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Mittwoch, 8. April 2026

Frischer Pulver, alter Gneis

Zugegeben, der Titel zu diesem Beitrag macht nur in Retrospekt Sinn. Er wurde aber erst nach Ostern 2026 getippt und nimmt Bezug auf die Geschehnisse vor und an den Feiertagen. Eine winterliche Episode auf der Nordseite bescherte den Voralpen Ende März und Anfang April eine fette Ladung an Schnee und kreierte ideale Verhältnisse, wie es sie den ganzen Winter über nicht gab. Und so genoss ich noch am Gründonnerstag ein Morgentüürli mit Start auf 880müM bei winterlichem Pulver, während ich tags darauf dann an sonnengewärmten, Millionen Jahre altem Gneis im Ticino klettern konnte - ein starker Kontrast!

Die Schwyzer Voralpen in tief winterlichen Bedingungen im April 2026.

Skitour Vilan

Mit Kathrin machte ich mich auf in Richtung Bündner Herrschaft bzw. ins Prättigau. Für einmal waren die Schneekarten nicht sehr akkurat und meine ursprünglichen Pläne materialisierten sich nicht ganz wie gewünscht. Immerhin, es lag deutlich mehr Schnee wie angegeben, so "mussten" wir das Schneetaxi bald am Strassenrand deponieren und uns mit der Standardroute auf den Vilan zufrieden geben. Immer wieder schön, kann man da nur sagen - insbesondere dann, wenn wegen den Gegebenheiten nur ganz wenige Tourengänger unterwegs sind. So konnten wir im Aufstieg von einer bereits gelegten Spur profitieren (danke!), für die Abfahrt fanden wir dann auf unserer Variante komplett unverspurtes Gelände bei idealem Powder vor. Nur ganz unten war der Wassergehalt in der Schneedecke durch die intensive Einstrahlung schon hoch geworden und erforderte entsprechend Rücklage bei der Abfahrt.

Wunderbare Bedingungen am Vilan 🤗

Skitüürli im Atzmännig

Der Atzmännig ist fast bei mir vor der Haustür und grundsätzlich mit Skiliften erschlossen. Diese waren trotz einer soliden Schneedecke von 40-60cm dicke anfangs April aber natürlich nicht mehr in Betrieb, bzw. das Personal war mit Vorbereitungen für einen (erhofften) Sommerbetrieb über Ostern beschäftigt. Trotz der tiefen Höhenlage mit Startpunkt auf nur 800m hält sich der Schnee hier stets erstaunlich lange und auch wenn es nur 380hm bis zur Bergstation sind, so ist es einfach ein formidabler Hang, mit einer konstant idealen Neigung für schöne Schwünge. In einem Wetterfenster über Mittag konnte ich ein paar wunderschöne Linien ziehen - der Zauber, einen frisch verschneiten Hang zuerst durchschreiten zu können und die Spur anzulegen verliert nichts von seiner Magie!

First Line im Atzmännig, hinten Farner und Schwarzenberg.

Skitour Flüechrüz / Stockrai

Obwohl für den Abend bereits die Anreise ins Tessin geplant war, konnte ich dem fantastischen Vormittag am Gründonnerstag nicht widerstehen. Zumal es auch noch in der Nähe tollen Powder zu geniessen und eine neue Tour zu entdecken gab. Vom Parkplatz beim ehemaligen Skilift am Sihlsee bei Euthal folgte ich nicht der auf der Landeskarte eingezeichneten, etwas umwegigen Skitourenroute, sondern dem vor Ort ausgeschilderten Schneeschuhtrail. Rund 550hm sind es nur bis zum Gipfel, aber mit Spurarbeit in tiefem Schnee reichte mir das als Auftakt ins Osterweekend vollauf. Ein tolles Ambiente am Gipfel und eine richtig lässige Abfahrt belohnte den Effort. Hier im Gelände lagen 80-100cm Schnee, verrückt um diese Jahreszeit. So konnte ich der offiziellen Abfahrtsroute folgen und am Ende durch die steile Chalberstock-Schneise schwingen. Es gibt wohl nicht einmal in jedem Winter ein paar wenige Tage, wo diese richtig gut ist - an dem Tag war sie es, da hatte ich den richtigen Riecher.

Die Gunst der Stunde genutzt - im April auf nur 880m zu starten, geht definitiv nicht immer.

Somit war mein Tüürli #20 im Winter 25/26 im Kasten. Die grossen Gipfelziele oder die Touren mit vielen Höhenmetern fehlen dabei weitestgehend. Wichtiger ist es mir, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Wintermagie beim Spuren durch die frische, weisse Decke zu spüren. Das war mir an diesen Tagen hervorragend gelungen. 

Dienstag, 9. November 2021

Ski & Fly Vilan (2376m)

Die Geschichte von dieser Tour beginnt eigentlich schon am Vorabend, mit dem Boulder-Contest zum 10-jährigen Jubiläum vom Grindelboulder. Es ist ja bekannt, wie sehr ich diese Events liebe, wegen Corona gab's zuletzt nicht mehr oft die Möglichkeit sowas zu machen und wieder einmal bei Flow vorbeizugehen um zu gratulieren war sowieso angezeigt. So war ich dann am Folgetag, nach dem Versuchen von 36 Bouldern, dem erfolgreichen bewältigen von deren 29 und einem 3. Platz unter ~60 Teilnehmenden (zu) gut bedient, um nochmals klettern zu gehen. Die alten Knochen brauchen schliesslich die nötige Erholungszeit, nachdem frischer Schnee gefallen war und ein exzellenter Bergtag prognostiziert wurde, sollte es auf eine eher läuferisch orientierte Tour gehen.

Sommer meets Winter, das war definitiv das Motto dieser Tour!

Während wir uns bewusst waren, dass man tiefer in den Alpen womöglich eine üppigere Schneedecke angetroffen hätte, so entschieden wir uns schliesslich doch für die Tour an der Eintrittspforte zum Bündnerland. Denn sowieso führten wir den Gleitschirm als Joker mit und würden uns in die Luft schwingen, sofern die Verhältnisse kein genussvolles Skifahren zuliessen. Als wir um 9.20 Uhr bei der Kirche in Seewis (ca. 940m) losliefen, hatte es vorerst einmal gar keinen Schnee, also kamen die Bretter an den Rucksack. Webcams sei dank war es aber glasklar, dass sich dies bald einmal ändern wurde. Tatsächlich waren die Wiesen bei P.1116 weiss überzuckert, so dass wir mit den Fellen über die glatten Wiesen aufsteigen konnten.

Wunderbar, das Ambiente im frisch verschneiten Prättigau - und wir ganz alleine unterwegs!

Auf der Normalroute ging's hinauf, schon bald einmal hatten wir mit Stollenbildung zu kämpfen. Naja, damit war zu rechnen, denn der Wechsel von angefeuchtetem Schnee auf knapp bedecktem Untergrund auf eiskalten Pulver in schattigeren Abschnitten ist einfach ungünstig. Mit ein paar Abkratz-Aktionen ging's aber schon. Bei den Hütten der Sadreinaegg legten wir eine gütliche Verpflegungspause ein und genossen die sonnige Wärme, bevor es über den Ostgrat dem Gipfel entgegen ging. Wie bekannt ist dieser zum Abfahren wenig geeignet, der Aufstieg ist aber sehr aussichtsreich und genussvoll - wie erwartet waren wir auch ganz alleine unterwegs am Berg. Nach nochmals strenger Spurarbeit wegen klebrigem Schnee erreichten wir schliesslich ein paar Minuten vor 13.00 Uhr und damit nach doch erst rund 3:30 Stunden Aufstieg das Top.

Parat zum Abflug, direkt vom Gipfel.

Das Ambiente war fantastisch, Aussicht auf alle Seiten, wohlige Wärme und so gut wie kein Wind. Solche Gipfelaufenthalte nähmen wir in der kommenden Saison gerne öfter! Zwar hätte man sich wenn nötig wohl schon irgendwie skifahrend zurück ins Tal würgen können. Es war aber offensichtlich, dass es noch zu wenig Schnee für genussvolles, spassiges Skifahren hatte. Weil auch die Situation am Gipfel perfekt für einen Start passte, mussten wir nicht lange werweissen, wie vorzugehen wäre. Das Tuch wurde daselbst drapiert, die Bretter angeschnallt und aussichtsreich zu Tale nach Grüsch geflogen. Ein Genussflug par excellence! Und dank dem herzlich verdankenswerten Einsatz von meinen Tourenpartner Urs und seinem Video (YouTube-Link) lässt sich nun auch die Frage beantworten, wie man mit den Ski auf den grünen Wiesen im Tal landet... wer einen Kuhfladen trifft, beim dem gleitet es noch ein wenig besser, aber es geht auch sonst ohne Köpfler :-)



Montag, 9. Februar 2015

Weitere Informationen zum Lawinenunglück am Vilan

Auf meinen Beitrag zum Lawinenunglück am Vilan hin gab es mehrere Kommentare, deren Lektüre sich ganz sicher lohnt. Ebenso hat mich eine weitere, sehr informative Zuschrift erreicht, die ich der höheren Visibilität wegen unredigiert als eigenen Beitrag platziere. 

"Hoi Marcel,

Deinen Bericht finde ich gut. Die Analyse ist sehr detailiert.

Ich war heute am Unfallort und habe den Schnee oberhalb des roten Punktes analysiert indem ich einen Quader herausgestochen habe. Bei leichter Vibration ist die obere Decke schnell weggerutscht. Zum Boden hin hat es sehr pulvrigen, nicht verfestigten Schnee, 20cm darüber dann eine harte Platte und darüber dann der Neuschnee. Bricht die Platte wird alles rutschen. DIe harte Platte entstand nach Graupel und Regen bis zum Gipfel in den letzten Wochen. Das haben mir auch zwei Einheimische erzählt. Es herschte oft Föhnsturm, der den Schnee in die Flanke verfrachtete.

Die Gruppe muss vermutlich beim Roten Punkt (siehe Karte) oder ein wenig weiter unter dem Punkt eingefahren sein. Dort sind auch noch die meisten Spuren zu erkennen. Die Stellen der Ausgrabungen sind vom Lawinenrutsch in dieser Linie weiter unten. Alle Opfer lagen etwa 5-10 Meter auseinander. Die Ausgrabtiefen waren zwischen 0,5 und 1,5 Meter. Warum die weniger tief Verschütteten nicht gerettet werden konnten ist mir ein Rätsel.

Wie und warum es dazu gekommen ist, wird hoffentlich genau die Untersuchungen preisgeben. Man sieht ja beim Aufstieg gut in den Hang und wird sicher beobachtet worden sein. Hinweise können bei der Polizei in Davos gemacht werden.

Ich war übrigens am Unfallort nicht aus Neugier, sondern weil ich einen lieben Menschen verloren habe. Es war für mich wichtig das schlimme Ereignis zu begreifen und loslassen zu können."

Der Komplettheit halber nochmals die Karte mit dem im Text erwähnten Roten Punkt, d.h. den vom SLF angegebenen Koordinaten.

Symbolbild vom Blog des Lawinenwarndienst Tirol, der einen vermutlich ähnlichen Schneedeckenaufbau an einem ganz anderen Ort zeigt. Am Grund eine Schwimmschneeschicht, dann ein harter Schmelzharschdeckel und obendrauf  noch Neu- und Triebschnee. Gemäss den Beobachtungen vor Ort war der Aufbau am Vilan ähnlich.

Montag, 2. Februar 2015

Gedanken zum Lawinenunfall am Vilan

Der weisse Tod hat an diesem Wochenende wieder erbarmungslos zugeschlagen. Mehrere Lawinen reissen insgesamt 8 Wintersportler in den Tod. Soweit die Schlagzeile aus den Medien, an dieser Stelle einige Gedanken zum schwersten Unglück, wo am Vilan im Kanton Graubünden fünf Menschen in derselben Lawine ums Leben gekommen sind. Die grundlegenden Fakten sind bekannt. Gemäss den beim SLF angegebenen Koordinaten hat sich die Lawine im Osthang unmittelbar unter dem Gipfel gelöst. Der Filmbeitrag mit Aufnahmen aus dem Helikopter von SRF bestätigt diese Angabe.

Screenshot von SRF mit Blick auf den Unfallhang. Wie es anhand der vielen Spuren scheint, haben noch zahlreiche weitere Personen bei der Planung die Grundzüge des Risikomanagements nicht berücksichtigt. Da haben einige aber ziemlich viel Glück gehabt...
Zur Lawinengefahr

Am Unfalltag herrschte am Vilan gemäss Bulletin in allen Expositionen ab 1800m erhebliche Lawinengefahr (fortan kurz LWS 3, d.h. Lawinenwarnstufe 3), mit dem auf die wesentlichen Passagen gekürzten Zusatz von "Triebschneeansammlungen können von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden [...] Gefahrenstellen [...] hinter Geländekanten [...] vorsichtige Routenwahl [nötig]". Somit eine verschärfte LWS 3, d.h. eine für das Tourengehen als heikel bis sehr heikel einzustufende Situation. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass eine verschärfte LWS 3 für den Tourengänger eigentlich die höchste relevante Gefahrenstufe darstellt!!! Ja ich weiss, es gibt noch die Gefahrenstufen 4 und 5. Diese warnen jedoch vor spontan anbrechenden, grossen und bis in die Täler vorstossenden Schadenlawinen. Meist gelten sie nur für kurze Zeit, während derer an eine Skitourentätigkeit kaum zu denken ist (schlechtes Wetter, abgeschnittene Verkehrswege, enorme Neuschneemassen, ...) 

Lawinenbulletin für das nördliche Prättigau für den Unfalltag. Quelle: SLF


Die Tour auf den Vilan

Die Tour auf den Vilan an sich ist bei LWS 3 durchaus vertretbar. Den normalen Aufstieg über den E/SE-Rücken kann man auch dann als sicher betrachten, einzig am Gipfelkopf selber überschreitet man kurz und relativ wenig exponiert die kritische Hangneigung von 30 Grad. Diese Stelle wurde am vergangenen Samstag jedoch folgenlos passiert. Wählt man bei der Abfahrt dieselbe Route wie für den Aufstieg, d.h. man hält sich konsequent an den E/SE-Rücken, werden sich kaum Probleme ergeben. Problematisch dabei ist es, dass diese Abfahrtsroute nur mässig lohnend ist, da sie über den engen und oft abgeblasenen Rücken verläuft. Umso mehr lockt da der gefährliche Osthang.

Bei entsprechender Routenwahl ist der Aufstieg auf den Vilan und die Abfahrt meist auch bei LWS 3 vertretbar. Hier sind wir im Dezember 2013 beim Aufstieg über den E/SE-Rücken, welcher meist abgeblasen daherkommt und in der Abfahrt halt auch nicht ganz so lohnend ist. Der gute Abfahrtshang ist dafür brandgefährlich...
Der Osthang am Vilan

Die von der betroffenen Gruppe gewählte direkte Abfahrt über die Osthänge ist bei LWS 3 generell zu meiden. Der freistehende Vilan ist ein sehr windexponierter Berg, und bei den meist vorherrschenden Windrichtungen von Süd (Föhn) über West bis Nordwest (Staulage mit Schneefällen) handelt es sich beim östlich ausgerichteten Unfallhang um einen Leehang, in welchem der Triebschnee deponiert wird. Der Hang ist praktisch durchgehend steiler als die kritischen 30 Grad, mit Stellen die bis an oder über 40 Grad hinausgehen. Achtung: bei LWS 3 ist nicht die Steilheit am Punkt wo man sich aufhält massgebend, sondern die steilste Stelle im gesamten Hang!!! Weiter ungünstig ist die Tatsache, dass der Hang über keinen sanften Auslauf verfügt, sondern am Fuss stellenweise ungünstiger Staubereich vorhanden ist.

Detaillierte Karte der Gipfelregion am Vilan von map.geo.admin.ch. Die Einfärbungen betreffen die Hangsteilheit, wobei ohne Färbung <30 Grad bedeutet, gelb bedeutet 35 Grad, orange 40 Grad, das dunkle violett 45 Grad und hellviolett sind die noch steileren Hänge. Solche Karten sind für jede Tour in der Schweiz für jedermann frei zugänglich! Die vom SLF publizierten Koordinaten sind mit einem Marker angegeben. Man erkennt deutlich, dass der Osthang des Vilan (in seiner bei LWS 3 relevanten Gesamtheit) mit 40 Grad Steilheit eingestuft werden muss.
Taktik im Hang

Egal was, wie, wann und wo, aber insbesondere bei erhöhter Lawinengefahr ist es ein grober taktischer Fehler, sich bei der Abfahrt mit mehreren Personen gleichzeitig im gefährdeten Gelände aufzuhalten. Und hier sprechen wir von (mindestens) 8 Personen, welche sich gleichzeitig im Gefahrenbereich aufgehalten haben. Der Unfallhang ist keine 200hm lang, es wäre an dieser Stelle problemlos möglich (und Pflicht!), ihn einzeln zu befahren. Sichere Aufenthaltsorte vor und nach dem Hang sind vorhanden. Selbst bei LWS 2 fährt man einen solchen Hang grundsätzlich immer einzeln ab.

Der Osthang am Vilan von seinem Fuss, die Unfallstelle befindet sich ziemlich genau in Bildmitte. Man erkennt hier auch gut den ungünstigen Auslauf mit potentiellem Staubereich am Hangfuss. Geht hier eine Lawine ab, so muss man mit grossen Verschüttungstiefen rechnen, ein weiterer Faktor der ungünstig in eine Beurteilung einfliesst. Quelle: adrian @ hikr.org
Risikocheck

Die Lawinenprävention zuallererst einmal zuhause in der warmen Stube statt! An erster Stelle steht eine sorgfältige Auswahl der Tour, mit präzisem Kartenstudium soll eine Beurteilung von deren Machbarkeit mit einem Risiko-Check (elementare Reduktionsmethode, Stop or Go und weitere Derivate) durchgeführt werden. Es ist ganz eindeutig nicht der richtige Ansatz bzw. der erste Schritt in Richtung Lawinenunfall, sich einfach einmal "vor Ort zu begeben und dann zu schauen". Es mag wohl sein, dass sich vor Ort manchmal zeigt, dass ein aufgrund der Planung als zu heikel eingeschätzter Hang doch begehen lässt - nämlich dann, wenn er entweder abgeblasen oder total verfahren und sowieso unlohnend ist. Überall dort, wo aber der schöne Pulverschnee lockt, ist nämlich selbst der Experte dann doch auf die Beurteilung via Gefahrenstufe und Hangsteilheit angewiesen... 

Risikocheck mit elementarer Reduktionsmethode. Quelle: SLF
Schlechte Sicht

Ich gehe nun seit rund 25 Jahren auf Skitouren und habe den Eindruck, dass die Tourentätigkeit bei schlechten Wetterbedingungen massiv zugenommen hat. Für den Unfall am Vilan war dieser Aspekt zwar irrelevant, aber trotzdem: eingeschränkte Sicht (Nebel, teils sogar schon nur diffuses Licht) vertragen sich nicht mit LWS 3!!! Weil dann nämlich Fernauslösungen möglich sind und für die Beurteilung der Steilheit der ganze Hang massgebend ist. Die Tourerei bei schlechtem Wetter sollte also deutlich kritischer gewertet werden - es macht nicht nur weniger Spass, sondern die Odds für einen Unfall sind höher und die Folgen auch gravierender (schlechte Übersicht über das Geschehen, ausbleiben von Hilfe, schnelleres Auskühlen bei Verletzungen, ...).

Folgebeitrag

Diesen gibt es hier!

Sonntag, 29. Dezember 2013

Publikationsbias

Als Publikationsbias beschreibt man in der Wissenschaft das Phänomen, dass über positive Resultate viel häufiger berichtet wird als über negative. Diesen Effekt kann man auch auf den Internet-Portalen beobachten, wo über Tourenverhältnisse beobachtet wird. Kaum je schreibt jemand, dass seine Tourenwahl und die Verhältnisse richtig schlecht waren. Und oft wird noch als "Pulver" beschrieben, was in Tat und Wahrheit einfach ein windverblasener Deckelschnee ist. Vor allem in der Periode um Weihnachten 2013 liess sich dieser Effekt ausgeprägt beobachten.

Situation am Ausgangspunkt - zu einer Skitour?!?
Diesem Phänomen sind wohl auch die zahlreichen Reaktionen zuzuschreiben, welche ich auf meinen Bericht einer bezüglich der Verhältnisse eher mässigen Vilan-Tour erhielt. Tja, ein klassischer Fehlentscheid aufgrund mangelhafter Tourenplanung, da habe ich keine Mühe das zuzugeben. Wie es dazu kam? Bei uns vor der Haustür schneite es am Stephanstag rund 20cm an frischem Schnee, am Alpensüdhang fielen gar rekordverdächtige Neuschneemengen. Dass die Hänge am Vilan wegen der vorangehenden Föhnphase vor diesem Schneefall komplett aper waren, dessen war ich mir natürlich auch bewusst. Aber nun hatte es ja etwas Nachschub gegeben, und mit 20cm liesse es sich auf den Wiesen oberhalb von Seewis bereits vernünftig touren.

Im Frühetau zu Berge wir wandern fallera...
Die etwas mager ausgefallene Tourenplanung ist dem Umstand zuzuschreiben, dass man ja schliesslich Weihnachten feiert und dementsprechend nicht laufend alle Webcams kontrollieren kann. Zudem stand uns auch nur ein guter halber freier Tag zur Verfügung, am Morgen mussten die Kinder versorgt werden und so begnügte ich mich mit einem raschen Blick vor die Haustür, aufs Lawinenbulletin, die Neuschneekarte des SLF und dann fiel der Entscheid: der Firzstock zu schattig, Redertengrat und Fanenstock zu überlaufen, gehen wir doch wieder einmal auf den Vilan, da waren wir schon ein paar Jahre nicht mehr.

Die Wechselzone auf 1700m eben passiert, ab hier ging's mit den Ski an den Füssen leichter.
Vor Ort war dann subito klar, dass diese Entscheidung nicht optimal war. Beim Ausgangspunkt in Seewis auf 1000m Meereshöhe hatte es kaum Neuschnee gegeben. Die schattigen Wiesen waren leicht angezuckert, an den sonnigeren hatte die Dezembersonne der weissen Pracht schon wieder den Garaus gemacht. Natürlich hätten wir zu diesem Zeitpunkt noch an einen anderen Ort hinfahren können, wir entschieden uns dann aber doch dagegen - laufen statt rumkurven war die Devise! Die Skis wurden aufgeschnallt, und wir liefen auf den manchmal aperen und manchmal dünn schneebedeckten Strassen in die Höhe. Erst auf 1700m war die Schneedecke dann so dick, dass der Aufstieg mit den Ski bequemer war.

Spurend unterwegs am verblasenen Ostgrat, die Abfahrt dann durch die Triebschneemulden links davon.
Ab da erreichten wir den Gipfel, natürlich spurend und komplett einsam - eine Seltenheit an diesem Berg! Und der erste Teil der Abfahrt war dann durch die Triebschneemulden der NE-Seite in gebundenem Pulver wirklich schön. Dann kurz der Strasse folgen, eine 5-Minuten-Portage durch den Wurzaneinawald, bevor wieder angeschnallt wurde. Dank den gepflegten, glatten Wiesen liess es sich in geschickter Linienwahl auf den 1-5cm Neuschnee bis oberhalb vom Dorf Seewis fahren, von wo wir in wenigen Minuten unser Automobil wieder erreichten. Und tja, dann verfasste ich eben meinen Tourenbericht, der mir mehrere Beileidsbezeugungen eintrug. Irgendwie schon lustig, dabei hatte ich doch nur objektiv über die angetroffenen Verhältnisse berichtet, und dafür ist das Portal ja da! Natürlich wird unsere Vilan-Tour am Ende des Winters nicht als die beste Skitour in die Annalen eingehen, ein schöner Bergtag war es aber allemal und das Mitleid daher ehrlich gesagt komplett unnötig.

Hehe, wer sich für einen Firmennamen entscheidet, sollte sich gut überlegen, wie dieser im Vertriebsgebiet aufgenommen wird!