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Dienstag, 9. Oktober 2018

Ailefroide - Pilier du Levant (6a+)

Der Pilier du Levant in Ailefroide erfreut sich einer sehr grossen Beliebtheit. Ob dies nun an der steilen Pfeilerkletterei als Kontrast zu den ortsüblichen Platten liegt, an der prominenten Position direkt über dem Zentrum von Ailefroide, dem minimalem Zustieg oder an der begehrten Gesamtbewertung von TD- bleibe dahingestellt, denn es spielen gewiss alle diese Faktoren mit. Auch wir machten hier unsere Aufwartung und waren alles andere als alleine...

Sicht vom Zentrum von Ailefroide auf den Pilier du Levant, der sich näher befindet als man meinen könnte.
Vom Zentrum beim Hotel Engilberge geht's auf der Teerstrasse nach links, nach 100m folgt der Parkplatz, wo der gut ausgeprägte Trampelpfad beginnt. Nach 15 Minuten Zustieg waren wir um 9.45 Uhr vor Ort. Diverse (langsame) Seilschaften waren bereits vor uns engagiert, eine weitere wartete schon am Einstieg. Normalerweise ist dies das Zeichen, um das Weite zu suchen und woanders anzugreifen. Doch mit meiner Tochter unterwegs fehlte diese Flexibilität und da wir in weiser Voraussicht die Spielkarten mitgeführt hatten, zockten wir einfach ein paar Runden Uno, bis wir an der Reihe waren. Dies dauerte schlussendlich noch fast eine geschlagene Stunde. Aber es war schön und angenehm, wir waren ja in den Ferien und konnten uns die Zeit gut vertreiben. Somit kein Problem. Allerdings sollte man sich besser ausserhalb vom Couloir, wo sich der Einstieg befindet aufhalten - dort fallen manchmal auch Steine runter.

Von nahem hat der Pfeiler und insbesondere die 2 abschliessenden, steilen Seillängen doch eine ziemlich imposante Gestalt!
L1, 40m, 5c: Der Einstieg ist (wenn niemand dort wäre) gar nicht so einfach zu lokalisieren, da nichts angeschrieben ist, mehrere Routen in unmittelbarer Nähe beginnen und der Pilier du Levant zuerst ziemlich nach links zieht. Jedenfalls geht's genau oberhalb vom grössten, buschartigen Baum los. Die Plattenkletterei ist easy, den Grad gibt's für die (rechts umgehbare) Schlussplatte.

No Cheating! Das Finish von L1 (5c, Crux) führt direkt über die Platte, meist wird am linken Bildrand durchs Kraut gestiegen.
L2, 40m, 5c: Eine weitere, gemütliche Seillänge. Die Schwierigkeit erneut am Schluss mit einer bereits etwas feineren Plattenstelle. Wiederum wird üblicherweise rechts durch botanischere Gelände gestiegen.

Kompakte Plattenkletterei am Ende von L2 (5c, Crux), auch wieder am linken Bildrand umgehbar. 
L3, 30m, 5c: Deutlicher Quergang nach links, ohne allzu grossen Schwierigkeiten. Danach direkt über die Haken geklettert sehr schöne Plattenmoves. Danach erreicht man endlich wieder einmal einen richtig geräumigen und bequemen Stand.

Rückblilck 'on pitch' auf den Quergang am Anfang von L3 (5c), inklusive Tiefblick nach Ailefroide.
L4, 35m, 6a: Beginnt mit nahezu Gehgelände, gefolgt von einem kurzen Aufschwung mit einem Bouldermove, der von den meisten Begehern A0 erledigt wurde (gut frei machbar, 6a passt schon). Nochmals etwas nahezu Gehgelände und ein paar finale Plattenmoves zum Stand unter dem steilen Pfeilerteil.

L5, 25m, 6a+: Der Beginn noch moderat, danach folgt steile Risskletterei, welche die meisten Begeher vor ein unlösbares Freikletterproblem stellte. Es ist steil, ein bisschen abdrängend und auch ein bisschen mühsam. Mir hat's keine Probleme gemacht, so richtig elegant gelöst habe ich die Stelle aber auch nicht. Die Bewertung von 6a+ sicherlich nicht geschenkt, jedenfalls schon markant schwieriger wie L1-L4. Die Bohrhaken stecken notfalls aber sehr dicht.

Die Leute vor uns waren zwar sehr langsam, aber immerhin haben sie ein sehr schönes Foto von uns gemacht. 
L6, 35m, 6a+: Die Hauptschwierigkeit besteht im Boulder gleich nach dem Stand. Der sieht eigentlich gar nicht schwierig aus, doch es ist tatsächlich nicht einfach, hier um die Kante rumzukommen. Obwohl sehr gut abgesichert ist's halt auch etwas doof zum Runterfallen, so gleich direkt über dem Stand. So praktizierten ausnahmslos alle Begeher hier ein A0. Ich konnte es frei lösen, doch schlussendlich auch wieder rampfiger und mehr "brute force" wie man bei diesem banalen Grad meinen könnte, einfach so drüberlaufen ging definitiv nicht. Wohl eher keine 6a+, die VII(+) aus dem Topoguide hier m.E. nicht komplett übertrieben. Der Rest der Seillänge bietet dann schöne, luftige Kletterei an der Kante im Bereich 5c+, mit einem eleganten, gratartigen Turmausstieg. Bei der Terrasse mit den Blöcken gibt's nun auch einen gebohrten Stand (der eigentlich zur Nachbarroute Ârete à Françis gehört, aber natürlich mitbenutzt werden kann).

Der luftige, gratartige Ausstieg aus L6 (6a+) mit super Tiefblick auf die schöne Gegend von Ailefroide!
L7, 20m, 5b: Kurzer Kantenhangel, gar nicht mal so einfach - da habe ich mich aber wohl blöd angestellt, meine Tochter ist da quasi drüber gelaufen. Danach bald griffigeres Gelände und schon ist man oben auf dem kleinen Gipfel. 

Kurz vor dem Gipfel (L7, 5b). Mrs. Easy Peasy hat ihre erste TD-Route geschafft, bravo!
Es war inzwischen schon 14.50 Uhr geworden, wir mussten uns also eine Begehungszeit von rund 4:00 Stunden notieren. Wobei wir unterwegs auch nochmals Uno spielten und darüber hinaus noch weitere Wartezeiten zu vergegenwärtigen hatten. Ohne Verkehr wären wir bestimmt eine Stunde oder sogar mehr schneller gewesen. Um noch rückseitig abzusteigen und über die Rivière Kwai weiterzuklettern fehlte uns der Mumm. Es war heiss, Gewitter waren angekündigt und die kühlen Getränke im Hotel Engilberge riefen schon. Wir machten uns ans Abseilen, in etwas mühsamem Gelände (flach, buschig, Verhänger-Schuppen und auch ein paar lose Steine) gelangten wir recht zügig nach unten. Zwei anderen Seilschaften mussten wir unterwegs die verklemmten Seile lösen. Wir gelangten hingegen reibungslos zurück zum Einstieg - das könnte aber auch bloss Glück und nicht Können gewesen sein. Einen kurzen Fussmarsch später waren wir am Wirtshaustisch, konnten den grossen Durst stillen und unser Auge auf den Pfeiler richten, wo immer noch zahlreiche Seilschaften aktiv waren.

Le plus grande piolet du monde - immer wieder herrlich zum Spielen!
Facts

Ailefroide - Pilier du Levant 6a+ (5c+ obl.) - 7 SL, 225m - Cambon/Fiaschi 2000 - **;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Interessante, sehr sonnige Pfeilerkletterei in prima Ailefroide-Granit mit kurzem Zustieg an prominenter Lage unmittelbar über dem Zentrum, daher entsprechend beliebt. Die Schwierigkeiten sind etwas inhomogen. Es folgen zuerst 4 plattige Seillängen "im ortsüblichen Stil" im Bereich 5c. Die steile Rissseillänge am Pfeilersockel ist dann markant schwieriger, bevor eine knifflige Boulderstelle in den schönen, luftigen Ausstieg am Pfeiler überleitet. Die Absicherung mit Bohrhaken ist sehr gut und den Schwierigkeiten angemessen. Sprich, an den (einfacheren) plattigen Stellen will etwas geklettert werden, während die steilen Passagen eng behakt sind. Ein Topo findet man in der lokalen Führerliteratur, im Plaisir Séléction oder im Topoguide Band III.

Freitag, 5. Oktober 2018

Teufelstalwand - Wilde 13 (7b)

Die in der Gotthardregion gelegene Teufelstalwand tauchte im Jahr 2010/2011 (er)neu(t) auf dem Radar der Kletterer auf. Eine seit 1973 bestehende, ehemals technisch begangene Route wurde geputzt und saniert, d.h. mit dem Namen 'Zeichen der Freundschaft' fürs Freiklettern präpariert. In kurzer Abfolge wurden weitere Routen eingerichtet, auch heute ist die Erschliessung noch nicht komplett abgeschlossen. Bisher war ich nur ein einziges Mal an dieser Wand und zwar um sich eine der frühen Begehungen vom Pissoir du Diable zu schnappen. Obwohl es uns damals gefallen hatte, gab es bis dato keinen zweiten Besuch. Ein wenig hat die Teufelstalwand für mich den Geschmack von einem Ausweichziel, kann man hier doch mit relativ wenig Aufwand und auch bei nicht zu 100% optimalem Bergwetter noch aktiv sein. Für den Tourentag waren diese Sachverhalte entscheidend: ich konnte erst um 9.15 Uhr daheim starten, unterhalb von 1500m war es neblig und in der Höhe zu kalt.

Nein, die Teufelstalwand hat nicht ganz Platz auf meiner Kamera... Der Routenverlauf der 'Wilde 13'.
Wobei die Wetterlage an diesem Tag sehr speziell war: Hochnebel, Bise, aber im Raum Andermatt ging trotzdem ein starker Föhn. Das passt so eigentlich nicht zusammen, in einem Blog von Meteoschweiz wird das Phänomen aber ausführlich erklärt (siehe Kommentare). Wir konnten uns jedoch nicht bloss um das Wetter kümmern, sondern hatten auch noch die Routenauswahl zu treffen. Ursprünglich hatten wir eine der Trad-Routen im linken Wandteil ins Auge gefasst. Mit bloss 2 Racks waren wir dafür sowieso schon (zu) knapp bestückt. Als sich dann das eine davon, gerade noch im kritischen Bereich, als nicht vollständig präsentierte, war dieser Zug endgültig abgefahren. Somit entschieden wir uns für die 'Wilde 13', die nominell zweitschwierigste Route an der Wand. Sie präsentiert ein "equipment mixte". Sprich, die schwierigen Kletterstellen sind mit Bohrhaken eingerichtet, an einfacheren Stellen muss mobil gesichert werden, 1 Satz Cams reicht jedoch gut aus. Bis wir alles gepackt und bereit hatten war es 11.30 Uhr geworden und wir liefen vom Nätschen los. Ein reichlich später Aufbruch für eine MSL-Route, für die eher kurzen Routen an der zwar nach SSW ausgerichteten, aber in einem NW-Hang liegenden Teufelstalwand aber kein schlechter Zeitpunkt.

Nebelwetter. Nicht jedoch im Urserental, und auch nicht an der Teufelstalwand. Foto: cno
Nach einer knappen halben Stunde standen wir im Angesicht der Wand. Auf das Organisieren einer Fahrbewilligung hinauf zur Kurve P.2029 bei Ober Teufelstalboden hatten wir verzichtet, dauert der Marsch bis dahin doch nur 15 Minuten. Es folgen die 3 Abseiler hinunter ins Teufelstal, wo uns das letzte Mal ein folgenreicher Verhänger beim Abseilen passierte. Schon vielen ging es gleich, so auch der Seilschaft vor uns, welche gerade an dieser Stelle am herumkraxeln war und die Situation zu bereinigen versuchte. Ganz klar am Schlausten wäre es, für diese 3 Abseiler Fixseile zu platzieren. Klar, ewig halten die nicht, aber alte Kletterseile gibt's ja mehr als genug, die man dafür verwenden könnte... Wir jedenfalls zogen bibbernd unser Seil ab und hatten Glück - es fiel 50cm neben der Spalte vorbei, wo's dann auch garantiert drinbleibt und verklemmt. Somit standen wir bald darauf im Teufelstal, der Bach liess sich problemlos überqueren. Jenseitig geht's dann gleich wieder steil hinauf (T6, III, teilweise Fixseile vorhanden). Auf einer bequemen Plattform, die sich gerade an der Sonne befand, banden wir uns ins Seil ein. Um ca. 12.40 Uhr starteten wir mit der Kletterei.

L1, 6b+: Es geht gleich los mit gut gebohrter Piazkletterei, die gar nicht so einfach ist und bereits einen Vorgeschmack auf die gleich folgende Länge liefert! Der obere Teil dann einfacher und etwas grasig. Gear: evtl. Cam 0.3 gleich zu Beginn. 

In L1 (6b+) ist's entscheidend, den Piaz-Modus gleich mal so richtig anzuwerfen und zu kalibrieren...
L2, 7a+: Knallharter und über 15m anhaltender Piaz. Dünne, seichte Risse, glatte Platten, mein kompletter Antistyle - aber man muss sich auch darin üben, nur ein kompletter Kletterer kann ein guter Kletterer sein. Für mich persönlich fühlte es sich richtig hart an (sprich, die meisten anderen 7a+ fallen mir leichter, nehmen wir z.B. mal Ceüse als Referenz), zudem ist's auch richtig pumpig (und L1 wärmt einen nicht adäquat dafür auf), aber immerhin stecken die Bohrhaken in freundlichen Abständen. Das Finish der Länge mit einer Querung in Wandkletterei unter einem Dach für meinen Geschmack dann deutlich einfacher. Gear: keine Cams nötig.

...denn in L2 (7a+) folgt unweigerlich dieser knallharte und kompromisslose Piaz, brrr!
L3, 6b: Sehr schöne, gemütliche und flowige Seillänge mit grösstenteils mobil abzusichernder Kletterei an griffigen Rissen und Schuppen. Auf diese Art und Weise macht mir die Granitkletterei dann doch wesentlich mehr Spass ;-) Der Ausstieg auf's botanische Podest dann speziell, aber gut eingebohrt. Gear: volles Rack 0.3-2, evtl. 0.2 & 3.

Flowige Kletterei in L3 (6b). Unten das Teufelstal und die Strassen in der Schöllenenschlucht. Foto: cno
L4, 6b+: Ein schöner, sauberer, dünner und eingebohrter Riss durchzieht die Platte gleich nach dem Stand. Zwei, drei entschlossene Züge auf Gegendruck, dann ist das Gröbste durch. Der Rest der Seillänge bietet einfacheres Gelände im Fünferbereich, wo man auch noch 1-2 Cams legen muss. Gear: abgespecktes Rack, z.B. 0.3-1.

L5, 6c: Der erste Teil der Seillänge folgt einem schönen Riss im Bereich 6a+, der mobil abgesichert werden muss - es ist das längste, anhaltendste und schwierigste Stück, wo man selber legen muss. Obenraus zum Stand noch eine Passage mit technischer Wandkletterei. Hier befindet sich die Crux, für den Grad gutmütig. Gear: 0.2-2, evtl. 3.

Schöner Riss in L5 (6c), er bildet das längste und schwierigste mobil abzusichernde Kletterei.
You're not gonna die without the 'händschli'. Jammen mit Hand oder Faust braucht's in der 'Wilde 13' kaum. Foto: cno
L6, 7b: Hmm, vom Stand aus sieht's zwar nicht nach dem Vollpiaz wie in der 7a+ aus, aber doch auch nach Riss und Gegendruck. Mein Kletterpartner kennt die Wand und die Routen besser wie ich, bzw. hat Erkundigungen eingeholt. Mit dem Hinweis es sei "angenehmer" mache ich mich mit Selbstvertrauen und der Strategie "voller Angriff" auf den Weg. Hätte ich natürlich sowieso gemacht, zumal die hier eng gehaltene BH-Absicherung dies bedenkenlos zulässt. Tatsächlich komme ich durch den unteren, piazlastigeren Teil gut durch. Die Moves sind hier doch abwechslungsreicher, man hat nicht alles trittlos mit rundem Buckel zu klettern. Die Crux folgt dann nach 3/4 der Seillänge, an Unter- und Seitgriffen heisst's die Flossen auf minimale Strukturen zu drücken, dann den Fuss akrobatisch hoch auf einen passablen Tritt stellen und sich wieder stabil etablieren. Mir gelingt der Onsight und happy cruise ich zum Stand - das hat jetzt wirklich extrem Spass gemacht! Gear: keine Cams nötig.

Ähm, wir warten noch auf den Kletterer... gibt trotzdem einen Eindruck von L6 (7b).
L7, 6a: Kurze Seillänge mit schöner Kletterei. In der Mitte steckt 1 BH, viel dazu legen muss man nicht unbedingt. Nachdem es easy ist, kann ja aber auch der Vorsteiger das Rack mittragen. Gear: 0.3-1.

L8, 6c: Die Crux liegt in der Überquerung des Dachs gleich oberhalb vom Stand. Es gibt wohl zig Möglichkeiten dies zu tun. Z.B. Klemmer, kaminartige Moves oder Bizeps und hopp, wohl alles in etwas vergleichbar schwierig. Wirklich noch speziell, dass eine Kletterstelle so viel komplett unterschiedliche Beta zulässt. Der Rest bietet dann gemütliche, eher plattige Kletterei mit immer wieder guten Griffen und ist noch maximal 6a. Gear: Cams nicht zwingend nötig.

Ausblick auf die kurze L7 (6a), oben auch schon das Dach von L9 (6c) sichtbar, welches man im viereckigen Ausschnitt anpackt.
L9, 6a+: Wer möchte, kann sich die Route noch mit der schönen Abschlussverschneidung (6b+) von 'Zeichen der Freundschaft' aufpeppen, welche gleich 2-3m rechts beginnt. Wir verzichten darauf (weil ich wie immer die angefangene Route komplett von A-Z klettern will), aussehen tut der Ausstieg der 'Wilde 13' nämlich schon weniger attraktiv. Es geht in eine mit grossen Blöcken durchsetzte Verschneidung oder beinahe Schlucht hinauf. Die Kletterei ist schlussendlich aber besser, wie man erst meint - und zum Ende hin auf den Platten auch noch etwas knifflig. Gear: 0.3-1.

Bald oben! Zum Schluss von L9 (6a+) noch etwas plattig. Der Sawiris-Komplex am oberen Bildrand gerade noch in der Sonne. Foto: cno
Um 16.15 Uhr und damit nach nur gut 3:30h Kletterei hatten wir das Top erreicht, das war also sehr zügig gegangen. Nicht so erstaunlich, sind die Seillängen doch alle eher kurz, die Schwierigkeiten nicht sehr anhaltend und dort wo man hart moven muss, ist die Absicherung mit Bohrhaken sehr gut ausgefallen. Für den Rückweg bei Tageslicht bleibt noch mehr als genügend Zeit. So können wir am Ausstieg chillen und die perfekte Herbststimmung geniessen. Erst nach ca. 45 Minuten laufen wir los und hampeln den Fixseilen entlang hinauf. Immer wieder tun wir uns an den reifen Heidelbeeren gütlich und geniessen die Aussicht auf die Nebelschwaden, die eindrücklich mit dem Föhn um die Vorherrschaft kämpfen. Der Rückweg zum Auto dauert nur eine gute halbe Stunde. Wir fahren talwärts, bald holen uns Nebel, Dunkelheit und Kälte ein. Ja, wir sind wieder in der Jahreszeit, wo man nach dem Klettern lieber einen Kaffee als ein Bier trinkt. Aber es geht ja nicht ums Getränk danach, sondern um die Aktivität davor - und die hat heute bestens gepasst!

Herbst! Aussicht vom Top in die Urner Berge, links im Bild das Salbitmassiv.
Facts

Teufelstalwand - Wilde 13 7b (6c obl.) - 9 SL, 270m - Stefan Bühlmann 2011 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 15 Express, Camalots 0.3-2 plus evtl. 0.2 & 3.

Die 'Wilde 13' ist derzeit die nominell zweitschwierigste Route an der Wand, die Bewertung von 7b (6c obl.), die Ankündigung von vielfach selbst abzusichernder Kletterei mit einer xx-Einstufung im Extrem Ost und grosszügigen Materialangaben erheischen gehörigen Respekt. Auch wenn man die Route natürlich nicht unterschätzen soll, so zeigt sich die Route doch weitgehend gutmütig. Die Hauptschwierigkeiten sind eher kurz und zudem sehr gut mit Bohrhaken abgesichert (Niveau xxxx). Nur an den einfacheren Stellen muss auch mobil abgesichert werden, was dort dann auch sehr gut und beinahe beliebig möglich ist. Ich persönlich empfand dafür ein Set Cams von 0.3-2 als ausreichend. Das Topo des Erstbegehers findet man hier, weitere Angaben gibt's im Extrem Ost (z.B. bei Bächli Bergsport erhältlich).

Dienstag, 2. Oktober 2018

Wettkampf am Bimano Boulderfest 2018

Ja, macht der jetzt nur noch Wettkämpfe oder was?!? Weit gefehlt, auch wenn's nun zeitlich 2x kurz hintereinander war, so fröne ich weiterhin dem ganzen Spektrum vom Boulderwettkampf über sportliche MSL-Routen à la Eremit, sehr alpinen Kletterausflügen wie dem Ruchenpfeiler oder gar Mixed-Routen wie die Rubi Love. Halt einfach alles zu seiner Zeit. Verschiedene Gründe sprachen für das Bimano Boulderfest: kürzlich hatten wir diesen Ort besucht, weil mein Sohn nach der Konsultation von einigen Psicobloc-Videos diese Aktivität möglichst sofort auch praktizieren wollte. Nicht ganz einfach in der Schweiz, so dass wir uns aufs Klettern über dem Luftkissen im Bimano verlegten. Es ist natürlich nicht genau dasselbe, aber doch ein ähnliches Erlebnis, der 'Psico'-Faktor kommt rascher ins Spiel als man meint und enorm viel Spass hat's auf jeden Fall gemacht.



Ein weiterer Grund bestand darin, dass beim abschliessenden Wettkampf der Zürcher Klettermeisterschaft im November ebenfalls gebouldert wird. Somit wollten wir (bzw. vor allem die Kinder) bevor es so richtig ernst gilt, dies einmal praktizieren. Natürlich geht's an den Boulderwettkämpfen auch um Kraft, Technik und Klettervermögen. Aber eben nicht nur, der Taktik kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Und nicht zuletzt sprach für's Boulderfest auch, dass es für einmal eine Ü40-Seniorenkategorie gab. Somit musste der Autor nicht wie sonst üblich gegen die Jungen, Wilden und Starken antreten, sondern konnte sich für einmal unter seinesgleichen messen, was natürlich die Chancen auf einen vorderen Platz wesentlich erhöhte. Ich würde es durchaus begrüssen, wenn man diese Kategorie auch bei den anderen Wettkampserien einführen würde :-)



Vor Ort gab es dann 77 (!!!) Qualifikationsboulder, d.h. die ganze Halle war komplett neu geschraubt und es hiess, mach was du machen kannst. Drei Stunden Zeit standen zur Verfügung, um möglichst viele der Probleme zu klettern - erst für die Kinder, dann für die Erwachsenen. Mir blieben am Schluss nur ~10 Boulder offen, welche ich nicht hatte durchsteigen können. Puh, war das eine intensive Session gewesen, ich fühlte mich komplett leer! Das war insbesondere darum problematisch, weil ich schliesslich die Ehre hatte, im Final antreten zu dürfen bzw. müssen. Hier galt es, sich mit 2 Mitkonkurrenten zu messen und nochmals, 2 lange und powerige Boulder zu meistern. Pro Boulder standen insgesamt 10 Minuten Zeit zur Verfügung, die 3 Finalisten machten abwechselnd jeweils einen Versuch, wo wie bei einem Lead-Wettkampf jeder erreichte Griff zählte (ein sehr interessanter Modus!). Leider war ich zu diesem Zeitpunkt schon dermassen platt, dass ich nicht ganz so performen konnte, wie es dem Rahmen würdig gewesen wäre.

Atmosphäre im Final - fägt halt eben schon!
Trotzdem konnte ich mir schliesslich den 2. Platz sichern. Das blieb nicht das einzige Podest für unsere Familie. Die Tochter sicherte sich souverän den Sieg bei den U10 Mädchen, Kathrin wurde Dritte bei den Frauen. Leider reichte es meinem Sohn als Vierter bei den U10 Knaben knapp nicht in den Final. Schade (und auch etwas seltsam...). So wie er danach ausser Konkurrenz die Finalboulder kletterte, wäre er Zweiter geworden - maybe next time... Rangliste hin oder her, es war ein toller Tag, der sehr viel Spass machte und die Speicher bis auf's Letzte geleert hat.

Yours truly kratzt die letzten Körner zusammen...