- -

Dienstag, 9. November 2021

Ski & Fly Vilan (2376m)

Die Geschichte von dieser Tour beginnt eigentlich schon am Vorabend, mit dem Boulder-Contest zum 10-jährigen Jubiläum vom Grindelboulder. Es ist ja bekannt, wie sehr ich diese Events liebe, wegen Corona gab's zuletzt nicht mehr oft die Möglichkeit sowas zu machen und wieder einmal bei Flow vorbeizugehen um zu gratulieren war sowieso angezeigt. So war ich dann am Folgetag, nach dem Versuchen von 36 Bouldern, dem erfolgreichen bewältigen von deren 29 und einem 3. Platz unter ~60 Teilnehmenden (zu) gut bedient, um nochmals klettern zu gehen. Die alten Knochen brauchen schliesslich die nötige Erholungszeit, nachdem frischer Schnee gefallen war und ein exzellenter Bergtag prognostiziert wurde, sollte es auf eine eher läuferisch orientierte Tour gehen.

Sommer meets Winter, das war definitiv das Motto dieser Tour!

Während wir uns bewusst waren, dass man tiefer in den Alpen womöglich eine üppigere Schneedecke angetroffen hätte, so entschieden wir uns schliesslich doch für die Tour an der Eintrittspforte zum Bündnerland. Denn sowieso führten wir den Gleitschirm als Joker mit und würden uns in die Luft schwingen, sofern die Verhältnisse kein genussvolles Skifahren zuliessen. Als wir um 9.20 Uhr bei der Kirche in Seewis (ca. 940m) losliefen, hatte es vorerst einmal gar keinen Schnee, also kamen die Bretter an den Rucksack. Webcams sei dank war es aber glasklar, dass sich dies bald einmal ändern wurde. Tatsächlich waren die Wiesen bei P.1116 weiss überzuckert, so dass wir mit den Fellen über die glatten Wiesen aufsteigen konnten.

Wunderbar, das Ambiente im frisch verschneiten Prättigau - und wir ganz alleine unterwegs!

Auf der Normalroute ging's hinauf, schon bald einmal hatten wir mit Stollenbildung zu kämpfen. Naja, damit war zu rechnen, denn der Wechsel von angefeuchtetem Schnee auf knapp bedecktem Untergrund auf eiskalten Pulver in schattigeren Abschnitten ist einfach ungünstig. Mit ein paar Abkratz-Aktionen ging's aber schon. Bei den Hütten der Sadreinaegg legten wir eine gütliche Verpflegungspause ein und genossen die sonnige Wärme, bevor es über den Ostgrat dem Gipfel entgegen ging. Wie bekannt ist dieser zum Abfahren wenig geeignet, der Aufstieg ist aber sehr aussichtsreich und genussvoll - wie erwartet waren wir auch ganz alleine unterwegs am Berg. Nach nochmals strenger Spurarbeit wegen klebrigem Schnee erreichten wir schliesslich ein paar Minuten vor 13.00 Uhr und damit nach doch erst rund 3:30 Stunden Aufstieg das Top.

Parat zum Abflug, direkt vom Gipfel.

Das Ambiente war fantastisch, Aussicht auf alle Seiten, wohlige Wärme und so gut wie kein Wind. Solche Gipfelaufenthalte nähmen wir in der kommenden Saison gerne öfter! Zwar hätte man sich wenn nötig wohl schon irgendwie skifahrend zurück ins Tal würgen können. Es war aber offensichtlich, dass es noch zu wenig Schnee für genussvolles, spassiges Skifahren hatte. Weil auch die Situation am Gipfel perfekt für einen Start passte, mussten wir nicht lange werweissen, wie vorzugehen wäre. Das Tuch wurde daselbst drapiert, die Bretter angeschnallt und aussichtsreich zu Tale nach Grüsch geflogen. Ein Genussflug par excellence! Und dank dem herzlich verdankenswerten Einsatz von meinen Tourenpartner Urs und seinem Video (YouTube-Link) lässt sich nun auch die Frage beantworten, wie man mit den Ski auf den grünen Wiesen im Tal landet... wer einen Kuhfladen trifft, beim dem gleitet es noch ein wenig besser, aber es geht auch sonst ohne Köpfler :-)



Mittwoch, 3. November 2021

Valaschga Hochwand - Sunset Boulevard (7a+)

Die mit knapp 350m Höhe auftrumpfende Hochwand bei Flums im Seeztal hatte ich schon im 2008 für die Route Leistenbruch (12 SL, 7a+) besucht. Sie bietet mit der Sunset Boulevard (11 SL, 7a+) eine weitere sehr interessante Route, die mit einer längeren Erschliessungsgeschichte aufwarten kann. Bereits in den 1980er-Jahren wagte Fredy Tischhauser mit Alex Hug einen ersten Vorstoss, der bis in Wandmitte führte. Im 1999 wurde die Route dann bis zum Top erschlossen, dies mit teils neuer Linienführung im unteren Wandteil. Leider führte der Verlauf teils durch Gelände, welches oft nass und schmutzig ist. Im Sommer 2021 sanierten Fredy Tischhauser und Eugen Huber die Route komplett mit Inoxmaterial und erschlossen 2.5 neue Seillängen, welche die nässeanfälligen Sektionen vermeiden. Soweit mir bekannt ist, gab es bis dato keine Rotpunktbegehung dieser neuen Teilstücke und somit eine sehr interessante Challenge für einen föhnigen Herbsttag.


Die herbstliche Jahreszeit eignet sich sicherlich am besten für die Hochwand - im Frühling während der Schneeschmelze drückt meist die Nässe, im Sommer ist es schlicht zu heiss, doch bei tiefstehender Sonne, nach Trockenperioden und natürlich wenn in höheren Lagen schon der erste Schnee die Kletterei beeinträchtigt sind die Bedingungen für einen Versuch gegeben. Wir kurvten auf der schmalen Bergstrasse von Berschis bis zum Parkplatz (ca. 870m) beim Taxautomaten. Nach unserer Interpretation muss man fürs Abstellen dort noch keinen Obulus löhnen, aber dieser Aspekt war sowieso hypothetisch, da das Gerät saisonbedingt bereits in den Winterschlaf versetzt worden war. Um 10.20 Uhr liefen wir los, man geht 150m über die Asphaltstrasse zu P.896, nimmt dort den Kiesweg für ein paar Hundert Meter und leicht absteigend nach Osten. Nachdem man den dritten Bachlauf überquert hat, beginnt ca. 25m weiter am lokal tiefsten Punkt der Strasse eine schwache Wegspur, die in wenigen Minuten zur Wand führt. Der Einstieg zu Sunset Boulevard ist nicht näher bezeichnet, er befindet sich unmittelbar links vom Bachlauf, die ersten BH sind gut zu erkennen. Nachdem wir uns aufgeschirrt hatten, stiegen wir um ca. 10.45 Uhr (Sommerzeit) ein, die Sonne rückte eben gerade um die Ecke. 

Ambiente mit Blick auf die Paschga, den Walensee und die Churfirsten.
L1, 50m, 5c+: Die ersten Meter sind noch etwas schmutzig und könnten ob dem glatten Fels schwierig sein, interessante Strukturen erlauben aber gutes Fortkommen. Später tendiert man vom Wasserlauf nach links weg und trifft somit auf schöneren und sauberen Fels. Über ein paar Aufschwünge hinweg, die gar nicht mal alle völlig trivial sind, erreicht man schliesslich ein breites, geröllbedecktes Band mit dem Standplatz.

L2, 50m, 5c: Ähnlich wie im oberen Teil der ersten Länge geht's weiter - an sich nicht mega schwierig, aber es ist doch immer wieder einmal ein Kletterzug gefordert, der ein wenig Nachdenken über die richtige Lösung erfordert. Das gilt erst recht für das Finish in schon recht kompaktem Gelände zum Standplatz hinauf. Dieser steckt hoch und glänzt nicht mit Bequemlichkeit - dafür geht's so halt eben gut auf mit den Seillängen im unteren Teil.

Schöne Kletterei in L2 (5c), auch wenn da und dort etwas Gras spriesst.
L3, 45m, 7a: So richtig aufgewärmt ist man an dieser Stelle noch nicht, aber nun geht's richtig los. Schon gleich am ersten Haken ist es glatt und die offensichtlich rettenden Griffe weit entfernt. Wohl unabhängig von der Körpergrösse wird ein jeder überstreckt nach ihnen tasten. Ein paar zugänglichere Schritte bringen einen an die Crux beim dritten Bolt. Da heisst es überzeugt auf kleinen Noppen auf etwas glattem Fels antreten, zudem glänzt der nächste Haken erst in der Ferne. Letzteres ist insofern unproblematisch, als man bald wieder griffiges Gestein in die Finger bekommt. Im Mittelteil der Länge will dann ein Wulst mit kleinem Dach geentert werden. Dank ein paar vorzüglichen Schwarten geht das aber gut Im Bereich 6a+ von der Hand, der Abschluss in gestuftem Gelände macht auch keine Schwierigkeiten mehr. Subjektiv empfand ich die Crux dieser Länge als eine der schwersten Stellen der Route - ob dem auch wirklich so ist oder ob ich nachher einfach besser im Fluss war, ist nun verdammt schwierig zu sagen.

L4, 50m, 5c+: Die Backsteinwand! Der Fels ist hier auffällig quer gebändert, von Weitem könnte man brüchiges Gestein vermuten. Doch während nicht alles bombenfest ist, so spielt sich das doch komplett in Minne ab und es macht Spass, an dieser ausgesetzten Mauer zu klettern. Das darf man auch ziemlich luftig zwischen den Bolts tun. Zu erwähnen ist, dass unsere 50m-Seile gerade eben so für diese Länge ausreichten - bei schon stärker geschrumpften Stricken könnte man aber problemlos schon etwas nachsteigen.

Ein imposantes Gemäuer wartet in L4, mit einer 5c+ aber erstaunlich einfach zu klettern!
L5, 45m, 6b: Links um die Ecke geht's und vorerst in weiterem Backsteingelände aufwärts. Die Neigung legt sich hier etwas zurück, der Fels ist fester und die Fugen tiefer. In solche habe ich noch die Cams 0.3 und 0.4 platziert, es waren die einzigen mobilen Sicherungen, die wir auf der Route als gewinnbringend empfanden (mit etwas Kühnheit ginge es auch ohne). Man erreicht dann den Umkehrstand aus den 1980ern und kurz darauf zweigt die neue Variante von 2021 linkshaltend von der Linie von 1999 ab. Gleich zu Beginn wartet eine knifflige Querung an einer kleinen Reibungsrampe, dann geht's in schönem, rauem Gestein aufwärts - dort wo kein BH mehr sichtbar ist, einfach auf der logisch-gängigsten Linie Richtung 11 Uhr steigen und übers Dächlein hinweg, wo nochmals eine Zwischensicherung und bald der Stand folgen.

Auch der Anfang von L5 (6b) verläuft im horizontal geschichteten Fels...
...das Ende von L5 (6b) dann in schönem, kompakt-plattigem Gelände, im 2021 neu erschlossen.
L6, 20m, 6c/+: Da war sie jetzt also nun, eine der neuen Sequenzen mit noch unbekannter Schwierigkeit! Mit der Motivation, ihr einen guten Fight zu bieten stieg ich los. Es folgt eine deutliche, noch eher technisch gestrickte Rechtsquerung, dann geht's athletisch an Seit- und Untergriffen über eine Steilpassage und schliesslich mit weiten Zügen an guten Griffen in kompaktem Gelände hoch. Am Ende war es klettertechnisch gar nicht mal so schwierig (wir schätzen im Bereich 6c/+) und es gelang mir ziemlich souverän onsight - trotzdem war die Aufgabe schwieriger, wie man meinen könnte! Einerseits macht das praktisch jungfräuliche Gelände, andererseits vor allem die fehlende Bewertung schon einen Unterschied! Schliesslich gibt es beim Klettern auch das 'Mental Game' zu berücksichtigen. Bei einer bewerteten und im machbaren Bereich eingestuften Seillänge steigt man mit einer klaren Erwartungshaltung und der Überzeugung los, es schaffen zu können. Das war hier ganz anders, es war einzig klar, dass die Länge bisher nicht gepunktet wurde und daher potenziell (sehr) schwierig - und so geht man eben ganz anders an die Sache ran und selbst eine fürs persönliche Können nicht extrem harte Seillänge wird zur Herausforderung, zumindest im mentalen Bereich.

Auch L6 (6c/+) ist eine neue Seillänge. Sie bietet zuerst eine technische Querung, dann geht's an Untergriffen über den Wulst beim Kletterer hinweg...
...am Ende warten in L6 (6c/+) kräftig-weite Züge in steilem Gelände an guten Griffen.
L7, 50m, 7a: Genau dasselbe Schicksal blühte mir auf dem nächsten Abschnitt gleich noch einmal. Aber inzwischen hatte ich schon etwas an Fahrt aufgenommen und so konnte ich auch dieser Sequenz im Onsight die erste freie Begehung abluchsen. Unschwierig geht's nach links hoch, bis eine kompakte Wandzone fordernde Moves bietet. Mit 2-3x überzeugt "spitzig" auf Gegendruck antreten waren die rettenden Griffe erreicht. Zugänglicher ging's weiter, der Weiterweg bietet eine fast horizontale Querung nach rechts. Eine kompakte Plattenzone wartet dann mit einer zweiten Crux auf. Von Untergriffschuppen heisst es, Druck auf die Füsse zu bringen und sich dann nach rechts zu tauglichen Slopern zu retten und zu manteln - eine Stelle, wo meine Körpergrösse für einmal vermutlich eher vorteilhaft als hinderlich war (wie immer schwierig zu sagen...). Das Finish dann cool und einfacher in prima Fels am Pfeiler - man muss allerdings (auch schon vorher) geschickt verlängern, damit man hier ohne übermässigen Seilzug klettern kann. Hier am Stand trifft man wieder mit der Linie von 1999 zusammen und klettert über diese zum Top.

Annäherung an die erste Crux in L7 (7a)...
Rückblick auf das schöne Finish von L7 (7a), einige Sicherungen muss man grosszügig verlängern!
L8, 40m, 6a+: Hinauf über eine erste Stufe, am nächsten Pfeilerkopf lockt einen eng gehaltene Absicherung auf eine Linie in sehr schönen, zerfressenen und wasserrilligen Fels, das ist Top! Die Fortsetzung der Länge in gestuftem und teils auch etwas grasigem Gelände ist dann nicht mehr ganz so genussvoll, aber in Absenz von Schwierigkeiten auch zügig erledigt.

L9, 50m, 5b: Im Gehgelände über ein paar Stufen hinweg muss man die Fortsetzung der Route eher links drüben suchen gehen. Darauf folgen nochmals 20m in ähnlich grasigem und nicht ganz so solidem, aber dafür einfachem Gelände. Weiter oben wird der Fels wieder kompakter, die Kletterei schöner und auch schwieriger, insbesondere die letzten Moves in den Stand.

Unterwegs in L9 (5b), deren erste Hälfte noch etwas durchzogen ist, aber im zweiten Teil folgen noch schöne Moves. Ebenso sieht man (grosso Modo oberhalb vom Kletterer) die Fortsetzung der Route bis zum Top. Wie man auf dem Foto erahnen kann, ist im Frühling und nach Nässeperioden dieser ganze Wandbereich unmittelbar neben oder je nachdem auch auf der Route grossflächig nass. Der Herbst ist daher die beste Jahreszeit für die Hochwand!
L10, 50m, 7a: Der Auftakt überquert nach links eine Zone mit blau-weissem Belag, bei Nässe könnte das eine schmierige Affäre sein! Da ist's aber grundsätzlich noch unschwierig, was auch für den folgenden, griffigen Wulst gilt. So gelangt man aber in die grosse, plattige Wand. Diese bietet anhaltende Reibungskletterei in tollem Fels, wirklich sehr schön! Des Öfteren muss man mutig antreten, eine ganz so verzweifelt schwierige, fusstechnische Stelle wie in L3 konnten wir aber nicht wahrnehmen - vielleicht war aber auch nur das Reibungsempfinden inzwischen besser kalibriert. Aufgrund der Länge und der etwas mäandrierenden Linie muss man hier aufpassen, dass man sich die Sache nicht aufgrund von Seilzug schwieriger macht, wie sie ist.

L11, 25m, 7a+: Das letzte Pièce de Resistance ist mit einer leicht überhängenden Wand mit rauem Fels gegeben. Erst geht's einer griffigen Rippe entlang, die sie noch ein wenig splittrig anfühlt. Nachher wird der Fels dann aber richtig cool mit scharfen Leisten und ein paar überraschenden Henkeln. Ein paar entschlossene, kräftige Moves sind da nötig und auch etwas Grips, um eine funktionierende Beta zu zimmern. Das gelang mir nicht immer auf Anhieb perfekt, doch zum Glück waren noch genügend Reserven da, um alles sauber zu entschlüsseln. Äusserst froh war ich aber dennoch, als ich die letzten Henkel in die Finger kriegte und mich mit schwindenden Kräften aber dem Onsight in der Tasche um die Kante wuchten konnte. Der Abschlussstand liegt knapp unterhalb der Kante im Steilgelände. Man kann dort entweder eher unbequem nachnehmen; gleich umlenken und den Nachsteiger ab Stand 10 im Toprope sichern; oder unsere Alternative, im flachen Gelände oberhalb der Wand an einem Baum sichern.

Ausblick auf L11 (7a+), welche auf diesem Foto banaler, flacher und kürzer aussieht, als sie in Realität ist. Denn ab der Position vom Kletterer heisst es nun definitiv zupacken, um den Ausstieg zu erreichen werden nämlich schon noch ein paar athletische Moves abgefragt.
Um 16.00 Uhr und somit nach 5:15 Stunden Kletterei hatten wir die Mission mit der Befreiung der neuen Variante vom Sunset Boulevard erfüllt! Das war nun richtig genial gewesen - trotz gewissen Zweifeln im Vorfeld lief es mit der Kletterei rund. Und während man aufgrund der Prognosen einen grauen, windigen und kühlen Tag hätte fürchten können, genossen wir wohlige Wärme und tolle Landschaftsblicke bei schon fast psychedelischem Wolkenbild. Bewusst war uns aber, dass dies wohl eine (wenn nicht die, die Zukunft wird es zeigen) längere MSL-Tour der Saison war, umso mehr sogen wir die tolle Stimmung am Top auf. Doch schliesslich riefen die (Familien)pflichten und es hiess abseilen. Das erste Manöver vollzogen wir an einem Baum, das Seil liess sich von da problemloser abziehen wie wir gefürchtet hatten. Dank nahezu immer 50m messenden Seillängen, dem steilen und wenig seilfressenden Fels ging's zügig zum Einstieg und von da war es ja auch nicht weit zurück zum Automobil, wo sich um 17.30 Uhr der Kreis schloss. Wenn's tatsächlich das Schlussbouquet zur MSL-Saison 2021 gewesen sein sollte, so war es auf jeden Fall ein ganz tolles!

Finito Lavori bei meinem treuen Begleiter in der Outdoorsaison 2021! Ja, das Loch ist auf dieser Tour entstanden... wo man ja schon öfters heftig auf Reibung antreten muss. Und es passiert immer dann, wenn mir die Schuhe am besten passen: gut eingetragen, weich & flexibel, mit schön dünner Sohle um jede Unebenheit auf der Unterlage zu erfühlen. Und natürlich kriegen die jetzt schon ein zweites Leben, werden aber nur noch auf einfacheren MSL und zum Indoorklettern eingesetzt.

Facts

Valaschga Hochwand - Sunset Boulevard 7a+ (6b obl) - 11 SL, 480m - F. Tischhauser et al. 1985-2021 - ***;xxx-xxxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express (davon 4-6 verlängerbare), evtl. Cams 0.3-0.5

Lange, alpin angehauchte, abwechslungsreiche MSL-Kletterei an einer sonnigen Wand in tiefer Lage, ideal für Spätherbst und Frühwinter. Zusammen mit der guten Erreichbarkeit und dem kurzen Zustieg ein ziemliches Unikat in der Ostschweiz. Die Kletterei verläuft fast durchgehend in solidem Fels. In den einfacheren Seillängen spriesst da und dort etwas Gras und es gibt geröllbedeckte Bänder, in den schwierigen Abschnitten führt die Route durch plattig-kompaktes Gelände. Gutes Können auf Reibung hilft dort weiter, es gibt aber auch athletische Abschnitte zu bewältigen. Teilweise führt die Route durch oder nahe einer Zone, die im Frühjahr und nach Nässeperioden ein Wasserlauf ist, d.h. dass man vereinzelt auf etwas Schmutzbelag treffen kann. Das soll aber keine schlechte Werbung für die Route sein, deren Erlebniswert auf jeden Fall gegeben ist! Die 2.5 neuen Seillängen aus dem 2021 sowie die Sanierung der zuvor teils kolossal rostigen Haken werten die Route auf jeden Fall stark auf und entschärfen das Problem der Nässeanfälligkeit auch sehr. Die Absicherung ist gut bis sehr gut, konkret ist auf den 5er-Längen durchaus luftiges Steigen angesagt (xxx), im 6er-Bereich gibt's prima MSL-Absicherung (xxxx), während die Schlüsselstellen (z.B. L7, L11) noch engere Abstände aufweisen. Wir haben nur gerade am Anfang von L5 zwei Cams (0.3, 0.4) gelegt, sonst drängte sich dies nirgendwo auf. Das Topo zur Route hat Fredy gezeichnet und nach unserer Befreiung mit den Bewertungsvorschlägen aufdatiert. Vielen herzlichen Dank für deinen Einsatz am Fels und vor dem Computer!

Freitag, 22. Oktober 2021

Rätikon - Lanciamira (17 SL, 6c, Erstbegehung)

Lanciamira, das grosse Projekt von Larina & Marcel am Drusenfluh Westgipfel im Rätikon! Alles begann mit der Vision, in dieser riesigen Wand eine Route einzurichten. Auf mein Werweissen am Mittagstisch, wer für dieses Vorhaben wohl die richtige Begleitung wäre, kam die Antwort von Larina wie aus der Pistole geschossen: "ich komme mit dir mit!". Normalerweise würde man da einem Kind für das Angebot danken, ihm dann aber erklären, dass so etwas nicht realistisch ist. Aber so bin ich nicht gestrickt, mit Passion, Motivation und Hingabe ist vieles möglich und es gibt vor allem einen grossen Fehler im Leben, nämlich sich die Grenzen zu eng zu setzen. So dauerte es nicht lange, bis wir das erste Mal gemeinsam ("aber nur wir zwei!") ins Rätikon aufbrachen. Die langen und anstrengenden Tage verabreichten wir uns danach in vernünftigen Dosen, sprich 1-2x pro Jahr. So behielten wir immer die Motivation für das Projekt und freuten uns auf den nächsten Besuch. Wobei man sagen muss, dass die entscheidenden Faktoren auch nicht viel öfter zusammengepasst hätten. Wir stiegen jeweils von unten in die Route ein und kletterten bis zum Vortriebspunkt, was natürlich immer länger und länger dauerte - dafür mit dem Klettern vieler toller Seillängen vergütet wurde. Summa summarum dauerte es schliesslich 5 Saisons für die insgesamt 7 Tage Erschliessungstätigkeit und der Krönung mit dem kompletten Rotpunkt-Durchstieg, wo dann nach zähen Verhandlungen auch die Mama mit dabei sein durfte. Nun können wir glücklich und stolz unser Werk präsentieren.





Zufahrt

Auf steiler Bergstrasse von Schiers nach Schuders, am Parkplatz vor dem Ort muss seit Sommer 2021 die Taxe für den Alpweg zum Grüscher Älpli per QR-Code bezahlt werden (Apps Twint oder Parkingpay nötig, 10 CHF für 1 Tag oder 40 CHF für 1 Monat). Eine gute Alternative ist es, die raue Naturstrasse per E-Bike zurückzulegen, was einem neben der Gebühr auch die Parkplatzsorgen erspart. Laut Abmachung dürfen während der Alpzeit (Anfang Juni bis Ende September) Fahrzeuge nur auf dem eingezäunten Platz unter dem Kletterhüttli abgestellt werden. Je nach Disziplin der Besucher ist genügend Raum für 6-8 Autos vorhanden. Man sei sich auch bewusst, dass der Alpweg ab Schuders mit einem offiziellen Fahrverbot belegt ist. Dessen Missachtung wurde bis dato von den Behörden toleriert, dies unter der Auflage, dass die Regeln (v.a. Taxe und Parkplatz) beachtet werden.



Zustieg

Vom Parkplatz weiter der Strasse entlang zum Melkplatz (P.1745, Bikedepot). Ab hier seien 3 Optionen erwähnt, wie man in Sichtweite der Wand gelangen kann. 1) auf dem markierten Weg Richtung Kirchlispitzen, dann ab dem Pardutzbödeli auf dem Prättigauer Höhenweg nach rechts; 2) vom Melkplatz weiter dem Alpweg zum Stall beim Heidbüel folgen und von dort auf schwachen Wegspuren zum Prättigauer Höhenweg oder die beste und schnellste Option 3) vom Melkplatz nur kurz dem Alpweg Richtung Heidbüel entlang, dann aber direkt in weglosem Gelände zum Höhenweg - am Beginn muss durch einige Büsche navigiert werden, bald ist das Terrain prima begehbar. Man verlässt den Prättigauer Höhenweg bei allen 3 Optionen an derselben Stelle, folgt einem Wiesenrücken und steigt erst links der Geröllreisse auf. Man überquert diese, um rechts davon über Wiesen und grossblockiges Geröll weiter an Höhe zu gewinnen. Schliesslich nach links zum Kamm der markanten Runse halten. Diese ist oft nicht einfach zu überqueren, am besten geht es in der Regel am tiefsten Punkt, wo auf den Wandvorbau gewechselt werden kann. Nun links der Runse auf dem nackten, geneigten Fels hinauf und schliesslich auf dem untersten, gut begehbaren Band noch ca. 50m nach links zum Einstieg queren (Anschrift, BH mit Seilschlinge). Dieser befindet sich exakt genau da, wo auf der CH-Landeskarte die 'Schüsshöli' vermerkt ist... das muss übrigens ein Fehler sein, denn eine Höhle gibt's da definitiv keine. Aber natürlich ist es sehr nett von Swisstopo, unseren Einstieg so klar auf der Karte vermerkt zu haben. Vom Parkplatz sind es gerade gut 600hm, für welche wir am Tag der RP-Begehung 1:15h brauchten.

Der Zustieg ist perfekt mit Steinmännern markiert... sofern sie noch da sind ;-)

Hier geht's los :-)

Das Wandbild mit dem Routenverlauf hilft sicher auch, den Einstieg zu finden.

Route

Die Lanciamira beginnt am tiefsten möglichen bzw. sinnvollen Punkt in diesem Wandteil (ohne Vorbau), die benachbarten Routen Mangold, Felsprinzessin und Schwarzer Diamant beginnen alle erst höher oben und erfordern die Begehung von steilerem Schrofengelände, das wir uns lieber ersparen wollten. Es ist möglich, von rechts her über ein höheres Band zu Stand 1 zu kraxeln oder die ersten 4 Seillängen weiträumig an den Einstiegen von Mauerläufer und Schwarzer Diamant vorbei rechts zu umgehen (T5,II). Die 4 eher plattigen Längen zu Beginn sind aber ideal zum Angewöhnen und verlaufen zum grössten Teil in perfekt rauem Rätikonfels, so dass es schade wäre sie auszulassen.

L1, 30m, 5a, 3 BH: Griffiges Gelände, Wasserrillen und ein Aufschwung zum Schluss
L2, 40m, 5c, 5 BH: Einfacher Auftakt zu schönen Platten mit feinen Wasserrillen und Struktur
L3, 30m, 6b, 5 BH: Schwieriger Steilwulst, dann schöne Linksquerung und griffiger Ausstieg
L4, 45m, 5c, 5 BH: Erst über die Platte links, kurz durchs Gras, dann super wasserzerfressener Fels

Unterwegs in L2 (5c), mit noch einem sehr langen Weiterweg vor sich!
Larina folgt auf der feinen Platte in L2 (5c), das Foto von 2019.
Am Anfang von L4 (5c) sucht die Route erst den Fels linksherum, ist dann kurz etwas grasig, findet dann aber wieder perfektes, rau-griffiges Gestein. Den Punkt oberhalb des Kletterers, d.h. den Beginn von L5 kann man auch von rechts her einquerend über etwas heikle Schrofenkletterei erreichen. Natürlich empfehlen wir, die komplette Route von ganz unten zu begehen!

Die folgenden 4 Seillängen führen in steilplattiger Kletterei in vielfach perfektem Rätikonfels hinauf auf das grosse Band. Die Lanciamira verläuft hier rechts der Mangold, deren berüchtigte zweite Seillänge auf der Höhe von unserem Stand 4 beginnt.

L5, 35m, 6c, 8 BH: Erst Steilplattenkletterei mit Leisten, Seit- und Untergriffen, einfacheres Finish
L6, 40m, 6a, 5 BH: Gemütlicher Beginn, zum Schluss steileres aber sehr henkliges Gelände
L7, 50m, 6a+, 8 BH: Sehr schöne und anhaltende Wandkletter-Seillänge in perfektem Fels
L8, 50m, 5a, 3 BH: An Wasserrillen aufwärts, dann rechtshaltende Querung über das Geröllband

Nachstieg in L5 (6c), welche mit einer fordernden Steilplattenstelle aufwartet (Foto von 2020).
Prima griffiger Fels und sehr genussvolle Kletterei in L6 (6a, Foto von 2019)
Larina und Kathrin folgen in L7 (6a+), die mit hervorragend wasserzerfressenem Fels aufwartet!
Nach schönen Wasserrillen quert man in L8 (5a) übers Geröllband nach rechts.

Wichtig ist es, beim zweiten BH in L8 markant und mehr oder weniger horizontal nach rechts zu queren (Richtung 14 Uhr, aufgemalter Pfeil) und nicht über Schrofen und Geröll hinauf zur oberen Wand zu steigen, obwohl dort ein (von uns eingerichteter Abseil)stand sichtbar ist. Der nächste Routenabschnitt führt über Steilplatten mit einzelnen Aufschwüngen an die Schlusswand heran. Die Schwierigkeiten dieser Seillängen sind alle um +/- 6b herum.

L9, 30m, 6a+, 4 BH: Prima mit etwas unübersichtlichem Wulst und nicht geschenkter Platte.
L10, 30m, 6b, 5 BH: Steil-griffiger Auftakt, dann Steilplatte und stumpfe Wasserrillen, super!
L11, 40m, 6b, 6 BH: Steilplattenkletterei an Slopern, geniale Wasserrillen, steile Schlusswand

Mit den immer wieder bequemen Standplätzen auf Bändern ist die Route in dieser Zone nicht so fotogen im Rückblick. Daher beschränken wir uns hier auf einen Shot aus L11 (6b), wo man Kathrin in der steilen und genial zu kletternden Schlusswand sieht.

Ab L12 geht's nun deutlich steiler in die Höhe. Der meist stark wasserzerfressene Fels trumpft aber mit Tropflöchern und rauen Henkeln auf, so dass die Schwierigkeiten im überschaubaren Rahmen bleiben. Trotzdem werden die Unterarme hier nun klar mehr gefordert. Und das alles führt unweigerlich unter das grosse, sperrende Dach hinauf... würde es hier wohl einen Ausweg geben?!? Ja, das haben wir uns im Laufe der Erschliessung auch 1000x gefragt. Denn da die Schwachstellen links und rechts bereits besetzt waren, blieb uns nur der Weg direkt darüber hinweg. Und ja, das Dach ist dank grob strukturiertem Fels in freier Kletterei machbar - eine spannende Boulderpassage für fitte Athlet*innen an Untergriffen, Slopern und Leisten, wo das Trick-Repertoire von den Blöcken und aus der Halle eingesetzt werden kann. Ich vermute, dass die meisten Begeher aber dankbar dafür sind, diese Stelle im Modus 2pa mit Hakenhilfe zu begehen. Es tut der Sache keinen Abbruch und ist eine spektakulär luftige Passage! 

L12, 30m, 6b, 6 BH: Linksherum über den Pfeiler zu Goldstreifen mit steil-griffiger Kletterei
L13, 35m, 6b+, 6 BH: Wandkletterei in super Fels, dann athletisch am Turm mit super Tropflochfels
L14, 30m, 6c, 7 BH: Erst scharfe Allegro-Wandkletterei, dann einfacher unter das Dach hinauf
L15, 20m, 6c 2pa oder 7b+, 5 BH: Das Rätikon-Dach! Luftiger Boulder oder Griff zum Haken

Der Autor unterwegs im Goldstreifen von L12 (6b).
Der Stand nach L12 (6b) bietet sich an, sei es für eine Pause oder auch für ein Biwak ;-)
Die Seillänge auf den Turm (L13, 6b+) ist absolut fantastisch zu klettern!
Hier ein Rückblick auf den tollen Fels am Turm von L13 (6b+).
Am Anfang von L14 (6c) ist der Fels scharf & crimpy, dafür am Ende dann rund und ausgewaschen.

Nach dem Dach erreicht man die wiederum geneigte Abschlusswand. Hier hat der Erstbegeher viel Auftrieb verspürt und eine sehr schöne, aber etwas kühne Passage in bestem Fels durch das Wändchen links vom Stand geklettert. Vielleicht logischer, sicher aber deutlich einfacher ist es, diese Stelle rechts zu umgehen. Mit einer gerölligen Kraxelpassage erreicht man die 50m lange Schlusslänge. Diese bietet ein tolles Abschlussbouquet mit wunderbarer Wasserrillenkletterei und einer kniffligen Stelle, die mit einer 6a+ Auskneifvariante linksherum vermieden werden kann.

L16, 40m, 6b/5b, 2 BH: Schöne Stufe (rechts umgehbar), nachher eher schuttig-einfaches Gehgelände
L17, 50m, 6b+, 6 BH: Wasserrillen und super zerfressenes Henkelgelände mit kniffliger Stelle

Die Abschlusslänge (L17, 6b+) wartet nochmals mit super Kletterei auf!
Das Routenbuch befindet sich unter dem Gipfelsteinmann, 2-3m links vom letzten Stand.

Man vergesse am Top nicht, sich im Routenbuch einzutragen! Es ist in einem Glas 2-3m links des letzten Standes in der Nähe vom Steinmann deponiert, siehe Foto! Für die Kletterei am Tag der RP-Begehung brauchten wir ziemlich genau 8 Stunden. Darin enthalten sind auch zwei, drei gemütliche Verpflegungspausen und die Zeit, um die Route an den Ständen 1 und 4 zu beschriften. Während ich mit meinen Vorkenntnissen sicher eher zügiger als ein erstmaliger Anwärter unterwegs war, nahmen sich meine beiden Nachsteigerinnen ausführlich Zeit, um die ganze Route (bis auf das Dach) sauber freizuklettern. Den normalen Zeitbedarf für die Route würde ich auf 6-8 Stunden schätzen.

Abstieg und Rückzugsmöglichkeiten

Die beste Option ist der Fussabstieg über die Nordabdachung! Abseilen bietet sich vor allem früh oder spät in der Saison an, wenn die Nordseite schneebedeckt ist, was üblicherweise bis ca. Ende Juni und ab den ersten Herbstschneefällen Tatsache ist. Man kann vom Top bis zum Einstieg abseilen (17 -> 16 -> 15 -> 13 -> 12 -> 11 -> 10 -> separater Abseilstand -> 7 -> 6 -> 5, ab hier exponierter Fussabstieg (T5,II) wenn man die Schuhe bei Stand 4 deponiert hat oder -> 4 -> 3 -> 2 -> 1). Im Zuge der Erschliessung mussten wir logischerweise jeweils abseilen, frühe Wiederholer haben es ebenfalls praktiziert. Die 11 bzw. 15 Manöver sind ziemlich zeitraubend, der so kletterfreundliche, raue Fels wird zum seilfressenden Nachteil, das geneigte Gelände erfordert immer wieder Seilpflege und zudem lauern auf den Bändern Steine, von welchen das Seil gerne den einen oder anderen in die Tiefe schickt (wobei die Standplätze jeweils Schutz bieten, die Gefahr besteht v.a. für andere Leute in der Wand). Auch ein Rückzug ist somit aus der ganzen Route möglich (auch von den Ständen, die nicht direkt an der obigen Piste liegen), man unterschätze aber nicht den Aufwand dafür. Es ist sicher ratsam, die Route nur bei günstiger Wetterprognose anzugehen. Sofern man sich verschätzt hat, bieten die Grotte links von Stand 9 sowie Stand 14 unter dem Dach perfekten Schutz vor den Naturgewalten.

Impressionen vom Abstieg über die Nordabdachung der Drusenfluh.
Der Abstieg ist an sich unschwierig und gut auffindbar, erfordert aber teils leichte Kletterei (II) und dürfte bei schlechter Sicht (Nebel, Dunkelheit) für Neulinge doch gewisse Orientierungsprobleme bieten. Im Einzelnen: 1) Vom Top (2721m) ca. 40m nach links (Westen) dem Kamm entlang und über kurze Stufe abklettern. 2) Über die Nordabdachung der Nase nach gerade hinab (Steinmänner, in gerölligen Passagen auch Wegspuren), zuletzt über eine etwas steilere Stufe zur Verflachung des Imhofsattel (ca. 2570m). 3) Vom Imhofsattel nach links hinab Richtung NW und einen weiteren Sattel bzw. Verflachung (ca. 2500m) nach links überqueren. 4) Im nun folgenden, am weitesten links gelegenen Kar weiter linkshaltend über oft blanken, sehr schönen Fels absteigen, bis das Gelände auf ca. 2380m steiler abbricht. 5) Die Steilstufe klettert man ebenfalls meist leicht linkshaltend ab, da es immer wieder Rampen und Bänder gibt, geht dies einfacher wie man denken könnte (kurze Stellen II) und man erreicht schliesslich flacheres Gelände unterhalb (ca. 2310m). 6) Über den grasigen Rücken hinunter zum Wanderweg (ca. 2220m), diesem entlang zum Schweizertor (2137m) und ab da wie bestens bekannt auf den markierten Wanderwegen mit kurzem Klettersteig-Intermezzo retour zum Parkplatz. Ich habe diesen Abstieg auch schon in weniger als einer Stunde geschafft, der normale Zeitbedarf ist aber eher bei 1:30-1:45h, bei Orientierungsproblemen auch mehr. Zu beachten: bis in die erste Julihälfte muss man mit Schneefeldern rechnen, insbesondere am Ende der Steilstufe 5) lungert oft ein steiles Schneefeld, Abseilen an natürlichen Verankerungen (Zacken, Sanduhren) ist aber möglich.

Stellenweise muss gekraxelt werden auf der Nordseite, aber alles im grünen Bereich!

Material & Absicherung

Die Route ist mit Inox-BH abgesichert, welche nach bestem Wissen und Gewissen sinnvoll und fair für die Wiederholer platziert wurden. Während die schwierigen Stellen nach üblichem MSL-Massstab gut abgesichert sind, steckt im einfacheren Terrain nicht alle 2-3m ein Haken. Das ist in diesem Gelände einfach nicht sinnvoll und passt nicht zu Gebiet und Wand. Auf allzu derbe Runouts wurde dennoch verzichtet und die Absicherung sollte insgesamt auf Stufe xxx sein. Ich habe bei der RP-Begehung kein mobiles Material mitgenommen und empfinde dies nicht als zwingend nötig. Es mag aber sein, dass in dieser Aussage ein Erschliesser-Bias drinsteckt und es ist sicher hier und da möglich, eine zusätzliche Sicherung zu platzieren. Am ehesten würde ich kleine bis mittlere Cams, d.h. Grössen 0.3-1 empfehlen. Sonst sind 50m-Seile nötig, es stecken max. 8 BH pro Länge, d.h. 10-12 Exen reichen gut aus.

Erste Wiederholungen

Die Route wurde im Herbst 2021 bis zur Publikation dieses Beitrags schon von einigen Seilschaften wiederholt. Besonders erwähnenswert ist die erste Wiederholung von Daniel Benz und Beni Jüstrich am 12.9.2021, wobei Daniel die ganze Route inkl. dem Dach onsight klettern konnte, bravo!

Topo & Video

Nun bleibt uns nur noch, auf's komplette PDF-Topo mit allen Informationen zu verweisen. Wir wünschen allen Wiederholern viel Freude beim Klettern. Für uns sind die Erinnerungen an die Lanciamira Momente für die Ewigkeit! Einen Teil davon haben wir versucht, mit dem Video (YouTube-Link) festzuhalten...