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Freitag, 21. Februar 2020

Claro News 2020

Klettern an den sonnengewärmten Tessiner Felsen, davon kann man einfach nie genug kriegen. Der Crag in Claro gehört definitiv zu meinen Lieblingsdestinationen, kein Wunder zieht es uns immer wieder dahin zurück. Noch manches spannende Projekt wartet dort meiner Begehung, doch kürzlich ist's eines weniger geworden. Neu kann man sich im (Haupt-)Sektor California eine Portion 'Suure Moscht' (8a) verdienen.


Die m.E. höchst treffend benannte Route befindet sich zwischen 'Teresa ciapa la presa' (7a+) und 'Zigofolies' (7c+). Auf plattige Einstiegsmoves folgt schon bald ein kniffliger, technischer Boulder, der etwas Zeit zum Gären braucht. Nach dessen Bewältigung wird man in etwas einfacheres Gelände entlassen, nur um vor dem Stand noch einmal in Präzision und Athletik geprüft zu werden. Nein, homogen-ausdauernd ist diese Route nicht und rein mit Kraft wird ihr auch kaum beizukommen sein. Vermutlich macht das den Mix, dass sie manch einer als 'unlohnend' empfindet. Die Natur spielt ihre Spiele aber so, wie sie will. Gäbe es an entscheidender Stelle nur ein 5mm breites, scharfes Käntchen, dann wäre die Sache schon wesentlich zugänglicher und es könnte eine ziemlich kontinuierlich fordernde 7b+ sein. Mich persönlich hat das Projekt gereizt - vor allem, weil es darum ging, eine 'unmöglich' scheinende Stelle zu entschlüsseln und sie erfolgreich zu meistern, was ja jetzt nun eben gelungen ist. Aber vielleicht ist das einfach der Benefit von jenem, welcher noch der Erste sein kann. 

Nein, das ist kein qualitativ hochwertiges Foto - unscharf, schlechtes Licht, low-quality-Apparat und von weit weg. Meinen herzlichen Dank an Jerome, der mich hier vor die Linse genommen hat! Trotzdem vermittelt das Foto einen Eindruck von der oberen Crux, wo man ein weiteres Mal trittarm zu moven hat.
Wie die Route zu bewerten ist, stellt eine schwierige Frage dar. Für mich persönlich definitiv an der Grenze des Machbaren, zum Glück auf der richtigen Seite. Somit schlage ich eine 8a vor, wie immer völlig frei von persönlichen Emotionen. Sollte sich im Laufe der Zeit ein andere (insbesondere tiefere) Einstufung als geeigneter erweisen, so schmerzt mich das überhaupt nicht und entwertet mein Erlebnis mit diesem Projekt nicht im Geringsten. Im Gegenteil, ich freue mich darüber zu hören, wie andere die Route und ihre Schwierigkeiten erlebt haben - go and crush it :-)

Ein bisschen weniger grimmige aussehende Claro-Action darf auch nicht fehlen. 'Te la do io l'Arca' (7b), die meine beiden Frauen inzwischen erfolgreich meistern konnten, bravo! Weitere News zu noch nicht in den Kletterführern verzeichneten Claro-Routen gibt's übrigens hier und da

Dienstag, 5. März 2019

Claro: a^n + b^n = c^n, lösbar oder nicht?

Im Schnee wäre es ganz sicher auch toll gewesen, doch an den Felsen von Claro den Frühling zu geniessen schien auch eine gute Devise. So war's dann auch, die Bedingungen waren exzellent und nachdem auch die erst noch bockigen Projekte gelangen, war's endgültig ein genialer Ausflug. Das ist nämlich schon ein wenig das harte Los beim Sportklettern: während bei einem Schneetag der Erfolg bei vernünftiger Planung quasi garantiert ist, so kann man bei einem Kletterprojekt (welches diesen Namen wirklich verdient) auch mit leeren Händen heimgehen. Oder um es mit den Worten von Martin Fourcade auszudrücken: "Sport de merde...mais c’est pour ça qu’on l’aime tant!"

Tolle Bedingungen und viel Volk in Claro. Kletterer in Machintosh (7a) und Te la do io l'arca (7b).
Drei Wochen zuvor war ich schon einmal vor Ort. Damals gelang mir schliesslich der Durchstieg der Direktvariante vom 'Poetic Face' (8a), eine allgemein als "soft" bekannte Route. Diese Einschätzung kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht teilen. Klar, die Route ist kurz und bietet keine Geheimnisse. Wer dem Grad überlegen ist, wird hier vermutlich zügig zum Erfolg kommen. Trotzdem, schon die Bouldermoves vom Boden weg fielen mir richtig schwer. Am meisten Mühe bereitete mir jedoch die Stelle vom dritten zum vierten Bolt. Die Standard-Beta ist mit meiner Grösse einfach nicht durchführbar. Nur mit einer kreativen Lösung ging's hart am Limit - nur musste das dann auch noch nach dem Einstiegsboulder gelingen. Nur nach einigem Effort und mit etwas Glück konnte ich es schliesslich zusammenhängen. Den nachfolgenden Quarzwürfel einmal in der Hand war's dann für mich einfacher, der berühmt-berüchtigte Mantle und der glatte Plattenausstieg lagen mir da deutlich besser.

Frühlingsgefühle... da vermisst man den Schnee gleich nicht mehr.
Noch an diesem Tag schnupperte ich dann auch noch ein wenig in 'L'ultimo teorema di Fermat' (8a+). Als Mathematiker ja eigentlich eine ziemlich logische Wahl. Doch dass beim Klettern nicht alles logisch zu sein braucht, zeigte sich hier wieder einmal bestens. Auf's erste Versuchen hin schien mir die 'Fermat' trotz höherem Schwierigkeitsgrad einiges zugänglicher zu sein als das eben durchstiegene 'Poetic Face'. So brannte ich natürlich darauf, hier möglichst bald eine echte Chance zu kriegen, die dann eben mit dem Weekend-Trip kam. Bei meinem ersten Go war ich erstaunt, wie viel schwieriger mir die Route im Vorstieg als im Toprope fiel und erst musste natürlich auch die Beta einwandfrei sitzen. Mit dem nächsten Go war dann plötzlich die Hoffnung und die Erkenntnis da, dass es wirklich geht. Damit kam auch der Erfolgsdruck und so misslang der nächste Versuch prompt wegen zu fahrig-nervös-unpräziser Kletterei kurz vor dem Rettungsgriff. Eine gütliche Pause später waren es dann die Bedingungen, die mich ausbremsten: an der Nachmittagssonne war es einfach zu schmierig-warm geworden. Somit musste der letzte Versuch kurz vor dem Eindunkeln die Erlösung bringen. Da passten zwar die Bedingungen wieder, nur fehlte mir schliesslich das letzte Quäntchen Kraft. So wird dann simples Sportklettern eben doch zum Mind Game...

Im Winterhalbjahr stellt einem der Zugang oft vor Probleme. Bei diesem Besuch war die Strasse hinauf nach Censo zwar zu 99% schneefrei, aber ein paar Abschnitte in nordexponierten Buchten waren dermassen spiegelglatt vereist, dass an ein Durchkommen mit dem Automobil nicht zu denken war. Aktuell (Anfang März 2019) ist jedoch alles aper und problemlos passierbar. Im Tessin hat's keinen Schnee weit und breit, man könnte wohl schon fast trockenen Fusses bis auf den Pizzo di Claro steigen.
Doch neuer Tag, neues Glück: am Sonntag früh lief's dann nach dem Aufwärmen so wie es sein sollte. Die Bedingungen schön grippy, der Power den Anforderungen genügend und so war plötzlich alles im Fluss. Zumindest bis zu jenem Rastpunkt, wo die Schwierigkeiten beinahe vorbei sind. Ab dort wartet nur noch ein fusstechnisch heikler Dynamo. Man muss sehr plattig und mit höchster Schleudergefahr antreten, doch im Kontrollmodus und ohne richtig Schub aus den Beinen geht der lange Zug nicht. Doch ich konnte meine Nerven im Zaum halten, den Griff schnappen und hinauf zum Umlenker sprinten - genial! Somit war also für n=7 eine Lösung zum Fermat'schen Problem gefunden. Gut auch, dass Klettern nicht Mathematik ist - dort dauerte es nämlich ~350 Jahre um festzustellen, dass das Problem definitiv nicht lösbar ist. Sozusagen als Beigemüse gelangen mir noch die Rechtsvariante der 'Riderstone' (7b+) und die superheikle Platte der 'Zigofolies' (7a+) im Onsight - wenn's läuft, dann läuft's. An der letzteren Begehung freue ich mich auch mega, für mich persönlich war das nämlich deutlich anspruchsvoller und mehr am Limit wie die 7b+. Zuletzt ein Avis aux Amateurs: eine neue Route hat's in Claro auch noch gegeben. Mit dem Namen 'Pachiderma' (7b) führt sie am Cubo zwischen 'Il Questionario' und 'Il Grande Passo' in die Höhe. Ein Platten-Intro um 6c herum führt zum abschliessenden bouldrigen Wulst mit Ausstiegsmantle.

Neben den Mind Games ein weiterer Faktor beim Sportklettern. Da kannst du noch so wollen, so geht's einfach nicht mehr.

Sonntag, 6. Januar 2019

Neujahrstrip 2019 Tessin

Eigentlich waren wir ja erst gerade aus dem Tessin heimgekehrt, fürs Weihnachtsfest und ein bisschen Skifahren. Im Süden sollte weiter die Sonne scheinen, also galt es nur noch eine Entscheidung zu treffen. Tessin oder Oltrefinale? Ja, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt!? So attraktiv die athletische Kalk-Kletterei an der ligurischen Küste ist, noch ein bisschen lieber klettere ich im Tessiner Gneis. Somit positionierten wir uns strategisch mitten im Tessin, um sowohl die Gebiete in der Riviera wie auch jene im Maggiatal anfahren zu können.

Sonne und blauer Tessiner Himmel, eine unschlagbare Kombination im Winter. Hier der Junior im Vorstieg an der Placca di Tegna.
Claro

Den Auftakt machten wir wieder in Claro. Erstaunlich, wie sehr sich die Situation mit der Tropfnässe im Zeitraum einer Woche gebessert hatte. Inzwischen waren fast alle Routen ohne grössere Einschränkungen begehbar. Leider war das Poetic Face (8a) gerade besetzt, als wir anmarschierten. Somit beschloss ich, mir die Zeit vorerst anders zu vertreiben und dann später zurückzukehren. Wie sich immer wieder zeigt, ist die sicherste Methode eine 8a nicht zu ziehen, es gar nicht erst zu versuchen. Zum Aufwärmen bzw. beinahe schon einem ersten Überhitzen ging's in die Farmer (7a). Vermutlich werden das nicht alle mögen - aber wow, was für eine Route! Anhaltend, sehr technisch, äusserst komplex und mit abgefahrenen Moves. Ich vergebe alle Sterne, die ich habe! Die sozusagen direkte Variante Te la do io l'arca (7b) ist von ganz anderem Charakter. Weitgehend gemütliche Kletterei im 6ab-Bereich, die Crux hingegen ein sehr kniffliger Boulder. Aber auch da, sowas kann man nicht schrauben, affengeil! Weil sich nebenbei die Kinder noch ausführlich mit ein paar ganz coolen Bouldern beschäftigten, war der Tag danach schon fast um. Ein wenig die Finger strecken in der Apnea (8a) lag noch drin, mehr dann aber auch nicht.



Ponte Brolla Ost

Am nächsten Tag war stürmischer Nordföhn angekündigt, weshalb wir uns für den Ostsektor von Ponte Brolla entschieden. Das war sicherlich ein geschickter Schachzug. Rundum tönte es den ganzen Tag, wie wenn ständig Düsenjets vorbeifliegen würden. Doch aufgrund der lokalen Topografie bleibt es im Ostsektor erstaunlich ruhig. Und sowieso hatte ich ja noch die Zorn der Götter (7c+) offen, in welcher in an Weihnachten knapp gescheitert war. Und eigentlich hätte das im ersten Go dieses Trips auch geklappt. Souverän unterwegs hatte ich ganz zum Schluss aber den Fuss auf einen falschen Tritt gestellt, so den dynamischen Zug verhauen und die Begehung noch versaut. Genau in dieser Situation sollte man ja die Ruhe bewahren und die Sache einfach nach einer gütlichen Pause endgültig abschliessen. Mir gelang's an diesem Tag definitiv nicht - der nächste Go scheiterte wegen nicht adäquatem Ausruhen an Kraftmangel. Und der bald darauf folgende gleich nochmals. Somit sah ich mich damit konfrontiert, dass mir hier die Felle erneut davonschwimmen würden. Es blieb nicht anderes übrig, als eine lange Pause einzulegen, den Rest der Familie in ihren Projekten zu unterstützen und dann vor dem Eindunkeln nochmals einen Go zu geben. Währenddessen gelang z.B. meiner Tochter mit der Omar (6a+) die erste Route in diesem  Grad im Freien sauber rotpunkt - bravo! Mein letzter Versuch im ZdG war dann tatsächlich von Erfolg gekrönt. Meine Extrakraft hatte ich mit meinem dummen Dreinschiessen zwar schon zuvor verpulvert. Doch mit ruhig bleiben und einer Portion Glück (die Deadpoints am Limit sassen exakt) wurde der rote Punkt gesichert.

An den Orten, wo der Föhn nicht hinkam, kühlte es in den klaren Nächten logischerweise schon stark ab. Dieses Bild ist zwar von der Geisha Wall und nicht von Ponte Brolla Ost. Da kann man schon fast von Mixed-Klettern sprechen.

Cresciano

An Silvester kamen noch befreundete Familien ins Tessin nach. Somit war Cresciano das Gebiet der Wahl, hier waren wir schon eine ganze Weile nicht mehr. Dagegen sprachen halt der etwas längere Zustieg (von unten, wobei das Fahrverbot aktuell von den Kletterern und Boulderern nicht beachtet wird, was scheinbar toleriert wird) sowie auch die etwas exponierte Lage vom Sektor Federica. Finalemente griffen wir dann jedoch gleich oberhalb im Beautiful an. Dort wurden links noch einige schöne, aber bisher wenig beachtete Touren nacherschlossen. Ich kletterte Sulle ali della liberta (harte 6b), Sum sem ma sum pasat (7a+) und Pecho Frio (7a). Alle sehr schön in leicht überhängender Wand mit kniffligen Moves an sloprigen Leisten, grossen Auflegern und ein paar Seitgriffen. Zu holen gäbe es auch noch das vermutlich (?!?) immer noch ungekletterte Projekt The crash ano adventure. Es wäre nur ein Einzelzug, der aber knallhart, vermutlich schwieriger wie 7c. Weiter rechts an den bekannteren Routen gelang mir die Tendina Balosa (7b+) locker im zweiten Go. Diese Route hätte ich vermutlich onsighten können, wenn sie bereits mit Exen ausgestattet gewesen wäre. Hängt im Bolt an der Dachkante jedoch noch nichts, so ist die Tour expo. Man kann dann erst nach der grossen Rechtstraverse und den Moves zurück ins Dach klippen und wenn man in dieser längeren und schwierigen Cruxpassage stürzt, so crasht man unterhalb mit einem Pendler in die Verschneidung :-/. Wobei ich keine schlechte Werbung für die Route machen will, denn mit Verschneidung, einem Leistenquergang und dem abschliessenden, athletischen Dach ist's wieder einmal Gneis-Kino der allerersten Güteklasse. Einer der Gründe hier anzugreifen war definitiv auch die Beautiful (8b), als eine der besten Touren auf diesem Niveau im Tessin gehandelt. Mein Kollege zog's souverän im zweiten Go, ich muss da noch etwas länger üben. Wobei mir die Route gar nicht so extrem gut gefallen hat wie sie gerühmt wird - ja, es sind sehr anhaltende, ausdauernde und homogen schwierige Moves an Leisten und Rissspuren. Jedoch oft sehr trittarm, was mir generell nicht so behagt. Die etwas leichtere Alternative ist die rechte Auskneifvariante A fuoco il nido (8a) - die gefiel mir besser und sollte machbar sein (nächstes Mal dann ;-)).

Der kleine Sektor links vom Beautiful in Cresciano mit seinen lohnenden Wandklettereien.

Russo

Weil das Thermometer etwas tiefere Werte anzeigen sollte, war an Neujahr Russo der Crag der Wahl. Mit dem Erscheinen der Sonne waren wir vor Ort und ich konnte mir zum Jahresauftakt gleich die Cabernet Sauvignon (7a) sichern - ein paar knifflige Plattenmoves entlang der Verschneidung sind garantiert, sehr lecker! Wir zügelten hinauf in den Sektor Macao und für mich stellte sich die Frage, wohin geht's? Eigentlich war mein Plan, einmal die ultrasteile Gioco del Ginocchio (7c) anzugreifen. Ich machte mich auf den Weg... um dann dort, wo es steil wird, in die rechte Variante Mosaico (7b+) abzubiegen. Ich war da einfach schon so gepumpt, gerade weiterzusteigen hätte unweigerlich in einem Bloc oder einem Sturz geendet, da schienen die Henkel rechts die Rettung. Es war schliesslich genau die richtige Entscheidung, denn dort konnte ich den Umlenker klippen, auch wenn die tricky Rissklemmer zum Stand hinauf noch alles forderten. Nach etwas De-Pump in der schönen Risskletterei Per domani (6c) wollte ich es dann doch noch wissen und auch noch die Gioco del Ginocchio (7c) Direktvariante versuchen. Im zweiten Go, mit dem Eindunkeln gelang mir dies schliesslich mit ein paar wilden Schnappern in 'Flucht nach vorne'-Art an den Ausstiegshenkeln in äusserst luftiger Position - einfach affengeil so etwas, was für ein Neujahrstag!

Die erste Route im 2019 ist im Kasten! Die Cabernet Sauvignon (7a) verläuft am oberen Rand der weissen Platte, unter dem Steilwulst.

Ponte Brolla - Placca di Tegna & Ost

Aufgrund von einem indisponierten Knie wollte der ganze Tross aufgrund des kurzen Zustiegs und des zudem wieder stürmischen Nordwinds in den Ostsektor von Ponte Brolla ziehen. Nach 4 Tagen Vollgas beim Sportklettern fühlte ich mich morgens für einmal etwas matt - und stellte so die Frage "wer will zuerst noch eine Plattenroute klettern?". Mein Sohn wollte, also los! Auf dem Zustieg  stellte ich die Frage "willst du vorsteigen?". Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen "ja, klar!". Nach einer Kurzinstruktion wie man Stand einrichtet und nachsichert ging's auch schon los, ohne Zögern und mit einem Affenzahn. Schon bald hatten wir die mit uns gestarteten Seilschaften weit unter uns gelassen und der Ausstieg der Occidentale (5 SL, 4c max, 4a obl) an der Placca di Tegna rückte näher. Als ich ankam meinte er sogleich: "Papi, ich möchte nochmals eine Route machen". Einen kurzen Fussabstieg später banden wir uns erneut ein und hinauf ging's in die etwas anhaltendere Centrale (7 kurze SL à max 30m, 4c max, 4b obl). Es folgte ein erneut souveräner Vorstieg, zum Schluss sammelten wir auch noch die beim ersten Mal mit uns gestarteten Seilschaften ein. Ja, das war ein Tag, an dem gewaltige Fortschritte gemacht wurden. Ich vermute fast, dass das letzte Mal, wo ich meinem Sohn eine MSL-Route vorgestiegen bin, schon vorbei ist. Klar kann ich es noch (viel) besser als er. Aber genauso wie ich steigt er lieber vor als nach und ich mache ihm gerne das Geschenk, jeweils Routen zu wählen, die er selbständig führen kann. Für die 12 Seillängen und die 2 Fussabstiege hatten wir insgesamt nur 2.5 Stunden gebraucht. Tipp: die Seillängen sind alle ziemlich genau 30m lang. Das Seil auf diese Länge zu verkürzen spart hier enorm Zeit! Noch war also mehr als genügend Zeit zum Sportklettern vorhanden. Es hatte ziemlich viel Volk und so blieb für mich schliesslich die Child of Vision (7c) die beste Wahl. Über weite Strecken bietet diese lässige Henkelturnerei, eine glatte Boulderstelle bietet jedoch Schleuderpotenzial. Alles in allem aber auch wieder ein Gneisjuwel der ersten Güte. Genau an der richtigen Stelle weist die aalglatte Platte etwas Textur auf, damit man mit den Füssen genug Schub für die nötigen, weiten Moves geben kann - awesome!

Unterwegs in L2 der Occidentale an der Placca di Tegna - sozusagen ein Kinderspiel!

Geisha Walls

Das letzte Mal hatte es uns so gut gefallen, so wollten wir natürlich unbedingt ein zweites Mal an die Geisha Walls und dabei den oberen Sektor beklettern. Hier waren ja eine gute Woche zuvor noch etliche Touren wegen reintropfender Nässe feucht gewesen. Aber nachdem es in Claro so massiv gebessert hatte, vermutete ich hier den gleichen Effekt. Doch das war verfehlt - anstatt einem Drittel wie vor Wochenfrist waren nun gut über die Hälfte der Routen einwandfrei begehbar. Jedenfalls kann man sich hinter die Ohren schreiben, dass man hier nur nach Trockenperioden so richtig glücklich werden wird. Vor allem auch war die tropfende Nässe in der klaren Nacht zu Eiszapfen beachtlicher Grösse gefroren, die den oberen Rand der Wand säumten und dann aufgrund der Sonne zum Teil in die Tiefe stürzten. Umsicht und ein Helm waren absolut unabdingbar - when sportclimbing meets alpinism! Ein sehr erfolgreicher Klettertag wurde es aber doch: erst mit der Collateral (7a+), eine absolute Perle mit genialen Moves an vertikalen Kanten! Die beiden Touren weiter links, die Vinum (7b) und die Kings Cup (7b+) ähneln sich: unten technisch und einfacher, oben steil und henklig über ein Quarzband hinweg. Eine coole Sache, wenn auch im Moment noch nicht jeder Sand/Staub abgeklettert ist und es hier und da noch etwas knirscht. Um 14.00 Uhr hatte uns die Sonne bereits verlassen und es wurde ziemlich frostig. Doch wir trotzten der Kälte und ich machte noch die Akira (7a+), ebenfalls wieder sehr spannend an vorwiegend vertikalen Griffen.

Auch hier kann man wieder sagen "when sportclimbing meets alpinism". Oder auch, wer's halt nicht geschafft hat, sein Projekt zeitig bei Sonnenschein zu punkten, der hat nachher halt in den sauren Apfel zu beissen. In diesem Fall hat es genützt, die hier initiierte Begehung war erfolgreich :-)

Brontallo - El Cat

Am letzten Tag wollten wir nochmals hinten im Maggiatal angreifen, hierhin kommt man ja bei kürzeren Trips meist eher nicht. Also warum nicht wieder einmal an die Wand von Prato, hier hatte ich bisher nur einen einzigen Klettertag verbracht. Doch hier konnten wir schon auf den ersten Blick wieder kehrt machen: im zentralen Bereich hing zentral über der Wand ein Eisfall beachtlicher Grösse. Zwar vermutlich mehr als das Produkt nur einer kalten Nacht, aber trotzdem: sich bei Sonnenschein darunter dem Sportklettern hinzugeben wäre höchst unvernünftig gewesen. Somit war eine Alternative gefragt und die Stand eigentlich in Form vom El Cat in Brontallo bereit. Das Problem jedoch: Kathrin hatte dieses Gebiet als "nicht kindertauglich" im Kopf abgespeichert. Tatsächlich waren wir hier schon einmal zu viert über die Fixseile hochgeächzt und auch der Aufenthalt auf den sonnigen, bequemen aber auch exponierten Balkonen am Wandfuss war damals nicht restlos entspannt gewesen. Ich war mir aber sicher, dass das Gebiet für die inzwischen älter gewordenen Kinder durchaus patent wäre - wie sich zeigte absolut zurecht! Ich beschränkte mich auf die Flower Power (7c), eine 40m lange Route mit einer heiklen, sloprigen und glatttrittigen Crux ganz am Ende. Die Kinder hingegen liefen zu wahrer Höchstform auf, stiegen zuerst 6a, dann 6a+, dann 6b und zum Schluss sogar noch 6c - von daher muss man fast den Schluss ziehen, dieses Gebiet sei höchst kindertauglich :-)

Super Kletterei an der auch im Hochwinter sonnigen Wand von El Cat in Brontallo.

Freitag, 28. Dezember 2018

Weihnachtstrip Tessin 2018

Dieses Jahr lagen die Festtage nun wieder so, dass man bereits vor der grossen Sause einen kurzen Klettertrip ins Tessin einlegen konnte. Dies hatten wir in den Jahren zuvor schon mehrfach so gemacht (2016, 2015, 2014). Tagsüber am sonnigen Gneis klettern und abends dir vorweihnachtliche Stimmung auf dem glatten Parkett von Locarno zu geniessen - eine ziemlich überzeugende Kombination.

Ticino, Playground für Gross und Klein. Oder anders gesagt: während sich die Alten irgendwelche Routen hochwürgen, kümmert sich die Jungmannschaft um die spannenden Moves am Wandfuss.
Auf der Anfahrt fragten wir die Kinder nach der gewünschten Destination. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen - Claro! Schon fast ein Jahr war es her, seit wir das letzte Mal vor Ort waren. Nicht ganz unerwartet zeigte ein Augenschein vor Ort dann aber eine nicht ganz optimale Situation. Das Jahr 2018 war zwar auch im Tessin sehr lange überaus trocken, doch in den letzten Wochen gab es hier Niederschläge satt. So war dann nur ca. 1/3 der Routen einwandfrei trocken (grob: Jaraguri bis Rötstrunz, die Touren um die Apnea, Moulin Rouge, ein paar der kurzen Routen rechts sowie der gesamte Cubo). Gut hatte ich mir den letzteren bisher immer für den Tag aufgespart, wo die restlichen Felsen überflutet wären. Wir kletterten 2 nette Plattentouren (Il Grande Passo 6a+, Succhi Gastrici 6b+). Der Funky-Mantle-Boulder Il Questionario (7b+) warf dann bei mir erst auch diverse Fragezeichen auf. Eine geraume Weile vermutete ich, den Move tatsächlich nicht durchführen zu können. Schliesslich lohnte sich das hartnäckige Tüfteln aber doch: nachdem der Trick einmal gefunden war, lief der Durchstieg dann smooth. So blieb noch ein wenig Zeit, um einmal der Direktvariante vom Poetic Face (8a) auf den Zahn zu fühlen - cool und abwechslungsreich. Wenn ich gleich damit begonnen hätte, wäre das womöglich etwas geworden, aber so bremste mich die Dunkelheit aus. Naja, nächstes Mal dann.

Il Grande Passo (6a+) am Cubo in Claro (he made short work of it). Die harten Superrouten bis 8c+ gleich links ums Eck.
Hä? Leisten halten in bzw. aus Claro macht Freude, auch wenn's daheim im Keller ist. Noch nirgendwo anders habe ich einen ähnlich soliden Gneis mit oft perfekt flacher Rückseite gefunden, welcher sich ideal als Griff für unsere Boulderwand eignet. Mit etwas Suchen findet man alle Grössen und Formen, von der Fingerbrecher-Leiste bis zum Sloper. Die Textur und der Grip dieser Steine sind wirklich optimal. Hier wird eben nun gleich vor Ort Nachschub produziert.
Am nächsten Tag werweissten wir dann, ob wir auf einen neuen Felsen oder einen altbewährten Sektor setzen sollten. Einerseits war da die drängende Frage, ob die Geisha Walls denn auch trocken wären oder eben nicht. Die zweite Frage traf die Besonnung. Nachdem mein Lieblingstool auf suntag.ch inzwischen 12 CHF pro Abfrage verlangt, muss ich meine Berechnung ziemlich handgestrickt mit Azimut, Einfallswinkel und der Landeskarte machen. Eigentlich sollte man das alles zusammen mit dem digitalen Höhenmodell in eine bequeme App verpacken. Ein durchaus interessantes Projekt - aber ob ich die nötige Zeit dazu finde, bzw. sie mir nehme?!? Auf jeden Fall war meine Berechnung akkurat (ab spätestens 14.00 Uhr ist sense mit der Sonne), doch aufgrund der föhnig-milden Temperaturen war das schliesslich gar kein Faktor. Die drückende bzw. tropfende Nässe war hingegen ein Thema. Auch hier war nur ca. 1/3 der Routen vollständig dry - aber da wir noch nie vor Ort waren, war das kaum eine Einschränkung. Wir kletterten schliesslich Castello di Carte (6b+), Inc. Cool 8 (7c+), Anal-Logika (7b), No Woman from Tokyo (6a+), La Piata (6b+) und Detox (6c+). Allesamt typische Tessiner Klettereien und ich stimme absolut mit der Meinung der Erschliesser überein - una vera perla Vallmaggiese!

In den weiten der Tessiner Wälder ist sicher noch manche Perle verborgen. Danke Egon & Co, welche diese Schätze heben!

Yosemite Feelings!
Für den letzten Tag war erneut Nordföhn mit Temperaturen bis zu 18 Grad prognostiziert. Die morgendlichen Tropfen auf dem Dachfenster und der graue Himmel zeigten hingegen ein anderes Bild. Immerhin fand sich auch noch ein Wetterbericht, der dann kurzfristig so etwas wie "teilweise von Norden übergreifende Niederschläge" faselte. Langer Rede kurzer Sinn - wenn man heute etwas holen wollte, so wäre dies am besten im Ostsektor von Ponte Brolla zu finden. Alles bestens bekannt, kurzer Anmarsch und vor allem ist das Gelände teilweise so steil, dass man auch bei Regenfällen trocken bleibt. So weit so gut, auch die drückende oder tropfende Nässe war hier kein Faktor (d.h. alle Routen trocken). Nur mit einem Problem hatte ich nicht gerechnet. Die Feuchtigkeit kondensierte am Fels, sämtliche Routen waren zwischen schmierig und ultraschmierig und daher kaum begehbar. In einer furchtbaren (aber irgendwie eben doch erfüllenden) Kampfbegehung holte ich mir schliesslich die Gambe Leggere (7a). Der meist scharfe Riss bzw. die griffige Schuppe liess sich gerade so halten. Das Dranbleiben hatte sich gelohnt: plötzlich es hellte auf, eine Brise war zu verspüren und eine Viertelstunde später waren bereits alle Routen wieder mehr oder weniger normal begehbar. Dies waren die Benissimo (6b) und die Nina (6a). Beinahe wären auch noch meine Efforts im Zorn der Götter (7c+) von Erfolg gekrönt gewesen. Im Second Go hatte ich die härtesten Moves bereits ausgeführt und fühlte mich noch gut im Saft. Doch plötzlich und komplett unerwartet zippte mir die Hand von der etwas sloprigen Leiste - dryfire! Nach dem Sturz kletterte ich umgehend weiter, nochmals durch die Crux hindurch und bis zum Umlenker. Schade! Weil Heiligabend war und wir schon beinahe daheim erwartet wurden, blieb leider keine Zeit für einen weiteren Angriff. Auch hier wartet also bereits eine Aufgabe fürs nächste Mal.

Auch im Tessin ist der Himmel einmal (ganz unerwartet und entgegen der Prognosen) grau. Das wäre an sich in diesem überhängenden Sektor kein allzu grosses Problem, wäre nicht die Feuchtigkeit auf dem Fels kondensiert. Zum Glück ging's nicht allzu lange und man konnte wieder wie gewohnt angreifen.

Zorn der Götter (7c+) bzw. eher die daneben liegende Occidente (7a+). At least we tried... and did pretty well.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Tessin 1/2018

Am Weekend waren auf der Alpennordseite Kälte und Wolken angesagt. Anstelle von einem Trip in den Schnee schienen uns die sonnengewärmten Tessiner Felsen attraktiver. Und wie immer kehren wir beglückt und mit einem reichen Strauss an Erlebnissen nach Hause zurück. Zum Mix gehören dieses Mal erfolgreiches Sportklettern und eine Neutour in Claro, eine MSL-Route in Ponte Brolla, Bouldern in Arcegno und zum Schluss noch etwas weniger erfolgreiches Finger verbiegen am Balladrum. Doch im Einzelnen...

Aaaahhhh! Klettern an sonnengewärmtem Tessiner Gneis anfangs Februar 2018 - Route Wim (6 SL, 5a+) in Ponte Brolla.
Während sich mein Projekt in Claro vor Weihnachten 2017 schon bei der Anfahrt heftig gewehrt hatte, entfiel diese erste Schlüsselstelle diesmal. Von den reichlichen Schneefällem im Dezember war damals nämlich die Strasse heimtückisch mit Schnee und Eis bedeckt, was uns gezwungenermassen einen verlängerten Anmarsch bescherte. Ob mir das die Kräfte raubte und mich zum Rauskippen am letzten schweren Move führte?!? Wohl eher nein, bei den bouldrig-schwierigen Moves in der Black Brothers (8a+) muss einfach jede Bewegung perfekt sitzen. Nun waren bereits wieder 6 Wochen vergangen... sämtliche grossen und kleinen Tricks hatte ich mir damals noch vor Ort auf ein Audio-File gesprochen. Die Frage war jedoch, ob ich das einerseits so quasi 'ab Band' würde umsetzen können, andererseits ob denn auch die Form noch gleich gut wie damals passte. Die kurze Antwort lautet ja, in meinem dritten Go des Tages konnte ich mir dieses Mal das wohl kurze, aber sehr technisch-bouldrige Testpiece sichern.

Throwback zu den Ereignissen im Dezember 2017. Tückisch vereiste Spurrinnen und mühsamer Schnee daneben machten damals schon die Anfahrt zum Projekt in Claro zur ersten Crux. Naja, laufen statt fahren war dann eben die Devise, wobei Steigeisen gar nicht so unpraktisch gewesen wären.
Die Bohrmaschine hat man am Fels ja meist nicht einfach aus Zufall dabei - nein, so war's natürlich nicht. Schon in der Vergangenheit hatte ich das Potenzial erspäht, mit bzw. für die Kinder und sonst weniger Versierte noch eine kurze Route an diesen Felsen einbohren zu können. Das zahlte sich dieses Mal umso mehr aus: die Bedingungen in Claro schwanken derzeit zwischen perfekt und unmöglich. Konkret waren ca. die Hälfte der Routen bei unserem Erscheinen mit Eiszapfen überzogen, so dass man sie wenn schon, denn schon Mixed hätte angehen müssen. Im Laufe des Tages mit der wärmer und wärmer erstrahlenden Sonne krachten diese Gebilde dann aber tosend in die Tiefe - logischerweise waren die betroffenen Routen 'non practicabile'. Unsere Projekte sowie auch die geplante Neutour links von Carolaina waren davon jedoch nicht betroffen und in perfectly crisp conditions. So konnten wir in gemeinschaftlicher Familienarbeit die Jaraguri (6a) einbohren und dann auch punkten.

Inzwischen haben Regen und Wärme ganze Arbeit geleistet und Schnee ist weit und breit keiner mehr in Sicht. Also geht die Barriere dieses Mal auf (gegen Einwurf von 10 CHF in Münzen, wohlverstanden). Erwähnt sei, dass die Barriere im Dezember auch kein Hindernis war. Nur wurden die Strassenverhältnisse mit jedem Meter Abstand von der Barriere prekärer und prekärer.
Für den Folgetag wollten wir die Kinder das Klettermenü bestimmen lassen - unter der Nebenbedingung, dass auch für Mama und Papa noch 3 Versuche in Sportkletterrouten drin liegen würden. Alle Wünsche zu erfüllen führte uns zu einer kleinen Safari durchs Locarnese. Der Auftakt dabei am Rovine del Castelliere in Ponte Brolla. Zusammen mit der Tochter kletterte ich die im Plaisir Seléction aufgeführte Wim (6 SL, 5a+, 4c obl.). Diese führt als eine der wenigen Routen bis ganz zum Gipfel und bietet lässige Kletterei im ortstypischen Gneis. Die ersten 3 Seillängen sind recht steil und auch gar nicht so easy - 5a+ ja meinetwegen, anderswo geht das vielleicht auch als 5c durch. Selbstredend spielte das für uns keine Rolle, diese Schwierigkeiten haben wir an beiden Seilenden im Griff. Unterwegs, und vor allem in den oberen drei, etwas plattig-flacheren, einfacheren Seillängen mit ein paar kniffligeren Einzelstellen schweiften die Blicke immer wieder auf die Wände vis-à-vis. Nein, heute war es noch zu früh in der Saison für DEN PLAN... aber vielleicht schön bei der nächsten Reise ins Tessin, wer weiss?!?


Zum ersten Mal nach langen Jahren stieg ich also tatsächlich auf den Gipfel des Rovine del Castelliere aus. Vom Ende der Route geht's erst noch etwas aufwärts auf Wegspuren, bis man zum Gipfel mit dem prähistorischen Kastell kommt, welches derzeit restauriert wird. Von dort kann man auf markierten Bergwegen nach Tegna absteigen. Entweder via Forcola (Wegweiser) oder unsere Variante, direkt hinunter durch die Südflanke und zuletzt durch die breite Schlucht, welche von der Forcola nach Tegna zieht. Und wie so oft hat es sich sehr gelohnt, wieder einmal neue Pfade zu beschreiten, tatsächlich haben wir auf diesem Abstieg noch einen gut gehüteten Schatz entdeckt - "wenn wäisch wani mein...!?!". Von unten kommend ist der Beginn vom Pfad übrigens nicht leicht zu finden. Dort wo's zum Campo Sportivo hinuntergeht zwischen den Häusern durch, einen Block nach links et voilà.

Die finalen Moves in der Wim (6 SL, 5a+) kurz vor dem flachen Gipfel des Rovine del Castelliere.

Nach diesem Auftakt ging's noch nach Arcegno zum Bouldern. Für Hardmover gibt's hier im Vergleich zu anderen Tessiner Gebieten nicht extrem viel zu holen, aber für Kinder ist's absolut perfekt. Zuletzt liessen wir das Weekend dann bei perfektem Panorama und mildem Sonnenschein an den Felsen vom Balladrum ausklingen. Hier waren wir schon vor ein paar Jahren vorbeigekommen, damals noch mit dem Kinderwagen. An jenem Tag waren mir fast alle Routen gelungen. Ausstehend war einzig noch der Frosch (8a). Doch dieser hüpfte mir erneut davon. Die Route ist zwar nur 10m kurz, aber dafür umso intensiver. Hier gilt es bei aktuer Trittarmut, kleine, extrem scharfe Leisten ohne Rücksicht auf Verluste an Haut und Gelenken zu riegeln. Irgendwie 'not my cup of tea', bzw. für meine Gewichtsklasse ganz generell ein suboptimales Projekt - so schön der Platz über dem Lago Maggiore auch ist, vermutlich werde ich nicht allzu bald zurückkommen, um den Frosch zu bändigen - da gibt's im Ticino noch manch anderes Projekt, welches mich wesentlich mehr begeistert und wo wir hoffentlich schon bald wieder Hand anlegen können :-)

Arcegno Bouldering. Ein gutes Topo findet man hier: klick!

Sonntag, 1. Januar 2017

Neujahrsgrüsse aus dem Tessin

Wenn ich auf meinen aktuellen Facebook-Feed oder den Instagram-Account schaue, dann sollte man momentan in Südtirol am Eisklettern sein, durch irgendwelche österreichischen Nordwände kraxeln und selbst wenn's nur um Sportklettern geht, so wären Spanien, Leonidio oder gar Thailand die angesagten Destinationen. Aber nix da, mit Familie ist es unvorstellbar, quer durch die Alpen oder über noch weitere Distanzen den aktuellen Hotspots hinterherzureisen. So gibt's denn nur einen kurzen Trip ins Tessin.

Eigentlich gibt's von diesem auch gar nicht so viel zu erwähnen. Mit Frühstück, Plattenklettern, Sportklettern, Nachtessen und Locarno on Ice sind unsere Tage voll, aber selbst für kletternde Dritte wohl nur mässig spektakulär ausgefüllt. Die Klettergebiete sind meist wohlbekannt - ok, der Ostsektor in Ponte Brolla ist so gut wie eh und je, zurzeit fast unbesucht und der Grip ist prima. Claro, wo man Routen einmaliger Güte wie Apnea (8a) oder Teresa ciapa la presa (7a+) klettert - da könnte man auch dreimal um die Welt, zum Mond und zurück fliegen, viel besseres wird man eh kaum finden. Die langen, leistenlastigen, ausdauernden Wandklettereien am El Cat, auf einer Sonnenterrasse über Brontallo, prima! Das einzige, was jetzt nicht so uneingeschränkt der Hit war, ist der Sektor Red Island in Someo. Die Klettereien wären an sich auch nicht so übel, aber leider sind sie stark unternutzt - bisschen staubig, teils brösmeliger Fels und viele Dornenbüsche. Tja, und nun fördere ich die weitergehende Unternutzung auch noch, paradoxer geht's kaum.

Apnea (8a) in Claro - oder ämel fascht.
Anyway, der Hauptgrund für diesen Eintrag ist eine doch reichlich ungewöhnliche Première in meinem Kletterleben. An diesem Tag habe ich sowohl eine 8a im Klettergarten punkten können, wie auch noch eine 6-SL-Tour mit meiner Familie geklettert. Ist das spektakulär, erwähnenswert?!? Ich weiss es auch nicht wirklich, vermutlich ja eher nicht, irgendwie ist's auch beinahe wie der normale Alltag in unserer Kletterfamilie. Trotzdem, vor 10 Jahren erschienen mir persönlich beide Erlebnisse unvorstellbar - weder konnte ich den achten Franzosengrad klettern, noch hatte ich Kinder. Wenn ich in einem stillen Moment so darüber nachdenke, dann war das schon ein "pretty darn good day"! Facebook hin, Instagram her, eigentlich muss ich so gar nicht mehr überlegen, ob jetzt in irgendwelchen Nordwänden, in Patagonien oder unter richtig südlicher Sonne noch mehr zu holen wäre. Man geniesse doch einfach, was man hat! In diesem Sinne, alles Gute im 2017!

Achtung, fertig, los!

Sonntag, 27. Dezember 2015

Weihnachtsklettern im Tessin

Nachdem es letztes Jahr so schön gewesen war, sollte es im 2015 eine Wiederholung geben. Rein vom Wetter her war es zwar nicht zwingend, auf die Alpensüdseite zu reisen. Doch natürlich waren auch im Tessin die Bedingungen bestens und im dortigen Gneis zu klettern ist immer wieder toll. Da zudem auch die traditionelle Eisbahn auf der Piazza Grande wieder installiert war, stand einem Kletter-Schlittschuh-Trainingslager nichts im Wege.

Wir beschränkten uns dieses Mal auf den Besuch von zwei Gebieten, nämlich Claro und Russo. Das ist die Konzession, wenn man Routen am persönlichen Limit punkten will, ein 1-Tages-Besuch kann da nicht ausreichen. Als Ziele hatte ich mir die L'Egaliser (8a) in Russo und die Apnea (8a) in Claro gesetzt. Das Duell Marcel vs. 8a ging schlussendlich unentschieden 1:1 aus. Daneben blieb dann nicht mehr so viel Raum, um auch noch andere Routen zu klettern, daher ist die Liste dieses Mal relativ kurz.


Russo

No Name Nr. 5 (6c, ***): Schöne, technische Kletterei, die im oberen Teil erst mit einer stehtechnischen Herausforderung wartet, bevor es dann knifflig in der steileren Wand zum Ausstieg geht.

No Name Nr. 6 (7a, ***): Sehr interessant mit einem athletischen, dachartigen Beginn, gefolgt von einer kurzen Rissspur. Nach ein paar einfacheren Metern folgt noch ein sehr kniffliger Ausstieg an Slopern.

No Name Nr. 8 (7a, **): Eine Seillänge auf dem zweiten Stock, welche man als Fortsetzung der beiden Vorangehenden klettern kann. Ein bisschen inhomogen, die bouldrige Crux am markanten Dächlein. Leider wird hier oben nur wenig geklettert, die brösmeligen Flechten stören den Genuss.

Sebra e Chatila (7a+, ***): Hier kann man die Sabra und die Schatila auf 10m Kletterstrecke gleich gemeinsam erledigen ;-) Vor allem denkt man auf den ersten Blick, dass diese flache Popel-Platte ja wohl kaum eine 7a+ sein könne. Steht man am Einstieg, so ändert man seine Meinung auf "nach den ersten Moves ist's gegessen". Und steht man dann nach den funky Startmoves einmal mittendrin, so wird man sich gewahr, dass weiter oben nochmals eine äusserst knifflige Stelle am Haftreibungslimit folgt.

L'Egaliser (8a, ***): Tolle Route mit einem trittarmen Beginn, wo man sich noch einer Rissspur bedienen kann. Danach folgt eine überhängende Zone, die in maximalkräftiger Kletterei an vielen kleinen Crimps und zum Schluss 2-3 Slopern überlistet werden will. Etwas Campusboard-Strom ist hier sicher von Vorteil und sonst hilft vielleicht der Griff in die Trickkiste. Für mich war's ein Toehook, welcher den Schlüssel zum Durchstieg darstellte. Hat man den No-Hand-Rest danach erreicht, führen weitere 15m in plattiger Kletterei im 7a-Bereich zum Stand. 

Frou ou (6c, ***): Selten begangen, aber eine tolle Route in diesem schwarzen Fels. Ich fand sie doch unerwartet knifflig oder mit anderen Worten ganz einfach schwer. Da musste doch kurz der Zauberstab ausgepackt werden, und viele Reserven waren da nicht vorhanden.


Claro

Machintosh (7a, ****): Wow, was für eine Perle. Unten erst einfach, dann folgt unerwartet eine bouldrige Wandstelle, die mit einem weiten Move (Dynamo) überlistet werden will. Oben dann anhaltende Fingerriss-Kletterei dem Pfeiler entlang. Supertoll, wie das aufgeht!

Estival Rock (7a+, ***): Unten reichlich knifflig und trittarm der Piaz-Flake entlang. Nach einem Rastpunkt erst kräftige Gegendruck-Züge an gutgriffigen Rissen. Für die Crux-Traverse in Wandkletterei werden die Griffe dann aber kleiner, und es hat nur noch schlechte Reibungstritte. Dann noch sehr kräftig über den Überhang, bevor endlich richtige Henkel kommen und man etwas einfacher über den Pfeiler den Stand erreicht. Lässig, aber für mich klar schwerer wie 7a+.

No Name (7c, ***): Die Tour zwischen Estival Rock und California. Obwohl nahe zwischen den beiden Nachbarn gelegen, sind die Cruxmoves doch total eigenständig. Und auch hart und knifflig. Nach längerem Tüfteln konnte ich eine Lösung identifizieren, bei welcher ein entscheidender Griff 3x genommen wird (1x links und 2x rechts, mit jeweils verschiedenen Handstellungen). Danach kurz dranbleiben und einfacherer Pfeilerausstieg.

California (7a, ***): So etwas wie ein Gebietsklassiker, aber gar nicht einfach zu holen! Schon bald nach dem Einstieg fängt's an, kräftig-knifflige, trittarme Untergriffpassage. Dann steil manteln und es folgt eine üble Verschneidung mit einem rund-schlipfrigen Riss. Das Trittangebot überzeugt auch nicht, und so will an der Abrutschgrenze gepiazt werden. Pfff, sowas von meinem Anti-Style... aber ganz lässige Seillänge.

Apnea (8a, ****): Eine absolute Perle mit total genialen Moves. Sowas könnten auch die 100 besten Routenschrauber der Welt nicht gemeinsam hinkriegen! Eigentlich hat es fast nur Seit- und Untergriffe, die meisten davon ziemlich sloprig, angelaufen wird meist auf 200% von nichts. Aber trotzdem ist's möglich, auch wenn es sich zuerst vielleicht anders anfühlt. Mit dazu coole Schulterzüge, eine Rissspur - trotz der Kürze gibt's viel Abwechslung. Ein idealer Climb für mich, hier geht's mehr um Flow und die präzise Körperposition als um brachiale Rohkraft.

Raufaser (6c, ***): In meinem Ticino-Führer zwar bloss mit einem einzigen Stern versehen, aber ich weiss auch nicht, was die geritten hat. Supercoole und komplexe Plattenkletterei, angereichert mit ein paar Seit- und Untergriffen. Hat mir grösstes Vergnügen bereitet!

Freitag, 26. Dezember 2014

Buon Natale a Tutti!

Im Alpinismus gibt's ja kaum so etwas wie eine Zwischensaison. Entweder am Fels, im Schnee oder im Eis geht fast immer ein bisschen etwas. Trotzdem, die Weihnachtszeit präsentiert sich mit dem oft übellaunigen Tauwetter meist als nicht besonders ergiebige Zeit, besonders auf der Alpennordseite hat es zum Skifahren kaum Schnee, fürs Eis ist es zu warm und das Wetter zum Klettern überzeugt auch nur teilweise. Umso besser, dass es noch die Alpensüdseite gibt, die als Ziel für unseren Weihnachtstrip bald gesetzt war.

Claro

Zum Auftakt besuchten wir die Felsen in Claro, schon über 15 Jahre zurück liegt mein letzter Besuch hier. Fuhren wir damals die Bergstrasse nach Censo aufgrund des Fahrverbots noch mit Bike hoch, so darf man dies nach dem Löhnen von 10 CHF nun auch offiziell mit dem Auto tun. In 10-15 Minuten Bergabmarsch erreicht man dann das langgezogene Felsband, das rund 100 sehr interessante Routen in perfektem Gneis aufweist. Das Gebiet gilt als sehr anfällig in Bezug auf Nässe und tatsächlich war hier immer noch der Effekt der heftigen Niederschläge von Anfang November zu sehen. Geschätzt mehr als die Hälfte der Routen war nicht komplett trocken. Umso besser, dass ich hier ohne offene Projekte angerückt war.

Moulin Rouge (6c, ****): Sehr interessante und anhaltende, plattige Kletterei. Drei Einzelstellen stechen bezüglich Schwierigkeit noch besonders heraus, die letzte ein laaanger Move kurz vor dem Umlenker. Da musste ich mich echt schon anstrengen, um den Onsight zu holen.

La Ragnatela (6b, ***): Steile Wand mit interessanter Felsstruktur. Einige Crimps und die auffälligen, schrägen Risse erlauben hier das Fortkommen. Ziemlich anhaltend, eher ein Ausdauerproblem.

La Canta (6c, **): Bouldrige Kantenkletterei, die Bewegungen gut geplant und gut gehookt ist hier halb geklettert. Im Vergleich zur Moulin Rouge meiner Meinung nach kaum derselbe Grad, sondern deutlich einfacher.

Lobbia (6c, ****): Nochmals eine bouldrige Kante. Einfacher Plattenauftakt, das Wesentliche spielt sich auf den 8m danach ab. Trotz der Kürze aber voll genial, um die Ecke drücken, an Leisten schnappen und an Henkeln manteln - supercoole Abfolge!

Damit war der Klettertag dann auch schon wieder gelaufen. Die Sonne erwärmt einen in Claro am kürzesten Tag des Jahres bis irgendwann zwischen 15.30-16.00 Uhr. Diese Zeit hatten wir mehr als ausgenützt und dabei das ganze Gebiet für uns alleine gehabt. Nachdem Larina ihr Projekt auch beendet hatte wartete auf uns noch der Wiederaufstieg zum Parkplatz und nach dem Käffeli die Fahrt in unser Domizil. 

Larina in Moulin Rouge (6c) - bis zum Umlenker gekommen, die B-Note noch etwas verbesserungsfähig :-)

Vigezzo

Der zwischen Malesco und Re gelegene Klettersektor mit dem Namen Villette Alto existiert gewiss schon sehr lange. Auf unsere Traktandenliste war er aber erst gerückt, nachdem ihn Sandro im Extrem SUD publiziert hatte - da sieht man echt mal wieder, was ein gut recherchierter und schön präsentierter Führer ausmacht, ansonsten wäre diese Perle nämlich an uns vorbeigegangen. In rund 10 Minuten Zustieg erreicht man den am sonnigen Südhang gelegenen Felsriegel mit superbequemem Einstiegsbereich. Auch an den kürzesten Tage wärmt die Sonne hier von ca. 9.00-16.00 Uhr, einfach perfekt!

Marco (6c, ***): Schon bald nach dem Einstieg muss man parat sein, dann klettert man durch eine einfachere Zone zur steilen Abschlusszone, wo man für 6c schon ordentlich hinlagen und weite Züge präsentieren muss.

Zip (7a, ****): Bald nach dem Einstieg folgt eine kratzige Passage, bevor man nochmals etwas durchschnaufen kann, um dann das Bewegungsproblem der finalen Crux (sehr interessant an Leisten und Untergriffen) anpacken muss.

Gaby (7c, **): Sehr einfacher Auftakt (ca. 5c, 12m) bis zum Zwischenstand, dann folgt ein etwas brösmelig-sandiger Wulst, der mit einem praktisch trittlosen Boulder (Seitgriff - Crimp - Crimp) zu meistern ist - konzentriert und tough!

Fabri (7a, ***): Anhaltende Kletterei an kleinen Leisten und ein paar Seitgriffen, schön! Teilweise etwas nahe an den anderen Routen gebohrt (oder umgekehrt, je nachdem was zuerst da war).

Edera (7a, ****): Geniales, bouldriges Bewegungs- und Spannungsproblem mit vielen Untergriffen und ein paar Leisten - Gneiskletterei at its best!

Digital Killer (7a+, ***): Ziemlich kratzige und technisch anspruchsvolle Route. Gute Fussarbeit ist unerlässlich, und das Halten von winzigen, rauhen Leisten erfordert noch genügend Fingerhaut.

Facile (5b, ***): Die einfachste Route im Gebiet, fast 30m lange Plattenkletterei mit recht anhaltenden Schwierigkeiten. Für diesen Grad wirklich gut, es war das Projekt für unsere Kinder.

Als die Sonne schon eine Weile hinter dem Horizont verschwunden war und die Dunkelheit hereinbrach, traten wir den Weg zurück zum Automobil an. Kaum eingestiegen war der Nachwuchs schon eingeschlafen. Die Rückfahrt nach Locarno ist zwar nur etwa 30km kurz, wegen der extrem engen und kurvigen Strasse dauert's bei defensiver Fahrweise aber doch fast eine Stunde. Dort wartete dann noch das Highlight des Tages, der Besuch auf der Eisbahn, welche temporär auf der Piazza Grande aufgebaut ist - wirklich tolles Ambiente, guter Sound, was will man mehr?!

Der Anmarsch schön kurz, und dabei erst noch hervorragend bezeichnet...
...der Fels mit dem topfebenen Einstiegsbereich lässt auch nur wenige Wünsche offen.
Facile (5b), easy debii sii, aber nie (!) ohne Chalkbag!

Russo

Ein guter Tessin-Tip für die dunklen Wintertage sind auch die Felsen von Russo im Val Onsernone. Hier wärmt einem die Sonne auch von früh bis Mitte Nachmittag (ca. 9.00-14.45 Uhr). Geboten wird einem interessante Plattenkletterei (linker Sektor) oder athletisches Steilpotenzial (rechter Sektor). In letzterem liessen wir uns nieder - selbst nach zwei früheren Besuchen waren mir hier noch einige Projekte offen geblieben. Bis auf eine weitere Seilschaft waren wir auch hier wieder alleine zugegen und hatten somit bezüglich der Routenauswahl freie Hand.

Lame a doppio taglio (6a+, ***): Steile, für den Grad richtig athletische und auch nicht ganz einfache Kletterei, welche einem System von Rissen und Schuppen entlang führt. So ganz restlos zu 100% solide wirken diese Schuppen auf mich nicht wirklich, da hier aber regelmässig geklettert wird, braucht man sich wohl nicht allzu sehr zu sorgen.

Croce del Sud (7b+, ****): Allez hop, nicht trödeln sondern durchsteigen heisst die Devise. Nach dem einfachen Einstieg wartet erst technisches Geschiebe an Rissspuren und Seitgriffen. Die Crux dann unters und übers markante Dach, ein paar ganz ok Leisten und Henkel helfen dabei. So richtig ins Schwitzen kam ich dann erst danach - die Abschlussplatte mit den seichten Rissen ist unscheinbar aber nicht geschenkt, zudem auch psychisch fordernd. Trotzdem oder erst recht, diesen Onsight liess ich mir nicht nehmen, so dass dieser Ticino-Trip auch sportlich ein richtiger Erfolg wurde.

No Name Nr. 50 (6c, **): An sich schöne Kletterei, unten einer Piazkante entlang, dann durch eine seichte Verschneidung, aber oben bedient man sich dann einiger Schuppen, die wirklich sehr hohl tönen und nicht solide verwachsen sind. Auch die Standhaken stecken nicht einwandfrei - Vorsicht, besser den Roststand links benützen, der steckt wenigstens in solidem Fels.

In Groppa alla Müla (7a, ****): Diese Route hatte ich vor etwa 8 Jahren bereits einmal Punkten können, zum Tagesabschluss stellte sie aber ein interessantes Projekt dar. Nun war ich in Fahrt, tatsächlich gelang der Alzheimer-Onsight. Die Kletterei ist genial, erst tricky und aufreibend im Piaz einer runden Kante entlang, oben geht's dann henklig-toll über die Dachzone hinweg.

Das war es dann bereits wieder mit den tollen Tagen im Tessin - einmal mehr hatte sich die Reise voll ausbezahlt, die Gneiskletterei unter dem stahlblauen Winterhimmel bei milden Temperaturen ist einfach ein Hochgenuss. Klar, früher hatten wir bei solchen Trips jeweils noch etwas mehr Routen in einen Klettertag einfüllen können, heute mit den Kindern zählen auch andere Dinge. So zum Beispiel ein weiterer Besuch auf der Eisbahn, bevor es auf den praktisch leeren Strassen hochzufrieden zurück nach Hause ging.

Käffeli kochen und fotografieren, nur zwei von vielen Beschäftigungen unserer Kinder im Klettergarten...
Und zum Schluss noch die super Eisbahn auf der Piazza Grande!