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Donnerstag, 6. August 2026

Hautes Alpes 2026

Wie schon seit einem Jahrzehnt sind wir auch diesen Sommer wieder in die Hautes Alpes in Frankreich gereist. In den früheren Jahren wurden die Erlebnisse blogtechnisch jeweils in die MSL-Berichte verpackt. Im 2026 sind längere Klettereien aber so spärlich ausgefallen, dass ein separater Beitrag fällig ist, um die Erinnerungen für später aufzubehalten. Ob, wann und wie der Trip überhaupt stattfinden würde, war bis kurz zuvor unbekannt und davon abhängig, für welche internationalen Wettkämpfen sich Larina selektionieren konnte. Nun, die Gelegenheit um nach Frankreich zu reisen kam und mit ihr viele tolle Klettererlebnisse - auch wenn das Geschehen vor Ort durchaus im Zeichen des Wettkampfsports stand. Aber seht selbst!

Unterwegs zu einer Nachmittagssession am dann schattigen Rocher Prat im Vallé Clarée.

Etwas Hals über Kopf reisten wir schliesslich an. Erst zu zweit, die andere Hälfte der Familie musste sich erst noch den arbeits- und schultechnischen Verpflichtungen widmen. Etwas Künstlerpech hatten wir bei der Anreise: in der Schweiz herrschte bestes, heisses und stabiles Wetter, im Süden war genau dieser Tag hingegen instabil. Generell war der Sommer 2026 natürlich auch (viel zu) trocken. Ja, in unmittelbarer Nähe zum Basecamp wütete während einer Woche sogar ein grosser Waldbrand. Nun gut, ziemlich sicher hätten man diesen behördenseitig besser managen können. Aber immerhin war er für uns weder gefährlich noch einschränkend, schade ist es vor allem für die Natur. Kurzum, der Regentropfen fielen nicht manche. Aber leider gerade am ersten Abend, als wir unser Basecamp installierten. Nicht gerade die Erfahrung, die man unbedingt braucht. Aber naja, diese Episode hatten wir natürlich bald wieder vergessen.

Blick vom Klettergebiet Rue des Masques auf den Waldbrand im Raum Freissinières - L'Argentière.

Natürlich war es auch sehr heiss, so dass nur die schattigen und idealerweise die hoch gelegenen Spots genutzt wurden. Wir schickten uns in unseren Rhythmus, welcher 1 Tag hart projektieren, 1 Tag mehr ausdauerorientierte Mileage und 1 Tag Krafttraining, aber Ruhe für die Griffel bedeutete. Wobei dies für mich mehr bzgl. dem Sichern galt, ich kletterte schliesslich wie so oft praktisch jeden Tag und halt das, was mir unter die Finger kam. Eine der ersten Adressen waren die Konglomeratüberhänge im Rue des Masques. Schon seit 3 Jahren hatten wir der Ciao Criquet (8a) immer mal wieder einen Versuch gegeben. Larina erledigte sie dieses Jahr nach dem Motto "progress is sweet" souverän im 2nd Go. Bei mir gilt hingegen erneut: maybe next year, idealerweise vielleicht mit kühl-grippigen Conditions statt einer Affenhitze. Mit der Big Bolchoï (7c) konnte ich schliesslich doch noch einen Erfolg verbuchen - verbunden mit der schon oft konstatierten Erkenntnis, dass mir die stark athletische Kletterei an den kleinen Löchli im Konglomerat eher nicht so liegt.

Dieses Foto ist nicht vom (generell eher nicht so fotogenen) Rue des Masques, sondern vom alpinen Klettergebiet in Tournoux, welches wir ebenfalls an den ersten Tagen zwecks ausdauerorientierter Mileage besucht haben. So richtig steil sind diese Wände definitiv, wie man es am linken Bildrand problemlos erahnen kann.

Ein weiterer Fixpunkt mit besserem Liegefaktor für mich ist die ebenfalls steile, klein-feine Granitwand in Entraygues. Dieses Jahr versüsst mit der Anwesenheit von Weltklasse-Athleten und tatsächlich konnten wir allerbesten Klettersport live miterleben: gleich 2x einen Send einer 9a+ und obendrein noch eine 8c+ im Flash, absolut crazy. Eindrücklich ist nicht nur der physische Level dieser Athleten, sondern sie können halt auch einfach verdammt gut moven. Diese Effizienz und Präzision auch unter höchstem Druck und am absoluten physischen Limit, crazy! Das imponiert mir sehr und während es mir klar ist, dass man mein altes Chassis nicht mehr mit den neusten, leistungsfähigsten Hardware bestücken kann, so hat man den Eindruck, dass man zumindest die Software auf ebensolche Effizienz programmieren können sollte. Aber wie man es kennt, wenn man auf einem alten Computer ein neues Betriebssystem installieren will - es funktioniert nicht immer wie gewünscht.

Das ist nicht in Entraygues (sondern am Pont d'Asfeld) und zur internationalen Spitze zählt die Kletterin auch nicht. Aber hier vollführte sie einen lupenreinen Onsight in der sehr technischen und komplexen Misanthrop'hic (7c+), das war ebenfalls sehr eindrücklich anzuschauen!

Eine Fun Story dieser Gegebenheit in Entraygues ist noch, dass die Crew einem Athleten hoch oben in der Wand eine Exe zuzuwerfen versuchte, da sie ausgetauscht werden musste. Bei den vielen Fehlversuchen landete sie mal hier und mal da auf dem Boden, und irgendwann genau in meiner Hand. "Next try is mine!", und der war gleich erfolgreich! "Nice one, I'm sure you are a basketballer" war der Kommentar. Kommt nicht von ungefähr, denn schliesslich bin ich tatsächlich mindestens einen Kopf grösser wie alle diese Spitzenkletterer. Aber nein, Basketball ist nicht mein Hobby, meine Versuche fanden in der Maudite Draperie (7c+) statt. Na gut, für 9a+ Cracks ist das vielleicht in etwa dasselbe wie Basketball 🤭 Eigentlich hätte es gehen können, aber auf den abschüssigen Leisten ging mir jedes Mal die Power aus, bevor die Cruxsequenz komplett gemeistert war. Als ich dann müdigkeitsbedingt nicht einmal mehr meinen Highpoint matchen konnte, schien mir der Send endgültig aus den Fingern zu gleiten. Doch plötzlich kam eine starke Brise auf (die schliesslich nur etwa 20 Minuten anhielt), das war der Game Changer. Nochmals los, tatsächlich fühlten sich die Griffe gleich eine Klasse besser an. Mit dem absoluten Drang nach oben pfefferte ich den Dyno auf den Sloper am Ende der Crux und blieb durchaus etwas mirakulös an der Wand. Im 6. Go des Tages noch gesendet, das war Beharrlichkeit pur.

Sorry, keine Fotos gemacht in Entraygues. C'est la vie wenn der Autor klettert und seine Frau sichert. Aber dann zeigen wir halt nicht meinen Jump zum Rettungs-Sloper in der Maudite Draperie (7c+), sondern einen von Jerome im Bikepark von L'Argentière. Auch dieser eine tolle Attraktion und immer einen Besuch wert (gratis für alle!).

Weiter auf Tuchfühlung mit (anderen) Spitzenathlet:innen waren wir bei unserem Besuch in Céüse. Für die von uns gekletterten Routen erhalten wir jedoch sicherlich keinen Orden. Aber dafür vielleicht für die Tatsache, dass wir nun 10 Jahre in Folge jeden Sommer mindestens 1x dort hinauf gepilgert sind?!? Das ist jedes Mal ein sehr schöner Ausflug und die Kletterei dort sagt mir sehr zu. Gut, auf die vielen Leute und die Politur könnte man verzichten, das Bolting ist nicht immer sehr konsumentenfreundlich. Dafür aber sicherlich für Emotionen sorgend und der Fels ist halt einfach göttlich. Da immer nur auf kurzer Visite habe ich mich dort stets nur auf zügig machbare Routen fokussiert. Auf 30 Stück zwischen 7a und 7b+ steht der Counter, inzwischen gibt's schon fast das Problem, dass die besten Touren in den Hauptsektoren auf diesem Level etwas ausgeschöpft sind. Trotzdem, nächstes Jahr kommen wir hoffentlich wieder. Ob wir erneut mit Janja und Alberto klettern und Pizza essen können ist zwar nicht garantiert, eine Menge an starken Leuten werden aber sicher trotzdem dort sein.

Dieses Jahr kletterten wir in Céüse im Sektor Grand Face.

An einer noch nie dagewesenen Menge von 2 Tagen ruhten meine Griffel komplett. Am einen davon nahm ich mit Jerome die Tour auf den Mont Chaberton (3131m) in Angriff. Das ist ein dominanter Gipfel über dem Col de Montgenevre von militärisch-strategischer Bedeutung. Deswegen wurde in der Zeit zwischen den Weltkriegen auf dem Gipfel von den Italienern eine Festungsanlage installiert, welche 1940 von den Franzosen zerstört wurde. Die verfallenden Ruinen mit all ihren Gängen und Kavernen sind im Sinne eines Lost Place zugänglich. Sportlich wie wir ja sind, reisten wir mit dem Bike hin, nahmen einige Trails und somit Extra-Höhenmeter mit und fuhren so weit wie es ging (ca. 2130m). Es blieben also noch 1000hm Ultra-Schottering über die geröllige Westflanke hinauf, wo sich die Hitze nur so staute. Spannend war's, aber streng - stattdessen einen weiteren Tag einfach Sportklettern zu gehen, hätte mich sicherlich weniger Körner gekostet. Nächstes Jahr werden die Ruhetage also wieder gestrichen.

Impression aus den Kavernen am Mont Chaberton.

Mont Chaberton: Ruinen am Abgrund.

Der Mont Chaberton ist hoch und steht isoliert. Links am Bildrand die Geschütztürme.

Einige kürzere Klettertage ergaben sich auch durch das Training von Larina. Eine coole Entdeckung war die Mur d'Escalade von Briançon, wo im 2024 das letzte Mal der Weltcup Halt machte. Zum Training für Wettkämpferinnen war's genial. Es gab viele, im Comp-Style geschraubte Routen ab 8a aufwärts. Outdoor, Wind und Schatten erlaubten gute Bedingungen (jedenfalls viel bessere als in den hitzegeplagten Hallen hierzulande!) und gerade mal 12 Euro Eintritt bezeugen schon, an welche Preisverhältnisse wir uns in der CH gewöhnt haben. Selbst kletterte ich jedoch nie am Plastik und verlegte meine Aktivität jeweils am Nachmittag an den Fels. Da gaben wir logischerweise dann einigen nach Osten exponierten Gebieten den Vorzug, die wir bis dahin noch nie besucht hatten - für ganztägige Felssessions bieten sich diese halt weniger an. So kriegten am Ende schlussendlich alle das, was sie am liebsten hatten.

Sowas wie Le Nid in Briançon nähmen wir hier auch sehr gern!

Der Höhepunkt vom Kunstwand-Klettern war dann schliesslich das Tout à Bloc. Diesen sehr populären, internationalen Boulderwettkampf kannten wir natürlich schon von den früheren Jahren bestens. Zwei Mal hatte Larina bis dato teilgenommen, nämlich im 2020 (U12) und im 2024 (U16). Rein altersmässig hätte es dieses Jahr noch für die U19 gereicht. Diese war jedoch schon ausgebucht, freie Plätze gab es nur noch bei der Elite. Aber wer an die Spitze will, darf diese Konkurrenz natürlich nicht scheuen. Es fehlten zwar die absoluten Topshots der Weltbühne, doch unter den Teilnehmerinnen waren doch etliche dabei, welche Halbfinal-Teilnahmen an Weltcups vorweisen können. Und natürlich mangelt es an talentiertem, französischem Nachwuchs auch ganz und gar nicht. Jedenfalls, 2x2.5h standen fürs Punktesammeln bei total 31 Bouldern zur Verfügung. Insbesondere das geschickte Haushalten mit der Energie und das Beobachten bzw. Ausnutzen von Beta-Finessen machten sich hier natürlich bezahlt - und dieser Strategie-Part war meine Aufgabe als Coach, das machte ich natürlich sehr gerne. Belohnt wurde der Einsatz mit sehr zufriedenstellenden 20 Tops und Rang 17 - bravo!

Die Boulder am Tout à Bloc sind zu ca. 2/3 outdoor, der Rest ist in einer Turnhalle. Mit einer Session am späten Vormittag und der zweiten gegen Abend hiess es auch, so zu planen, dass man vorwiegend am Schatten klettert. Bei Nr. 31 allerdings zwecklos, der wurde permanent bestrahlt.

Alors, c'est ça mit den Hautes Alpes 2026. Bis hoffentlich im nächsten Jahr wieder. Der Leser darf sich etwas kurzfristiger noch auf den Bericht der einzigen MSL-Kletterei von diesem Trip freuen, demnächst auf diesem Kanal.

Samstag, 22. August 2020

Tout à Bloc & Ceüse 2020

Das Tout à Bloc ist ein internationaler Boulder-Wettkampf, der in den Sommerferien in L'Argentière-la-Bessée im Haut Val Durance abgehalten wird. Schon bei früherer Gelegenheit hatten wir an diesem Anlass die Leistungen von vielversprechenden Nachwuchshoffnungen und internationalen Topcracks bestaunt. Beim Wettkampfgeschehen haben wir uns ja in der Zwischenzeit von Zuschauern zu regelmässigen Teilnehmern gemausert. Als sich dann herausstellte, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt vor Ort wären, so war es natürlich fast Pflicht, die Fähigkeiten auch einmal gegen internationale Konkurrenz zur Prüfung zu stellen. 

Leider aber war die populäre Senioren-Kategorie bereits ausgebucht und auf eine U10 wurde aufgrund von Corona verzichtet, so dass schliesslich nur Larina Aufnahme im Teilnehmerfeld der U12 finden konnte - da war der Rest der Familie schon etwas neidisch. Das Anmeldeprozedere war an sich ganz einfach (via Website). Wenn man über keine französische Lizenz verfügt, so müssen vor  Ort bei der Registration noch zusätzliche 6 Euro für eine Tageslizenz bezahlt werden, was aber absolut kein Issue ist. Ein Problem gibt es jedoch: es gilt ein medizinisches Attest vorzulegen, welches die Fähigkeit zur Teilnahme am Wettkampf bescheinigt. Ohne dieses läuft gar nichts. Das war schlussendlich das grösste Hindernis, Beziehungen und gutem Willem sei Dank kriegten wir doch noch kurzfristig einen Stempel und eine Unterschrift auf das (hier zu beziehende) Dokument - vielen herzlichen Dank für den Support!!!

Dann war also der Tag gekommen, an welchem der Wettkampf stattfinden würde. Bereits um 7.30 Uhr war Check-In. Es war das früheste Aufstehen der ganzen Ferien und der einzige Tag, an welchem wir einen Wecker stellten... für einen Wettkampf am Plastik, das sind noch Alpinisten ;-) Mit viel Vorfreude, aber auch gehöriger Nervosität ging die Protagonistin an den Start - kein Wunder, wenn man meint, dass man es nun mit der ganzen Welt aufnehmen müsse, so von wegen internationaler Wettkampf und so! Vor Ort waren dann aber rasch ein paar machbare Boulder identifiziert und mit den ersten Flashes auf der Scorecard kletterte es sich umso leichter - Girl on Fire!!! Die Probleme waren perfekt geschraubt, wirklich total genial. Und obwohl nachher auch noch die U14 ihren Wettkampf auf diesem Set absolvierte, musste kein einziger davon als grossenabhängig taxiert werden, das muss man erst einmal hinkriegen. Am Ende der 3:30 Stunden Wettkampfzeit hatte Larina 24 von 32 Bouldern erfolgreich bezwungen, der letzte und schwierigste davon quasi zeitgleich mit dem Schlussgong. Das ergab schliesslich Rang 5, ein ganz grosses Bravo dafür! Um ganz nach vorne zu kommen, hätte es noch 2 Tops mehr gebraucht... we will work on it!

Das war das very-last-second Top und der schwierigste/wertvollste geschaffte Boulder - mit den beiden braunen Volumen und dann zum grünen Top. Ein schwieriger "um-die-Ecke-drück-Mantle und dann am Reibungs- und Balancelimit zum Top schleichen"

Nach diesem emotionalen Vormittag konnte es weitergehen mit dem Ferienprogramm. An den nächsten Fels war es nur ein Katzensprung und nach so viel Zuschauen ist man ja dann meistens bis in die Haarspitzen motiviert um selber anzugreifen. Das traf in diesem Fall voll und ganz zu, ich konnte im Rif d'Oriol mein noch offenes Projekt, die Tuerie d'Oriol (8a) haarscharf am Limit ziehen, nachdem ich bei letzter Gelegenheit 2x heartbreaking am very last hard move gescheitert war :-) Am Abend gab's dann noch die Rangverkündigung inklusive einem Dyno Contest, wo dann auch Jerome noch ein wenig Wettkampfluft schnuppern konnte (einen substanziellen Teil der Boulder schnappte er sich im Überschwang nach viel geduldigem Zuschauen nach dem Ende der Wettkampfzeit auch noch ein). Als U10er bei einem Dyno Contest in einem Feld, welches alle Jugendkategorien bis U18 umfasste, war es allerdings eher schwierig, in die Nähe der vorderen Ränge zu kommen... Aber vor dem ganzen Publikum so richtig abzudrücken hatte ihm trotzdem grosse Freude gemacht. Einige Tage später waren dann auch noch die internationalen Top-Cracks an der Reihe. In einer grandiosen Show und vor einem Publikum wie wenn's Corona nie gegeben hätte (ich glaube, es hat einfach niemand gezählt, wie viele da waren... ;-)) wurden die Sieger gekürt - ich kann es nur allen Kletterbegeistern empfehlen, auch einmal einen solchen Event zu besuchen!

Ceüse 2020

Am nächsten Tag dann wollten wir dem Wettkampf noch ein wenig mehr Tiefe und Kontrast geben. Wie könnte man das besser tun als mit dem traditionellen Trip ins beste Sportklettergebiet der Welt, die Falaise de Ceüse. Und da trafen wir effektiv den genau richtigen Tag! Nicht nur, weil wir schon letztes Jahr genau am 5. August oben waren, sondern weil wir an einem Tag anwesend waren, wo mit Alex Megos' Begehung der Bibliographie (9c) Klettergeschichte geschrieben wurde - und wir damit noch viel mehr als am Tout à Bloc die Gelegenheit hatten zu schauen, wenn es richtig abgeht. Aber ganz abgesehen davon war es wie bisher jedes Mal ein absolut magischer Tag dort oben. Die Gegend begeistert mich jedes Mal wieder aufs Neue und die gekletterten Routen waren auch dieses Jahr ein voller Erfolg. Diese umfassen die L'anus en decomposition (7a), eine Route die man ja schon nur wegen dem Namen klettern muss (sorry, wer nicht französisch kann, hat hier einfach Pech gehabt). Besser als mit diesem Routennamen kann man die Kletterei in Ceüse nicht zusammenfassen... "weit" über dem letzten Haken, an ein paar sloprigen Löchern mit den Füssen auf prekärer Reibung und der einzigen Option, auf das möglicherweise etwas bessere/positivere Loch unter dem nächsten Bolt zu ziehen oder sonst einen Segler hinzulegen wird man das wohl auch ganz ohne Sprachkenntnisse entziffern können, oder sonst zumindest am eigenen Leib erleben, was da genau dekompositioniert ;-) Daneben gelangen mir neben zwei, drei einfacheren Routen noch die Pourquoi pas? (7a+), total geniale, abwechslungsreiche Kletterei, Ceüse in a Nutshell!. Sowie die ebenfalls sehr schöne Le coeur des hommes (7a+), wo sich auch Mme. Tout à Bloc einen Durchstieg holen konnte, bravo!


Samstag, 12. August 2017

Une visite à Ceüse...

Ja, das "beste Sportklettergebiet der Welt" in Ceüse hatte ich in meinem bisherigen Kletterleben stets links liegen lassen. Gar nicht so erstaunlich eigentlich, denn früher, in noch kinderlosen Zeiten schien mir der Besuch eines Klettergartens, wo man nur bei gutem Bergwetter hin kann, wenig attraktiv - bei solchen Bedingungen ging man mindestens auf MSL oder unternahm alpine Touren. Dann, mit kleinen Kindern war vor allem der Zustieg von 500hm ein Handicap. Doch nun, während unserer Ferien im Haut Val Durance, schien mir ein Tagestrip dahin lohnenswert... Wobei, die letztere Aussage ist klares Understatement! Ich war von der Kletterei absolut begeistert und kann all die Superlative teilen, die man allenthalben hört. Ich würde mich jetzt zur Aussage hinreissen lassen, der Fels sei "fast so gut wie an den Wendenstöcken" - kein Bruch, kein Grünzeug, sondern einfach kompakte Wand mit tollen Farben und genau der richtigen Menge an Struktur. Die Kletterei an den oft sloprigen Löchern, wo man von oben die Tritte nicht mehr sieht, hat mich im Charakter tatsächlich sehr an die Wendenstöcke erinnert. Auch in Bezug auf die Absicherung ist's ähnlich fordernd - unten stecken die Bolts wohl eng, aber obenraus muss der nächste Sicherungspunkt oft ehrlich angeklettert werden und es gilt, im plattigen Gelände kühlen Kopf zu bewahren. 

Aufbruch zu neuen Ufern. Der fantastische Felsriegel markiert den Horizont.
Die 4 Routen, welche ich im Sektor "Un pont sur l'infini" onsighten konnte, boten alle mehr oder weniger senkrechte Wandkletterei mit hohem fusstechnischem Anspruch. Das war mir durchaus recht so, schliesslich waren Bizeps und Unterarme von den Klettertagen zuvor schon reichlich angezählt. Und tatsächlich verspüre ich nun im Nachhinein einen Muskelkater in den Waden - das hatte ich schon lange nicht mehr und in Ceüse auch nicht wirklich damit gerechnet. Erwähnt sei aber auch, dass es in Ceüse ein bisschen von allem gibt - stark überhängendes Jug Pulling ebenso wie heikle Platten. Da ich 4 populäre 7a's ausgewählt hatte, war ich auch nicht weiter erstaunt darüber, dass die entscheidenden Löcher und Tritte bereits ordentlich poliert waren. Nun gut, mich stört das üblicherweise nicht weiter und das Gestein ist nach wie vor sehr schön zu beklettern. Aber es ist ein Fakt, dass bereits reichliche Gebrauchsspuren sichtbar sind. Die als hart verschrienen Bewertungen konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, mir schien das absolut in der Norm zu sein - aber vielleicht hatte ich einfach die gängigen Routen ausgewählt.

Die Aussicht in die fantastisch schöne Gegend ist top!
Zuletzt noch zum Zustieg: sucht man auf dem Netz, so findet man Angaben zwischen 30 und 90 Minuten, bzw. Einschätzungen von "gemütliches Aufwärmen" bis "nach 2x wollte ich hier nicht mehr hochlaufen". Nun, es sind rund 500hm zu bewältigen, es handelt sich um einen angenehmen, relativ flachen Pfad der über weite Strecken zumindest im Halbschatten der Bäume verläuft. Je höher man kommt, desto schöner werden die Ausblicke über die Gegend, welche überhaupt ein Bijou ist. Ein Häuschen in Sigoyer, hmm, vielleicht wäre das mal was?!? Anyway, mit den Kindern brauchten wir gerade eine Stunde bis unter die Biographie - wo wir auf dem Rückweg gerade noch einen Versuch einer der derzeit besten Frauen am Fels beobachten konnten. Wow, so flüssig, dynamisch und effizient sollte man klettern können - auch wenn's ihr nicht ganz gereicht hat, so war's doch eine sehr eindrückliche Show, die einem deutlich vor Augen führte, dass die eigenen Bewegungsmuster am Fels doch eher denen von einem Elefanten im Porzellanladen gleichen. Bevor ich noch kurz die gekletterten Routen charakterisiere, sei noch erwähnt, dass der Einstiegsbereich in den Sektoren, die ich gesehen habe (Biographie, Demi Lune, Un pont sur l'infini) praktisch eben und damit sehr kindertauglich ist. Wenn sie also hochlaufen mögen oder man sie tragen mag, ist's ein geeignetes Familiengebiet.

Die Biographie (9a+) im Profil.
Gelati Dolomiti (7a): Sehr abwechslungsreich und höchst empfehlenswert. Bouldrig-überhängender Einstieg mit einem Längenzug. Dann erst griffiges, einfacheres Gelände, gefolgt von technischen Tropflochplatten und zum Abschluss eine kleine Verschneidung, welche nochmals knifflig ist. Gut abgesichert.

La Galère (7a): Fusstechnische Gleichgewichtskletterei mit psychischem Anspruch. Der Einstieg gleich kräftig an seichten 2-Finger-Löchern, gefolgt von ein paar besseren Griffen. Im Mittelteil eine Zauberstelle nach links hinauf. Oben raus muss man gut hinstehen und die übel sloprigen Löcher bedienen, dies bei 2x weiten Abständen (8 BH auf 25m).

Reine des Pommes (7a): Sehr homogene technische Wandkletterei. Hier fällt es schwer, eine eindeutige Crux zu identifizieren. Die Route ist nie verzweifelt schwer, aber auf ihren 30m auch nie wirklich einfach. Immer wieder tauch ein taugliches Loch oder eine Rissspur auf, mit welcher man sich in die Höhe schieben kann. Gut abgesichert (12 BH auf 30m).

Vas-y Tonton (7a): Technische Wandkletterei, bei welcher der Beginn noch etwas einfacher ist. Danach ähnlich im Charakter wie die Routen nebenan - sloprige und manchmal auch etwas bessere Löcher, gute Bewegungsplanung nötig. Ebenfalls recht gut eingebohrt, doch auch hier ist der eine oder andere nichttriviale Move noch nötig, wenn der letzte Bolt bereits unter den Füssen ist.