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Sonntag, 22. Dezember 2019

Zervreilahorn - Nanouk (7a+)

Eigentlich waren wir ja gerade erst aus den langen Sommerferien heimgekehrt. Doch zwischen den Ferien und dem Arbeitsalltag stand noch ein Wochenende mit bestem Bergwetter und die Möglichkeit, mit einem motivierten Partner endlich einmal am Zervreilahorn zu klettern - für mich persönlich das letzte der bedeutenden MSL-Gebiete in der Ostschweiz und Graubünden, welches ich zuvor noch nicht besucht hatte. So ging's mit grossem Tatendrang hinauf Richtung Einstieg. Zurück kehrte ich mit einer Fülle von Erlebnissen, einer grossen Begeisterung für den Valser Gneis und einer Begehung der beiden Toprouten Nanouk und Braveheart. Es sollte nicht mein letzter Besuch am Horn gewesen sein...

Unterwegs ins gelobte Land! Die fantastische SE-Wand des Zervreilahorns lockt zum Klettern. Die Nanouk führt ziemlich direkt hinauf zum aus dieser Perspektive höchsten Punkt des Berges.
Über beinahe unendlich viele Kurven erreichten wir schliesslich den Parkplatz bei der Kapelle (P.1984) oberhalb von Zervreila. In weiser Voraussicht hatten wir die Bikes mitgenommen, der Zustieg ans Horn erleichtert sich so doch erheblich. Auf dem Hinweg lassen sich die knapp 3km über die Schotterstrasse bis zum Beginn des Wanderwegs dank Vernichtung von 130 Höhenmetern nämlich in wenigen Minuten zurücklegen, während man zu Fuss doch eine gute halbe Stunde unterwegs wäre. Nachher geht's zu Fuss auf dem Wanderweg Richtung  Furggelti in die Höhe bis zu dieser Stelle auf ca. 2240m (Steinhaufen, Eisenstange mit weiss-rot-weisser Markierung), wo man diesen nach rechts verlässt. Nun folgt man auf einer Pfadspur dem markanten, diagonal verlaufenden Felsband entlang bis zum flachen Boden (Biwakplatz) auf ca. 2400m unter dem Zervreilahorn. Bis hierher hatten wir mit schwerem Gepäck gerade eine gute Stunde gebraucht. Wir deponierten unser Material, genossen erst einmal einen Zmittag und gingen dann inklusive zuletzt etwas Gekraxel und der Querung auf dem SE-Wandband in ca. 15 Minuten hinauf zum Einstieg der Nanouk. Dieser befindet sich bei einem deutlich ausgetretenen Geröllplatz. Es hat auch einen Stand mit 2 BH, die Aufschrift "Nanouk" war hingegen kaum mehr lesbar. Um 12.30 Uhr kletterten wir schliesslich los.

Der Weg ans Zervreilahorn ist nicht eben kurz, dafür befindet man sich "richtig" in den Bergen, abseits der Zivilisation.
Routenbeschreibung

L1, 6a+: Die Route folgt zuerst der markanten Kante, welche mit den gut sichtbaren BH abgesichert ist. Eignet sich ideal als erster Test und Angewöhnung an den Zervreila-Gneis, ich fand's für den Grad doch eine ziemlich fordernde Kletterei. Schliesslich quert man nach rechts (jedoch nicht bis in die grasige Verschneidung), wo ein kurzer, schöner Riss erklommen werden muss (Cams). Zuletzt dann eine ebenso kurze Querung nach rechts zu Stand.

Blick auf den zwar nur kurzen, aber umso schöneren, selber abzusichernden Splitter Crack am Ende von L1 (6a+).
L2, 7a+: Der Dauerpiaz! Es geht aber noch einigermassen moderat los und bald stellt sich auch die Frage, ob man der unten doch ziemlich grasigen Verschneidung konsequent folgen soll oder auch die linke Kante (hier verläuft die antike Fahnenroute) verwendet. Schliesslich muss man dann unvermeidlich in die Verschneidung und passiert ein kleines Dach. Und dann wird aus dem Riss eine nur noch dünne Kante und über die Strecke von 2 BH muss man diese piazend voll zudübeln und auf sehr glattem Fels anlaufen, puh! Das Finish zum Stand hinauf dann weiter anhaltend im Piaz, aber wieder einen Tick einfacher. Glücklicherweise ist die Absicherung mit BH hier tipptopp ausgefallen.

Fast schon El-Cap-like, wie die Linien hier in der Piazverschneidung von L2 (7a+) geschnitten sind. Die Wände links und rechts sind denn tatsächlich auch ähnlich strukturlos wie im Valley - nur bestehen sie nicht aus ganz so glattem Fels wie drüben.
L3, 7a: Ziemlich gutmütig geht's auf den ersten Metern der Kante direkt ob dem Stand entlang (BH). Dann heisst's rechts abbiegen und hinein in die steile, eindrückliche Verschneidung. Kommt noch hinzu, dass diese zuerst selber abgesichert werden muss, was jedoch sehr gut möglich ist. Schliesslich legen Steilheit und Schwierigkeiten noch einen Tick zu, dafür stecken auch wieder BH in angenehmen Abständen. Während der Riss erst noch schön kantig und griffig ist, wird er später unangenehm rund, zudem fühlte sich auch das Gestein etwas glitschig an. Insgesamt nach meinem Empfinden doch ein gutes Stück einfacher wie L2, auch zugänglicher für Anti-Piazisten. Um zum Stand zu kommen, muss man die Verschneidung nicht bis ganz nach oben klettern, sondern vorher rechts abbiegen.

Die dritte Seillänge (7a) ist zwar attraktiv zum Klettern, jedoch nicht zum Fotografieren. Das Kernstück jener Sequenz ist nämlich weder vom unteren noch vom oberen Stand einseh- und fotografierbar. Darum hier nochmals ein Shot aus dem knallharten Piaz in L2 (7a+).
L4, 6a+: Kurze Seillänge, welche die Schwierigkeiten und den schönen Fels etwas sucht. Vom Stand links hinauf über die Stufe und dann weiter links halten, bis man auf dem Grasband den Kettenstand links findet. Hier am besten Stand machen und die nächsten 2 Seillängen verbinden.

L5, 6a: Komische Linienführung, die beiden BH stecken (zu) weit rechts, am besten sehr grosszügig verlängern. Schwierigkeiten von 6a findet man auch nur, wenn man sie wirklich sucht. Auf dem Band vor dem wieder steilen Wandabschnitt befindet sich nach Topo ein Stand, es steckt jedoch nur 1 BH. Wenn man ausreichend verlängert hat, kann man problemlos gleich weiter.

Durchzogenes Gelände in L4 & L5 (6a+). Tut der Route als Ganzes keinen grossen Abbruch, dennoch wird man in diesen beiden Längen keinen allzu grossen Klettergenuss finden. Von unten gesehen ist's allerdings schon noch ein wenig felsiger, wie es auf diesem Bild den Anschein macht.
L6, 6c: Sehr schöne Kletterei dem steilen Riss entlang. Da sich links und rechts zahlreiche Griffe befinden, kann man hier auf beschwerliche Techniken à la Piaz oder Jamming bestens verzichten und beschwingt in die Höhe turnen. Fürs Zervreilahorn definitiv eine leichtverdauliche 6c.

Prima Riss- und Wandkletterei in nun wieder kompaktem und grasfreiem Fels in L6 (6c).
L7, 6c/+: Man befindet sich nun auf der eindrücklichen, grossen Abschlussplatte. Der Auftakt geht aber ganz ordentlich über die Bühne, findet man hier doch griffige Strukturen, wo man auch selber noch Sicherungen legen kann. Die Crux folgt mittig in der Form einer plattigen Linksquerung, nachher geht's mit einer kleinen Überraschung zum Schluss wieder besser voran (fast schade, steckt da nochmals ein Bolt).

L8, 7a+: Knallerplatte hoch siebzehn, doch bei genauerem Hinschauen sind eigentlich immer Strukturen für Hände und Füsse da, es ist kein Schleicher. Schon aus dem Stand raus gleich fordernd, folgt schon bald die Crux, wo man Druck auf die minimalen Tritte bringen muss und dann entlang von einem spannenden Rail nach rechts quert. Diese Stelle fühlt sich im Vorstieg voll zwingend an, da man auch etwas seitlich versetzt vom Bolt moven muss. Möglicherweise kann man sich aber mit Trittschlinge und auf den Bolt stehen doch durchmogeln - wir müssen glücklicherweise nicht auf diese Mittel zurückgreifen :-) Wenn man die Rissspur rechts einmal erreicht hat, ist die Sache gegessen. Während diese Seillänge absolut nicht geschenkt ist und ich den Grad keinesfalls anzweifeln will, so dünkte sie mich doch deutlich einfacher wie z.B. die 7a+ der Braveheart. Zieht man dann noch die läppisch mit 6b+ bewerteten Cruxlängen der Eau Rance oder der Venus in Chamonix in Betracht, so scheint's mir wenig Konsistenz mit den Einstufungen zu geben.

Auf der grossen Knallerplatte in L8 (7a+), welche für diese Art der Kletterei relativ gutmütig eingestuft ist.
L9, 6c+: Gleich unterhalb von uns ist inzwischen eine Rettung der Rega im Gang. Das sorgt wie immer für ein etwas beklemmendes Gefühl, stört die Konzentration und der Lärm lenkt ab, vor allem weil wir ja auch nicht wissen, was los ist. Wie wir später vernehmen, kam es offenbar in der 'Lord of Camalot' zu einem grösseren Sturz, weil mehrere mobile Sicherungen versagt hatten. Wir schaffen es dann aber doch, den Fokus wieder auf das Geschehen vor unserer Nase zu richten. Das ist auch zwingend nötig, warten doch gleich aus dem Stand raus knifflige Moves mit Abtropfpotenzial. An einer diagonal verlaufenden Plattenkante muss man sich bouldrig in die Höhe arbeiten, der Fels daneben ist reichlich glatt und schlipfrig. Schliesslich rückt die rechte Kante in Griffnähe und im Cruising-Mode ist bald das Top erreicht.

Klettern während unten der Heli fliegt - immer wieder ein beklemmendes Gefühl (L9, 6c+).
Mit dem Routenende erreicht man einen breiten Grat, auf welchem man sich frei bewegen kann. Die Uhr war auf 17.30 Uhr vorgerückt, d.h. dass uns die Route doch 5:00h beschäftigt hatte. Da wir ja nicht nach Hause mussten, hatten wir noch ausreichend Zeit und für eine Erkundungstour. Erst trugen wir uns ins Wandbuch ein und verfolgten danach den Gratverlauf (gut seilfrei und barfuss möglich), bis der Zervreilahorn Mittelgipfel erreicht war und es definitiv nicht mehr ohne Abseilmanöver weiter gegangen wäre. Wir kehrten schliesslich zurück und fädelten unsere Seile in den Abseilstand der Fahnenroute. Wir lobten noch die steile und strukturlose Platte, welche eine rasche Rückkehr zum Ausgangspunkt und unseren Schuhen versprach. Doch es kam, wie es kommen musste: tatsächlich verhängte sich das freie Seil beim Abziehen an einem zu wenig tief gebohrten Antikbolt der Fahnenroute, Kruzifix! Wir waren die letzten am Berg, somit bleibt nur eine Option, wieder hinaufklettern. Mit einem Pendelquergang lässt sich immerhin der 6a-Abschlussriss der Medea erreichen, was einen Second Go in der 7a+ erspart. Die 6c+ muss dann aber unvermeidlich ein zweites Mal absolviert werden. Nun fädelten wir die Seile lieber in den Schlussstand der 'Nanouk', ab hier ging's nun eventfrei in die Tiefe. Mit etwas Abklettern  zu Stand 4 und zum Einstieg schafft man es mit 2x50m-Seilen gerade mit 4 Manövern (Achtung!!!). Mit 2x60m würde es jeweils komplett reichen, sonst kann man auch kürzere Abseillängen machen (es sind alle ca. 20m Kettenstände vorhanden). Da wir am nächsten Tag ja wiederkommen würden, deponierten wir unsere Ausrüstung und stiegen zu unserem Nachtlager ab.

Gipfelsteinmann auf dem Zervreilahorn Nordrücken. Unten der See, die zum Ausgangspunkt führende Strasse gut sichtbar.
Facts

Zervreilahorn - Nanouk 7a+ (6c obl.) - 9 SL, 250m - Hutzli/Illien 2001 - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.2-3

Tolle Gneiskletterei mit einigen sehr schönen Seillängen, die mich im Gesamtkonzept jedoch deutlich weniger begeistert hat wie die benachbarte Braveheart. Sicherlich ist auch die Nanouk selbst für von weiter hergereiste ein absolut lohnendes Ziel, für die 5* Höchstbewertung reicht es m.E. jedoch deutlich nicht. Zuerst ist der taffe Piaz in L2 (7a+) etwas gesucht wenige Meter neben einfacherem Gelände, dann warten in Wandmitte zwei Längen mit durchzogenem Terrain und die steilplattigen drei Abschluss-Sequenzen sind dann wirklich lässig, bieten aber auch keine hammermässigen Splitter Cracks, wie man sie sich in Urgesteins-Routen so gerne wünscht. Die Absicherung mit BH ist prima ausgefallen und das mobile Absichern nimmt in dieser Route keinen wesentlichen Platz ein. Sprich, sämtliche schwierigen Kletterstellen >6b sind komplett eingebohrt, nur bei einigen einfacheren Abschnitten müssen Cams platziert werden, was an diesen Stellen dann auch völlig problemlos möglich ist.

Montag, 16. Dezember 2019

Rheintal Cup 6/2019: Nikoloklettern in Dornbirn

Einen Tag nach Samichlaus ging der Rheintal Cup mit dem Lead-Wettkampf im K1 in seine finale Episode, es sollte auch für uns der letzte Wettkampf im 2019 sein. Team Dettling war (endlich und zum Glück) wieder vollzählig am Start. Da sich Dornbirn zwar gleich ennet der Grenze, aber doch in unserem Nachbarland Österreich befindet, dürfen wir auch die ersten internationalen Starts in unserer Karriere notieren ;-) Geboten wurde uns ein sehr interessanter, perfekt organisierter Wettkampf mit insgesamt >170 Teilnehmern und herausfordernden, aber sehr fair und selektiv geschraubten Routen.

* alle Bilder in diesem Beitrag stammen von Markus Schäpper - herzlichen Dank!!!

Qualifikation

U12: nun ist für Larina bereits das erste Jahr in der Kategorie U12 vorbei, wobei sie doch erst nach dem Wettkampf überhaupt erst 10 Jahre alt wurde. Der Start in der ersten Quali gelang ihr gut, sie scheiterte am Move zum Topgriff. In der zweiten Quali nahm die Athletin die Besichtigung etwas auf die (zu) leichte Schulter. Meistens ist das unerheblich, da Hallenrouten ja in der Regel wenig Geheimnisse bergen und die Sequenz offensichtlich ist. Hier war's für einmal anders, prompt leistete sie sich einen Verhauer und Wettkampfrouten verzeihen solche Shenanigans selten - so auch hier. Für die Final-Qualifikation reichte es trotzdem, somit war es nicht weiter tragisch. Beide Qualirouten waren übrigens im Bereich von 7a/7b einzuordnen.

Ziemlich fiese, technische Moves an Slopern schon früh in der Route (Q1 U12 bzw. Q3 U10).
Damen & Herren: beide Geschlechter hatten dieselben Routen anzupacken, dies übrigens auch gemeinsam mit der Kategorie U16. Da sich auch Teilnehmer aus den nationalen Auswahlteams eingeschrieben hatten, wurde mit dem Schwierigkeitsgrad nicht gespart. Im Bereich von 8a+ bis 8b war ein Durchstieg der beiden Qualirouten zu veranschlagen, das zeigt schon mal sehr gut die Challenge, der wir uns stellen mussten. Aber wie bereits geschrieben, waren die Routen sehr fair. Zwar vom ersten Meter an pumpig und tough, aber immerhin ohne unmögliche Bouldermoves. So konnte man auch ohne über Durchstiegsniveau zu verfügen richtig gut fighten und eine persönlich befriedigende Performance abliefern. Jedenfalls stand Kathrin nach der Quali auf Rang 1 und der Schreibende auf Rang 3, womit die Finalqualifikation gesichert war.

Q2 Damen (& Herren). Pumpige Moves an eher kleinen Griffen von Beginn weg.
Die Dachkanten, immer wieder eine Herausforderung für Grossgewachsene...
U10: der Wettkampf für die jüngeren Kinder startete trotz der sehr grossen Teilnehmerfelder erst am Nachmittag. So kam es, dass wir Jerome nur in einer einzigen seiner drei Routen beobachten und anfeuern konnten, da wir nachher bereits in die Isolation mussten. Die erste Route konnte er souverän toppen. In der zweiten erzählte er uns, dass er unglücklich vom Topgriff schlipfte und so nur mit 37+ in die Wertung kam. In der dritten Route gelangen ihm zur eigenen Überraschung noch viele Moves über den Punkt hinaus "wo ich schon tot war" - das Anfeuerungskommando von Larina (die zu diesem Zeitpunkt ihre Finalroute schon geklettert hatte und mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraut wurde) und dem zusammengetrommelten Fanclub ihrer U12-Freundinnen soll den Unterschied ausgemacht haben :-) Am Schluss stand so "nur" Rang 9, wäre die Hand in der Quali 2 auf dem Schlussgriff geklebt, hätte es für Rang 4 gereicht. Davon kann man sich wenig kaufen, für die persönliche Perspektive ist es aber doch wichtig. Eine minimale Verbesserung (wir reden hier von Topgriff halten statt nur betatschen, aber selbst wenn es 1-2 Moves mehr pro Route wären) scheint doch absolut machbar - denkt mal daran, mit welchem Mindset man da das nächste Mal angreift, egal ob am Wettkampf oder im Training.

Das war eben dieser verflixte letzte Move in der Quali 2...

Finals

Ich persönlich war einer der allerletzten Starter in den Finaldurchgängen, so dass ich schliesslich gut 2h in der Isolation verbringen musste, für Kathrin war es nur unwesentlich weniger. Schade ist das vor allem, weil wir so den eigenen Kindern nicht zusehen konnten und auch sonst eine Menge an tollem Klettersport verpassten. Aus dieser Hinsicht plädiere ich eigentlich dafür, auf Stufe Regio-Cup die Finals auch im Flash-Modus zu klettern. Da in umgekehrter Reihenfolge der Quali gestartet wird, hätten sich die später startenden den Vorteil vom Zusehen ja auch redlich verdient. Es würde die ganz Sache auch organisatorisch vereinfachen. Andererseits tönt 2h in der Iso zwar hart - ist aber nicht so. Wir befanden uns im Boulderraum, d.h. man kann etwas aufwärmen / klettern / trainieren, vor allem aber kann man mit den anderen plauschen. Irgendwie sitzen in der Iso alle im selben Boot, d.h. man lernt sich besser kennen und es macht die Wettkämpfe auch wirklich zu einem sozialen Event. Das ist also die positive Seite.

Sogar den Nikolo hat sie abgezockt - bravo!
Larina glückte im Final nach ihren Erzählungen keine besonders gute Begehung und sie war im Seil, bevor "es schwierig wurde und ich müde war". Nun ja, das ist meistens keine besonders gute Kombination an einem Wettkampf, Rang 9 war das Ergebnis. Kathrin machte das besser, stieg in ihrem Teilnehmerfeld am höchsten und holte sich den Sieg. Das ist umso bemerkenswerter, da sie ja am Rheintal Cup in Küblis Ende März eine schwere Knieverletzung erlitten hatte. Nun, 8.5 Monate und eine OP später war dies das Wettkampf-Comeback, bravo! Für mich persönlich resultierte in der ultrapumpigen Route Rang 3, der Kontrahent vor mir war zwar gleich weit gekommen, aber in der Qualifikation höher geklettert. Mehr als das schien von vornherein wenig realistisch, weil das Team Graubünden einen Akteur aus der Nationalmannschaft mitgebracht hatte. Und dieser operiert definitiv in einer anderen Liga - da hätte man sich schon nur an den vorgezeigten Stunts in der Iso beim "aufwärmen" entmutigen lassen können. Mich hat's natürlich nicht im Geringsten gestört, sondern es ist im Gegenteil sehr interessant und inspirierend, so hautnah miterleben zu können, mit welcher Leichtigkeit man diese für mich knüppelharten Moves auch ziehen kann. Bravo Dario, herzliche Gratulation!

Jung, jung, alter und älter!

Gesamtwertung

Im Rheintal Cup gibt's auch eine Gesamtwertung über alle 6 Events. Vor dem Nikoloklettern war ich auf Rang 2 platziert, ein Sieg am letzten Wettkampf oder ein zweiter Rang vor meinem Konkurrenten hätte den Titel bedeutet. Der Showdown war dann auch echt spannend. Mein Konkurrent hatte in der Finalroute schon früh arg zu kämpfen, rettete sich mit ein paar gewagten Moves am Limit aber tatsächlich noch bis zu der von mir erreichten Marke. Hätte ich es geschafft, von dort nur noch einen Zappler Richtung nächstem Griff machen zu können, so hätte es gereicht... manchmal sind es also wirklich nur Kleinigkeiten, die am Ende den Unterschied ausmachen. Und für mich war es einfach unmöglich, in der Finalroute das entscheidende "+" noch zu buchen. Auf jeden Fall: Gratulation Nico, du hast es verdient! Bei den Damen reichten Kathrin die Siege am ersten und am letzten Wettkampf der Serie zur Rheintal-Championne :-) Bei den Kindern gab's in der Gesamtwertung Rang 4 für Jerome und Rang 6 für Larina. Meinen herzlichen Dank an Pit und sein Team vom RZGR für die Organisation dieser Wettkampfreihe, natürlich auch den lokalen Organisatoren für die tollen Wettkämpfe sowie allen weiteren, hier nicht explizit erwähnten Beteiligten für ihren Einsatz. Wir sind nächstes Jahr sicher wieder mit dabei und freuen uns schon jetzt darauf!!!

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Perfect Timing am Stockberg (1781m)

Früher habe ich die erste Skitour des Winters jeweils mit grosser Ungeduld erwartet. Mit dem Alter hat sich dieses Syndrom ein wenig abgemildert. Trotzdem ist's jedes Jahr schön, wenn man dann endlich im Schnee unterwegs sein kann. An einem Arbeitstag mit leerer Afternoon-Agenda zeigten die Webcam mit reichlich frischem Pulver drapierte Wiesen und blauen Himmel - nix wie los! Das (noch) zur Verfügung stehende Zeitbudget war limitiert, daher sollte es zum Stockberg im Toggenburg gehen, die dortigen 950hm Aufstieg schienen mir im verbleibenden Tageslicht machbar.

Die letzten 80hm zum Gipfel - es wird noch reichen, bevor die Sonne untergeht :-)
Kurzfristig ergab es sich, dass mich sogar Kathrin begleiten konnte. Allerdings nur mit den Schneeschuhen, denn Skifahren liegt nach der Knieoperation noch nicht wieder drin. Ein wenig erstaunt war ich, als wir um 14.50 Uhr vor Ort noch keine Spur antrafen, ist doch bei guten Bedingungen am Stockberg sehr viel los. Am Ausgangspunkt auf 850m lagen zwar nur gut 10cm Schnee auf den glatten Wiesenhängen, gegen oben nahm dieser aber rasch zu, im Gipfelbereich waren es rund 40-50cm. Das ergab doch teilweise ziemlich anstrengende Spurarbeit und verlangsamte das Tempo erheblich.

Moonrise über dem Säntis, was für eine tolle Stimmung hier oben!
So war ich mir unterwegs dann gar nicht sicher, ob ich tatsächlich noch bis zum Gipfel würde aufsteigen können, hatte ich mir als Zeitlimite fürs Umdrehen den Sonnenuntergang gesetzt. Um 16.20 Uhr erreichte ich den Gipfel, wenige Minuten später ging der Vollmond über dem Säntis auf und in der entgegengesetzten Richtung die Sonne hinter dem Mattstock unter. Was für eine geniale Stimmung, unbeschreiblich! Nachdem ich diesen Moment aufgesogen hatte, machte ich mich wieder auf den Weg, um bei noch ausreichend Tageslicht Skifahren zu können.

Das war definitiv der richtige Tag, um wieder einmal auf den Stockberg zu gehen!
A priori hatte ich nicht allzu hohe Erwartungen an den Skigenuss, doch auch in dieser Hinsicht wurde ich absolut positiv überrascht! Am Gipfelhang gab es prima Powder und Bodenkontakt war keiner zu befürchten. Unterhalb der Stockneregg konnte man den eingeblasenen Rinnen folgen, wo die Schneelage ebenfalls sehr gut war. Tipptopp also, nur an den steilsten Stellen war der Schnee durch die Sonnenstrahlung bereits etwas zäh geworden. Auf den untersten Hängen gegen das Dorf hin war er dann aber wieder perfekt locker und über die glatten Wiesen konnte beschwingt gecruist werden. Was für ein Auftakt in die Skisaison, so darf es gerne weitergehen!