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Samstag, 31. Januar 2026

Jahresrückblick 2025

Gerade noch knapp ist es Januar, somit in etwa der letzte Moment für den Jahresrückblick 2025. Es läuft halt einfach so viel mit eigenen Bergaktivitäten, dem ganzen Geflecht von Training, Betreuung, Familie und der richtigen Arbeit, dass der Blog oft hinten anstehen muss. Es heisst aber nicht, dass es im 2025 nicht doch sehr lohnenswerte und befriedigende Aktivitäten gegeben hätte. Somit wäre es schade, die Serie der Jahresrückblicke abreissen zu lassen. Wer den Blog verfolgt hat, weiss es ja schon: der Fokus liegt auf dem sportlichen Klettern vom Bouldern über Wettkämpfe zum Klettergarten und natürlich den MSL-Touren. Und das Entdecken von neuen Möglichkeiten im Fels ist auch nicht zu kurz gekommen, auch wenn darüber auf dem Blog meistens nicht "just in time" berichtet wird.

Passt zum Jahresabschluss - perfekter Sonnenuntergang auf Mullern nach Top-Sportklettertag im November 2025.

Neutouren

Für mich ist das mitunter die spannendste Rubrik, für den Leser dürfte das womöglich umso zutreffen, weil es hier tatsächlich noch einige News zu hören gibt, über welche der Blog noch nicht berichtet hat. Grundsätzlich war es wiederum ein absolutes Hammerjahr was MSL-Erstbegehungen anbetrifft: 

✅ Schon im März konnten wir das Heimspiel (7c, 8SL) in der Wangwand am Gonzen punkten, bei welchem Daniel und ich im Verlauf der letzten Jahre die Grundlage gelegt hatten - ein forderndes Testpiece für Fans von alpiner Sportkletterei durch ein eindrückliches und bisher selten besuchtes Gemäuer.

Daniel "on the go" in L2 vom Heimspiel, oben wartet noch sehr viel Wand auf uns.

✅ Mitte Juni war dann das Rätikon genügend ausgeapert, um in der im November 2025 eingebohrten Pizzicato (12 SL, 6c+) zusammen mit Guido den Rotpunkt-Go zu geben - fortgeschrittener Plaisir über Rätikonplatten in toller Umgebung an der Sulzfluh über dem Partnunsee. Darüber gibt es bisher nur einen Insta-Beitrag, das Topo erscheint dann auf die Saison 2026 hin im neuen Rätikonführer.

Die letzten Meter hinauf zum Gipfelgrat an der Sulzfluh, hoch über dem Partnunkessel.

✅ Vor den Sommerferien lag der Fokus dann auf dem Skyrace (8 SL, 7b+) in der Bockmattli Nordwand. Da ging es von Idee über Realisierung im Ropesolo bis zum Rotpunkt mit Kathrin nur Wochen und somit vergleichsweise zügig - die Ideallinie an der NW-Kante am Kleinen Turm wartet mit schattiger Kletterei im homogenen 6c/7a-Bereich, die paar Meter über das Dach der Westkante gehen auch A0 (frei 7b+). 

Bockmattli-Vibes: an einem Hitzetag leicht bekleidet angenehm im Schatten klettern, genial!

✅ Nach den Sommerferien lud mich Viktor dann an den Furkapass ein, wo wir die von ihm sanierte Via Matthias am Sunnig Berg um eine Variante und eine Trad-Verlängerung bereicherten. Sie lautet auf den Namen Kein Bockmist (total 9 SL, 6b+) - da gibt's ohne Andrang Granitgenuss und die Möglichkeit, seine Cams in perfekten Splitter Cracks zu versorgen. 

Probably Viktors Favourite Game: Trad-Climbing im Granit am Furkapass.

✅ Zum Herbstanfang war es dann soweit, dass ich mit Guido in das schon seit einer Weile im Wartezustand verharrende Projekt an der Horefelliflue aufbrechen konnten. Zwei sonnige und genussreiche Tage später war es vollbracht: nun darf man die Joyride (11 SL, 6c) in strukturiertem, steilplattigem Granit geniessen - die bei Schwierigkeiten, welche viele Kletterer bewältigen können.

An der Arbeit (oder doch viel mehr dem Vergnügen!) in der Joyride an der Horefelliflue.

✅ Nur 4 Tage danach schon das nächste Highlight im Rätikon mit Daniel: Saguaro (10 SL, 8a) an der Gamstobelwand im Rätikon. Ein Audétat-Projekt aus den 1990ern, nun wiederentdeckt, fertiggebohrt, saniert und gepunktet. Hart, komplex und mit maximaler Schärfe - etwas, wo sich auch Könner die Zähne ausbeissen können.

Diese Route ist ein unglaublicher Knaller: Saguaro, Kaktusfels mit maximaler Schärfe.

✅ Vielleicht gut, habe ich auf der Tour nicht gewusst, was da genau auf dem Spiel steht. In der Arwen (13 SL, 7b) konnte ich den FA mit einer lupenreinen Onsight-Begehung realisieren. Die Route an der 5. Kirchlispitze war im 2023 eingerichtet, aber bis dato noch nicht geklettert bzw. wiederholt worden. Am Bolting war ich nicht beteiligt und kam quasi "gratis" zu den Lorbeeren. Ganz sicher wird auch dieses gut abgesicherte und nicht allzu schwierige Unternehmen zu einem zukünftigen Klassiker im Rätikon. Topo und Infos folgen auf die Saison 2026 im Rätikonführer.

Angie folgt in der oberen Cruxlänge der Arwen, welche im hammermässigem Rätikonfels verläuft.

✅ Nach diesem Erlebnis und mit der geplanten Erscheinung des Rätikon Süd im 2026 auf der Agenda war ich dann umso motivierter, meine eigene Neutour mit dem Namen Cobra (12 SL, 7c oder 7a 2pa) ebenfalls an der 5. Kirchlispitze noch zu vollenden. Das gelang an den letzten schönen Tagen im Oktober und nachdem die Saison im November noch in Verlängerung ging, gelang auch tatsächlich noch der Komplettdurchstieg.

Da oben am Ende von L10 heisst es auch nochmals auf die Tube zu drücken in der Cobra!

Das macht summa summarum 8 MSL-FAs, das ist ja wirklich fast unglaublich! Wobei ich da natürlich teilweise von eigener Vorarbeit aus früheren Jahren und der Einboh-Arbeit anderer Kletterer profitieren konnte. Doch es ist so: einige meiner länger bestehenden Projekte haben im 2025 ihren Abschluss gefunden und die Anzahl der offenen Baustellen hat sich vermindert. Es gibt aber noch welche und an neuen Ideen mangelt es auch nicht. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, im Jahresrückblick 2026 wieder von 8 MSL-Neutouren schreiben zu können, leer wird die Rubrik aller Voraussicht und Hoffnung nach nicht bleiben. 

MSL

In Bezug auf die Wiederholung von langen Routen war 2025 ein sehr gutes Jahr. Gestartet wurde die Saison am 6. März am Pizzo d'Eus, beschlossen wurde sie am 18. Dezember im Ruogig - fast ein Ganzjahressport, also. Ich kam herum und konnte die Vielfalt der Gebiete geniessen: Tessiner Gneiswände, Gonzen-Testpieces, schattiger Bockmattli-Kalk, spiegelglatte Handegg-Platten, kleingriffiger Extremkalk an Kreuzbergen und Churfirsten, spannende Wendenrouten und auch 7 Routen im Rätikon. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind alle verfügbar und bilden das Rückgrat von diesem Blog. Einzige Ausnahme ist das Rätikon... da bleiben noch ein paar Überraschungen in der Schatulle, bis dereinst der neue Führer erschienen ist. Auf die Saison 2026 soll dies der Fall sein, we keep working on it! Bleibt zuletzt noch die Frage, welches denn die Highlights waren?! Ich dachte mir zuerst, dass ich hier drei spezielle Touren erwähnen würde. Doch wie ich es drehte und wendete, es blieben immer viele mehr als drei und einige davon unerwähnt zu lassen, hätte diesen Unternehmungen unrecht getan. Darum gibt's den goldenen Kletterfinken nun für eine einzige Tour. Die hat ihn sich ganz bestimmt verdient, auch wenn's für die 31 anderen Touren auch Argumente gäbe.

Goldener Kletterfinken: Troja (7a+, Wendenstöcke)

MSL-Pic of the Year: mit Bernat in der Malmstrom (7b) an den Wendenstöcken.

Sportklettern

Während das Vorjahr 2024 rein anhand der Ticklist rekordverdächtig war, so war das aktuelle Jahr 2025 im Vergleich dazu etwas enttäuschend. Ich denke jedoch nicht, dass es daran liegt, dass die Motivation fehlte oder mein Level gesunken wäre. Sondern einerseits sind es die natürlichen Schwankungen von Saison zu Saison, andererseits habe ich 2025 mehr gebouldert und vor allem haben wir nicht so viele Sportklettertrips machen können. Exemplarisch zeigen dies die Sommerferien, wo wir wegen der Teilnahme von Larina an der Jugend-WM nach Helsinki gereist sind, dort "nur gebouldert" haben und so auch die traditionellen Kletterferien in den französischen Alpen auf ein Minimum geschrumpft sind. Auch im Frühling, Herbst und zwischendurch haben wir solche Anpassungen vorgenommen. Es ist nicht so, als dass dies meinen Fun-Faktor limitiert hätte, aber an der Ticklist ist es sichtbar.

Gute Sportkletterfotos von mir sind Mangelware. Daher Bouldern: Traversatta (7A+) im Magic Wood.

Doch kümmern wir uns um die harten Fakten. Meine Benchmarks mit 8a rp und 7c os konnte ich auch dieses Jahr erfüllen. Der erste Aspekt ist mit 1x8a+ und 2x8a de fakto sogar übererfüllt, aber ein paar mehr Franzosenachter hätten es dennoch sein dürfen. Wobei ich nicht daran gescheitert bin, sondern viel mehr nicht die Zeit gefunden habe, welche zu projektieren. Mit der 7c os habe ich hingegen mehr gekämpft. Kurz vor dem Jahreswechsel 24/25 gelang mir noch eine im Val Pennavaire, dann war lange Zeit Flaute und ich fürchtete schon, da möglicherweise leer auszugehen. Denn in der näheren Umgebung von zuhause gibt es kaum mehr 7c, die für einen Onsight tauglich sind und die ich nicht schon gemacht habe. Doch "Reisen bildet", sagt man doch so schön - ganz sicher das Fundament für solche Erfolge. Im Oktober im Zillertal klappte es dann, wiederum kurz vor Jahresende in Chulilla sogar erneut. Am Ende stehen 112 Sends in Routen >= 7a zu Buche, mehr dürften es immer sein, aber ich bin zufrieden.

Best Effort: Nessie 8a+ (rp), Agua por Favor 7c (os)

Skitouren & Alpines

Der Schneesport hat mehr mir derzeit mehr den Charakter von einer Restday-Activity, als dass ich dies ausführlich pushen würde. Im Kalenderjahr 2025 komme auch auf 20 Tage mit den Tourenski. Immerhin kann man da sagen, denn im Züri Oberland war nur für eine kurze Phase in der ersten Januarhälfte und Ende November etwas drin und wie oft es in der näheren Umgebung geht, bestimmt die Anzahl Skitage sehr wesentlich mit. Wenn sich die Gelegenheit ergab, habe ich auch einige alpine Skitouren gemacht, welche dann auf dem Blog präsentiert wurden. Eine alpine Tour habe ich nur eine einzige gemacht, nämlich den Silvesterdurchstieg der Pilatus-Nordwand durch den Kulmchrachen. Alles in allem wird die folgende Skitour aufgrund von Exklusivitätsbonus und Abenteuerwert prämiert...

Goldenes Fell: Skitour Hinter Gassenstock 

Neuschnee und unverspurtes Gelände, so soll es sein! Hier am Vilan unterwegs im Januar 2025.

Ich möchte an dieser Stelle all jenen herzlich danken, welche im 2025 mit mir das Seil, den Weg oder die Spur geteilt haben. Auf ein tolles Bergjahr 2026!

Donnerstag, 22. Januar 2026

Pilatus Nordwand - Kulmchrachen

Zurück vom Sportklettertrip nach Spanien, mit Lust und Zeit die Beine zu vertreten, aber mangels geeignetem Skitouren-Schnee in weiten Teilen der Schweizer Alpen kam es an Silvester 2025 endlich zur Realisierung dieser Steigeisentour durch eine Voralpen-Nordwand, welche ich schon lange Zeit auf dem Radar hatte. Nie jedoch hatte bisher die Kombination von persönlichem Befinden, zeitlicher Verfügbarkeit und Bedingungen gepasst. Schlussendlich gilt aber auch hier wie bei so manch anderer Tour: wie gut, dass ich auf den richtigen Moment gewartet habe!

Durch dieses eindrückliche Gemäuer führt die Route in (relativ) unschwierigem Gelände hoch.

Mit Nutzung der Pilatusbahnen von Kriens nach Fräkmüntegg (aufwärts) respektive vom Gipfel zurück ins Tal (abwärts) lässt sich diese Tour auch mit einem kleineren Zeitbudget und beschränktem konditionellem Investment realisieren. Will man direkt aus dem Flachland starten, so heisst es hingegen ziemlich weit zu wandern. Weil jedoch wie erwähnt nur sehr wenig Schnee lag (bzw. unterhalb von ca. 1300m gar keiner), konnte ich den ersten Teil mit dem Bike zurücklegen. Ich stationierte mein Gefährt nach rund 15km und 1000hm Anfahrt hier auf 1420m oberhalb von Bonere. Noch etwas effizienter wäre es, als Parkplatz den Abzweig vom Nauenweg hier auf 1345m zu wählen.

Steigeisen anziehen bei P.1620, die tollen Tiefblicke auf den Vierwaldstättersee kommen auf dem Foto wegen einiger Nebelschwaden nicht ganz so zur Geltung. Der Kontrast zwischen alpiner Umgebung, dem grünen Vorland und der nahe liegenden Agglomeration Luzern ist auf dieser Tour besonders stark.

Zu dieser Stelle ging es für mich schon zu Fuss, dann den teilweise exponierten und noch grösstenteils aperen Bergweg hinauf. Das war noch gut ohne die Steigeisen zu machen, so dass ich diese erst bei der Wegkreuzung auf 1620m montierte. Schon auf diesem ersten Abschnitt stellte ich aber fest, dass ich auch schon frischere Beine hatte - war es der Nachhall vom Sportklettertrip oder eher die Zufahrt per Bike? Naja, diese Frage konnte ich bald ad acta legen, denn der spannende Teil des Weges begann nun. Vom P.1620 hält man sich nach links (Osten), vernichtet nochmals ca. 30-40m entlang vom Gsässweg, bevor man bei einem Boulder mit einem markanten Riss Richtung Kulmchrachen abzweigt.

Blick aufwärts im unteren Teil des Kulmchrachens.

Querend geht's in die Rinne hinein und dann in dieser aufwärts. Die Bedingungen waren wirklich perfekt bzw. sehr einfach: es lag harter Styroporschnee und es gab bereits eine ausgetretene Spur mit markanten Tritten. So fühlte es sich trotz >45 Grad Neigung wie das Hochsteigen einer Treppe an. Dank den deutlichen Spuren gab's auch keine Orientierungsprobleme. Sowieso gibt es von diesen nur beschränkt, doch den Abzweiger nach rechts hinaus darf man nicht verpassen (insofern man nicht die deutlich schwierigere Direktvariante machen möchte). Bei der Querung aus der Rinne hinaus lag über ca. 20m Strecke nur relativ wenig Schnee und ein paar Moves in eher plattigem Fels waren nötig - da man nach rechts hinausquert, sofort bei einer Exposition, die keine Fehler mehr erlaubt. Man steigt dann bis zur Felswand hoch und quert über ein schmales Band luftig dieser entlang nach rechts zur Gamelle mit dem Wandbuch.

Links im Bild die Querung auf dem schmalen Band hinaus zum Wandbuch.

Über ein flacheres Feld steigt man dann gerade hinan, bevor die Originalroute wieder nach links hält und in den Kulmchrachen zurück quert. Dies mit einer weiteren, sehr originellen Passage. Auch hier war es wieder ein schmales Band am Fusse von überdachten Felsen - sich zu ducken reichte aber aus, kriechen war nicht nötig. Nach ca. 30m ist man wieder im Kulmchrachen drin und steigt dessen Schneerinne hinauf bis in den Sattel, weit ist es nicht mehr. Da oben kann man tief Luft holen und die Aussicht geniessen, denn je nach Verhältnissen ist der letzte Abschnitt durch die Esel Ostwand nochmals fordernd. Mir jedenfalls kam es so vor: dieser mit T5 oder T5+ bewertete Abschnitt war mixed, d.h. wies nur wenig Schnee auf, war aber trotzdem mit Winterausrüstung zu bewältigen. An sich schon nicht so schwierig, aber doch auch sehr luftig. Eine Nische mit einem weiteren Routenbuch erlaubt nochmals das Durchschnaufen vor der finalen, steilen und erneut exponierten Passage.

In der unteren Bildhälfte das Kriechband bei den überdachten Felsen, welches vom rechten Schneefeld wieder zurück in den Kulmchrachen führt. Mehr oder weniger dem Profil des Felsens im Vordergrund entlang führt dann der Weiterweg bis in den Sattel vor der Eselwand.

Dann war ich auf dem grossen und verbauten Plateau vom Esel angekommen - bei absolut grandioser Rundsicht konnte ich das Panorama alleine geniessen. Zumindest physisch, denn akustisch war der Touristenrummel vom 70hm tiefer gelegenen Pilatus Kulm natürlich bestens wahrnehmbar. Nach einer fantastischen Gipfelrast kommt man dann auf dem Abstieg nicht darum herum, sich kurzzeitig in diesen zu schicken. Es gilt, die Terrasse von Pilatus Kulm zu erreichen (Abschrankung öffnen oder überklettern nötig), dann muss man sogar kurz indoor gehen (?) um den Stollen zu erreichen, welcher unter dem Oberhaupt hindurch auf die NW-Seite führt. An dessen Ende gilt es nochmals, die Abschrankung für die Touristen zu übersteigen, bevor man zurück in der Wildnis ist.

Wunderbares Gipfelpanorama vom Esel mit toller Sicht in die Berner Alpen.

Wobei diese hier nur relativ gilt. Der folgende Abstieg in den Klimsensattel ist unschwierig und bringt einen zur hübsch gelegenen Kapelle. Die 40hm Extraaufwand zur Besteigung des Klimsenhorns nahm ich gerne noch auf mich. Dann trat ich den westseitigen Abstieg an, welcher den schnellsten Weg zurück zum Bike versprach. Zum Schluss fuhren dann nochmals 90hm Gegenanstieg in die Beine, bevor ich es zu Tale rollen lassen konnte. Lieber nicht zu schnell, denn einerseits war es natürlich geschliffen kalt, andererseits erhieschen ein paar vereiste Stellen auf der Strasse die nötige Voraussicht. Es ging aber alles (zum Glück im übertragenen Sinne) glatt, so setzte ich mich auf das vorgewärmte Polster, schlürfte einen Kaffee und fuhr zufrieden der Silvesterfeier entgegen. Ein klein wenig erinnerte mich diese Tour an meinen Silvester-Raid durch die Bös Fulen Nordwand aus dem Jahr 2016, wobei ich mich bei jenem Unternehmen deutlich weiter von der Zivilisation entfernt hatte, wie das hier am Pilatus der Fall war.

Mein letzter Gipfel im 2025, das Klimsenhorn mit seiner Kapelle. Unten am Bildrand sind auch noch zwei junge Romands sichtbar, welche eigentlich den Pilatus besteigen wollten und sich mit ihren Turnschuhen bis hierher vorgekämpft hatten. Schon erschöpft trauten sie sich das Erreichen des Tops vor der letzten Bahn nicht mehr zu und fragten mich nach dem besten/einfachsten Abstieg, denn ihren Aufstiegsweg trauten sie sich runter nicht mehr zu. Ich hoffe, sie haben es wohlbehalten zurück ins Tal geschafft...

Facts

Pilatus Kulmchrachen via Sattel Eselwand (WS+)
800hm ab Fräkmüntegg, bzw. total ~2000hm ab Kriens

Material: Steigeisen, mind. 1 oder evtl. 2 Pickel, Seilsicherung nur am Körper möglich

Hinweise: während die Route bei guten Bedingungen relativ einfach ist, so drohen hier doch alle alpinen Gefahren: Lawinen, Steinschlag und Absturzgefahr. Da im Frühling nur mit sehr frühem Start nach klaren, kalten Nächten gefahrlos begehbar, scheinen mir schneearme Frühwintertage mit solider Schneedecke am besten geeignet. Vorsicht vor Lawinen, schon ein kleiner Schneerutsch kann einen hier ins Verderben reissen.

Tipp: relativ teure Parkplätze bei der Pilatusbahn oder den Sportanlagen von Kriens, alternativer Gratisparkplatz bei P.661 Vorder Buholz, womit man sich im Vergleich zu einem Start in Kriens Zentrum auch noch 200hm spart, dafür aber nicht ganz unten im Flachland startet.

Link: gute Infos mit Topo bei den Mountain Guides von Engelberg

Topo zu den verschiedenen Kulmchrachen-Möglichkeiten von Marko Cupic, vielen Dank!

Freitag, 16. Januar 2026

Weihnachtstrip nach Valencia: Teil 5

Hier geht's unsere Spanienreise nun ins Abschlussfeuerwerk, was sowohl die beschriebenen Tage wie auch diese Reihe von Blogs betrifft. Die hier im Zentrum stehende Pared de Enfrente ist das Schaustück der Kletterei in Chulilla. Gleich vis-à-vis vom Dorf gelegen, bestens sichtbar, nach Osten exponiert und im Winter bis ca. 15.30 Uhr angenehm besonnt ist sie für ambitionierte Sportkletterer eine der ersten Adressen im Gebiet. Auch an regnerischen Tagen stellt sie eine gute Option dar, wovon wir zwischenzeitlich Gebrauch machen mussten.

Da schlägt das Herz gleich höher: Pared de Enfrente, muy muy bien!

Wir sind an drei Klettertagen in drei verschiedenen Sektoren an dieser Wand geklettert. Die Logistik ist immer dieselbe: man nutzt den Parkplatz im Dorf. Der ist zwar nur relativ klein, wir fanden aber doch jedes Mal eine Möglichkeit. Das liegt wohl an den 4 Euro Parkgebühr und der Tatsache, dass "Dorfbewohner" oder Vanlife-Menschen nicht da stationieren. Anzufahren ist er von Valencia übrigens am schnellsten von Norden her (via Losa del Obispo über die CV-394), durch Chulilla hindurch dauert länger und kann mühsam sein. Dann geht's zu Fuss weiter, am besten den Felsen vom Competicion-Sektor in die Schlucht hinunter, ein kurzes Stück dem Fluss entlang, über die Brücke und dann hinauf zur Wand, Gesamtzeit ca. 20 Minuten. 

Über die Brücke des Rio Turia, beim Schild danach geht's links hoch zur Wand.

Tag 3: Chulilla / Sex Shop & Tierra de Nadie

Ui, das ist mal wieder ein sinnvoller Name für einen Sektor, da rückt mein Blog in der Watchlist wohl in ganz andere Sphären. Anyway, an unserem dritten Tag in Spanien hatte der eisige Wind, welcher uns an Tag 1 durch die Glieder pfiff und dem wir am Tag 2 erfolgreich nach Süden auswichen, nachgelassen und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Wir mussten also nicht lange überlegen, Chulilla war unsere Destination und die Pared de Enfrente das angepeilte Ziel. Unsere Felslust muss riesig gewesen sein, denn wir stürzten uns im Sex Shop gleich auf das erste Objekt in der Auslage...

Bolas Chinas (6b+ hard, os): kann man zum Aufwärmen nutzen, es geht allerdings nach dem kurzen Vorbau dann bald einmal heftig los mit so richtig taffen Leistenmoves auf ultrapolierten Tritten. Ich war kurz vor dem Abschmieren, meine Frauen zeigten mir dann allerdings, dass es zwar durchaus nicht einfach ist, ich mich aber zusätzlich auch suboptimal angestellt hatte.

Larina beim Aufwärmen in der Bolas Chinas (6b+), die Crux eben passiert.

Eco Dildo (7a+, os): die ersten paar Meter gemeinsam mit der vorangehenden Route, dort wo die Schwierigkeiten beginnen zweigt man dann aber gleich nach rechts ab. Ein paar "Schlittschuh-Moves" an Leisten nach rechts, dann geht's besser dahin zur Schüttelposition auf dem Band vor dem Schlusswulst. Hier kann man die alpine Auskneifer-Linie links durch die Verschneidung wählen, das was direkt über den Haken erst unmöglich erscheint, erfordert zwar schon einen beherzten Power-Move, löst sich dann aber gut auf und ist auch nicht wirklich schwieriger.

So lässt sich Weihnachten geniessen! Larina beim üblichen Chillen, denn unser Ablauf war nicht vollständig ausgeglichen. 1) Marcel klettert, Kathrin sichert; 2) Larina klettert, Marcel sichert; 3) Kathrin klettert, Marcel sichert. Somit war mein Tag jeweils pausenlos mit "Arbeit" ausgefüllt, während sich unsere Top-Athletin bestens auf ihre Go's vorbereiten konnte.

Sensaciòn Azul (7b+, os): unmittelbar rechts der vorangehenden Routen wartet diese sehr attraktive grau-orange Wand. Nach ein paar henkligen Einstiegsmoves folgt bald eine kleingriffig-technische Crux, die mit gutem Positioning an Seit-/Untergriffen gelöst wird. Dann kann man Durchschnaufen (oder im Onsight nervös werden?!). Zwei weitere knifflige Bouldersequenzen bringen einen zu einem weiteren Rastpunkt am Band, bevor in der Abschlusswand nochmals Entschlossenheit gefragt ist.

Larina in Sensaciòn Azul (7b+) - techno-athletische Wandkletterei, super Sache.

Cantalobos (7b, os): die Handvoll Routen links auf dem Balkon vom Sex Shop waren alle besetzt, so verschoben wir uns etwas nach links in den Sektor Tierra de Nadie und ich konnte diese Perle in Angriff nehmen. Unten schon anhaltende und stets spannende Kletterei, nie jedoch verzweifelt schwer. Gegen das Ende hin spitzt sich die Sache dann zu. Das Runout-Finish zur Kette bleibt in Erinnerung: zwingende technische Kletterei an einem kleinen Pfeiler, fusslastig an kleinen Griffen - fast wie MSL at its best!

Ein bisschen Lesen an Weihnachten ist doch toll. Am besten im Kletterführer am Fuss der Felsen ;-)

Dumbo Love (7a, os): zum Tagesabschluss konnten wir hier noch einen Speedy-Go in Kathrins Projekt geben. Erst cool an unglaublichen Sintertöpfen, weiter geht's dann teils knifflig an glatten Slopern. Sehr spannende Sache. Mittig ist die Passage nur dank einem grossen, gebohrten Loch möglich - ohne dieses vielleicht nicht unmöglich, aber sicherlich keine homogene 7a und keine lohnende Route. Ein ethisches Dilemma. Sagen wir es so: ich war sehr froh, war das gebohrte Loch da war und gleichermassen, dass ich nicht selbst vor der Frage stand, ob ich dieses anbringen soll.

Das war's für diesen Klettertag. Hier der Blick von der Wand zum Dorf Chulilla.

Tja, schon wieder war es dunkel geworden. Wir fuhren zurück in unser Domizil, deckten uns mit Lebensmitteln ein und machten uns einen gemütlichen Heiligabend inklusive einer Videokonferenz mit dem sich in Finnland befindlichen Teil der Familie.

Tag 7: Chulilla / El Ramallar

Auch bei optimistischer Interpretation des Wetterberichts war dieser Tag als regnerisch angesagt, wobei in Chulilla nur eine relativ geringe Menge prognostiziert wurde. Dies schien also die richtige Ecke zu sein und zudem lässt es sich an der steilen Pared de Enfrente wetterunabhängig agieren. Mit Larinas Wunsch, auch Möglichkeiten im achten Franzosengrad zur Verfügung zu haben, betätigten wir uns etwas weiter links als beim ersten Besuch und machten uns im Sektor El Ramallar bereit.

Panorama vom Parkplatz, links Chulilla City, dann der Sektor Los Techos und schliesslich die von uns angepeilte Wand mit dem Sektor Muro de los Lamentaciones gerade voraus und der Pared de Enfrente rechts anschliessend. Wie mir scheint wäre La Baleine auch noch eine passende Bezeichnung für diesen Felsriegel... gibt's aber halt schon anderswo.

Las Roturas L1 (6c, os), L2 (7a+): viel Gängigeres zum Aufwärmen findet man in diesem Sektor kaum. Die Route fängt zwar einfach an, zum Zwischenstand hin warten dann aber schon ein paar kräftige Moves an seifigen Rissen. Vielleicht hätte mir das eine Lehre in Bezug auf die Fortsetzung sein sollen (oder auch die bis dato nur 37 erfolgreichen Begehungen auf 8a.nu, wo die benachbarten Routen teils >500 haben). Während es ja erst noch geht, ist das Finish auf über 40m dann echt bockhart und warf mich ab - das ist mir in diesen Ferien sonst in keiner 7a+ passiert. Ich meine 7b oder 7b+ wäre realistischer, in einem zweiten Go wäre es ziemlich sicher gegangen, aber...

Rainy Day Crag Vibes. Larina vor dem Go in La Casica del Malaire (8a).

Revuelta en el Frenepático (7b+, os): ...neue Route neue Chance (auf einen Onsight), darum hier probiert und gleich auf Anhieb reüssiert, die schon >500 Begehungen kommen nicht von ungefähr. Es wartet begeisternde technische Kletterei an kleinen, positiven Leisten und Broccoli-Slopern. Gut bewegen, dranbleiben und die Intuition spielen lassen waren die Schlüsselelemente zum Erfolg. Die im Vergleich zur vorangehenden Route milde Bewertung womöglich auch... ;-)

Mal pago (7c, rp): der Regen hatte sich intensiviert, die weniger überhängenden Routen wurden teilweise benetzt. Deshalb hiess es, sich in den steilsten Teil der Wand zu verschieben und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Der untere Teil bietet eine Schleuderstelle, dann lässt es sich weitgehend mit der Ausdauer erledigen, bis die komplett doof platzierte Kette geklippt werden muss. Viel zu hoch oben, wo es keinen brauchbaren Griff mehr gibt, gut habe ich lange Arme. Bisschen inhomogen und eben die Sache mit dem Umlenker, das stellt diese Route im Vergleich zu anderen im Sektor hinten an.

Es schifft zwar in Strömen, aber Wand und Route sind trocken: La Boca de la Voz (8a).

Gerade als ich meinen zweiten Go gestartet hatte, ging bei all unseren Handys der Alarm los. Eine Unwetterwarnung war es, mit dem Hinweis auf die starken Regenfälle und dem Ratschlag, erhöhte Standorte aufzusuchen. Na dann, hoch zum Umlenker, so musste mein Motto sein ;-) Wir liessen uns nicht ins Bockshorn jagen, komplettierten unsere letzten Versuche und kehrten wohlbehalten zum Auto und auch ins Apartment zurück. Wobei wir auf dem Rückweg zum Parkplatz komplett durchnässt wurden, ebenso goss es auf der Fahrt wie aus Kübeln. Offenbar hatte es auch schon den ganzen Tag über so runtergelassen - da täuscht halt einfach die Perspektive an einem solch grossen Überhang, wo der Wind nur hin und wieder ein paar Tropfen hintreibt. Aus dieser Optik hatten wir bestimmt das richtige Tagesziel ausgewählt.

Tag 8: Chulilla / Tierra de Nadie

Am unserem letzten Tag hatten wir heimreisebedingt 16.00 als Deadline für das Klettern definieren müssen, zudem war der starke Regen vom Vortag zu berücksichtigen. Da war es nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente oder ausgedehnte Ausflüge. Wir fuhren also nach Chulilla, wo die bestens einseh- und erreichbare Pared de Enfrente trocken war und einige scheue Sonnenstrahlen erhielt, während anderswo noch viele Wasserstreifen glänzten. Nun denn, es gab noch genug zu tun da, also auf bekanntem Weg zum Fels geschritten, das Gear montiert und angegriffen.

Pared de Enfrente... könnte man gerne auch bei mir daheim platzieren :-)

Terreros Royos (6b+, os): eine vergnügliche, grossgriffige Aufwärmroute. Interessant das aufgeschichtete Gestein zu Beginn der Route. Für meine Augen sieht das so aus, als ob es unmittelbar am Auseinanderfallen wäre - was es wohl in einer alpinen Umgebung auch täte. Doch hier im Süden ist das gut zusammengebacken und hält bombenfest.

Agua por Favor (7c, os): rein ins Abschlussfeuerwerk, das war hier die Devise. Zum Charakter war mir so viel bekannt, als dass hier mehrere Boulderstellen mit Schüttelpunkten warten. Das lässt bei einer entsprechenden Grundlagenausdauer die Möglichkeit, die richtigen Lösungen auszutüfteln, somit schien hier die Chance auf einen 7c-Onsight vorhanden. Eine erste Stelle an Leisten, dann ein Untergriff-Boulder, eine Wandstelle die Entschlossenheit an sloprigen Leisten erfordert, seichte Löcher welche gute Übersicht zur Fussplatzierung erfordern, ein drückender Wulst mit Leisten und zum Schluss noch der knifflige Ausstieg mit mindestens 3 unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Mir ging alles auf und ich war trotz der Onsight-Chance (die ja eben auch schnell für immer und ewig vergeigt ist) mit gutem mentalem Korsett und Vorwärts-Optik unterwegs. Erst am sloprigen Schüttler vor der letzten Sektion zum Umlenker kam dann leichte Nervosität auf... schon so nahe, nur noch der Endgegner fehlte, doch nur im defensiven "ja nicht mehr herschenken"-Modus war der nicht zu bezwingen. Doch ich konnte mir die Zeit nehmen und sämtliche Lösungen erwägen, setzte am Ende auf das richtige Pferd und klippte unmittelbar danach den Umlenker - wow, was für eine grandiose Sache!

Kurz für Auflockerung sorgen, bevor der Ernst in Agua por Favor (7c) beginnt.

Dann war Larina an der Reihe. Wir handhabten es jeweils so, dass sie die gemeinsamen Routen auch Onsight kletterte. Die Gründe dazu: sie kann das bestens und v.a. muss sie es als Wettkampf-Athletin auch als starkes Asset in ihrem Portfolio führen. Zudem ist das lautstarke Rumplärren von Beta nervig und sowieso passen meine Lösungen für sie nicht zwingend. Bzw. umso interessanter ist es, nachher auszuwerten, wo wir gleich und wo wir unterschiedlich vorgingen, respektive was die Beweggründe dazu waren. Zwei kleine (aber legitime) Vorteile hatte sie hier auf ihrer Seite: die nun bereits installierten Exen und das Wissen, dass es der alte Mann geschafft hat. Mit ihrem inzwischen in allen Belangen klar höheren Level lag die Möglichkeit auf der Hand.

Andererseits wird aus "hier habe ich eine gute Chance" halt auch schnell "das darf ich nun auch keinen Fall vergeigen" - und das macht wie wir alle Wissen einen grossen Unterschied dafür, wie schwierig sich das alles anfühlt, mit entsprechend dämpfendem Effekt auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. In diesem Sinne darf man die mentale Bürde meines Durchstiegs gerne als willkommenes, mentales Zusatztraining für die Wettkampf-Athletin betrachten. Denn wenn es dann wirklich zählt, ist das Ganze logischerweise noch viel komplizierter. Langer Rede kurze Essenz: es klappte auch bei Larina, nach einigem Gebastel im Untergriff-Boulder mit mehreren Limit-Moves, die ich so ganz sicher nicht gebacken gekriegt hätte, da war meine Lösung definitiv deutlich effizienter.

 Larina in Agua por Favor (7c): 35m an anhaltender Kletterei in steilem Gelände

Las Carcàmas de la Majà (7b/+, rp): es blieb noch Zeit für eine weitere Route und mit einem Grosserfolg in der Tasche konnte ich es wagen, trotz "hard" und hartem Schlussboulder hier einzusteigen. Nun, das Finish ist zwar komplex , aber nicht so megamässig, als dass es nicht im First Go machbar wäre. Aber es ist einfach hart, ohne die präzise Körperposition und Wissen wie man die Griffe nehmen muss kriegte ich das nicht auf Anhieb hin. Naja, so musste halt die 16 Uhr Deadline noch etwas geritzt werden, damit ein 2nd Go drin lag. Der sass dann und ich konnte die gloriose Schlusssequenz welche sich mit einem Comp-Style Toehook am besten auflöst nochmals geniessen.

¡Hasta la próxima, volveremos!

Packen, laufen, fahren, Auto abgeben, umpacken, Gepäck aufgeben lautete das weitere Programm, danach folgten dann ein paar ruhigere Minuten, bis es Zeit zum Einsteigen war. Der Flug verging dann dank einer spannenden Schachpartie fast zu schnell, aber mit der nötigen Geduld war auch dieser Gegner schlussendlich knapp vor dem Zeitpunkt besiegt, bevor man sich von den Sitzen erheben konnte. Das Fazit zu diesem Trip braucht nicht viele Buchstaben: GRANDIOS war es, so viel gute Kletterei und so viele erfolgreiche, sehr befriedigende Begehungen. Diese vielen Onsight-Battles, 100% try hard, mit jeder Faser des Körpers kämpfend, der Intuition vertrauend, den Blick vorwärts gerichtet und der Schwerkraft entfliehend, das liebe ich einfach. Davon hatte es eine satte Portion gegeben (genug davon kriege ich sicher nie), die Kletterei hatte mir prima gefallen und auch sonst war alles tiptop aufgegangen. Nun gut, das Wetter war insgesamt eher durchzogen, aber genügend warm und ausreichend trocken um jeden Tag voll anzugreifen, in dieser Hinsicht war die Planung perfekt aufgegangen.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Alternativ Online-Routenlisten wie The Crag. 

Saison & Charakter

Die Pared de Enfrente ist nach E exponiert und hat um den Jahrswechsel von frühmorgens bis maximal ca. 15.30 Uhr Sonne. Ideal wenn es kalt ist, bei höheren Temperaturen ab 10 Grad aufwärts und voller Einstrahlung wird es möglicherweise bald einmal zu heiss für die ambitionierte Sportkletterei. Am lohnendsten im Schwierigkeitsgrad 7a-8a, leichtere Routen gibt es vereinzelt, schwierigere hingegen kaum. Vorherrschend ist ausdauernde Wandkletterei in nicht allzu steilem Gelände, welche teilweise auch versintert ist. Fast alle Routen lassen sich bei leichtem Regen klettern, etliche davon auch bei starkem Niederschlag.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag.

Samstag, 10. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 4

Nach einer dringenden Empfehlung hatte ich die Wand von Araya auf unsere "must do"-Liste dieses Trips gesetzt. Tolle Ausdauerkletterei in sintrigem Gelände an noch weitgehend unverbrauchtem Fels in einer ruhigen und sonnigen Umgebung gäbe es da zu geniessen. Als dann (bei einer dynamisch-labilen Wetterlage) auch noch sämtliche Karten und Modelle im Gebiet ca. 80km nördlich von Valencia am meisten Sonne bei gleichzeitig minimalem Niederschlagsrisiko versprachen war der Tag gekommen. Die Details folgen hier erst noch, aber ganz kurz: Kletterei prima, Wetter naja.

Hm, ganz so attraktiv sieht das auf diesem Foto vielleicht nicht einmal aus?!? Womöglich dem eher grauen Himmel geschuldet. Der Hauptsektor im Bildzentrum ist rund 40m hoch und bietet echt gute Klettereien. Diese ziehen sich auch bis an den rechten Bildrand hin. Die Wand links aussen ist hingegen meines Wissens nicht erschlossen.

Tag 5: Araya (Teil 3 / Teil 5)

Das kleine Nest Araia (das Dorf wird gängig mit "i" geschrieben, das Gebiet aber mit "y") befindet sich im Hinterland der Küstenstadt Castellò de la Plana und ist von der Autobahn über ca. 8km an kurviger Bergstrasse anzufahren. Gerade am Eingang des Orts geht's rechts ab auf eine unbefestigte Piste. Gut befahrbar an sich, nur an einer Stelle wo einstürzende Altbauten die Strasse verschüttet haben, ist es kurz etwas eng. Google Maps kennt den Standort des zu wählenden Parkplatzes und leitete uns zuverlässig dahin. Für den Zustieg auf dem gut ausgetretenen Pfad (auf OSM/TheCrag verzeichnet) zu den noch nicht sichtbaren Felsen brauchten wir 25 Minuten. Grundsätzlich liegt das Gebiet sehr sonnig, wegen dem vorgelagerten Grat ist im Hochwinter aber bereits irgendwo zwischen 15-16 Uhr fertig mit der Wärmestrahlung. Das war insofern hypothetisch für uns, als dass es bewölkt war und bereits leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Möglichst schnell los mit der ersten Route, konnte das Motto nur lauten.

Pincha Perros (7a, os): Schöne, flowige Route mit durchgehend interessanter Kletterei. Sie weist eine relativ markante Crux auf, dort wo man von der Sintersektion wieder etwas flacheres Gelände gewinnt. Erstens einmal gilt es die Lösung zu erkennen, dann braucht's auch noch etwas Power um sie auszuführen.

Wo ist Walter bzw. Larina?!? Wer genau hinschaut, findet sie. Im athletischen Teil der Malos Pensiamentos (7c). Aus dieser Perspektive gibt's glaube ich keine Zweifel, dass diese Wand eine gehörige Portion Ausdauer und Athletik verlangt.

Bis wir alle drei die Route getoppt hatten, war aus dem Nieseln ein ausgewachsener Schauer geworden. Übrigens die einzige Regenzone, welche an diesem Tag über das von Valencia aus in diesem Radius erreichbare Gebiet hinweg zog, ganz im Gegenteil zu dem, was die Wettermodelle angekündigt hatten. Künstlerpech also... an weitere Kletterei war vorerst nicht zu denken: die Routen sind zwar überhängend und blieben mehrheitlich trocken. Doch es beginnen alle mit einer 5-10m hohen, eher plattigen Zone bevor es steil losgeht. Die wurde eben befeuchtet, und ebenso wäre man beim Sichern komplett durchnässt worden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Sache auszusitzen. Das war auch gar nicht mal so einfach hier, eigentlich verrückt, an einem spanischen Felsen keinen so richtig trockenen und meterweit geschützten Spot am Wandfuss zu finden. Immerhin wurden wir nur leicht betröpfelt, nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, wir griffen wieder an und hatten für den Rest vom Tag Ruhe vor dem Regen.

Red Chili (7a+, os): Ein weiterer, 35m langer Knaller - so genial! Abwechslungsreiche und immer spannende Kletterei an Broccoli-Fels, Sintern und Leisten. Zwei Abschnitte stechen heraus. Wie in der Pincha Perros (7a) ist das Verlassen der sintrigen Steilzone die Crux. Auch hier gilt es die Beta zu erahnen und sie dann mit Strom auszuführen. Weiter oben wartet dann auch noch eine leistige Wandkletter-Crux, die man aber gut wegstehen kann.

Malos Pensiamentos (L1 7b/+ os, L2 7c): Was für eine Route, welche mir einen riesigen Fight abverlangt hat. Nach steilplattigem Auftakt geht's erst athletisch einer Rampe entlang zur Sache. Dann eine kräftige Lochsektion, gefolgt von einem sehr technischen, nervenaufreibenden Mantle. Und zum Schluss gibt's dann noch zwei knifflige Wandkletter-Boulder mit Ruhepunkt dazwischen. It ain't over till it's over... nach heftigem Kampf, langem Schütteln und kreativem Tüfteln unterwegs hatte ich endlich den finalen Henkel in der Hand. Und somit natürlich auch gleich die Verpflichtung, noch den 7c-Abschlussboulder zur zweiten Kette auf 40m anzugehen - einfach ins Seil sitzen konnte bzw. wollte ich ja nicht. So viel hatte da schlussendlich nicht gefehlt, aber die entscheidenden kleinen Leisten ohne schlaue Füsse nach diesem Fight noch zu dübeln ging leider nicht ganz. Ich war mir aber sicher "Larina kann das", zumindest wenn sie den kniffligen Schluss vom ersten Teil meistert. Genau so kam es dann auch: nach kurzem Innehalten vor diesen Bouldersequenzen wurden die Leisten mit Leichtigkeit gehalten, ein souveräner Durchstieg war das Resultat.

Andere Perspektive, aber immer noch Larina in Malos Pensiamentos (7c).

Nachdem auch Kathrin ihr Projekt gemeistert hatte, brach schon wieder die Dunkelheit herein und wir machten uns auf den Rückweg. Naja, die besten Verhältnisse hatten wir nicht getroffen, die Kletterei und auch die Umgebung hatten uns aber sehr gefallen. Mit 3x35m an permanent spannender Herausforderung und den entsprechenden Punkten im Gepäck war auch das ein sehr erfolgreicher Klettertag gewesen.

Topo & Infos

Wir nutzten nur TheCrag, was einwandfrei funktioniert hat. Gedruckte Topos findet man im ganz neuen Costa Azahar CLIMB. (Domingo, 2025) oder im Levante Climbs North (2019). Der Parkplatz ist oben verlinkt, es haben ca. 5-6 Autos Platz. Achtung, auf keinen Fall die Durchfahrt behindern! Notfalls sollte man einige Minuten weiter weg an der Zufahrtsstrasse noch Abstellmöglichkeiten finden.

Dienstag, 6. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 3

Wie im vorangehenden Beitrag erwähnt, war nun der Zeitpunkt gekommen, um die Felsen von Chulilla zu besuchen. Aus dramaturgischen Gründen geht's hier allerdings nicht mit dem Folgetag weiter, sondern wir springen gleich zu Tag 4. Da war das uneingeschränkt sonnige Wetter bereits wieder Geschichte, es hatte auf bewölkt aber mild gewechselt. Darüber wurde aber nicht lamentiert, sondern wir nahmen es als Anlass, die populärste Wand im Gebiet zu besuchen, welche um diese Jahreszeit sowieso keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommt. In den nach Norden ausgerichteten Paredes del Pantano warten mehrere Sektoren mit rund 230 Ausdauerklettereien in oft versintertem Gelände, eine fabelhafte Mauer!

Ein Paradies, das Felsband der Paredes del Pantano, mit vielen Hundert Metern bestem Gestein.

Tag 4: Chulilla, Oasis & Algarrobo

Noch ohne die perfekte Orientierung fuhren wir an diesem Tag (es war gerade Weihnachten) durch Chulilla hindurch, stationierten östlich der Pantano-Schlucht und wählten den sehenswerten, aber längeren Zustieg, welcher insgesamt drei Brücken beinhaltet. Während der erste Teil gut ausgebaut ist und zügig bewältigt werden kann, beinhaltet der Schluss unter der eigentlichen Pantano-Wand einen dschungligen Ho-Chi-Minh-Pfad mit einigem Auf und Ab. Nach rund 40 Minuten waren wir da und versuchten uns eine Übersicht zu verschaffen. Wie gehabt ist das auch hier nicht ganz einfach. Angeschrieben ist nichts und die aus der Distanz aufgenommenen Fototopos helfen für die sichere Identifikation der überhängenden, dicht beeinander liegenden Routen vom Wandfuss aus nur bedingt. Schlussendlich waren wir aber sicher, wo wir sind und legten los.

Hängebrücke im Zustieg durch die Schluchten.

Richi (6b+, os): immer zuerst alle verfügbaren Online-Quellen zu checken vor dem Einstieg ist mir normalerweise viel zu mühsam. Hier hätte es sich unter Umständen gelohnt. Der Boulderstart ist "huere müesam", super slippery und richtig taff für 6b+. Der Rest ist dann zwar schöner bietet aber zwei weitere, für den Grad recht schwierige Stellen. Für denselben Aufwand kriegt man nebenan auch eine 7a, meinen wir.

Top of the Rock (7a, os): wir wechselten ca. 30m hinüber nach links in den Sektor Algarrobo, wobei die Abgrenzungen mir da an dieser durchgehenden Wand ziemlich willkürlich erschienen. Wie schon gehabt gibt's auch hier einen etwas öttelig-kleingriffigen Startboulder, weiter oben fordert eine zwingende Passage an kleinen Sintern mit zähem Untergriffzug, bevor ein Wulst Power und Entschlossenheit verlangt, um den Plaisir-Abschluss geniessen zu können.

Las Caquitas de Nazarten (7b, os): den Einstiegsboulder gibt's auch hier, wobei man sich bei einer 7b nicht mehr darüber beschweren darf und er auch vergleichsweise zahm daherkommt. Die Route baut sich anschliessend im überhängenden Ausdauergelände richtig schön auf und kulminiert mit kräftigen Moves am Abschlussdächli - puh, eher nur knapp bin ich da ungerupft ins Tropflochgelände oberhalb entkommen, aber geschafft ist geschafft!

El Oasis (7a, os): es war ja Weihnachten und so schenkte ich einen meiner Go's, damit Larina ihr Projekt Rin Ran (7c+) noch punkten konnte. Somit war die Absicht, hier bei zunehmender Dämmerung noch einen raschen Punkt zu holen. Das gelang wie gewünscht: zuerst der übliche Einstiegsboulder, wobei ein Clipstick fast unverzichtbar scheint. Der erste BH steckt hoch und man startet hier von einem schmalen Band 4m über Grund, sprich da dürfte man ohne Pre-Klipp nicht failen. Im Anschluss dann homogene, flowige Wandkletterei. Mir kam's insgesamt eher einfacher wie unsere Auftaktroute Richi (6b+) gleich nebenan vor, aber vielleicht hatte ich mich einfach an den Style gewohnt.

Nun hiess es, endgültig die Segel zu streichen. Im Schein der Stirnlampen wackelten wir den Dschungelpfad zurück. Dass ein kurzer Regenschauer alle Steine nass und glitschig gemacht hatte, erhöhte die Geschwindigkeit auch nicht gerade. Spielt aber alles keine Rolle, mit Freude im Herzen über die gelungenen Routen fuhren wir retour in unser Domizil und genossen den Weihnachtsabend im kleinen Kreis. Dass wir nochmals an die Paredes del Pantano zurückkämen, wussten wir da noch nicht mit Sicherheit, aber...

Larina in der Rin Ran (7c+), 35m Ausdauer-Wandkletterei vom Feinsten.

Tag 6: Chulilla, Balconcito, Oasis & Chorreras

Eigentlich sollte es an diesem Tag mehrheitlich trocken bleiben, doch mit der Zuverlässigkeit der Prognosen hatten wir inzwischen unsere Erfahrungen gemacht und "mehrheitlich" heisst ja auch, dass man zwischendurch mit Regen zu rechnen hat. "Play it safe" war unser Motto, besuchen wir nochmals die überhängenden Paredes del Pantano, wo uns allfällige Schauer nichts anhaben können. Dieses Mal hatte ich das nötige Zugangs-Engineering betrieben und dabei auf den westlichen Parkplatz bei Pantano de Loriguilla gesetzt. Der verspricht nämlich nicht nur einen kürzeren Zustieg, sondern ist von Valencia her auch schneller zu erreichen (etwas kontraintuitiv, da in Luftlinie weiter weg gelegen).

Blick auf den Sektor Chorreras - oh so good!

Larina wollte eine schwierige Route projektieren (8a und aufwärts), was für mich persönlich in meinem von vielen Onsight-Battles schon etwas angebrutzelten Zustand nicht das favorisierte Programm war:  lieber möglichst viele Onsights realisieren. Doch es ergab sich eine sehr interessante Gelegenheit. Ich wurde von einem Einzelgänger auf der Suche nach Kletterpartner angesprochen. Es dauerte einige Sekunden, bis mein Hirn prozessieren konnte, wer da vor mir stand. Ein Vater/Coach einer finnischen Konkurrentin von Larina, den wir schon im Sommer an der WM in Helsinki getroffen hatten, im Oktober dann in den Ewigen Jagdgründen im Zillertal und nun also in Chulilla. Er hatte sein Material bereits in einem 40m langen 8a+ Ausdauerhammer montiert und so war es nur naheliegend, dass Larina mit ihm klettern würde (die ersten beiden Aufwärmrouten bestritten wir noch gemeinsam). Die Tochter sozusagen verkauft, somit nur zu zweit statt wie üblich zu dritt gab es an diesem Tag unüblich viele Punkte...

Gargola L1 (6b, os) & L2 (7a+, os): der untere Teil bietet interessante Kletterei einer Verschneidung entlang und eignet sich tatsächlich gut zum Aufwärmen (die schwierigste Stelle kommt allerdings gleich ziemlich am Anfang). Nach der Kette auf 20m gehen die nächsten 4 BH noch gut über die Bühne, dann allerdings folgt eine heftige Crux: hohen, mässig guten Untergriff nehmen und ohne gescheite Füsse daran anlaufen und sich später an ein paar Leisten nicht mehr abschütteln lassen. Es war wohl mehr mein Wille, hier auf keinen Fall scheitern zu wollen, der mich diese Stelle bewältigen hat lassen. Zero Margin und statt Aufwärmen eher Anzeichen von Überhitzung...

Daños Collaterales (7b+, os): bis Frau und Tochter die Gargola ebenfalls geklettert hatten, war ich wieder auf optimaler Betriebstemperatur. Das ist insofern auch nötig, dass hier gleich ein heimtückischer, etwas schlipfrig-polierter Start wartet. Die folgende Tufa-Sequenz ging gut, aber der sloprige Ausstieg mit ein paar feuchten Stellen war hingegen ein Eiertanz. Die letzten 15m bieten dann Ausdauerkletterei an kleinen Tufa-Features und Leisten - lange gut kontrollier- und schüttelbar, gegen das Ende hin heisst es dann aber auf's Gas drücken. Doch der "Flucht nach vorne"-Schalter funktionierte, als er gebraucht wurde.

Cap i Cua L1 (7a+, os): spezielle Sache an teilweise absolut struktur- und reibungslosem Flowstone, welcher dann punktuell doch mit ein paar stachligen Broccoli bestückt ist - das muss wohl das Vorbild für die modernen Dual-Tex-Hallengriffe gewesen sein. Cool, so etwas auch in der Natur zu finden, mir hat's gefallen. Ich fand die Route noch recht leichtverdaulich, beim nicht so eng gebolteten Finish hilft's aber ziemlich sicher, a) über dem Grad zu stehen und b) etwas Körpergrösse mitzubringen.

La Paz del Borrego (7b, os): im Sektor Chorreras mit den grossen Sintern musste unbedingt noch eine Route geklettert sein. Diese hier wurde mir empfohlen und ich kann das nur mit Nachdruck bestätigen. Gute 40m pfeift die Linie zwischen riesigen Sinterorgeln in die Höhe, einfach geil! Die Kletterei ist über weite Strecken recht gutgriffig und v.a. nicht anhaltend schwierig. Mehrere Boulder erfordern aber Einfallsreichtum und diverse kreative Techniken (Jamming, Kneebar, Reinstemmen, Spreizen, ...). Oben eher weite Abstände, spürbarer Seilzug und die Sicherungspartnerin befindet sich gefühlt auf einem anderen Planeten, daher durchaus alpines MSL-Feeling. Speziell war auch noch, dass diese Route bereits mit Exen ausgerüstet war. Nehm ich noch 2 Exen mit oder doch lieber 4? Schliesslich 4 Stück an den Gurt gehängt und weiter oben festgestellt, dass jede einzelne davon noch gebraucht würde (die letzten 3 BH und der Stand waren nicht ausgerüstet, dies war vom schmalen Band am Einstieg so nicht ersichtlich).

Miguel Gomez (7a+, os): zum Tagesabschluss wurden wir hier noch eingeladen, bzw. gebeten, die bereits ausgerüstete Route doch bitte abzubauen. Nichts lieber als das, war mein Motto :-) Geboten kriegt man doch ganz andere Kletterei wie sonst im Sektor: positive Leisten statt Sinter, aber echt cool.

Mit diesem Onsight-Flow hätte es gerne noch länger weitergehen dürfen. Doch leider war das Tageslicht schon wieder zu Ende und wir mussten zum Rückzug blasen. Beim Power-Duo von Larina und ihrem finnischen Kletterpartner hatte sich leider kein Rotpunkt-Erfolg eingestellt, in ihrer Route war es offenbar mit dem zeitweiligen Regen und der feuchten Luft ziemlich schmierig, was für mich kein Problem dargestellt hatte.

Dieses Mal kamen wir von der anderen Seite in den Canyon und kletterten somit an den Wänden rechts.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Die hier im Beitrag beschriebenen und von uns bekletterten Sektoren sind auch auf The Crag gut und vollständig beschrieben. 

Saison & Charakter

Die in diesem Beitrag beschriebenen Wände sind nach NNW orientiert und im Winter ganztags im Schatten, im Sommer bis am späteren Nachmittag. Am meisten geloggt werden die Routen trotzdem im Hochwinter. Sobald das Thermometer einen Wert von 5-10 Grad überschreitet, wird hier heftig geriegelt. Die Konzentration von Routen im Bereich von 7a-8b ist enorm hoch, darunter wird man nur vereinzelt glücklich. Es handelt sich vorwiegend um überhängende, ausdauernde Wandkletterei mit Tufa Features, die jedoch doch nicht allzu steil bzw. athletisch-powerig ist. Sofern es nicht zu stark regnet, bleiben die meisten Routen gut kletterbar.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag. Wenn ich in Chulilla residiert hätte, so wäre ich sicherlich vom Ort aus gelaufen und nicht zu einem der beiden Parkplätze gefahren, da die Fahrerei zeitlich kaum mehr einen Vorteil bringt.