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Freitag, 17. Oktober 2025

Hintisberg - Ophrys (7a)

Nur 10 Tage zuvor waren wir noch bei hochsommerlichen Verhältnissen im Rätikon geklettert. Doch inzwischen war weit hinunter Schnee gefallen und die Nächte waren schon frostig. Eine Bisenlage mit Hochnebel und möglicher Umwandlung in Quellwolken liess uns auf ein Gebiet besinnen, welches sehr sonnig gelegen und nicht in den Voralpen liegt. Für den Hintisberg entschieden wir uns schliesslich, wo die Routen ideale Herbstlänge aufweisen. Und da ich bisher erst selten vor Ort war, standen noch ganz viele Ziele zur Auswahl.

Die Wand von Hintisberg mit der Verlauf der Route Ophrys (7a).

Weit kurvten wir aus dem Tal hinauf zur Alp Hintisberg, der Kletterparkplatz befindet sich erst etwas weiter oben beim Waldstück auf ca. 1840m. An einer Parkuhr ca. 2.5km nach dem Abzweig von der Hauptstrasse ist der Obulus von 10 CHF für die Fahrt zu löhnen, dies ist entweder mit Münzen oder dann mit diversen Apps (u.a. Twint, Parking Pay) möglich. Wir schulterten unsere Säcke und liefen in rund einer halben Stunde hinauf zur Wand. Eile war nicht geboten, denn wir waren eher zu früh aufgekreuzt. Die Sonne war noch hinter der Bira versteckt, erst um ca. 9.30 Uhr wird die Wand anfangs Oktober von den wärmenden Sonnenstrahlen bestrichen. Da es auch so noch frisch war, wärmten wir mit der 2-SL-Route Munggä (6a+, 6a+) erst einmal auf. Ein Abseiler brachte und zurück auf den Boden und wir verschoben zum Start der Ophrys, welcher mit roter Farbe angeschrieben ist und sich ca. 10m links (westlich) der markanten Grotte in Wandmitte befindet. Um ca. 10.20 Uhr starteten wir in diese Route.

Darauf haben wir gewartet! Die Sonne erreicht die Wand Anfang Oktober erst um ca. 9.30 Uhr.

L1, 30m, 6c: Nach einigen gutmütigen Metern zum Auftakt geht's dann bald steil zur Sache. Eine böse verbogene Hakenöse signalisiert die erste Powerstelle mit kräftigen Moves an einer Rissspur. Dies wird gefolgt von einer weiteren kniffligen Sektion mit einem seicht-flutschigen Riss, wo es vor allem die richtige Lösung zu erkennen gilt. Das kann man auch deutlich schwieriger wie als 6c klettern... und erreicht so das etwas leichtere, aber immer noch pumpige Restgelände zum Stand. Auch auf dem leichtesten Weg: tough Cookie für 6c, eher 6c+.

Die Route legt gleich fulminant los, zudem gilt's den besten Weg zu finden in L1 (6c).

L2, 25m, 6c: Zuerst linksrum auf die Schuppe rauf, dann folgt eine Rechtsquerung. Die permanenten Chalkspuren heissen einen, diese eher tief anzugehen. Ich wollte auch nicht das Risiko eingehen, die hohe Querung zu wählen, vermutlich ginge die aber schon auch. Man quert hinüber bis zum Stand von Zeit der Dürre, geht ab dort aber eher wieder leicht linkshaltend gerade hinauf. Der nächste BH ist von unten kommend nicht immer gleich erkennbar. Es kommen aber schon welche, die Länge ist prima gesichert und bietet hervorragende, kräftig-ausdauernde Wandkletterei. Zum Schluss dann noch der Mantle auf's Standband, welches bequemes Strandbad-Feeling vermittelt.

Der Griff nach dem rettenden Henkel in L2 (6c).

L3, 30m, 6c: Links raus aus dem Stand, eine erste Wandstufe führt zu einem Band, wo man mehrere Meter nach links quert und den Begrenzungspfeiler erklimmt. Bald einmal geht's in sehr pumpigen Ausdauergelände zur Sache. Kleine Dächlein sind zu überwinden, die Griffe zwar schon meist gross, aber oft auch rund und die Wand hängt über, es gilt kräftige Blockierzüge durchzuriegeln. Die ziemlich aussergewöhnliche Felsstruktur bringt auch eine Unübersichtlichkeit mit sich und so heisst es, sich bis zum ziemlich unbequemen, mitten in der Steilwand gelegenen Stand durchzufighten. Denke eine Bewertung von 6c+ passt auch hier eher besser.

Wunderbar die Herbstkletterei am Hintisberg - hier beim Auftakt in L3 (6c).
Das Finish von L3 (6c) dann in pumpigem Steilgelände an guten, aber runden Griffen.

L4, 25m, 6c: Der steile, drückende Wandabschnitt gleich ob dem Stand offeriert gute Griffe, so kommt man zügig und noch fast ungerupft voran. Die Crux der Länge besteht dann in einer kleingriffigeren Sektion bevor man die markante Schuppe erreicht, welche den zweiten Teil dieses Abschnitts charakterisiert. Entgegen der Beschreibungen im Internet fand ich das gar nicht mal ganz so einfach, insgesamt ist's aber definitiv die einfachste Länge der Route. Weiter geht's dann der Schuppe entlang hinauf und an deren Gipfel nach links zum Stand.

Linkstraverse am Ende von L4 (6c).

L5, 30m, 7a: Hier gibt's keine zwei Fragen, gleich aus dem Stand raus folgt die kräftige Dachpassage. An diesem gibt's vorerst durchaus noch vorzügliche Henkel, doch oberhalb bietet die wasserzerfressen raue Wand nebst einigen sloprigen Löchern nur noch scharfe Kratzer. Mein Onsight-Versuch war gut, scheiterte aber doch, bevor ich engültig über dem Dach etabliert war. Es stellte sich heraus, dass ich eine absolut vernünftige Beta probiert hatte - doch um diese erfolgreich auszuführen, war ich einfach nicht stark genug. Und dies auch nach genauem Befühlen und Optimieren. Somit musste eine andere Lösung her. Erst nach einigem Tüfteln und mit Griff in die Trickkiste ward diese gefunden - so hiess es nun nur noch, sie auch am Stück zu realisieren. Ich liess mich zum Stand ab für einen 2nd Go. Nur mit dem Zusammenkratzen aller Reserven konnte ich das Dach überwinden. Und in der Wand darob wurde es auch nochmals spannend. Die scharfe Wandkletterei ist zwar schon einfacher, aber obligatorisch, nicht ganz so offensichtlich und vor allem hatte ich diesen Part nicht ausgecheckt - mit ein paar Mal tief Durchschnaufen ging es aber. Die zweite Hälfte der Länge präsentiert sich dann deutlich einfacher, man erreicht schliesslich ein bequemes Band.

Am Henkel kann man sich vor der Überwindung des Dachs nochmals erholen - oder auch seine Kraft für ein paar Faxen verpuffen. Wobei, von einem coolen Poser-Foto hat man im Nachhinein vielleicht mehr wie von der virtuellen Trophäe des roten Punktes?!?

L6, 35m, 6c: Dass wir uns hier nicht in die Spectacolo verkofferten liegt v.a. daran, dass deren Start so richtig pickelhart ist. Man sei sich gewahr, die Ophrys verläuft hier links von Spectacolo (sprich man kreuzt diese Route) und führt vom Stand beim Baum drüben weiter - also entweder direkt nach L5 dort nachsichern oder dann mit einem kurzen Überbrückungsstück dahin wechseln. Gleich vom Boden weg wartet ein harter Boulder an scharfen Griffen, zäh für eine 6c! Die Fortsetzung bietet dann eher technisch gefärbte Kletterei, zwischendurch auch gar nicht mal so easy, aber es löst sich alles auf. Zuletzt geht's dann noch über Gras 15m zum gut sichtbaren Stand hoch.

Von L6 (6c) sieht man nur den grasigen Schlussteil, aber welch ein Panorama!

Um 14.10 Uhr und damit nach rund 3:50h der Kletterei waren wir beide am Top. Da hatte ich doch mehr Guzzi geben müssen, wie einem das Topo glauben machen würde. Die meisten der 6c-Längen waren taff, und die 7a?!? Meines Erachtens erst recht. Diesen Grad klettere ich bei guter Absicherung und physischer Kletterei fast immer im ersten Go - hier ging's hingegen selbst im zweiten nur knapp. Immerhin blieb der rote Punkt, aber auch die Fragezeichen, ob die angegebene Bewertung denn auch wirklich zutreffend sei. Ein Upgrade wäre vermutlich nicht verkehrt, für uns hiess es aber, vorerst einmal wieder down an den Wandfuss zu kommen. Dies geschieht via die Route Spectacolo und es ist durchaus vorteilhaft, 2x60m-Seile dabeizuhaben. So würden 3 Manöver reichen, mit 2x50m sind hingegen 5 davon notwendig. Das Topo im Extrem West weist die zu nutzenden Stände korrekt aus. Hält man sich an diese "Instruktionen", so kommt man trotz dem massiv überhängenden Gelände ohne grössere Schwierigkeiten zurück auf den Boden. Trotzdem, das 1x1 des Abseilens muss man hier aus dem Effeff beherrschen, die Seile baumeln einfach ins Leere und einfach so "gratis" erreicht man den Fels nicht mehr. Wir setzten uns zufrieden ins Gras am Einstieg und genossen einen Vesper. Nachdem die Uhr schon etwas vorgerückt war und die Wand nicht mehr lange in der Sonne zu stehen schien, räumten wir unser Material schliesslich zusammen und machten uns auf den Abstieg. Wir waren voll auf unsere Kosten gekommen und die Familien freuten sich bestimmt über eine zeitige Heimkehr. 

Facts

Hintisberg - Ophrys 7a (6b obl.) - 6 SL, 185m - C. & Y. Remy 1991 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Eine durchgehend steile und fordernde Kletterei in einem sehr speziellen Gestein. Der gelbe Fels sieht optisch nicht sonderlich schön aus, bzw. wirkt sogar etwas brüchig. Das täuscht aber, denn eigentlich ist alles solide. Die Kletterei an grossen, aber oft runden Griffen ist speziell und pumpig - v.a. auch, weil die Bewertungen jetzt nicht gerade sehr gutmütig ausgefallen sind. Die Absicherung mit verzinkten BH ist tiptop ausgefallen. Etwas Anspruch ist durchaus da im Vorstieg, es gibt aber keine weiten Abstände oder heikle Runouts. Mobile Absicherung ist nicht nötig, man kann unbesorgt ausschliesslich Exen an den Gurt hängen. Ein Hinweis: in der Nähe vom Einstieg tropft es oft aus den Dächern oberhalb herunter. Die Route ist davon aber in der Regel aufgrund der geschickten Linienführung nicht betroffen. Ein Topo zur Route findet man im Extrem West, Band II.

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Hintisberg - TNT (7a)

Eine richtig schwierig Planung war es gewesen für dieses Wochenende: die Tage zuvor war bis auf 2000m hinunter der erste Herbstschnee gefallen und gleichzeitig war eine hartnäckige Hochnebeldecke prognostiziert. Deren Obergrenze wurde zwar von den Wetterdiensten auf eine optimistische Tiefe um 1300m veranschlagt. Ich für meinen Teil glaubte aber nach einem detaillierten Studium nicht so wirklich an diese Angabe und wollte defensiv planen - wer will denn schon in der Suppe klettern, wenn oberhalb die Sonne scheint. So schien schliesslich der Hintisberg im Sweet Spot zwischen Nebelobergrenze und dem verbleibenden Schnee zu sein. Noch nicht oft war ich hier zu Gange: für eine Tagestour ist es einfach ziemlich weit da rauf, zudem sind die Routen eher kurz und auch wenn sie sehr genussvoll sind, aber irgendwie doch zu wenig 'majeur' für den weiten Weg. Aber klar, man kann ja gleich 2 Touren machen oder mehr als 1 Tag in der Region bleiben... das letztere haben wir schliesslich gemacht :-)

Die tolle SE-Wand der Burg (2240m) am Hintisberg mit dem Verlauf der Route TNT (7a).

Nach wegen Bauarbeiten etwas stauträchtiger Anfahrt dem Brienzersee entlang kurvten wir schliesslich die vielen Höhenmeter zum Hintisberg hinauf. Die Taxe von 10 CHF wird schon seit einer Weile nicht mehr wie in den Kletterführern angegeben im (derzeit geschlossenen) Restaurant bei der Abzweigung bezahlt, sondern ein paar Kilometer weiter oben am Hang bei einem Taxautomaten. Dieser akzeptiert Münzen oder auch die gängigen Parking-Apps (Twint, Parkingpay, ...). Um 11.25 Uhr brachen wir schliesslich am Parkplatz auf - selbst im späten Herbst könnte man schon deutlich früher dran sein - für uns war's nicht möglich, wir mussten morgens erst noch Jerome in sein Trainingsweekend verabschieden. Der Zustieg ist aber kurz und in 25 Minuten rasch erledigt. Viel zu bemerken gibt's dazu nicht, ausser dann man den Wanderweg verlassen soll/muss, dort wo eine deutliche Wegspur nach links an die Wand zieht. Am Wandfuss herrschte ein sehr angenehmes Klima, wir nahmen es gemütlich und stiegen um 12.15 Uhr ein. 

So lässt es sich den Herbst geniessen! Erst relativ kurz vor dem Oberläger gelangten wir auf ca. 1700m aus dem Hochnebel - schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass er an diesem Tag wohl seine eigenen Spielchen spielen würde und sich nicht an die im Wetterbericht angesagt Obergrenze von 1300m halten würde.

L1, 50m, 6b: Der Einstieg ist gar nicht mal so einfach zu identifizieren, denn es gibt viele Touren, die Topos sind nicht super präzise, es ist wenig bis nichts angeschrieben und einige in der Literatur nicht verzeichnete Linien erschweren die Sache zusätzlich. Bei der TNT gibt's aber ein tief eingemeisseltes Bohrmaschinen-Graffiti am ersten Haken. Allerdings befindet sich dieser erst 8-10m über dem Wandfuss oberhalb des plattigen Vorbaus, den man direkt oder von links einquerend bewältigen kann. Gleich zu Beginn hat der gute Kaspar dann wohl das Wendenfieber gespürt - bei griffiger, aber nicht trivialer Kletterei muss man sich ziemlich engagieren, ein Sturz würde da ungut enden. Die Schwierigkeiten dieser Länge befinden sich dann bei 2 markanten, gut abgesicherten Dächern, wo man den Bizeps auspacken und die grauen Zellen einsetzen muss, um eine effiziente Lösung zu finden. Ich meine, dass uns dies gut gelungen ist, trotzdem würden wir die hier veranschlagte 6b mit der 6b+ von L3 tauschen wollen. 

Grau-rauer, sonnengewärmter Kalk, eine perfekte Herbstkletterei - Larina in L1 (6b).

L2, 30m, 6c: Die Mauer gleich oberhalb vom Stand hat es in sich, kleingriffig und eher trittarm geht's zur Sache, die zu nutzenden Strukturen sind sogar schon ein wenig abgespeckt - fordernd und nicht die beste Passage der Route. Man quert dann nach rechts unter das obligate Dach, welches aber im Vergleich zum Rest einigermassen zahm daherkommt. Oberhalb davon geht's dann wieder nach links und in einem längeren Runout hinauf zu bequemem Stand auf dem Querband. Man kann auf dem letzten Abschnitt noch einen Cam platzieren (0.5 ging gerade, besser wäre 0.75 oder 1, mit kleinen Exemplaren oder wie in der Literatur empfohlen Keilen kann man da aber nichts anfangen!). Zu erwähnen ist auch hier: teils stecken die Haken etwas kreuz und quer, manchmal auch ungünstig unterhalb von Dächern und der Routenverlauf schlägt manch eine Ecke - man sollte mindestens 6 verlängerbare Alpine Draws mitführen und diese an den entscheidenden Stellen einsetzen, sonst bremst man sich arg aus. Zur Bewertung ist noch zu sagen, dass wir die 6c mit der 6c+ von L4 tauschen würden.

Am Ende von L2 (6c) kann man einen Cam platzieren, um den etwas weiten Abstand (bei einfacher Kletterei) zu verkürzen. Es ist aber grosso Modo die einzige Stelle, wo eine mobile Sicherung nötig ist, bzw. so richtig sinnvoll eingesetzt werden kann. Und eigentlich ginge es auch hier ohne...

L3, 25m, 6b+: Hinauf und rechts tendierend über 2 Dächli hinweg geht's hier zuerst einmal. Wie immer gilt es zu erkennen, wo oberhalb der Dächli sich die Henkel befinden. Hier war's aber nicht allzu schwierig und wir empfanden diese Länge alle 3 als klar die einfachste der Route, somit dürfte hier ein 6b als Bewertung gut ausreichen. Zu erwähnen ist noch, dass man sich nach dem zweiten Dächli fast horizontal entlang von einer Querfuge nach rechts hält. Es kommt nochmals ein BH, von welchem man neuerlich etwa 5m quert, um dann hinauf und an tiefen, äusserst griffigen Tropflöchern wieder etwas zurück nach links zu steigen. Da steckt nichts mehr, daher durchaus etwas kühn - passt aber schon und sowieso würde man nur mit unmöglichem Seilzug bezahlen.

Super-griffiger Tropflochfels am Ende von L3 (6b+), genial zu klettern!

L4, 25m, 6c+: Ob dem sich aufsteilenden Gelände und der höheren Bewertung machen wir uns auf etwas gefasst. Das entpuppt sich jedoch gutmütiger wie gedacht. Klar sind da ein paar athletische Moves im Steilgelände gefragt, aber die Griffe sind alle zwischen 'gut' und Idealhenkel. Einzig in der Querung auf die Nase an der fixen Schlinge vorbei sind ein paar etwas kleinere Leisten zu riegeln, aber wir meinen, dass hier eine 6c als Bewertung nicht übertroffen wird. Nach dieser Passage gibt's dann kurz etwas Fragezeichen über den Routenverlauf: gerade hinauf scheint möglich, man sieht oberhalb auch Bolts. Aber das ist scheinbar eine namenlose Variante, welche in die 'Floh' führt. TNT führt horizontal nach rechts, der Quergang sieht zwar auf den ersten Blick eindrücklich aus, ist aber nach den ersten Moves wirklich total unschwierig.

Sehr fotogener Quergang am Ende von L4 (6c+). Und der Nebel macht's wie wir, der steigt auch in die Höhe. Mittlerweile war die Obergrenze schon auf gute 1900m angestiegen. 

L5, 35m, 7a: Das Schlussbouquet, das noch einmal allen Power verlangt! Vom Stand aus hat man gute Einsicht in den ersten Wulst, welcher offensichtlich die Crux darstellt und kann allerlei Vermutungen darüber anstellen, wo sich denn die Griffe befinden. Wobei es ehrlich gesagt fast ein Überangebot von Leisten gibt, nur sind die eben alle klein, das Gelände ist steil und die Schwierigkeit besteht v.a. auch darin, dass unterhalb vom Wulst die Füsse bescheiden eingesetzt werden können und es schwierig ist, die Haxen darüber hinweg zu bringen. Ich musste jedenfalls heftig auf die Tube drücken, um diese Stelle sauber zu passieren, aber es ging - jedoch mit dem Eindruck, dass es deutlich mehr wie nur ein '+' schwieriger ist wie L4. In der Fortsetzung legt sich das Gelände etwas zurück (bleibt aber leicht überhängend) und die Griffe werden grösser. Nichtsdestotrotz, den Pump wurde ich nur so halbwegs los. Das drohende Dach geht dann leichter von der Hand wie befürchtet, hingegen schwinden danach die positiven Strukturen. Das Finish ist eher plattig-sloprig und bietet mit einer etwas gesuchten Linksecke (um den Verlauf der Todi zu vermeiden) noch stehtechnische Herausforderung.

Genialer Fels und kräftige Kletterei warten in L5 (7a). Erst die letzten Meter werden dann etwas plattig-abschüssig, die Felsqualität lässt nach und etwas grasig wird es auch. Darum endet die Route auch in der Wand, bevor man oben aussteigt, der Weiterweg wäre nicht mehr lohnend und wohl eher eine heikle Sache. Und der Nebel... hat mittlerweile sogar den Wandfuss auf 2100m erreicht!

Um 15.40 Uhr und damit nach rund 3:30 Stunden sehr vergnüglicher Kletterei bei besten Bedingungen waren wir mit dem angepeilten Komplett-Onsight am Top. Dieses befindet sich etwas antiklimaktisch am Übergang zu eher brüchig-grasigem Fels. Ausser einem Selfie zu schiessen und nochmals die Aussicht zu geniessen gibt es da nicht viel zu tun. Also fädelten wir die Seile und glitten in die Tiefe. Obwohl man im Aufstieg gefühlt eine ziemlich lange Strecke zurücklegt, reicht es mit 2x60m-Seilen in nur gerade 2 Manövern (5 -> Abseilstand auf dem Band auf Höhe von Stand 2 -> Boden) zurück an den Einstieg, mit 2x50m muss man (vermutlich) 4x Abseilen. Wobei die gefühlte Länge durch die Steilheit der Route und den Quergängen in der Routen gut erklärt werden kann, zudem reichen die Stricke jeweils auch nur knapp, insbesondere zum Erreichen des Einstiegs! 

Ein Panorama mit dem Dreigestirn Eiger-Mönch-Jungfrau darf natürlich nicht fehlen!

Schön wäre es gewesen, nun entweder noch eine zweite Route zu klettern oder am Einstieg etwas in der Sonne zu baden. Für ersteres waren wir schon etwas spät dran und v.a. trieb die Thermik die Nebelschwaden tatsächlich bis auf 2100m hoch. Dank sporadischer Sonne war es zum Glück immer noch genügend warm für einen Vesper und zur mystischen Stimmung trug die Sache definitiv bei. Bevor es talwärts ging, entschloss ich mich noch für eine kleine Herausforderung. Diese bestand darin, die erste Länge der Remy-Route 'Be Strong' (7a+) als Baseclimb anzugehen, um noch ein wenig die Kräfte zu testen und hoffentlich einen weiteren Punkt zu buchen. Diese bietet durchaus spannende Kletterei. Die Felsqualität ist dort, unmittelbar rechts der grossen Höhle zwar nicht superperfekt, aber doch klar genügend gut - das Gestein hat mich sogar sehr an gewisse Wandbereiche z.B. an der Spartan Wall auf Kalymnos erinnert, wo die Remy auch Routen hinterlassen haben. Das erste Drittel bietet athletische Kletterei mit weiten Moves an guten Griffen. Im Mittelteil fordert eine knifflige, überhängende Spreizverschneidung, während der Schluss etwas alpiner und mit einfacherer Leistenkletterei daher kommt. Ziemlich am Limit gelang mir auch hier der Onsight-Durchstieg, das hatte richtig Freude gemacht! Nach diesem tollen Dessert ging es talwärts, um den Herbstabend mit rechtschaffener Müdigkeit gemütlich bei echter Speis und Trank zu verbringen.

Facts

Hintisberg - TNT 7a (6b obl.) - 5 SL, 165m - Chäppi Ochsner 2003 - ****;xxxx

Material: 2x50m-Seile, 12 Express (davon 6 verlängerbare), evtl. Cam 0.75

Sehr schöne, alpine Sportkletterei in steilem, gutgriffigem, mit vielen Dächlein durchsetztem Gelände an Querschlitzen und Tropflöchern. Der Routenverlauf schlägt einige Ecken, um dem am besten kletterbaren Gelände zu folgen und benachbarten Touren auszuweichen, für eine solch genussvolle Turnerei in diesem Ambiente darf man gerne 4 Sterne verteilen. Die Absicherung ist an den schwierigen Stellen sehr gut, d.h. klettergartenmässig ausgefallen. An einigen wenigen einfacheren Stellen (z.B. Beginn L1, Ende L2) sind die Abstände weiter - passt aber schon. Mit mobilen Sicherungen kann man nur wenig anfangen, am meisten hilft ein Cam 0.75 oder 1 am Ende von L2. Zu erwähnen ist, dass verzinkte Bolzen mit rostfreien Irniger-Plättli stecken, eine ungünstige Kombination. Die galvanische Korrosion hat hier aber augenscheinlich noch wenig genagt, somit scheint es momentan unproblematisch. Der Routenverlauf hat einige Ecken, zudem stecken einige der Bolts auch noch etwas ungünstig unterhalb von Dächern. Verlängerbare Exen sind durchaus anzuraten, sonst leidet man vermutlich in den meisten Seillängen am Ende an starkem Seilzug. Topos und Infos zu den weiteren Routen am Berg findet man in den Filidor-Führern (Extrem West, Interlaken Vertical, Plaisir West Band I). 

Mittwoch, 3. März 2021

Sun Rock im Berner Oberland

Für dieses Wochenende war aus speziellem Anlass Damenwahl angesagt. Und diese führte uns ins Berner Oberland an sonnig-warme Felsen. Schon verrückt, diese schnellen Wetterwechsel. Gerade 1 Woche ist es her, seit wir (fast) im Flachland im Eis geklettert sind und von der Haustüre auf Skitouren gingen. Und nun konnte man sich schon den ganzen Tag leicht bekleidet genussvoll am Fels aufhalten, das macht ja dann schon auch richtig Laune. Unsere Destination lautete Interlaken, gelobtes Land mit vielen steilen Felsen, doch für uns leider ausserhalb vom Tagestrip-Range. So konnten wir sogar zwei Gebiete kennenlernen, denen wir bisher noch nie einen Besuch abgestattet hatten.

Brüggetli

Dieses Gebiet befindet sich ca. 350hm über dem Thunersee an sonniger Lage und wurde vor 10-15 Jahren erschlossen. Zugestiegen wird vom Parkplatz der Beatus-Höhlen (5 CHF/Tag, Münzen bereithalten) über den gut markierten Wanderweg. Nachdem man ein Felsband via eine Treppe erklommen hat, geht man noch ca. 50m leicht abwärts weiter, bis ein Trampelpfad steil in den Wald hinaufführt. Ein klapprige Eisenleiter führt auf exponierte, mit Fixseilen gesicherte Bänder, über welche man nach links zum Hauptsektor traversiert (nichts für Kinder!). Auch zum Sichern muss man sich für diverse Routen anbinden, bei andern ist das Gelände grosszügiger und insbesondere gibt's einen bequemen Rastplatz. Das Gebiet ist grundsätzlich sehr sonnig gelegen, einige Routen/Einstiege sind jedoch im Schatten der Bäume, so dass an ganz kalten Tagen vielleicht nicht alle Optionen offenstehen. Geklettert wird in Kalkfels, ähnlich wie man ihn z.B. am Pilatus findet. 

Tolle Stimmung über dem Thunersee am Brüggetli, derweil sich die Sonne hinter dem Niesen verabschiedet.

Angefangen haben wir mit dem Moralapostel (6b+). Der Name kommt nicht von ungefähr, eine Stelle klettert sich an einem flutschigen, gebohrten Loch und auch sonst macht die Route im unteren Teil einen etwas murksigen Eindruck, dafür ist das Finish dann richtig cool. Da war die Fledermaus (6b+) daneben die schönere Aufwärmroute mit abwechslungsreichen Moves an Tropflöchern und einem kräftigeren Finish an einer Seitgriffrippe. Der erste Test folgte in der Vitamino (7a). Hier klettert man anhaltend in einer leicht überhängenden Wand, meist an eher kleinen, dafür positiven Griffen. Diese Prüfung im Onsight bestanden, wagte ich mich in den Drachenzahn (7c). Zu Beginn warten punchy Bouldermoves an Seitgriffen, dann kann man an guten Griffen wieder etwas zu Puste kommen, bevor nochmals ein kniffliger Abschnitt mit weiten Moves an Seitgriffzangen folgt. Im 2nd Go konnte ich durchsteigen und mir den ersten, ambitionierteren Rotpunkt im 2021 sichern.

Schmocken

Dieser schon etwas ältere Klettergarten befindet sich weniger als 1km vom Brüggetli entfernt, aber trotzdem "in einer anderen Welt". Man erreicht ihn vom Beatenberg, konkret vom Altersheim in der Nähe der Niederhorn-Bahn in wenigen Minuten absteigend. Die Beschreibungen vom Zustieg sind gar nicht so präzise, so richtig deutlich Wegspuren gibt's auch nicht, schliesslich gelang es uns aber doch onsight. Der Einstiegsbereich ist richtig bequem (ideal kindertauglich) und sehr sonnig, auch wenn auch hier an ganz kalten Tagen die eine oder andere Route fies im Schatten der Bäume sein mag. Wobei kalte Temperaturen hier nicht schaden: der für die Region typische Kalksandstein wartet mit manch einem glatten Aufleger auf, wo guter Grip sehr hilfreich ist. Berüchtigt ist das Gebiet für seine harten Bewertungen bei überdies gewöhnungsbedürftiger, technisch anspruchsvoller Kletterei. Vielleicht waren wir deshalb fast alleine?

Sandsteinige Formen im Garten von Schmocken am Beatenberg.

Eingeklettert wurde mit Viktors Programm (6b). Die ersten Meter deutlich schwieriger wie es aussieht und bereits ordentlich poliert, später dann lässige, sandsteinige Kletterei. Die Indra (6c) fand ich eine richtige Perle: schieben, stemmen, drücken heisst es in diesem Groove, da kann man wirklich das ganze Bewegungsrepertoire nutzen. Der 7a-Klassiker am Fels ist die Yukon (7a). Auch hier gilt, schon der Start ist deutlich schwieriger, wie man meinen könnte und die Crux fordert dann an runden Seitgriffen und abschüssig-polierten Tritten erst recht. Leider waren zwei entscheidende Seitgriffe noch schlonzig-nass, der Punkt somit leider nicht zu erzielen. Eher unterbewertet kommt das Gloggäspiel (7a) daher: nach gemütlichem Auftakt erfordert die Crux Vertrauen in die Füsse, abgefahrene Moves sowie schlicht und einfach auch Power. Nachher geht's an einer seichten Verschneidung wieder besser voran, bis der Klipp vom Umlenker nochmals tricky ist. Nachdem ich die Griffe in der benachbarten Silester (7c) bereits inspiziert hatte und sie ja eigentlich "gar nicht so schlecht" aussahen, startete ich dort meinen nächsten Go. Der klappte sogleich, 7c im First Go, tolle Sache mit Bouldercrux am markanten Dach.

Epilog

Endlich wieder einmal ausgiebig am Fels, nachdem es für viele Wochen kalt und winterlich mit Bedingungen nur für richtig Hartgesottene gewesen waren! Natürlich, trainiert hatten wir schon daheim und rein nach den messbaren Kriterien wäre eine gute Leistungsfähigkeit durchaus vorhanden gewesen (meinen Test-Score konnte ich jedenfalls gegenüber der letzten Messung erhöhen). Aber trotz langjähriger Erfahrung am Fels schien es mir, dass ich ~2 Monate ohne schwierige Felskletterei dann doch nur schwierig kaschieren konnte. Es fehlt einfach das letzte Quäntchen Effizienz, ein wenig auch das Vertrauen und so verwandelt sich das Plus in den Leistungsparametern rasch in ein Minus in der Gesamtbilanz. Nichts zu klagen jedoch, jetzt kommt ja die Zeit, in welcher man wieder regelmässig Sportklettern kann - so geht's hoffentlich wieder aufwärts :-)

Dienstag, 26. Mai 2015

Pfingstklettern im Lehn

Über das Sportklettergebiet Lehn bei Interlaken im Berner Oberland muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Seit über 20 Jahren werden hier intensiv harte Moves gezogen, und kaum jemand aus meinem Bekanntenkreis war hier noch nie vor Ort. Nur ich selber hatte es bisher noch nie an dieses Massiv geschafft. Trotz nicht allzu weiter Anreise liegt es irgendwie doch ausserhalb der Daytrip-Distanz, vor allem auch weil man auf der Anfahrt zig weitere, interessante Felsen passiert. Für einen 3-tägigen Trip gab es aber ein interessantes Ziel her.

Gleich unterhalb der Felsen stehen mehrere Campingplätze zur Verfügung (siehe hier), wo man bequem nächtigen kann und dann jeweils problemlos zu Fuss ins Gebiet gelangt. Wem nach mehr Abwechslung ist, erreicht vom selben Ort aus auch noch die Gebiete Dällenboden, Hole, Neuhaus, Luegibrüggli, Bockstor und Harder zu Fuss. Nur wenig weiter entfernt gibt es dann auch noch das Brüggetli, Schmocken, den Hüenerchnubel, Wilderswil et cetera - grosse Auswahl also! Für uns sollte es jedoch 3x ins Lehn gehen, denn die anderen Gebiete waren mir zumindest teilweise schon bekannt, zudem bieten auch nicht alle gleichermassen kinderfreundliches Gelände.

Base Camp auf gepflegten Rasen in Gehdistanz der Felsen - nicht schlecht...
Teilweise zeigten auch die starken Regenfälle der letzten Wochen noch ihre Spuren, indem einige Dutzend Lehn-Routen wegen Restnässe noch nicht praktikabel waren. Für uns war dieser Umstand nicht sonderlich stark einschränkend, das Angebot ist ja gross und wir hatte freie Routenauswahl. Das Wetter an sich war auch eher etwas enttäuschend, in den 3 Tagen gab es insgesamt wohl kaum mehr wie 4h Sonnenschein. Die Temperaturen waren aber angenehm und nachdem die Felsen sowieso mehrheitlich im Wald liegen, war die fehlende Sonne kein wesentlicher Faktor. Im Vorfeld hatte ich mir länger überlegt, was denn für mich aus diesem Trip werden sollte. Die Entscheidung fiel schliesslich darauf, anstatt auf ein schweres Projekt zu zielen, lieber wieder einmal möglichst viele mir noch unbekannte Routen in kurzer Zeit zu klettern - etwas, was für mich nach 20 Jahren Aktivität in näherer Umgebung von meinem Zuhause kaum mehr in diesem Ausmass möglich ist. Folgende Routen gelangen mir schliesslich:

Unterwegs ins Lehn. Die unscheinbaren, knapp sichtbar aus dem Wald ragenden Felsen sind's.
Bödeliblick (6b+, ***): Knackiger Einstieg, gefolgt von einer überhängenden Verschneidung mit ziemlich rundem Riss und Stehproblemen. Lässige Tour, ziemlich hart für den Grad bzw. für die Spanier ist das eine 7a...

Multi Müesli (7a, ***): Gleicher Einstieg wie Bödeliblick, dann nach rechts aus der Verschneidung raus. Eine knifflige Crimper-Wandstelle mit weiten Moves ist die Crux, danach dranbleiben an guten Griffen zum Umlenker.

Schweizerfield (7a, ***): Stark überhängende Ausdauerkombi an guten Griffen. Der erste Teil in Schweizerhalle geht mit athletisch-weiten Zügen an Henkeln gut, die härteste Sequenz mit einem Blockierer wartet im oberen Garfield-Teil.

Nassi Spaghetti (7a, ****): Einstieg über Vera (6b), danach anhaltende, gutgriffige, überhängende Wandkletterei an massiv eingechalkten Griffen. Fast ein bisschen wie die Weisse mit den schwarzen Tritten in der Kletterhalle... good fun!

Rameli (7a, ***): Interessante, technische Kletterei, gute Balance, Tritttechnik und ein Auge für die einfachste Sequenz erforderlich. Für mich im Onsight die forderndste der 7a's. Absicherung im Gym-Style mit 1m-Abständen.

Wackelstein (7a, ***): Ziemlich anhaltend, aber doch mit 2 deutlichen Schlüsselstellen: im ersten Drittel ein weiter Schulterzug, obenraus dann ein dynamischer Move aus Seitgriffen raus, dranbleiben und Füsse raufbrigen. Lässige Tour!

Papadopolus (7b, **): Bouldriger Einstieg in bedenklicher Nähe zur 7a, wobei nicht ganz klar ist welche Griffe dazugehören und welche nicht. Danach schlecht abgesicherte Stelle in unangenehmer Verschneidung mit Potential für heiklen Sturz. Obenraus gute Ausdauerkletterei an guten, oft etwas abschüssigen Griffen mit weiten Hakenabständen.

Kurpfuscher (7a, ***): Einstieg auf den Pfeiler hinauf in einfacherer Verschneidungskletterei, danach vergnügliche Wandkletterei. Crux ist das Anklettern und Einhängen der Umlenkung. Von den 7a's fand ich diese die einfachste.

Bat (6c, ****): Bin ich zwar nur als Einstieg zur Kalimba (7b) geklettert, verdient aber spezielle Erwähnung. Zwar nicht pumpig, aber anhaltend tolle bouldrige Moves mit Rastpositionen dazwischen machen diese Route sehr interessant.

Kalimba (7b, ***): Schöne Route, deren Crux gleich nach dem Zwischenstand erst an einigen Seitgriffen und dann an Leisten und Slopern zu meistern und klar nachzuvollziehen ist. Nach gutem Rastpunkt dann gutgriffig und ausdauernd weiter, wobei die beiden benachbarten 7a's sich nahe befinden und die Linie der 7b eher vage ist.

Neue (7b, **): Kurz zupfen am Einstieg mit ein paar athletischen Zügen zu Rastpunkt. Dann wartet die bouldrige Crux (ca. Fb 6B+ oder so...): abschüssige Leiste halten, aufhocken, an gute Leiste dynamisieren und easy zur Umlenkung rauf.

Feuer-Sturm (7a+, **): Boulderproblem vom Boden weg, hat man einmal den Seitgriff für links vor dem zweiten BH, so heisst es noch kurz athletisch an guten Griffen dranbleiben, bevor man im zweiten Teil im 6a-Gelände zum Top gelangt.

Hot Tuna (7c, ****): Klassiker mit überhängender Dauerpower-Kletterei an meist positiven Griffen von kleinerer und grösserer Ausprägung. Etwas Maximalkraft und solide Ausdauerbasis schaden nicht. Dokumentierte Freesolo-Begehung von Ueli Steck im 2009. Da scheint mir die Annapurna-Südwand noch fast realistischer...

Mit einem reichen Strauss an Erinnerungen und einem prall gefüllten Routentäschchen machten wir uns um 16.00 Uhr am Pfingstmontag von dannen. Warum wohl? Weil es natürlich schon wieder zu regnen begann. Aber egal, es waren drei tolle Tage! Kaum sassen wir im Automobil, hiess es von der Rückbank: "Papi, gömmer wieder mal uf Interlake?". Keine 30 Sekunden später waren 4 müde Kinderaugen bereits zugefallen. Knapp zwei Stunden später, kurz vor daheim, gehen sie wieder auf. "Papi, simmer immer no z Interlake? Ich wett nächschts Wuchenänd wieder dert ane!".

Facts

Lehn, Sportklettergebiet mit ca. 140 Routen von 5c-8c+

Kalksandstein-Gebiet mit zumeist steiler Wandkletterei an guten Griffen, teils auch Auflegern. Von der Kletterei her durchaus speziell, auf jeden Fall anders als die sonst häufig vorherrschende Tropfloch-Crimperei im Kalk, auch hautschonend. Insgesamt sehr abwechslungsreich mit oftmals ganz unterschiedlichen Routen-Charakteren. Generell gut abgesichert, teilweise noch mit älteren verzinkten Bolts am Ende ihrer Lebensdauer, andernorts mit Klebehaken saniert. Die Abstände variieren je nach Route zwischen Kletterhalle und moralisch anspruchsvoll. Der Wandfuss ist für grössere (>4-5 Jahre) und in solchem Terrain erfahrene Kinder geeignet und bietet lässige Spielmöglichkeiten. Zustieg in 10-15 Minuten über eher steilen, aber grundsätzlich ungefährlichen Waldpfad. Achtung: nach stärkeren Regenfällen bleiben etliche Routen über längere Zeit feucht. Dafür kann man bei einsetzendem Regen noch die eine oder andere steile (und damit eher schwere) Route klettern. Ein vollständiges Topo findet man im Führer Extrem West oder Interlaken Vertical aus dem Filidor-Verlag. Diverse Seiten im Netz bieten ausführliche Routenlisten, so z.B. auch UK Climbing. Da fast alle Routen angeschrieben sind, findet man sich notfalls auch damit zurecht. Und vom tollen Sektor Rosengarten (sowie einige weiteren Gebieten) bietet Vertical Sport sogar gratis das Topo an - danke für diesen Service!