Ja, so ist es! Kürzlich konnte ich tatsächlich meine Route #1000 in den Graden 7a/7a+ durchsteigen 🥳 Mir geht's hier nicht ums Prahlen mit dieser Zahl, einer kleinen Genugtuung ist der Meilenstein aber wert und vor allem bietet er auch die Gelegenheit auf einen (hoffentlich interessanten) Rückblick auf mein Kletter(er)leben mit dem Schwierigkeitsgrad von UIAA 8. Nicht zuletzt ist der Beitrag aber auch dadurch motiviert, dass ein Kletterer vor Ort meine Jubiläumsbegehung fotografisch festgehalten hat und mir die Bilder nachher anonym hat zukommen lassen, vielen herzlichen Dank dafür!
In der When you Smile (7c) in Cresciano. Die 7a war das Aufwärmprogramm dafür 😉
Als ich zum Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er mit dem Klettern begann, war der Grad von 7a noch weit, weit weg. Klar, die Spitzenleute kletterten schon damals viel schwieriger (UIAA 8 wurde in der CH erstmalig ca. 1980 bezwungen). Aber zumindest nach meiner damaligen Wahrnehmung gab es fast niemanden, der diese Schwierigkeit meistern konnte. Mindestens aber war ich nicht in einer Umgebung oder mit Leuten bekannt, wo dies stattfand. Natürlich hatte ich damals den vagen Wunsch, besser und schwieriger zu klettern. Aber eben nicht das konkrete Ziel: einen bestimmten Grad zu erreichen oder dafür zu trainieren, das war absolut nicht auf dem Radar. Dafür fehlte mir die Peer Group, die ja ganz wesentlich definiert, was man als erstrebenswert und machbar taxiert. Kommt noch hinzu, dass die 7a-Routen damals noch viel dünner gesät waren als heute. Auch waren sie vielfach schlechter abgesichert, d.h. die Einstiegshürde war deutlich höher. Und natürlich gab es auch keine Kletterhallen, wo man hätte trainieren können, oder einfach mal so ohne nix in einen UIAA-Achter einsteigen. So war ich damals vorwiegend beim Bergsteigen oder auf schlecht abgesicherten, alpinen Kletterrouten unterwegs. In Klettergärten gingen wir nur selten und wenn, dann kletterten wir dort Routen, die wir sicher bewältigen konnten.
Das ist sie, die #1000: Cenerentola (7a) in Cresciano.
So dauerte es dann über 7 Jahre Kletter"karriere", bis ich im Frühling 1997 mit der Route Indulgence in Volx (F) das erste Mal eine 7a punkten konnte. Damals war ich mit Studienkollegen während der Semesterferien für ein paar Wochen im Süden unterwegs. Die waren schon richtig ambitioniert und in höheren Graden unterwegs. Und siehe da, das färbte auch auf mich ab. Diesen Level hielt ich dann für einige Jahre +/- konstant bei. Er eröffnete mir neue Möglichkeiten, d.h. nun auch schwierigere MSL anzugehen, von welchen ich schon viele Jahre geträumt hatte - es gab noch so viel zu tun. Beim Sportklettern noch härter zu punkten war nicht etwas, das ich angestrebt hätte. So gingen wieder 7 Jahre vorbei. Erst im 2004 punktete ich dann das erste Mal eine 7b. Worauf erstmal eine intensive Gleitschirmphase folgte, wo ich nur reduziert kletterte und definitiv nicht stärker wurde. Erst nach deren Abschluss im 2007 erreichte ich den Grad von 7b wieder, bevor es dann mit 7c (2008) und 8a (2009) aufwärts ging. Notabene auch ohne echtes Training, nur mit häufigem Klettern, bzw. dem Einsteigen in bzw. Einüben von Routen dieser Schwierigkeit. Für weitere 7 Jahre stagnierte ich dann auf diesem Level, bevor ich mich im 2016 und damit bereits deutlich jenseits der 40-Jahre-Marke noch auf 8a+ und sogar 8b steigern konnte. Da war es dann tatsächlich eine etwas systematischere Herangehensweise, welche auch Off-the-Wall-Training inkludierte. Die wurde jedoch weniger durch den unbedingten Wunsch diese Grade zu klettern diktiert, sondern mehr durch andere Umstände im Leben. Spät kam der Mann auf den richtigen Pfad - oder den falschen, je nach Perspektive 🙄!
1000x gemacht hin oder her: meist ist es zwar keine Frage, dass ein rascher Punkt drin liegt. Eine Challenge ist's aber doch immer noch und wie das Bild zeigt, ohne Engagement geht eine 7a denn eben doch nicht her. Ist ja aber auch gut so, sonst wäre es ja nicht spannend oder der Erwähnung wert.
Zuletzt noch für die Zahlenfreaks zur Marke 1000: ob die ganz genau stimmt, sei dahingestellt. Sie ist zu hoch, weil Klettergrade keine besonders harte Währung darstellen und noch volatiler sind wie die türkische Lira. Sprich, einige als 7a gekletterte und notierte Routen gelten heute nicht mehr als solche, dafür habe ich nicht korrigiert. Andererseits ist sie zu klein, weil ich erst seit 2003 systematisch Buch führe und die einzelnen gepunkteten Längen bei MSL lange Zeit vernachlässigt hatte - dieser Fehler dürfte deutlich überwiegen. Zudem kommen von Indoor (wo ich wegen der Nicht-Permanenz der Routen kein Buch führe) sicher nochmals mehrere Hundert dazu. Kurzum, mit der Cenerentola in Cresciano habe ich einfach die tausendste Route im Grad 7a oder 7a+ in mein persönliches Logbuch geschrieben. Davon gelangen mir ~770 onsight, was auch zeigt, dass ich den Grad im Lauf der Jahre mehr oder weniger "mühelos" zu klettern gelernt habe und ihn sogar mal zum (verschärften) Aufwärmen nutze (ob dieser Bemerkung werden sich wohl manche ins Fäustchen lachen, die mich schon in einer 7a (oder noch tiefer bewerteten) Route haben herumlaborieren sehen 😂). Und weil's mich nun gerade selber interessiert: 7b/7b+ sind es aktuell ~510 Routen, bei 7c/7c+ nochmals ~225 und bei 8a/8a+ inzwischen doch auch ~65 (die Zahlen sind mit allen zuvor erwähnten Caveats). Zeigt vor allem eines: hier schreibt ein Mann, der viel Herzblut in die Kletterei investiert und die nötige Zeit dafür findet 😎
Der Wintergarten ist ein Klettergebiet an den Balmenchöpf im Seeztal. Daniel Benz hat ab 2019 mit der Erschliessung dieser tollen Wand begonnen, auch meine Wenigkeit konnte dabei Unterstützung bieten und einige Routen einrichten. Während der Fokus zuerst und vor allem auf Baseclimbs lag bzw. liegt, ermöglicht die bis zu 100m hohe Wand auch einige kurze MSL-Routen. Kurz heisst aber nicht langweilig: anhaltende Kletterei über 3-4 Seillängen, oft perfekte Bedingungen in der kalten Jahreszeit und die Möglichkeit, den Tag mit dem Klettern von zusätzlichen Routen zu versüssen, machen einen winterlichen Ausflug für Multipitch-Fans auf jeden Fall lohnend. Beim Querdenker (4 SL, 7c) konnte ich bei der ersten RP-Begehung mit von der Partie sein. Die Kletterei begeistert trotz der relativen Kürze mit sehr abwechslungsreichen Moves und einer Qualität, die den Rätikon-Routen in Nichts nachsteht.
Übersicht über die Klettergebiete oberhalb von Heiligkreuz im Seeztal.
Der Zugang vollzieht sich vom normalen Parkplatz für die Katzenbach-Gebiete (555m). Man folgt dem üblichen Zustieg, wählt dann allerdings auf ca. 630m nicht die in der Nähe des Baches bleibende, leicht zu verpassende Abzweigung links hinauf Richtung Katzenbach, sondern folgt dem deutlichen Pfad geradeaus weiter. Dieser erreicht bald eine deutlich ausgeprägte Rippe und führt von dort horizontal weiter. An dieser Stelle gilt es, entlang der Rippe auf deutlichen Wegspuren aufzusteigen, bis man auf ca. 795m den Vorder Spinaweg erreicht. Diesem folgt man bis zur Kehre auf exakt 1000m, wo man ihn verlässt und in den Bachgraben traversiert (nach wenigen Metern erscheint ein Fixseil). Jenseits vom Bach steigt man wenig auf und quert nur leicht ansteigend nach links (S), es hat inzwischen gut sichtbare Spuren. Man erreicht den SE-Sporn auf ca. 1030m und quert von dort die schrofigen SW-Hänge etwas absteigend zum Wintergarten. Wenige Meter nach dem Sporn leiten Fixseile den Weg. Je nach Gehtempo benötigt man ca. 45-60 Minuten für den Zustieg.
Unvollständiger Blick auf die tolle Wand an den Balmenchöpf, eine bessere Perspektive gibt's aber nur aus der Luft oder von vis-à-vis mit einem Teleobjektiv. Da von unten fotografiert, sehen die oberen Seillängen perspektivisch stark verkürzt aus. Ebenso fehlt auf dem Foto die erste Hälfte der Startlänge. Trotzdem, einen Eindruck von Charakter und Routenverlauf erhält man natürlich auch so.
L1, 30m, 6c, 7a oder 7a+: Für die erste Seillänge bestehen 3 sinnvolle Optionen. Die einfachste ist durch das Bewegungsrätsel (6c) gegeben, eine sehr interessante, technische Seillänge, auf welcher man sich wirklich gut bewegen und den Füssen vertrauen muss, die aber physisch keine sehr hohen Anforderungen stellt. Ähnlich im Charakter, aber mit einer zusätzlich sloprig-herausfordernden Schlusssequenz ist meine Jailbreak (7a) rechts davon. Wir wählten an diesem Tag die deutlich schwierigste Option für L1, nämlich Argus (7a+). Hier geht's schon gleich nach Beginn kräftig über ein Dach, gefolgt von technisch delikater Wandkletterei mit heiklem Ausstieg auf eine sich zurücklegende Zone. Auch der ganze Rest der Seillänge bietet fusstechnisch anspruchsvolle Kletterei, die hier und da etwas an Überwindung fordert, aber einfach genial ist. Vom letzten Zwischenhaken traversiert man dann 2-3m nach rechts zum Umlenker vom Bewegungsrätsel, der ideal für die Fortsetzung platziert ist und den bequemsten Standplatz hergibt.
L2, 30m, 7b: Erneut eine geniale Seillänge mit viel Abwechslung, genialen Moves und hohem Unterhaltungswert. Nach wenigen Auftaktmetern geht's hinein in eine steile Stufe, wo gleich Power und Entschlossenheit an Slopern und Seitgriffen gefragt ist, inklusive einem wackligen Mantle daraus hinaus. Nach dieser Stelle kann ein Camalot 2 ideal platziert werden, zum nächsten BH sind es nochmals 2-3m. Nun folgt vorerst gut gangbare, aber stets fordernde Kletterei im 6c-Bereich, bevor es gegen das Ende hin nochmals deutlich anzieht. Im weissen Streifen heisst es, sich eine gute Sequenz zu überlegen und über die Kraftreserven zu verfügen, um sie erfolgreich auf den Fels zu übertragen. Zum Ende gilt es dann auch noch, ein kühles Gemüt zu bewahren - es kommen dann schon "gute Griffe", aber auch ein kleiner Runout zum Stand und wer vom Pump eingeholt wird, könnte auch da noch abfliegen.
Daniel unterwegs in L2 (7b), auf dem Weg zum erfolgreichen roten Punkt.
L3, 15m, 7c: Eine technische Seillänge von erster Güteklasse, welche die steile Zone geschickt auf einer schwach ausgeprägten Rampe überwindet. Der Fels weist gerade genügend scharfe, kleine Strukturen auf, so dass es zusammen mit der guten Reibung kletterbar ist. Ohne Vertrauen in die Füsse, sorgfältig ausgesuchte Bewegungen und einer Portion Fingerstrom geht es hier definitiv nicht. Ob hier der Rotpunkt im ersten, scharfen Vorstiegs-Angriff tatsächlich gelingen würde war unsicher. Aber wie gewohnt war Daniel auf der Höhe der Sache und stieg souverän durch.
L4, 20m, 6c: Diese Seillänge fällt qualitativ gegenüber dem Rest klar ab. Und wenn man vom Stand hinaufsperbert, könnte man die Schwierigkeiten auch eher im 6a-Bereich vermuten. Doch nach ein paar Auftaktmetern folgt eine knifflige Stufe, die doch mehr verlangt, als es auf den ersten Blick scheint. Sie ist höher als gedacht und was von Weitem nach Henkel aussieht, entpuppt sich als sloprige Kante. Nun gut, das wird einen Anwärter vielleicht zum Nachdenken, aber nicht mehr zum Scheitern bringen. Bald danach wird's einfach und geht hinauf zum Ausstiegsbaum - um den schönen Platz am Top mit einem prima Blick auf den Spina-Kessel, Tschuggen und Gonzen zu erreichen, lohnt sich diese Sequenz unbedingt.
Ein sehr schöner und bequemer Rastplatz wartet am Ende der Route.
Wie erhofft war Daniel eine komplett sturzfreie RP-Begehung geglückt. Eingerichtet und ausgecheckt hatte er die Route mit dem Grigri am fixierten Seil. Doch den Plan dann auch gleich im ersten Vorstiegsversuch umsetzen zu können ist dann eben doch nicht so einfach. Meinereiner hatte ich immerhin alle Moves in freier Kletterei entschlüsseln können. Und noch viel wichtiger: einen tollen Tag beim Klettern verbracht und dabei die Inspiration gefunden, links nebenan eine weitere, etwas einfachere MSL-Route einzurichten. Daniel willigte in dieses Vorhaben ein und so entstand die 4-SL-Sequenz von Jailbreak, Getaway, Hideout und Sanctuary, über welche demnächst in einem separaten Beitrag berichtet wird. Der Abstieg vom Querdenker erfolgt entweder über die Route abseilend (3 Manöver mit einem 80m-Einfachseil, das für diesen Klettergarten nötig ist) oder alternativ und deutlich schneller zu Fuss über den Sporn und die Fixseilpiste zurück zum Einstieg.
Blick aufs Pflästertobel und die Rückseite vom Gonzen - eine spannende Landschaft, wo es noch vieles zu entdecken gibt.
Facts
Balmenchöpf / Wintergarten - Querdenker 7c (7a+ obl.) - 4 SL, 100m - Daniel Benz 2022 - ***;xxxx
Material: 2x40m oder 1x80m-Seil, 12 Express, evtl. Camalot 2
Kurze MSL-Tour für die Wintersaison, die auf den 100m Kletterstrecke trotzdem das volle Programm bietet. Die Kletterei über die ersten 3 SL bietet ideales Training für grössere Unternehmungen, sehr gute Felsqualität und fragt von Fingerkraft über Fusstechnik bis zur Bewegungsvielfalt alles ab. Dass ich nur 3 Sterne vergebe, hat rein mit der Kürze der Route zu tun, wäre die Route 3-4x so lang und stünde im Rätikon, so erhielte sie sicher 4-5 davon. Die Route ist prima mit Inox-BH abgesichert, nach den Massstäben von Daniel sogar sportklettermässig. Das kann ich absolut bestätigen, mit dem Zollstock gemessen sind die Abstände nie weit. Trotzdem kommt aber aufgrund der fusstechnischen Natur auch dem mentalen Aspekt eine entscheidende Komponente zu, an manchen Stellen heisst es eben, sich filigran an den Fels zu schmiegen und nicht einfach der Kraftausdauer vertrauend positive Leisten ohne Ende zuzuballern. Ein Topo und weitere Infos zum Gebiet findet man im SAC-Kletterführer St. Galler Oberland von Thomas Wälti.
In meinem Beitrag zur Tis-sa-ack im Val Calnègia hatte ich ja schon angetönt, dass für Larina und mich in den Herbstferien "nur" ein Trip ins Tessin drin lag. Das "nur" ist wirklich sehr despektierlich im Angesicht der unzähligen Klettermöglichkeiten und erst recht der Bouldergebiete, für welche die Leute aus der ganzen Welt anreisen. Da können wir uns wirklich glücklich schätzen, diese Möglichkeit in Kurztrip-Distanz zu haben. Nun wollten wir dies wieder einmal so richtig ausnutzen und ehrlich gesagt, was kann man mehr wollen wie einen solchen Ausflug?!? Vor allem für meine eigene Erinnerung hier ein kurzer Abriss über das Geschehen. Der Informationsgehalt vielleicht für einmal nicht extrem gross, hoffentlich besteht wenigstens ein gewisser Inspirationsgehalt. Wobei, wenn hier vor allem Mehrseillängen-Fans lesen, bin ich da auch nicht zu 100% sicher...
Session 1 - Chironico Boggalagga
Nach Arbeit und Anreise blieb uns bis zum Einbruch der Dunkelheit nur noch ein kurzes Zeitfenster für eine Session. Was ja aber zum Glück beim Bouldern gut ausreicht, um auf die Kosten zu kommen. Aber Parkplatznähe sowie einige interessante Probleme nahe beieinander waren dann doch gewünschte Attribute. Da wir ja irgendwie doch eher ausdauernde Kletterer als schnellkräftige Boulderer sind, nehmen mir auch immer gerne Traversen in Angriff. Hier zuerst mit der Blue Trav's (6C+). Die gelang uns ziemlich schnell, somit zogen wir weiter an den Block mit der Royal Traverse (7A/+). Nachdem wir die einfacheren Möglichkeiten an diesem Block erledigt hatten, widmeten wir uns dieser Herausforderung. Das war aber eine zähe Sache, massiv härter wie die Blue Trav's und wir konnten leider keinen Durchstieg verbuchen.
Kurzer Augenschein in Giandollaro (6C+): cool aber hoch und scary, braucht mehr Matten und einen Erwachsenen als Spotter.
Session 2 - Chironico Rah Plats Plats
Nach einer Nacht im Hotel Octavia waren wir früh vor Ort und wollten von Grumo aus eines der etwas mehr Aufwand erfordernden Gebiete besuchen. Wobei man zum Sektor Rah Plats Plats auch nicht mehr wie 15-20 Minuten zu laufen hat. Wir klapperten erst einmal alle Boulder im Sektor ab, um uns die Projekte für den Tag zu definieren. So war es dann nach dem Aufwärmen der Block mit dem bekannten Number One aka Sloper Attack (7A), wo wir uns niederliessen. Erst einmal widmeten wir uns jedoch der athletisch-dachartigen Traverse Professor Bambèla (7A) mit ihrem kniffligen um-die-Ecke-Mantle ganz am Ende, um am linken Rand auf die Platte auszusteigen. Die gelang uns beide mehr oder weniger rasch. Larina war dann auch im genialen Number One recht zügig erfolgreich. Ich tüftelte da viel länger, schaffte es von 'two moves in', aber der Gesamtdurchstieg blieb schliesslich verwehrt - für diese Sloper müssen kühlere Temperaturen her, war das Fazit. Schon etwas angezählt kletterten wir noch diverse einfachere Boulder und beschlossen dann reichlich platt am Ende des Tages, am Folgetag mit einer MSL wieder etwas zu Kräften kommen zu wollen.
Probiert: ❌Number One (7A, Marcel), ❌Petit Beurre (6C, Larina)
Das ist nur das Warm-Up: Eyorjoi (6B)
Hotel Octavia (mit integrierter Frühstücksbar)
Session 3 - Val Bavona Picaduro
Auch an diesem Tag ging es an die Blöcke. Doch in diesem Fall sind diese so hoch, dass eine Matte nicht ausreicht und man zwingend ans Seil muss - wobei es auch coole, jedoch noch weitgehend unerschlossene Bouldermöglichkeiten gäbe. Bei unserer Fahrt ins Val Bavona waren wir uns noch nicht sicher, welchem der vielen kürzlich erschlossenen Sektoren wir an diesem Tag den Vorzug geben würden. Die hausgrossen Picaduro-Blöcke liegen jedoch direkt an der Strasse, so dass ein Augenschein ohne Zusatzaufwand möglich war. Der herausfordernden Linien warten da noch viele und so blieben wir dann auch gleich vor Ort. Einmal aufgewärmt, probierten wir es mit der Route mit dem vielversprechenden Namen La legge del dolore. Im Topo steht noch NL (=non liberata, d.h. nicht freigeklettert), wir schafften jedoch beide den Durchstieg und schlagen mal den Grad 7b+ vor. Nach einem einfacheren Auftakt wird es am Ende wirklich sehr, sehr kleingriffig, bevor man sich dynamisch an eine Henkelschuppe rettet. Als nächste Linie nahmen wir die Nouvelle vague (8a) vor. Da war der spannende Fakt vor allem, dass die Moves in der Crux verblüffend ähnlich zum Pièce de Résistance in Larinas Finalroute an der kürzlichen Lead-SM waren. Der Schrauber musste wohl zuvor genau hier geklettert sein, war unser Fazit. Nach einigem Austüfteln hatten wir zwar eine funktionierende Sequenz beisammen, die langsam einsetzende Dunkelheit trieb uns aber zur Eile an und es blieb uns nur je ein einziger Durchstiegs-Shot. Dieser liess sich zwar gut an, doch fehlte uns beiden ein Mü, um uns über die knifflige Traverse nach links hinüber an besseres Griffmaterial zu retten - Grund genug, um bald wieder dahin zurückzukommen.
Geklettert: 🔴La legge del dolore (7b+)
Probiert: ❌Nouvelle vague (8a)
Spielerei beim Ausbouldern: auch in einer 8a können rustikale Techniken zum Einsatz gebracht werden... im Durchstieg wurde dieser Rastpunkt jedoch nicht umgesetzt. Er ist nicht wirklich nötig bzw. vorteilhaft, da es bis dahin nicht allzu schwierig ist und der Aufwand sich in der Ecke zu platzieren eher grösser wie der Nutzen daraus.
Session 4 - Brione Brionesque/Amber
Aus einer Sichtweise hätte es durchaus seine Logik gehabt, das offene Projekt im Val Bavona gleich noch zu bereinigen, da wir ja schon (bzw. noch) in der Nähe waren. Aber einerseits hatten wir uns schon lange geeinigt, am Ende noch 2 Tage in Brione zu bouldern. Vor allem aber obsiegte die jugendliche Logik von "irgendwann komme ich schon dahin zurück" und "dann bin ich eh noch stärker als heute und kann einfacher senden" - da waren des Vaters Torschlusspanik-Gedanken ob er es nochmals dahin schaffte während er noch stark genug sei kein Argument dagegen. Nun denn, wir kurvten ins Verzascatal und machten uns auf in Richtung Molonk, wobei uns dann die ersten Blöcke an welchen wir vorbeiliefen schon so überzeugten, dass wir die Matten erst mal abwarfen und mit dem Bouldern begannen. Vertieft ins Tun kamen wir dann auch nicht mehr weiter, es war schlicht und einfach nicht nötig. Nachdem uns mit dem Fragola matta (6C+) schon beim verschärften Aufwärmen ein ziemlich hoch bewerteter Boulder gelungen war, versuchten wir uns beim extrem tüfteligen Australian Open (7B+). Der ist sehr kurz und übersichtlich, dennoch sind unzählige Detaillösungen denkbar. Wir puzzelten und puzzelten, für Larina passten die Teile dann schliesslich und der Durchstieg sah bemerkenswert einfach aus (siehe Video). Mir blieb dieser jedoch verwehrt. Nahezu jede erdenkliche Lösung ging beinahe, aber eben nur beinahe. So fehlte es ein wenig an Beweglichkeit, anders gerade an der entscheidenden Reichweite und bei der x-ten Lösung war es ein Jota zu wenig an Stützkraft, et cetera. Doch irgendwo musste sich der entscheidende Kniff verstecken, der es möglich machte... Klein beigegeben habe ich schliesslich, als meine Handflächen vom vielen Stützen einfach zu schmerzhaft waren. So verschoben wir uns an den steil-athletischen Oblivion-Block. In seinem zentralen Teil bietet der 2 verschiedene Starts mit je 3 möglichen Exits, was alles in allem 6 verschiedene Boulder ergibt. Mir lag der eine, schwierige Sitzstart sehr gut, so konnte ich tatsächlich noch am selben Tag wie Larina auch erstmals eine 7B+ ziehen. Mit dem Fazit, dass wir langsam ans Buchen des Ticket fürs Yosemite Valley denken können (denn wenn wir da sind, so gehört neben dem Send von Freerider (~30 SL, 7c+) am El Cap ein Durchstieg von Midnight Lightning (V8 / 7B+) am Columbia Boulder im Camp IV zum Pflichtprogramm) machten wir uns im letzten Licht zurück zum Basecamp.
Geklettert: ⚡Masso 01b.4 (4+), ⚡Masso 01b.5 (5), 🔴Arpia (6B), 🔴Fragola matta (6C+), 🔴Australian Open (7B+, Larina), ⚡Learn to park (6B+), 🔴Winter Classic Stand (6C), 🔴Winter Classic (7B, Marcel), 🔴Brahama (7B+, Marcel)
In Arpia (6B) muss man sich schon recht gut festhalten.
Unser Power Crag Food: Apfel-Cookie-Mandel-Joghurt-Müesli
Session 5 - Brione Brionesque/Amber
Wenig innovativ zogen wir nochmals in denselben Sektor wie am Vortag. Woran das liegt, mag der Leser schon ahnen. Einerseits waren gewisse Pendenzen ja unerledigt geblieben, andererseits hatten wir noch weitere, interessante Linien in diesem Sektor erblickt. Aufgewärmt wurde an den Massi 06 und 07, wobei wir am ersteren Block die für uns logische Gesamttraverse kletterten, d.h. den bestehenden Boulder Bocca Rosa (6A) zur Bocca Totale (6A+) erweiterten. In unserem Rücken gelang dann mit El Lasagna (6C+) schon ein schöner Erfolg, worauf wir uns (nach einem meinerseits kurzen jedoch erfolglosen Abstecher zum Australian Open (7B+)) den unerledigten Kombis am Oblivion-Block widmeten. Als die roten Punkte eingetütet waren, zogen wir weiter zum Masso 12, wo die restliche Zeit, Haut und Kraft verpulvert wurde. Während uns Crimpbergen (6B) eher schwer fiel, so konnten wir dafür beide Polenta e Merluzz (7A+) flashen und die persönliche Bestleistung in diesem Stil anheben. Doch der Block bot noch mehr als uns das Topo versprach. Die Sloper-Traverse von links her in den Ausstieg von Crimpbergen bot eine fantastische, ausdauernde Challenge ganz nach unserem Gusto! Wir mussten doch einige Zeit herumpröbeln und dann einige Durchstiegsversuche geben, bis die Sequenz optimiert war und der Strom dann auch für die kniffligen Moves um die letzte Ecke reichte. Da diese Linie im Topo nicht gelistet ist und es auch überhaupt keine Kletterspuren gab, war das vermutlich ein First Ascent. Wir würden ihn Südkurve nennen, er checkt wohl irgendwo im Bereich 6C-7A ein, bzw. wenn wir uns konkret festlegen müssen, dann bei 6C+. Das war es dann, einerseits wurden wir daheim zu fixer Zeit erwartet, andererseits war die Tankanzeige bei Haut und Kraft auf dem Stand von null angelangt, so dass wir die Segel strichen und uns mit wohliger Müdigkeit und grosser Zufriedenheit auf den Heimweg machten.
Geklettert: ⚡Gost shot (4+), ⚡Hhey fill (6A), 🔴Bocca totale (6A+), ⚡Moogie (6A+), ⚡La trav (5+), ⚡Uela lì (6A+), 🔴El Lasagna (6C+, Marcel), 🔴Oblivion (7A), 🔴Light Blue (7A+, Marcel), ⚡Polenta e Merluzz (7A+), 🔴Crimpbergen (6B), ⚡Stuzzichino (6A), 🔴Südkurve (6C+)
Probiert: ❌Australian Open (7B+, Marcel), ❌El Lasagna (6C+, Larina)
Larina beim Flash von Polenta e Merluzz (7A+)
Larina kurz nach dem Sitzstart in die Südkurve (6C+), der sich sehr logisch links aussen vollzieht. Man quert dann ausdauernd der sloprigen Kante entlang nach rechts, wobei sich die Durchstiegscrux an der Ecke des Boulders in Bildmitte befindet, wo man sich in die Crux des schon existierenden Boulders Crimpbergen (6B, Sitzstart von der roten Matte) etablieren muss. Über diesen steigt man dann auf den Block aus.
Nochmals Larina in der Slopertraverse der Südkurve (6C+).