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Freitag, 9. August 2019

Salbit - Jimmy (6b+)

Die Jimmy (11 SL, 430m, 6b+) ist eine Kreation der Remy Brothers in der Zwillingsturm SE-Wand am Südgrat des Salbit. Sie verläuft in unmittelbarer Nachbarschaft des ungleich bekannteren Villigerpfeilers. Im Topo 'Salbit Erleben' wurde sie zwar schon immer mit der Höchstnote von 5 Sternen ausgezeichnet. Trotzdem geriet sie in Vergessenheit: die Ausrüstung war eher spartanisch, die Uraltbolts korrodiert und die Risse, nachdem nie geputzt wurde, teilweise zugewachsen. Das änderte sich im Herbst 2018 mit dem grandiosen Einsatz von Bunschi und Gefährten: die Risse wurden gereinigt, alle Haken mit neuem Inoxmaterial ersetzt und wo sinnvoll, auch die Linie korrigiert. Dies alles wollten wir mit unseren eigenen Sinnen erfahren und soviel vorweg, es war der Hammer!

Sicht auf den Zwillingsturm und die Route Jimmy. Der Einstieg und die ersten 2 Seillängen sind hier gut nachvollziehbar, der obere Teil ist zwar korrekt eingezeichnet, aber perspektivisch stark verzerrt. Rechts eingekreist ist die markante Aufschrift 'Clog'. In Originalauflösung sind rechts auch noch 2 Kletterer im Villiger-Pfeiler zu erkennen.
Nun, der Zustieg zum Salbit ist nicht eben kurz, insbesondere wenn man die Routen als Tagestour angehen möchte. Damals zur Ruska hatte ich mit Chris gerade gute 2 Stunden gebraucht. Zur Jimmy nahmen wir es ob der Hitze und der zusätzlich mitgeführten Flugausrüstung ein wenig gemütlicher. Reine Gehzeit brauchten wir etwas weniger als 2.5h, wobei hier eine halbstündige Pause auf der Terrasse der Salbithütte nicht mit eingerechnet ist. Diese machte aber durchaus Sinn, nicht nur für den Flüssigkeitsnachschub. Sondern auch, um vom Hüttenwart Richi die neusten Infos über die Jimmy einzuholen, sowie auch über die sonstigen Aktualitäten im Salbitgebiet informiert zu werden. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank dafür!

Der erste Blick auf's Salbitmassiv von wenig oberhalb des Reglibergs.
Auf den letzten Metern zum Einstieg lag noch Schnee, das wussten wir schon von der Konsultation der Webcam-Bilder. Bei ungünstigen Bedingungen (Hartschnee, Randkluft) kann das zur Herausforderung werden, das Gelände ist doch 35-40 Grad steil. Im Falle des Falles findet man unter einem grösseren Block mit roter Markierung noch einen alten, deponierten Pickel. Zur Zeit unserer Begehung stellte das alles kein Problem dar, der Schnee war weich und die Randkluft inexistent, d.h. man konnte einfach zum Fels marschieren. Entgegen den Skizzen in den alten Topos befindet sich der Einstieg weiter rechts als angegeben, nur 3-4m links von Clock & Stock, welche gross in weisser Farbe mit "CLOG" angeschrieben ist. Mit einer ersten Solo-Risskletterei über 5-6m gelangten wir vom Schnee zu 2 Stand-BH, bei vollständiger Ausaperung ist da womöglich bereits eine (kurze?) Seillänge fällig. Bis wir alles parat hatten und nochmals ausgiebig mit Sonnencrème eingeschmiert waren, wurde es ca. 11.45 Uhr.

Die grandiose Arena unter den Südgrattürmen. Nur noch das Schneefeld hinauf, dann geht's los!

L1, 55m, 6b+:
Entlang der Rissverschneidung geht es geradeaus aufwärts. Es dauert nicht allzu lange, bis man das erste Mal zu den Cams greift, weil die Kletterei ziemlich knifflig ist. Während es im Mittelteil dann vorerst einmal etwas gemässigter vorwärts geht, wird es zum Schluss nochmals richtig schwierig. In der V-Verschneidung müssen alle Register und Techniken eingesetzt werden (Spreizen, Jammen, Piazen, ...). In den alten Topos steht zwar nur eine Bewertung von 6a+, aber meinem Empfinden ist hier sicher eine 6b+ zu veranschlagen. Zum Stand hin war mir dann sowohl das Material wie auch das Seil ausgegangen, unsere 50m-Stricke reichten deutlich nicht und der Nachsteiger musste ein paar Meter nachfolgen.

Die V-Verschneidung im oberen Teil von L1 (6b+) ist ziemlich anspruchsvoll zu klettern!
L2, 50m, 6a: Um die Ecke (der Start ist echt cool) geht's in die nächste Verschneidung. Vom Stand her sieht's echt steil aus und wir stellen uns auch wieder auf fordernde Kletterei (original 5c+) ein. Nachdem die Seitenwände hier mehr strukturiert sind und alles ein wenig griffiger daherkommt, fallen die Schwierigkeiten dann aber doch spürbar geringer aus als in L1. Der Stand nach dem Ausstieg auf die grasigen Terrassen eher etwas links zu finden.

Die zweite Seillänge (6a+) sieht nicht minder eindrucksvoll aus, entpuppt sich dann aber als etwas gängiger.
L3, 50m, 5a: Über grasige Bänder und einige felsige Aufschwünge geht's in diesem, am wenigsten attraktiven Abschnitt der Route wieder volle 50m vorwärts. Es stecken 3 neue BH, welche von weither sichtbar sind und den Weg weisen, kurz vor dem Stand dann auch noch ein alter Ring-BH.

L4, 60m, 6a: Hinein in den oberen Wandteil, der mit der markanten Verschneidung leicht rechts startet. Der Splitter Crack vom Villigerpfeiler befindet sich nur wenige Meter noch weiter rechts. Am Beginn der Verschneidung (d.h. nach 10-15m über einfaches Gelände) befinden sich nochmals 2 BH. Wer mit 50m-Seilen den nächsten Stand erreichen will, muss hier nochmals Halt machen. Ist jedoch nicht unbedingt nötig, das der Zweite bei "Seil aus" die einfachen ersten Meter gut folgen kann. Die Kletterei in der Verschneidung ist echt cool, gegen oben hin wird es immer schwieriger. Zuletzt dann links raus um die Kante zu Stand.

Der obere Wandteil mit seinen klar geschnittenen Linien, gesehen vom Stand nach L3.
L5, 25m, 6a: Wie in der Dawn Wall gibt's auch hier eine Loop Pitch! Die direkte Querung nach links ist sicher möglich, sieht und fühlt sich bei einer Anprobe aber ziemlich schwierig an (>6a?). Der logischere Weg führt vom Stand der Schuppe entlang 5m nach unten, dann 3m nach links und den Rissen entlang wieder hinauf. Dann weiter den Rissen entlang zu Kettenstand und Muniring, der für einmal schon ziemlich bald folgt.

Hand Jam in L5 (6a). Risshandschuhe (=Hand Jammies) zu tragen ist übrigens auf der ganzen Routen sinnvoll.
L6, 30m, 6a: Erneut geht's mit einer schwierigen Linksquerung los, diesmal ist der Move aber auch ohne Loop gut machbar. Danach weiter schön und anhaltend der Verschneidung entlang.

Fantastische Kletterei, immer der Sonne entgegen, auch in L6 (6a).
L7, 25m, 6b: Während man zuerst der Verschneidung folgt, erklettert sich das Dach mit dem Rechtsknick nicht dem Risssystem entlang, sondern rechts in der Wand. Dabei gibt es tatsächlich einen etwas kniffligeren Move (der zudem auch obligatorisch ist). Die Bewertung von 6b global gesehen vielleicht schon ok, im Vergleich zu vielen anderen Seillängen der Route fand ich diesen Abschnitt aber einfach.

Eine kurze Passage in Wandkletterei, das Rissdach wäre hier mühsamer zu klettern in L7 (6b).
L8, 25m, 6b+: Vom Stand im Niemandsland der feinen Rissspur entlang unters Dach und mit einem weiten Move nach links an die griffige Schuppe. Piazend aufwärts, die Griffe bleiben nicht ganz so gut und man tritt auf etwas brösmeligem Fels an. Die Crux kommt dann aber erst ganz am Schluss, wo man knifflig nach links um die Ecke muss - man finde die seichten Klemmer und sehe zu, dass die Pfoten nicht rausflutschen!

Feine Rissspur zu griffiger Schuppe, an welcher dann kräftig gepiazt werden will in L8 (6b+).
L9, 45m, 6b: Zuerst geht's noch gemässigt daher, es kommt wieder einmal die Double-Gaston-Technik zum Einsatz. Sowas braucht man ja eher selten, in der Jimmy aber längst nicht das einzige Mal. Ganz generell ist so, dass das Gelände zwar gar nicht allzu steil ist. Um rein auf Reibung anzutreten reicht es dann aber doch nicht, so dass man sich stets irgendwie hinpressen muss. Anyway, diese Seillänge geht dann in einen Riss über, wo schliesslich 3m rechts aussen in der Wand ein Standplatz ist. Dieser scheint mir schwierig zu erreichen und ich bin mangels aktuellem Topo verwirrt, da es gemäss den älteren Skizzen an dieser Stelle auch zum Kontakt bzw. Kreuzung mit dem Villigerpfeiler kommt. Daher also weiter dem Riss entlang. Mittels Jamming und Verklemmen der Füsse geht's, die Cams kommen zum Einsatz, gar nicht mal so einfach! Schliesslich gehen mir Seil und Material aus, doch ein Stand kommt keiner (derjenige rechts aussen wäre es eben doch!). Gerade beim Kreuzungspunkt mit dem Villigerpfeiler lässt sich aber mit BH und einer soliden Schlinge an einem Felskopf auf bequemer Trittleiste einer improvisieren. Vermutlich fast die bessere Lösung so!

Mal ein bisschen Schatten war gar nicht schlecht, Sonne hatten wir an diesem Tag schon viel abbekommen. Allerdings für die Fotoqualität ist's nicht unbedingt förderlich ;-) Trotzdem kommt hier der anspruchsvolle Jam-Riss in L9 (6b) noch einigermassen zur Geltung. Es sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich erwähnt. Ich sichere hier nicht von einem offiziellen oder eingerichteten Standplatz, der improvisierte ist jedoch sehr gut.
L10, 25m, 6a+: Über den Aufschwung und weiter dem Riss entlang. Es wartet eine feine Stelle, der Rest entpuppt sich dann als deutlich gutmütiger. Man trifft schliesslich auf einen gemeinsamen Stand mit dem Villigerpfeiler.

L11, 30m, 6b+: Die glatte, fordernde Piazverschneidung geradeaus habe ich vom Villigerpfeiler her noch gut in Erinnerung. Unsere Route verlässt sie aber in ein paar Metern überhängend-griffiger Kletterei nach links (Crux). Ist man einmal um die Ecke, wartet nur noch (vermeintliches) Cruising-Gelände, das sich dann doch ein bisscshen schwieriger als gedacht entpuppt. Dennoch zügig geht's zum Stand am Top des Zwillingsturms.

Top of Zwillingsturm erreicht nach gut 5:00h anspruchsvoller, aber genialer Granitkletterei.
Wenige Minuten vor 17.00 Uhr und damit nach gut 5:00h Kletterei tragen wir uns im Wandbuch ein. Ich kann es nicht unterlassen, das Buch durchzublättern. Und siehe da, es ist fast exakt 10 Jahre her, seit ich mit Kathrin diesen Punkt via den Villigerpfeiler erreicht hatte. Das war nur wenige Wochen nach unserer Hochzeit und ein paar Monate vor der Geburt unserer Tochter gewesen. Tolle Erinnerungen, aber heia wie die Zeit vergeht - mir kommt es vor, als sei es erst gestern gewesen! An der Gipfelwand sind noch einige Seilschaften unterwegs. Wir aber begnügen uns mit einem Rundblick und denken dann bald ans Abseilen, es wartet ja doch noch ein zünftiges Restprogramm auf uns. Für den ersten Abseiler ist es definitiv geeigneter, nicht den Stand am Gipfel/Buch zu nutzen, sondern jenen wenige Meter tiefer in der Scharte. Nach knapp 50m befindet sich ein weiterer Abseilstand. Man könnte von dort nun über die Abseilpiste "Bärner Blitz" weiter, optimaler ist es jedoch, zum Stand nach L8 abzuseilen und dann in 5 weiteren Manövern über die Route zurück zum Einstieg, zuletzt reichten die Seile gerade knapp bis auf den Schnee, Dauer total ca. 1:00h.

Panorama vom Zwillingsturm, was für eine tolle Bergwelt!

Tiefblick auf den Salbit Westgrat. Bald erscheint ein neuer Artikel aus meiner Feder dazu!
Zurück am Einstieg bleibt uns dann keine Zeit zum Trödeln. Wir wollen ja noch in die Luft und die SE-Mulde unterhalb kriegt immer mehr Schatten, irgendwann wird der katabatische Abwind einsetzen. Wenige Meter unterhalb, beim Einstieg von Licht + Schatten ist es etwas flacher, hier wäre ein Start denkbar. Es hat aber nur 1 Schirm auf's Mal Platz und es ist trotzdem steil. So scheint es uns einfacher und zeitsparender, rasch 100hm durch den weichen Schnee abfahrend zu vernichten und dort auszulegen. Ein leichter Zug von hinten ist schon spürbar und wir müssen die Schirme entsprechend befestigen. Die Handgriffe sitzen aber routiniert und um 18.20 Uhr wird entschlossen abgehoben. Dank dem ideal geneigten Gelände geht's perfekt. Wir müssen nur ein wenig Vorfliegen an die Kante zum Voralptal, dort steht wie vermutet schon die erste Bombenthermik. Im Nu geht's aufwärts, es ist ein Kinderspiel, den Gipfel nochmals zu erreichen, ja sogar zu überhöhen. Die Fliegerei in solch starker Thermik mit dem Minimal-Equipment (Typ 1-Lagen-Plastikfolie mit ein paar Zahnseidefäden) ist durchaus speziell und sehr, sehr eindrücklich. Es geht aber gut und sowieso ist es mehr Kopfsache - mit dem Streckenschirm und dem Beinsack-Gurtzeug hat man zwar schon mehr Material um sich, aber eine geschützte Druckkabine ist das ja dann doch auch wieder nicht.

Hey ho, let's go! 2 Minuten Surf in schön weichem Schnee zum Startplatz.
Auf jeden Fall ist es genial, auf diese Art und Weise das Salbit-Massiv aus einer neuen Perspektive zu sehen. Irgendwann ist dann doch Zeit, um sich auf den Heimweg zu machen. Das dauert, sind doch noch über 2000hm zu vernichten und es trägt selbst über dem Tal draussen sehr gut. Auch die Landung ist dann eher auf der sportlichen Seite. Der Talwind ist zwar nicht überaus stark, aber jojomässig geht's mal runter und dann doch wieder rauf. Gut jedenfalls, wenn man bereits bei früherer Gelegenheit und anderem Material Erfahrung in solchen Conditions gesammelt hat. Der Schlüssel liegt ganz einfach darin, Geduld zu haben und sich auf das Pilotieren zu konzentrieren. Auch wenn der Boden schon nahe scheint, die Sache ist erst gegessen, wenn beide Füsse auf der Erde sind. Etwas nach 19 Uhr nach einer knappen Flugstunde setzen wir schliesslich auf. Alles perfekt gelaufen, bis auf eine am Schirm versteckte Biene, die mich beim Zusammenlegen noch sticht - wow, war das ein Tag!

Hier habe ich mich dann einmal getraut, die Pfoten von den Bremsen zu nehmen und ein Foto zu machen. Mitten über dem Tal, und immer noch fast höher als der Salbit. Das war schon ein  unglaublicher Thermik-Hammertag, schliesslich ist es zum Zeitpunkt des Fotos schon nach 18.30 Uhr abends!

Facts

Salbit Zwillingsturm - Jimmy 6b+ (6b obl.) - 11 SL, 430m - C. & Y. Remy 1988, saniert R. Bunschi et al. 2018 - *****;xxx(x)
Material: 2x50m-Seile, 14 Express (min. 6 verlängerbare), Cams 0.3-3, evtl. 0.3-1 doppelt, evtl. Keile

Grandiose Granitkletterei entlang von vielen, dank der Sanierung im 2018 nun sauberen Rissen und Verschneidungen. Die Route kann meiner Meinung nach mit den besten Granit-Gustostücklein der Welt mithalten, so dass ich gerne die Höchstnote von 5 Sternen vergebe. Einzig die so richtig ausgesetzte Linie in einer steilen Wand bleibt der Jimmy vorenthalten - die Kletterei ist oft etwas "liegend", bei dafür nicht so stark strukturiertem Fels. Mit einer Bewertung von 6b+ und vielen Seillängen im Bereich 6a mag die Route als "an easy day" erscheinen. Dies täuscht jedoch, es warten viele fordernde Klettermeter und die Bewertungen sind granittypisch hart. Im Vergleich zu manch anderer, moderner Kalktour kann man gerne überall einen Buchstabengrad hinzuzählen und z.B. die mit 7a bewertete Sacremotion am Chli Bielenhorn würde ich aus Gesamtsicht als einfacher betiteln. Die Absicherung mit besten Inoxmaterial ist seit der Sanierung sehr gut, muss jedoch vielerorts mit Cams noch vervollständigt werden, was sehr gut möglich ist und sich bei den vielen Rissen auch anbietet. Wer die Schwierigkeiten im Griff hat, kommt mit 1 Set Cams 0.3-3 durch. Wer üppiger und weniger taktisch legen will, ist möglicherweise um ein zweites Set vom 0.3-1 froh. Ein präzises Topo in gedruckter Form gibt es derzeit nicht. Die beste Literatur ist der Führer "Salbit Erleben", welcher jedoch den Stand vor der Sanierung zeigt und bzgl. aktuellem Routenverlauf und Absicherung nicht mehr wirklich stimmig ist. Unten findet ihr meine Skizze. Ich habe unterwegs keine Notizen gemacht, die Angaben zur Anzahl Bolts und den gelegten Cams sind daher ohne ganze exakte Gewähr, geben aber hoffentlich doch einen guten Anhaltspunkt.

Topo der Jimmy am Salbit Zwillingsturm


Dienstag, 29. Oktober 2013

Salbit - Ruska (6b+)

Für womöglich eines der letzten schönen Herbstweekends hatte ich mich mit Christoph verabredet. Nach einem fast abstinenten Klettersommer war er zwar noch nicht in Topform, aber dennoch motiviert für eine lange und grosszügige, wenn auch nicht allzu schwere Route. Locker 20 interessante Ziele umfasste die Shortlist, die Wahl fiel schliesslich auf den Salbit. Das war durchaus logisch, denn erstens ist das sowieso immer eine gute Wahl, zweitens kann man mit Christoph den nicht ganz kurzen Zustieg effizient erledigen und drittens ist es einfach toll, Ende Oktober noch auf fast 3000m Höhe zu klettern und dabei das im Sommer vielbesuchte Salbit-Massiv (fast) komplett für sich alleine zu haben.

Morgenstund hat Gold im Mund... Zügiger Aufstieg zur Salbithütte und weiter Richtung Südgrattürme.
Gemäss wohlüberlegter Zeitplanung gingen wir von einem 12 Stunden-Auto-zu-Auto-Tag aus. Um gegen hinten etwas Reserve zu haben, hiess das früh Aufstehen, und Aufbruch im Göschener Tal um 6.40 Uhr. Mit wohldosiertem Material auf dem Rücken (genau das, was es braucht, aber nichts zuviel) stiegen wir in zügigem Tempo via Regliberg zur verwaisten Salbithütte hoch. Wir stoppten nur kurz die Zwischenzeit auf 1:10 Stunden, zogen in einem 'Schnuuz' weiter und strebten den Südgrattürmen entgegen. Nach kurzer Topo-Konsultation war der Einstieg der Ruska auf einer gemütlichen Granit-Terrasse identifiziert, welchen wir nach gerade 2:00 Stunden Gehzeit (für gut 1300hm) erreichten. Erwähnt sei auch, dass die Richtzeit gemäss den Kletterführern 4:00 Stunden beträgt, so dass man normalerweise kaum auf die Idee kommt, die Tour aus dem Tal anzugehen.

Übersicht über die von uns gekletterte Route (rot=Ruska, orange=Südgrat, gelb=Abseilen über Salbitissima/Niedermann)
Nun war erst einmal das Frühstück fällig. Während frühmorgens die ersten Sonnenstrahlen den Salbit golden erleuchteten, waren indessen dichte Schleierwolken hereingezogen. Wir stellten uns die Frage, wie genussvoll denn die angedachte Kletterei wohl werden würde. Die Temperaturen waren zwar nicht gerade frostig, vorsichtshalber montierten wir aber doch einmal alle mitgebrachten Kleider. Zum Glück dauerte es nur kurze Zeit, bis die Sonne zurückkam und wir uns wieder davon entledigen konnten. Um 9.15 Uhr fiel schliesslich der Startschuss, und ich brach in die erste Seillänge auf.

Super schöne Granitterrasse am Einstieg, hier lässt's sich's bequem rasten.
SL 1, 30m, 5c: Zügig absolvierbares Aufwärmprogramm, schwierig ist eigentlich nur der erste Schritt in einen geneigten Riss hinein. Danach folgt gemütliche Kletterei diagonal nach rechts hoch bis zum bequemen Stand auf einem Graspodest.

SL 2, 50m, 6b: Formidable Kletterei entlang einem System von Schuppen, der Fels perfekt. Wenn man sich dann fragt, ob es das nun schon gewesen sei mit der 6b, so wartet etwas unscheinbar der Ausstieg aus einer Verschneidung in eine flachere Zone. Reibung, Spreizen, Ganzkörpereinsatz, ... Lösungsansätze gibt es hier sicher viele, nix wird ganz einfach sein. Zuletzt dann einfacher zum Stand.

Entlang einem sehr schönen System von Rissen und Schuppen in SL 2 (6b).
SL 3, 40m, 6a+: Schöne Seillänge, welche nach gemässigtem Start mit ein paar feinen Moves zu einem kleinen Dächlein hin aufwartet. Dieses stellt die Crux dar, etwas links halten hilft. Danach ist das Gelände ziemlich plattig, zuletzt mit einem längeren Abstand zum Stand hin.

SL 4, 30m, 6a+: Cooler Challenge, ein Test für den Haftreibungskoeffizienten! Nach einem einfacheren Auftakt geht es bald los, mit beinahe griffloser Reibungskletterei. Die Absicherung ist gut, trotzdem muss man zwischen den Haken ein paar Mal gescheit hinstehen, sonst wird das nix. Im Vergleich mit den anderen Längen der Tour könnte man hier wohl auch 6b geben, es ist sicher die anspruchsvollste Plattenstelle.

Christoph schleicht der Plattenkante entlang in SL 4 (6a+).
Zwischenstück, ca. 50m, Gehgelände: Problemloser Abschnitt, welcher den unteren mit dem oberen Wandteil verbindet. Man kann hier gut rasch das Seil aufnehmen und gemeinsam steigen. Im Frühjahr können allenfalls Schneereste am Wandfuss des oberen Teils ein Hindernis darstellen. Auch bei unserer spätherbstlichen Begehung war noch etwas vom Oktoberschnee übriggeblieben. Zwar liess sich der obere Wandfuss gut erreichen, nasse Finken und kalte Füsse gab es trotzdem.

Am Einstieg zum oberen Wandteil, dem Risssystem ob dem Kletterer geht's entlang.
SL 5, 45m, 6a+: Prima Risskletterei, die sich als eher schwieriger und anhaltender entpuppt als man vom Einstieg aus meinen könnte. Die anzuwendenden Techniken sind ziemlich abwechslungsreich, auf einem längeren Teilstück hilft dann aber nix anderes als ein kräftiger Piaz. Die Absicherung mit 6 BH ist vernünftig, man legt dazwischen aber jeweils gerne noch 1-2 zusätzliche Sicherungen.

Zwischendurch mal kräftig piazen... so bewältigt man SL 5 (6a+).
SL 6, 35m, 5c: Interessante Länge mit Wand- und Reibungskletterei. Nach dem zweiten BH ist die Rissspur zwingend nach rechts zu verlassen, geradeaus wird's gemüsig und schwer. Aber keine Angst, es kommen dann schon wieder BH. Als Bewertung fände ich hier 5c+ sicher passender.

SL 7, 25m, 5c+: Das am wenigsten attraktive Teilstück der Tour führt zwar meist über schönen und eher einfachen Fels, die Wandzone ist aber ziemlich geneigt und etwas grasdurchsetzt. Auch sehr direkt über die Haken geklettert warten hier keine besonderen Schwierigkeiten, 5c reicht als Bewertung sicher locker aus.

Das ist bereits der Auftakt in SL 8 (6a+). Solche breite Risse können mühsam zu klettern sein - der hier ist es nicht.
SL 8, 40m, 6a+: Nun geht's wieder in super Fels und eindrücklichem Gelände weiter. Ob dem breiten Piazriss schwant einem bereits Böses, die Kletterei entpuppt sich dann dank der griffigen Schuppe und einige Tritten als erstaunlich gängig. Die Schwierigkeiten beginnen denn auch erst gegen Ende der Seillänge hin, wo man in feiner Wandkletterei an kleinen Grifflein und auf Reibung in die Höhe tanzt - gut abgesichert aber ziemlich zwingend.

Weiter oben in SL 8 (6a+) wartet dann feine Wandkletterei mit einem kleinen Runout.
SL 9, 50m, 6b: Einfach eine Hammer-Granitseillänge! Vom Stand weg Go-Go-Gadget-o-Arm nach rechts in den Riss, und diesem griffig folgen bis unters Dächlein. Dieses zu unterqueren und zu übersteigen ist die Crux, was ich jetzt für 6b eher gutmütig fand. Doch damit nicht genug, über viele Meter geht es hier noch den griffigen Schuppen entlang weiter, einfach ein Traum.

Christoph gerade in der Crux von SL 9 (6b). Einfache eine geniale Traumseillänge.
SL 10, 35m, 6b+: Tolles Schlussbouquet über den nun bereits recht schmalen Südgrat. Etwas rechtshaltend haben die Erstbegeher eine eigenständige Linie gefunden. Mal etwas Reibung, dann und wann ein Riss oder ein Aufschwung mit griffiger Schuppe, der absolute Klettergenuss! Statt den Irniger-Stand am eigentlichen Routenende zu verwenden, kann man übrigens auch noch (schöne!) 10m weiterklettern und Stand am Muniring auf dem Gipfel des Turms machen.

Die letzte Seillänge (SL 10, 6b+) in atemberaubender Position auf dem Südgrat und genial schön.
Um 13.20 Uhr hatten wir das Ende der Ruska erreicht und mit 4:00 Stunden Kletterei unsere Marschtabelle um einiges unterboten. Das war jetzt wirklich ganz toll: erwartungsgemäss konnte ich alles problemlos klettern, die Absicherung war gut und die Route immer interessant mit vielen schönen Kletterstellen. Da wir noch Zeit hatten, lag auch der Weiterweg über den Südgrat noch gut drin. Diesen Klassiker hatte ich noch nie begangen, und wenn man vom Ende der Ruska über die folgenden 2 Türme weitersteigt, so nimmt man die Crux und weitere sehr schöne Meter mit. Und ob man vom Ende der Ruska zurück über die Route abseilt, oder vom Gipfel des Plattenturms über Salbitissima/Niedermann, oder gar vom Zwillingsturm über den Berner Blitz macht effektiv keinen grossen (Zeit-)Unterschied.

Vom Ende der Ruska kann man gut noch ein Stück über den Südgrat weiterklettern. Christoph macht sich auf in die Crux.
SL 11, 50m, 6a: Der Turm mit der Südgrat-Crux sieht attraktiv und auch gar nicht so einfach aus. Gut, die Schwierigkeiten liegen ja eher im Plaisir-Bereich, und so hatten wir im Vorfeld über die Möglichkeit einer Solo-Begehung des Grates sinniert. Aber ich muss sagen, dafür muss man doch etwas auf dem Kasten haben und mentale Stärke zeigen. Die Schlüsselstelle ist ja doch gehörig exponiert, ziemlich glatt und der Piaz unangenehm ausdrehend. Aber gut, im neusten Plaisir Selection ist das frei auch mit 6a bewertet, was durchaus hinkommen könnte.

Das sind gerade die schwersten Moves am Salbit-Südgrat (6a frei, auch A0 möglich). 
SL 12-14, 100m, 4c: Nun sind es nominell noch 3-4 Seillängen bis auf den Plattenturm. Die Schwierigkeiten liegen meist im vierten und kurz im unteren fünften Grad, so zogen wir das gleich am langen Seil durch. Ist aber kein mühsamer Rampf und Pflichtaufgabe, sondern wunderschönes Moven, ein toller Abschluss. Hier und da mag ich (ohne Topo) nicht den einfachsten Weg erwischt haben, vor allem zuletzt zum Gipfel des Plattenturms, wo ich eine ziemlich steile, nicht ganz einfache Linie entlang einiger Schuppen (nicht alle davon fest) durch die NW-Wand gewählt habe, was aber doch auch gut ging.

Büroarbeit ist auch wichtig - hier nun bereits beim Abseilen über die Salbitissima.
Um 14.20 Uhr waren wir schliesslich beide oben auf dem Plattenturm. Nordseitig abseilend könnte man hier den Grat weiter über den Zwillingsturm und die Gipfelwand verfolgen. Ja nach Lust und Laune stünden hier nochmals einige schöne Seillänge bis zum Grad 6a+ zur Verfügung. Wir indessen hatten kein Schuhwerk für einen Fussabstieg dabei und folgten unserem Plan, über die SE-Wand abzuseilen. Dabei zieht man erst 4 Abseiler über die steile zweite Episode der Salbitissima (sieht super aus, ist aber mit bisher 7 Begehungen in 7 Jahren nicht überfrequentiert - dafür werde ich sicher hierher zurückkommen!). Vom Anfang der Salbitissima ist es dann ein 35m-Abseiler zu einem Muniring der Niedermann/Anderrüthi. Über grasdurchsetztes Gelände und schliesslich unter dem Klemmblock durch erreicht man mit weiteren 4 Manövern den Anfang der Route, der insgesamt 10. Abseiler bringt einen dann über Randkluft und ewigen Schnee hinweg retour zur Einstiegsterrasse der Ruska.

Originelle Abseil-Passage in der Niedermann unter dem riesigen Klemmblock durch. Die Route selbst, naja...
Glatt und ohne Verhänger war die Abseilerei verlaufen, ca. 1.5 Stunden sind dafür zu veranschlagen. Bei einem Vesper sortierten wir unser Material und machten uns auf den Weg ins Tal. War es am morgen noch zu dämmerig, um die Gegend in der vollen Farbenpracht zu bestaunen, so konnten wir uns nun an den immergrünen Tannen, den goldgelben Lärchen und roten Heidelbeerbüschen ergötzen. Die goldenen Oktobertage sind halt einfach die schönste Jahreszeit in den Bergen, das zudem dann auch fast menschenleer ist. Den einen oder anderen Stopp für Heidelbeeren à discretion liessen wir uns nicht nehmen. Trotzdem ging es zügig talwärts, nach 1:30 Stunden Abstieg schloss sich der Kreis um 17.40 Uhr im Göschener Tal.

Nach der Kletterei wartet noch ein langer Abstieg ins Tal, die schönen Herbstfarben und die vielen Beeren versüssen die Pflicht.
Facts

Salbit - Ruska 6b+ (6a+ obl.) - 10 SL, 380m - B. & K. Müller, D. Arnold 2004 - ****; xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2, Keile nicht nötig

Sehr schöne Kletterei, eher eine leichtere Sportklettertour als Plaisir. Die Route ist abwechslungsreich, von Reibung über Wandkletterei zu einer guten Portion an Rissen und Schuppen ist alles dabei. Der Fels ist dabei ein perfekter Granit. Vielleicht ist die Tour nicht ganz so stimmungsvoll wie die Routen am Turm 2 des Westgrats, dennoch darf man sie zu den besten Wandklettereien am Salbit zählen. Die Absicherung mit überlegt platzierten BH ist prima ausgefallen. Überall wo zur Sicherung oder Wegweisung nötig steckt immer ein Silberling. Dazwischen kann man hier und da noch mit einem Satz Friends ergänzen, wer den Grad gut drauf hat, muss aber nicht allzu viel legen. Einige plattige Passagen wollen auch zwingend geklettert werden, so dass durchaus ein gewisses Kletterkönnen vonnöten ist, um zum Ausstieg zu kommen.

Topo

Die Skizze aus dem empfehlenswerten Führer 'Salbit Erleben' kann auf salbit.ch runtergeladen werden: klick!

Freitag, 19. Juli 2013

Salbit Westgrat

Mit dem Salbit Westgrat hatte ich mich schon lange beschäftigt. In etwa 20 Jahre, seit ich ihn aus dem Tal das erste Mal gesehen und den Routenverlauf auf dem Topo in der ersten Ausgabe des Schweiz Plaisir studiert hatte. Vorerst war ich, zusammen mit meinem damaligen Standard-Kletterpartner Christoph, aber noch nicht auf dem notwendigen Niveau dafür. Das besserte sich innerhalb von ziemlich kurzer Zeit, doch auch wenn der Westgrat immer auf der Agenda stand, so kam es doch nie zur Realisierung. Langsam aber sicher rutschte dann Christoph aus dem Klettersport heraus, für mich war es aber ein absolutes No-Go, unser Langzeitprojekt einfach mit einem anderen Partner zu realisieren. Erst nachdem er seine Kletterfinken endgültig an den Nagel gehängt hatte, war der Weg für mich frei. Natürlich dauerte es dann nochmals ein Weilchen, bis der passende Kamerad gefunden war und ein günstiges Fenster für die Begehung kam. Das lange Warten hat sich aber gelohnt: wir hatten den Westgrat ganz für uns alleine und konnten die Tour bei optimalem Meteo und Bedingungen an einem Traumtag realisieren. Genau so sollte es sein - manchmal zahlt sich jahrelange Geduld eben aus.

Logistik und Zustieg

Während wir aufgrund unserer Terminpläne erst mit dem Gedanken spielten, den Grat in einer Tagestour von zuhause aus zu klettern (was sicher möglich ist), ergab sich dann schliesslich doch die Gelegenheit für die bequemere Variante mit einer Hüttenübernachtung. Seitdem es die Salbitbrücke gibt, macht die Salbithütte als Quartier klar mehr Sinn als die Biwakschachtel unmittelbar beim Einstieg. Die Pluspunkte sind neben der Bewartung und der bequemeren Erreichbarkeit vor allem darin zu finden, dass man insgesamt sicher Zeit spart: der Zustieg von der Salbithütte zum Grat dauert zwar eine Stunde länger als vom Biwak. Er lässt sich aber problemlos in der Dunkelheit zurücklegen, so dass man dennoch mit dem ersten Tageslicht zu klettern beginnen kann. Und diese Stunde gewinnt man auf dem Abstieg längst wieder: muss man vom Gipfel via den Westabstieg (8x50m Abseilen und Abkraxeln) oder via den Normalabstieg (mit 300hm Wiederaufstieg) retour ins Biwak, so ist dies deutlich mühsamer. Der Talabstieg vom Biwak via das Horefellicouloir dauert dann auch nochmals länger wie der bequeme Rückweg via Hütte ins Tal.

Rechtzeitig aufs Nachtessen machten wir uns auf den Weg nach Salbiten. Der Aufstieg umfasst rund 900hm, ist steil, auch nachmittags einigermassen schattig und in 75 Minuten rasch erledigt. Hütte und Bewirtung verdienen das Prädikat Extraklasse, gäbe es einen Award für die bestgeführte Alpinunterkunft, so wäre die Salbithütte ganz bestimmt ein Kronfavorit für den Titel. So verbrachten wir in netter Gesellschaft einen geruhsamen Abend, legten uns gegen 22 Uhr ins Bett und stellten den Wecker auf 3.30 Uhr. Ah ja, von der Hüttenwartin gab es vor dem Schlafengehen (vor allem für Tobias) noch eine Abreibung, ob er sich das mit dem Westgrat tatsächlich zutrauen würde und ob er wisse, worauf er sich einlasse?! Was soll man bloss darauf antworten?! Zweifel hatten wir beileibe keine, doch zu viel Selbstbewusstsein an den Tag legen wäre überheblich, zudem wussten wir ja doch nicht restlos ganz genau was wartet und vor allem kann am Westgrat schon ein kleines Missgeschick wie z.B. ein Seilverhänger beim Abseilen einen von fremder Hilfe abhängig machen. Ich zog mich dann aus der Affäre, indem ich meinte, am morgigen Tag schon noch meine Kinder ins Bett bringen zu können, das sei versprochen. Somit würden wir auch für die kommende Nacht kein Bett in der Hütte benötigen.

Nach guten 5.5 Stunden Schlaf war das Frühstück dann zu gut, um ausgelassen zu werden, zumal ja auch ein langer Tag wartete. So wanderten wir um ca. 4.15 Uhr los, in den fantastisch anbrechenden Tag hinein, um gerade in etwa einer Stunde den Einstieg zu erreichen. Das Salbitbiwak war verwaist, am Einstieg niemand zugegen und auch aus der Hütte gab es keine Konkurrenz. Wir würden also alleine sein, besser kann man es sich nicht wünschen! Nach letzten Vorbereitungen waren exakt um 5.30 Uhr, perfekt im Zeitplan, startbereit.

Die letzten Meter zur Salbithütte...
Diese Zeichnung hatte mir meine Tochter (3) "zum chlättere ufde Berg" mitgegeben. Es war ihr ganz wichtig, dass ich sie für die ganze Tour beim Klettern dabei habe. Links oben hat sie extra noch hingeschrieben "von Larina für Papi zum Klettern". Soo herzig!
Turm 1

Zum Auftakt wartet gleich eine der schönsten und nominell schwersten Seillängen der ganzen Tour (6b, allenfalls auch 6a A0). Sie führt entlang von griffigen Rissen und Schuppen, gewürzt mit zwei kniffligen Stellen, die jeweils mit einem BH abgesichert sind. Hat man diesen Eintrittstest gemeistert, so folgt bis kurz unter das Gipfelplateau Cruising-Gelände. Nur gerade in SL 2 stellt sich noch ein kurzes, steiles Piazwändchen (5c+, 1 BH) in den Weg, sowie in SL 6 ein etwas steilerer Aufschwung (5b). Beim Rest handelt es sich weitgehend um teilweise etwas grasiges Kraxelgelände, die Wegführung fand ich offensichtlich. Man kann hier auch gut (und sicher) am langen Seil gemeinsam steigen. An den folgenden Türmen ist dies hingegen ob der verzwickteren Linienführung am Grat und den höheren Schwierigkeiten nicht mehr so gut möglich. 

Anyway, kurz vor dem Gipfelplateau wartet in SL 8 noch eine knifflige Abschlussverschneidung (6a, 1 BH), in der man sich nach oben zaubern muss. Ein gutes Pin Scar (eine Art künstlicher Griff durch die früher an dieser Stelle geschlagenen NH) ist dabei dienlich. Leider ist dieses auch die beste Gelegenheit zur Absicherung und wenn einmal ein Cam drin ist, dann ist die Stelle ziemlich griffarm. Houdini-like habe ich es dann doch frei geschafft, aber man beherzige die Empfehlung, zum Freiklettern in diesem Pin Scar nur einen kleinen Keil zu verwenden, und es nicht mit dem 0.3er Camalot zuzustopfen. Nach einer letzten, einfachen SL waren wir nach 2:15 Stunden auf dem Turm 1. Ginge vielleicht auch ein bisschen schneller, ich habe mir die Zeit genommen um alles onsight zu klettern und wegen Stirnlampen-Abwurf habe ich SL 6 auch noch 2x geklettert. In 2 Etappen (12m und 20m an Muniringen, dazwischen einfaches Abkletterstück das man seilfrei machen kann) gelangt man in die Scharte zwischen Turm 1 und 2. Dies nahm eine weitere Viertelstunde in Anspruch, so dass wir nach 2:30 Stunden um 8.00 Uhr am Turm 2 angreifen konnten.

Diese Querung an die rechte Schuppe ist wohl die Crux in SL 1 (6b)?!?

Tobias folgt in SL 1 (6b), gleich ein toller Auftakt, aber auch ein bisschen ein Kaltstart.

Die offene Verschneidung mit dem dünnen Riss im Grund, Ausstiegslänge auf Turm 1 (6a).
Zum ersten Mal oben an diesem Tag: Turm 1. Dazu fantastisches Panorama mit Galen- und Dammastock.
Abseilerei in 2 Etappen am Turm 1.
Turm 2

Und daselbst wartet zum Auftakt eine steile, schöne Risslänge im Grad 5c. Ein paar Rostgurken stecken, selber absichern sollte man auch. Und dann folgt der Holzkeilriss (6a): von weitem sieht dieser breite Schlitz recht respekteinflössend aus, er klettert sich dann aber doch ganz ordentlich. Der Fels nebem dem Riss weist teilweise sehr coole Strukturen auf, nur für ein relativ kurzes Stück muss in Offwidth-Manier gerampft werden. Auf beinahe 50m stecken 3 BH, sowie auch noch einige alte Holzkeile, die man gerne benützt, da gerade dort nichts gelegt werden kann. Auf weite Strecken bringt man aber doch immer mal wieder einen Cam unter, einfach das Pulver nicht zu früh verschiessen! Nach dieser Sequenz folgt ein kurzes 4b-Stück auf den Grat, dann mal einfach hintenrum zum Ausstiegsstand der GKG. Die nächste, SL 4 am Turm 2, bietet sehr schöne, steil-griffige Risse (5b). Zuletzt dann noch ein kurzer Boulderzug nach dem Stand, ein Wändchen und man spaziert bald auf das grossräumige Gipfelplateau von Turm 2. Hier könnte man hervorragend biwakieren, wenn man denn wollte. Für uns ist das nicht nötig, in etwa 1:40 Stunden waren wir von der Scharte hochgeklettert, es war jetzt 9:40 Uhr und erst Zeit für den Znüni. Danach geht's abseilend erst 10m runter auf ein Plateau, und dann volle 50m in die Scharte 2/3, wo wir 25 Minuten später (tja war ein ausgiebiger Znüni...) um 10:05 Uhr wieder bereit zum Angriff waren.

Route am Turm 2: erst die mittlere der 3 Verschneidungen, danach der markante Riss in Bildmitte.
Nachstieg in SL1 am Turm 2, eine schöne 5c.
Yours truly im Holzkeilriss (6a). Warum offwidth schrubben, wenn man auch die Wand daneben klettern kann...?!?
Zwischensicherung im Holzkeilriss. Hier passt aber auch der 3er-Camalot.
Bisschen besser erhaltenes Modell, an der unangenehmsten Stelle. Hier passt der 3er-Camalot nicht, und zum nächsten BH sind es nochmals 2-3m, die man hier obligatorisch schrubben muss.
Tobias in SL 3 (4b) am Turm 2, danach folgt hintenrum Gehgelände.

Super Panorama und Traumwetter, alleine am Grat. Was will man mehr? Ende von SL 4 (5b) am Turm 2.
Letzte SL (5b) am Turm 2. Boulder am Anfang, dann dieses Wändchen, 3m höher dann links um die Ecke.
Tobias am Gipfel von Turm 2, hier gäbe es super Biwakmöglichkeiten für fast beliebig viele Leute.
Gegenperspektive mit Blick aufs Restprogramm.
Exponierter 50m-Abseiler am Turm 2. Hier wieder raufzuklettern wäre äusserst anspruchsvoll.
Turm 3

Hier gibt es zum Auftakt eine gemütliche 4c, und auch die zweite SL bietet viel Gehgelände. Doch an deren Anfang ist auch dieses kleine, giftige Wändchen, im Topo lapidar mit 6a+ bewertet. Also ehrlich, mit einer 6a+ hat das ungefähr so viel zu tun wie ein Gummiboot mit einem Öltanker, auch wenn es noch so banal aussieht. Ich denke, dass die 6a+ in freier Kletterei kaum als Fb-Boulderbewertung hinkommt. In Routenbewertung sicherlich mindestens eine 6c mit Tendenz in Richtung 7a. Nach einigem Tüfteln konnte ich die Stelle ziehen, die meisten Begeher werden sich hier sicher A0 durchmogeln, was dank eng steckender BH und NH gut möglich ist. Nach dieser Stelle kommt ein Stand an einer Zacke, noch rasch eine kurze Verschneidung (4b) und dann vor allem leichtes auf-und-ab Kraxelgelände, bis auf den Abschlussboulder auf den Gipfelblock (5a). Um etwa 10.55 Uhr waren wir bereits am Gipfel und nach einem 40m-Abseiler wenige Minuten später in der Scharte 3/4 wieder einsatzbereit.

Schattenwurf vom Grat im Voralptal, die 6 Türme sind klar erkennbar.
Dieses unscheinbare Wändchen (SL 2 an Turm 3) ist ohne Witz eine der schwersten Freikletterstellen am Grat. Die Bewertung von 6a+ ist auf jeden Fall mit Garantie viel zu tief. Es ist übrigens etwas höher und steiler, als es hier den Anschein macht.
Die nächste Seillänge (4b) führt mit etwas auf und ab dem Grat entlang, und schon bald ist man am Gipfelblock von Turm 3.
Rückblick auf Turm 3, über diese Wand wird 40m in die Scharte 3/4 abgeseilt.

Turm 4

An diesem Turm warten sehr schöne Klettermeter. Zum Auftakt eine kurze Rechtsquerung und danach schöne, griffige Risskletterei (5a) bis zu einem Absatz auf dem Grat. Dann hat SL 2 wieder ein giftiges Wändchen zu Beginn, dieses Mal mit 6b bewertet. Mit zwei, drei Fingerklemmern und geschicktem Hooken lässt es sich frei bewältigen. Auch nicht einfach, aber doch deutlich weniger fordernd wie die ähnliche Stelle am Turm 3. Bald ist man wieder auf einem Gratabsatz mit bequemem Stand, von welchem ich Tobias zuschauen darf, wie er sich im folgenden Schinderriss (5c) mit angehängtem Rucksack abquält. Irgendwie geht's aber doch besser als man meinen könnte, auch die Absicherung ist im grünen Bereich. Vom nächsten Absatz folgt dann vielleicht die schönste Länge am ganzen Grat (5c+). Sie bietet sehr steile, ausdauernde Kletterei an griffigen Rissen und Schuppen, echt fantastisch. Hier und da steckt kreuz und quer noch eine Rostgurke. Bezüglich Seilzug viel angenehmer und bestimmt auch sicherer ist es, diese gar nicht zu beachten und selber ein paar Friends zu "schoppä" (sehr gut möglich). Um 12.15 Uhr sind wir unter dem Gipfel von Turm 4 (die höchste Spitze betritt man nicht) und seilen nordwärts 45m zum Hotel Salbit ab.

Tobias startet mit kurzer Rechtsquerung in SL 1 (5a) am Turm 4.
Die nächste Länge beginnt wieder mit einem Boulder-Wändchen. Geschenkt ist es nicht, die Bewertung von 6b könnte hinkommen. Auf jeden Fall aber deutlich leichter wie die Stelle an Turm 3. Und man sieht's, A0 ist auch möglich.
Ein Highlight am Turm 4, der Schinderriss (SL 3, 5c). Geht aber deutlich besser, als man befürchten könnte.
Gegenperspektive, der Schinderriss ist leicht überhängend, man sei sich dessen bewusst.
Vielleicht die beste Länge am Grat, SL 4 am Turm 4 (5c+). Super steile Risskletterei, kommt auf dem Foto leider nicht so zur Geltung.
Wieder mal oben (oder auch nicht ganz): beim Abseilpunkt unterhalb des Gipfels von Turm 4.
Turm 5

Nur wenige Minuten später nimmt Tobias die Verschneidung in die eigentliche Scharte 4/5 in Angriff, bald haben wir diesen geräumigen Platz erreicht. Die nächste SL ist nur gerade mit 4c bewertet. Fand ich aber deutlich schwerer wie andere, gleich bewertete am Grat. Eventuell habe ich aber auch nicht die korrekte Linie erwischt, mehrere Variante dürften hier möglich sein. Nach gut 50m kommt man wieder zum Grat hoch, ein einzelner BH (plus Verstärkung) bietet sich zum Stand an. Nun folgt in SL 3 die Stelle, welche früher horizontal an einem (inzwischen ausgenagelten) Hakenriss geklettert wurde. Heutzutage klettert man einige Meter tiefer auf der Platte, zuerst diagonal ab, dann wieder diagonal rauf. Das ist etwas kühn, denn stecken tut rein gar nix und man braucht etwas das Auge für die einfachste Linie. Ist aber super cool! Zum Klettern ist diese Stelle ziemlich easy (vielleicht so 5b), die schwersten Meter dieser 5c+-Länge kommen nämlich erst, wenn man wieder gemeinsam mit der ursprünglichen Linie unterwegs ist. Als Schlussbouquet am Turm 5 kommt dann noch eine sehr schöne, steile und selber abzusichernde Rissverschneidung. Um 13.45 Uhr hatten wir den Turm erreicht und machen mit dem Gipfel in Sicht nochmals eine Pause, bevor wir 15m in die Scharte 5/6 abseilen.

Gar nicht so banal, die SL von der Scharte 4/5 weg (4c). 
Tobias in der kühnen Plattenquerung unter dem ausgenagelten Hakenriss, SL 3 an Turm 5 (5c+).
Und hier noch die tolle Ausstiegsverschneidung von Turm 5 (5c).
Turm 6 bzw. Hauptgipfel

Vom tiefsten Punkt gilt es erst noch 20m einfach aber exponiert rüberzubarfüsseln, bis der Kettenstand vor dem "Pendelquergang" erreicht ist. Um 14.05 Uhr wird der Vorsteiger dort 6m abgelassen (abklettern wäre auch möglich) und kriegt dann eine griffige Schuppe zu fassen, die in einen etwas unschönen, sandig-grasigen Riss leitet, der mit 4c eher unterbewertet ist. Diesem entlang bis rauf auf den Grat und zu BH am Fuss der A1-Stelle. Hat der Vorsteiger mit zuverlässigen Sicherungen vorgesorgt, so kann der Nachsteiger sich für den "Pendler" einfach ins Seil hängen, ansonsten lässt man sich halt am Seilschwanz ab. Nächster Programmpunkt war dann die BH-Leiter. Frei angeblich nur eine 7a, jedoch in saumässig glattem Granit und sehr griffarm. Hatte ich "im Trockenen" noch damit geliebäugelt, auch diese Stelle freizuklettern, schien mir dies hier nun doch unrealistisch. Nach bereits 32 SL und 9 Stunden in den Kletterfinken fehlte mir schlicht die Sensibilität in den Füssen, um noch einen Plattengang an meiner Grenze machen zu können und ich turnte die doch recht weit voneinander entfernten BH rauf. 

Wir bezogen danach den empfohlenen, aber sehr schlechten Zwischenstand (wackliger NH, kann mit Cam verstärkt werden). Die darauf folgende 6a-Seillänge entlang der Kante sieht sehr imposant aus und ist dann tatsächlich auch die kühnste Stelle der Route. Man turnt und hangelt dem Grat entlang, die Füsse stellt man glatt auf Reibung. Auf 30m Strecke hat es gerade mal 2 BH, und zusätzlich Legen ist hier ziemlich Fehlanzeige. Ist dieses Testpiece gemeistert, folgt ein Muniring am Grat. Hier gilt es sich dann zu entscheiden, ob man links oder rechtsrum weitergeht. Die Topos sind hier undetailliert und geben keine klare Antwort. Links sieht's aber ungut aus, rechts folgt eine Querung und dann nochmals eine steile 15m-Verschneidung zum Grat hoch, wo man gut nochmals eine 5c+ vergeben könnte. Ich bin echt nicht sicher, ob diese Stelle Pflicht oder Kür war. Damit ist es dann aber fast geschafft, ein kurzer Aufschwung (5a) wartet noch zu Beginn der nächsten SL. Von dort fehlen nur noch ca. 50m, und man erreicht in nordseitiger Umgehung der Gipfelnadel auf etwas schuttigen Bändern das Gipfelbuch. Es wird doch 15.30 Uhr, bis wir da abklatschen können, die letzten Längen waren durchaus nochmals fordernd, macht also gerade 10 Stunden Totalzeit.

Kurzes Barfuss-Intermezzo aus der Scharte 5/6, bevor der Ernst wieder beginnt.
Tobias im Plattenriss nach dem Pendelquergang, nur gerade mit 4c bewertet.
Die A1-Hakenleiter auf der arschglatten 7a-Platte. Ein paar Mal kräftig melken hilft...
Der kühne Kantenhangel (6a) nach der Hakenleiter sieht hier banal aus. Achtung, es täuscht.
Beinahe schon auf der Zielgeraden, nur noch 1 Seillänge fehlt. Ähm, ist die spezielle Beinkleidung schon aufgefallen?
Die letzte, ernsthafte Kletterstelle (mit 5a bewertet) vor der Gipfelnadel.
Das ist die Gipfelnadel von Westen gesehen. Man umgeht sie links im schuttigen Kraxelgelände.
Gipfelnadel und Abstieg

Tobias hat die Gipfelnadel bereits bestiegen und meint, dass er da nicht mehr unbedingt hochmüsse. Meinereiner hat am Salbit bisher nur Wandrouten geklettert (Hammerbruch, 2x Villiger, GKG) und lässt sich dieses Kabinettstücklein nach einer Verpflegungspause nicht nehmen. Zwar nur eine 5a, aber eigentlich ohne Sicherungsmöglichkeit und darum durchaus irgendwie expo. Nach etwas posieren seile ich ab, dann endlich Schuhe wechseln und ab nach Hause. Wir verweilen uns nicht mehr lange, brechen um 16.00 Uhr auf. Der Abstieg ist rot markiert und dem Grat entlang teilweise mit Stahlseilen versehen. Diese brauchen wir nicht, die Abstiegs-Crux kommt sowieso erst danach, als man auf doch recht steile Schneefelder wechseln muss. Selbstbewusst sind wir in halbhohen Zustiegsschuhen angetrabt, und den empfohlenen Pickel wollten wir auch nicht über die Westgrattürme schleppen. Dank weichem, trittigem Schnee und vorhandenen Spuren geht es dann tatsächlich problemlos, und schon bald können wir noch alles komplett im Schnee in Richtung Hütte abrutschen.

Für die 900hm bis zur Hütte brauchen wir gerade knapp 1 Stunde und sind um 17.00 Uhr da. Die Hüttenwartin eilt bereits mit erhobenem Daumen zur Gratulation herbei und serviert Getränke und Salznüssli. Das ist einmal ein Empfang, wow! Herzlichen Dank für diese Gastfreundschaft! Wir geniessen auf der Terrasse noch die letzten Sonnenstrahlen, packen unsere Rucksäcke und brechen dann nach einer guten halben Stunde wieder auf. Noch eine Stunde Abstieg über den steilen, treppenartigen Weg wartet, um 18.30 Uhr sind wir wieder im Tal. Für mich wird es tatsächlich reichen, um den Kindern noch das Schlaflied zu singen (1 Stunde spielen gab's dann ausnahmsweise auch noch...) und auch Tobias wird bei etwas weiterem Heimweg noch am selben Tag ins Bett kommen. Das hät gfägt, besten Dank allen Beteiligten!

Gipfelnadel rauf (5a, expo)...
...und Gipfelnadel runter.
Der Abstieg erst dem Grat entlang, dann kurz heikel beim Wechsel auf den Schnee. Ziemlich expo hier, ausrutschen wäre fatal.
Dann aber super Surf im weichen Schnee...
Die Einbruchgefahr in den Bach ist zu beachten, man halte sich besser an den Rand und im Zweifel in die Felsen.
Noch rutschbar bis fast zur Hütte runter!
Für die letzte Etappe gibt's dann noch beidseitig kurze Hosen, sie ist eh für die Tonne...
Infos

Salbit - Westgrat 7a bzw. 6b/A1 (6a obl.) - 36 SL, ca. 1000m - Favre/Favre/Henchoz 1948 - *****, x(xx)
Material: 12 Express, Camalots 0.3-3, evtl. Klemmkeile, 2x50m-Seile

Schönheit: Es handelt sich um eine grandiose und weltbekannte Route über 6 Granittürme und rund 1000m Kletterlänge. Also etwas einzigartiges, die Superlative sind daher sicher gerechtfertigt und ich vergebe gerne die 5 Sterne. Dennoch ist es so, dass es rein klettertechnisch auch etliche Seillängen hat, die nur Durchschnitt sind. Die Highlights sind die Startseillänge am Turm 1, der Holzkeilriss am Turm 2, der Schinderriss und die oberste Seillänge an Turm 4, die kühne Querung und die Ausstiegslänge am Turm 5 und die Gegendruck-Kante an der Gipfelwand. Summa summarum also etwa gleich viele wie in einer guten Wand- bzw. Turmroute am Salbit. Mit einer Via Hammerbruch, GKG oder dem Villiger-Pfeiler ist man also sicher ebenso bedient.

Absicherung: In den 36 SL stecken gerade mal ca. 20 BH in der Form von Zwischensicherungen. Auch wenn hier und da noch einige alte, schlechte Rostgurken und sogar Holzkeile vorhanden sind, so muss die Tour doch auf weitesten Strecken selber abgesichert werden. Dies ist aber an fast allen schweren Kletterstellen beinahe uneingeschränkt möglich. Ich empfand ein Set Camalots von 0.3-3 als ausreichend, einen Klemmkeil habe ich nur 1x gesetzt, als ich im Holzkeilriss die Friends sparen wollte (wäre aber nicht nötig gewesen). An den Ständen stecken oft (aber längst nicht immer) Muniringe. Hier und da muss ein Stand an Felszacken selbst eingerichtet werden, oder dann müssen einzelne BH oder NH mit eigenen Mitteln verstärkt werden. Insgesamt handelt es sich durch und durch um eine Alpintour, mit Plaisir und konsumfertiger Absicherung hat das nix zu tun.

Zeitbudget: Als offizielle Zeitangabe im steht im Führer eine Kletterzeit von 12-16 Stunden. Wie man meinem Text entnehmen kann, brauchten wir rund 10 Stunden. Hier noch 1-2 Stunden abzuzwacken wäre mit Hetzen und völligem Verzicht auf Freikletterambitionen bestimmt möglich gewesen. Aber ich war ja zum Klettern und zum Genuss am Grat, und nicht um einen (Nicht-)Rekord aufzustellen. Ob man jetzt 9 oder 10 Stunden hat, ist angesichts des Seilschafts-Rekords von 2:18 Stunden, oder gar des Solo-Rekords von unglaublichen 1:35 Stunden sowieso unerheblich.

Topo: Das beste Topo findet man im Führer Salbit Erleben, in einigen Ausgaben des Schweiz Plaisir Ost ist es deckungsgleich abgebildet. Im neuen Extrem Ost ist die Linie ähnlich klar abgebildet, leider aber fehlen nun die Sicherungssymbole, was ich als kleinen Rückschritt erachte. Für einmal liefert das Werk von topoguide.de keinen Mehrwert, es ist deutlich weniger informativ, aber immerhin sollte man damit den Weg auch finden. Das Topo im SAC-Führer Urner Alpen 2 würde ich hingegen als unbrauchbar betiteln. 

Super wars!