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Samstag, 24. Februar 2024

Two Days in Chironico

Mit der ganzen Meute plus Anhang nach Chironico zum Bouldern, das war der Plan von Alexandra mit ihrem Team Herkulis. Das klappte - zumindest fast. Denn genau die eigene Tochter war durch ein Natitraining schlussendlich nicht verfügbar. Das hinderte den Rest der Familie aber nicht daran, trotzdem an den Tessiner Gneis zu gehen. So verbrachten wir zwei extrem milde Februartage in den beiden Sektoren Rah Plats Plats und Serre moi fort.


Seit 2024 gilt ja ein neues Parkregime, welches auf dieser Webseite erklärt wird. In Kurzfassung: für die üblichen Tagesparkplätze wird ein Obulus von 0.50 CHF erwartet. Dieser muss via Webseite bezahlt werden. In Chironico schnappt man sich dann beim Overnight-Parkplatz 1 einen Zettel und füllt diesen von Hand mit seiner Quittungsnummer aus und klemmt ihn an die Scheibe. Das wirkt sehr handgestrickt und scheint auch wenig verbindlich. Die Parkplätze selbst sind nämlich nicht als kostenpflichtig gekennzeichnet, sondern kommen daher wie eh und je. Sprich die Ausrede "ich habe von all dem nichts gewusst" kann man bringen. Trotzdem, die Taxe im Sinne des Goodwill zu entrichten ist natürlich absolut sinnvoll und für mich eine Selbstverständlichkeit. Für eine Übernachtung plus die beiden angrenzenden Tage fällt eine Gebühr von 12 CHF (+2 CHF Kurtaxe pro Person >14 Jahre) an. Scheint fast geschenkt - allerdings kriegt man ausser einem Toitoi und einem Abfallcontainer (nur beim Overnight-Parkplatz 1) auch keinen Service. Uns insbesondere keinen garantierten Platz! Die drei offiziellen Plätze bieten Raum für ca. 25-30 Fahrzeuge - was an einem Weekend mit guten Conditions in der Prime Season niemals ausreicht. Die Bezahlung und Bestätigung der Overnight-Taxe funktionieren sonst übrigens gleich wie bei der Tagesparkgebühr.

Tag 1

Nun denn, wir hatten richtig Glück: wohl den noch vorhandenen Alpinkletter-Genen sei Dank waren wir so früh vor Ort, dass wir einen der gerade mal drei Stellplätze (vier bei 'very good parking') in der Overnight Area 3 sichern konnten. Von da war es nur noch ein Katzensprung in den Sektor Rah Plats Plats, welchen ich mit Larina zuletzt im Oktober 2023 besucht hatte. Und da war ja noch eine Rechnung offen geblieben.

Number One / Slooper Attack 7A ✅

Der Klassiker und wohl der am meisten begangene Boulder in diesem Sektor. Erst ein bisschen Athletik, dann aber vor allem geschicktes Body Positioning und ein wenig Fingerkraft an Slopern. Die Beta-Optionen sind sehr zahlreich, somit geht's für alle Körpergrössen - für Kleine/Kids aber deutlich einfacher. Und ja, nach nochmaligem Feintuning der Beta konnte die offene Rechnung schliesslich souverän beglichen werden.

Yannick in Number One 7A. Der Vorteil für die Kleineren besteht darin, dass die hier an den schlechten Slopern gut auf die Tritte stehen können, während man bei mehr Körpergrösse sich mit den Füssen im Nichts befindet.

Bugs Bunny / Shield Variante 7A+ ❌

Ein ziemlich langer Boulder, der am Ende Ausdauer, Mut und Committment verlangt. Man vermeidet den Knaller-Startmove vom Shield 7C an den Henkeln gleich rechts. Es folgt eine Crimpy-Traverse an Schlitzen, bevor zwei dynamische Power-Moves in einer prekären Position folgen. Das suboptimale Gelände darunter braucht sehr viele Pads (~8-10 Stück), damit ein Sturz dort nicht gefährlich ist. Dank der Bouba- und der Bündner-Crew war das gegeben und das war auch gut so: 2x rutschte mir der Hook raus beim entscheidenden Move, das einen Kopfüber-Tumble-Down ergibt. Das reichte mir dann für den Moment, aber diesen Boulder einmal noch zu senden wäre schon das logische Ziel.

Bugs Bunny 7A+, ab hier gilt es so langsam dann richtig ernst mit zwei committing Moves.

Nittymaki 6C/+ ✅

Das ist sozusagen der Rah Plats Plats für die Kleinen: am selben Block, einfach beginnt man die Traverse am anderen Ende und steigt dann in der Mitte aus. Klettert sich nach einem einfachen Auftakt aber echt cool, etwas Tüfteln wie die Hooks in der Traverse solide sitzen war für mich durchaus nötig. Und wenn man dann (je nachdem) schon etwas gepumpt ist, wartet noch ein ziemlich hoher (aber safer) Ausstieg, wo man kleine Leisten durchblockieren muss. Fand ich für 6C noch recht hart. Sowieso wäre aufgrund der Länge der Unternehmung eine 7b+ Routenbewertung vielleicht passender?!?

Der Block mit Nittymaki 6C/+ und Rah Plats Plats 8A. Strenge Sache, kann zur Überhitzung führen 😁

Rah Plats Plats 8A ❌

Mitica traversa da Fred Nicole, so steht's im Topo. Und mal einen Boulder in diesem Grad zu klettern wäre ja auch noch so ein Ding von der Bucket List. Das hier vorliegende Gerät könnte durchaus ein Kandidat dafür sein?!? Lang, ausdauernd, an Slopern und ohne einen extrem harten Move. Man hangelt sich hier über fast 20m der Kante des Blocks entlang. Erst sehr technisch mit vielen Hooks und gekonntem Positioning, dann mit reichlich Körperspannung, bevor dann in der zweiten Hälfte eigentlich nur noch die Ausdauer gefragt ist. Alle Positionen und die einzelnen Moves gingen schon einmal, das wäre eigentlich die Grundlage, um da dran zu bleiben. On verra...

Nach einer sehr ausgiebigen Session war es dann nur ein kurzer Marsch zu unserem Domizil. Ein Teil der Gruppe verabschiedete sich nach Hause, ein anderer zur Übernachtung im Hotel. Wir legten uns im Octavia auf's Ohr und verbrachten eine geruhsame Nacht.



Tag 2

Recht früh kommt bei der Overnight Area 3 die Sonne, und so gab es ein supergemütliches Zmorge, ein richtiger Genuss. Sowieso, es sei noch gesagt, dass es für Mitte Februar eine absolut abnormale Wärme war, ja eigentlich schon zu viel des Guten, um hart zu bouldern. Den ganzen Tag in Shorts und ohne T-Shirt rumzulaufen gehört ja zu den positiven Effekten. Sich vor einem guten Go aber erst 15 Minuten in den Schatten setzen zu müssen und um einen guten Luftzug für die Kühlung der Griffel beten zu müssen ist für Februar aber schon verrückt. Anyway, am zweiten Tag war der Himmel etwas überzogen und die Temperatur daher nicht mehr ganz so hoch. Als die Hotel-Fraktion eingetrudelt war, zogen wir in wenigen Minuten in den Sektor Serre moi fort.

Frühstücksplatz - so richtig gemütlich war es!

Survival Kit 6A ⚡

Diamant, Plattensymbol, Totenkopf und noch der vielsagende Kommentar "da non sottovalutare". Und echt, es war nicht meine Idee! Die Platte ist ca. 8m hoch und die obere Hälfte ist die Schwierigere. Wer sich in der Mitte zum Schritt nach vorne entscheidet, der muss nachher bis zum Top durchziehen, ein zurück gibt's nicht mehr. Kurzum, hier gilt Bouldern = Mehrseillängenklettern, zumindest was Mindset und Herangehensweise betrifft. So extrem schwierig ist es nicht einmal, ca. 6b/+ in Routenbewertung, würde ich sagen. Nur in einem Punkt bin ich mir nicht sicher: ob die Moves am Seil angenehmer wären? Oder anders formuliert: ist es (im Sturzfall) besser, wenn (beim Bouldern) nach 5m die Matte kommt oder würde man es (beim MSL-Klettern) bevorzugen, weitere 5m über die Platte zu schraddeln, bevor einen das Seil stoppt?!?

Naja, hier auf dem Foto sieht es nicht ganz so imposant aus. Vom Einstieg dann irgendwie schon mehr. Und wenn man oben steht und daran denkt, dass man den direkten Weg zurück zu den Pads antreten müsste, dann ist die Devise schon eher "never ever". Kurzum, das ist ein Boulder zum Flashen.

Frogatt Traverse 7A ✅

Wieder ein Teil, das wohl eher den Sportkletterer anspricht, geht es hier doch um die rund 15m lange Umrundung eines Blocks. Wobei sich die Schwierigkeit auf den ersten Metern abspielt, wo dachartig ein paar sloprige Crimp-Schlitze bedient werden müssen. Hat man einmal das grosse Horn vom Autopilot 7A+ erreicht, so spielt sich der zweite Teil im Ausdauerbereich an Henkeln ab. Allerdings, bei den letzten zwei Moves kann man schon noch scheitern... uns ist es nicht passiert.

Frogatt Traverse 7A, ein Boulder absolut nach meinem Gusto.

Smooth Operator 6B+ ✅

Wird laut den Ticklisten nur relativ selten gemacht. Ich fand das aber eine echt coole, kräftige Traverse. Erst ein paar gute Griffe, dann eine knackige Crux um die Ecke und ein gemütliches Finish an Henkeln. Auch die Lage direkt beim 'Hauptplatz' ist ideal. Nur das Landegelände mit einem spitzen Block unter dem Geläuf und einem Baum im Rücken nicht so sehr.

Clin d'Oeil 6C+/7A ✅

Eigentlich wäre es ja das Ziel gewesen, dem begehrtesten 7A-Boulder in diesem Sektor noch eine Begehung abzuringen (Selection Door). Aber er war gerade belegt und eine kurze Anprobe warf auch etwelche Zweifel auf, ob die abgekletterten Pfoten dies noch hergeben würden. Nun, die Ausweichmöglichkeit ist unmittelbar nebenan und vermutlich deutlich einfacher zu holen. Ein etwas murksiger Start, gefolgt von zwei langen Moves zu Leiste und zu Sloper et voilà - vielleicht liegt es auch an der Morphologie.

Das ist nicht der Clin d'Oeil, sondern Senza Mani 6B+. Nils Favre hat grad diese Woche ein Video auf Insta gepostet, wie er den tatsächlich ohne Hände gemacht hat - unglaublich! Viel um sich effektiv festzuhalten hat es zwar schon nicht, aber jedenfalls ist es schon mit den Händen sauschwer für mein Gusto - bzw. halt vor allem so unangenehm unkontrollierbar an der Abrutschgrenze.

Das war es dann schon wieder, wir packten unsere Waren und machten uns auf den Heimweg. Es sei noch bemerkt, dass die Liste in diesem Beitrag nicht ganz vollständig ist, einige einfachere Boulder standen auch noch auf dem Menüzettel, wurden aber hier nicht beschrieben. In einem waren wir uns einig, eine möglichst baldige Wiederholung dieses Events ist angezeigt. Wobei es am heutigen, darauffolgenden Weekend regnet und dann folgt für die Kids erstmal die Wettkampfsaison. Ein bisschen Geduld wird es wohl brauchen, bis sich die ganze Gruppe wieder in Chironico trifft. Mir persönlich reicht es aber hoffentlich schon vorher wieder für eine Session an den Blöcken! 

Mittwoch, 1. November 2023

Ticino Bouldering Herbst 2023

In meinem Beitrag zur Tis-sa-ack im Val Calnègia hatte ich ja schon angetönt, dass für Larina und mich in den Herbstferien "nur" ein Trip ins Tessin drin lag. Das "nur" ist wirklich sehr despektierlich im Angesicht der unzähligen Klettermöglichkeiten und erst recht der Bouldergebiete, für welche die Leute aus der ganzen Welt anreisen. Da können wir uns wirklich glücklich schätzen, diese Möglichkeit in Kurztrip-Distanz zu haben. Nun wollten wir dies wieder einmal so richtig ausnutzen und ehrlich gesagt, was kann man mehr wollen wie einen solchen Ausflug?!? Vor allem für meine eigene Erinnerung hier ein kurzer Abriss über das Geschehen. Der Informationsgehalt vielleicht für einmal nicht extrem gross, hoffentlich besteht wenigstens ein gewisser Inspirationsgehalt. Wobei, wenn hier vor allem Mehrseillängen-Fans lesen, bin ich da auch nicht zu 100% sicher...

Session 1 - Chironico Boggalagga

Nach Arbeit und Anreise blieb uns bis zum Einbruch der Dunkelheit nur noch ein kurzes Zeitfenster für eine Session. Was ja aber zum Glück beim Bouldern gut ausreicht, um auf die Kosten zu kommen. Aber Parkplatznähe sowie einige interessante Probleme nahe beieinander waren dann doch gewünschte Attribute. Da wir ja irgendwie doch eher ausdauernde Kletterer als schnellkräftige Boulderer sind, nehmen mir auch immer gerne Traversen in Angriff. Hier zuerst mit der Blue Trav's (6C+). Die gelang uns ziemlich schnell, somit zogen wir weiter an den Block mit der Royal Traverse (7A/+). Nachdem wir die einfacheren Möglichkeiten an diesem Block erledigt hatten, widmeten wir uns dieser Herausforderung. Das war aber eine zähe Sache, massiv härter wie die Blue Trav's und wir konnten leider keinen Durchstieg verbuchen.

Geklettert: 🔴Blue Trav's (6C+), ⚡Masso 4.1 (6A+), ⚡Masso 4.2 (6B), ⚡Masso 4.3 (6A+), 🔴Golden Goal (6B), ⚡Malus (6B)

Probiert: ❌Giandollaro (6C+, Marcel), ❌Royal (7A), ❌Pirus (6C+)

Kurzer Augenschein in Giandollaro (6C+): cool aber hoch und scary, braucht mehr Matten und einen Erwachsenen als Spotter.

Session 2 - Chironico Rah Plats Plats

Nach einer Nacht im Hotel Octavia waren wir früh vor Ort und wollten von Grumo aus eines der etwas mehr Aufwand erfordernden Gebiete besuchen. Wobei man zum Sektor Rah Plats Plats auch nicht mehr wie 15-20 Minuten zu laufen hat. Wir klapperten erst einmal alle Boulder im Sektor ab, um uns die Projekte für den Tag zu definieren. So war es dann nach dem Aufwärmen der Block mit dem bekannten Number One aka Sloper Attack (7A), wo wir uns niederliessen. Erst einmal widmeten wir uns jedoch der athletisch-dachartigen Traverse Professor Bambèla (7A) mit ihrem kniffligen um-die-Ecke-Mantle ganz am Ende, um am linken Rand auf die Platte auszusteigen. Die gelang uns beide mehr oder weniger rasch. Larina war dann auch im genialen Number One recht zügig erfolgreich. Ich tüftelte da viel länger, schaffte es von 'two moves in', aber der Gesamtdurchstieg blieb schliesslich verwehrt - für diese Sloper müssen kühlere Temperaturen her, war das Fazit. Schon etwas angezählt kletterten wir noch diverse einfachere Boulder und beschlossen dann reichlich platt am Ende des Tages, am Folgetag mit einer MSL wieder etwas zu Kräften kommen zu wollen.

Geklettert: ⚡Durabase (6A), 🔴Eyorjoi (6B), ⚡Ölwechsel (6A), ⚡Fast Food (6A), 🔴Professor Bambèla (7A), 🔴Number One (7A, Larina), 🔴Petit Beurre (6C, Marcel), ⚡Cordon Rouge (6A+), ⚡Dinastia Minch (6A+), 🔴Grande Minch (6C)

Probiert: ❌Number One (7A, Marcel), ❌Petit Beurre (6C, Larina)

Das ist nur das Warm-Up: Eyorjoi (6B)
Hotel Octavia (mit integrierter Frühstücksbar)

Session 3 - Val Bavona Picaduro

Auch an diesem Tag ging es an die Blöcke. Doch in diesem Fall sind diese so hoch, dass eine Matte nicht ausreicht und man zwingend ans Seil muss - wobei es auch coole, jedoch noch weitgehend unerschlossene Bouldermöglichkeiten gäbe. Bei unserer Fahrt ins Val Bavona waren wir uns noch nicht sicher, welchem der vielen kürzlich erschlossenen Sektoren wir an diesem Tag den Vorzug geben würden. Die hausgrossen Picaduro-Blöcke liegen jedoch direkt an der Strasse, so dass ein Augenschein ohne Zusatzaufwand möglich war. Der herausfordernden Linien warten da noch viele und so blieben wir dann auch gleich vor Ort. Einmal aufgewärmt, probierten wir es mit der Route mit dem vielversprechenden Namen La legge del dolore. Im Topo steht noch NL (=non liberata, d.h. nicht freigeklettert), wir schafften jedoch beide den Durchstieg und schlagen mal den Grad 7b+ vor. Nach einem einfacheren Auftakt wird es am Ende wirklich sehr, sehr kleingriffig, bevor man sich dynamisch an eine Henkelschuppe rettet. Als nächste Linie nahmen wir die Nouvelle vague (8a) vor. Da war der spannende Fakt vor allem, dass die Moves in der Crux verblüffend ähnlich zum Pièce de Résistance in Larinas Finalroute an der kürzlichen Lead-SM waren. Der Schrauber musste wohl zuvor genau hier geklettert sein, war unser Fazit. Nach einigem Austüfteln hatten wir zwar eine funktionierende Sequenz beisammen, die langsam einsetzende Dunkelheit trieb uns aber zur Eile an und es blieb uns nur je ein einziger Durchstiegs-Shot. Dieser liess sich zwar gut an, doch fehlte uns beiden ein Mü, um uns über die knifflige Traverse nach links hinüber an besseres Griffmaterial zu retten - Grund genug, um bald wieder dahin zurückzukommen.

Geklettert: 🔴La legge del dolore (7b+)

Probiert: ❌Nouvelle vague (8a)

Spielerei beim Ausbouldern: auch in einer 8a können rustikale Techniken zum Einsatz gebracht werden... im Durchstieg wurde dieser Rastpunkt jedoch nicht umgesetzt. Er ist nicht wirklich nötig bzw. vorteilhaft, da es bis dahin nicht allzu schwierig ist und der Aufwand sich in der Ecke zu platzieren eher grösser wie der Nutzen daraus.

Session 4 - Brione Brionesque/Amber

Aus einer Sichtweise hätte es durchaus seine Logik gehabt, das offene Projekt im Val Bavona gleich noch zu bereinigen, da wir ja schon (bzw. noch) in der Nähe waren. Aber einerseits hatten wir uns schon lange geeinigt, am Ende noch 2 Tage in Brione zu bouldern. Vor allem aber obsiegte die jugendliche Logik von "irgendwann komme ich schon dahin zurück" und "dann bin ich eh noch stärker als heute und kann einfacher senden" - da waren des Vaters Torschlusspanik-Gedanken ob er es nochmals dahin schaffte während er noch stark genug sei kein Argument dagegen. Nun denn, wir kurvten ins Verzascatal und machten uns auf in Richtung Molonk, wobei uns dann die ersten Blöcke an welchen wir vorbeiliefen schon so überzeugten, dass wir die Matten erst mal abwarfen und mit dem Bouldern begannen. Vertieft ins Tun kamen wir dann auch nicht mehr weiter, es war schlicht und einfach nicht nötig. Nachdem uns mit dem Fragola matta (6C+) schon beim verschärften Aufwärmen ein ziemlich hoch bewerteter Boulder gelungen war, versuchten wir uns beim extrem tüfteligen Australian Open (7B+). Der ist sehr kurz und übersichtlich, dennoch sind unzählige Detaillösungen denkbar. Wir puzzelten und puzzelten, für Larina passten die Teile dann schliesslich und der Durchstieg sah bemerkenswert einfach aus (siehe Video). Mir blieb dieser jedoch verwehrt. Nahezu jede erdenkliche Lösung ging beinahe, aber eben nur beinahe. So fehlte es ein wenig an Beweglichkeit, anders gerade an der entscheidenden Reichweite und bei der x-ten Lösung war es ein Jota zu wenig an Stützkraft, et cetera. Doch irgendwo musste sich der entscheidende Kniff verstecken, der es möglich machte... Klein beigegeben habe ich schliesslich, als meine Handflächen vom vielen Stützen einfach zu schmerzhaft waren. So verschoben wir uns an den steil-athletischen Oblivion-Block. In seinem zentralen Teil bietet der 2 verschiedene Starts mit je 3 möglichen Exits, was alles in allem 6 verschiedene Boulder ergibt. Mir lag der eine, schwierige Sitzstart sehr gut, so konnte ich tatsächlich noch am selben Tag wie Larina auch erstmals eine 7B+ ziehen. Mit dem Fazit, dass wir langsam ans Buchen des Ticket fürs Yosemite Valley denken können (denn wenn wir da sind, so gehört neben dem Send von Freerider (~30 SL, 7c+) am El Cap ein Durchstieg von Midnight Lightning (V8 / 7B+) am Columbia Boulder im Camp IV zum Pflichtprogramm) machten wir uns im letzten Licht zurück zum Basecamp.

Geklettert: ⚡Masso 01b.4 (4+), ⚡Masso 01b.5 (5), 🔴Arpia (6B), 🔴Fragola matta (6C+), 🔴Australian Open (7B+, Larina), ⚡Learn to park (6B+), 🔴Winter Classic Stand (6C), 🔴Winter Classic (7B, Marcel), 🔴Brahama (7B+, Marcel)

Probiert: ❌Oblivion (7A), ❌Australian Open (7B+, Marcel), ❌Winter Classic (7B, Larina)

In Arpia (6B) muss man sich schon recht gut festhalten.
Unser Power Crag Food: Apfel-Cookie-Mandel-Joghurt-Müesli

Session 5 - Brione Brionesque/Amber

Wenig innovativ zogen wir nochmals in denselben Sektor wie am Vortag. Woran das liegt, mag der Leser schon ahnen. Einerseits waren gewisse Pendenzen ja unerledigt geblieben, andererseits hatten wir noch weitere, interessante Linien in diesem Sektor erblickt. Aufgewärmt wurde an den Massi 06 und 07, wobei wir am ersteren Block die für uns logische Gesamttraverse kletterten, d.h. den bestehenden Boulder Bocca Rosa (6A) zur Bocca Totale (6A+) erweiterten. In unserem Rücken gelang dann mit El Lasagna (6C+) schon ein schöner Erfolg, worauf wir uns (nach einem meinerseits kurzen jedoch erfolglosen Abstecher zum Australian Open (7B+)) den unerledigten Kombis am Oblivion-Block widmeten. Als die roten Punkte eingetütet waren, zogen wir weiter zum Masso 12, wo die restliche Zeit, Haut und Kraft verpulvert wurde. Während uns Crimpbergen (6B) eher schwer fiel, so konnten wir dafür beide Polenta e Merluzz (7A+) flashen und die persönliche Bestleistung in diesem Stil anheben. Doch der Block bot noch mehr als uns das Topo versprach. Die Sloper-Traverse von links her in den Ausstieg von Crimpbergen bot eine fantastische, ausdauernde Challenge ganz nach unserem Gusto! Wir mussten doch einige Zeit herumpröbeln und dann einige Durchstiegsversuche geben, bis die Sequenz optimiert war und der Strom dann auch für die kniffligen Moves um die letzte Ecke reichte. Da diese Linie im Topo nicht gelistet ist und es auch überhaupt keine Kletterspuren gab, war das vermutlich ein First Ascent. Wir würden ihn Südkurve nennen, er checkt wohl irgendwo im Bereich 6C-7A ein, bzw. wenn wir uns konkret festlegen müssen, dann bei 6C+. Das war es dann, einerseits wurden wir daheim zu fixer Zeit erwartet, andererseits war die Tankanzeige bei Haut und Kraft auf dem Stand von null angelangt, so dass wir die Segel strichen und uns mit wohliger Müdigkeit und grosser Zufriedenheit auf den Heimweg machten.

Geklettert: ⚡Gost shot (4+), ⚡Hhey fill (6A), 🔴Bocca totale (6A+), ⚡Moogie (6A+), ⚡La trav (5+), ⚡Uela lì (6A+), 🔴El Lasagna (6C+, Marcel), 🔴Oblivion (7A), 🔴Light Blue (7A+, Marcel), ⚡Polenta e Merluzz (7A+), 🔴Crimpbergen (6B), ⚡Stuzzichino (6A), 🔴Südkurve (6C+)

Probiert: ❌Australian Open (7B+, Marcel), ❌El Lasagna (6C+, Larina)

Larina beim Flash von Polenta e Merluzz (7A+)
Larina kurz nach dem Sitzstart in die Südkurve (6C+), der sich sehr logisch links aussen vollzieht. Man quert dann ausdauernd der sloprigen Kante entlang nach rechts, wobei sich die Durchstiegscrux an der Ecke des Boulders in Bildmitte befindet, wo man sich in die Crux des schon existierenden Boulders Crimpbergen (6B,  Sitzstart von der roten Matte) etablieren muss. Über diesen steigt man dann auf den Block aus.
Nochmals Larina in der Slopertraverse der Südkurve (6C+).
Time to go home...

Mittwoch, 7. März 2012

Nachwuchsförderung in Chironico

Eigentlich ist es schon verrückt, aus der ganzen Welt reisen Leute um den halben Globus, um im Tessin bouldern zu können. Viele CH-Kletterer nehmen gar nicht so richtig wahr, was für Perlen sich da in unserem Vorgarten befinden. Mir selber geht es ganz ähnlich: vorwiegend aufs Seilklettern fokussiert, lag mein letzter Besuch an den Blöcken von Chironico auch schon wieder 2 Jahre zurück.

Der 6b+ Plattenboulder geht noch nicht ganz ohne Hilfe. Doch sobald die Hände mal an der Kante waren, ging dann die Post ab!
Nun war ich aber innert kurzer Frist gleich 2x dort: das Gebiet überzeugt durch eine moderate Anreise, sehr kurzen Zustieg und gegebene Familienfreundlichkeit. Das Highlight sind aber die Boulder - nein, eigentlich sind es keine profanen Boulder, sondern es sind Probleme! Jedes klettert sich anders, will trickreich überlistet werden, und auf engem Raum gibt es einfach alles: superathletische Dächer, runde Kanten, aber auch Wandklettereien und Plattenschleifer. Die Formen der Griffe sind vielfältig, von der positiven Minileiste bis zum grossen Sloper gibt es das ganze Spektrum - der Fels stets unverbraucht und rauh, mit hervorragender Reibung!