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Freitag, 31. Oktober 2025

Nösslach - Strada del Sole (6b)

Hallenklettern in Innsbruck, an den Ruhetagen können wir ja an den Fels, so lautete das Programm für die Herbstferien. Das spielte mir insofern in die Karten, als dass ich auch noch diverse Arbeitsverpflichtungen hatte, welche mit einer Hallensession besser in Einklang zu bringen sind als mit tagesfüllenden Alpinunternehmungen. Kurzum, vielleicht nicht ganz das Programm, wie man es sich in den kühnsten Träumen wünscht, aber immer noch besser als daheim unter der grauen Nebeldecke zu sitzen. Nach zwei Tagen Pump-bis-Platt in der Halle war etwas Erholung gefragt. Kurzer Zustieg, moderate Routenlänge, überschaubare Schwierigkeiten und angenehm sonnig sollte es sein. Die Strada del Sole in Nösslach erfüllte alle Anforderungen und mit dieser (absolut zurecht) vielgerühmten Tour konnte man nicht viel falsch machen. 

Der Zustieg ist sehr kurz und vollzieht sich in wenigen Minuten ab der Hauptstrasse ins Ötztal, der Ausgangspunkt ist dabei die ARA von Längenfeld. Im Klettergarten am Wandfuss hatten wir uns damals bei unserem Auffahrtstrip im 2016 schon aufgehalten. Schon bald 10 Jahre her, verrückt wie die Zeit vergeht! Die Strada del Sole ist unübersehbar mit einem angebolteten Stein am Wandfuss markiert, siehe Foto. So schlüpften wir in die Finken und starteten um 12.50 Uhr in die Route, welche Mitte Oktober ab ca. der Mittagszeit in der Sonne liegt.

L1, 35m, 5c bzw. 6a (Plaisir Ost): Läck Bobby, für den lapidaren Grad muss man da also wirklich klettern. Steilplattiger Granit mit Leisten gewürzt, eine sehr tolle Sache. Uns kam es doch ein ganzes Stück schwieriger wie erwartet vor (beim Täfelchen am Wandfuss steht sogar nur 5b) . Nicht dass wir Probleme gehabt hätten natürlich - rein aufgrund der Einstufung wäre ich davon ausgegangen, das Teilstück auch in den Zustiegsschuhen klettern zu können, was jedoch kaum funktioniert hätte. Den ersten Umlenker nach ca. 20m kann/soll man übrigens auslassen, die Seillänge geht noch weiter.

Tolle Leistenkletterei in L1 (5c), der Schwierigkeitsgrad schien mir eher harte Währung.

L2, 20m, 6b bzw. 6b+ (Plaisir Ost): Nach den Erfahrungen von L1 machten wir uns auf etwas gefasst! Die technische Wandkletterei an Crimps entpuppte sich aber als nicht mehr ganz so hart bewertet wie die Startlänge und lag mehr im Rahmen dessen, was man anhand der Einstufung vermutet. Wobei ein wesentlicher Punkt auch darin besteht, eine taugliche Lösung zu identifizieren. Mit Chalk markiert waren jedenfalls alle möglichen Griffe in weitem Umkreis, auch solche die es für die einfachste Lösung definitiv nicht braucht. Zu erwähnen auch: die Hauptschwierigkeit ist recht schnell vorbei und notfalls ginge es auch A0.

Tolle, technische Wandkletterei an kleinen Leisten wartet in der Crux (L2, 6b).

L3, 30m, 6a bzw. 6a+ (Plaisir Ost): Schon bald nach dem Start kommt die Crux in einem dunklen Wandabschnitt, der nicht so richtig grippig ist. Dabei gilt es ein kleines Dächlein zu überwinden, was für den Grad durchaus fordernd ist. Zudem, wenn man nur die Klebehaken klippt, auch noch einigermassen zwingend (es gibt rechts leicht abseits der Linie noch einen Segmentanker-BH, welcher das Hochkommen vermutlich erleichtert, als Zwischensicherung bei Freikletterei macht er wenig Sinn). Nach ein paar einfachen Metern wartet dann noch steile Kletterei an griffigen Rissen, bevor man am Ende zum bequemen Stand auf einer exponierten Nase quert. Nach Aushängen des letzten BH sollte man im Nachstieg besser nicht stürzen.

Super Turnerei an den griffigen Rissen im Schlussteil von L3 (6a).

L4, 20m, 5c+ bzw. 6a (Plaisir Ost): Eine kurze, aber sehr aussergewöhnliche, richtig coole Seillänge! Voraus liegt eine überhängende Wand aus goldgelbem Granit, welche so etwas wie umgekehrte Treppenstufen aufweist. Zuerst pirscht man sich noch einfach an diese heran. Zum Ende gilt es dann aber die richtige Lösung zu erkennen und selbst mit dieser: da sind echt athletische Moves nötig, auch wenn man es korrekt macht! I don't really know, auch wenn ich das problemlos konnte und nicht wirklich schwierig fand, von mir aus hätte ich dies eher mit mindestens einer 6a+ bewertet. Idealerweise macht man dann wirklich beim "Adlerhorst" vor der Schrofenzone Stand, die nächsten 8m noch mitzunehmen ist vermutlich weniger vorteilhaft.

Steile Kletterei an guten Griffen in goldigem Granit (L4, 5c+).

L5, 20m, 5c+ bzw. 6a (Plaisir Ost): Zuerst wie oben erwähnt im Gehgelände hin zum Boulderwandl, welches für den Grad wirklich aussergewöhnliche, athletische Moves an Rissspuren bietet. Eine relativ kurze Sache zwar, aber so richtig cool!

L6, 25m, 6a+ bzw. 6b (Plaisir Ost): Der Stand in einer flacheren Zone, bald geht's aber an die nächste Steilwand heran. Zuerst hilft die Verschneidung rechts noch mit, dann aber gilt es einige Querrisse zu nutzen und sehr athletisch in die Höhe zu turnen. Wiederum eine so richtig tolle Seillänge.

L5 (5c+) und L6 (6a+) steigen beide auf bequeme Bänder aus, somit schwierig die Kletterei abzubilden.

L7, 50m, 5c bzw. 6a (Plaisir Ost): Hier legt sich das Gelände deutlich zurück, der Fels ist dafür nicht mehr mit solch griffigen Strukturen wie zuletzt ausgestattet, ebenfalls mehr von der Vegetation durchzogen. Auf den ersten Blick macht's etwas den Eindruck von einem Ausklang, welchen man vor dem Abstieg noch mitnimmt. Komplett abzustreiten ist diese Klassifikation nicht, wobei es schlussendlich deutlich genussreicher zu klettern war, wie es auf's erste aussah. 

Blick ins Ötztal. Die Route liegt wirklich sehr talnah, was bequem, aber nicht störend ist.

Um 15.50 Uhr und damit nach ziemlich genau 3:00h des Klettergenusses waren wir am Top angekommen. Wir machten es uns bequem, genossen einen Vesper und blätterten im Routenbuch. Dass eine solch leicht zugängliche, sehr gut abgesicherte Tour in schönem Fels mit langer Saison viel begangen wird, ist nicht erstaunlich. Auf ca. 70 eingetragene Begehungen im Schnitt lautet die Frequenz über die letzten Jahre. Noch bevor die Sonne hinter der vorgelagerten Bergkette verschwand, machten wir uns schliesslich auf den Abstieg. Auf schmalen Bändern wird nordwärts traversiert, teilweise ist eine gewisse Exposition da, heikle Passagen gibt es aber keine. Zwischendurch muss einmal noch im Zickzack etwas aufgestiegen werden. Grundsätzlich ist man aber bald einmal aus der Wand draussen und erreicht drüben im Wald einen Wanderweg, der rasch (ca. 25-30 Minuten) zum Ausgangspunkt zurückführt. Zufrieden mit diesem schönen Ausflug in den sonnigen Fels machten wir uns auf den Rückweg ins Feriendomizil - die Batterien hatten sich erholen können, um am nächsten Tag wieder im verschärften Steilgelände angreifen zu können.

Der Fussabstieg führt über schmale Bänder, ist aber problemlos und zügig zu machen.

Was wir sonst noch so machten...

Eben, einerseits im KI in Innsbruck klettern. Die Dichte an schwierigen Routen da ist wirklich einmalig, jene an mittelschwierigen ebenso und mein Ziel, in den Indoor-Sessions in meinem Flash-Bereich 7a-7c komplett aufzuräumen gelang mir nicht. Liegt nicht daran, dass es mich nicht motiviert hätte oder ich es vorschnell gut sein liess. Sondern die Anzahl der Routen ist einfach gewaltig, da hätten die Herbstferien noch etwas länger dauern müssen! Sonst gefällt mir der Setting Style dort mit den sehr ausdauernden, aber doch zwischendurch auch mal mit einer Schüttelposition gewürzten Routen aber prima - das wusste ich bereits von einem Besuch mit Larina im August, wo sie sich auf die Jugend-EM vorbereitet hatte.

Der grosse Outdoor-Überhang im KI Innsbruck mit Routen von 7a bis 9a+.

Outdoor reichte es endlich einmal für einen Trip ins Zillertal, wo ich bisher noch nie war. Sehr schön da! Allerdings, bis man die Ewigen Jagdgründe weit hinten im Tal erreicht hat, ist es schon eine ganze Ecke. Die freistehenden Türme bieten dafür dann sehr lohnende Kletterei - sie hat uns so gut gefallen, dass wir für eine zweite Session zurück kamen. Mitte Oktober ist das Sonnenfenster im engen Bergtal nicht mehr sehr lange (ca. Mittag bis gegen 17 Uhr) und wenn das wärmende Gestirn einmal weg ist, so merkt man die Nähe zu den hohen, vergletscherten Bergen am Alpenhauptkamm durchaus gut. Dafür trafen wir nur noch auf wenige Mitstreiter, während dieser Spot in den Sommerferien offenbar sehr stark frequentiert ist.

Unser zweites Team in den Ewigen Jagdgründen im Zillertal.

Auf den ersten Metern des Heimwegs gab's dann noch einen Besuch im Dschungelbuch an der Martinswand bei Innsbruck. Das muss man ja irgendwie auch einmal gesehen haben. Kurzum, die Routen sind alle hart, stark bis brutal poliert und die Bewertungen sehr taff. Aber eigentlich ist die Kletterei schon echt cool - wie immer heisst es, sich der Herausforderung zu stellen und die Quietsch-Tritte so zu nehmen, dass der Fuss nicht rutscht. Mir hat es durchaus Spass gemacht.

Facts

Nösslach - Strada del Sole 6b (5c+ obl.) - 7 SL, 200m - A. Giacomelli, F. & P. Gufler 2004 - ****;xxxxx
Material: 1x50m-Seil, 14 Express

Talnahe MSL-Route mit einem grossen Begehungsfenster durch eine Wand, welche von aus der Distanz nicht überaus attraktiv aussieht für die Kletterei. Der Granit ist aber über weite Strecken vorzüglich, die Vegetation stört kaum und die Moves sind für den Schwierigkeitsgrad wirklich spektakulär. Der Plaisir Ost vergibt hier 5 Sterne. Die gibt's von mir nicht ganz, dafür fehlt es der Route etwas an Ambiente - doch sie ist wirklich sehr, sehr lohnend. Die Absicherung durchgehend mit Klebehaken ist sehr gut. Weitere Infos und Topo hier auf bergsteigen.at oder im Plaisir Ost, sicherlich findet man die Route auch in zahlreichen weiteren Kletterführern.

Freitag, 24. Oktober 2025

Rätikon / Schweizereck - Parabol (7c+)

Ein Bericht von der Recherchearbeit für den Rätikonführer: bei der hier beschriebenen Kletterei handelt es sich um eine der zahlreichen Routen im Gebiet, welche bis dato nie in gedruckter Literatur dokumentiert wurden, deshalb kaum bekannt sind und noch fast nie begangen wurden. Dies bescherte uns eine spannende Entdeckungsreise dieses Werks, welches von zwei Exponenten an die Wand gezaubert wurde, die sich in der Comp-Szene einen Namen gemacht haben. Eingebohrt schon anno 2001 von Urs Stöcker, fertiggestellt erst im 2018 von Dirk Uhlig, gepunktet von letzterem im August 2020.

Die Wand vom Schweizereck im Abendglühen. Start- und Endpunkt von Parabol sind markiert. Für den genauen Routenverlauf und auch ein schematisches Topo verweise ich auf die neue Ausgabe vom Rätikonführer im Panico-Alpinverlag, welche voraussichtlich auf die Saison 2026 erscheint. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich ja schon, diese schönen Dokumente nicht gleich zu teilen. Andererseits lässt sich die Route mit den in diesem Beitrag vermittelten Infos problemlos begehen. Wir wussten bei unserem Go einzig die Bewertungen der Seillängen und den ungefähren Startpunkt, was noch viel weniger ist, als hier steht.

Angie weilte bereits oben im Rätikon, also fuhr ich mit meinem Bike auf's Grüscher Älpli (wohlgemerkt nicht von daheim) und wir liefen hinauf zum Einstieg. Man kann sowohl links wie rechts vom Pardutzkessel durch, es kommt wohl beides in etwa auf dasselbe raus. Zuletzt gilt es dann eine grössere Graszone über einem Felsriegel zu erreichen, schrofige Kraxelei (T4+) bringt einen da rauf. Der Einstieg ist mit etwas Spürsinn gut zu lokalisieren und durch einen Stand markiert, welcher mit 2 korrodierten, verzinkten BH ausgerüstet ist, deren Laschen mit kleiner Öffnung nur 1 Karabiner aufnehmen. Um ca. 10.15 Uhr starteten wir mit der Kletterei, noch tief im Schatten des Berges, was an diesem sehr milden Spätsommertag jedoch kein Problem war.

Ausblick auf L1 (6b), welche das komplette Trad-Gear erfordert.

L1, 50m, 6b (original 6a): Definitiv kein Bijou und vielleicht dass man diese Länge trotzdem in Erinnerung behält, ist sie so spärlich abgesichert. Wobei die ersten 5m schlabbrig-kompakten Fels aufweisen und mit einem BH abgesichert sind - das ist die Crux, nit mal so easy. Weiter geht's dann grasdurchsetzt in auch nicht immer bombensolidem Fels, fixe Absicherung gibt's keine. Es geht aber immer gerade so einigermassen mit Bewuchs, Felsqualität und Placements. Markant sind ein rissiger Überhang in der Mitte und eine nochmals plattigere Zone mit 2 BH am Ende.

Die Gegenperspektive, Nachstieg in L1 (6b).

L2, 45m, 6c: Es geht deutlich freundlicher weiter, so richtig hammermässig ist aber auch diese Länge nicht. Erst hinauf durch Verschneidungen, wo nebst 2 BH noch Cams zu legen sind. Steht man dann auf einem grasigen Pfeilerkopf, so geht's richtig los. Eine seitgriffbetonte Wandstufe will erklettert sein. Ganz ordentlich da, jedoch ist das Gestein etwas staubig und teilweise auch nicht frei von einer Prise Splittrigkeit.

Das sieht doch schon viel besser aus - und ist es tatsächlich auch: L2, 6c.

L3, 30m, 7c: Hier führt die Route durch einen von weither sichtbaren, markanten schwarzen Wasserstreifen. Manchmal findet man in solchen Zonen super strukturierten Henkelfels. Solchen hätten wir gerne angetroffen, es manifestierte sich leider nicht ganz so. Erst noch easy durch eine Art Verschneidung mit verkeilten Blöcken auf den Pfeilerkopf. Von diesem weg wartet eine Boulderstelle an Slopern in die steile Wand hinein, welche nach ca. 10 weiteren Metern mit der Crux aufwartet. Diese konnten wir nicht freiklettern: der Fels ist mit einer dicken Schicht von staubigem Belag überzogen, da müsste zuerst einmal richtig gebürstet werden. Doch ob dann ausreichend Griffe für eine machbare 7c zum Vorschein kämen?!? Ich bin mir da nicht so sicher. Nach diesem Abschnitt folgt ein sloprig-abschüssiges Finish über ein Dach hinweg. Diese Passage konnte ich entschlüsseln - es ist wieder etwas einfacher, dünkte mich aber immer noch im Bereich 7b+/7c.

Zähes Finish an abschüssigem Fels in L3 (7c).

L4, 30m, 6c+: Ich würde sagen, die zweitschönste Seillänge der Route. Sie bietet typisch steilplattiges Rätikongelände. Auf den ersten Metern quert man erstaunlich griffig nach rechts aus dem staubigen Wasserstreifen hinaus und erreicht so richtig raues, schönes Gestein. Ein paar abgefahrene Reibungsmoves warten, aber es löst sich alles gut auf. Im letzten Abschnitt erreicht man dann den die gesamte obere Routenhälfte prägenden Diagonalriss. Diesem entlang, nun schon wieder etwas grasig-alpin, zum Stand.

Mit Ausnahme der letzten paar Meter findet man in L3 (6c+) tolle, rätikontypische Plattenkletterei. 

L5, 50m, 6b: Einen solchen Abschnitt könnte man sehr gut in einer klassischen Führe aus der Pionierzeit einordnen. Man folgt alles dem Risssystem bzw. der Rampe. Erst durchquert man mittels Risskletterei nochmals den (bei unserer Begehung zum Glück trockenen) Wasserstreifen v.r.n.l., dann folgt ein Abschnitt, wo man in der Rinne stemmt, während man zuletzt an die linke Kante geht und noch steil bzw. überhangend um einen grossen Klemmblock herumkommen muss. Oberhalb von diesem befindet sich ein grosses Plateau mit bequemem Stand.

Eher klassisches Alpingelände mit Rissen und Kaminen in L4 (6b), die aber schön zu klettern ist.

L6, 15m, 7a: Molto particolaaare... Erst noch kurz einfach über die Rampe, um zu sehen, was da kommt. Nun, das Risssystem hat da eine Unterbrechung, sprich es gilt einen Abschnitt in Wandkletterei zu meistern. Zwei grosse Ausbuchtungen mit ca. 1m Durchmesser prägen diese Stelle. Es heisst Sloper patschen und sich dann gekonnt unter Nutzung der beiden Features durch die überhängende Wand mogeln. So kommt man wieder auf die Rampe und klettert ein paar Meter in etwas grasigem Terrain zum Stand.

Hepp und Patsch heisst es in der Crux von L6 (7a), zuletzt mit Ausstieg auf die Grasrampe.

L7, 30m, 7c+: Während die Rampe nach links weiter ginge und wohl im Bereich 6b-7a kletterbar wäre, orientiert sich die Route nach rechts in die kompakte Wand. So erlebt man hier noch die schönste Länge der Tour. Die leicht aufwärts führende Querung gleich zu Beginn bietet über die ersten 3-4 BH gleich die Crux. Sehr technische, bewegungsintensive Kletterei an kleinen Kratzern. Mit dem ersten Ausstieg auf ein Sloperplateau wird es dann etwas einfacher. Der obere Teil checkt noch bei ca. 7b/+ ein, wobei es der letzte Mantle auf die finale Platte nochmals in sich hat - tricky! Zum Abschluss wartet dann noch etwas toller Kaktusfels wie in der Saguaro, ein Genuss. Diese Länge konnte ich all free klettern. Ob einfacher als L3 vermag ich nicht wirklich zu sagen - viel, viel schöner jedoch, da gibt es keine Zweifel.

Schöne, aber harte und sehr technische Wandkletterei in L7 (7c+).

Um 16.30 Uhr hatten wir nach 6:15h der Kletterei das Top erreicht - wieder einmal ganz und gar keine Speedbegehung also. Aber wenn man an beiden Seilenden eine 7c/+ auschecken will, so dauert eine solche SL dann rasch mal 1:30-2:00h, somit ist der totale Zeitbedarf nicht verwunderlich. Die Bilanz bestand aus os/flash bis auf die beiden schwierigsten, wobei die letzte eben lösbar war, während bei der ultrastaubigen 7c etliche Fragezeichen verblieben. Ob ich zurückkommen werde, um diese aufzulösen?!? Auf die Schnelle wohl eher nicht.

Angie beim Mantle in L7 (7c+), welcher die letzte Abwurfstelle der Route präsentiert. Auf der finalen, sehr genussreichen Passage im 6c-Bereich wird man es sich dann sicher nicht mehr nehmen lassen.

Für uns hiess es, die Abseilfahrt anzutreten. Mit L7 waren wir wieder so weit nach rechts geklettert, dass sich der Stand nach L5 ob dem Klemmblock in ziemlich direkter Linie erreichen liess. Die nächste Strecke über die diagonal verlaufende L4 war dann eher etwas mühsam. Einmal geschafft, waren es noch 2 Manöver von Stand 3 nach 1 und von dort zum Boden. Wir liefen zurück zum Melkplatz, wo ich mich auf's Bike schwang und dem Tal und den dort auf mich wartenden Pflichten entgegen brauste. Angie hingegen blieb vor Ort, denn am übernächsten Tag wollten wir gleich nochmals ein unbekanntes Rätikon-Mysterium ergründen. Der entsprechende Bericht wird irgendwann zukünftig auch auf diesem Blog erscheinen.

Wunderbar wie immer das Panorama im Rätikon!

Facts

Rätikon / Schweizereck - Parabol 7c+ (6c+ obl.) - 7 SL, 250m - Stöcker/Uhlig 2001/2018 - **;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.2-2, evtl. Keile

Eine bisher kaum bekannte und begangene Route im rechten Teil vom Schweizereck, welche einen Mix zwischen harter Sportkletterei, schönen Rätikon-Steilplatten und einem nicht unwesentlichen Teil von alpin angehauchtem Trad-Gelände bietet. Stellenweise ist der Fels super, in den einfacheren Abschnitten jedoch auch teils grasig und/oder etwas lottrig. Da die Route im Bereich eines wasserführenden Streifens verläuft (und damit nur nach Trockenperioden ein sinnvolles Ziel darstellt), ist der Fels auch teilweise von einer Staubschicht überzogen. Die Absicherung ist über weite Strecken und insbesondere in den schwierigen Passagen sehr gut auf Niveau xxxx bis xxxxx. In L1 muss ein grosser Teil mobil abgesichert werden (in unschönem, aber einfachem Gelände), auch in L2, L5 und am Ende von L6 sind Cams zu platzieren. Ein Set von 0.2-2 war uns ausreichend, für L1 könnten allenfalls noch Keile hilfreich sein. Zu erwähnen ist auch noch, dass grösstenteils verzinktes Material steckt, welches teilweise schon deutliche Korrosion aufweist.

Hinweis: in der Route (von Beginn von L3 bis zum Ende von L6) hängen defekte Fixseile, welche keinen Nutzen mehr bringen und sowohl die Optik wie auch die Kletterei stören. Es wäre aus meiner Optik wünschenswert, dass diese Seile entfernt und entsorgt werden. Wir hatten leider kein Messer dabei und ohne ein solches sind die stark versprödeten Knoten unmöglich aufzukriegen.

Freitag, 17. Oktober 2025

Hintisberg - Ophrys (7a)

Nur 10 Tage zuvor waren wir noch bei hochsommerlichen Verhältnissen im Rätikon geklettert. Doch inzwischen war weit hinunter Schnee gefallen und die Nächte waren schon frostig. Eine Bisenlage mit Hochnebel und möglicher Umwandlung in Quellwolken liess uns auf ein Gebiet besinnen, welches sehr sonnig gelegen und nicht in den Voralpen liegt. Für den Hintisberg entschieden wir uns schliesslich, wo die Routen ideale Herbstlänge aufweisen. Und da ich bisher erst selten vor Ort war, standen noch ganz viele Ziele zur Auswahl.

Die Wand von Hintisberg mit der Verlauf der Route Ophrys (7a).

Weit kurvten wir aus dem Tal hinauf zur Alp Hintisberg, der Kletterparkplatz befindet sich erst etwas weiter oben beim Waldstück auf ca. 1840m. An einer Parkuhr ca. 2.5km nach dem Abzweig von der Hauptstrasse ist der Obulus von 10 CHF für die Fahrt zu löhnen, dies ist entweder mit Münzen oder dann mit diversen Apps (u.a. Twint, Parking Pay) möglich. Wir schulterten unsere Säcke und liefen in rund einer halben Stunde hinauf zur Wand. Eile war nicht geboten, denn wir waren eher zu früh aufgekreuzt. Die Sonne war noch hinter der Bira versteckt, erst um ca. 9.30 Uhr wird die Wand anfangs Oktober von den wärmenden Sonnenstrahlen bestrichen. Da es auch so noch frisch war, wärmten wir mit der 2-SL-Route Munggä (6a+, 6a+) erst einmal auf. Ein Abseiler brachte und zurück auf den Boden und wir verschoben zum Start der Ophrys, welcher mit roter Farbe angeschrieben ist und sich ca. 10m links (westlich) der markanten Grotte in Wandmitte befindet. Um ca. 10.20 Uhr starteten wir in diese Route.

Darauf haben wir gewartet! Die Sonne erreicht die Wand Anfang Oktober erst um ca. 9.30 Uhr.

L1, 30m, 6c: Nach einigen gutmütigen Metern zum Auftakt geht's dann bald steil zur Sache. Eine böse verbogene Hakenöse signalisiert die erste Powerstelle mit kräftigen Moves an einer Rissspur. Dies wird gefolgt von einer weiteren kniffligen Sektion mit einem seicht-flutschigen Riss, wo es vor allem die richtige Lösung zu erkennen gilt. Das kann man auch deutlich schwieriger wie als 6c klettern... und erreicht so das etwas leichtere, aber immer noch pumpige Restgelände zum Stand. Auch auf dem leichtesten Weg: tough Cookie für 6c, eher 6c+.

Die Route legt gleich fulminant los, zudem gilt's den besten Weg zu finden in L1 (6c).

L2, 25m, 6c: Zuerst linksrum auf die Schuppe rauf, dann folgt eine Rechtsquerung. Die permanenten Chalkspuren heissen einen, diese eher tief anzugehen. Ich wollte auch nicht das Risiko eingehen, die hohe Querung zu wählen, vermutlich ginge die aber schon auch. Man quert hinüber bis zum Stand von Zeit der Dürre, geht ab dort aber eher wieder leicht linkshaltend gerade hinauf. Der nächste BH ist von unten kommend nicht immer gleich erkennbar. Es kommen aber schon welche, die Länge ist prima gesichert und bietet hervorragende, kräftig-ausdauernde Wandkletterei. Zum Schluss dann noch der Mantle auf's Standband, welches bequemes Strandbad-Feeling vermittelt.

Der Griff nach dem rettenden Henkel in L2 (6c).

L3, 30m, 6c: Links raus aus dem Stand, eine erste Wandstufe führt zu einem Band, wo man mehrere Meter nach links quert und den Begrenzungspfeiler erklimmt. Bald einmal geht's in sehr pumpigen Ausdauergelände zur Sache. Kleine Dächlein sind zu überwinden, die Griffe zwar schon meist gross, aber oft auch rund und die Wand hängt über, es gilt kräftige Blockierzüge durchzuriegeln. Die ziemlich aussergewöhnliche Felsstruktur bringt auch eine Unübersichtlichkeit mit sich und so heisst es, sich bis zum ziemlich unbequemen, mitten in der Steilwand gelegenen Stand durchzufighten. Denke eine Bewertung von 6c+ passt auch hier eher besser.

Wunderbar die Herbstkletterei am Hintisberg - hier beim Auftakt in L3 (6c).
Das Finish von L3 (6c) dann in pumpigem Steilgelände an guten, aber runden Griffen.

L4, 25m, 6c: Der steile, drückende Wandabschnitt gleich ob dem Stand offeriert gute Griffe, so kommt man zügig und noch fast ungerupft voran. Die Crux der Länge besteht dann in einer kleingriffigeren Sektion bevor man die markante Schuppe erreicht, welche den zweiten Teil dieses Abschnitts charakterisiert. Entgegen der Beschreibungen im Internet fand ich das gar nicht mal ganz so einfach, insgesamt ist's aber definitiv die einfachste Länge der Route. Weiter geht's dann der Schuppe entlang hinauf und an deren Gipfel nach links zum Stand.

Linkstraverse am Ende von L4 (6c).

L5, 30m, 7a: Hier gibt's keine zwei Fragen, gleich aus dem Stand raus folgt die kräftige Dachpassage. An diesem gibt's vorerst durchaus noch vorzügliche Henkel, doch oberhalb bietet die wasserzerfressen raue Wand nebst einigen sloprigen Löchern nur noch scharfe Kratzer. Mein Onsight-Versuch war gut, scheiterte aber doch, bevor ich engültig über dem Dach etabliert war. Es stellte sich heraus, dass ich eine absolut vernünftige Beta probiert hatte - doch um diese erfolgreich auszuführen, war ich einfach nicht stark genug. Und dies auch nach genauem Befühlen und Optimieren. Somit musste eine andere Lösung her. Erst nach einigem Tüfteln und mit Griff in die Trickkiste ward diese gefunden - so hiess es nun nur noch, sie auch am Stück zu realisieren. Ich liess mich zum Stand ab für einen 2nd Go. Nur mit dem Zusammenkratzen aller Reserven konnte ich das Dach überwinden. Und in der Wand darob wurde es auch nochmals spannend. Die scharfe Wandkletterei ist zwar schon einfacher, aber obligatorisch, nicht ganz so offensichtlich und vor allem hatte ich diesen Part nicht ausgecheckt - mit ein paar Mal tief Durchschnaufen ging es aber. Die zweite Hälfte der Länge präsentiert sich dann deutlich einfacher, man erreicht schliesslich ein bequemes Band.

Am Henkel kann man sich vor der Überwindung des Dachs nochmals erholen - oder auch seine Kraft für ein paar Faxen verpuffen. Wobei, von einem coolen Poser-Foto hat man im Nachhinein vielleicht mehr wie von der virtuellen Trophäe des roten Punktes?!?

L6, 35m, 6c: Dass wir uns hier nicht in die Spectacolo verkofferten liegt v.a. daran, dass deren Start so richtig pickelhart ist. Man sei sich gewahr, die Ophrys verläuft hier links von Spectacolo (sprich man kreuzt diese Route) und führt vom Stand beim Baum drüben weiter - also entweder direkt nach L5 dort nachsichern oder dann mit einem kurzen Überbrückungsstück dahin wechseln. Gleich vom Boden weg wartet ein harter Boulder an scharfen Griffen, zäh für eine 6c! Die Fortsetzung bietet dann eher technisch gefärbte Kletterei, zwischendurch auch gar nicht mal so easy, aber es löst sich alles auf. Zuletzt geht's dann noch über Gras 15m zum gut sichtbaren Stand hoch.

Von L6 (6c) sieht man nur den grasigen Schlussteil, aber welch ein Panorama!

Um 14.10 Uhr und damit nach rund 3:50h der Kletterei waren wir beide am Top. Da hatte ich doch mehr Guzzi geben müssen, wie einem das Topo glauben machen würde. Die meisten der 6c-Längen waren taff, und die 7a?!? Meines Erachtens erst recht. Diesen Grad klettere ich bei guter Absicherung und physischer Kletterei fast immer im ersten Go - hier ging's hingegen selbst im zweiten nur knapp. Immerhin blieb der rote Punkt, aber auch die Fragezeichen, ob die angegebene Bewertung denn auch wirklich zutreffend sei. Ein Upgrade wäre vermutlich nicht verkehrt, für uns hiess es aber, vorerst einmal wieder down an den Wandfuss zu kommen. Dies geschieht via die Route Spectacolo und es ist durchaus vorteilhaft, 2x60m-Seile dabeizuhaben. So würden 3 Manöver reichen, mit 2x50m sind hingegen 5 davon notwendig. Das Topo im Extrem West weist die zu nutzenden Stände korrekt aus. Hält man sich an diese "Instruktionen", so kommt man trotz dem massiv überhängenden Gelände ohne grössere Schwierigkeiten zurück auf den Boden. Trotzdem, das 1x1 des Abseilens muss man hier aus dem Effeff beherrschen, die Seile baumeln einfach ins Leere und einfach so "gratis" erreicht man den Fels nicht mehr. Wir setzten uns zufrieden ins Gras am Einstieg und genossen einen Vesper. Nachdem die Uhr schon etwas vorgerückt war und die Wand nicht mehr lange in der Sonne zu stehen schien, räumten wir unser Material schliesslich zusammen und machten uns auf den Abstieg. Wir waren voll auf unsere Kosten gekommen und die Familien freuten sich bestimmt über eine zeitige Heimkehr. 

Facts

Hintisberg - Ophrys 7a (6b obl.) - 6 SL, 185m - C. & Y. Remy 1991 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Eine durchgehend steile und fordernde Kletterei in einem sehr speziellen Gestein. Der gelbe Fels sieht optisch nicht sonderlich schön aus, bzw. wirkt sogar etwas brüchig. Das täuscht aber, denn eigentlich ist alles solide. Die Kletterei an grossen, aber oft runden Griffen ist speziell und pumpig - v.a. auch, weil die Bewertungen jetzt nicht gerade sehr gutmütig ausgefallen sind. Die Absicherung mit verzinkten BH ist tiptop ausgefallen. Etwas Anspruch ist durchaus da im Vorstieg, es gibt aber keine weiten Abstände oder heikle Runouts. Mobile Absicherung ist nicht nötig, man kann unbesorgt ausschliesslich Exen an den Gurt hängen. Ein Hinweis: in der Nähe vom Einstieg tropft es oft aus den Dächern oberhalb herunter. Die Route ist davon aber in der Regel aufgrund der geschickten Linienführung nicht betroffen. Ein Topo zur Route findet man im Extrem West, Band II.