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Donnerstag, 27. Oktober 2022

Zervreilahorn - Flairytale (7b+, 3 SL, Erstbegehung)

Hier gibt's die Story vom märchenhaften Zervreila Super Crack! Dieser war uns bei unseren Streifzügen im Gebiet bald einmal aufgefallen. Am Wandsockel auf der NE-Seite durchzieht er eine kompakte, senkrechte Wand wie mit dem Messer geschnitten. Da gab es keine zwei Deutungen, diese Linie mussten wir früher oder später unbedingt probieren. Mit etwas mehr Perspektive auf dem Zustieg schien es uns sogar sehr gut möglich, den Super Crack in eine lange Neutour zu integrieren, welche sich rechts vom klassischen NE-Grat in die Höhe zieht. Was aus diesen Plänen schliesslich geworden ist, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Der märchenhafte Zervreila Super Crack durchzieht den Berg an seiner NE-Basis.

Erschliessung

High Noon war schliesslich am 15.8.2021, nach dem langen Tag, wo wir den Nightcrawler bis zum Gipfel erschlossen und gleich gepunktet hatten. Bis wir da im Dunkeln abgestiegen, uns verpflegt und etwas gefeiert und schliesslich in den Federn waren, wurde es ziemlich spät. Der folgende Tag versprach nochmals bestes Bergwetter, ganz so früh kamen wir nicht in die Gänge und die Verpflichtung zu einer frühen Heimkehr beschränkte unsere Optionen. So trugen wir das Bohrmaterial an den Nordsockel, behängten unseren Gurt mehrere Kilogramm schwer und ich legte los. Auf den ersten Blick ist es nur etwa ein Katzensprung bis zum Beginn des Objekts der Begierde. Einmal mitten im Geschehen, warten doch anspruchsvolle, plattige Moves - noch dazu versuchte ich mich so gut wie möglich nur mobil sichernd da hinaufzukämpfen. Obwohl rein metertechnisch nicht zwingend nötig, beschlossen wir zu Beginn des Super Crack die bequeme Standmöglichkeit zu nutzen, um für diesen alles Gear einsammeln und mitnehmen zu können.

Mal etwas anderes, Approach zum Zervreilahorn von seiner Backside. Der Wandsockel mit dem Flairytale ist am linken Ende des Berges bereits sichtbar. Sonst gibt es auf dieser Seite nur 2 Technorouten vom Duo Richiger/Riediker, die bis dato vermutlich noch kaum je wiederholt wurden.

Schon beim ersten, scheuen Blick nach oben während dem Nachsichern beschlichen mich gewisse Zweifel zur Morphologie dieser Gesteinsverwerfung. Leider wurden diese nur allzu schnell bestätigt. Ja, was aus der Ferne märchenhaft ausgehen hatte, entpuppte sich aus der Nähe tatsächlich als eine Fata Morgana. Als seicht und unangenehm flared präsentierte sich der Riss - an mobile Absicherung war nicht zu denken und natürlich waren so auch die Schwierigkeiten viel höher, als wir uns dies vom Boden ausgemalt hatten. Das dicke Ende kam zum Schluss, beim logischen Standplatz trafen wir auf eine improvisierte Einrichtung aus Schlaghaken. Wie die Haken wohl dahin gekommen waren? Das mit grösster Wahrscheinlichkeit zutreffende Szenario ist es, dass sich jemand von oben reingeseilt hatte, um den Riss im Toprope zu versuchen.

Blick auf unsere gesamte Route Flairytale (7b+) inkl. Lage der Standplätze

Nach dieser Seillänge war unser Zeitbudget erschöpft. Obwohl es bis zu einer flachen Zone mit Bändern mutmasslich nur noch ein Katzensprung war, hiess es nach Hause zu gehen. Nachdem sich die Geschichte mit dem Super Crack als Ente entpuppt hatte, war auch die Motivation für eine Fortsetzung nicht brutal gross. Kam noch hinzu, dass es nicht realistisch schien, die noch ausstehenden Arbeiten und das Punkten des Risses einfach so im Anschluss an eine andere, längere Route im Gebiet zu erledigen. Dafür musste man sich einen ganzen Tag reservieren. Doch für eine solche kurze Route am Sockel des majestätischen Zervreilahorns die weite Anreise zu machen, bot dann scheinbar ein schiefes Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Doch schliesslich kam der 24.7.2022 - ein Tag, an welchem ich mich mit Viktor zum Klettern verabredet hatte, nicht notwendigerweise für Zervreilahorn jedoch. Leider war er kurzfristig krankheitshalber verhindert und für mich stellte sich die Frage nach einem Plan B. Mitten in der Sommerferienzeit gelang es mir nicht, über Nacht einen Kletterpartner zu organisieren. Doch Bingo, das Projekt in Zervreila wäre doch was! Ich konnte meinen Vater fürs Mitkommen und die Sicherungsarbeit motivieren. Mit einem genügend langen Seil und der richtigen Strategie lässt sich nämlich die gesamte 3-SL-Tour als Baseclimb ausführen - sött mögli sii!

Blick auf die Lampertsch Alp mit dem mäandrierenden Valser Rhein

Da wir erst spät anreisten, vermuteten wir die Parkplätze in Zervreila als überfüllt (eine absolut richtige Annahme, wie sich zeigen sollte). Da wir die E-Bikes dabei hatten, konnten wir jedoch ohne übertriebenen konditionellen Zusatzaufwand von weiter unten starten. Mir schwebte es gar vor, statt dem üblichen Zustieg noch bis kurz vor die Lampertsch Alp zu biken, von wo man über den Karrweg der Älpler möglicherweise bis auf 2200m hätte radeln können, womit sich der Fussaufstieg auf bequeme 250hm beschränkt hätte. Doch der Konjuktiv sagt es: schon die mit vielen spitzen Steinen durchsetzte Piste vom Ochsenstafel bis P.1977 ist rau und ruppig, für versierte Bike jedoch fahrbar. (mit nicht zu vernachlässigendem Risiko für einen Platten, wir hatten aber Glück). Dort ist aber Schluss, man müsste das Bike entweder durch den Fluss oder über eine wacklig-schmale Hängebrücke transportieren, was sehr mühsam wäre. Auch die nachfolgende Piste ist extrem steil und verblockt, man müsste wohl immer wieder vom Bike absteigen und ein Zeitgewinn wäre nicht da.

Die wacklige Hängebrücke bei P.1977 vor der Lampertsch Alp, inkl. Schild "Betreten Verboten!".

So stiegen wir also zu Fuss auf, einmal aus einer anderen Richtung zum Horn zu kommen, war trotzdem sehr interessant. Auf der Uhr hingegen bietet sich kein Vorteil - nein, eher kostet es mehr Zeit wie der normale Weg. Bis wir am Wandfuss eingetroffen waren, war 11.30 Uhr vorbei und damit der Schatten eingekehrt, was an diesem heissen Sommertag einen grossen Vorteil darstellte. Eine bequeme Sitz- und Sicherungsgelegenheit für den 75-jährigen Neni war ebenfalls vorhanden, somit konnte ich mich ans Werk machen. Die unteren beiden Seillängen für einen Rotpunkt-Go auschecken, die kurze Schlusslänge einbohren. Und schliesslich ging alles auf wie erhofft. In meinem vierten Go konnte ich die Cruxlänge auf dem letzten Blatt durchsteigen, Reserven für einen weiteren Versuch wären nicht mehr vorhanden gewesen.

Na denn, wohl bekomm's!

Damit konnte die Route am Wandfuss beschriftet werden und das Projekt war abgeschlossen. Eine Weiterführung der Linie schien mir nicht sinnvoll. Erst müsste man über ca. 2 SL im gestuften Seilfrei-Gelände kraxeln, bis wieder etwas schwierigeres Terrain kommt. Doch auch da träfe man nicht auf ähnliche Schwierigkeiten wie im unteren Teil und nach 2 weiteren Seillängen wäre definitiv Schluss. Somit belassen wir die Route besser bei dem, was sie ist - ein kurzer Baseclimb, den man ideal als Abendbeschäftigung oder Dessert zu einer anderen Route machen kann. Tja, aus dem sagenhaften Bilderbuchriss ist also nur ein Flairytale geworden. Rückblickend betrachtet macht die Route vielleicht "auch gar nicht so viel Sinn". Nun, als wir damit angefangen haben, konnten wir dies natürlich noch nicht wissen. Eine imposante Linie mit spannender, fordernder Sportkletterei ist sie aber allemal. Und nach allem was wir wissen, ist es derzeit die schwierigste, freigekletterte Seillänge am Zervreilahorn - vielleicht doch ein paar gute Argumente, um sich hier einmal zu probieren?!?

Zustieg

Per Auto oder öV auf kurvenreicher Strasse von Chur via Ilanz nach Vals und weiter nach Zervreila zum Parkplatz bei der Kapelle (P.1984). Nun der mit Fahrverbot für Motorfahrzeuge belegten Schotterstrasse entlang ca. 2.7km zum Beginn des Wanderwegs nach Furggelti, dabei vernichtet man rund 130 Höhenmeter. Es ist sehr empfehlenswert, für diesen Abschnitt ein Bike zu verwenden. Die Zeitersparnis auf dem Hinweg beträgt ca. 30 Minuten, auf dem Rückweg ca. 15-20 Minuten. Dann zu Fuss dem Wanderweg entlang bis zu dieser Stelle auf ca. 2240m (Steinhaufen, Eisenstange mit weiss-rot-weisser Markierung), wo man diesen nach rechts verlässt.

Die klassische Sicht aufs Zervreilahorn vom Biwakplatz auf ca. 2420m. Unsere Route Flairytale (7b+) ist gerade noch sichtbar. Sie erklimmt die unterste Bastion an der rechten Begrenzung des Berges, unmittelbar vor dem Horizont.

Die Pfadspur zum Zervreilahorn ist ganz am Anfang nicht sehr ausgeprägt, wird aber bald deutlicher. Sie verläuft später am Fuss des markanten, diagonal verlaufenden Felsbands - im Zweifel einfach in diese Richtung gehen. Man erreicht schliesslich den flachen Boden (Biwakplatz) auf ca. 2420m und wenig später übers Geröllfeld den Fuss der Wand mit dem Klettergarten und dem Routenbuch. Von dort ca. 50m nach rechts zu einem kleinen Sattel aufsteigen, von wo die Route sehr gut sichtbar ist. Der Einstieg befindet sich weitere ca. 25m rechts, direkt unter dem Riss (Aufschrift, BH gut sichtbar). Unser totaler Zeitbedarf von der Kapelle bis zum Start der Route belief sich jeweils (mit Bike, zügiges Gehen, inkl. der Bohrausrüstung im Gepäck) auf ca. 1:15 Stunden. In der Literatur steht 2:30h, man kalkuliere also selbst.

Routenbeschreibung

Zervreilahorn - Flairytale 7b+ (6c obl.) - 3 SL, 55m - M. Dettling, V. Wegmayr, S. Dettling 2022
Material: 1x50m-Seil, 8 Express, Cams/Keile nicht nötig

L1, 15m, 6c: Schöne Seillänge, welche sich deutlich kniffliger klettert, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht. Der Start in einer Verschneidung, wobei hier auch Risse bei der Fortbewegung helfen. Man passiert dar folgende Dach auf seiner rechten Seite und nähert sich der Cruxzone. Eine originelle Mischung zwischen einem seichten Doppelriss und steilplattiger Wandkletterei an sloprigen Griffen wartet da - gutes Bewegungsgefühl nötig! Ganz zum Schluss dann wieder einfacher zum Stand am Beginn des Supercrack. Komplett eingebohrt, kann auch gut als Klettergarten-Baseclimb gemacht werden, durchaus lohnend in diesem Stil! 

Viktor folgt in der Cruxzone von L1 (6c), die mit kniffligen Moves am seichten Doppelriss aufwartet.

L2, 25m, 7b+:  Der so wunderschöne Riss ist leider flared, man kann ihn nicht jammen - ausser an einer Stelle, wo ein seichter Klemmer dann auch der Schlüssel zum Erfolg ist. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als mit einer kreativen Mischung von Layback und Wandkletterei an Höhe zu gewinnen. Die Wand neben dem Riss weist nämlich allerhand Struktur auf. Meist eher abschüssig und sloprig, um die Füsse anzupressen reicht's fast immer, hier und da auch für einen dann absolut zentralen Handmove. Die Schwierigkeiten sind ziemlich anhaltend, es handelt sich durchaus um ein Ausdauerproblem. Und obwohl komplett und sportklettermässig einbohrt, ist die Sache aufgrund der Art der Kletterei auch nicht ohne jeden psychischen Anspruch - spannend auf jeden Fall! Wie man aufgrund der schwarzen Färbung der Wand vermuten kann, läuft hier bisweilen das Wasser. Wir trafen die Route bei unseren Besuchen im Hochsommer stets komplett trocken an - es könnte aber wohl auch anders sein. Zu erwähnen ist auch, dass der Fels grundsätzlich sauber ist. Weil aber wohl periodisch das Wasser läuft, liefert ein gutes Brushing schon den besseren Grip. Zuletzt: wer möchte, kann L1 & L2 mit 12 Exen und einem 80er-Seil als Baseclimb mit Umlenken klettern.

Auch aus dieser Perspektive würde man es einem noch vorbehaltlos abkaufen, wenn man das Flairyteil als den Supercrack of Zervreila, ja einen Splitter à la Indian Creek verkaufen würde... Aber nein, auch wenn man es kaum glauben mag, Jammen und mobil Absichern ist echt nicht möglich. Man sieht in diesem Licht auch gut die Struktur der Wand, welche die Kletterei überhaupt erst möglich macht.

L3, 15m, 6c: Einfach, aber in etwas flechtigem Fels geht es unter das Dach. Dieses zu erreichen und sich an diesem zu etablieren, erfordert dann ein paar schwierigere Bewegungen an Slopern. Dann geht es darüber hinweg, die Stelle könnte gerne unmöglich sein, befänden sich nicht exakt an der entscheidenden Stelle taugliche Leisten. So geht's ohne extreme Schwierigkeiten und man erreicht in Kürze den reichlich bequemen Ausstiegsstand, gerade vor dem Übergang ins einfache, terrassierte Gelände darob.

Nochmals eine Gesamtansicht der Route, hier aus der frontalen Froschperspektive.

Der Weg zurück an den Einstieg vollzieht sich am einfachsten per Abseilen. Richtig bequem hat man es mit 2x50m-Seilen, da reicht ein einziges, gestrecktes Manöver gerade retour auf den Boden. Auch mit einem 1x50m-Strick lässt es sich Abseilen, dann sind jedoch 3 Manöver fällig. Ein Fussabstieg geht auch, man kann von der Terrasse beim Ausstieg sowohl nach links wie nach rechts kraxeln und zurück zum Wandfuss gelangen. Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Zur Planung hilfreich ist sicherlich das Wissen, dass die Route im Sommer bis um ca. 11.30 Uhr besonnt ist, nachher klettert man bis zum Einbruch der Dunkelheit im Schatten.

Topo

Ein schematisches Topo zur Route gibt's hier ausnahmsweise keines. Das scheint mir aufgrund der Kürze und der klaren, zudem mit regelmässig steckenden BH definierten Linie einfach nicht nötig. Übersichtsfotos gibt's in diesem Beitrag ja zur Genüge, hier folgt nun noch eine Gesamtübersicht der kleinen Linie am grossen Horn, mit allen wissenswerten Infos darauf eingetragen.

Das grosse Zervreilahorn mit unserer kleinen Linie: Flairytale (7b+)

Freitag, 22. Juli 2022

Zervreilahorn - Alphornklänge (6a)

Dieser Bericht ist die Nachspeise zu einer grösseren Geschichte, nämlich unserer Erstbegehungs-Trilogie mit Nightcrawler, Holy Smoke und Maverik, welche sich alle rechts neben der hier beschriebenene Route befinden. Sonst hätte ich vermutlich für die in diesem Beitrag beschriebene Route den langen Weg ans Zervreilahorn nämlich ehrlicherweise kaum gemacht. Das heisst aber nicht, dass sie unlohnend wäre - nein, man kann in ihr den wohl einfachsten Wanddurchstieg auf diesen eindrücklichen Klettergipfel haben, die Gegend ist umwerfend schön und so wird man auch mit diesem Ziel ganz sicher ein tolles Erlebnis mit nach Hause nehmen. Wir aber nutzten sie tatsächlich mehr als Nachmittagsaktivität am Anreisetag und natürlich zur Erkundung des Geländes im Hinblick auf die Neutouren.

Die Zervreilahorn SE-Wand mit dem Verlauf der Route Alphornklänge (6a).

Die ganze Geschichte begann mit organisatorischen und logistischen Hindernissen. Schlussendlich lief der Hase so, dass wir a) zuerst Jerome in sein Trainingslager verabschiedeten, wir dann b) zu viert nach Zervreila reisten und am Nachmittag die 'Alphornklänge' kletterten, sich danach c) Kathrin dem Heimweg und am Folgetag ihrer Arbeit widmete und d) wir zu dritt (Larina, Viktor, Marcel) nach einer Nacht vor Ort mit dem Bohrer in der Holy Smoke unterwegs waren. Das nächste Hindernis bestand mit dem Anmarsch zum Berg mit Unmengen an schwerer Ausrüstung - zum Glück war Kathrin dabei, welche die negative Tragebilanz der Tochter wieder halbwegs ins Reine zu bringen vermochte... auch Bikes hatten wir nur 3 Stück mitnehmen können, doch für den mehrheitlich abwärts führenden Hinweg konnte Daddy das Klettertaxi spielen (don't tell the police, though!). Auch die Schlepperei brachten wir mit noch frischen Kräften einigermassen zügig und ohne grosse Lamenti über die Bühne. Nichtsdestotrotz waren wir froh, auf dem Boden unter dem Zervreilahorn die schwere Last endlich deponieren zu können (nähere Infos zum Zustieg bis dahin, siehe hier).

Das Zervreilahorn in Griffweite - einfach jedes Mal ein erhabener Anblick!

Vom Depot gibt es nun 2 Möglichkeiten, zum Einstieg der 'Alphornklänge' zu kommen. Einerseits den üblichen Weg zum Wandfuss hinauf und dann durch das erste Couloir (normaler Zustieg zum NE-Grat) mit etwas leichter Kraxelei auf das SE-Wandband hinauf. Das Band muss dann nach links gequert werden, auch hier muss manchmal noch Hand angelegt werden, meist aber hat es Wegspuren, welche sich spätestens nach dem Einstieg der Braveheart jedoch verlieren. Nun weglos über etwas steilere Grasplanggen weiter nach links, bei Trockenheit kein Problem. Der Einstieg befindet sich bei den tiefsten Felsen, bei einer markanten Platte, ein BH mit Irniger-Lasche markiert den Start, angeschrieben war die Route im Sommer 2020 jedoch nicht. Alternativ (unsere Variante, eher besser und schneller) kann man vom Depot nach links queren, man ersteigt eine Moräne und folgt dieser, um schliesslich in der Falllinie der Einstieg von Braveheart und Maverik über Geröll an die Wand hochzusteigen. Die Stufe lässt sich da mit ein paar Kletterzügen gut bewältigen (zusätzlich Reepschnur und Fixseil vorhanden). Bald ist man auf dem Band und nach kurzer Linksquerung am Einstieg. Wir gingen die Tour in 2 Seilschaften an, Viktor und Kathrin kletterten vor uns, während ich mich mit Larina einband. Um 14.45 Uhr stieg ich schliesslich los.

L1, 45m, 5a: Zu Beginn stark geneigte Plattenkletterei, der eher abschüssig strukturierte, teils auch etwas sandige Fels und die nicht allzu üppige Absicherung erheischen aber trotzdem sorgfältiges Steigen. Weiter geht's über ein Art Pfeiler, zum Ende dann in etwas grasigem Gelände zum Stand.

Tiefblick auf die pfeilerartige Struktur in der zweiten Hälfte von L1 (5a).

L2, 45m, 5b: Zuerst ein steiler Auftakt an henkligem Fels durch eine gestufte Verschneidung, dann über einige Stufen hinweg in griffigem Gelände, trotz teilweisem Bewuchs eine schöne und genussreiche Länge, gut mit BH abgesichert.

Ausblick auf L2 (5b), die mit griffig-steiler Kletterei aufwartet.

L3, 35m, 5b: Hier quert man zuerst in einfachem Gelände stark nach rechts um die Ecke, bevor es dann an einer Verschneidung bzw. mehr in der liegenden Wand links davon aufwärts geht. Hier ist die BH-Absicherung eher knapp ausgefallen und mobile Sicherungen kann man zwar legen, die Placements dünkten mich aber nicht restlos überzeugend.

Darum waren wir gekommen! Ja, auch für die Tiefblicke, aber vor allem um die Wand von links her lesen zu können.

L4, 35m, 6a: In einem grossen spiegelverkehrten 'S' geht's weiter. Erst über eine Art Rampe aufwärts, dann griffig an einem Riss, der zu einem Graspodest leitet. Nun folgt die nominelle Crux der Route mit einer etwas kniffligen Traverse an einem feinen Riss in plattigem Gelände nach links, die sich aber schlussendlich doch recht easy auflöst und auch sehr eng mit BH abgesichert ist. Zuletzt noch 'gewusst wie' nach links zum Stand, originell auf einer Kanzel.

Familie Dettling in Aktion in L4 (6a). Mama zieht gerade einen (wenn nicht den) schwierigsten Move der Route, Daddy gerade zu Beginn der nominell schwierigsten Passage der Route und selbst die Tochter sieht man noch als kleines Pünktchen am Standplatz.

L5, 45m, 5c+: Nach links hinaus und fotogen die steile Wand hinauf, ein paar optimal platzierte Strukturen lassen dies ohne grosse Schwierigkeiten zu und die gut gesetzten BH lassen keinen Stress aufkommen. Danach wird das Gelände einfacher und gestuft, die Absicherung ist eher spärlich - Vorsicht, hier sind keine Fehler erlaubt!

Die fotogene Querung am Anfang von L5 (5c+), hinten das Furggeltihorn (3042m).

L6, 40m, 5c+: Der Auftakt über eine steile, griffige Stufe mit kleiner Verschneidung muss selber abgesichert werden. Kein grösseres Problem und auch nicht allzu schwierig, allerdings gleich über dem Standband, man sei sich dessen bewusst. Nun geht's über Bänder an eine steile Wandstufe heran, wo man in einen Piaz gelangen muss - dies fand ich fast die schwierigsten Moves der ganzen Route, zudem steckt der erste BH recht hoch und davor lässt es sich auch nicht ganz optimal sichern - Vorsicht!

Das Gelände am Anfang von L7 (5b) sieht imposant und schwierig aus, umso mehr wenn noch kein Kletterer so entspannt dasteht. Es löst sich aber alles sehr gut auf, Griffe, Tritte, ja ganze Bänder sind da und erlauben eine mühelose Passage.

L7, 50m, 5b: Eine vermeintlich schwierige Querung in kompaktem Gelände nach rechts oben steht nun an, jedoch sind die sehr griffigen Risse und Schuppen vom Stand nicht einsehbar. Schlussendlich geht's dann rechts neben einer grossen Verschneidung gerade hinauf zum Ausstieg, über ziemlich wildes Terrain mit abstehenden Schuppen, teils liegt auch loses Gestein herum. Gut machbar, trotzdem ist die nötige Vorsicht angezeigt, um keine Ware in die Tiefe zu senden.

Zum Ende hin (L7, 5b) wird das Gelände ziemlich wild und alpin, d.h. grosse abstehende Schuppen wollen erklommen werden, ebenso liegen sowohl grössere Blöcke wie auch kleinere Steine im gebänderten Gelände. Es ist einiges an Umsicht in Bewegung und Seilführung nötig, damit keine Steine gelöst werden. Immerhin ist der Standplatz unten ausserhalb der Schusslinie.

Um 17.45 Uhr hatte Larina als letzte unseres 4er-Trupps den Ausstieg erreicht, macht also gerade rund 3:00 Stunden für die Kletterei. Wir stiegen auf's Gipfelplateau aus, um noch ein wenig die Aussicht und die Abendsonne zu geniessen. Ab rund 16.00 Uhr war die Wand nämlich in den Schatten getreten und während es zwar nicht allzu kalt und gut erträglich war, so merkte man doch, dass die 3000er-Grenze nicht allzu weit entfernt war. Natürlich wollten wir über die Route abseilen, um so noch mehr Blicke ins Terrain, insbesondere in die nach links offenen Verschneidungen unseres 'Holy Smoke'-Projekts werfen zu können. Vom Ausstiegsstand geht's 50m runter zu einem routenunabhängigen Stand, der schon im Aufstieg von Stand 6 gut erblickt werden kann (Vorsicht, teils etwas 'gschüderigs' Gelände!). Nun sind es nochmals 50m direkt hinunter zu einem weiteren, routenunabhängigen Stand. Zumindest mit 2x60m reicht es ab da zu Stand 3 und mit einem Zwischenstopp bei Stand 1 retour an den Einstieg, d.h. 5 Manöver sind nötig. Vom Einstieg kann man einen weiteren Abseiler direkt hinunter ins harmlose Gelände unter der Wand ziehen (nur 1 BH mit dünnem Maillon vorhanden) oder man wechselt hinüber zum Fixseil, das vom Einstieg der Braveheart zum Abseilen genutzt werden kann.

Top of Zervreilahorn!

So hatte uns Terra Firma wieder. Für Kathrin stand nun eine längere Heimreise an, erst zu Fuss, gefolgt von einer ausgiebigen Velotour (das Valsertal und das Lugnez hinaus geht ja alles bergab, oder?) und der Fahrt nach Hause, was schlussendlich in einer kurzen Nacht resultieren sollte. Wir blieben zwar stationärer in der Lokation, allzu lange schlafen konnten wir aber auch nicht. Um 6 Uhr am nächsten Morgen war Tagwache, so dass wir pünktlich mit der 'Arbeit' am eigentlichen Projekt beginnen konnten. So viel sei jetzt schon verraten, unsere Erstbegehung gelang am Folgetag, im üblichen Zervreila-Semi-Trad-Stil konnten wir die Linie an einem Tag vollenden und erreichten spätabends den Gipfel. Sodann stand auch uns eine lange und anstrengende Heimreise bevor. Von den vielen mitgeführten Bolts hatten wir nur relativ wenig gebraucht und das Material verteilte sich beim Abstieg auf nur noch drei Schultern - läck so kaputt wie nach diesen 2 Tagen war ich schon länger nicht mehr! 

Wunderschöne Abendstimmung auf Zervreila!

Facts

Zervreilahorn - Alphornklänge 6a (5c obl.) - 7 SL, 300m - M. Illien, A. & S. Schweizer, D. Zürcher - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams 0.3-2

Der vielleicht einfachste Wanddurchstieg am Zervreilahorn bietet schöne Kletterei, weitgehend im fünften Franzosengrad und steht darum auch weniger stark kletternden Akteuren offen. Trotzdem stellt die Route gewisse Anforderungen in Bezug auf Routenfindung und alpine Fähigkeiten. Die Absicherung mit BH ist an den schwierigen Stellen gut, in den einfacheren Passagen gibt es auch weitere Abstände. Teils ist die Absicherung auch etwas inhomogen, so dass der Vorsteiger im Bereich 5bc doch einigermassen souverän unterwegs sein sollte. An einigen Stellen kann/muss auch mit Cams ergänzt werden, ein Set von 0.3-2 reicht jedoch gut aus. Zu beachten ist auch, dass die Route teils Bänder mit losen Steinen quert und es einige lose Schuppen und Blöcke am Weg gibt. Mit dem nötigen Sachverstand kein Problem - aber wie erwähnt, Grundkenntnisse im alpinen Klettern sind hier schon nötig, ein reinrassige Plaisirroute für alpine Einsteiger ist es nicht. Das absolut empfehlenswerte Originaltopo kann man hier herunterladen (vielen Dank!), die Route ist auch im SAC-Kletterführer Graubünden verzeichnet (der jedoch die SE-Wand des Zervreilahorns leider mit diversen Fehlern behaftet beschreibt!!!) .

Mittwoch, 22. September 2021

Zervreilahorn - Holy Smoke (7a, 6 SL, Erstbegehung)

Die hier präsentierte Holy Smoke ist die mittlere Route von unserer Trilogie in der Zervreilahorn SE-Wand. Das Urteil, welche der drei Touren die schönste ist, überlassen wir gerne den Wiederholern. Uns haben alle gleichermassen begeistert und jede von ihnen trumpft mit ein paar unvergesslichen Stellen auf. In Sachen Anspruch ist das Bild ein wenig klarer, bzw. lässt sich dieser Aspekt wohl ein wenig objektiver beurteilen. Da sind wir der Meinung, dass die Holy Smoke etwas mehr fordert, wie Maverik und Nightcrawler. Nicht nur mit einer kniffligen Wandstelle in der ersten Länge, sondern mit einer anhaltenden, etwas kühnen Sequenz in Länge 4 und ein paar komplett cleanen, steilen Rissen im 6c-Bereich. Es gibt etwas zu entdecken im Zervreila, allez les amateurs! 

Da steht es, das Zervreilahorn - stolz und schön wie eh und je!

Erschliessung

Die Geschichte der Holy Smoke begann im September 2019 mit der Rotpunktbegehung der Maverik gleich nebenan, ja oder eigentlich noch früher. Beim Studium der Wandbilder für die Maverik waren wir uns dem Potenzial für mehrere Neutouren gewahr geworden, beim Klettern nebenan lockten uns die Risse und Verschneidungen linkerhand umso mehr auf eine Entdeckungstour. So starteten wir dann gleich nach dem Abschluss des Maverik-Projekts in die erste Seillänge und setzten noch die ersten vier Bohrhaken. Für mehr reichte die Zeit an diesem Tag nicht mehr, so dass wir das Projekt aufgrund vom nahenden Winter auf die folgende Saison verschieben mussten. 

Der Weg ans Zervreilahorn - jedes Mal mit viel Vorfreude und landschaftlich ein Hochgenuss!

Im Juli 2020 tauchte schliesslich die nächste Gelegenheit auf dem Radar auf. Da schon Schulferien waren allerdings nur unter der Nebenbedingung, dass die 10-jährige Larina mit von der Partie sein würde. Sie fand es cool, Viktor auch, ich natürlich sowieso. Organisatorisch bedingt standen uns nur 1.5 Tage zur Verfügung - so entschieden wir, am ersten Tag schwer bepackt aufzusteigen und alles Material an den Wandfuss zu bringen. Um weiteren Einblick in die nach links offenen Verschneidungen zu erhalten, sprich Potenzial und Verlauf weiter zu festigen, kletterten wir an diesem Tag noch die einfachere Route Alphornklänge (6a+). Natürlich wurde unsere Begeisterung nicht kleiner - nach einer nicht allzu langen Nacht standen wir um 8.00 Uhr am Einstieg, mit dem Ziel, die Holy Smoke am 13. Juli 2020 zu vollenden.

Einer der Ausblicke, die wir bei der Erkundung gewinnen konnten. Die Holy Smoke verläuft entlang der markanten Verschneidungen, welche das Bild von rechts unten nach links oben durchziehen. Naja, ohne besondere Beziehungen sind hier wohl einfach Felsen auf dem Bild... für uns erzählt aber jede Struktur eine Geschichte :-)

Nachdem wir auch hier, wie schon in der Maverik, über weite Strecken mit mobiler Sicherung klettern konnten, kamen wir zügig vorwärts. Auf den 6 Seillängen und 250 Klettermetern stecken gerade einmal 17 Zwischenhaken - bei gleicher Kletterlänge somit 1 weniger als in der Maverik und nur halb so viele wie  in der Braveheart (rein informative Angabe, ohne jede Wertung von besser oder schlechter!). Trotzdem, dem sei sich jeder versichert, wo nötig ist die Route gut mit Inox-BH eingerichtet, aber wo man zuverlässig mobil absichern kann, muss man zu 100% auf die Cams vertrauen, denn es stecken dort keine BH. Jedenfalls, um 17.30 Uhr abends erreichten wir an diesem Tag sehr zufrieden den Ausstieg. Und es war trotz zwei, drei kniffligen Aufgaben gelungen, die ganze Route freizuklettern. Halb Sechs abends tönt jetzt noch nicht so gravierend, aber mit einigen Nachbesserungen (Standplätze) beim Abseilen, der Reorganisation vom Material und dem schwer bepackten Abstieg wurde es schlussendlich doch spät - und ich mag mich noch gut erinnern, wie ich mich reichlich erschöpft die Naturstrasse zurück hinauf zur Kapelle kämpfte - mit meinem elend schweren Haulbag auf dem Rücken, dem Bike und Larina, welche dieses gerne als Taxi nutzte.

Trio Infernale am Abend nach der Alphornklänge, in gespannter Erwartung auf den Folgetag.

Das ist die ideale Überleitung zur Wahl des Routennamens. Unglaublich, wie zäh und anspruchslos uns Larina an diesem Tag begleitet und unterstützt hatte, noch dazu hatte sie äusserst gewandt die schwierige Alpinroute mit für sie oft ungewohnten Moves geklettert. Ihr zu Ehren hatten wir erst an den Namen 'Iron Maiden' gedacht. Wir spannen die Assoziation zur Metal-Band zum etwas ketzerischen Songtitel 'Bring your Daughter to the Slaughter' weiter. Aber naja, eine Erstbegehung mit einer Metzelei zu vergleichen erschien uns dann doch zu schwülstig. So gelangten wir schliesslich zu Holy Smoke - ebenfalls ein Iron-Maiden-Song und passend auch vor allem, weil das Zervreilahorn auf dem Heimweg im Rückblick eine Wolke zeigte, die einer dem Gipfel entschwundenen Rauchfahne glich. Es schien, als müsste der Berg Dampf ablassen und uns mitteilen wollen: "Leute, was war das bloss für eine verrückte Aktion". Leider, leider, leider haben wir von diesem Anblick kein Foto gemacht, zu erklären ist das mit unserem zu dieser Zeit reichlich ermüdeten Zustand und dem Stalldrang bei einbrechender Dunkelheit aber sehr wohl. Aber offenbar müssen auch andere Berge hin und wieder ein wenig Dampf ablassen, und so will es der Zufall, dass Jacopo Larcher auf Instagram ein sehr ähnliches Bild vom Uli Biaho publiziert hat - noch dazu gleicht dessen Silhouette verblüffend ähnlich dem Horn im Valsertal!

Ziemlich genau so hat es damals ausgesehen - kein Witz!

Offen blieb noch das Rotpunkt-Business, das ja immer die Krönung eines MSL-Projekts darstellt. Mit den Sommerferien gingen einige Wochen ins Land, doch am 19. September 2020 konnten wir schliesslich angreifen, die Route mit leichtem Gepäck klettern und tatsächlich punkten. Nun, seit diesem Zeitpunkt ist bei der Publikation dieses Beitrag schon >1 Jahr verstrichen. Das liegt daran, dass wir uns an diesem Rotpunkt-Tag der Möglichkeit für ein weiteres Projekt links der Holy Smoke versichert hatten. In weiser Voraussicht hatten wir das Bohrzeug gleich mitgebracht. Bevor wir aber anpacken konnten, mussten wir erst mehr schlecht als recht einen Regenschauer am Wandfuss aussitzen. Sodann wurde aber bis zur Dunkelheit an diesem neuen Projekt gewerkelt. Mit einer weiteren Nachtaktion im 2021 fand auch jene Tour links der Holy Smoke ihren Abschluss. Den Erlebnissen gerecht ist der Name dieser Route Nightcrawler, Blog & Topo sind inzwischen auch erhältlich.

Abendstimmung am Horn, immer wieder fantastisch - und etwas Holy Smoke gibt's sogar auch, so ähnlich sah es direkt am Horn aus!


Zustieg

Per Auto oder öV auf kurvenreicher Strasse von Chur via Ilanz nach Vals und weiter nach Zervreila zum Parkplatz bei der Kapelle (P.1984). Nun der mit Fahrverbot für Motorfahrzeuge belegten Schotterstrasse entlang ca. 2.7km zum Beginn des Wanderwegs nach Furggelti, dabei vernichtet man rund 130 Höhenmeter. Es ist sehr empfehlenswert, für diesen Abschnitt ein Bike zu verwenden. Die Zeitersparnis auf dem Hinweg beträgt ca. 30 Minuten, auf dem Rückweg ca. 15-20 Minuten. Dann zu Fuss dem Wanderweg entlang bis zu dieser Stelle auf ca. 2240m (Steinhaufen, Eisenstange mit weiss-rot-weisser Markierung), wo man diesen nach rechts verlässt.

Auch der Zustieg ist schon ein Erlebnis - check out the Munggeltier!

Die Pfadspur zum Zervreilahorn ist ganz am Anfang nicht sehr ausgeprägt, wird aber bald deutlicher. Sie verläuft später am Fuss des markanten, diagonal verlaufenden Felsbands - im Zweifel einfach in diese Richtung gehen. Man erreicht schliesslich den flachen Boden (Biwakplatz) auf ca. 2420m und wenig später übers Geröllfeld den Fuss der Wand. Von dort auf Pfadspur links aufwärts und über den Graskegel zur Kraxelstelle, die aufs grasige Einstiegsband leitet. Auf diesem noch ca. 200m nach links, man passiert dabei die Einstiege von Medea, Nanouk und Braveheart. Ca. 25m links der letzteren befinden sich die angeschriebenen, unmittelbar beieinander liegenden Einstiege von Holy Smoke (links) und Maverik (rechts) auf ca. 2550m, ein kurzes Fixseil erleichtert die letzten Meter. Alternativ und einen Tick schneller kann man auch unterhalb der Wand gut begehbar übers Geröllfeld queren und erst hinten über die Stufe direkt zum Einstieg der Braveheart hinauf (Fixseil vorhanden). Unser totaler Zeitbedarf von der Kapelle bis zum Start der Route belief sich am Tag der Rotpunktbegehung (mit Bike, zügiges Gehen, inkl. der Bohrausrüstung im Gepäck) auf 1:15 Stunden. In der Literatur steht 2:30h, man kalkuliere also selbst.

Routenbeschreibung

Zervreilahorn - Holy Smoke 7a (6c obl.) - 6 SL, 250m - Marcel & Larina Dettling, Viktor Wegmayr 2020

L1, 40m, 7a: Los geht's wie bereits erwähnt wenige Meter links der Maverik, eine unschwierige Verschneidung führt auf ein Band hoch. Hier geht's los mit cooler Wandkletterei an schönen Schuppen, gefolgt von einer Rissspur, mit welcher man die Rampe rechts entert. Auf Reibung und an abschüssigen Strukturen nähert man sich der Crux. Kurz aber heftig heisst es hier sauber antreten und an einem dünnen Riss dafür zu sorgen, dass die Tür nicht aufgeht. Wir sagen 7a, es wurde aber auch schon 7b vorgeschlagen.... Wie auch immer, falls nötig wäre klettertechnischen Sorgen mit 6b 1pa Abhilfe zu schaffen. In der Folge zeigt sich die Wand wieder strukturierter und gängiger. Es verbleibt die abschliessende Dachzone, welche athletisch-griffig und mobil gesichert überwunden wird.

Viktor unterwegs beim Punkten, kurz vor der Crux in L1 (7a).

Rückblick auf L1 (7a), die Crux eben gemeistert - am Tag der RP-Begehung hatten wir die beiden Cruxlängen jeweils beide vorgestiegen und entsprechend jeweils nochmals im Nachstieg geklettert. Die einfacheren bzw. cleanen Seillängen hatten wir schon bei der Erstbegehung im Onsight machen können, da stieg jeweils derjenige vor, der die Länge noch nicht vorgestiegen hatte. 

L2, 35m, 6b+: Zuerst hinauf durch die Verschneidung/Rinne - vorerst mal "nette Kletterei", gut mobil zu sichern. Die attraktiv-logische Kletterlinie wechselt dann aber an den Riss/Schuppe rechts. Da zwischendurch unterbrochen, sieht diese ziemlich herausfordernd aus, es löst sich aber dann doch alles in Minne auf - der nötige BH markiert den Weg und sichert die wandartig zu kletternde Crux. Wenig später trumpft die Schuppe dann aber mit herrlichen Griffen auf und nimmt die Cams à Discretion, so dass es elegant und sehr genussvoll an den Stand geht.

Viktor folgt an der griffigen, mobil zu sichernden Schuppe im oberen Teil von L2 (6b+).

L3, 30m, 6c: Steile, herausfordernde und komplett cleane Länge! Fragezeichen zum Weiterweg gibt's da keine. Durch die scharf geschnittene Verschneidung geht's hinauf, der saubere Splitter im Grund bietet die Möglichkeit zur Absicherung - Risshandschuhe sind hier übrigens durchaus komfortabel. Kulminieren tut dieser Abschnitt mit seinem dachartigen Ende. Mit dem nötigen 3d-Vorstellungsvermögen und den durchaus vorhandenen Griffen löst sich dieser Abschnitt aber prima auf und bringt die Möglichkeit zum Durchschnaufen auf einem Podest mit etwas Grünzeug, bevor man schön aber etwas gemütlicher als unten der nun nach rechts offenen Verschneidung entlang zum bequemen Stand klettert.

Ausblick auf die steile, mit kleinen Dächern gespickte, cleane Verschneidung von L3 (6c).

Viktor chillt auf dem Podest nach der steilen Verschneidung in L3 (6c), Larina hat einen ihrer geliebten No-Hand-Rests gefunden.

L4, 50m, 7a: Eine laaaange und aufregende Reise mit viel Abwechslung. Doch aufgrund der Gegebenheiten ergab sich hier keine sinnvolle Alternative zu dieser Monsterpitch. Gleich schon steil und natürlich clean geht's der nun wieder nach links offenen Verschneidung entlang - ein erster Höhepunkt besteht in der Überwindung eines kleinen Dachs, welches ein paar knifflige Moves verlangt. Wir befanden, dass an dieser Stelle ein mittlerer-grosser Keil die perfekt sitzende, BH-äquivalente Sicherung darstellt. Nachdem es nochmals in der 'dihedral' vorangeht, erreicht man schliesslich die "Changing Corners"-Stelle, wo sich die Verschneidung kurz verliert, bzw. von links zu rechts offen wechselt. Mit BH-Sicherung klettert man hier rechts an Leisten in der orangen Wand, geil! Nochmalige Rissmeter bringen einen an den Punkt, wo man nach rechts zu einer sekundären Rippe traversiert. Knifflig ist schon der Quergang, aber die Rippe ist dann erst recht vertrackt - gebohrt zwar, aber recht zwingend und aufgrund der Art der Kletterei durchaus etwas Kopfsache - "Holy Smoke!" eben, fantastisch! Zur Belohnung erreicht man dafür bald einen bequemen Stand.

Cooler Auftakt in der cleanen Verschneidung in L4 (7a), es wartet aber noch viel Programm!

L5, 50m, 6b: Vom Stand weg dem logischen Weg folgend gerade, über ein paar Stufen hoch - hier gibt's für einmal nicht sehr üppig Placements, aber der tiefen Schwierigkeit entsprechend doch genügend. Bald einmal zieht's wieder an, mit BH-Absicherung geht's leicht rechtshaltend hinauf in griffiger Wandkletterei in den grossen Spiegel. Was von Weitem bzw. auf den Wandfotos sehr unnahbar ausgesehen hatte, offeriert aber ausreichend Strukturen für richtig genussvolles Steigen - mit der Klimax an einer prima Rissspur. "Reachy" schreibt der gute Viktor auf seinem Topo, nachvollziehbar diese Bemerkung auch aus meiner Sicht - Larina hat aber mit ihren 1.45m bewiesen, dass es auch ohne den Go-Go-Gadget-o-Arm geht. Bald einmal nach dieser Stelle steigt man rechts auf die Rampe aus und geht über diese noch ein paar Meter weiter zu Stand.

Ausblick auf L5 (6b) bei der Erstbegehung...

...hier der Rückblick, Larina hat eben den berüchtigten Reachy Crack in L5 (6b) erledigt.

L6, 45m, 6b+: Diese markante, kleine und steile Verschneidung war uns bereits aus der Ferne und auf den Fotos aufgefallen, so dass sie imperativ in unser Projekt integriert werden musste (es ist aber auch der logische Verlauf). Zuerst geht's noch einfach und rampenartig empor, der Riss im Grund ist breit, so dass zuerst nur der 4er-Cam passt. Nach unserem Empfinden kann man aber gut auf dieses sonst nicht benötigte Stück am Gurt verzichten. Ein, zwei unschwierige Moves, dann passt auch der 3er, in der Folge verengt sich der Riss dann sowieso. Und es ist wirklich Straight-in-Jamming à la Yosemite angesagt bzw. dies bietet die einfachste Lösung - mit Risshandschuhen sicher viel komfortabler wie ohne! In Absenz der geeigneten Technik und der Jammies mag das viel schwieriger scheinen, wir haben auch schon den Vorschlag 7a/+ gehört. Wie dem auch sei, bzw. was immer man für lokale Verhältnisse als korrekte Bewertung empfindet, eins ist sicher: im Valley wäre es keine 5.11+.  Man steigt schliesslich auf ein Podest aus, es folgt ein BH und noch ein paar Stufen, über welche man der Nase nach den Stand am Ausstieg erreicht (Wandbuch).

Die markante Verschneidung im Bildzentrum ist das Herzstück von L6 (6b+). Sieht hier auf dem Foto klein und niedlich aus, ist aber beim Klettern dann deutlich länger, wie es hier den Anschein macht. Leider haben wir es verpasst, ein richtig gutes Action-Bild zu machen.

Abseilen

Man kann direkt über die Route abseilen, mit 2x50m-Seilen ist jeder Stand zu nutzen (6 Manöver), mit 2x60m gelangt man direkt von Stand 3 nach Stand 1 (d.h. 5 Manöver). Falls andere Seilschaften in der Route oder im Sektor sind, ist es sicher keine schlechte Idee, die Abseilpiste zu nutzen. Dazu steigt man auf dem Gipfelplateau ca. 50m ab. Der Beginn der Piste ist von oben kommend auch ohne Ortskenntnisse gut zu finden (Steinmann, Gipfelbuch, man kann an dieser Stelle auch nicht mehr viel weiter absteigen). Mit 2x50m sind auf der Piste 5 Abseiler nötig und man ist mit einer kurzen Querung rasch wieder zurück am Einstieg und allenfalls dort deponiertem Material.

Unser eigenes Wandbuch befindet sich direkt beim letzten Stand - nicht zu verfehlen!

Material

Unverzichtbar ist 1 Set Cams 0.2-3, dazu 1 weiteres Set 0.3-1. Optional, d.h. einsetzbar aber nicht zwingend, auch den 2er-Cam doppelt sowie die Grösse 4 mitnehmen. Dazu ein mittlerer-grosser Keil für die im Text erwähnte Stelle in L4. Im Topo haben wir angegeben, welche Grössen in welchem Abschnitt der Route bevorzugt zum Einsatz kommen. Wie immer sind solche Angaben natürlich ohne letzte Gewähr (à la "da steht 0.3-0.5, ich habe aber ein super Placement für einen 1er gefunden"), sondern mehr zur groben Planung und zur Vermeidung von bösen Überraschungen gedacht. Seile sind wie erwähnt 2x50m nötig. Mit 10 Exen (wovon mind. 4 verlängerbare Alpine Draws) sollte man gut durchkommen, wenn man dort wo durch geraden Seilverlauf möglich/sinnvoll die Cams direkt und ohne Exe klippt. Risshandschuhe sind für L3 und L4 bequem, L6 würden wohl nur extreme Puristen lieber ohne klettern. 

Topo

Hier gibt's rein visuell Wandbild (vom Autor) und Topo (von Viktor), man kann auch beides zusammen in voller Auflösung als PDF herunterladen. Mit dem Blog vom Nightcrawler wird dann auch noch eine Gesamtdokumentation von allen drei Routen in diesem Sektor folgen. Zuletzt der Hinweis: die Route ist nur dort, wo es nicht anders geht mit BH gesichert, sonst müssen zwingend Cams gelegt werden, auch an schwierigen Kletterstellen. Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit mobiler Absicherung sind unerlässlich, ebenso wie die nötige Erfahrung fürs Klettern in alpinem Gelände.

Topo der Holy Smoke am Zervreilahorn von Viktor - vielen Dank!

Wandbild der SE-Wand am Zervreilahorn mit dem Verlauf von Holy Smoke.

Montag, 27. Juli 2020

Zervreilahorn - Maverik (7a, 9 SL, Erstbegehung)

An einem genial schönen Wochenende zum Ende der Sommerferien 2019 hatten wir erst die Nanouk und dann die Braveheart geklettert. Verzaubert vom Bündner Matterhorn, der einsamen, wunderschönen Umgebung und der Kletterei über Risse und Platten in vorzüglichem, orangem Gneis schweiften meine Blicke über die Wand. Verschneidungen, Kanten, Pfeiler, alles reihte sich aneinander. Ja, da war die Gelegenheit für eine Neutour vorhanden. Die Verlockung war so gross, dass ich am liebsten gleich unmittelbar nach dem Abseilen wieder in die Wand eingestiegen wäre. Das war natürlich utopisch, somit war erst eine Woche an Geduld gefragt, bevor es am darauf folgenden Samstag (24.8.2019) losgehen konnte. Entstanden ist schliesslich eine tolle Route mit typischer Zervreila-Kletterei, die im Semi-Trad-Style (nicht absicherbare, plattige Passagen und Stände gut eingebohrt, die Risspassagen clean) konzipiert ist.


Die fantastische SE-Wand des Zervreilahorns mit der Maverik und den Zustiegen (normal von rechts, alternativ direkt).
Erstbegehung

Um den Tag auch wirklich gütlich nutzen zu können, brachen wir bereits um 5.00 Uhr in der Früh von Zervreila auf. Mit 3 Sätzen Cams, 60 Bohrhaken und vielen weiteren Gegenständen schwer bepackt ging's hinauf ans Zervreilahorn zum Einstieg, wo wir bereits um 7.00 Uhr loslegen konnten. Wir kamen zügig voran: der Schwierigkeitsgrad der am Horn üblichen Mischung von Wandstellen und Rissverschneidungen war meist im Bereich 6b, die Linie ergab sich von selbst und dank vielen Möglichkeiten für zuverlässige mobile Sicherungen konnte die Bohrmaschine meist stumm bleiben. Insgesamt weist die Route auf 9 Seillängen nur 18 gebohrte Zwischensicherungen auf, macht im Schnitt genau 2 Stück pro Länge. Trotzdem, der extrem harte Gneis forderte unseren Bohrer, so dass am Ende nicht nur wir, sondern auch die Akkus erschöpft waren und das Setzen der Bolts zur Geduldsprobe wurde. Doch nachdem sich die letzten 2.5 Seillängen clean klettern liessen, erreichten wir um 20.00 Uhr abends nach 13 Stunden Kletterei doch noch überglücklich und hochzufrieden den Klettergipfel des Zervreilahorns. Nach Hause ins Bett war's allerdings noch ein weiter Weg, nach 22 Stunden auf den Beinen konnte ich mich schliesslich in die Federn legen. Ja, durchaus ein wenig eine verrückte Aktion, aber ein Tag der für immer in Erinnerung bleiben wird.

Der Startschuss zu unserem Projekt, just in time mit dem Sonnenaufgang!
Selbstverständlich wollten wir die Route auch Rotpunkt klettern, sowieso mussten wir auch noch einige Verbesserungen vornehmen, insbesondere die Standplätze hatten wir anlässlich der Erstbegehung um Zeit und Wattstunden zu sparen erst sehr spartanisch eingerichtet. Vier Wochen nach der Erstbegehung (21.9.2019) war es schliesslich soweit, angenehmes Wetter und die Verfügbarkeit von beiden Seilpartnern liessen den Ausflug zu. Mit grossem Genuss und Begeisterung konnten wir unsere Linie erfolgreich Punkten und alle Arbeiten abschliessen. Einzig die zweite Seillänge erforderte dabei ein "genaues Hinschauen". Damals, beim Einbohren und mit dem üblichen Pausieren am frisch gesetzten Zwischenhaken war die linke Kante an der fraglichen Stelle rasch erreicht. Doch würde es auch ohne diesen Zwischenhalt gehen? Ja, und wie - mit einem fantastischen New-School-Move konnten wir das Problem lösen. Jeder der behauptet, die modernen Boulder an den Wettkämpfen hätten nichts mit realem Klettern zu tun, der sollte einmal diese Stelle probieren!

Anreise und Zustieg

Per Auto oder öV auf kurvenreicher Strasse von Chur via Ilanz nach Vals und weiter nach Zervreila zum Parkplatz bei der Kapelle (P.1984). Nun der mit Fahrverbot für Motorfahrzeuge belegten Schotterstrasse entlang ca. 2.7km zum Beginn des Wanderwegs nach Furggelti, dabei vernichtet man rund 130 Höhenmeter. Es ist sehr empfehlenswert, für diesen Abschnitt ein Bike zu verwenden. Die Zeitersparnis auf dem Hinweg beträgt ca. 30 Minuten, auf dem Rückweg ca. 15-20 Minuten. Dann zu Fuss dem Wanderweg entlang bis zu dieser Stelle auf ca. 2240m (Steinhaufen, Eisenstange mit weiss-rot-weisser Markierung), wo man diesen nach rechts verlässt.

Der Zustieg ist für sich alleine schon ein Erlebnis, die Gegend ist wunderschön!
Die Pfadspur zum Zervreilahorn ist ganz am Anfang nicht sehr ausgeprägt, wird aber bald deutlicher. Sie verläuft später am Fuss des markanten, diagonal verlaufenden Felsbands - im Zweifel einfach in diese Richtung gehen. Man erreicht schliesslich den flachen Boden (Biwakplatz) auf ca. 2420m und wenig später übers Geröllfeld den Fuss der Wand. Von dort auf Pfadspur links aufwärts und über den Graskegel zur Kraxelstelle, die aufs grasige Einstiegsband leitet. Auf diesem noch ca. 200m nach links, man passiert dabei die Einstiege von Medea, Nanouk und Braveheart. Ca. 25m links der letzteren befindet sich der angeschriebene Einstieg auf ca. 2550m, ein kurzes Fixseil erleichtert die letzten Meter. Alternativ und einen Tick schneller kann man auch unterhalb der Wand gut begehbar übers Geröllfeld queren und erst hinten über die Stufe direkt zum Einstieg der Braveheart hinauf (Fixseil vorhanden). Unser totaler Zeitbedarf von der Kapelle bis zum Start der Route belief sich am Tag der Rotpunktbegehung (mit Bike, zügiges Gehen, inkl. der Bohrausrüstung fürs Nachbessern im Gepäck) auf 1:15 Stunden. In der Literatur steht 2:30h, man kalkuliere also selbst.

Hier geht's los! Der Einstieg befindet sich 25m links der Braveheart und führt direkt oberhalb vom BH in gerade Linie an das System mit Schuppen und Verschneidungen. Die mit BH abgesicherte Linie, welche über die Platte nach links zieht, ist die Holy Smoke. Man lasse sich also nicht in falsche Versuchung bringen...
Routenbeschreibung

Zervreilahorn - Maverik 7a (6b obl.) - 9 SL, 230m - Dettling/Wegmayr 2019

L1, 6b, 30m: Achtung, vom Einstiegsband startet nicht nur die Maverik, sondern auch die Holy Smoke, welches mit mehreren BH gesichert nach links über die Platte zieht, während die Maverik gerade hinauf an die Schuppe und später Verschneidung führt. Direkt über den Einstiegsbohrhaken folgt in der Maverik eine plattige Stelle um wach zu werden, bevor man die griffige Schuppe in die Finger kriegt und dieser folgt. Nach einem Absatz geht's los: erst den Riss geschickt nutzen, dann in kräftigen Piaz wechseln um das Dächli athletisch zu überwinden. Über zwei Stufen hinweg gelangt man zum Stand.

In L1 (6b) der Maverik. Kurze Platte, dann griffige Schuppen und eine Piazverschneidung mit Dächli.
L2, 6c 1pa oder 7a, 30m: Schon der Gegendruck-Start aus dem Stand raus hat es in sich. Gute Beinarbeit, etwas Fingerkraft und Vertrauen in die Füsse sind nötig, damit das Scheunentor nicht aufgeht! Dank griffigen Leisten kommt man anschliessend besser zur Cruxzone voran. Dort erst an der feinen, diagonal verlaufenden Rissspur aufwärts, doch irgendwann ist fertig. Man finde die richtige Strategie, um an die offensichtliche Kante links zu gelangen! Ganz einfach geht das mit einem kurzen Pendelquergang am BH (das wäre dann 6c 1pa), doch auch in freier Kletterei ist es möglich. Wir haben uns dafür an einigen Tricks aus der New-School-Boulderszene bedient. Das macht die Stelle unglaublich schwierig zu bewerten. Schlussendlich denken wir aber, dass der Move mehr Kopfsache und knifflig als echt schwierig ist, ja für Spezialisten dieses Genres möglicherweise sogar "einfach". Somit werfen wir eine 7a dafür aus. Gewiss ist da nur eines - der das ganze Valsertal füllende Jauchzer, wenn der Move gelingt!

In L2 (7a oder 6c 1pa) wartet plattige Wandkletterei mit einem kniffligen Bouldermove.
L3, 6b+, 30m: An der Kante der grossen, abgespaltenen Schuppe geht's in die Höhe. Wer gerade Musse hat, könnte sich auch in Rampftechnik durch den Offwidth-Spalt kämpfen ;-) Steht man einmal auf der Schuppe, so geht's ganz logisch nach links und hinauf, bis einen der Crux-BH in die Wand lockt. Eigentlich hat's gute Tritte, nur haben diese nicht unbedingt die korrekte Ausrichtung. Somit ist Vorstellungsvermögen und Bewegungssubilität gefragt, um den kniffligen Move zu bezwingen, New-School-Dynamik ginge wohl auch. Es folgen Rissspuren mit einer nochmals etwas kniffligen Stelle (0.2er-Cam zwingend) zum Stand.

Super Kletterei auch in L3 (6b+). Es hat mehr (nach rechts offene, auf dem Bild nicht sichtbare) Struktur, wie man denkt!
L4, 6b, 25m: Es wartet eine kaminartige Verschneidung bzw. Schuppe, die mit kreativen Techniken erklettert sein will. Mal so und mal anders geht's am besten, zwischendurch hilft aber echt ein kurzer "Squeeze" am besten und es lässt sich alles mobil absichern. Oben dann steil, ja sogar überhängend, supercool! Zuletzt, nach dem BH, geht's dann nicht rechts in die Verschneidung, sondern - an sich der logische Weg - an die Kante und um diese herum.

Die kaminartige Verschneidung bzw. Schuppe in L4 (6b) erfordert vielfältige Techniken!
L5, 6b+, 30m: Absolut fabelhafte Risskletterei an einem perfekt gefrästen Finger Splitter. Unten gibt's einige Verbreiterungen, wo man etwas grösseres Gear platzieren kann, für die erste Crux mit Fingerklemmern und Toe Jams passt dann allerdings nur der 0.3er optimal. Der einfachste Weg führt dann an die Kante und über ein griffiges Dächli, bevor die zweite Episode am Fingerriss folgt. Auch hier sehr schön mit zwingenden Klemmern über die Crux, erneut passt der 0.3er optimal. Auf dem folgenden Podest ist die Seillänge noch nicht zu Ende. In cooler 3d-Kletterei geht's die steile Verschneidung hinauf, der Ausstieg zuletzt erfolgt nach rechts.

Hervorragende Trad-Kletterei wartet in L5 (6b+) mit perfekt gefrästen Finger Cracks und einer Verschneidung am Ende.
L6, 6a+, 30m: Ein gemütliches Zwischenstück mit schöner Wandkletterei führt einen an den Fuss der nächsten, orangen Steilwand. Zwei kniffligere Stellen sind mit je einem BH gesichert, der Rest lässt sich auch hier prima mobil absichern. Ein weiteres Highlight ist dann der Stand auf dem perfekten, topfebenen Bivy-Ledge. Ein prima Platz für eine Pause und um seinen Blick schweifen zu lassen!

Prima Wandkletterei, die man jedoch auch vorwiegend mobil absichern kann wartet in L6 (6a+).
L7, 6c, 35m: Angezogen hat uns auf dieser Seillänge natürlich die markante Schuppe. Doch leider ist sie am Rand dermassen dünn und hohl tönend, dass wir schlussendlich die Finger davon gelassen haben und es auch wenig empfehlenswert scheint, mobile Sicherungen daran zu legen. Das ist nicht weiter störend, weil man unmittelbar rechts in der Wand an Leisten super schön und sogar eher einfacher klettern kann (dafür war halt ein zusätzlicher BH nötig). Bald folgt eine schwierige Wandstelle an einer kniffligen Seitgriffkante. Nein, hier liegt nicht etwa die Bewertung von 6c daneben! Es geht wirklich in diesem Grad, wenn man die Lösung findet. Doch damit nicht genug. Die danach ansetzende, steile Rissverschneidung mit genialem Dächli ist echt super zu klettern und komplett mobil zu sichern.

Ausblick auf L7 (6c), die griffigen Schuppen laden zum Klettern ein!
L8, 6a+, 30m: Über eine Doppelstufe geht's zum markanten Splitter Crack in Faustgrösse. Dieser hat uns bereits bei der Begehung der Braveheart so herzlich aus der Ferne angelacht, dass wir ihn so gut wie zwingend in die Route einbauen mussten. Auch wirklich super zu klettern, nur etwas länger dürfte er noch sein! Anschliessend der Kante entlang auf die liegende Platte, welche entlang von weiteren, breiten Rissen überquert wird.

Über zwei Stufen geht's in L8 (6a+) zum perfekten Faustriss - genial!
L9, 5c, 25m: Gleich oberhalb in der gelben Wand warten ein paar wunderschöne Risse mit genialer Felsstruktur, eine echte Plaisir-Clean-Kletterei. Zuletzt führt der logische Weg nach rechts und mangels weiterem Akkustrom blieb uns bei der Erstbegehung gar nichts anderes übrig, wie zum Abschlussstand der Braveheart zu zielen. Im Zuge der Rotpunktbegehung hätten wir zwar einen eigenen Schlusstand ein paar Meter weiter links setzen können, was uns jedoch schliesslich als unnötige Hakenverschwendung und Zervreilahorn-Perforierung vorgekommen wäre. Somit endet die Maverik am selben Ort wie die Braveheart. Es lässt sich an diesem Punkt auch ideal aufs Gipfelplateau aussteigen, ebenso haben wir das Wandbuch dort platziert (Configlas in der Nische, unverfehlbar).

Zum Schluss wartet noch cleane Plaisir-Risse (L9, 5c). Die Braveheart führt gratartig über die angelehnten Blöcke zu gemeinsamen Endpunkt.
Abseilen

Erfolgt am besten und einfachsten gleich über die Route selber. Es sind 5 Manöver, die nötigen Standplätze (9-7-5-3-2) sind ausgerüstet. Auf den ersten beiden Strecken werden die 2x50m-Seile jeweils gut ausgenutzt, aber es reicht. Alternativ könnte man auf dem Gipfelplateau auch wenig absteigen und die Piste über die Fahnenroute verwenden. Mit 2x50m sind aber auch dort 5 Abseiler nötig und besser/effizienter ist diese Variante nicht. Somit macht's also wenig Sinn bzw. lohnt sich höchstens für einen Einblick in jene Route und die grosse Abschlussplatte, bzw. für jene, die nur mit einem Einfachseil angerückt sind (dann 10x22m abseilen).



Material

Absolut unverzichtbar ein Satz Cams der Grössen 0.2-3. Wer so legt wie im Topo empfohlen und die mobilen Sicherungen nicht üppiger platziert wie man es bei Bohrhaken tun würde, kommt damit gerade knapp aus. Wenn man ein bisschen grosszügiger und weniger taktisch legen möchte, so kann sich ein zweites Set Cams der Grössen 0.3-0.75 als durchaus sehr nützlich zeigen. Allenfalls könnte man auch einen Satz Keile der entsprechenden Grössen mitführen, was uns jedoch als deutlich weniger praktisch erscheint. Als eher optional darf man das doppelte Mitführen der Cam-Grössen 1-3 bezeichnen, es ist jedoch durchaus möglich, auch diese sinnvoll an den Fels zu bringen. An Seilen sind 2x50m nötig, mit einem Einfachseil müsste man die Abseilpiste über die Fahnenroute (10x22m) nutzen. Mit 8 Exen (wovon 4 verlängerbare Alpine Draws) sollte man gut durchkommen, wenn man dort wo durch geraden Seilverlauf möglich/sinnvoll die Cams direkt und ohne Exe klippt. Risshandschuhe sind insgesamt eher optional, es gibt neben dem Fist Splitter in L8 nur wenige Stellen, wo ein Jamming mit dem Handrücken zum Einsatz kommt.

Da kann man nur noch sagen, let's go und viel Spass! Das Bild aus L1 (6b).
Topo

Hier unten als Bild, für die beste Qualität empfiehlt sich ein Download als PDF! Artwork by Viktor, vielen herzlichen Dank! Nach Abschluss unserer Neutouren-Trilogie gibt's ebenfalls eine Gesamtdokumentation mit allen Topos, Wandfotos und Routenbeschrieben.