindern, das in näherer Zukunft noch ausschliesslich auf der Piste stattfinden wird.

Unterwegs vom Chli zum Gross Ruchen. Welch ein Privileg, hier durchschreiten zu dürfen!
Erstbegehungsmässig war es ein gutes, wenn auch nicht extrem aktives Jahr. Am Walensee konnte ich im Klettergarten das eine oder andere einrichten, auf Sizilien und Kalymnos hinterliess ich zwei weitere Souvenirs, am Urnerboden gab es neue Mixed-Routen, doch das wichtigste sind (mir) hier sowieso die MSL-Routen. Die geniale Solitaire am Zuestoll konnte ich nach rund 2.5 Jahren Arbeit und 8 Bohrtagen beenden und dem Verkehr freigeben. Für die Liebhaber etwas von etwas exotischeren Touren steht im Felsaufschluss des Ragnatscherbachs neu die 13 SL lange 'Salto de Agua' bereit, es wird an dieser Stelle demnächst darüber berichtet. Auch im nächsten Jahr wird es aus diesem Bereich sicher wieder Neuigkeiten meinerseits geben. Ich möchte meine begonnenen Touren an der Läged Windgällen und an der Schafbergwand zum Abschluss bringen, und sofern die Wettergötter wohlgesonnen sind, bin ich topmotiviert auch das Projekt in der Eiger-Nordwand zu vollenden. Ähm ja, und dass dies nicht bereits das Ende meiner Phantasie ist, dürfte wohl niemanden überraschen.

Am Eröffnen in 'Salto de Agua' (13 SL, 6c+) im Ragnatscherbach.
Somit schliesse ich diesen Jahresrückblick mit einem herzlichen Dank an meine Familie, die oft begeistert dabei ist und mich auch sonst in jeglicher Form beim Bergsport unterstützt. Ohne diese Hilfe wäre das alles nicht möglich, herzlichen Dank! Ebenso möchte ich meinen weiteren, immer motivierten Tourenpartnern dankeschön sagen - und auf ein neues im 2014! Der Wermutstropfen verbleibt zum Schluss, nämlich der kürzliche Hinschied von Elia. Vor 2 Jahren hatten wir gar gemeinsam im Sarganserland eine Route eingerichtet, nun wurde ihm in der Schwarzhorn Nordwand bei Gefahrenstufe 'gering' eine Lawine zum Verhängnis. Ein trauriges Ereignis, das uns stets zu Vorsicht und Demut mahnen sollte. Andererseits erinnert es aber auch daran, dass es von all den schönen Bergtagen nicht unendlich viele geben wird. Geniessen wir also jeden einzelnen davon und ziehen Kraft und Freude daraus. In diesem Sinn, auf ein unfallfreies und glückliches Bergjahr 2014!