Obwohl es zur Zeit noch zu früh für das Klettern an den Rätikon-Wänden ist, hier eine wichtige Mitteilung zur Planung der Saison 2026. Weil der erste Abschnitt der Strasse von Schuders zum Grüscher Älpli (bis zur Abzweigung Richtung Schuderser Maiensäss) erneuert wird, gibt es wochentags Sperrungen, d.h. die Zufahrt ins Rätikon ist nicht bzw. nur eingeschränkt möglich.
Im Vordergrund der Alpweg von Schuders zum Grüscher Älpli, im Hintergrund die Drusenfluh.
Ganz konkret:
Die Bauzeit dauert von März bis Mitte Oktober 2026, d.h. die ganze Saison
Werktags von 7.00-17.00 Uhr kann die Baustelle nur zu Fuss oder per Bike (mit allenfalls kurzen Wartezeiten) passiert werden. Mit anderen Fahrzeugen ist keine Durchfahrt möglich.
Werktags zwischen 17.00-7.00 Uhr ist die Durchfahrt für landwirtschaftliche Fahzeuge und solche mit 4x4-Antrieb gewährleistet.
Am Wochenende (d.h. von Freitag 17.00 Uhr bis Montag 7.00 Uhr) ist die Durchfahrt mit sämtlichen Fahrzeugen möglich.
Vom 6. bis zum 19. Juli gibt es eine Pause der Bauarbeiten, d.h. die Durchfahrt ist für alle Fahrzeuge möglich.
Alle diese Angaben stammen aus mir zur Verfügung gestellten Informationen welche direkt von der Bauleitung kommen. Ob allfällige Änderungen bei den Terminen und Bedingungen auch zeitnah zu mir gelangen ist unklar - in diesem Sinne sind die Angaben ohne letzte Gewähr.
The way to go!
Zusammenfassend kann man folgendes sagen: am Weekend ist die Kletterei nicht eingeschränkt, wochentags hingegen eher schwierig. Die beste Lösung wird an dieser Stelle schon seit längerer Zeit propagiert und von mir gewählt: die Zufahrt per Bike von Schuders zum Grüscher Älpli. Spart die Taxe, entledigt einem aller Parkplatzsorgen und länger dauern tut es auch nicht.
Ein Bericht von der Recherchearbeit für den Rätikonführer: bei der hier beschriebenen Kletterei handelt es sich um eine der zahlreichen Routen im Gebiet, welche bis dato nie in gedruckter Literatur dokumentiert wurden, deshalb kaum bekannt sind und noch fast nie begangen wurden. Dies bescherte uns eine spannende Entdeckungsreise dieses Werks, welches von zwei Exponenten an die Wand gezaubert wurde, die sich in der Comp-Szene einen Namen gemacht haben. Eingebohrt schon anno 2001 von Urs Stöcker, fertiggestellt erst im 2018 von Dirk Uhlig, gepunktet von letzterem im August 2020.
Die Wand vom Schweizereck im Abendglühen. Start- und Endpunkt von Parabol sind markiert. Für den genauen Routenverlauf und auch ein schematisches Topo verweise ich auf die neue Ausgabe vom Rätikonführer im Panico-Alpinverlag, welche voraussichtlich auf die Saison 2026 erscheint. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich ja schon, diese schönen Dokumente nicht gleich zu teilen. Andererseits lässt sich die Route mit den in diesem Beitrag vermittelten Infos problemlos begehen. Wir wussten bei unserem Go einzig die Bewertungen der Seillängen und den ungefähren Startpunkt, was noch viel weniger ist, als hier steht.
Angie weilte bereits oben im Rätikon, also fuhr ich mit meinem Bike auf's Grüscher Älpli (wohlgemerkt nicht von daheim) und wir liefen hinauf zum Einstieg. Man kann sowohl links wie rechts vom Pardutzkessel durch, es kommt wohl beides in etwa auf dasselbe raus. Zuletzt gilt es dann eine grössere Graszone über einem Felsriegel zu erreichen, schrofige Kraxelei (T4+) bringt einen da rauf. Der Einstieg ist mit etwas Spürsinn gut zu lokalisieren und durch einen Stand markiert, welcher mit 2 korrodierten, verzinkten BH ausgerüstet ist, deren Laschen mit kleiner Öffnung nur 1 Karabiner aufnehmen. Um ca. 10.15 Uhr starteten wir mit der Kletterei, noch tief im Schatten des Berges, was an diesem sehr milden Spätsommertag jedoch kein Problem war.
Ausblick auf L1 (6b), welche das komplette Trad-Gear erfordert.
L1, 50m, 6b (original 6a): Definitiv kein Bijou und vielleicht dass man diese Länge trotzdem in Erinnerung behält, ist sie so spärlich abgesichert. Wobei die ersten 5m schlabbrig-kompakten Fels aufweisen und mit einem BH abgesichert sind - das ist die Crux, nit mal so easy. Weiter geht's dann grasdurchsetzt in auch nicht immer bombensolidem Fels, fixe Absicherung gibt's keine. Es geht aber immer gerade so einigermassen mit Bewuchs, Felsqualität und Placements. Markant sind ein rissiger Überhang in der Mitte und eine nochmals plattigere Zone mit 2 BH am Ende.
Die Gegenperspektive, Nachstieg in L1 (6b).
L2, 45m, 6c: Es geht deutlich freundlicher weiter, so richtig hammermässig ist aber auch diese Länge nicht. Erst hinauf durch Verschneidungen, wo nebst 2 BH noch Cams zu legen sind. Steht man dann auf einem grasigen Pfeilerkopf, so geht's richtig los. Eine seitgriffbetonte Wandstufe will erklettert sein. Ganz ordentlich da, jedoch ist das Gestein etwas staubig und teilweise auch nicht frei von einer Prise Splittrigkeit.
Das sieht doch schon viel besser aus - und ist es tatsächlich auch: L2, 6c.
L3, 30m, 7c: Hier führt die Route durch einen von weither sichtbaren, markanten schwarzen Wasserstreifen. Manchmal findet man in solchen Zonen super strukturierten Henkelfels. Solchen hätten wir gerne angetroffen, es manifestierte sich leider nicht ganz so. Erst noch easy durch eine Art Verschneidung mit verkeilten Blöcken auf den Pfeilerkopf. Von diesem weg wartet eine Boulderstelle an Slopern in die steile Wand hinein, welche nach ca. 10 weiteren Metern mit der Crux aufwartet. Diese konnten wir nicht freiklettern: der Fels ist mit einer dicken Schicht von staubigem Belag überzogen, da müsste zuerst einmal richtig gebürstet werden. Doch ob dann ausreichend Griffe für eine machbare 7c zum Vorschein kämen?!? Ich bin mir da nicht so sicher. Nach diesem Abschnitt folgt ein sloprig-abschüssiges Finish über ein Dach hinweg. Diese Passage konnte ich entschlüsseln - es ist wieder etwas einfacher, dünkte mich aber immer noch im Bereich 7b+/7c.
Zähes Finish an abschüssigem Fels in L3 (7c).
L4, 30m, 6c+: Ich würde sagen, die zweitschönste Seillänge der Route. Sie bietet typisch steilplattiges Rätikongelände. Auf den ersten Metern quert man erstaunlich griffig nach rechts aus dem staubigen Wasserstreifen hinaus und erreicht so richtig raues, schönes Gestein. Ein paar abgefahrene Reibungsmoves warten, aber es löst sich alles gut auf. Im letzten Abschnitt erreicht man dann den die gesamte obere Routenhälfte prägenden Diagonalriss. Diesem entlang, nun schon wieder etwas grasig-alpin, zum Stand.
Mit Ausnahme der letzten paar Meter findet man in L3 (6c+) tolle, rätikontypische Plattenkletterei.
L5, 50m, 6b: Einen solchen Abschnitt könnte man sehr gut in einer klassischen Führe aus der Pionierzeit einordnen. Man folgt alles dem Risssystem bzw. der Rampe. Erst durchquert man mittels Risskletterei nochmals den (bei unserer Begehung zum Glück trockenen) Wasserstreifen v.r.n.l., dann folgt ein Abschnitt, wo man in der Rinne stemmt, während man zuletzt an die linke Kante geht und noch steil bzw. überhangend um einen grossen Klemmblock herumkommen muss. Oberhalb von diesem befindet sich ein grosses Plateau mit bequemem Stand.
Eher klassisches Alpingelände mit Rissen und Kaminen in L4 (6b), die aber schön zu klettern ist.
L6, 15m, 7a: Molto particolaaare... Erst noch kurz einfach über die Rampe, um zu sehen, was da kommt. Nun, das Risssystem hat da eine Unterbrechung, sprich es gilt einen Abschnitt in Wandkletterei zu meistern. Zwei grosse Ausbuchtungen mit ca. 1m Durchmesser prägen diese Stelle. Es heisst Sloper patschen und sich dann gekonnt unter Nutzung der beiden Features durch die überhängende Wand mogeln. So kommt man wieder auf die Rampe und klettert ein paar Meter in etwas grasigem Terrain zum Stand.
Hepp und Patsch heisst es in der Crux von L6 (7a), zuletzt mit Ausstieg auf die Grasrampe.
L7, 30m, 7c+: Während die Rampe nach links weiter ginge und wohl im Bereich 6b-7a kletterbar wäre, orientiert sich die Route nach rechts in die kompakte Wand. So erlebt man hier noch die schönste Länge der Tour. Die leicht aufwärts führende Querung gleich zu Beginn bietet über die ersten 3-4 BH gleich die Crux. Sehr technische, bewegungsintensive Kletterei an kleinen Kratzern. Mit dem ersten Ausstieg auf ein Sloperplateau wird es dann etwas einfacher. Der obere Teil checkt noch bei ca. 7b/+ ein, wobei es der letzte Mantle auf die finale Platte nochmals in sich hat - tricky! Zum Abschluss wartet dann noch etwas toller Kaktusfels wie in der Saguaro, ein Genuss. Diese Länge konnte ich all free klettern. Ob einfacher als L3 vermag ich nicht wirklich zu sagen - viel, viel schöner jedoch, da gibt es keine Zweifel.
Schöne, aber harte und sehr technische Wandkletterei in L7 (7c+).
Um 16.30 Uhr hatten wir nach 6:15h der Kletterei das Top erreicht - wieder einmal ganz und gar keine Speedbegehung also. Aber wenn man an beiden Seilenden eine 7c/+ auschecken will, so dauert eine solche SL dann rasch mal 1:30-2:00h, somit ist der totale Zeitbedarf nicht verwunderlich. Die Bilanz bestand aus os/flash bis auf die beiden schwierigsten, wobei die letzte eben lösbar war, während bei der ultrastaubigen 7c etliche Fragezeichen verblieben. Ob ich zurückkommen werde, um diese aufzulösen?!? Auf die Schnelle wohl eher nicht.
Angie beim Mantle in L7 (7c+), welcher die letzte Abwurfstelle der Route präsentiert. Auf der finalen, sehr genussreichen Passage im 6c-Bereich wird man es sich dann sicher nicht mehr nehmen lassen.
Für uns hiess es, die Abseilfahrt anzutreten. Mit L7 waren wir wieder so weit nach rechts geklettert, dass sich der Stand nach L5 ob dem Klemmblock in ziemlich direkter Linie erreichen liess. Die nächste Strecke über die diagonal verlaufende L4 war dann eher etwas mühsam. Einmal geschafft, waren es noch 2 Manöver von Stand 3 nach 1 und von dort zum Boden. Wir liefen zurück zum Melkplatz, wo ich mich auf's Bike schwang und dem Tal und den dort auf mich wartenden Pflichten entgegen brauste. Angie hingegen blieb vor Ort, denn am übernächsten Tag wollten wir gleich nochmals ein unbekanntes Rätikon-Mysterium ergründen. Der entsprechende Bericht wird irgendwann zukünftig auch auf diesem Blog erscheinen.
Eine bisher kaum bekannte und begangene Route im rechten Teil vom Schweizereck, welche einen Mix zwischen harter Sportkletterei, schönen Rätikon-Steilplatten und einem nicht unwesentlichen Teil von alpin angehauchtem Trad-Gelände bietet. Stellenweise ist der Fels super, in den einfacheren Abschnitten jedoch auch teils grasig und/oder etwas lottrig. Da die Route im Bereich eines wasserführenden Streifens verläuft (und damit nur nach Trockenperioden ein sinnvolles Ziel darstellt), ist der Fels auch teilweise von einer Staubschicht überzogen. Die Absicherung ist über weite Strecken und insbesondere in den schwierigen Passagen sehr gut auf Niveau xxxx bis xxxxx. In L1 muss ein grosser Teil mobil abgesichert werden (in unschönem, aber einfachem Gelände), auch in L2, L5 und am Ende von L6 sind Cams zu platzieren. Ein Set von 0.2-2 war uns ausreichend, für L1 könnten allenfalls noch Keile hilfreich sein. Zu erwähnen ist auch noch, dass grösstenteils verzinktes Material steckt, welches teilweise schon deutliche Korrosion aufweist.
Hinweis: in der Route (von Beginn von L3 bis zum Ende von L6) hängen defekte Fixseile, welche keinen Nutzen mehr bringen und sowohl die Optik wie auch die Kletterei stören. Es wäre aus meiner Optik wünschenswert, dass diese Seile entfernt und entsorgt werden. Wir hatten leider kein Messer dabei und ohne ein solches sind die stark versprödeten Knoten unmöglich aufzukriegen.
Hart, komplex und mit maximaler Schärfe, so kann man diese Route sicherlich charakterisieren. Sie wurde schon 1991 durch Andreas Audétat und Gefährten begonnen und führt durch einen der steilsten Bereiche der Gamstobelwand bei Partnun im Rätikon. Nur 25m vor dem Ende der Schwierigkeiten ging den Pionieren der Schnauf für die Vollendung ihres Projekts aus, und so blieb die Route trotz bestem Tropflochfels und sehr guter Absicherung mehr als drei Jahrzehnte lang unbekannt. Erst im Jahr 2025 erhielt Daniel Benz Kenntnis von der Sache und vollendete die Linie im August mit Dominic Eggenberger. Ein paar Besuche zwecks Sanierung, Linienoptimierung und Training war Zeit für die Erstbegehung und den Rotpunkt-Go. Bei diesem Anlass konnte ich mit dabei sein, hier mein Bericht dazu.
Die steile Gamstobelwand an der Sulzfluh im Rätikon mit dem Verlauf von Saguaro
Unsere Tour startete um ca. 9.15 Uhr beim P6 in Partnun Äbi (1620m). Der erste Teil vom Zustieg bietet ideales E-Bike-Gelände über Strassen mit Hartbelag bis auf 2050m. Hier geht's zu Fuss weiter auf dem markierten Wanderweg - mir bestens bekannt, hatte ich doch an den Wänden links vom Gamstritt auch schon geklettert, bzw. zwei Neutouren realisiert (Sunshine Reggae (5b)sowie die bisher noch undokumentierte Die Katze Bekova (6c) aus dem Jahr 2023). Nach Überwindung der Steilstufe erreicht man den Gemschtobel, wo man auf ca. 2330m den Weg verlässt und über die gut begehbare Geröllhalde den Wandfuss erreicht. Dieser befindet sich ca. 200m rechts (östlich) vom Beginn des Klettersteigs Partnunblick und ist mit dem Wandfoto gut identifizierbar. Um 10.30 Uhr starteten wir schliesslich mit der Kletterei.
Unterwegs zum Kessel vor dem Gamstritt. Die im Text erwähnte Neutour Die Katze Bekova (6 SL, 6c) von Larina und mir befindet sich am linken Bildrand, in der Platte links der Bildmitte findet man unsere Familien-Erstbegehung Sunshine Reggae (5 SL, 5b).
L1, 45m, 6a+: Vergnügliche, gut abgesicherte und relativ leicht verdauliche Plattenkletterei.
L2, 25m, 7a: Ein paar einfache Meter führen zu einer oft nassen Verschneidung heran, in deren überhängender Seitenwand es dann mit einer Traverse gleich heftig zur Sache geht. In etwas klötzlig-splittrigem Gestein müssen ohne Rücksicht auf Verluste ein paar Stellerleisten heftig zugeballert werden, bevor man kräftig an Seit- und Untergriffen auf ein Podest aussteigt. Puh, da war ich meinem Limit schon nahe.
"Nur" eine 7a, aber am Ende von L2 muss man definitiv schon parat sein und Leisten zuschrauben.
L3, 25m, 7c+: Die ersten Meter noch gängig zu einem Turm und an diesem hinauf. Einmal an der Hauptwand, schlägt dann schon die Stunde der Wahrheit. An kleinen, scharfen Kratzern und fast inexistenten Rauigkeiten für die Füsse gilt es für Fortschritt zu sorgen. Im Prinzip anhaltend fordernd, auch wenn der Experte hier drei besonders fordernde Einzeleinheiten erkennt. Bei mir setzte sich v.a. die Erkenntnis durch, dass diese kein bequemes Konsumgut darstellen, d.h. ich konnte nicht alle in Freikletterei lösen.
Das Gestein ist extrem rau, gute Griffe sind aber Mangelware (L3, 7c+).
L4, 20m, 8a: Eine längere Boulderstelle zu Beginn markiert die Hauptschwierigkeit. Diese ist grundsätzlich im ortsüblichen Stil konstruiert, wobei hier tatsächlich ein dynamischer Move oder Sprung an einen grösseren Sloper zum Programm gehört. Die obere Hälfte der Seillänge bietet dann vergleichsweise gutgriffiges ~7b-Gelände, da ist noch einiges an Rési gefragt - diesen Abschnitt konnte ich im Gegensatz zum ersten Teil am Stück durchsteigen.
Die Crux in L4 (8a) ist in der Tasche, nun nur nicht mehr Abwerfen lassen!
L5, 20m, 7c: Hatte ich in den letzten beiden Längen hart zu beissen, so lief es hier zum Glück wieder etwas flotter. Die Kletterei hier einen Tick steiler wie in den Cruxzonen von L3/L4, griffiger und damit nicht nur einfacher, sondern auch zugänglicher. In verschärfter Wandkletterei im Bereich 7b/+ geht's zu einem kleinen Dächli mit der Hauptschwierigkeit, wo ich 2-3x ansetzen musste, bis die Lösung sass. Von da bis zum Stand kann man durchaus noch versauern, erneut im Bereich 7b/+ wird Ausdauer und Übersicht gefordert - mir ging's grad auf.
Die typische Felsstruktur anhand von diesem Shot in L5 (7c) gut erkennbar. Es gibt viele kleine Käntchen in diesem scharfen Fels. Allerdings müssen diese auch ausreichen, denn schön positive Leisten sind meistens Mangelware.
L6, 20m, 7c+: Ein fotogener Abschnitt, welcher mit einer Querung nach links hinaus beginnt, wobei Fels, Kletterei und Schwierigkeit nahtlos wie zuletzt fortsetzen. Die Crux folgt an der Stelle, wo man den Pfeiler linkerhand gewinnen muss. Es gilt, sich geschickt in einem Winkel zu platzieren, dann scharfe Kratzer zu erhaschen und entschlossen zu einem tollen Finish in genialem Fels zu entkommen. Ich vermute, diese Länge könnte an der Crux (da im Winkel) etwas grössenabhängig sein - mir ging das relativ gut, während sich Daniel da schwerer tat und seinen einzigen Fehlversuch hatte, welche mit einem Second Go dann ausgebügelt werden konnte.
Der Akteur gerade in der Cruxzone von L6 (7c+).
L7, 25m, 7a+: In einer grauen Spritzbeton-Zone geht's in einem langen Quergang nach rechts. V.a. der Fels, aber auch die sonstige Anlage erinnert durchaus an L4 (7a+) im Silbergeier. Obwohl deutlich einfacher wie die umliegenden Teilstücke, so ist dieser Abschnitt dann doch nicht geschenkt und trotz der guten Absicherung muss man sich v.a. auch am hinteren Seilende so richtig engagieren. Endlich wieder einmal eine, die ich flashen konnte - ohne jedwelche Reserve, allerdings.
Die Querung im Spritzbeton-Fels von L7 (7a+) - super Kletterei!
L8, 20m, 8a: Während die Route sonst 1:1 dem Verlauf von Andreas Audétat aus dem Jahr 1991 folgt, hatte dieser sich damals auf dieser Höhe wenige Meter links in einer splittrigen, kaum frei kletterbaren Zone versucht (und das Projekt nicht zuletzt deswegen aufgegeben). Nun geht's ein paar Meter rechts davon am Rand eines dunklen, oft Wasser führenden Streifens hinauf - dies mit dem Nachteil, dass der Fels etwas staubig ist, dafür ist er strukturierter. Trotzdem, es geht gleich volle Kanne los, an kleinen Leisten und Zacken gilt es trittarm und deshalb mit viel Körperspannung zu arbeiten. Hier warf ich (ausnahmsweise) relativ zügig das Handtuch, der Nachstiegs-Flash war bald vergeigt und der Textilgriff zu verlockend. Nach dem Auftakt gehen die Schwierigkeiten etwas zurück, doch es bleibt bis zum Klippen des Stands sehr fordernd und technisch.
Unglaublich kompakter Fels mit dementsprechend anspruchsvoller Kletterei in L8 (8a).
L9, 30m, 7c: Bis zum BH #3 dieser Länge kamen die Ersterschliesser im 1991, da wartet noch die übliche, scharfe Wandkletterei. Ein paar leidliche Leisten später kommt dann die Crux mit einer coolen, bewegungsintensiven Bouldersequenz - auch da ist der Fels kurz etwas staubig und man findet nicht den 1a-Grip wie sonst in der Wand. Als letzter, optisch durchaus abschreckender Programmpunkt der Länge folgt dann eine überhängende Gegendruck-Verschneidung - sie geht besser wie befürchtet und bietet Ausdauergelände im 7a-Bereich.
Wandkletterei in L9 (7c), bevor der letzte Teil durch eine steile Verschneidung führt.
L10, 25m, 6b: Im Prinzip ein kurzes Outro, welches aber wunderschönen Premier-Cru-Fels bietet, wie man ihn von den Kirchlispitzen kennt. Die Idee wäre, den Abschnitt rechts in der Wand zu klettern und nicht an den Turm zu spreizen, was die Sache deutlich vereinfacht. Zuletzt dann einfacher zum Routenende auf einem Pfeilerkopf, von welchem man zu Fuss aufsteigend das Karrenfeld der Sulzfluh erreichen kann.
Um ca. 17.30 Uhr nach rund 7:00h der Kletterei waren wir am Top. Daniel wieder einmal mit einer schier unglaublichen Performance! Für mich sehr eindrücklich, alle diese schwierigen Stellen so sauber und souverän durchziehen zu können - das war wieder einmal Klettersport vom Feinsten, welchem ich da zusehen konnte. Meine Leistung war nicht ganz so überragend: die einfacheren Seillängen hatte ich durchsteigen können, ein paar der harten Pitches (L5, L6, L9) gelangen mir immerhin komplett frei, während gewisse Passagen in L3, L4 und L8 zur Rubrik Aktenzeichen XY ungelöst gehören und ich mich dort mit dem Linken der einfacheren Passagen zufrieden geben musste. Aber natürlich hatte es trotzdem enormen Spass gemacht.
Riding the pig... steiles Abseilen über die Gamstobelwand.
Wir machten uns schliesslich ans Abseilen. Im Nachhinein hat Daniel die Abseilpiste mit einem routenunabhängigen Stand noch deutlich bequemer gemacht. Somit verweise ich auf das Topo, unsere Variante von diesem Tag zu beschreiben macht hingegen keinen Sinn. Am Einstieg durfte ich dann die 7 Buchstaben von SAGUARO mit roter Farbe auf dem Fels verewigen, bevor wir talwärts liefen bzw. später fuhren. Ein genialer Tag neigte sich dem Ende zu - ich bin gespannt, wann die ersten Wiederholungen dieser Route erfolgen werden.
Büroarbeit am Fels... die Nische am Einstieg ist sehr charakteristisch.
Video
Daniel hat das Videomaterial und einige Fotos zu einem Video geschnitten, das es hier auf Youtube zu bestaunen gibt. Vielen herzlichen Dank für diese Arbeit!
Facts
Rätikon / Gamstobelwand - Saguaro 8a (7a+ obl.) - 10 SL, 255m - A. Audétat 1991 / D. Benz 2025 - ****;xxxx Material: 2x50m-Seile, 11 Express, Cams/Keile nicht nötig und kaum einsetzbar
Grossartige und eindrückliche Kletterei, welche in ihrem zentralen Teil mit einigen anhaltenden Seillängen von hoher Schwierigkeit aufwartet. Die Kletterei mit vielen kleinen Kratzern, scharfen Tropflöchern und abschüssigen Tritten erfordert oft einiges an technischer Zauberei. Nur starke athletische Fähigkeiten mitzubringen dürfte für einen Erfolg kaum ausreichend sein, da muss man einfach richtig gut klettern können. Die Felsqualität ist meist sehr gut, der stachelige Kaktusfels bietet hervorragende Reibung, erfordert aber entsprechend Haut auf den Fingerkuppen. An einigen wenigen Stellen wirken die zu verwendenden Strukturen etwas fragil, wenngleich bei meinem/unserem Go alles Stand gehalten hat. Die Absicherung der Route war im Originalzustand sehr eng gehalten. Bei der Sanierung 2025 wurde dies so beibehalten, fast alle BH wurden jedoch durch rostfreies Material ersetzt, wobei deren Platzierung teilweise optimiert wurde und die Standplätze an bequemere Ort verlegt wurden. Daniel hat ein sehr präzises Topo zur Route gezeichnet, es ist unten als Bild vorhanden und kann auch als PDF runtergeladen werden.
Das Topo zur Saguaro von Daniel. Bessere Qualität gibt's im PDF-Download.
Keine Frage, was an diesem Sonntag zu tun war: super Pulverschnee, geringe Lawinengefahr und ideales Bergwetter. Auf zu einer exquisiten Skitour, konnte die Devise da nur lauten. In mir drin verspürte ich dennoch ein leichtes Zögern, denn es gab ja noch unerledigte Sportkletterprojekte. Ob der Kälte ein bisschen gesucht vielleicht, aber möglich wäre es bestimmt gewesen. Tja, das ist das Privileg der Bergsportler, welche sich nur auf eine Disziplin fokussieren. Da muss man dann nicht überlegen, ob Ski, Seil oder Bouldermatte. Jedenfalls, der Wechsel zwischen den Disziplinen fällt nicht immer ganz leicht, die Entscheidungsfindung bereitet durch das Mehr an Optionen manchmal Kopfzerbrechen. Aber dafür sind die diversen Erlebnisse natürlich eine grosse Bereicherung.
Wer Einsamkeit will, muss eine Tour gehen, für die sich sonst niemand interessiert...
Mit dem Sonnenaufgang geht's los (im Januar schafft das selbst Langschläfer Dettling noch 😁)
Auftakt zur Tour war um 8.00 Uhr bei der Seilbahn Fanas. Etwas erstaunlicherweise war ich auf der ersten Fahrt (16 CHF/Person) der einzige Fahrgast. Das lag wohl daran, dass die Südhänge nicht mehr die beste Reputation genossen und mein Ansinnen mit der Rundtour definitiv in die Kategorie Special Interest gehörte. Um 8.20 Uhr machte ich mich bei der Bergstation (1700m) auf den langen Weg. Die Route auf den Sassauna war natürlich gespurt - leider Multi-Use, sprich das Trassee war von Schneeschuh- und Fussgängern zertreten. Trotzdem war es in wunderbarer Morgenstimmung ein sehr schöner Aufstieg. Nach einer knappen Stunde hatte ich den Gipfel (2307m) erreicht.
Blick vom Gipfel auf meinen Weiterweg. Am Horizont links die Schesaplana und rechts der Bildmitte die Rätikon-Felsberge Kirchlispitzen, Drusenfluh und Sulzfluh. Mein nächstes Ziel Pfäwi in der linken Bildhälfte (nicht am Horizont, mit der schattigen Flanke).
Es folgte ein erster Höhepunkt, die Abfahrt über die Sassauna NW-Flanke. Der einfachste Einstieg befindet sich 100m westlich vom Gipfel, bei Idealbedingungen geht's auch 20m westlich vom höchsten Punkt. Extrem steil fährt man da nicht Ski, die Neigung liegt auf der gutmütigsten Linie bei 30-35 Grad. Aber die ganze Flanke ist schon riesig und hat viele Steilpartien - da darf gar nichts ins Rutschen kommen, absolut sichere Bedingungen sind unabdingbar. Die waren gegeben und da idealer, gesetzter Pulverschnee lag, durfte ich diesen Schwüngen gerne 100 von 100 Punkten geben. Auf 1800m im Gebiet von Ludera kamen die Ski zum Stehen und die Felle wurden wieder montiert.
In Bildmitte die Sassauna NW-Flanke, ein absolut ideales Skigelände.
Um 9.40 Uhr ging's weiter Richtung Luderer Fürggli. Am besten geht's erst etwas querend über den Graben vom Schwieggatobel hinweg, dann hinauf zum (oberen) Sommerweg und mehr oder weniger diesem entlang zum Sattel. Für Sammler gibt's mit 47hm Zusatzaufwand noch den absolut unbedeutenden, aber irgendwie doch noch neckischen Gipfel vom Picardichopf (2096m) einzusammeln. Zum Pfäwi geht's dem aussichtsreichen NW-Grat entlang. Hier machte ich nun aus der Spur (der Gemsen) auch ein Multi-Use. Sie werden meine Planierarbeit hoffentlich geschätzt haben. Um 10.40 Uhr war die Arbeit getan und der Gipfel vom Pfäwi (2304m) erreicht. Die Felle konnten abgezogen werden und die Vorfreude auf eine nächste geniale Abfahrt paarte sich mit der formidablen Aussicht.
Blick vom Pfäwi (2304m) zum Sassauna (2307m), gut sichtbar die schattige NW-Flanke.
Die nordseitige Abfahrt vom Pfäwi via Hinterberg und Freschidörsch ist dann mit ein paar kurzen Stellen im Bereich von 35 Grad nicht extrem steil - war aber sehr genussreich mit idealem Skigelände und perfektem Powder, besser kann es wirklich nicht sein! Nur zu bald kamen die Skis in der Talsohle beim Vordersäss zum Stehen. Dies ist wirklich ein sehr abgelegener Platz: rundherum nur Berge, kein Blick ins bewohnte Tal und erst recht kein rascher Weg zurück dahin. Weil auch noch der Handyempfang fehlt, fühlt man sich da rasch ziemlich isoliert und schon ein kleines Problem mit nicht (mehr) klebenden Fellen oder einem verlorenen Ski würde einen da durchaus in die Bredouille bringen.
Blick zur Schesaplana aus der Pfäwi-Nordflanke, wo meine zweite Abfahrt durchführte.
Bei mir lief aber alles flott und ich genoss das Gefühl der Abgeschiedenheit extrem. Das Tal war komplett unberührt, keine einzige Spur von Menschen oder Tieren war sichtbar. Da fühlte ich mich gleich wie auf Terra Incognita, während ich ab 11.15 Uhr durch hektarweise besten Pulverschnee Richtung Golrosa spurte. Ein Tipp noch für jene, die es mir dereinst gleichtun wollen: die Rinne vom Valser Bach lässt sich nicht überall einfach queren, insgesamt ist der Aufstieg auf der linken (nördlichen) Seite vom Bach wohl als angenehmer zu werten. Gehen tut's aber definitiv auf beiden Seiten.
Rückblick ins einsame Hochtal des Valser Bachs am Fuss der Schesaplana-Südflanke.
Um 12.40 Uhr hatte ich den Passübergang der Golrosa (2124m) erreicht. Fast 90 Minuten also für die nur 450hm, aber es ist eben auch eine beträchtliche Strecke von nahezu 4km, die man dabei (in nicht immer gerader Linie) zurücklegt. Beim Übergang wird der Blick auf die Rätikon-Felsberge frei. Darauf hatte ich mich natürlich sehr gefreut, denn aus dieser Perspektive hatte ich die Wände bisher nie gesehen. Sowieso bilden die westlichen Kirchlispitzen 1-3 aus der typischen Kletterer-Optik eine vernachlässigte Grösse und es war schön, diese für einmal etwas näher zu Gesicht zu bekommen.
Blick von der Golrosa auf die Rätikon-Kletterberge: Kirchlispitzen, Drusenfluh und Sulzfluh.
Mein Rückweg in die Zivilisation sollte ab der Golrosa via den Höchstelli erfolgen. Bei sicheren Verhältnissen kann man dazu die steilen Nordhänge vom Girenspitz ohne Höhenverlust queren. Andernfalls wäre eine kurze Abfahrt Richtung Vorder Cavell die sicherere Variante. Für mich war das nicht nötig und somit war es prinzipiell nur noch ein Katzensprung zum letzten Kulminationspunkt. Wobei die Beine langsam etwas schwer wurden, mit der Nachmittagstour vom Vortag hatte ich in 24h nun bereits fast 3500hm zurückgelegt, dies bei fast der Hälfte davon inkl. der Spurarbeit. Um 13.10 Uhr schlug ich auf dem Höchstelli (2297m) an. Von da kann es wieder abwärts gehen, wobei der ambitionierte Gipfelsammler sich die Gelegenheit mit dem nahe gelegenen Girenspitz (2393m) nicht entgehen lässt. Skitechnisch lohnt es sich allerdings eher nicht und der Aufstieg entlang dem teils stark verwächteten Grat war auch nicht unbedingt dem Genre Plaisir zuzuordnen. Einfacher wäre es wohl, diesen Gipfel direkt von NW bzw. N anzugehen, man würde sich so auch einiges an Rund-um-den-Berg-herum-Distanz sparen.
Der Girenspitz (2393m) mit seinem überwächteten SSE-Grat vom Höchstelli.
Der Kulminationspunkt war erreicht, nun war wieder Skifahren angesagt! Wobei über den ersten Teil über die steilen Südhänge hinunter nicht viel Rühmenswertes gesagt werden kann. Teilweise war es schwingbar, je nach Steilheit und Expo aber auch ein unmöglicher Zwieback-Karton. Immerhin war es relativ schnell vorüber, unter 2150m war der nach Schuders verlaufende Rücken genügend flach, dass die Schneeoberfläche noch locker war und beschwingt gekurvt werden konnte. Bis zu dieser Stelle war von Schuders her gespurt, wobei diese Tourengänger über den SE-Rücken von Falvanja abgefahren waren. Das sah echt verlockend aus, hätte mir aber ultimativ die Fluggelegenheit genommen, weshalb ich die Idee dort abzufahren verwarf...
Sicht aus der Kartonzone auf den nach Schuders verlaufenden Rücken (mit wieder gutem Schnee).
Dies war sowieso ein springender Punkt meiner ganzen Planung gewesen: wie sich die Tour gut beenden liesse und man wieder zum Ausgangspunkt zurückkäme. Der logische Endpunkt war nämlich in Schuders, was doch eine ganze Ecke von der Fanaser Talstation entfernt liegt. Man müsste also auf eine Mitfahrgelegenheit von dort nach Schiers hoffen. Einzig bei idealen Verhältnissen mit genügend Schnee bis in tiefe Lagen könnte man durch das Schraubachtobel bis nach Schiers fahren - das war aber an dem Tag nicht möglich. Mein Joker war der Ultraleicht-Gleitschirm, mit welchem ich vom Schuderser Maiensäss starten wollte, um effizient zu Tale zu kommen.
Ideale Startgelegenheiten in mehr oder weniger alle Richtungen findet man auf dem Rücken.
Im Winter dann aber auch tatsächlich in die Luft zu kommen, ist nicht immer trivial. Der Abwind kann ein hartnäckiger Gegner sein, aber hier auf dem Rücken sollte nichts schiefgehen. Laut Prognose und auch zuvor auf den Gipfel war ein deutlicher Westwind vorhanden, was auch die bevorzugte Startrichtung war. Warum dieser dann an meinem Absprungort doch plötzlich aus NE kam, ist eine gute Frage. Aber einmal um 180 Grad umgedreht, so war das an meinem designierten Startplatz auf einer Kuppe kein Problem. Anderswo könnte es aber auch bedeuten, ohne das Flugtaxi ins Tal gelangen zu müssen.
Ah natürlich, der Schirm wollte halt auch einfach nochmals die Drusenfluh sehen, das ist der Grund!
Der einzige Schönheitsfehler meiner Rundtour ist der, dass der Flug vom Schuderser Maiensäss zurück zur Talstation der Fanas-Seilbahn sich mit dem Ultralight-Equipment kaum ausgeht. Da müsste man schon auf Thermik treffen oder sehr günstigen Wind haben, das war mir schon im Voraus bewusst. Und tatsächlich war der Touchdown dann im Haupttal bei Schiers Pferpfier. Grundsätzlich wäre es ein Leichtes gewesen, auf der Anreise das Bike dort zu deponieren und die Runde damit als Ski-Fly-Bike-Triathlon zu vollenden. Aber ich dachte mir, dass es entweder mit Autostopp oder dann zu Fuss wohl auch ohne grossen Zeitverlust ginge. Und genau so war es dann. Ich machte mich per Pedes auf die Socken, nach ein paar Minuten wurde ich mitgenommen und punktgenau nach Fanas zur Seilbahnstation chauffiert. So schloss sich diese geniale Runde mit ihrem grossen Exklusivitätsbonus - das war eine Tour ganz nach meinem Gusto gewesen!
Total ca. 1900hm Aufstieg, 2000hm Abfahrt und 1000hm Gleitschirmflug Ski-Schwierigkeit ca. ZS, jedoch diverse Steilhänge, die sichere Bedingungen fordern!
Rätikon Sabra, das stand schon viele Male auf dem Zettel, als es um die Auswahl einer Route ging. Irgendwie kam es doch nie dazu, restlos genau zu erklären ist das nicht. Möglicherweise ist es eine Kombination der mit 8 SL auf dem Papier kurz scheinenden Kletterstrecke und einiger nicht durchwegs positiver Online-Rezensionen. Aber spät(er) ist nicht nie, der Tag kam wo wegen abendlicher Verpflichtungen, einem nicht zu 100% gewitterfreien Wetter und einem schon weit zurückliegenden letzten Rätikon-Besuch die Sabra genau das richtige Ziel war. Zudem sollte ich ja sowieso für den im 2024 geplanten Kletterführer recherchieren, das passte umso besser. Mit der Aussicht auf diesen sollte man online vielleicht nicht alle Körner verpulvern - den textlastigen, einen Kletterführer weit sprengenden Blog gibt's nun trotzdem, für ein aktualisiertes Topo und das Wandbild mit dem Routenverlauf verweise ich aber gerne auf das zu erscheinende Schriftstück.
Die Kirchlispitzen mit der Sabra ganz rechts an der noch grösstenteils schattigen 7. Spitze.
Ich habe es auf diesem Blog nun schon mehrmals erwähnt: die Strasse von Schuders zum Parkplatz bei der Kletterhütte oberhalb des Grüscher Älpli ist neu kostenpflichtig (10 CHF/Tag, bezahlbar mit den Apps Twint oder Parkingpay, Details am Ortseingang von Schuders). Ich präferiere inzwischen das E-Bike für die Strecke: es ist gleich geschwind oder tendenziell schneller wie mit dem Auto (bis Melkplatz 26min hin, 18min retour), es schont die Karrosse und vermeidet Parkplatzprobleme, welches es an Wochentagen in der Vorsaison zwar kaum gibt, im Sommer und Herbst an Weekends aber durchaus. Zur Erinnerung, man darf sich nur auf dem Platz unterhalb vom Kletterhüttli stationieren, wo es für ca. 8 Fahrzeuge Platz hat. Vom Melkplatz stiegen wir zügig in ca. 25 Minuten hinauf zum Einstieg, der sich ca. 20m links vom mir wohlbekannten Start der Kamala befindet. Um 9.45 Uhr hatten wir alles parat und legten mit der Kletterei los.
Die beste Variante, um ins Gebiet zu kommen...
L1, 25m, 6b+: Der Start befindet sich bei einem angelehnten Pfeiler bei einer stark verwitterten Sanduhrschlinge. Dieser bietet problemlose erste Meter zur kompakten Wand hinauf, wo es dann gleich volle Kanne losgeht. Die Absicherung ist gut, dennoch will engagiert gestiegen werden. Es wartet mehr oder weniger senkrechte Wandkletterei an schönem Fels - teilweise mit leichter Staubschicht von der Feuchtigkeit, welche hier wohl doch hin und wieder drückt. Sollte letzteres der Fall sein, so erachte ich die Länge als unpassierbar. Das hat auch mit einem längeren Abstand zum letzten BH hin zu tun, welcher in einem zwar nicht sehr schwierigen, aber doch ziemlich kühnen Quergang erreicht werden will.
Trotz der moderaten Bewertung: schon in L1 (6b+) muss man richtig parat sein!
L2, 25m, 6c+: Dieser Abschnitt bietet eine etwas eigenwillige Routenführung. Der erste BH ob dem Stand ist gut sichtbar und wird mit einer Linksschleife erreicht. Dann quert man weit nach rechts und klettert in einem grossen Bogen dem schönsten Fels und den homogenen Schwierigkeiten entlang (?!?). Der Ausweg aus diesem Wandteil führt aber unweigerlich durch den überhängenden Abschluss der Rissverschneidung. Diese kann bestimmt auf zig verschiedene Arten bewältigt werden, von Riss-Jamming über Kamin-Fortbewegung, Ausspreizen und derlei 3d-Manöver ist vieles vorstellbar. Auch das ist übrigens eine Stelle, wo die Feuchtigkeit lange drückt. Insgesamt handelt es sich hiermit um die vermutlich am besten abgesicherte Seillänge der Route.
Ich sage nur "es täuscht". Dieses Foto gibt keinen adäquaten Eindruck der lässigen L2 (6c+). Vor allem befindet sich der Akteur (auch wenn es trivial aussieht) in der Crux, dem kaminartigen Rissüberhang zu entsteigen ist dann im Fall alles andere als einfach!
L3, 50m, 5c+: Nun ja, gerade attraktiv sieht dieser Abschnitt vom Standplatz unterhalb nicht aus. Das Gelände wirkt eher splittrig und lässt rustikale Verschneidungskletterei bei spärlicher BH-Sicherung vermuten. Schlussendlich entpuppt es sich als weniger schlimm wie befürchtet. Nicht alles was lottrig aussieht fällt gleich auseinander und während auf die gestreckten 50m tatsächlich nur 3 BH stecken, so befinden sich diese genau am richtigen Ort, dazwischen können mobile Sicherungen in anfoderungsgerechten Abständen platziert werden.
In L3 (5c+) macht das Gelände einen etwas splittrigen Eindruck. Sicherlich ist es die alpinste Seillänge der Route, schlussendlich ist es aber doch deutlich angenehmer zu beklettern wie man auf den ersten Eindruck befürchten könnte.
L4, 40m, 6a+: Auch diese Sequenz hat mehr den Charakter einer Übergangslänge zum fantastischen oberen Teil. Hier hätte man sich bestimmt auch eine relativ einfach Linie im vierten Grad zimmern können, doch die Erschliesser wählten einen Weg der erst links eine (erstaunlich knifflige) Plattenstelle einbaut, sich dann rechts schöne Meter sucht und zum Ende einen elegant-griffigen Abschluss findet. Aus der Optik "schöne Klettermeter maximieren" wäre m.E. der Weiterweg über die kompakte Plattenzone links oberhalb des ersten BH logischer gewesen, so hätten sich 40 homogene und sehr schöne Meter im Bereich 6b ergeben (ich hab's im Nachstieg ausprobiert und würde die Route bei der Sanierung dahin verlegen).
Aussichten auf den oberen Routenteil, Jonas in L4 (6a+) unterwegs.
L5, 40m, 6c+: Bis zu diesem Punkt war die Route vielleicht nicht gerade leichtverdaulich, aber doch noch nicht extrem anforderungsreich. Ich schreibe das, weil es ab L5 definitiv einen Gang höher zu schalten gilt. Und zwar schon bald! Über die geneigte Platte pirscht man sich noch problemlos ans aus dem Netz und Erzählungen bereits bekannte Corpus Delicti hinan. Dies besteht aus einer zu 100% zwingenden 6c/+ Reibungsstelle vom zweiten zum dritten BH. Rein metermässig ist der Abstand nicht megaweit, die zwei, drei harten Moves beginnen, wenn man mit den Füssen etwas links oberhalb des Hakens steht. Doch die Stelle ist absolut zurecht berüchtigt - mit dem eher ungünstigen Seilverlauf, den wackligen Moves und einer geneigten Plattenzone unterhalb ist der Mix absolut da, dass es einen womöglich sehr unangenehm runterpaniert. Immerhin wurde der offenbar stark in Mitleidenschaft gezogene Original-BH an dieser Stelle von einer guten Seele durch ein neuwertiges Exemplar ersetzt. Danach geht's vorerst recht gemässigt voran, bis am Ende eine taffe Sequenz nochmals fordert - je nach persönlicher Präferenz zwischen fusslastiger vs. athletischer Kletterei ist das sogar die Crux. In einer Rechts-/Links-Schleife warten coole, zügige und nicht so einfach zu lesende Leistenmoves - echt super, obschon die Felsqualität an der Stelle nur 1b ist.
Erst typische Rätikonplatten, dann powerige Leistenkletterei: in L5 (6c+) wartet das volle Programm.
L6, 50m, 6a: Für Abwechslung ist gesorgt und die folgt hier im Rahmen einer relativ einfachen Seillänge in steilem Gemäuer, wo die Absicherung abschnittweise mobil zu erfolgen hat. Im Auftakt trifft man auf einen Schlaghaken des historischen CFC-Wegs, der hier (wohl teilweise gemeinsam?!?) verläuft. Nach einem Bolt folgt eine abdrängende Schuppe, dann griffige Kletterei über tolle Platten - man achte bloss darauf, seine Sicherungspunkte gut zu verlängern! Denn am Ende (wo man sich mangels weiterem Material möglicherweise zum Verlauf fragt) quert man erst markant an einem geradlinigen Riss vorbei nach rechts, steigt über Platten hinauf um schliesslich den Stand links auf dem Pfeiler zu finden.
Das etwas grasige wirkende Foto wird der langen Reise in L6 (6a) nicht wirklich gerecht. Die Kletterei ist weitgehend super, teilweise selber abzusichern und somit für den tief angesetzten Schwierigkeitsgrad überhaupt nicht langweilig.
L7, 45m, 6c+: Eine wahre Monsterseillänge in prima Fels! Schon gleich aus dem Stand raus geht's los und so richtig "lugg" lässt es nie mehr. Wiewohl wartet nirgends die Megahärte in Form einer extremen Boulderstelle. Doch gleich zu Beginn ist's kräftig an Löchern, Leisten und Slopern, dann bahnt man sich den Weg über sehr schönen, teils mit prima Griffen gespickten Fels. In der zweiten Hälfte wird es dann mehr und mehr fusslastig - erinnerungswürdig v.a. die Linksquerung mit einem einzigartigen 3-Finger-Schlitz (ohne den die Stelle im sonst blanken Gelände wohl kaum kletterbar wäre) mit seinem engagierten Klipp danach. Einfach dran bleiben heisst es, zum Ende wird es dann an einem Riss nochmals athletisch, wobei da selbst bei verlängerten Sicherungen (und sonst erst recht) das Seil in die ungünstige Richtung zieht.
Mit Aussichten aufs Schweizertor in der Monsterlänge L7 (6c+)
L8, 45m, 7a: Zum Ende folgt die am höchsten bewertete Seillänge und tatsächlich findet man da klar die schwierigsten Kletterstellen. Los geht's mit einer leicht überhängenden, griffarmen Wandstufe, die zu einer einfacheren Verschneidung führt. Die Moves sind erst hart und der Exit ins einfacher werdende Gelände heikel. Man kann da durchaus fallen und sollte das passieren, so kommt man wegen dem tief steckenden BH mit dem Belayer und dem Standband sehr viel schneller in intimen Kontakt als einem lieb ist. Man kann zwar einen 0.2er Cam platzieren der das verhindert, aber auch nur wenn man so viele Reserven hat, dass man wohl einfacher gleich durchzieht, bis man oben steht (Anmerkung der Redaktion: der Cam lässt sich auch aus einer Trittschlinge platzieren - was, wenn man sich nicht ganz sicher ist, der Gesundheit zuliebe vielleicht nicht der dümmste Approach ist). In griffigem Gelände gelangt man zu den nächsten Herausforderungen, welche in einem reibungslastigen Runout in einem seichten Winkel zu hoch steckendem Bolt und einer Boulderstelle mit nicht offensichtlicher Routenwahl bestehen. Das ist es aber noch nicht, das Schlussbouquet folgt erst danach in Form von einer grifflosen Zauberstelle (in senkrechtem Gelände, notabene). Für uns hat sich da keine machbare Lösung erschlossen, schon gar nicht in 7a-Kragenweite. Immerhin geht's da kommod A0 und die letzten 10m zum Stand stellen auch kein unüberwindbares Hindernis dar.
Kein Top-Foto und aussehen tut's ähnlich wie davor. Das ist aber am Routenende in L8 (7a).
So erreichen wir um 16.15 Uhr nach doch 6:30h der Kletterei das Top. Nun ja, die für 8 SL doch recht lange Kletterzeit ist schnell erklärt: in den meisten Längen wird das Seil ausgeklettert, vielfach ist es über längere Passagen schwierig und während die Absicherung wohl als "gut" bezeichnet kann, so erlaubt sie kein zügiges Durchmarschieren, sondern wohlüberlegtes Vorgehen. Noch dazu sind die einfacheren Abschnitte eher spärlich geboltet, so dass dort mit selber absichern, Wegsuche und zurückhaltendem Vorgehen auch nicht aufs Tempo gedrückt werden kann. Für den Rückweg kann man entweder über die NE-Flanke abkraxeln und dann via Schweizertor zu Fuss absteigen oder auch Abseilen, wozu 7 Manöver fällig sind. Um die Schuhe nicht mitnehmen zu müssen, hatten wir uns dafür entschieden. Je nachdem wie speditiv man ist, dauert es wohl nur ein bisschen oder auch ein Stücklein länger wie der Fussabstieg. Nachher machten wir uns zügig auf die Socken, genossen den Bike-Downhill nach Schuders und fuhren einer 40. Geburtstagsparty entgegen, die genau wie die Sabra und die Erinnerungen an die Kamala daneben in Erinnerung rief, dass es schon eine gute Weile her ist, seit ich auch noch so jung war.
Tolle Rätikontour, welche unten noch etwas verhalten startet aber auch dort schon schöne Passagen bietet. Die obere Hälfte weist dann durchgehend besten Fels und geniale Kletterei auf. Die Route ist eher länger, wie die nur 8 SL suggerieren, da diese meist lang sind, sowie komplexe und anhaltende Kletterei bieten. Da zusätzlich die Haken nicht immer in einer Linie stecken, kämpft man am Ende der Seillängen meist gegen Seilzug - man beherzige sich den Tipp, genügend verlängerbare Alpine Draws mitzunehmen und diese auch einzusetzen. Die schwierigen Stellen sind gut eingerichtet, weisen aber doch immer wieder zwingende Passagen nahe der Höchstschwierigkeit auf. An den einfacheren Stellen stecken die Bolts eher spärlich und mit grossen Abständen. Das ist aber insofern wenig problematisch, als dass dort meist gut mit mobilen Mitteln ergänzt werden kann. Die Geräte der Wahl sind kleine Cams 0.2-0.75 - entweder doppelt oder dann mit einem Satz Keile ergänzt. Grössere Cams (1-2) bringt man sicher auch mal unter, sie scheinen mir aber verzichtbar. Hinweis: Jahreszeit beachten, da im Schatten vom Schweizereck gelegen, erscheint die Sonne trotz SE-Ausrichtung erst recht spät und verschwindet aus den oberen Seillängen spätestens Mitte Nachmittag. Topo und weitere Details zu den Routen im Panico-Führer Rätikon Süd, dessen Neuerscheinung für 2024 geplant ist.
Vermutlich wird dieser Beitrag niemanden vom Hocker reissen. Muss er natürlich auch nicht, er soll auch nur eine (vielleicht doch nicht ganz) gewöhnliche Skitour dokumentieren. Mir war es nach "nicht zu weit, nicht zu extrem, nicht zu speziell", aber Neuland sollte es dann doch gerne sein und auch nicht unbedingt ein Ziel, welches im Fokus der Massen steht. Schliesslich fand ich meine Destination im Gebiet der Aschariner Alp bei St. Antönien.
Fantastisch die Mauer der Rätschenflue, ebenso wie der Hang vom Wandfuss hinunter!
Meine Tour startete bei der Brücke und Postautohaltestelle Ausserascharina P.1274. Noch ein wenig günstiger wäre jene bei der Alpbachbrücke, spielt aber keine wesentliche Rolle. Schnee lag beim Ausgangspunkt nicht üppig viel, aber doch gut genügend, um auch wieder dahin abzufahren. Ebenso war eine schön griffige und gut ausgetretene Aufstiegsspur vorhanden, so dass ich zügig an Höhe gewinnen konnte. Bald einmal war die Aschariner Alp erreicht, wo die das Tal abschliessende Rätschenflue der Blickfang ist. Sie lockt unglaublich für eine Besteigung, sowohl aus der Ferne wie auch aus relativer Nähe sieht sie einfach famos aus. Es gibt aber nur 2 alte Routen von 1947 und 1972, welche der SAC-Führer von 1988 mit dem Attribut "makaber brüchig" beschreibt und von einer Wiederholung abrät - was natürlich schon fast wieder dazu einlädt, denn die quasi schlechtestmögliche Route müsste man zwecks Kalibration seiner Massstäbe ja auch einmal machen. Nebst einem genauen Blick auf dieses Gemäuer wollte ich auch noch alle kotierten und benannten Kulminationspunkte in der SE-Ecke des Tals besuchen. Diese bieten keine Schwierigkeiten, dementsprechend konnte ich sie auch alle mühelos einsammeln. Der Höhepunkt meiner Tour war beim leider namenlosen P.2435, der ein absolut logisches Ziel im Talschluss darstellt. Doch heute bot er nicht nur das, sondern an den südseitigen Felsen auch eine wohltemperierte und windstille Gipfelrast, sowie in seiner Nordflanke besten Pulverschnee.
Gipfelblick auf's heute hohe Nebelmeer, am rechten Bildrand die bekannteren Rätikonwände.
Weiter unten gibt's zwischen dem Hinter- und dem Vordersäss eine pistenartige Passage. Zwischen 1800-1600m ist die Schneelage am knappsten, aufgrund dem rauen Gelände war auch da der pistenmässig eingefahrene Güterweg die Linie der Wahl. Ab da hat's wieder glatte Wiesen, wo man nach Belieben im führigen Pulver schwingen konnte. Der Sparfuchs hatte natürlich auf seine alten Bretter gesetzt, konstatierte aber am Ende, dass es auch mit etwas Umsicht auch mit dem neuen Material gut gegangen wäre. Höchst zufrieden über einen wohl nicht spektakulären, aber doch genussreichen Ausflug in den Schnee machte ich mich auf den Heimweg.