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Mittwoch, 1. Juli 2020

Ofen - Indianerpfeiler (6b+)

Der Indianerpfeiler markiert eine der ersten, modern geprägten Routen durch die Hauptwand am Ofen. Auch wenn keine extremen Schwierigkeiten warten, so wurde hier 1983 doch mutig in die kompakten Wandzonen hinein geklettert. Im Laufe der Jahre wurde die Tour dann durch das Hinzufügen von Sicherungspunkten in eine Plaisirroute umgestaltet. Nachdem ich schon viele der (zum Teil deutlich schwierigeren) Routen an der Ofenwand hatte klettern können, schien eine Begehung von diesem Klassiker gar nicht mehr allzu wahrscheinlich. Doch dann, an einem Tag wo mit löchrigen Fingern und müden Muskeln sportklettermässig nichts mehr gegangen wäre und auch das Wetter keine Ausflüge höher hinauf zuliess, trat mein Kletterpartner mit diesem Vorschlag an mich heran. Das war die ideale Gelegenheit, um sich einen weiteren Punkt im 'Moderne Zeiten'-Sammelkonto gutschreiben zu lassen.

That's why... Klettern nur mit dick getaptem Finger möglich - für einfachere MSL ok, Sportklettern am Limit unmöglich.
Die Webcam am Bonistock zeigte frühmorgens nichts Erbauliches, selbst die überhaupt nicht anfällige Ofenwand war aufgrund vom mauen Wetter der vergangenen Zeit und nächtlicher Niederschläge schwarz. Zeit für einen zweiten Kaffee und etwas Kontemplation. Schliesslich obsiegte die Überzeugung, dass es später am Tag dann schon gehen würde, was sich schliesslich absolut bewahrheitete. So starteten wir um 11.20 Uhr am üblichen Ausgangspunkt in Turrenbach (P.985). Wie immer zuletzt hatte ich das Bike mitgebracht, so hiess es vorerst tüchtig in die Pedalen zu treten. Jedes Mal vergesse ich von neuem, wie steil und anstregend diese Strasse doch zu befahren ist. Vielleicht besitze ich bis zum nächsten Mal dann das E-Bike, welches diesen Abschnitt so viel bequemer machen würde. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass ich auch dieses Mal wieder meine Standard-Zeit von 35 Minuten bis zum Unter Boden (P. 1455) benötigte. Wobei man ehrlich gesagt auch nicht viel langsamer fahren könnte, da man dann schlicht und einfach mangels Tempo umfallen würde. 

Die rabenschwarz nasse Ofenwand genau im Zentrum des Bildes, am Huetstock liegt sogar etwas Neuschnee!
Zu Fuss ging es weiter, schliesslich trafen wir nach total 85 Minuten reichlich verschwitzt am Wandfuss ein. Dort ergab sich eine spezielle Begegnung mit einem Solo-Aspiranten, der uns den Vortritt gewähren wollte, was wir als für alle sinnvoll erachteten und dankend annahmen. Doch obwohl er keine 10 Minuten auf das Freiwerden der ersten Länge hätte warten müssen, zog er schliesslich doch frustriert und grummelnd davon. Ein paar Minuten nach 13.00 Uhr hatten wir losgelegt.

Bis wir da waren, hatte die Situation massiv gebessert. Ein- und Ausstieg vom Indianerpfeiler sind auf dem Foto markiert.
L1, 30m, 4b: Eine grauenhafte Seillänge, die einem Graskanal entlang in die Höhe führt. Der Fels ist lottrig hoch 7, auch liegt lose Ware herum. Hier ist echt Erfahrung in solchem Gelände gefragt, sonst wird das sogar gefährlich. Es ist mit Abstand die schlechteste Seillänge, die ich am Ofen je geklettert bin.

Man sieht's, wenig erbauliches Gelände in L1 (4b).
L2, 30m, 5b: Die ersten Meter sind auch noch nicht restlos überzeugend, d.h. der Fels nach wie vor nicht besonders solide. Nachher bessert es aber zum Glück gewaltig und es wartet die auf dieser Höhe typische, so richtig coole Ofen-Backstein und Querschlitz-Kletterei mit einem steilplattigen Finish. Für den angegebenen Grad ist das erstaunlich athletisch bzw. fein, eine Bewertung von 5c+ erscheint wesentlich realistischer.

Kompaktes Gelände und schöne Kletterei am Ende von L2 (5b).
L3, 30m, 5c: Zuerst geht's weiter im Stil von L2, d.h. Backsteine und Querschlitze. Über eine geneigte Zone kommt man dann zu einer Verschneidung, welche es emporzusteigen gilt. Während die Wand sonst gut abgetrocknet hatte, war diese noch komplett nass, aber dennoch problemlos zu bewältigen. Insgesamt dünkte mich dieser Abschnitt spürbar einfacher wie L2.

L4, 35m, 6a: Eine sehr schöne Seillänge mit etwas verzwickter Linienführung, lange Exen helfen potenziellen Seilzug einzudämmen. Erst rechts, dann links geht's über Steilplatten, Querschlitze und Tropflöcher in die Höhe. Am Ende gilt es dann, nochmals nach rechts zu queren zum Hängestand. Es zahlt sich jedoch aus, noch weitere 5m zum deutlich bequemeren Stand der Chrüzspinne zu traversieren. Der Schwierigkeitsgrad passt etwa, die 6a+ von C2C könnte auch hinkommen.

Sehr schöne und grosszügige Kletterei wartet in L4 (6a).
L5, 25m, 6b: Sofern man diese nicht schon zuvor geklettert hat, folgt nun die Querung nach rechts zum Chrüzspinne-Stand. Nun gilt es, die rechte Hakenlinie zu wählen (links wäre die Chrüzspinne). Ziemlich knifflig führt ein Riss durch die steile Wand. Ein paar Klemmer, ein schöner Untergriffzug und ein ominöser Absatz am Riss helfen weiter. Geschenkt ist diese Passage nicht, 6b mag schon sein, die 6b+ von C2C könnte noch besser stimmen.

Zauberei? Nein, Kneebar! Nachher geht's in L5 (6b) dann entlang von einem Riss zur Sache.
L6, 40m, 6b+: Hier könnte man nochmals fälschlicherweise gerade hinauf in die Chrüzspinne abdriften, aber der Indianerpfeiler führt über die etwas splittrig-geneigte Zone deutlich nach rechts. Einige Topos zeigen einen Stand am Fuss des Dachriegels, vor Ort habe ich diesen jedoch nicht wahrgenommen. Grundsätzlich wäre es aber schon sinnvoll, am Fuss des Riegels Stand zu machen, denn sonst könnte ein Sturz trotz der engen Absicherung noch bald einmal auf dem flachen Gelände darunter enden. Der Überhang ist dann richtig athletisch und ohne sich kurz mal gescheit festzuhalten und einen weiten Move durchzuriegeln geht das nicht, was den Rahmen der Plaisir-Bewertung von 6b m.E. sprengt - alle anderen Topos bewerten mit 6b+, aber sogar die 6c von C2C könnte realistisch sein. Danach führt immer noch steile, sehr schöne Tropflochkletterei, zum Stand mit Wandbuch hinauf.

Nach dem anstrengenden Überhang folgt in L6 (6b+) sehr schöne Tropflochkletterei.
L7, 30m, 6a+: Hier klettert man nun der Kaminverschneidung entlang, steil und athletisch! Die linke Seitenwand ist bisweilen etwas brüchig, passt aber schon! Als Zeitvertrieb (und klettern ist ja nichts anderes) lässt es sich auch sehr schön in der rechten Wand alleine moven, teils gemeinsam mit dem Verlauf vom Game Girl. Zuletzt dann geht das nicht mehr, über die Schuppen steigt man athletisch zum Routenende aus.

In der teils kaminartigen Verschneidung oder rechts davon in der Wand klettert sich L7 (6a+).
Ein paar Minuten vor 16.00 Uhr hatten wir dieses erreicht, die Kletterei hatte uns also rund 2:40h in Anspruch genommen. Durch ein grasiges Couloir könnte man noch 15m zum Grat aufsteigen, müsste dann allerdings auf die zentrale Abseilpiste wechseln. Ich stand ja schon etliche Male auf dem Ofen-"Gipfel" und mein Kletterpartner verspürte das Reissen auch nicht, so fädelten wir gleich die Seile und glitten in die Tiefe. Das gelang super-effizient, mit 3x50m unter Benutzung der Stände von Schwarz Peter standen wir bereits wieder am Wandfuss. Das erfordert aber die Bereitschaft, das Seil wirklich bis zur letzten Faser auszunutzen und etwas Zutrauen, dass dann zum Seilende schon wieder ein Stand auftaucht. Am Wandfuss gab es auch nicht mehr viel zu tun, wir packten zusammen und gingen nach Osten, um über das Geröll zu surfen. Zügigen Schrittes marschierten wir retour zum Unter Boden und mit dem Bike in wenigen Minuten an rasanter Fahrt zum Parkplatz, wo sich der Kreis um 17.30 Uhr schloss. Schlussendlich war die ganze Tour doch prima aufgegangen, die Nässe war kein Faktor gewesen, das Wetter hatte gehalten und der Indianerpfeiler bot sehr schöne Kletterei mit einigen "nicht ganz ohne"-Stellen, das war doch wirklich ein perfektes Programm als Ruhetag für einen geschundenen Sportkletterer.

Facts

Ofen - Indianerpfeiler 6b (6a+ obl.) - 7 SL, 190m - Britschgi/Thalmann 1983 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express (einige davon verlängerbar), evtl. Cams 0.5-1

Ursprünglich eine kühne Freikletterroute, heute zu einer schönen Plaisirtour umfunktioniert. Nach einem einfachen, aber brüchig-herben Auftakt folgt tatsächlich prima Kletterei mit ein paar sehr lässigen Passagen und einem zähen Überhang als Schlüsselstelle. Die Route ist nach mehrmaligem Hinzufügen von Sicherungspunkten nun prima auf Stufe "Plaisir gut+" bzw. xxxx gesichert. Hier und da könnte man in den Querschlitzen schon einen Cam versorgen, wenn man denn wollte. Als nötig empfunden haben wir dies jedoch nirgends. Der Ofen ist in diversen Topos enthalten (Plaisir Ost, Extrem Ost, SAC-Kletterführer Zentralschweizer Voralpen). Eine vollständige Übersicht erhält man gratis und franko auch hier. Zuletzt noch der übliche Hinweis: die Strasse zum Unter Boden darf (und soll!) mit dem Auto nicht befahren werden. Das Klettern am Ofen ist vom 15.11.-15.5. nicht erlaubt und bis am 15.6. besteht zusätzlich ein empfohlener Kletterverzicht.

Samstag, 27. Juni 2020

Handegg - Herrenpartie (6b)

Die ersten Routen an der Spiegelwand bei der Handegg wurden wie viele anlässlich der Erschliessungswelle zum Ende der 1970er-Jahre von Hans Howald und Gefährten eingerichtet. Sie führen durch sauberen, über weite Strecken vom Gletscher polierten Granit und bieten vorwiegend Reibungskletterei. Aufgrund der spärlichen Absicherung gerieten diese im Lauf der Zeit mehr und mehr in Vergessenheit. Aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde der Sektor mit der Sanierung von Herrenpartie und Schiefer Traum im 2015/2017. Nun verirren sich - absolut zurecht -  wieder vermehrt Kletterer an diese Wand hinauf. Weil der Zustieg ein wenig länger und auch ein wenig alpiner wie zu vielen anderen Grimsel-Sektoren ist, geniesst man jedoch immer noch ein wenig mehr Einsamkeit. Auch wir wollten die Spiegelwand erkunden, aufgrund von (im Frühjahr stets präsenten) Schneeresten wählten wir schliesslich die etwas einfacher zugängliche Herrenpartie.

Sicht vom Bügeleisen gegenüber auf die Handegg-Wände mit dem Zustieg und dem Verlauf der Herrenpartie.
Der Zustieg erfolgt vom Kraftwerk Handegg, bitte die im Plaisir West ausgewiesenen Parkplätze benutzen, man darf sein Auto nicht überall hinstellen. Man läuft dann am Kraftwerksgebäude vorbei, unmittelbar dahinter beginnt der ausgeschilderte Pfad, welcher in wenigen Minuten auf die aufgeschüttete Ebene hinaufführt. Hier hält man sich nach links, biegt um die Ecke und passiert den Einstieg vom Katzenpfad. Am linken Ende dieser Felszone geht's ca. 30m steil durch ein Couloir hinauf (Fixseil, freigeklettert ca. 3a), über welches man ein Erlenwäldchen mit Pfadspuren erreicht. Durch dieses hindurch in wieder offenes Gelände. Man quert die felsige Zone, d.h. den Auslauf der Schlucht zwischen Spiegelwand und Ölberg, nach links zum Fuss der Spiegelwand. Hier hält sich bis in den Sommer hinein ein Schneefeld, welches den Zugang zum Originaleinstieg der Herrenpartie, bzw. der etwas rechts davon verlaufenden Sanierungsvariante erschwert. In diesem Fall muss man entweder alpines Gerät mitführen (und die potenzielle Randkluft beachten) oder den alternativen Einstieg links in der Verschneidung wählen.


Im Zustieg mit Aussicht auf die Spiegelwand, gerade vor der heiklen Zone (siehe Beschrieb unten).
Achtung: solange oberhalb in der Schlucht noch Schneeresten liegen, kann in der Querung der Auslaufzone und beim unteren Einstieg erhebliche Eisschlag- bzw. Schneerutschgefahr herrschen. Zur Zeit unserer Begehung lagen grosse, von unten nicht einsehbare Blöcke auf Abpfiff und prompt kam es im Tagesverlauf zu 2 massiven Abgängen. Daher wachsam sein und im Zweifel über die Verschneidung links einsteigen, die heikle Zone im Zustieg hat man in wenigen Sekunden überquert. Der Weg zur Verschneidung führt (bei Ausaperung) durch eine geröllige Zone, solange das Schneefeld noch vorhanden ist, muss man links recht steil etwas exponiert über eine Art Moräne schnafeln und dann zum Einstieg queren. Um 10.30 Uhr waren wir bereit zum Starten, die Sonne hatte uns eben erreicht.

L1, 40m, 3b: Aufgrund der Darstellung im Plaisir könnte man in Versuchung kommen, diese Länge seilfrei oder mit Turnschuhen zu begehen. Das scheint mir gar nicht empfehlenswert, doch eigentlich erkennt man schon von unten, dass man es hier nicht mehr mit Semi-Gehgelände zu tun hat. Wesentlich einfacher wie die letzten paar, mit 5b bewerteten Herrenpartie-Längen dünkte mich dieser Abschnitt jedenfalls nicht. Ein bisschen schade, dass die Variante wenige Meter rechts der Verschneidung über die schöne Platte nicht auch saniert ist, die wäre sicher attraktiv. Vermutlich aber gehört sie zum 'Soläblitz'. Es stecken 2 Uralt-Bolts, vermutlich ginge es auch so - den Schneid es auszuprobieren hatte ich vor Ort aber nicht. Für die kleine Verschneidung im oberen Teil dieser Alternativlänge bräuchte man vermutlich auch mobiles Material.

In der Einstiegsverschneidung (L1, 3b) - mich dünkt, dass diese Länge nach Plaisirbewertung eher ein Fünfer ist.
L2, 40m, 5a: Im Plaisir ist dieser Abschnitt komplett als Gehgelände aufgeführt. Tatsächlich kann man auf dem grasigen Band mühelos nach rechts gehen, allerdings müsste man sich dann drüben ohne Stand und Sicherung den Vorsteiger in der nominellen L1 kümmern, was wenig empfehlenswert scheint. Besser also eine Seillänge machen - übers Band, dann noch über 2 Bohrhaken hinauf (ca. 5a) zum Stand mit Drahtseil, gemäss der Plaisir-Zählung quasi der nullte Stand der Herrenpartie.

L3, 30m, 5a: Über erst noch etwas gestuftes Gelände geht es aufwärts, bevor man nach links quert. Das löst sich alles viel einfacher auf, als man von unten meinen könnte. Auch das Bächlein, das hier herunterrann, liess sich problemlos queren, man musste kaum nasse Griffe und Tritte benutzen.

Die letzten, gemässigten Meter (L3, 5a), bevor es dann bald richtig ernst gilt. Auf 11 Uhr der Kletterin die absturzbereiten Schneemassen.
L4, 35m, 6a: Nun gilt es ernst, gleich vom Stand weg folgt die erste richtig schwierige Kletterstelle. Im Originalzustand war das eine echt kühne Sache, der alte Bohri steckt erst sehr weit oben. Heute ist die Stelle jedoch bestens abgesichert, man darf auf dieser Strecke bereits 3x klippen. Etwas Struktur mit ein paar kleinen Leisten und Tritten hilft einem hier vorwärts, Klasse! Es geht dann etwas einfacher dahin, bis man zum Schluss unmittelbar neben der grasigen Verschneidung nochmals fein klettern darf.

Am Ende von L4 (6a) zwingen uns erste Rinnsale auf eine leicht schwierigere Linie links der Haken.
L5, 40m, 5c: Erst noch in der Verschneidung, dann klettert man über diese hinweg auf die Platte. Da offenbarte sich für uns endgültig, dass die Herrenpartie zwar durchaus mittig im trockensten Bereich zwischen den zwei markanten Wasserstreifen durchführt, aber eben durchaus noch manches Neben-Rinnsal vorhanden war. Etwas erschwert musste man einen ca. 1m breiten, trockenen Streifen etwas neben der gut benetzten Hakenlinie benutzen - wobei, in einer Route wo es kaum Griffe und Tritte hat, sollte eigentlich auch das gehen (war dann auch der Fall, mir schien dieser Abschnitt jedoch schwieriger wie 5c). Der weit aussehende Hakenabstand löst sich übrigens perfekt auf.

Klettern unter erschwerten Bedingungen in L5 (5c) - aber es ging!
L6, 40m, 6b: Die Crux! Am Anfang geht's erst noch gut, wobei man nach dem ersten Haken sein Gespür für die Reibung bereits einmal kalibrieren kann. Ein paar unerwartet auftauchende Leisten erlauben aber generell zuerst ein noch recht kommodes Vorwärtskommen. Zuspitzen tut sich die Sache nicht unerwartet dort, wo schon Hans Howald 1979 seinen Bohrer für die damals einzige Zwischensicherung auf dieser Seillänge angesetzt hat. Vom heute vierten Bohrhaken weg gilt es ernst, in Reibungskletterei am Haftungslimit muss man mit präzisen Bewegungen in die Höhe schleichen - immer wieder ein aufregendes Gefühl, cool! Früher war diese Stelle nur mit VI- (d.h. 5c) bewertet. Ich vermute aber, dass man damals 2-3m weiter rechts an der kleinen Verschneidung geklettert ist, was etwas leichter (aber dafür nicht immer trocken) sein dürfte. Wenn man nicht schon vorher ins Rutschen gekommen ist, so kriegt man schlussendlich wieder ein paar Leisten in die Hand und kann etwas kontrollierter Voranschreiten. Doch am Ende dieser Länge, vom alten Muniring hinauf zum neuen Stand wartet nochmals eine knifflige Passage (siehe Video).

Rückblick auf die steil-glatte Reibungspassage der Crux (L6, 6b), noch im Vorstieg auf einer guten Trittleiste fotografiert.
L7, 40m, 5b+: Die letzten vier Seillängen der Herrenpartie bieten sehr schöne, nun aber markant einfachere Reibungskletterei. So kann man es gut zusammenfassen, allerdings könnte man zum Start dieser Seillänge durchaus fragen, ob der werte Herr Dettling bei diesem Fazit nicht ein wenig stark generalisiert hat. Die ersten Schritte vom Stand weg heisst's nochmals sauber schleichen, es ist gleich die anspruchsvollste Passage. Nachher geht's über den Plattenrücken wenige Meter neben dem grossen Pfeiler mit seiner etwas grasigen Verschneidung dann deutlich gemässigter vorwärts.

L8, 50m, 5b: Hier gibt's etwas Abwechslung, da man zuerst (natürlich immer noch vorwiegend auf Reibung) einer Verschneidung entlangklettert. Auch weiter oben folgen einige Rippen, die man gut als Seitgriffe nutzen kann. Insgesamt eine gemütliche Sache.

Wunderbar geniale Reibungsplatten warten im oberen Teil der Herrepartie - da hat der Gletscher saubere Arbeit geleistet.
L9, 45m, 5b: Viel gibt's hier nicht zu sagen, es gibt kaum Griffe/Tritte - reine Reibungskletterei, wo man einfach in die Höhe schleichen, laufen, spazieren, flanieren, ... kann. Speziell: bei den alten Haken sind die Ringe ganz schön in die Länge gezogen, auch bei den neuen Bolts sind die Plättli schon deutlich flachgedrückt. Hier liegt im Winter wohl oft ein Schnee- oder Eispanzer auf dem Fels, der langsam zu Tale kriecht.

L10, 35m, 5b: Der schwierigste Schritt folgt gleich nach dem Stand, danach geht's sehr schön und einfacher über einige typische Handegg-Badewannen hinweg, bevor man zum einfachen Reibungs-Schlussspurt exakt mittig zwischen Wasserstreifen ansetzen darf.

Geschafft! Die letzten Meter in L10 (5b) sind flacher, da müssen die Plattenkrallen nicht mehr zum Einsatz kommen.
An dieser Stelle endet die Route, original führte sie noch 2 Seillängen weiter. Da das Gelände oberhalb aber flacher/einfacher und weniger interessant wird und zudem viele lose Steine herumliegen, deren Auslösen die ganze Wand und alle Kletterer gefähret, haben die Sanierer entschieden, das Material oberhalb abzubauen. Es war gut 14.00 Uhr, wir hatten also rund 3:30 Stunden gebraucht - wenn man kann und will, geht es sicher auch schneller. Da uns aber ein wunderbarer Bergtag vergönnt war und wir die ganze Spiegelwand für uns hatten, nahmen wir es gemütlich, schossen ausgiebig Fotos und liessen auch einige Verpflegungspausen nicht aus. Insbesondere die Einblicke auf die oberen Längen vom Siebenschläfer waren spannend, die kannten wir ja von unserer Begehung 10 Tage zuvor bestens. So konnten wir allen Seilschaften bei ihrem Treiben zusehen, die Stellen kommentieren und jeweils prophezeien "Achtung, jetzt kommt er/sie dann ins Rutschen (oder greift zum Haken)". An der äusserst glatten und kniffligen Crux in L5 vom Siebenschläfer (6b+) bewahrheitete sich diese Prognose jedes Mal ;-) 

Coole Perspektive auf die oberen Seillängen vom Siebenschläfer.
Schlussendlich war es dann aber doch Zeit zum Abseilen. Auf den glatten Platten geht es mühelos, da das Seil jeweils selbständig in die Tiefe gleitet, perfekt. Es sind aber doch 9 Strecken, gefolgt vom alpinen Abstieg über die Moräne, die immer noch den Eisblöcken ausgesetzte Traverse, das Erlenwäldchen und schliesslich das Couloir. Dann konnten wir es rollen lassen und ab ins Restaurant Handegg. Da zeigte sich dann, dass wir doch ein wenig mehr auf die Tube hätten drücken sollen. Die Küche hatte an diesem Tag schon ab 16 Uhr geschlossen. Diese Marke hatten wir um wenige Minuten verpasst, so dass die erhofften Pommes-Frites leider ausfallen mussten. Es gibt ja aber noch einige Handegg-Touren mehr, so dass wir sicher zurück kommen werden und uns dann möglicherweise gleich eine Doppelportion gönnen werden :-)



Facts

Handegg - Herrenpartie 6b (5c+ obl.) - 10 SL, 400m - H. Howald et al. 1979, saniert 2017 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig und kaum einsetzbar

Die Route bietet nahezu ausschliesslich Reibungskletterei in geneigtem, vom Gletscher polierten und sauberem Granit. Wer an dieser Art Kletterei Freude hat, kommt also voll auf seine Kosten. Negativ bemerken mag man die Absenz von Abwechslung oder ganz markanten Passagen. Die Sanierung durch Roland & Renate Kernen und Knut Burgdorf im 2017 ist vorbildlich ausgefallen. Die Route wurde wo nötig/sinnvoll korrigiert und durch die schönsten Passagen gelegt, die Haken stecken so, dass man die Kletterei stressfrei geniessen kann, aber trotzdem noch ein gewisser Anspruch besteht - perfekt! Noch grösser sind die Änderungen beim (meist nassen) Originaleinstieg (R. 315b im Topo unten), wo man auf 2 Seillängen einer komplett neuen, besseren Linie folgt. Früh im Jahr ist aber auch dieser wegen dem grossen Schneefeld nicht zugänglich - man kann dann über die Verschneidung links aussen in die Route gelangen. Die Route ist im Plaisir West 2019 mit der linken Einstiegsvariante aufgeführt, an dieser Stelle wird das Topo vom Sanierungsteam zur Verfügung gestellt - vielen Dank!


Freitag, 19. Juni 2020

Gelmerfluh - Sagittarius (6b)

Weil es "im Restaurant Handeck so feine Pommes-Frites gebe" wollten die Kinder nach dem Auffahrts- nun auch das Pfingstweekend am Grimsel verbringen. Nun denn, Motivation ist alles, mit der Absicht neben kulinarischen Genüssen auch noch die eine oder andere Granittour zu klettern, fuhren wir erneut mit im überhängenden Kalk müde sportgekletterten Fingern ins Haslital. Da ganz offensichtlich noch wenig los war, ergab sich für Larina und mich am Pfingstsonntag schliesslich die spontane Gelegenheit, die enorm populäre Sagittarius an der Gelmerflue zu klettern. Diese wurde im 2003 vom Team Filidor um Jürg von Känel mit vielen Bolts super eingerichtet, wobei die Route teils alten (noch heute sichtbaren) Spuren folgt. Sie bietet nach 3 noch eher durchschnittlichen Auftaktseillängen vor allem im mittleren und oberen Teil wirklich hervorragende Kletterei mit viel Abwechslung. 

Das sind Ausblicke! Der 30m-Riss im mittleren Teil der Sagittarius (L7, 6a+) bietet wirklich fantastische Granitkletterei!
Der Zustieg vollzieht sich ab Chuenzentännlen P.1597 an der Grimselstrasse. Der Zustieg folgt einem gut ausgetretenen Pfad, allerdings ist gerade das erste Stück am dem PP wenig ausgeprägt, so dass ein wenig Spürsinn gefragt ist. Das Weglein führt nach rechts hoch zum Fuss der rechten Gelmerfluh-Platten, von wo man nach links der schon vom PP erkennbaren Rampe folgt. Diese ist breiter und einfacher zu begehen, als es a priori den Anschein macht, trotzdem warten auch ein paar mässig exponierte Kraxelstellen in etwas plattigem Fels (T4+, teils I-II). Im Frühjahr halten sich oft lange Schneereste, was die Sache heikel machen kann - im extrem trockenen 2020 gab es jedoch bereits Ende Mai nur letzte, kleine Batzen, die harmlos und umgehbar waren. Nach total 20 Minuten erreichten wir den bequemen Platz unmittelbar vor den Einstiegen, wo man sich bereit machen und das Material sicher verstauen kann - erstaunlich, wie manche Leute hier an diesem betriebsamen Ort mit viel Vertrauen ihre Schuhe an exponierten Plätzen deponiert hatten... so tritt wohl öfters mal einer, losgelöst durch ein ausgeworfenes Seil oder eine unachtsam abseilende Person den Weg in die Tiefe an. Item, eine erste Seilschaft war bereits in der Mitte der Sagittarius unterwegs, eine zweite hatte eben den ersten Stand erreicht und von hinten rückten weitere Leute heran. So hiess es einsteigen, wofür man vom Depot noch etwas nach links hinauf zum beschrifteten Start steigen muss. Um 10.30 Uhr ging es schliesslich los.

Wandbild mit dem (perspektivisch etwas verzerrten) Verlauf der Sagittarius. Ich fand immer (und finde immer noch), dass die Wand von der Strasse gar nicht so überaus attraktiv aussieht. Aber es täuscht hier wirklich, die Kletterei ist viel lohnender, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.
L1, 5a & L2, 5c+: Die ersten beiden Abschnitte können auch mit 50m-Stricken gut zu einer Seillänge zusammengefasst werden. Zuerst geht's noch etwas alpin über Stufen und das Grasband nach links, schliesslich an etwas runden Rissen mit einer kurzen Reibungspassage hinauf, wo schon bald der erste Stand folgt. Der zweite Teil ist deutlich schwieriger: weiterhin gibt's runde Risse, eine kleine Verschneidung und auch ein paar Leisten in der Platte - hier muss definitiv schon da und dort geschaut und schlau angetreten werden.

L3, 6a: Die im Topo mit Kusiplatte benannte Sequenz weckt einige Erwartungen, es handelt sich aber um eine der am wenigsten lohnenden Seillängen der Tour. Zuerst geht's gut griffig und easy durch eine fast kaminartige Rinne über einen etwas steileren Aufschwung, bevor man schliesslich zur wenige Meter hohen, glatten Platte gelangt. Diese kann mit einem etwas schwierigeren Schritt in einer Delle direkt geklettert werden, alternativ geht's rechtsherum mit Hilfe der rissigen Strukturen wohl einfacher und notfalls sicherlich A0.

Larina folgt auf der Kusiplatte (L3, 6a) - diese ersten 3 Seillängen sind noch nicht ganz das Gelbe vom Ei.
L4, 5c+ & L5, 5c+: Vom bequemen Stand am Pfeiler steigt man ganz wenig auf und quert dann das Couloir in die Wand rechts, wo ein supercooler Abschnitt folgt. Gleich zu Beginn der Wand eine schwierige Stelle auf Reibung, danach turnt man genussreich an diagonal verlaufenden Strukturen in die Höhe. Sofern man über 60m-Seile und genügend Exen verfügt, kann man den etwas links aussen liegenden, mässig bequemen Stand auslassen und gleich in L5 weiterklettern. Diese führt ohne besondere Schwierigkeiten erst einer diagonalen Rissspur entlang. Die Crux folgt gegen das Ende hin an einer kurzen Verschneidung, wo an der runden Kante gedülfert und ziemlich glatt angetreten werden muss. Zuletzt nach links hinauf zum Stand.

Ab hier ändert der Fels und die Kletterei ist viel schöner. Unterwegs in den zusammengehängten L3 & L4 (5c+).
L6, 6a+: Mit der schwarz(-weissen) Kante wartet eine weitere Signature-Stelle der Route. Von weiter unten sieht's noch etwas unnahbar aus, schliesslich präsentiert sich links der Kante aber eine griffige Rissschwarte, die auch bereitwillig Cams fressen würde (ist aber alles eng geboltet). Schliesslich gibt man den Riss auf und entert in etwas schwierigerer Kletterei die Kante, was einen schliesslich leichter zur Crux bringt, die aus einem schwierigen Reibungsschritt in die Verschneidung rechts besteht. Griffe gibt's da so gut wie keine, es heisst hinstehen und darauf vertrauen, dass die Füsse auf der leicht sandigen Platte nicht rutschen (oder am Bolt ziehen, A0 möglich). Ich empfand das als den schwierigsten oder zumindest heikelsten bzw. unkontrollierbarsten Move der Route. Da war ich echt kurz unsicher, aber der Fuss hielt schliesslich...

Sehr schöne Kletterei in L6 (6a+). Larina gerade beim Entern der Kante, die Crux über die schattige Platte im Vordergrund.
L7, 6a+: Der 30m-Riss, das Highlight der Sagittarius! Bevor man an diesem sagenhaften Splitter in die Höhe turnen kann, heisst es aber erst eine Wandstelle zu bewältigen - geht gut direkt, etwas absteigend womöglich einfacher. Dann heisst es vorerst cruisen, stehen doch gleich 3 Risse zur Verfügung - wie gemacht, um zu steigen. Auch Cams könnten hier à discretion versorgt werden, aber in der Sagittarius ist das nicht im Programm (alles eng geboltet). Je weiter man kommt, desto schwieriger wird der Riss, am kniffligsten ist das horizontal nach rechts verlaufende Stück. Zuletzt dann wieder einfacher und eher piazmässig an Schwarten zum Stand.

That's a justified grin! Der 30m-Riss (L7, 6a+) ist die herausragende Seillänge der Sagittarius.
L8, 6b & L9, 6a: Mit Tom's Dach folgt nun die nominelle Schlüsselstelle. Gleich vom Stand weg nach links unter einem kleinen Wulst an ein paar Leisten mit den Füssen auf Reibung nach links, gefolgt vom Mantle auf den guten Tritt an der "Dach"kante. Auf den nächsten 2-3m muss gescheit auf Reibung angetreten werden, danach über das wunderschöne Flachdach (=Platte) üppig strukturiert und genussreich zum unbequemen Stand. Nach meinem Empfinden war das ein 'petit 6b', kein Vergleich z.B. mit der 6b+ Reibungscrux im Siebenschläfer, ebenso massiv einfacher wie die dortigen 6b-Längen oder die 6b-Crux der Herrenpartie, eher vergleichbar mit den Anforderungen am Bügeleisen, welches nur mit 5c+ oder 6a bewertet ist. Aber sei's drum, Kletterbewertungen sind und bleiben individuell-variabel-diskutabel, das weiss man ja schon lange. Wer 60m-Seile und genügend Exen hat, kann den Stand mitten in der Platte auslassen und gleich weiter auf die folgende Länge. Diese verläuft erst weiter auf der Platte (geht gut), der zweite Teil kommt dann steiler, dafür griffiger vorher. Coole Moves an Leisten wollen geplant und sauber ausgeführt werden, super!

Unterwegs in der tollen L9 (6a), hinter der Akteurin die rötliche Platte (Toms Flachdach) über welche L8 (6b) verläuft.
L10 - L13, 5b-6a: Die restlichen 4 Seillängen haben nun einen ganz anderen Charakter, sind sich alle sehr ähnlich und äusserst genussreich zu klettern. Der Fels wird hier steiler, ist aber unverschämt griffig mit vielen Knubbeln und granatenähnlichen Strukturen - etwas Vorsicht ist jedoch nötig, da nicht alle davon bombenfest verankert sind (geht aber schon, keine Sorge). Die Absicherung ist weiterhin super, die angegebenen Schwierigkeiten schienen mir generell, aber auch selbst im Vergleich mit den plattigeren Längen im unteren Teil als etwas zu hoch eingestuft - mir schien das alles eher im unteren bis mittleren Fünferbereich zu sein. Die ganz markanten Passagen fehlen hier, L10 führt nach der Crux zu Beginn direkt über den Pfeiler, in L11 verlässt man diesen nach links, L12 ist gleich zu Beginn nochmals etwas steiler und schwieriger, L13 ist schliesslich sehr kurz. Wir brauchten für diesen letzten Abschnitt nur gerade mehr eine gute Stunde, ein weiterer Beleg dafür, dass es sich um Cruising-Gelände handelt.

Durchaus etwas Exposition und schön griffiges Gelände trifft man in den Seillängen 10-13 der Sagittarius.
Um 14.30 Uhr hatten wir also nach 4:00h gemütlicher und genussreicher Kletterei das Top erreicht, welches wenig oberhalb vom letzten Stand einen vorzüglichen Pausenplatz bietet. Trotz Pfingstsonntag und Grossandrang war soweit alles perfekt aufgegangen. Die beiden Seilschaften vor uns kamen zügig voran, von hinten drängelte niemand nach, so dass wir ohne Hast und mit ein paar Futter- und Umschaupausen an den Ständen unterwegs sein konnten. Der Abstieg erfolgt durch Abseilen über die Route, eine separate Piste gibt es leider nicht. Somit sind unweigerlich alle nachfolgenden Seilschaften zu kreuzen - nicht ganz optimal, geht aber schon. Im oberen Teil sind die Seillängen leider gerade ein wenig zu lang, um Stände überspringen zu können. Andererseits wäre es wegen der Gefahr von Seilverhängern auch wenig ratsam. Hier ist umsichtiges Verhalten und gute Seilpflege angesagt. Die zahlreichen Schuppen sind seilfressend und dieses einfach freizuzerren birgt das Risiko, Steine zu lösen und die zahlreichen Personen weiter unten zu gefährden. Ab L9 geht's dann im plattigeren Gelände rascher voran, hier können schliesslich (selbst mit 50m-Seilen) noch 3 Stände übersprungen werden, so dass man nach 10 Manövern wieder beim Depot steht. Wer gut zu Fuss ist, steigt wohl am besten wieder über das Band ab. Wir wählten den 50m-Abseiler (Stand gleich links beim Depot), der uns auf dem Schnee am Wandfuss deponierte. Bei Ausaperung muss man hier nochmals 30m abseilen (der Stand wäre zugänglich gewesen, bei sehr viel Schnee ist er dies aber u.U. nicht!), doch da der Schnee schön weich war, liess es sich gut absteigen. Um 16.30 Uhr waren wir retour an der Strasse, jetzt war es höchste Zeit für die versprochenen Pommes-Frites!!!



Facts

Gelmerfluh - Sagittarius 6b (5c+ obl.) - 13 SL, 400m - Jürg von Känel et al. 2003 - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 13 Express, Cams/Keile nicht nötig

Hochfrequentierter Plaisir-Klassiker mit abwechslungsreicher Kletterei über Platten, Risse und griffige Wandabschnitte. Der Zustieg ist kurz, was natürlich zur Beliebtheit beiträgt. Trotz der Kürze erfordert er leichte Kraxelei und sollte auch nicht auf die allzu leichte Schulter genommen werden, solange im Frühjahr noch Schnee auf dem zu querenden Band liegt. Die Route selber scheint mir wenig von Wasserstreifen betroffen und dürfte damit früh im Jahr und auch nach Regenfällen bald wieder geniessbar sein. Der Absicherungsstandard "Plaisir super" ist hier sicher gerechtfertigt, überall wo es schwierig ist, stecken die Haken eng, nur im einfacheren Gelände muss man hier und da mal ein wenig über  die Haken steigen. Die Bewertungen sind im Grimsel- bzw. Granitvergleich eher milde ausgefallen. Somit erstaunt es nicht, dass es hier viel Andrang von Kletterern aus allen Herren Länder gibt. Stark variierendes Können und Erfahrung der Seilschaften, unterschiedliche Geschwindigkeiten und Vorstellungen von Kooperation und Standhandling können eine ebenso grosse Herausforderung wie die Kletterei an sich bieten. Man plane seine Begehung also entsprechend! Das Topo findet man im Plaisir West 2019, Band I sowie auch in älteren Ausgaben desselben Werks.