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Donnerstag, 28. November 2024

2*(Ski+Bloc) + Epilog

Nach einem kurzen (W)intermezzo im September ist der Schnee nun im November erneut gekommen, dieses Mal mit einer Dicke von 30cm bis in die tiefsten Flachland-Lagen. Das ergab drei schöne Tüürli in der nahen Umgebung. Dass diese nicht zu viele Höhenmeter aufweisen, gereichte nur zu meinem Vorteil. Denn mit zwei back-to-back Boulderevents am Freitag- und Samstagabend war das Programm ja eh schon reichhaltig gefüllt. Aber deswegen den Schnee einfach Schnee sein zu lassen wäre dann doch jammerschade gewesen.

Tag 1

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag schneite es ausgiebig, am Freitagvormittag gab es dann ein paar schöne Aufhellungen. Also durfte es wieder einmal der Standard-Aufstieg zum Bachtel sein, wo ich seit über 30 Jahren bei (fast) jeder passenden Gelegenheit meine Spur ziehe. Es ist übrigens schon deutlich merkbar, wie viel Popularität das Skitourengehen erlangt hat. Gab es vor Jahrzehnten noch wenig bis keine Konkurrenz um die schönsten Lines, so war ich jetzt selbst direkt nach dem Schneefall um 8 Uhr morgens nicht einmal mehr für die Spurarbeit zuständig. Wie sich am Gipfel zeigte, waren es zwei alte Bekannte von mir, welche den Job übernommen hatten. Ich wünschte ihnen eine gute Abfahrt, besuchte noch den Turm und fuhr dann auf meiner "Geheimlinie" ab, welche nochmals etwas Wiederaufstieg erfordert. Erstaunt war ich dann, als ich am Parkplatz nochmals meine beiden Jahrgänger antraf. Wegen der Kälte hatte der Funkschlüssel seinen Dienst quittiert - ich kann allen nur empfehlen, sich einmal damit zu beschäftigen, wie man in diesem Fall die Karre öffnet und sie trotzdem zum Fahren bringt. Bis die beiden das vor Ort ausgetüftelt hatten, war eine satte Dreiviertelstunde verstrichen.

Fantastische Stimmung auf dem Weg zum Bachtel am Freitagmorgen.

Mein nächster Programmpunkt bestand aus dem Arbeitstag, welcher hier nicht näher beschrieben werden muss. In freudiger Erwartung machte ich mich dann auf zum Boulderbingo im Griffig. Ein sattes Programm von 50 frischen Bouldern hatten sie uns da an die Wand geschraubt. Das Ganze läuft unter Boulderplausch und nicht unter Wettkampf. Einen gewissen Anreiz, möglichst viele Boulder zu toppen gibt es aber dennoch. Die Bingokarte weist nämlich fünf 9er-Felder auf. Um die Gewinnchancen zu maximieren, mussten also mindestens 45 Probleme erfolgreich gelöst werden. Mir lief es wie geschmiert, sogar in der "Spezialdisziplin" des Alpinkletter-Grufties, den Koordinationsbouldern war ich erfolgreich. Vielleicht war es ja das ausgiebige Aufwärmen am Vormittag gewesen oder der Skischwung half für den richtigen Dreh beim Jump & Swing?!? Jedenfalls konnte ich die mir gesetzte Vorgabe erfüllen und selbst bei den wenigen verbleibenden Bouldern erkannte ich noch die Aussichten auf Erfolg, wenn noch mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Vernünftigerweise gab ich dann dem Spiel statt weiterer vertikaler Aktivität den Vorzug. Wobei mir das Spielglück leider überhaupt nicht hold war und der angepeilte Hauptpreis mit der Bouldermatte in andere Hände wanderte. Mit einer Packung Chalk und trotzdem viel Freude im Herzen machte ich mich auf den Heimweg.

Tag 2

Am Bingo wurde es zwar spät, aber für den Samstagvormittag war Wintermärchen angekündigt. Toller Sonnenschein und Pulverschnee bis ans Ufer vom Zürisee. Solche Gelegenheiten kommen nur alle 5-10 Jahre und in Zukunft womöglich noch seltener. Also konnte ich diese Möglichkeit natürlich nicht im Bett verschlafen, sondern machte mich auf die Socken. Das Pflichtenheft für die Tour bestand aus einem Start "ganz unten" und einem schönen Hang mit geeignetem Skigelände. Dieser ward mit Startort Maseltrangen und dem Gipfel der Steinegg identifiziert. Im 2002 war ich das letzte Mal mit den Ski (auf leicht anderer Route) zu diesem Kulminationspunkt unterwegs. Wunderschöne Stimmungen und toller Schnee versüssten den Ausflug. Dass es nur 800hm waren, störte mich keineswegs - denn noch etwas Pfupf für den Abend aufzusparen gehörte sich eh. Und sowieso bin ich - auch wenn hin und wieder eine anstrengend-lange Tour lässig ist - zum Glück nie in den Groove gekommen, den Wert einer Skitour in der Anzahl der Aufstiegshöhenmeter zu messen. Daheim reichte es dann noch, um relaxt die Speicher wieder aufzufüllen und die Beine etwas hochzulagern.

Dass es von ganz unten richtig gut geht in der Linthebene ist mittlerweile ein sehr seltenes Ereignis.
Aber wie man sieht: absolut genialer Schnee, tolle Hänge und keine Spuren. Take your chances!

Das Samstagabendprogramm wurde durch den 3er-Teamwettkampf im Quergang markiert. Hier war ich bereits 2021, 2022 und 2023 am Start. Bei den ersten beiden Austragungen jeweils mit Kathrin und Larina, bis sich letztere im 2023 entschloss, lieber mit ihren fitten Freundinnen aus dem Team als mit den Eltern teilzunehmen. Für die diesjährige Austragung konnten wir aber eine richtige Trumpfkarte in unser Blatt integrieren. Sie bestand aus dem eben 9 Jahre alt gewordenen Bartek, ein absolutes Versprechen für die Zukunft und die derzeit wohl stärkste Nachwuchskraft der Altersstufe U10 in der Schweiz (natürlich haben wir mit seinem Management gleich einen 10-Jahresvertrag abgeschlossen 😁 ).  Trotzdem, gegen die drei U16-Girls (Hannah, Julia, Larina) würden wir wohl einen schweren Stand haben. Aber sowieso galt es, sich erst einmal für den Final in Stellung zu bringen. 29 Probleme standen auf dem Qualiprogramm. Trotz schon etwas Ermüdung in den Knochen lief es mir erneut prima. Selbst die beiden Koordo-Boulder waren ausreichend gutmütig und bei einem Tricky-Move half noch das Reibungsvermögen und die Spannweite mit. So waren bald einmal 26 Tops notiert und mit einem beruhigten Lächeln auf den Stockzähnen konnte den Girls die aufdringlich-nervige Frage gestellt werden "wie viel Tops händ ihr scho?". Die Antwort lassen wir an dieser Stelle offen, jedenfalls qualifizierte sich ihr Team Hokus Pokus Herkulis auf Rang 1 vor unserem Trio Erfahrung und Talent für die Finalrunde. 

Hokus Pokus Herkulis in Aktion (man musste die Boulder nicht simultan klettern 😄).
Links ein funny Shot vom Autor, welcher gerade den Swingjump landet. Der zweite Teil der dynamischen Koordination (rechtes Bild) liess sich für einen alten Felshasen mit gefühlvollem Antreten auf Reibung, schön auf die Hüfte schieben und einer Prise Reichweite auch statisch nach dem Motto "1000x im Rätikon geübt" lösen (und ähm, im Rätikon-Runout gilt das Motto dann umgekehrt). Die finale und entscheidende Crux bei diesem Boulder war jedoch das Top zu matchen, trickreich und mit erspüren der korrekten Body Position.

Auch im Final mussten wir den Girls dann den Vortritt lassen. Natürlich wollten sich die Schrauber nicht mit einem Beta Break düpieren lassen und schraubten die Griffe im Koordinationsboulder ganz sicher ausserhalb jeder vernünftigen Reichweite an. Die absolut verrückte Geschichte ist nun aber die, dass Larina genau diesen zwar offensichtlichen, aber "unmöglichen" Beta Break doch hinkriegte. Mir gelang es aber trotz gut 20cm mehr Spannweite nicht, denn ich konnte nicht genügend gleichzeitige Freiheitsgrade in Hüfte, Wirbelsäule und Schultern an den Tag legen, so dass der Spreiz-Twist-and-Reach-Move im Bereich des Machbaren gelangt wäre (siehe Foto unten). Tja, so kommt die Revanche für die aufdringlichen Fragen dann manchmal schneller, als es einem lieb ist. Jedenfalls, wieder etwas erkannt, woran gearbeitet werden kann. Doch ob die alten Knochen noch einmal schön gummig und geschmeidig werden?!? Man darf es bezweifeln... Nicht bezweifelt werden darf jedoch, dass dies ein absolut toller, spassiger und gelungener Abend war. Viva la vida!

Das ist der im Text oberhalb angesprochene Finalboulder. Eigentlich ein dynamischer Koordo-Boulder, aber man kann's ja mal mit einer statischen Beta versuchen. Doch selbst mit meiner Spannweite war es nicht möglich, beim Abstützen mit rechts an der Wand den Griff links zu erhaschen. Larina hat es mit Lösen der rechten Hand geschafft, was für mich (und weitere Aspirant:innen) absolut unmöglich war. Die rechte Wand ist unbeschichtetes, flitzeglattes Holz, so mit Druck auf dem Fuss Hüfte, Wirbelsäule und Schultern zu drehen: unmöglich. Danach folgte noch böses Leistengeballere, von Mrs. Trickkiste gekonnt mit einem akrobatischen Toehook entschärft. Ich kann euch sagen, da fühlt sich jeder Rätikon-Runout gegen diese Position geradezu harmlos an 🙄😁
Team Erfahrung und Talent. Die Leser wissen bestimmt, wo erstere und zweiteres zu finden ist 😎.

Epilog

Nach dem Teamwettkampf wurde es noch später, immerhin war am Folgetag kein frühes Aufstehen angezeigt. Denn 48h nach dem frischen Schneefall und 24h nach dem Wintermärchen war am Sonntag nur noch Resteverwertung angezeigt. Mit einem gemütlichen Frühstück intus war Larina mit von der Partie, um sich die Beine ein wenig zu vertreten und das doch leidlich sonnige Wetter zu geniessen. Nochmals auf den Bachtel mit den Tourenski sollte es gehen, dieses Mal jedoch auf einer anderen Route auf dessen Rückseite. Lässig war es und nachdem der Schnee bereits im Aufstieg die Konsistenz von Kartoffelstock hatte, konnten wir einen gemütlichen Vesper in der Beiz nehmen und auf die Geschehnisse der vergangenen beiden Tage Rückschau halten. Die einzige Gefahr bestand nur fast darin, dass der Schnee während unserer Mittagsrast bereits schon weggeschmolzen wäre. Ganz so schlimm war es zum Glück doch nicht, einige schöne Kurven später war dieses zweite (W)intermezzo der Saison 24/25 dann aber doch Geschichte.

Dienstag, 12. April 2022

Zürcher Klettermeisterschaft 2022 - Lead im Griffig

Dieses Datum hatten wir uns natürlich dick im Kalender angestrichen - auf den 9. April war ZKM & Griffig Cup in Uster angesagt. An die letzte Ausgabe vor 9 Monaten hatten wir extrem gute Erinnerungen. So hofften wir nicht nur auf ein tolles Kletterfest, sondern auch darauf, uns erneut ein paar Podestplätze sichern zu können. Doch wie sehr das alles an einem seidenen Faden hängt, sollte sich wieder einmal zeigen. Mein Partner vom kürzlichen Team-Boulderplausch im 6aplus musste verletzt die Segel streichen und Kathrin erwischte es wenige Tage vor dem Event mit einer Krankheit. Glaubt es mir, so wird man ganz schnell zum Hypochonder, der jedes Zipperlein und Kratzen im Hals als den Beginn vom Ende der Kletterträume sieht. Doch mit grosser Erleichterung konnten Larina und ich den Weg an den Start gesund und munter antreten.

Unterwegs in der Finalroute nach dem Motto "wenn bloss die Finger so stark wären wie die Leggins farbenfroh sind...".

Für Larina gab's in der Kategorie U14 das übliche Programm mit 3 Quali-Routen (6c+, 7a, 7b+), die ihr leicht von der Hand gingen und alle diskussionslos getoppt wurden. Somit gab's kein Bibbern um die Finalteilnahme, sondern das Ticket war souverän gelöst. Nach etwas Judging galt es dann auch für den Autor trotz Teilnahme in der Fun-Kategorie ernst. Da galt es in einem wahren Steigerungslauf 10 Quali-Routen von 5c bis 7b+ zu meistern. Auch das klappte wie am Schnürchen, 10x Top durfte auf dem Zettel eingetragen werden und damit war die Finalteilnahme ebenfalls gesichert. Zuerst waren aber die Kids an der Reihe. Und das Zuschauen ist definitiv der Part, der für viel mehr Nervosität und Anspannung sorgt wie das Klettern einer Finalroute selber. Was man da an der Seitenlinie jeweils ausmalt, Foot Slips, Klippfehler und sonstige Kapriolen, welche die Begehung verfrüht enden lassen könnten, bevor sie richtig angefangen hat. Lustigerweise habe ich solche Gedanken nie, bevor ich selber einsteigen muss - passiert ja auch nie. Auch Larina stieg mit einer solchen Überzeugung ein, dass die Befürchtungen rasch im Winde zerstreut waren. Am Ende kostete sie ein kleiner Fehler die Möglichkeit, den Sieg mit den letzten Körnern im Tank in der mit 7c bewerteten Finalroute noch an sich zu reissen. Aber das Silber stand auch für eine prima Leistung und einen guten Start in die Leadsaison.

Podest Girls U14

Dann eben galt es für mich ernst. Mit Vorfreude auf eine tolle Route stieg ich ein und erzielte guten Fortschritt. Vorerst gelang es mir auch prima, aufkeimenden Pump im Zaum zu halten und die steilste Passage der Route kontrolliert zu klettern. Volle Kraft voraus zum Top hiess es dann schliesslich in der etwas weniger stark überhängenden Schlusswand. Aber da war der Ofen schlussendlich plötzlich aus, die sloprigen Crimps mit mangelhafter Wegsteh-Möglichkeit warfen mich erbarmungslos ab. Das resultierte in Rang 3, die beiden besten hatten die 7c-Finalroute toppen können - wobei mir dies auch nur beschränkt geholfen hätte, da schlussendlich die Zeit gezählt hätte. Aber weder zählt Schnelligkeit zu den Stärken des Herrn Dettling, noch wäre es mir selbst im Wissen drum möglich gewesen, die Route gleich schnell wie meine beiden stärkeren Konkurrenten zu klettern - meine herzliche Gratulation an die beiden! Es ist übrigens nicht so, dass mir das Resultat bzw. der Rang extrem wichtig wäre. Aber wenn ich etwas mache, dann mit Herzblut, Einsatz und Begeisterung und dem Willen, das Optimum zu erreichen. Auf jeden Fall muss die Jagd auf das noch fehlende Griffig-Gold auf die nächste Gelegenheit im 2023 vertagt werden.

Podest Herren Fun

Ein interessanter Aspekt ist mir mit dem Betrachten des Siegerfotos gekommen... eigentlich bin ich ja viel mehr der (Outdoor-)Routenkletterer als der Boulderer. Trotzdem liegen mir Boulderwettkämpfe tendenziell besser als jene im Lead. Mich dünkt, das kommt in erster Linie von den Anforderungen, die der jeweilige Wettkampfmodus stellt. Bei den Boulder Jams gilt es ja meistens, eine riesige Menge von an sich machbaren Problemen effizient zu lösen. Da profitiere ich von Erfahrung und Route Reading Skills, sowie von der Stamina des Alpinkletterers, für den Klettern oft viele Stunden dauert. Im Lead hingegen muss man im entscheidenden Augenblick in einer Power Endurance Route gut aussehen, die über dem persönlichen Level liegt. Dies meist in stark überhängendem Gelände, in zügig zu bekletternden Routen ohne Rastpunkte und bei bescheidenem Trittangebot. Und das ist offen gesagt etwa der Kletterstil, der mir am wenigsten überhaupt liegt. Ein anderer Punkt ist noch das Gewicht: laut dem Podestfoto sehe ich ja gegenüber meinen Konkurrenten fast photoshopmässig um 20% vergrössert aus... und trage damit trotz Spargeltarzan-Körperbau 15-20 Kilos mehr die Wand hinauf, was sich gerade beim Lead-Comp-Routenstil extraschwer auswirken dürfte. Wie auch immer... es sei bemerkt, dass ich nicht nach Ausreden suche. Ich versuche mir nur die Unlogik zu erschliessen, warum mir Comp-Bouldern mehr liegt wie Lead.

Auf jeden Fall möchte ich mich wie immer an dieser Stelle herzlich bei allen Involvierten bedanken. Dem RZZ für diese Wettkampfserie, dem Griffig für den Event und die coolen Routen, den Mitkämpfern für die guten Vibes und natürlich auch allen anderen, die zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben! Das gilt insbesondere auch für die Fotografin Gina Held, von welcher alle Fotos in diesem Beitrag stammen.

Samstag, 18. September 2021

Zürcher Klettermeisterschaft 2/2021 - Lead im 6aplus

Als ich zum Ende der Sommerferien von einem Kollegen gefragt wurde, was denn meine Ziele für das verbleibende Bergjahr seien, war ich wie immer um eine Antwort verlegen. Denn eigentlich ist das Ziel ja einfach, tolle Erlebnisse beim Klettern zu haben, bei was auch immer sich ergibt. Schliesslich konnte ich dann aber etwas konkreter noch die RP-Erstbegehung der Lanciamira nennen, die inzwischen tatsächlich geglückt ist :-) Deutlich weniger ernst nannte ich noch die Titelverteidigung in der Fun-Kategorie der Zürcher Klettermeisterschaft im 6aplus. Denn als Coach und Helfer war mein Einsatz an diesem Event bereits gebucht, bei der letzten Durchführung vor 2 Jahren ging ich als Kategoriensieger nach Hause und so brannte ich auch dieses Mal dafür, das Maximum herauszuholen.

*Hinweis: alles Fotos in diesem Beitrag sind von Peter Huser / Kletterhalle Winterthur - vielen Dank!

Alles geben, 100% Fokus und Entschlossenheit - das Bild könnte es nicht besser zeigen!

Das war gar nicht einmal so einfach. Erst amtete ich als Judge für die Quali der Elite-Kategorien, besichtigte mit Larina ihre Routen und sorgte dafür, dass sie so gut wie möglich für ihre Einsätze parat war. Das hiess konkret, ab 8.15 Uhr morgens eigentlich keine freie Minute mehr zu haben, bis ich mich ab 14.00 Uhr doch noch um die eigene Kletterei sorgen konnte. Es hiess, in den verbleibenden knapp 2 Stunden die 10 Quali-Routen mit Schwierigkeiten von 5b-7c+ zu absolvieren. Ein dicht gedrängtes Programm und ohne zu rushen ging dies nicht. Klar, die ersten drei, vier einfacheren Touren gingen zum Aufwärmen her und in Minutenschnelle weg, aber oben raus hatten die Schrauber doch auch noch einige pumpige Herausforderungen für uns kreiert, konkret 2x7a, 1x 7a+, 1x 7b und 1x 7c+. Doch ich war auf der Höhe der Sache und konnte alle Qualirouten toppen, insbesondere der Onsight in der schwarzen, technisch-kniffligen 7c+ mit den vielen Volumen war einfach megacool. So hatte ich als Qualisieger für das Finale schon einmal den Countback-Bonus auf meiner Seite. 

Kathrin ist eben in ihre Finalroute mit den violetten Donuts gestartet.

Tja, die Geschichte vom Finale ist dann schnell erzählt. Es galt, eine pumpig-athletische 7c, eine richtig typische Wettkampfroute zu meistern. Die Frische war nach dem happigen Qualiprogramm nicht ganz erstaunlicherweise schon vor dem Start in den Höhepunkt aus meinen Adern entschwunden, aber dass ich schon auf zweidrittel Höhe bei einem harten Untergriffzug abgeworfen wurde, war für mein persönliches Gusto trotzdem enttäuschend. Zwar war diese Vorstellung gut genug, um den Wettkampf trotzdem auf Platz 1 zu beenden - aber wie sagt man doch so schön: "gut genug ist weder das eine noch das andere". Jedenfalls, den Flow, den harten Fight gegen den Pump und die Top-Performance wenn es zählt hatte ich hier gar nicht gefunden - und genau diese Emotionen sind der Grund teilzunehmen, nicht etwa Ruhm & Ehre beim Gang aufs Podest.

Body Tensiooooon - oder mit anderen Worten, so geht Reichweite!

Nun ja, ich will, soll, darf jetzt nicht zu fest lamentieren. Aber es war wieder einmal eine Lektion gewesen. Klar, der Move von diesem seichten Untergriff mit extrem hohen Tritten war für meine Körperlänge ungünstig und hart. Natürlich war es a priori vernünftig, auf die offensichtliche Standard-Beta zu setzen... aber hätte ich nicht doch schon im Vornhinein spüren können, dass der Move so für mich nicht durchführbar ist?!? Ja, dieser Instinkt ist im Wettkampfgenre (wie auch beim harten Onsighten am Fels!) unabdingbar, denn in Routen am persönlichen Limit bleibt keine Zeit zum hin-und-her Probieren oder Studieren, sondern der Entscheid muss sofort fallen und passen. Unter höchstem Druck und Pump im Hier und Jetzt perfekt zu klettern und die optimale Beta zu finden ist der Ansporn - welch eine Challenge, aber was für eine interessante Betätigung - just loving it!

Podest Damen & Herren Fun

Während Jerome beim Skispringen war, performten meine beiden Damen sehr gut! Kathrin konnte bis auf die schwierigsten beiden sämtliche Qualirouten toppen. Auch ihre Begehung im Finale war tipptopp, Rang 3 schliesslich das Resultat - bravo und herzliche Gratulation! Auf Larina wartete noch härtere Konkurrenz als im Griffig, war doch die nationale Elite breit(er) am Start. Aber sie hat in den letzten Monaten solche enormen Fortschritte gemacht, dass sie mit solchen Challenges umgehen kann. Von den 3 Qualirouten gelangen 2 perfekt und eine immer noch sehr gut, so dass sie vom dritten Rang ins Finale gehen konnte. Voller Feuer und Energie stieg sie da ein, am Ende der Kräfte dann kühn weiter, genau so wie man es an einem Wettkampf machen muss. Was dann folgte, war dann aber nicht wie aus dem Lehrbuch - viel zu hart gesichert gab's einen heftigen Anprall auf die Wand, was mit Tränen, Schürfungen und Prellungen endete :-/ Naja, zum Glück nichts Schlimmeres passiert... Mir ist schon klar, wie schwierig es ist, genügend Sicherungspersonal für einen Wettkampf zu rekrutieren. Und leichte Kids gut zu sichern ist ein Task, für den es viel Erfahrung, Gefühl und Verstand bedarf. Aber ich finde, an einem Wettkampf muss man dies erwarten dürfen, da müssen die Athletinnen einfach ohne jeden Hintergedanken voll angreifen können und aus jeder Lage sanft abgefangen werden.

Podest U14 Boys & Girls.

Der harte Sturz war ein Wermutstropfen, die Tränen und Schmerzen konnten aber mit dem Gang aufs Podest vergessen gemacht werden. Der dritte Platz war es schliesslich in der Endabrechnung, für ganz nach vorne hätte es nicht viel mehr gebraucht - ein super Erfolg und hervorragend gekämpft, Larina! Um den erlebnisreichen Tag noch abzurunden, gab es nachher noch gemütliches Beisammensein zum Znacht, Spiel und Spass in der inzwischen (fast) leeren Halle. So wurde es schliesslich 22.30 Uhr, bis wir sie wieder verliessen und schon fast eine Nightsession, bis ich den schweren Sack für das dieses Jahr zur Tradition werdende After-ZKM-Bohrabenteuer packen konnte - notabene mit einem "Gegner" vom Wettkampf. Vielen herzlichen Dank ans Regionalzentrum Zürich fürs Organisieren des Wettkampfs, dem Team vom 6aplus um Damaris und Simon für die genialen Routen, das feine Essen, die schönen Preise und das ganze Drumherum und natürlich allen die dabei waren für die Kameradschaft und die guten Klettervibes - es hat einfach gfägt, was für ein toller Tag.